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            <title type="main">Dienstag, der 27. November 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_01">Dienstag, 27. November 1979<lb/>
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und Reservierungssysteme" vorbereitet. Zuerst war ich sehr<lb/>
verärgert, denn wozu musste diese zwei Tage in Baden stattfinden?<lb/>
Die Erklärung war aber, dass man dafür im Kongreßhaus 40.000 S<lb/>
zu bezahlen hat, während in Wien dafür 140.000 S hätten aufgewendet<lb/>
werden müssen. Ich war so zeitig dort, dass ich mir vorher die<lb/>
Reservierungssysteme erklären lassen konnte, interessant für mich<lb/>
war nur, dass es zwei Firmen gab, die in den Orten die Besetzt-<lb/>
Anzeigetafeln anboten<add>[, die]</add>, eine westdeutsche Fabrikate kaufte und<lb/>
eine österreichische. Die österreichische war billiger, da sie<lb/>
mit dem Telefonnetz arbeitete. Hier hat einmal die Post mit einer<lb/>
österreichischen Firma zusammengearbeitet, bevor die Deutschen<lb/>
diesen Markt auch eroberten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was sagen unsere Leute und wie erklären<lb/>
sie dies?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_04">Vor der Ministerratssitzung habe ich mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> über die<lb/>
Transportmöglichkeiten der polnischen Kohle durch die CSSR ge<lb break="no"/>sprochen. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hatte gerade im Oktober mit seinem tschech.<lb/>
Kollegen <rs type="person" ref="#per__1137434">Blazek</rs>, aber auch sogar mit Ministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__113616">Strougal</rs><lb/>
in der CSSR diese Frage erörtert. Die Tschechen sind, wie er<lb/>
meinte, ohne weiteres imstande, die Kohlentransporte durchzu<lb break="no"/>führen. Keine Rede von der Errichtung eines dritten Geleises,<lb/>
trotzdem gibt <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> zu, dass es für die Verhandlungen<lb/>
gut ist, eine oder vielleicht sogar mehrere Varianten unter<lb break="no"/>sucht zu haben, damit die Tschechen nicht glauben, sie haben<lb/>
ein Monopol. Er wird mit seiner Bahnverwaltung jetzt alle<lb/>
Alternativen überlegen und <choice><choice><sic>durchrechen</sic><corr>durchrechnen?</corr></choice></choice>. Die entsprechenden Unter<lb break="no"/>lagen bekommen wir dann sofort zugestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die Energiesektion und die Ver<lb break="no"/>bund sofort verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_06">Mit Gesundheitsminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> besprach ich die Kompetenzabgrenzung<lb/>
Neben dem Umwelt-Ombudsmann, der Parteienstellung in jedem<lb/>
Gewerberechtsverfahren haben wird, möchte <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> auch noch<lb/>
eine Umweltbilanz von jeder Firma, wenn sie einen Antrag<lb/>
auf Betriebsgenehmigung stellt, auf Grund eines noch zu beschlies<lb break="no"/>senden Gesetzes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_07">Diese Umweltbilanz hat, wie ich nachher mit einer Aussprache<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> feststellte, dieser vor längerer Zeit selbst<lb/>
schon vorgeschlagen, er kam allerdings über das Verwaltungs<lb break="no"/>problem zu einer ähnlichen Lösung. Seiner jahrzehntelangen<lb/>
Erfahrung nach können die Behörden gar nicht die Sachverständigen<lb break="no"/>gutachten, die im Verfahren notwendig wären, zeitgerecht und<lb/>
umfangreich und entsprechend AVG-mässig begründet, erstellen.<lb/>
Dazu fehlen die Messgeräte und die Sachverständigen sind in<lb/>
der grossen Menge gar nicht vorhanden. Im Gesundheitsministerium<lb/>
fehlen die Ärzte, was übrigens <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> auch mir gegenüber be<lb break="no"/>stätigte. Die Verfahren dauern deshalb ungeheuer lange. Um dem<lb/>
abzuhelfen, wollte <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> bereits vor Jahren die Unterbehörde,<lb/>
d.h. die Landeshauptleute resp. deren Beamte für Gewerberecht<lb/>
dafür gewinnen, dass die Unternehmungen entsprechende Vorschläge<lb/>
ähnlich dem Vorschlag <add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> sich Umweltbilanzen vorlegen lassen<lb/>
sollen, die dann nur noch zu prüfen und zu bestätigen seien,<lb/>
wenn sie gewissen Richtlinien entsprechen. Ausgelöst wurde<lb/>
diese Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> von mir durch die Anfrage, wie<lb/>
es jetzt mit den Gutachten des Prof. <rs type="person" ref="#per__1137435">Möse</rs> aus Graz wegen der<lb/>
Karzinomgefahr in Voitsberg III weitergehen soll. Bestünde<lb/>
jetzt schon die gesetzliche Verpflichtung, dann würde die ÖDK<lb/>
