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            <title type="main">Mittwoch, der 12. Dezember 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_01">Mittwoch, 12. Dezember 1979<lb/>
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für Subventionen für dieses Jahr. Wir sind sehr grosszügig,<lb/>
denn nach Mitteilung von Budget-Abteilungsleiter <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs><lb/>
schwimmen wir im Geld. Bei dieser Gelegenheit einigen wir uns<lb/>
auch darauf, dass die Fremdenverkehrs-Hausaktion an die<lb/>
BÜRGES abgetreten wird. Ich hätte eigentlich einen härteren<lb/>
Widerstand gegen diese Idee von seitens der Gruppe <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> er<lb break="no"/>wartet. Immerhin wird dadurch ein grosser Machteinflussbereich<lb/>
von Beamten an die BÜRGES übertragen. Die grösseren Projekte<lb/>
werden nach den Richtlinien allerdings mit den Beamten des<lb/>
Handelsministeriums abgesprochen werden müssen. Da wir die<lb/>
Bundesländerzuschüsse – jetzt geschieht es meistens, dass<lb/>
die Hälfte das Handelsministerium subventioniert und die<lb/>
zweite Hälfte das Bundesland – weiterhin mitmachen, werde<lb/>
ich einen Brief an alle Landeshauptleute schicken. Bei der<lb/>
Übertragung der Hausaktion an die BÜRGES, welche eine Stär<lb break="no"/>kung ihrer Position bedeutet, wollte ich gleichzeitig auch eine<lb/>
Vereinfachung der Einreichung und Abwicklung. SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> meint,<lb/>
da doch auch für den Einzelfall jetzt schon sehr grosse Beträge<lb/>
auf dem Spiele stehen, könnte man allein aus bankmässigen<lb/>
Gründen kaum eine grössere Vereinfachung verlangen. Überein<lb break="no"/>stimmend ist die Meinung, dass in Hinkunft die Hausaktion kosten<lb break="no"/>mässig bei der BÜRGES teurer sein wird, als bis jetzt im Handels<lb break="no"/>ministerium. Dies ist allerdings wahrscheinlich nur darauf zu<lb break="no"/>rückzuführen, dass man die Beamtenkosten halt nicht rechnet.<lb/>
Sektionsrat <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs> hat bei NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> interveniert und auf diese<lb/>
Änderung aufmerksam gemacht. Ich konnte <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> davon überzeugen,<lb/>
dass damit die Gerüchte über die angeblichen Bestechungen im<lb/>
Handelsministerium endgültig verschwinden werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_03"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat als Vizekanzler und Koordinator alle beteiligten<lb/>
Ministerien, vor allem aber auch die Minister zu einer Energie<lb break="no"/>sparsitzung einberufen. Einleitend meinte er, es müsse jetzt<lb/>
endlich etwas geschehen, um grössere Energiesparerfolge zu er<lb break="no"/>zielen. Es wäre zu überlegen, ob ein freiwilliges wesentlich<lb/>
tieferes Kontingent für Ölimporte vorgesehen werden sollte, als<lb/>
<pb n="51-1393" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-12_1393.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mir geglückt ist bei der Internationalen Energieagentur<lb/>
durchzusetzen. So sehr ich die Kontingenthöhe bei der IEA<lb/>
verlangt und letzten Endes auch durchgesetzt habe, so sehr<lb/>
bin ich natürlich bereit, wenn es im Inland Sparmassnahmen<lb/>
gibt, dass wir nicht 11.5 Mio. Tonnen nächstes Jahr verbrauchen,<lb/>
sofort mitzumachen. Der Vertreter des Wirtschaftsforschungs<lb break="no"/>institutes, <rs type="person" ref="#per__97764">Musil</rs>, erörterte, dass die 11.5 Mio. Tonnen nur eine<lb/>
3%ige Erhöhung der jetzigen Verbrauchsziffern sind und wahr<lb break="no"/>scheinlich auch gebraucht werden. Für die Jahre 1981/82, wo es<lb/>
