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            <title type="main">Mittwoch, der  5. Dezember 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_01">Mittwoch, 5. Dezember 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_02">Der chinesische Vizeminister für wirtschaftliche Angelegenheit<lb/>
mit dem Ausland <rs type="person" ref="#per__1137407">WEI</rs> ist für die bi- und multilaterale Entwick<lb break="no"/>lungshilfe sowie für Wissenschaft und technische Kooperation<lb/>
zuständig. Die Aussprache verlief so wie stets, chinesisch,<lb/>
freundlich. Die Chinesen lachten zu allen, was nur annähernd<lb/>
eine humorvolle Seite hatte. Früher hatte ich immer geglaubt,<lb/>
dies sei die ausschliesslich chinesische Höflichkeit, auch dann,<lb/>
wenn dies auf Deutsch höchstens ein Lächeln wäre, haben sie<lb/>
deutlich freundlich entsprechend gelacht. Da die chinesische<lb/>
Botschaft jetzt einen phantastischen Übersetzer hat, der sicher<lb break="no"/>lich jede kleinste Nuance entsprechend wortgetreu übersetzt, ist<lb/>
mir diese Art der Gesprächsführung noch mehr "chinesisch". Be<lb break="no"/>sonders aufgefallen ist mir, dass, wenn der Übersetzer ins Chinesi<lb break="no"/>sche übersetzt, so spricht er laut und deutlich, wie wir eben<lb/>
sprechen, übersetzt er von Chinesisch ins Deutsche, so flüstert<lb/>
er genau so, wie eben der Chinese seine Ausführungen macht. Den<lb/>
Inhalt konnte ich natürlich in keiner Beziehung prüfen. Aus der<lb/>
Mimik und aus dem Tonfall aber glaubte ich schliessen zu können,<lb/>
dass die Übersetzung perfekt war. Ich hatte ihn gefragt, wo er so<lb/>
gut Deutsch gelernt hat, da er ja noch sehr jung ist. In Peking<lb/>
und dann 2 Jahre in Bonn. Meine Frage, wie man den chinesischen<lb/>
Handel vergrössern könnte: erstens sich besser kennenlernen,<lb/>
zweitens kleinere Projekte und den technischen Austausch nicht ver<lb break="no"/>gessen und drittens die Betriebsverwaltung und das Management<lb/>
in China muss sich bessern, weshalb sie entsprechende Unterstützung<lb/>
erwarten. Grösste Anerkennung für die Chinesen, die jetzt im<lb/>
Technischen Gewerbemuseum Plastikproduktions-Knowhow lernen.<lb/>
In China gibt es grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten durch die<lb/>
Neuregulierung. Die Viererbande hat die Konsumgüterindustrie<lb/>
vernachlässigt, weshalb jetzt Versorgungsschwierigkeiten bestehen.<lb/>
Die Industrie muss daher mit ihren Grossprojekten zurückstehen. Ent<lb break="no"/>weder wurden sie verschoben oder zumindestens verlangsamt. Die<lb/>
Grossprojekte werden von einer Einfuhr- und Ausfuhrkommission, die<lb/>
interministeriell mit vielen Ministerien beschickt wird, gebilligt,<lb/>
Wichtig wäre, dass ich jetzt endlich mit GD <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> von der VÖEST<lb/>
nach China reise, Ein Kooperationsvertrag, der jetzt zwischen<lb/>
China und der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen wurde, wäre<lb/>
<pb n="51-1356" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-05_1356.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch vom chinesisch-österreichischen Aussenhandel von grösster<lb/>
Bedeutung. Mein Hinweis, dass wir bereits 1974 einen Entwurf übermit<lb break="no"/>telt haben, auf den wir bis jetzt keine Antwort bekamen, meinte<lb/>
der chinesische Botschafter in Österreich, der übrigens jetzt<lb/>
dann sehr bald Wien verlassen wird, sollten wir neuerdings nach<lb/>
Peking schicken und auch ihn übermitteln. In diesem Schreiben<lb/>