wahrscheinlich umweltbilanzmässig nachzuweisen haben, dass<lb/>
durch die Fernwärme und den Wegfall der entsprechenden Einzel<lb break="no"/>ofenheizungen im Raume von Voitsberg und Umgebung die Luft nicht<lb/>
verschlechtert wird, auch dann wenn jetzt die Abgase aus Voits<lb break="no"/>berg III dazukommen. Die unzähligen Einzelheizungen, die durch<lb/>
die Fernwärme ersetzt werden, müssen eine gewisse Entlastung<lb/>
der Luftverschmutzung bringen. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat bei dieser Gelegenheit<lb/>
mich wieder darauf aufmerksam gemacht, dass laut Art. 15 Staatsver<lb break="no"/>trag mit den Ländern eine Vereinbarung über die Senkung des<lb/>
Schwefelgehaltes längst möglich sein. Das Gesundheitsministerium<lb/>
hat nur diese Möglichkeit verschlampt. Jetzt müsste über<lb/>
die Fristen neu verhandelt werden, weil nicht sicher ist,<lb/>
ob die ÖMV als Ölproduzent diese noch einhalten kann.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wurde nämlich bei einer Besprechung mit Gebietskörper<lb break="no"/>schaften von der Akademie der Führungskräfte aus Graz in<lb/>
Salzburg veranstaltet mit dieser Frage konfrontiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_08">Die Ländervertreter haben sich dort kräftigst bei ihm be<lb break="no"/>schwert. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird auf mein Verlangen ein diesbezügliches<lb/>
Schreiben an <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> entwerfen.<lb/>
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gegen Armut, <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> seine Raumverteidigungsübung, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte<lb/>
in den Bericht noch bezüglich der Bekleidung der Soldaten<lb/>
eine besonderen Passus, dass die Ausrüstung durch den Finanz<lb break="no"/>minister besser finanziert wird. <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> hat erst gar nicht<lb/>
abgewartet, bis <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> antwortete, sondern feststellt, dass<lb/>
die Bekleidungsindustrie nicht imstande wäre, schneller die<lb/>
Umrüstung vorzunehmen. Der Anzug 75 steht jetzt 60 % der Wehr<lb break="no"/>männer schon zur Verfügung, durch dieses Zwiebelsystem werden<lb/>
die Soldaten weitestgehend geschützt. 10–15.000 Mann können<lb/>
pro Jahr diesen Anzug erhalten und bekommen ihn dann auch für<lb/>
die Übungen mit nach Haus. 40 % mussten leider noch im alten<lb/>
Kampfanzug mitmachen und diese waren sehr schlecht daran.<lb/>
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Bekleidungsindustrie nicht imstande ist, mehr zu liefern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_11"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> berichtete über den Besuch des ungarischen Verkehrs<lb break="no"/>ministers. Da <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> mit seinem unmittelbaren Nachbar<lb break="no"/>kollegen gute Beziehungen hat, werden wir vielleicht doch<lb/>
das Verkehrsproblem der polnischen Kohle gut lösen können.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hat mir nämlich versprochen, zu klären, ob die<lb/>
Ungarn tatsächlich von Tschop – sprich ung.-sowj. Grenze –<lb/>
eine Breitspurbahn bis Budapest legen.<lb/>
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nachfragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_13">Minister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> meldete sich für Brüssel einen Besuch beim<lb/>
Kommissar <rs type="person" ref="#per__114113">Gundelach</rs> ab, <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> wird dort entsprechende Inter<lb break="no"/>ventionen wegen der Landwirtschaft durchführen. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> bemüht<lb/>
sich wirklich verzweifelt durch ständige Besuche und Zusammen<lb break="no"/>künfte mit <rs type="person" ref="#per__114113">Gundelach</rs> Teilerfolge zumindestens zu erzielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_14">In dem jetzigen Interventionsfall wegen der Beitritts<lb break="no"/>verhandlungen Griechenland und damit Diskriminierung Österreichs<lb/>
fürchte ich, wird er nichts erreichen. Für uns als Regierung<lb/>
ergibt sich aber dann die Möglichkeit, drauf hinzuweisen, dass<lb/>
ohnedies ständig in Brüssel interveniert wurde. Unser Bot<lb break="no"/>schafter in Brüssel bei der Mission, <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs>, hat übrigens<lb/>
jetzt auch schriftlich mir gegenüber festgehalten, dass es<lb/>
zweckmässig ist, erst nach dem Ratsbeschluss, dass die Griechenland-<lb/>
Beitrittsprobleme mit den EFTA-Staaten besprochen werden können,<lb/>
