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            <title type="main">Mittwoch, der 28. November 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_01">Mittwoch, 28. Nov. 1979<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> und mir die nächste Ministersitzung der Internationalen<lb/>
Energieagentur. Der Generalsekretär, der Deutsche <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs>, möchte für<lb/>
das Jahr 1980 nicht nur Verbrauchsziele festlegen sondern diese<lb/>
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noch andere hätte dafür sehr viel Verständnis. Zum Glück wird den<lb/>
Vorsitz der Deutsche Wirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__111707">Lambsdorff</rs> führen, der<lb/>
ein absoluter Gegner jedweder Reglementierung ist. Als Liberaler<lb/>
möchte er am liebsten überhaupt nichts machen. <rs type="person" ref="#per__114944">Lantzke</rs> wird daher<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__111707">Lambsdorff</rs> die grössten Schwierigkeiten haben. Ich persönlich<lb/>
kann mir auch nicht vorstellen, dass es wirklich zu irgendwelchen<lb/>
Reglementierungen kommt. Jedes Land will doch mehr oder minder<lb/>
auf Kosten der anderen seinen Bedarf befriedigen. Da gleichzeitig<lb/>
weltweit jetzt eine gewisse Knappheit, wenn auch aus politischen<lb/>
Gründen vorherrscht, da Länder ihr Pflichtlager aufbauen müssen,<lb/>
kann es nur zu entsprechenden Schwierigkeiten kommen. Österreich<lb/>
sollte – und dies habe ich klargemacht – als kleiner Staat so wie<lb/>
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Meinung nach wird dann als Kompromiss eine indikative Menge den<lb/>
Ländern bekanntgegeben werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die wichtigsten Daten für die Mini<lb break="no"/>sterkonferenz schön langsam zusammenstellen lassen und vorher mit<lb/>
mir besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_04">Die nö. Wirtschaftskonferenz, eine Einführung des LH-Stv. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs>,<lb/>
die sich aber nicht nur auf Sozialisten beschränkt und an der<lb/>
ich schon einmal teilgenommen hatte, brachte in Brunn am Gebirge<lb/>
im Bauarbeiter-Heim einen vollen Festsaal. Überraschend für mich<lb/>
war auch die Disziplin, mit der dort die Tagesordnung abgewickelt<lb/>
wurde und vor allem auch die Anwesenheit während der Diskussion.<lb/>
Der Präsident der Arbeiterkammer führte zuerst den Vorsitz,<lb/>
den er nachher dem Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung <rs type="person" ref="#per__1137429">Kaufmann</rs><lb/>
für das Schlusswort übertrug. Als Paradeunternehmer hatte das<lb/>
Präsidium den ehemaligen Generaldirektor von der Universale, <rs type="person" ref="#per__97449">Freibauer</rs>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> hat in seinem Kurzreferat dargelegt, warum die soz. Land<lb break="no"/>tagsfraktion einen eigenen Wirtschaftsplan im Landtag verlangt<lb/>
nach seiner Analyse ist die vom LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> propagierten 6,7 Mia. S<lb/>
offensive Arbeitsplatzsicherung genannte Budgetziffer nur ein<lb/>
optischer Gag. Mehr als 3 Mia. sind zweckgebundene Einnahmen, die<lb/>
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für die Gemeinden sind drinnen enthalten. Was ihn scheinbar am<lb/>
meisten ärgerte war dass zu den 66 Mio., die die Landwirtschaftskammer<lb/>
jetzt schon vom Land bekommt, noch weitere 3 Mill. zugeschossen<lb/>
werden. Durch eine auch schriftlich vorgelegte Analyse, der<lb/>
Budgetziffern, konnte er die Behauptungen von <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> zahlenmässig<lb/>
gut widerlegen. <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> hat entweder in der Arbeiterkammer oder<lb/>
in seinem Büro, denn in der Landesverwaltung gibt es sicherlich<lb/>
keinen Sozialisten, einen guten Analysator.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Versuche herauszubringen, wer diese Analyse<lb/>
gemacht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_06"><rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> schlug dann gleichzeitig vor, es sollte die nö. Wirt<lb break="no"/>schaftskommission sich jetzt als Verein konstituieren, dort sollten<lb/>