soll auch drinnen stehen, dass wir bereits 1974, also lange be<lb break="no"/>vor die Deutschen oder andere ein solches Kooperationsabkommen<lb/>
abgeschlossen haben, schon einen Entwurf sendeten, auf den wir<lb/>
bis jetzt keine Reaktion erhielten. MR <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> bemerkte mir<lb/>
gegenüber mit recht, dass wir in der Zwischenzeit etliche Male urgiert<lb/>
haben und die chinesische Seite auch nicht reagierte. Dies gilt<lb/>
natürlich auch für den jetzt uns verlassenden chinesischen Bot<lb break="no"/>schafter. Dies habe ich ihm selbstverständlich nicht gesagt, denn<lb/>
es wäre taktisch unklug, ihm, der sicherlich erklären wird, die<lb/>
Viererbande ist schuld, dass dieses Kooperationsabkommen nicht<lb/>
zustande kam, nachzuweisen, dass auch er in dieser Frage nichts<lb/>
getan hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die Erledigung in Evidenz halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_04">Der polnische Handelsdelegierte hätte mir bereits vor der<lb/>
Polenreise ein Schreiben, noch dazu in Polnisch von Minister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> bringen sollen, worin er mich und meine Frau zum<lb/>
Urlaub nach Polen einlädt. Einmal mehr konnte ich meine Theorie<lb/>
bestätigt fühlen, wie sinnlos es ist, einen Handelsdelegierten wo<lb/>
zu haben, der nicht die Sprache des Landes spricht. Der Neue, glaube<lb/>
ich, kann nicht einmal Englisch, weshalb er sich einen Übersetzer<lb/>
mitgebracht hat. Ich habe auf diese Einladung mit meinem alten<lb/>
Schmäh geantwortet, ich bin das ganze Jahr auf Urlaub, siehe<lb/>
vorletztes Wochenende in Polen, dieses Wochenende in Paris, also<lb/>
stets im Ausland, also stets auf Urlaub. Da die nächste Gemischte<lb/>
polnisch-österreichische Kommission in Krakaus stattfinden wird,<lb/>
und ich <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> bereits zugesagt habe, da meine Frau mitzu<lb break="no"/>nehmen, so ist dies als ein Wochenendurlaub zu verstehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_05">Prok. <rs type="person" ref="#per__1137408">Brunner</rs> von den Garvens-Pumpen ist mit den Betriebsrat<lb/>
zufällig vorübergekommen und erzählte mir, dass sie jetzt<lb/>
Pumpen 200 PS, 200.000 Schilling das Stück bis zu 200 für die<lb/>
polnischen Bergwerke liefern könnten. Die Polen werden bei<lb/>
grösserer Produktion mit noch grösseren Wassereinbrüchen rechnen<lb/>
müssen und daher die Pumpen dringendst brauchen. Ich habe ihm<lb/>
sofort empfohlen die Kontakte mit den polnischen Stellen aufzu<lb break="no"/>nehmen und auf die neue Vereinbarung zwischen Bank Handlowy und<lb/>
der österreichischen Kontrollbank zu verweisen, wo für diese<lb/>
Investitionsgüter entsprechende Mittel bereitgestellt werden,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte Länderreferenten verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_07">Der Bürgermeister von Radkersburg, unterstützt vom Stadtpartei<lb break="no"/>obmann, wie mir sein Begleiter nachher bestätigte, möchte grössere<lb/>
Unterstützung für den Ausbau ihrer Thermen. 1928 wurde von der<lb/>
Firma RAKI nach Erdöl gegraben und man stiess auf einen Säuer<lb break="no"/>ling. Das Thermalwasser auf 1.900 m Tiefe, 80 O, 18 Bar ?? hat<lb/>
eine riesige Schüttung von 100 cbm pro Stunde. Weitere Horizonte<lb/>
mit entsprechendem Thermalwasser sind sicherlich vorhanden. Über<lb/>
die Mur drüber gibt es eine Naphthaquelle, wo 350.000 Österreicher<lb/>