kaum ein fertiggestelltes Fluss-oder Speicherkraftwerk gibt,<lb/>
auch die Kohlenkraftwerke werden erst zu einem späteren Zeit<lb break="no"/>punkt wirksam werden, wird man schon allein aus diesem Grund<lb/>
mehr Öl brauchen, um den Elektrizitätszuwachs decken zu können.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass der seinerzeitige Auf<lb break="no"/>trag, wie sieht das Wirtschaftsszenarium bei nur 2.5% Energie<lb break="no"/>verbrauchszunahme aus, umgeändert wurde auf, wie wirken sich die<lb/>
Sparmassnahmen aus unserem grossen Katalog aus. Ich habe <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
nach der Sitzung gefragt, wieso er ohne <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> oder mich zu<lb/>
verständigen, einer solchen Änderung zustimmte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Lass Dir bitte die Unterlagen geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_05">SChef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> als Koordinator im Bundeskanzleramt behauptete,<lb/>
dass das Landwirtschaftsministerium im Terminplan vorgesehene<lb/>
Erlässe über Hortung von Wasserrechten, resp. die Festlegung<lb/>
dass Kleinkraftwerke auch im öffentlichen Interesse § 5 des<lb/>
Wasserrechtes aufgezählt werden, nicht rausgibt. Staatssekretär<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> konnte ihm das Gegenteil beweisen. Wenn <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> oder mir<lb/>
dies passiert, hätte ich <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> ganz schön dort zusammengestaucht.<lb/>
Als Koordinator muss er schon wissen, was geschehen ist und was<lb/>
nicht. Dies umso mehr, als ja die entsprechenden Informationen<lb/>
im Ministerrat vorgelegt sind. Eine lange Diskussion gab es<lb/>
dann mit den EVA-Leuten <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs>, <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__132748">Kaniak</rs> wegen der<lb/>
Oktanerhöhung. <rs type="person" ref="#per__132748">Kaniak</rs> behauptet, dass die 88 ROZ in Hinkunft<lb/>
allein aus der Kraftfahrzeugstruktur nicht mehr möglich sind<lb/>
die Zapfsäulen zu mischen, daher eine Fehlinvestition sein<lb/>
werden und die Behauptungen der Ölgesellschaften, die ja alle<lb/>
bei der jetzigen Oktanzahl bleiben wollen, weil dadurch 25%<lb/>
<pb n="51-1394" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-12_1394.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der jetzigen Autos mit diesem Energie weniger aufwendigen<lb/>
Benzin fahren können, ansonsten teureren Benzin kaufen müssen<lb/>
falsch sind. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> konnte mit recht festhalten, dass<lb/>
es einen einstimmigen Beschluss gegeben hat, die Oktanzahl<lb/>
beizubehalten und nur eine Propaganda jetzt für richtiges<lb/>
Mixen zu starten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Auf nächstes Jour fixe AK und ÖGB setzen,<lb/>
ob <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs> tatsächlich dort zugestimmt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_07">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__111408">Eypeltauer</rs>, der ich ja bei meiner Wortmeldung<lb/>
sofort mitteilte, dass in Hinkunft sie die Arbeiten für Wärme<lb break="no"/>dämmung usw., die jetzt im Artikel 15 mit den Ländern vereinbart<lb/>
wurden, machen wird, war darüber weder glücklich, noch teilt sie<lb/>
die Meinung der EVA, dass wirklich das Bautenministerium noch<lb/>
höhere Werte verlangen und durchsetzen müsste. Unter anderem<lb/>
behauptete <rs type="person" ref="#per__114098">Fantl</rs>, wenn die Alufensterproduktion eingestellt wird,<lb/>