dann Arbeitsgruppen die notwendigen Vorarbeiten kontinuierlich<lb/>
leisten, um wie dies seinerzeit auch bei der nö. Raumordnungs<lb break="no"/>konferenz der Fall war, sachliche Arbeit für NÖ leisten, natürlich<lb/>
unter soz. Führung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_07">Für mein Referat hatte mir der Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs>, Präsident der<lb/>
AK NÖ, eine Stunde zugestanden. Länger hätte ich aber sowieso<lb/>
nicht referieren wollen, denn solange kann man mit der Aufmerk<lb break="no"/>samkeit der Hörer maximal rechnen. Ich schilderte wunschgemäss<lb/>
nicht so sehr die allgemeine Wirtschaftslage als vielmehr die<lb/>
konkreten Energieprobleme. Alles war begierig zu erfahren, was<lb/>
eigentlich in Polen herausgekommen ist. Durch reinen Zufall hörte<lb/>
ich, wie mir <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> sagte, nach 61 Minuten auf und er glaubte<lb/>
allen Ernstes ich hätte auf die Uhr geschaut und eben, weil eine<lb/>
Stunde zugestanden war, nach einer Stunde tatsächlich Schluss<lb/>
gemacht. Sieben Diskussionsredner von Dr. <rs type="person" ref="#per__131953">Bauer</rs>, ÖIAG, der<lb/>
mit Recht sagte, vor längerer Zeit hat er schon festgestellt,<lb/>
dass es zu einer Entkoppelung der Energie kommen muss. Im Vor<lb break="no"/>trag verwies ich darauf, dass die ersten Ziffern ergeben statt<lb/>
Korrelation 1 zwischen Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch<lb/>
ist diese Korrelation jetzt 0,8 über Prof. <rs type="person" ref="#per__1137430">Detter</rs>, der die Innova<lb break="no"/>tionspolitik besonders herausstrich, zu Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__136398">Redl</rs>, ein Baumeister,<lb/>
der <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> ein Porträt in Holz gebrannt übergab, spann sich der<lb/>
weite Bogen der 7 doch alle sich mit Energie beschäftigend.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_08">Ein gewisser Ing. <rs type="person" ref="#per__1137431">Niessner</rs> von der soz. Ingenieuren übergab mir<lb/>
ein umfangreiches Papier, worin er die Autarkie der Energie<lb/>
insbesondere durch Nutzung der Sonnenenergie propagierte.<lb/>
Wirklich neu für mich war die Abfallwärme-Börse. Auf Grund der<lb/>
Erfahrungen, die wir bei EBS Simmering oder jetzt AGA Schwechat<lb/>
mit der Abwärme gemacht haben, sollte man tatsächlich diese<lb/>
ganze Abfallwärme versuchen fast wie auf einer Börse anzubieten<lb/>
um doch vielleicht Interessenten zu finden. Die wirkliche<lb/>
Hauptaufgabe bestünde aber eigentlich darin, dass unsere Energie<lb break="no"/>sektion entsprechende Vorschläge mit den österr. Energiekonsumenten<lb break="no"/>verband und ich weiss nicht, wer sonst sich noch daran be<lb break="no"/>teiligen sollte, machen müsste.<lb/>
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mit <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_10">Der Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__1137432">Reisinger</rs> von der Neusiedler urgierte das<lb/>
Sulfatzellstoff-Projekt für Amstetten. Er hat von den Pölser<lb/>
Absichten gehört und auch gegebenenfalls im südbayrischen Raum an<lb/>
der österr. Grenze ein solche Sulfatprojekt zu erreichten. LH-Stv.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs> hat mir dann unter vier Augen gesagt, dass er eigentlich<lb/>
erwartet, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> würde zu seiner Zusage stehen, wonach im nö.<lb/>
Raum dieses Projekt errichtet wird. Da mir am Nachmittag Min.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> mitteilte, heute fände noch eine Besprechung im BKA bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit den Pölser Vertretern incl. der italienischen Eigen<lb break="no"/>tümern statt und man immer mehr im BKA scheinbar auch die Raum<lb break="no"/>planungsabteilung für Pöls plädiert, habe ich dies sofort <rs type="person" ref="#per__97389">Czettel</rs><lb/>