nach Moravske zur Heilung fahren. Jetzt ist es ihnen geglückt,<lb/>
doch etliche 10.000 Gäste in Österreich zu behalten. In ihrem<lb/>
Thermalbad bezahlt man 40 Schilling für den ganzen Tag, der<lb/>
Pensionistenverband hat sogar noch ein Spezialarrangement und<lb/>
5 Schilling Rabatt. Bei 2.000 Einwohnern hat Radkersburg ein<lb/>
Gesamtgemeindebudget von 7 Mio Schilling. Für das jetzt gebaute<lb/>
Freibecken und für Bäder haben sie eine Kur-Ges.m.b.H. gegründet.<lb/>
Die Frage ist nur, welche Grossprojekte und wer diese Grossprojekte<lb/>
dort errichten sollen. Sie brauchen mehr Hotels und noch viel mehr<lb/>
eben entsprechende Mittel für den Ausbau ihrer Kureinrichtungen.<lb/>
Wie eine Detailbesprechung dann zwischen <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__113626">Ortmann</rs><lb/>
ergab, sind für den sicherlich sehr aufstrebenden Ort keine Projek<lb break="no"/>tanten zu finden. Eine Unterstützung des Handelsministerium ist<lb/>
daher äusserst schwierig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Halte Dich bitte auf dem laufenden und<lb/>
stets Kontakt mit dem Bürgermeister und Stellvertreter.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_09">Im Parlament hatten SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und ich mit<lb/>
den Sozialpartnern, Handelskammer, Dr. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__1137409">Katsch</rs>,<lb/>
ÖGB, Dr. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, später dann noch <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__116971">Smolka</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__126930">Meinhart</rs>,<lb/>
von der Arbeiterkammer Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, Dkfm. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__114716">Knittler</rs>,<lb/>
ein sehr sachlich und ruhig geführtes Gespräch über die Preis<lb break="no"/>regelung und Novelle des UWG und Nahversorgung. Einleitend demon<lb break="no"/>strierte ich den Sozialpartnern meine seit jetzt einem Jahrzehnt<lb/>
gepredigte alte oder neue Vorstellung über die Änderung des Preis<lb break="no"/>gesetzes zur Neuschaffung in Form eines Ermächtigungsgesetzes. Diese<lb/>
Rute in Fensterlösung anstelle der jetzt punktuell geregelten<lb/>
im Gesetz festgelegten amtlichen Preisregelung wurde von <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs><lb/>
sofort als ein Krampusgeschenk bezeichnet. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> wieder<lb/>
meinte, sie könnten sich vorstellen, dass dort, wo kein Wett<lb break="no"/>bewerb herrscht, sehr wohl eine Preisregelung Platz greifen sollte.<lb/>
In diesem Fall wäre eine Ermächtigung für eine punktuelle Preis<lb break="no"/>regelung von der Handelskammer zu erhalten. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, aber auch<lb/>
die Arbeiterkammer wehrten sich nicht zuletzt zu meiner grössten Ver<lb break="no"/>wunderung auch deshalb gegen die Idee, die ich seit Jahren propa<lb break="no"/>giere, weil sie darin eine Überlastung der Paritätischen Kommis<lb break="no"/>sion erblicken. Dies gilt nicht nur allein über die Menge, die sie zu<lb break="no"/>sätzlich zu bewältigen hätten, sondern da es sich um sehr kritische<lb/>
Preise, wie z.B. den Milchpreis handelt, würde nach Meinung der Arbeit<lb break="no"/>nehmerseite daran die Paritätische Kommission scheitern. Diesen<lb/>
Gesichtspunkt hatte ich bis jetzt nicht beachtet. Ich hatte immer<lb/>