Ranshofen soll eben was anderes erzeugen und forderte eine wei<lb break="no"/>tere Verschärfung der K-Werte. Der Vertreter des Wissenschafts<lb break="no"/>ministerium <rs type="person" ref="#per__1137394">Zellhofer</rs> berichtete über die 55 Fahrzeuge, die<lb/>
jetzt mit den Ethanolgemisch fahren und dass sie jetzt stationäre<lb/>
Strohverbrennungsanlagen entwickeln wollen, da natürlich die Land<lb break="no"/>wirtschaft, <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs>, insbesondere auf die Möglichkeit der Biomasse<lb/>
hingewiesen hat. <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> hat dort aber eindeutig festgehalten, dass<lb/>
das Ethanolprojekt niemals sich rechnen wird, denn es werden<lb/>
ungefähr 3x so viel Biomasse, Zucker, Mais oder Weizen notwendig<lb/>
sein für 1 Liter Ethanol und daher kaum unter die 8-Schilling-<lb/>
Grenze fallen können. Fraglich ist und bleibt in meinen Augen<lb/>
nur, wer bezahlt die Preisdifferenz gegenüber den Superraffinerie<lb break="no"/>abgabepreis von 2.70 Schilling.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_08"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat dann zusammengefasst und meinte, es sollte jetzt<lb/>
für die Regierungsklausur im Jänner ein Papier ausgearbeitet<lb/>
werden. Die Beamten werden dies unter Vorsitz von <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> vom<lb/>
6.–13. Jänner machen, wo die Sparziele festgelegt werden und wo<lb/>
unbeschadet, ob wir ein Lenkungsgesetz bekommen, welches ich<lb/>
natürlich neuerdings ankündigte, in Hinkunft in freien Verein<lb break="no"/>barungen mit den Ländern den Erdölgesellschaften, den Autover<lb break="no"/>bänden, den Versicherungen, den Banken, usw. wieder einmal ein<lb/>
grosses Sparprogramm festgelegt wird. Bei dieser Gelegenheit<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> will sowieso eine bessere<lb/>
PR Arbeit, daher soll er unverzüglich einen diesbezüglichen Auf<lb break="no"/>trag geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_10"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> stellte neuerdings die Idee, eine Energiefibel jeden<lb/>
Haushalt zu schicken in Diskussion, diese soll von der Ölfirma<lb/>
bezahlt werden. Prof. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, EVA, machten den vernünftigen Vor<lb break="no"/>schlag, bei der 81er Volkszählung, wo man zwar die Haustiere<lb/>
fragt, sollte man auch z.B. über die Öltanks und die Lagerung et<lb break="no"/>was erfahren. Dies geht um so leichter, als ja gleichzeitig, was<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> wieder nicht wusste, eine Häuser- und Wohnungszählung er<lb break="no"/>folgt. Bisherige Wünsche unserer Energiesektion wurden in der<lb/>
Vergangenheit immer vom Statistischen Zentralamt wegen höherer<lb/>
Kosten abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte jetzt, er wird sich durchsetzen.<lb/>
Meine Taktik war, dass ich ihn in dieser Frage natürlich immer<lb/>
unterstütze, denn, wie sich ja herausgestellt hat, ist er, wenn<lb/>
er solche Vorschläge macht, dann auch bereit sie natürlich zu<lb/>
finanzieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte wenn <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> bei Dir ist, unbedingt<lb/>
zu mir kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_12">Der nigerianische Botschafter kehrt nach Lagos zurück und wird<lb/>
dort beim Präsident Informationsminister. Da unser Export<lb/>
ständig zurückgeht, von 1,6 Mia. 1977 auf 905 im Vorjahr,<lb/>
die Importe dagegen von 450 auf 540 gestiegen sind, ersuchte<lb/>
ich ihn, auch in seiner neuen Funktion die österreichischen<lb/>