mitgeteilt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_11">Im Anschluss daran hat <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> mir den Direktor von Kromag, Traisen<lb break="no"/>tal, vorgestellt. Der Direktor und vor allem aber die Betriebsräte<lb/>
ersuchten mich, ich sollte alles daran setzen, dass sie für die<lb/>
Leichtmetallgussarbeiten Motorenfabrik General Motors in Aspern<lb/>
herangezogen werden. Derzeit liefern sie zu Opel. Ich habe ihnen<lb/>
empfohlen sich mit <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> wegen VW-Lieferung ins Einvernehmen<lb/>
zu setzen. VW hat bis für die Giesserei Schmid in Wilhelmsburg<lb/>
plädiert, diese ist aber leider neuerdings in Konkurs gegangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_12">Die Kromag-Leute haben mir bestätigt, dass sie von MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs><lb/>
aber auch dem Abteilungsleiter <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs>, der für diese Investoren<lb break="no"/>vermittlung zuständig ist, sehr gut behandelt werden. Ich habe<lb/>
dies <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, als er mir über die Aktivitäten der Industriesektion<lb/>
berichtete, mitgeteilt, was ihn auch sehr freute.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_13">Mit <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> habe ich dann insbesondere das Problem der Papier-,<lb/>
Bekleidungs- und Lederförderung besprochen. Die Industriesektion<lb/>
hat seit etlichen Jahren in jedem Förderungsbescheid festgelegt,<lb/>
dass die Zinsenstützung nur gegeben wird, wenn österr. Waren ver<lb break="no"/>wendet werden. Ausserdem müsste in einem Krisenfall die Firma<lb/>
sich verpflichten, die österreichische Produktion österreichischen<lb/>
Händlern für österr. Verbrauch anzubieten. Letzteres mag noch<lb/>
einigermassen GATT- und insbesondere EFTA-konform zu decken sein,<lb/>
dass man aber die Verwendung von nur österr. Investitionsgütern<lb/>
verlangt ist sicherlich EFTA-, wahrscheinlich sogar auch GATT-widrig.<lb/>
Da ich die Praxis zwar beibehalten möchte, keinesfalls aber<lb/>
bescheidmässig ein solches Verlangen gestellt werden sollte,<lb/>
habe ich sofort Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> davon verständigt, dieser war<lb/>
über die bisherige Vorgangsweise entsetzt, denn wenn tatsächlich<lb/>
ein solcher Bescheid in die Hände von einem EFTA-Staat fällt<lb/>
werden wir sicher diesbezüglich sofort heftigst angegriffen.<lb/>
Ich erinnere mich, was wir jetzt wegen der Leitplanken, welche<lb/>
die schweizerischen Strassenbaubehörden den Schweizer Firmen<lb/>
vorbehalten wollen, aufführen. <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> hat mir bei der letzten<lb/>
EFTA-Tagung versichert, die Schweiz will dies im EFTA-Sinne<lb/>
und -Reglement für Österreich positiv erledigen, dabei ist<lb/>
diese Schweizer <rs type="person" ref="#per__122960">Strasse</rs> schon längst fertig und kann nur, weil<lb/>
die Leitschienenlieferungen noch nicht entschieden sind, nicht<lb/>
eröffnet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass Dir berichten, was dabei heraus<lb break="no"/>gekommen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_15">Der Fachverband Erdölindustrie kam mit einer ganzen Anzahl von<lb/>
Vertretern der ÖMV, aber vor allem auch der Multis, um von mir zu<lb/>
erfahren, wie ich die Krisensituation einschätze. Sie nehmen immer<lb/>
wieder darauf Bezug, dass in einem Antwortschreiben auf ihr<lb/>
Memorandum ich seinerzeit geantwortet habe, das auch wir<lb/>
die Situation überblicken. Provokant meinte <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, da ich ja<lb/>
alles weiss, sollte ich ihnen sagen, wie ich die Situation beurteile.<lb/>
Genauso provokant habe ich erklärt, so wie äusserst kritisch<lb/>
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dann für BP der Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97556">Hirnigel</rs> erklärt, im ersten Quartal werden<lb/>
sie nur 80 % der Rohölmenge beziehen, 5 % davon müssen sie dann noch<lb/>
für die Warenbevorratung, die sie in Ofenheizöl und in Heizöl, leicht,<lb/>
aufstocken werden, ihre Abnehmer informieren, dass sie die bisherige<lb/>
Versorgung nicht aufrechterhalten können. <rs type="person" ref="#per__97429">Feichtinger</rs> für die ÖMV<lb/>