geglaubt, dass es von grösstem Interesse der Interessensvertre<lb break="no"/>tungen wäre, mehr Kompetenzen zu bekommen. Da dieser Weg wieder<lb/>
einmal nicht gangbar ist, diskutierten wir dann die Novellen<lb break="no"/>wünsche der Preisreferenten der Bundesländer und vor allem auch die<lb/>
des Handelsministeriums. Der einzig strittige Punkt blieb dagegen,<lb/>
die Abänderungswünsche, bezüglich besserer Preisauszeichnung und<lb/>
Überwachung und der Rechtsbereinigung von alten Anordnungen, Be<lb break="no"/>scheiden, Verordnungen kaum abgewählt werden konnte, nur die<lb/>
strittige Frage der Importpreisregelung. Hier meinte die Handels<lb break="no"/>kammer, ich könnte über den ortsüblichen Preis ohne weiteres<lb/>
gegen überhöhte Preise vorgehen. Dies gelte nach ihrer Meinung<lb/>
sogar auch für Handelsspanne. Voraussetzung dabei ist natürlich,<lb/>
dass der Importpreis höher ist als der Inlandspreis. Meistens aber<lb/>
passt sich der Importpreis mit entsprechend grossen Profiten des<lb/>
Importhändlers an den Inlandspreis an. Nach Erhebung der Handels<lb break="no"/>kammer sind die dauerhaften Konsumgüter unter dem deutschen Handels<lb break="no"/><pb n="51-1359" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-05_1359.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>spannen-Niveau. Dies gilt sicherlich nicht, wie wir dann<lb/>
feststellen für die PKW-Ersatzteile und für Elektrogeräte sowie<lb/>
für Fotoapparate. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> erklärte, er hätte mit dem Kraft<lb break="no"/>fahrzeughandel gesprochen und diese wären bereit, die Ersatzteil<lb break="no"/>preise entsprechend zu senken, wenn gleichzeitig die Gebraucht<lb break="no"/>wagenpreise sich erhöhen würden. Ich habe <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> klar und<lb/>
deutlich gesagt, dass in unseren Novellenentwurf zum Preisge<lb break="no"/>setz die Regelung der Importpreise vorgesehen wird. Ich habe den<lb/>
Interessensvertretungen immer, wenn es sich um essentiell ent<lb break="no"/>scheidende Fragen handelt, zugestanden, auch dann über dieses<lb/>
Problem nicht nur zu verhandeln, sondern auch im Parlament zu<lb/>
beantragen, wenn die andere Seite dagegen grösste Bedenken ausge<lb break="no"/>sprochen hat. Dies galt für das Antimarktstörung und Antidumping<lb break="no"/>gesetz, welches die Handelskammer nach jahrelanger Überlegung und<lb/>
zuerst sogar Ablehnung, dann doch zustimmte und gilt jetzt für<lb/>
den Wunsch des ÖGB und AK bezüglich der Importspannenregelung.<lb/>
Alle erwarten aber, dass im Parlament die ÖVP dieses Gesetz ab<lb break="no"/>lehnen wird. Ganz sicher bin ich mir aber deshalb nicht, weil<lb/>
es gerade vor den Bundespräsidentenwahlen die Diskussion darüber<lb/>
geben wird. Da es sich aber bei dem Preisgesetz um ein in den<lb/>
Wirtschaftspaketen eingebundenes Gesetz handelt, wird es letzten<lb/>
Endes erst im Juni irgend einmal zur endgültigen Beschluss<lb break="no"/>fassung im Parlament kommen. Da sind die Bundespräsidentenwahlen<lb/>
längst vorüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_10">Bezüglich des Wunsches, dass die Preiskommission bei den Preis<lb break="no"/>kalkulationen in den Betrieben mitprüfen kann, wird <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> eine<lb/>
entsprechende Formulierung dahingehend erarbeiten, dass das<lb/>
Eintrittsrecht der behördlichen Organe gesichert wird. Bei der<lb/>