Interessen weiterhin stärker zu berücksichtigen, was er auch<lb/>
versprach.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_13">Mit den Redakteuren der Presse besprach ich ähnlich wie mit dem<lb/>
Kurier, meine Haltung in der Energiepolitik. Ausgelöst wurde<lb/>
diese Diskussion auch durch etliche hämische Bemerkungen, niemals<lb/>
aber musste ich sofort zugeben, hat die Presse so unqualifiziert<lb/>
attackiert, wie der Kurier. Auch dort kam für die Redaktion<lb/>
unerklärlich meine ablehnende Haltung gegen das Energiesparen<lb/>
zur Sprache. Sie warfen mir vor, dass ich zwar sehr für die Ver<lb break="no"/>sorgung, d.h. Beschaffung der Energie eingetreten bin, dass ich<lb/>
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dem Ölmarkt genützt habe, um die Bevölkerung zum Energiesparen<lb/>
zu bringen. Diese Aussprache bestätigte mir, dass es nicht allein<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> war, der über seine guten Beziehungen zur Kurierredak<lb break="no"/>tion diese Stimmung bei den Redakteuren erzielen konnte, sondern<lb/>
wirklich unser ungeschicktes Verhalten in der Sparfrage, sprich<lb/>
EVA, mit ein Hauptgrund der Polemik gegen mich gewesen ist. Hier<lb/>
habe ich – und das muss ich freimütig geschehen – wahrscheinlich<lb/>
meinen grössten Fehler in meiner bisherigen Tätigkeit gemacht.<lb/>
Nicht erkennen einer Tendenz, nicht zeitgerechtes reagieren und<lb/>
damit ein Vakuum zu schaffen in der unbedingt ein anderer, in dem<lb/>
Fall <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> reinstosst, hätte mir klar sein müssen. Auf lange<lb/>
Sicht werde ich vielleicht wieder Recht bekommen, weil alle<lb/>
Energiesparanstrengungen keine wesentlichen Erfolge erzielen<lb/>
werden, da man in der Politik aber alles relativiert, niemand<lb/>
sagen kann, wenn diese Sparanstrengungen nicht gewesen wären<lb/>
um wieviel wir dann mehr verbraucht hätten, wird man immer wieder<lb/>
dann feststellen, dass eben die EVA entsprechend erfolgreich ist.<lb/>
Wer in einer Konstruktion, wo alle Sozialpartner und die Länder<lb/>
und der Bund Mittel der EVA zur Verfügung stellt, auch noch so<lb/>
sinnlose Aktivitäten entfalten würde, kann gar nicht mit harter<lb/>
Kritik rechnen, weil sich die Organisation dann selbst ad<lb/>
absurdum führt. Mit einer meiner Erfolge in der Konsenspolitik<lb/>
liegt ja darin, dass wenn ich einmal mich mit den Interessens<lb break="no"/>vertretungen zusammengestritten habe, oder auch nur ein Kom<lb break="no"/>promiss imstande bin zu präsentieren, mich keine Seite mehr hart<lb/>
attackieren kann. Diese. nämlich die Konsenspolitik, habe ich<lb/>
bei der Aussprache auch als mein Hauptziel dargelegt. Ich habe nur<lb/>
wiederholt, was ich im Kurier-Verlag auch sagte, dort allerdings<lb/>
nicht geschrieben wurde, ich würde eher alle Konsequenzen ziehen,<lb/>
als auf meine Konsenspolitik verzichten. Natürlich kam dann zum<lb/>
Schluss auch die Frage, ob ich als Handelsminister in Pension<lb/>
gehen möchte, ob ich nach 83 wieder mich um dieses Amt bemühen<lb/>
würde, ob ich nicht lieber Gewerkschaftsbundpräsident werden<lb/>
möchte. Ich habe klipp und klar erklärt, dass ich nicht gefragt<lb/>
wurde als ich zum Handelsminister berufen wurde, dass es in der<lb/>
Partei und schon gar nicht in der Gewerkschaftsbewegung bei<lb/>
uns üblich ist zu sagen, das möchte ich werden und dass insbe<lb break="no"/><pb n="51-1397" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-12_1397.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sondere dies alles gar nicht aktuell ist. Ich bin sehr ge<lb break="no"/>spannt, was letzten Endes dann die Presse aber aus dieser<lb/>