meinte wieder, im ersten Quartal wäre jetzt eine Lieferung von<lb/>
150.000 t ausgefallen, wofür er aus dem Spotmarkt von 42–45 $<lb/>
Ersatz kaufen müsste und dies wird er bei einem Bündelkostenpreis<lb/>
von fast 4.000 S bei einem Bündelerlös von 2.350.– sicherlich nicht<lb/>
tun. Natürlich kam auch die Studie der Wirtschaftsforscher, die<lb/>
eine Preiserhöhung ganz entschieden ablehnen, zur Sprache. Der<lb/>
GD von Mobil, <rs type="person" ref="#per__114404">Ebeling</rs>, hat mit dem Prof. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs>, wie die Ölvertreter<lb/>
mir sagte, die beiden Ignoranten und Wirtschaftstheoretiker nur<lb/>
so vom Tisch gefegt. Dies mag stimmen, die Hörer aber und insbesondere<lb/>
die öffentliche Meinung denkt hier ganz anders. Das Image der Öl<lb break="no"/>gesellschaft nicht zuletzt durch ihre Supergewinne ist das<lb/>
denkbar schlechteste. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> sagte zurecht, sie meine Herren<lb/>
von den Multi, insbesondere von Mobil, glauben allen Ernstes, dass<lb/>
die Reichen die Armen an sich ziehen können. Bezüglich der Preisfestset<lb break="no"/>zung verlangten sie von mir die beste Lösung sei die Preisfreigabe, eine<lb/>
solche erklärte ich, könnte ich unmöglich für alle Produkte erreichen,<lb/>
ich empfahl ihnen nach wie vor ein schrittweises Vorgehen, dies wird<lb/>
aber nicht nur von der Gewerkschaft sondern auch noch von ihnen<lb/>
selbst abgelehnt. Was sie von mir verlangen ist, dass die Preis<lb break="no"/>kommission jetzt endlich über ihren Preisantrag entscheidet. Genau dies<lb/>
möchte ich aber nicht tun, sondern solange die öffentliche Meinung<lb/>
so negativ über eine Preiserhöhung urteilt, wie dies bis jetzt der<lb/>
Fall ist, sehe ich gar keinen Grund, schnell und womöglich noch mit<lb/>
Weisung für eine Preiserhöhung in der Preiskommission zu plädieren.<lb/>
Dem Wunsch der Ölgesellschaften, dass aber jetzt endlich eine<lb/>
Preiskommission zusammentritt, habe ich insofern Rechnung getragen,<lb/>
als ich <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> ersuchte, sich diesbezüglich mit dem Leiter der<lb/>
Preiskommission <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> ins Benehmen zu setzen, wies so schön<lb/>
die Amtssprache heisst. Ich bin überzeugt, dass <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> diesem Verlangen<lb/>
nachkommen wird, obwohl er in einer bösen Situation ist, weil der<lb/>
einzige Referent für die Ölpreise jetzt auf Genesungsurteil gegangen<lb/>
ist. Wenn ich ein Vertreter der Ölgesellschaften wäre, würde ich mich<lb/>
über diese Tatsache auch furchtbar ärgern. Optisch muss nämlich<lb/>
der Eindruck entstehen, dass ich nicht nur die Preiserhöhung nicht<lb/>
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jetzt auch das Gutachten der Wirtschaftsforscher die Entscheidung<lb/>
hinausschiebe sondern dann auch noch der zuständige Referent in<lb/>
Urlaub fährt und damit die weitere Verzögerung automatisch gegeben<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> soll eine Preisverhandlung auf<lb/>
alle Fälle zeitgerecht ansetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_17">Die Betriebsversammlung der Fa. Elin war übervoll. Die Leute<lb/>
standen in Trauben bei den Eingangstüren. Der Betriebsratsobmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__1137433">Marek</rs> behauptete, dass dies auf meine Anwesenheit zurückzuführen<lb/>
sei. Ich glaube viel eher, dass es letzten Endes darum gegangen ist,<lb/>
von den Betriebsräten zu erfahren, wie es bei Elin bezüglich der<lb/>
Löhne, Kollektivverträge usw. weitergeht. Wie dem auch sei,<lb/>
ich habe auf alle Fälle mein Referat ausschliesslich auf Energie<lb break="no"/>fragen, die natürlich die Elin als elektrotechnische Produktionsstätte<lb/>
am meisten interessiert, aufgebaut. Was, wie sich auch in der Dis<lb break="no"/>kussion dann herausstellte, die Leute nach wie vor am meisten inter<lb break="no"/>essiert. Ich war über die Anzahl der Diskutanten und auch über<lb/>
das hohe Niveau der Anfragen und Diskussionsbeiträge sehr überrascht.<lb/>