Betriebsprüfung wird festgestellt, dass die Mitglieder der Preis<lb break="no"/>kommission zuzuziehen sind. Neu geregelt muss der pharmazeu<lb break="no"/>tische Sektor werden, dort kann es bis zu 6.000 Anträge im Jahr kom<lb break="no"/>men. Zweckmässig wäre es durchschnittliche Preiserhöhungen für<lb/>
die einzelnen Firmen festzusetzen. Der Streit hat sich insofern<lb/>
ergeben, als Hoffmann-La Roche die Mitwirkung der Arbeiterkammer,<lb/>
insbesondere die Preiskalkulationsprüfung im Betrieb abgelehnt hat.<lb/>
Diese Preisregelung resultiert nicht im Handelsministerium, son<lb break="no"/>dern im Gesundheitsministerium und MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> teilt mir mit, dass<lb/>
man dort überlegt, dass System ähnlich des im Handelsministeriums<lb/>
umzubauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs>-Büro verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_12">An der weiteren Diskussion über das UWG und Nahversorgungs<lb break="no"/>gesetz hat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> dann, weil er damit nichts zu tun hat, nicht<lb/>
mehr teilgenommen. Den Gesetzentwurf von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, über die Novelle<lb/>
zum Nahversorgungsgesetz haben alle im Prinzip zugestimmt. Sie<lb/>
müssen natürlich diesen Entwurf erst im Detail studieren. Über<lb break="no"/>raschend für mich war, dass letzten Endes dann doch auch über die<lb/>
Produkte, die in Hinkunft nicht mehr unter dem Einstands<lb break="no"/>preis verkauft werden dürfen, Einvernehmen erzielt wurde. Es sind<lb/>
dies Kuhmilch, Rahm, Obers, Butter, Käse aus Kuhmilch, Topfen,<lb/>
Mehl aus Weizen und Roggen, Schwarzbrot, Semmeln, Würste, vorver<lb break="no"/>packtes Fleisch und Zucker. Eine Streitfrage waren Bier und alkohol<lb break="no"/>freie Getränke. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> bestand insbesondere, da ich ihm gar<lb/>
keine Chance gab, dass alkoholfreie Getränke einbezogen werden könn<lb break="no"/>ten, auf das Bier. Dort hat die Paritätische Kommission beschlossen<lb/>
die Bierindustriellen sollen ihren Sonderrabatt um 1/20 kürzen.<lb/>
Dies hiesse, dass sie 5 % Erlösverbesserung bei den Grossabneh<lb break="no"/>mern erzielen könnten. Billa, Carrefour lehnen dies entschieden<lb/>
ab und kaufen jetzt polnisches Bier. Der Konsum lehnt dies auch<lb/>
ab, kann aber bis jetzt zumindestens nicht importieren. Ähnlich<lb/>
ergeht es auch der Kleinhändlerorganisation SPAR. Das polnische<lb/>
Bier wird um 1.50 Schilling von den Polen verkauft, um 3.01 Schil<lb break="no"/>ling ist dann der Einstandspreis für Billa und Carrefour, um<lb/>
3.20 Schilling der Verbraucherpreis. Mit diesen Preisen ist nicht<lb/>
einmal die steuerliche Belastung und die Materialkosten gedeckt.<lb/>
Da ich bemerkte, dass <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> unter allen Umständen das Bier<lb/>
in die Liste reinbringen muss, schlug ich der Arbeiterkammer<lb/>
und Gewerkschaftsbund vor, sie sollten ihre Gegenforderungen dafür<lb/>
präsentieren. <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> war tatsächlich bereit, für diese<lb/>
Forderung der Brauereien Bier in die Liste des Verkaufs unter dem<lb/>
Einstandspreis reinzubringen, nicht nur das Klagerecht der Arbei<lb break="no"/>terkammer im UWG, sondern auch das Mogelpackung-Verbot aufzuneh<lb break="no"/>men. Weiters gestand er dann zu, auch eine Grundpreisverordnung,<lb/>
die jahrelang vom Gewerkschaftsbund verlangt wird und niemals<lb/>
durchzusetzen war, zu akzeptieren. Die Vorschläge von unserem<lb/>