Background-Information schreiben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_14">Die Österreichische-Fremdenverkehrswerbungs-Fraktion hat für die<lb/>
Generalversammlung den Vorschlag von Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> bezüglich der<lb/>
Umgestaltung des Direktoriums diskutiert. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> möchte eine<lb/>
Konstruktion finden, wo alle Länder zustimmen könnten. Nach<lb/>
seinem Vorschlag würde das Direktorium dadurch aber ausgeweitet<lb/>
werden, ohne dass natürlich die Länder mehr Stimmrechte erhielten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> andererseits hat mit Recht verlangt, dass allein schon aus<lb/>
der Optik, 60% der Mittel kommen vom Bund, der Bund einen grösseren<lb/>
Einfluss haben müsste. Wichtig erscheint mir nur, dass jetzt end<lb break="no"/>gültig und überall zur Kenntnis genommen wird, dass die Periode<lb/>
des geschäftsführenden Obmanns mit der Pensionierung von <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs><lb/>
endgültig ausläuft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wie geht die Sache weiter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_16">Bei der Fortsetzung des Bauerngipfels hat <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> zuerst<lb/>
unbedingt verlangt, es müsste das Mindestpreisabkommen mit<lb/>
der EG sofort gekündigt werden. In weiterer Folge konnten <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
und ich ihm überzeugen, dass dies wirklich der letzte Schritt ist,<lb/>
oder wie es so schön gescheit heisst, die Ultima Ratio. Im Jänner<lb/>
und Feber wird <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> insbesondere auch dann mit <rs type="person" ref="#per__114113">Gundelach</rs> diesbe<lb break="no"/>zügliche konkrete Verhandlungen führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Ich möchte einen genauen Bericht, was unsere<lb/>
Abteilung in dieser Frage veranlasst hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_18">Für den Milchstützungsabbau wünschen die Bauern die Erhöhung des<lb/>
Staatsgarantierahmens von 16% auf 17%. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> lehnte dies ab,<lb/>
weil die Erhöhung von 15 auf 16% beim letzten Mal auf einen Rechen<lb break="no"/>fehler beruht und niemals so viel ausgemacht hätte. Die Bauern<lb/>
erwarten weiters eine Erhöhung der Einheitswerte von 700.000 Schil<lb break="no"/>ling auf 1 Mio. Grenze für die Pauschalierung. Auch hier wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erst prüfen, wobei er darauf hinweist, dass jetzt<lb/>
schon bei 700.000 Schilling nur einige Grossbetriebe darunter<lb/>
fallen. Angeblich alles über 75 ha.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_19">Die Mehrwertsteuerpauschalierung von 8% soll um 1% aufgestockt<lb/>
werden. Dadurch würde der pauschalierte Vorsteuerabzug zugunsten<lb/>
der Bauern geändert werden. Diese behaupten in den letzten Jahren<lb/>
1,2 Mia. durch den zu geringen Pauschalsatz systemwidrig bezahlt<lb/>
zu haben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> bestreitet dies ganz entschieden. Für die<lb/>
Weinwirtschaft wollen die Bauern eine Erhöhung des Weinwirtschafts<lb break="no"/>fonds um 10 Mio. Schilling. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärte sich im Prinzip bereit<lb/>
die notwendigen Mittel zu gewähren, wenn mit den Weinbauern gleich<lb/>
eine ordentliche Konzeption über die Weinproduktion mehr Qualität,<lb/>
bessere Exporte, Flächenbegrenzung usw. vereinbart werden kann.<lb/>