Allerdings war bei dieser Betriebsversammlung auch der gesamte<lb/>
Vorstand der Elin anwesend, dies allein ist glaube ich schon ein<lb/>
Grund, warum sich dann manche in der Diskussion zu Wort melden,<lb/>
die ansonsten normalerweise schweigen. Auch hier war wieder ein<lb/>
deutliches Interesse für die Polen-Verhandlungen zu bemerken.<lb/>
Entweder unterschätze ich die Aktivitäten, an denen ich letzten<lb/>
Endes sogar entscheidend mitwirke oder die anderen überschätzen sie<lb/>
haushoch. Die wirkliche Erklärung liegt aber meiner Meinung nach<lb/>
aber darin, dass eben durch die Anwesenheit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, ich muss<lb/>
besser sagen durch die Führung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> bei solchen Verhandlungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_18">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> hat mir bestätigt, was Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
mir bereits vorher ankündigte, dass bei einer Aussprache zwischen<lb/>
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in der Landwirtschaftskammer, auch der Milchpreis endgültig fest<lb break="no"/>gesetzt wurde. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> erklärte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, er sei mit den 20 Groschen,<lb/>
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Bauern 20 Groschen Milchpreiserhöhung vereinbart und beschlossen.<lb/>
haben. Mir persönlich kann dies nur recht sein, denn als ich<lb/>
die Gewerkschafter, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und AK konnte ich nicht erreichen,<lb/>
über das Ergebnis informierte, war die erste Frage von <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs><lb/>
sofort, ob auch ich bei dieser Aussprache dabei war. Wäre ich<lb/>
dabei gewesen hätte er einmal mehr wiederholt, dass ein solcher<lb/>
Preis vollkommen inakzeptabel ist und von ihnen kategorisch<lb/>
abgelehnt wird. Bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schweigen sie jetzt scheinbar. Ich<lb/>
glaube überhaupt, dass wenn die AK und der ÖGB ihren Einfluss,<lb/>
den ich also jetzt durch 10 Jahre ganz systematisch aufgebaut habe,<lb/>
und wie ich auch sagen kann, ausgebaut habe, weiter erhalten<lb/>
wollen, müssten sie <choice><choice><sic>weistgehend</sic><corr>weitestgehend? weitgehend?</corr></choice></choice> dafür eintreten und meine Politik<lb/>
mitmachen, aus der amtlichen Preisregelung so viel wie möglich<lb/>
in der Paritätische Kommission hinüberbringe. Wenn dies nicht<lb/>
der Fall ist, dann wird früher oder später sicherlich einmal<lb/>
mein Nachfolger von dieser Konsenspolitik, die ich jetzt<lb/>
noch immer anstrebe, abweichen, die von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geforderte Ent<lb break="no"/>scheidungspolitik der Regierung in immer stärkerem Masse verfolgen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sind über meine Konsenspolitik nicht nur<lb/>
nicht erfreut sondern lehnen diese auch ganz entschieden ab.<lb/>
Wenn sie dies bis jetzt in der Öffentlichkeit nicht getan haben so<lb/>
deshalb, weil sie mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> im ÖGB darüber nicht einen allzu<lb/>
grossen Streit haben wollen. Wenn der Bürokratie des ÖGB und der<lb/>
AK diese Entwicklung aber nicht zu denken, wenn sie sie vielleicht<lb/>
gar nicht erkennen, dann werden sie eines schönen Tages erleben, dass<lb/>
sie nur mehr "matschkern" können, wenn Entscheidungen ganz wo anders<lb/>
gefallen sind und sie überhaupt keine Möglichkeit gehabt haben, diese<lb/>
mit zu beeinflussen. Maximal werden sie dann ihre negativen Gutachten<lb/>
und ihre ablehnenden Stellungnahmen in ihrem Pressedienst publi<lb break="no"/>zieren können. Scheren wird sich darum kein Mensch mehr.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-28_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Auf nächstes Jour fixe AK/ÖGB setzen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>FWV [wird 1971 von Heindl zu einer Besprechung (?) ins Parlament
                  bestellt; hs. Notiz im Tagesprogramm ev. hilfreich?]</occupation>
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