Patentamt, Gewerblicher Rechtsschutz zum UWG-Gesetz wurden im Prinzip<lb/>
auch alle angenommen, mit Ausnahme der Bestimmung, wonach Verord<lb break="no"/>nungen über Sichtlichmachung von Kennzeichnungselementen vorschrei<lb break="no"/><pb n="51-1361" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-05_1361.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ben können, dass alle oder einzelne Kennzeichnungselemente in<lb/>
der Werbung anzugeben sind. Dies lehnt die Handelskammer aus<lb/>
berechtigten Gründen ganz entschieden ab. Strittig ist noch, ob<lb/>
auch die Organe in Vollziehung des UWG jederzeit den Betrieb,<lb/>
insbesondere die Lagerräume besichtigen können und die Kontrolle<lb/>
des Lagerbestandes vornehmen dürfen. Hier wird, davon bin ich über<lb break="no"/>zeugt, aber die Handelskammer nachgehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte Patentamt über das Ergebnis verständi<lb break="no"/>gen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_14">Abgelehnt wurde auch ganz entschieden das Rücktrittsrecht des<lb/>
Konsumenten bei irreführender Werbung. Die Handelskammer wird<lb/>
Überlegungen anstellen, wie sie grobe falsche Informationen in<lb/>
der Werbung vielleicht doch anders verhindern kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_15">Nach dieser Aussprache habe ich nur mit den AK und ÖGB-Vertretern<lb/>
die Strompreiskalkulation besprochen. Da die Arbeiterkammer jetzt<lb/>
errechnet hat, dass die KELAG nur 0.6% Strompreiserhöhung zusätz<lb break="no"/>lich dann der Tangentenverteuerung durch die Verbundgesellschafts-<lb/>
Tariferhöhung also, weit unter einem 10 oder 12%igen Preiserhö<lb break="no"/>hung bleibt, hat die KELAG jetzt von der GKT schriftlich verlangt,<lb/>
sie müssen alle rechtlichen Wege beschreiten, sprich gegebenenfalls<lb/>
den Staat auf Schadenersatz klagen, weil das Kernkraftwerk nicht<lb/>
in Betrieb genommen werden kann. Die KELAG befindet sich bekannt<lb break="no"/>licherweise in einer schlechten, wirtschaftlichen Situation. Die<lb/>
0.6 mussten ja als Provokation entsprechende Reaktion auslösen.<lb/>
Ich habe der AK klargemacht, dass die Verbund knapp unter 15% und<lb/>
wahrscheinlich die Landesgesellschaften mit einer zweistelligen<lb/>
Strompreiserhöhung rechnen und diese auch meiner Meinung nach be<lb break="no"/>kommen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_16">Am Abend habe ich dann mit NR <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs>, Präsident der AK, <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>,<lb/>
Zentralsekretär der Metallarbeiter, <rs type="person" ref="#per__112931">Köck</rs>, Betriebsratsobmann der<lb/>
DoKW, über die Frage der Strompreise ebenfalls diskutiert. Von der<lb/>
Gewerkschaftsseite wird die Betriebsvereinbarung, wonach die hohen<lb/>
Kollektivvertrags perzentuell Lohnerhöhungen auf die Ist-Löhne<lb/>
der Elektrizitätsarbeiter jetzt aller Angestellten ausgedehnt<lb/>
wird, ganz entschieden abgelehnt. Die beiden Genossen nahmen nicht<lb/>
zur Kenntnis, dass ehemalige Sekretäre, die jetzt natürlich schon<lb/>
in Pension sind, 1966 diesen Vertrag zugestimmt haben und damit<lb/>
<pb n="51-1362" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-12-05_1362.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch die Gewerkschaft nicht nur davon wusste, sondern präjudi<lb break="no"/>zierte. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> ging so weit, dass er erklärte, wenn ihm GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