Ich nahm zu den Wünschen der Agrarier bezüglich des Ölsaaten<lb break="no"/>projektes neuerlich Stellung. Dr. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs>, Präsidentenkonfe<lb break="no"/>renz-Generalsekretär, und der Bauernbunddirektor <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> meinten,<lb/>
dass der Brief, den die ÖVP-Regierung den Amerikanern gegeben hat,<lb/>
keinerlei rechtliche Bindungen, das nichts geschehen kann, bein<lb break="no"/>haltet. Ich bin nicht dieser Ansicht. Um dies zu testen, wird es<lb/>
ohne dass ich dies den Bauern sagte, notwendig sein, dass endlich<lb/>
einmal jetzt die Abteilung <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> einen diesbezüglichen Vorstoß<lb/>
unternimmt. Bis jetzt war MR <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> sehr zurückhaltend, weil<lb/>
er seine GATT-Verhandlungen nicht stören wollte. Da diese jetzt<lb/>
abgeschlossen sind, muss jetzt das Handelsministerium schon allein<lb/>
als Optik gegen den Bauernbund aktiv werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> soll endlich nach einer inter<lb break="no"/>ministeriellen Besprechung den Amerikanern schreiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_21">Bezüglich des Biospritprojektes habe ich auch in Anwesenheit von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> der Runde auseinandergesetzt, dass ich keine Möglichkeit<lb/>
sehe die Preisdifferenz von 2.70 Schilling Raffinerieabgabepreis<lb/>
für Super und 9.50 Schilling zu überwinden. Es sei denn, der<lb/>
Finanzminister verzichtet auf die Steuer und gibt sogar noch eine<lb/>
Subvention. Die Bauern stellen sich ja vor, dass anstelle der<lb/>
Getreidepreisstützung dieser Betrag für die Biospritdifferenz<lb/>
zur Verfügung stehen könnte. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat sich dazu nicht geäussert.<lb/>
NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> meinte mir gegenüber am Abend, dass er erwartet, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
würde gegebenenfalls auch auf einen solchen Plan einsteigen. Dies<lb/>
kann ich mir nicht vorstellen, doch werde ich in Hinkunft vor<lb break="no"/>sichtiger agieren. Das Finanzministerium soll sich dazu äussern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__114739">Goldmann</rs> soll recherchieren und akt<lb break="no"/>mässig festhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-12_23">Zum 60. Geburtstag von <rs type="person" ref="#per__114511">Muliar</rs> hat dieser nach Gross-Enzersdorf<lb/>
eingeladen. In der Einladung stand ab 20 Uhr. Einige kamen zu<lb/>
früh, viele aber pünktlich. Wer nicht kam, oder zumindestens sehr<lb/>
spät erst, war <rs type="person" ref="#per__114511">Muliar</rs>. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> meint, er ist dies gewohnt, er<lb/>
kommt immer zu spät. Ich habe sofort erklärt, der Fehler war,<lb/>
dass auf der Einladung nicht stand, die Vorstellung beginnt um<lb/>
20 Uhr. In diesem Fall muss nämlich ein Schauspieler um 1 Stunde<lb/>
früher im Theater sein, was bei ihm sicherlich auch nicht zutrifft,<lb/>
man aber doch annehmen kann, dass die Vorstellung einigermassen<lb/>
pünktlich beginnt. Es war wirklich eine grosse Anzahl von Gästen.<lb/>
Viele hatten ihm liebe Geschenke gebracht. Die Idee von <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs><lb/>
ihm eine Balalaika zu geben, war glaube ich aber wirklich der<lb/>
Gipfel. Leider mussten wir nach kürzester Zeit wieder ins Parlament<lb/>
zurück, der Klub hatte uns nur bis 9 Uhr freigegeben, obwohl die<lb/>
Sitzung dann fast bis 11, wie ich erwartet habe, dauerte. Kapitel<lb/>
Unterricht und dann am Abend noch Verkehr zieht sich eben.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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