einen diesbezüglichen Brief schriebt, dann wird er die ganze<lb/>
Frage aufrollen. Handle es sich nicht um das Monopol-Unternehmen<lb/>
Elektrizitätswirtschaft wäre ein so unsinniger Vertrag schon<lb/>
längst gekündigt und die Gewerkschaft und Arbeitnehmerseite<lb/>
hätten dies akzeptiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> sofort Gespräch verein<lb break="no"/>baren<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_18">Auf Vermittlung des Abg. <rs type="person" ref="#per__114960">Kurt Maier</rs> kam ein Vertreter der Firma<lb/>
Albrecht, 200 Beschäftigte in Hallein, 240 in St. Pantaleon,<lb/>
10 im Wiener Lager, Umsatz 250 Mio. Schilling und ein Eigenkapital<lb/>
von nur 25 bis 30 Mio. Durch entsprechenden Preisverfall der<lb/>
letzten Jahre haben sie 20 Mio. Schilling Defizit gehabt und<lb/>
für eine Exportoffensive, nachdem sie früher nur das Inland versorgt<lb/>
haben, mussten sie weitere 20 Mio. reinstecken. Derzeit exportieren<lb/>
sie nach Deutschland für 50 Mio. Schilling Massivholz. Sie sahen<lb/>
ein, dass ich ihnen keinerlei Subventionen geben kann, sie wollten<lb/>
nur eine entsprechende Beratung. Ich habe sie spät abends dann noch<lb/>
zu MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> geschickt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wie ist dies weitergegangen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_20">Die Budgetdebatte verlief im Parlament wie gehabt. Zwei oder drei<lb/>
Ministerien an einem Tag. Durch die Rednerzeitbeschränkung auf<lb/>
40 Minuten der Hauptredner und 20 Minuten der sonstige Redner,<lb/>
werden wir doch zu einer christlichen Zeit, so um 22.00 Uhr<lb/>
herum, fertig. Wenn ich bedenke, dass es früher Sitzungen bis<lb/>
spät in die Nacht und meistens sogar bis früh morgens über 3 Uhr<lb/>
gedauert hat, dann ist dies ein grosser Fortschritt. Das Interesse<lb/>
an der Debatte wird dadurch aber auch nicht grösser. Im Saal befin<lb break="no"/>den sich meistens wirklich nur die, die unmittelbar davon<lb/>
betroffen sind. Ausserhalb des Plenarsaals aber war das grosse<lb/>
Gespräch, was geschieht jetzt wirklich mit dem Privilegienabbau.<lb/>
Alle drei Parteien möchten gerne dass irgend eine Partei irgend<lb/>
etwas macht, wo die anderen noch mitgehen können, selbst will<lb/>
aber keine initiativ sein. Die Abgeordneten selbst stehen,<lb/>
glaube ich sogar mit Recht auf dem Standpunkt, warum sie immer<lb/>
verlieren sollten, indem sie erworbene Rechte aufgeben müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-12-05_21">Eine Verhandlungsrunde bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann letzten Endes auch<lb/>
ergeben, dass keine der Parteien einen Vorstoss machte, die<lb/>
Vorschläge die jede Partei gemacht hat und in den gegnerischen<lb/>
Zeitungen dann entsprechend sarkastisch dargestellt haben das<lb/>
<rs type="person" ref="#per__138749">Klima</rs> endgültig für eine gemeinsame Lösung zerstört, weshalb<lb/>
letzten Endes beschlossen wurde die Frage neu zu studieren und zu<lb/>
vertagen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird jetzt mit den Landeshauptleuten darüber<lb/>
Gespräche aufnehmen, die sicherlich auch nicht an einer Kürzung<lb/>
interessiert sind. Theoretisch wäre es daher ein Begräbnis erster<lb/>
Klasse. Ob <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dies in der Praxis akzeptiert bin ich nicht<lb/>
ganz sicher.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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