in Brüssel dann zu intervenieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_15">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs>, Austria Ferngas, und <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs>, Stadtwerke,<lb/>
und einer Anzahl ihrer Mitarbeiter, berichteten mir über die<lb/>
Verhandlungen mit der SU wegen der Gaspreiserhöhung. Auf Grund<lb/>
des Vertrages können die Sowjets entsprechende Korrekturen<lb/>
verlangen. So behauptete es zumindestens GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>. Über die<lb/>
Vorgangsweise bestand zwischen der Austria Ferngas letzten<lb/>
Endes für die Länder die Gespräche mit der ÖMV führen, aber auch<lb/>
gleichzeitig in Moskau mit war, grosse differente Auffassungen.<lb/>
Die ÖMV möchte höchstens die von der SU vorgeschlagenen Preis<lb break="no"/>erhöhungen zugestehen. Da diese nicht nur am 1. Jänner von 1.15<lb/>
auf S 1.47 und am 30.6. dann auf 1.65 S erhöht wird, diese<lb/>
Preise beziehen sich auf sowj. m³ und entsprechenden Temperatur<lb break="no"/>graden und müssten umgerechnet auf die österreichischen Grenz-<lb/>
Preise dann noch mit 7,3 % erhöht werden, zugestehen möchte,<lb/>
haben die Länder wegen des Preisverfahrens im Inland die<lb/>
Absicht, den Sowjets anzubieten, gleich einen höheren Preis mit<lb/>
1. Jänner zu bezahlen und dann eine längere Stillhaltefrist zu<lb/>
verhandeln. Diese Vorgangsweise halte ich nach reiflicher Über<lb break="no"/>legung und Anhören aller Pro- und Kontra-Argumente für nicht<lb/>
zielführend. Die Sowjets würden natürlich sofort die Vorschläge<lb/>
auf höhere wahrscheinlich akzeptieren, aber keinerlei bindende<lb/>
Zusage für ein anderes Stillhalten vereinbaren. Diese Erfahrung<lb/>
mussten wir ja auch auf Grund der jetzigen Verhandlungen machen.<lb/>
Laut bestehendem Vertrag, der aber, wie <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> erklärte, geändert<lb/>
werden kann, hätte erst die nächste Preiserhöhung am 1. Juli 1980<lb/>
erfolgen sollen. Jetzt im Vertrag könnte nämlich bei ungünstiger<lb/>
Auslegung für die Sowjets nach einem Jahr und einer Nachlauf<lb break="no"/>frist von 3 Monaten – so lange braucht man nämlich, um die Komponenten<lb/>
der Preiserhöhung – sprich Cocktail – durchzurechnen – erst die<lb/>
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Preissystem sieht nämlich diese Cocktail-Berechnung vor,<lb/>
entsprechende Basispreise und entsprechende Referenz-Perioden.<lb/>
Da die Sowjets in den laufenden Ölverträgen achtmal jetzt<lb/>
die Preise erhöht haben, hat die sowj. Regierung den Verhandler<lb/>
von <choice><choice><sic>Sojus-Export</sic><corr>Sojusgasexport</corr></choice></choice>, <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs>, aufgefordert, auf Grund der Ver<lb break="no"/>tragslage die Gaspreise auch entsprechend anders zu berechnen<lb/>
und schneller zu erhöhen. Ausschlaggebend, davon bin ich fest<lb/>
überzeugt, war letzten Endes auch, dass wir für die zweimal 400 Mio.<lb/>
m³ Nordsee-Gas 1.75 S jetzt bereits bezahlen müssen. Die Gas<lb break="no"/>verhandlungen werden deshalb im Inland so schwierig sein, weil<lb/>
ich zwar jetzt zum letzten Mal den Wienern, sprich dem Landeshaupt<lb break="no"/>mann, die Gaspreisfestsetzung ab 1.2.1980 delegiert habe. In<lb/>
Hinkunft müssen wir für das Amtliche Preisverfahren ein entspre<lb break="no"/>chendes schneller wirksames System finden. Am liebsten wäre<lb/>
mir der Vorschlag der Gasgesellschaften so wie im Jahre 1975<lb/>
die Industriegaspreisfestsetzung nach dem grossen Ölschock<lb/>
und die Preiserhöhung die auch entsprechendes Gaspreiserhöhung<lb/>
zur Folge hat, an die Paritätische Kommission zu übertragen. Ich<lb/>
bin allerdings nicht sicher, ob es gelingen wird, einen diesbezüg<lb break="no"/>lichen Akkord mit den Sozialpartnern zu erzielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte auf Jour fixe AK-ÖGB und dann<lb/>
auch Handelskammer setzen.<lb/>
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Gas-Verhandlungen. Die Verträge hätten bereits im Juli in Algerien<lb/>
oder in Genf wie vereinbart paraphiert werden können. Die Österr.<lb/>
Kontrollbank war aber nicht imstande, zeitgerecht für die 100 Mio. $<lb/>
Exportfinanzierung vorzusehen. Die entsprechenden positiven Er<lb break="no"/>ledigungen kamen erst am 18. August. Zu diesem Zeitpunkt<lb/>
war aber bereits ein Regierungswechsel und vor allem einmal die<lb/>
Leitungsgremien der algerischen Exportfirma Sonatrach durchge<lb break="no"/>führt. Die neuen Leute müssen sich erst einarbeiten und deshalb<lb/>
kann der Vertrag bis jetzt noch immer nicht unterzeichnet werden.<lb/>
Ich ersuchte sofort die Austria Ferngas mir dies alles schrift<lb break="no"/>lich mitzuteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_19">In meinem Tagesprogramm stand, dass ich einen Abzug eines<lb/>
ersten Atlanten der Welt überreicht bekommen sollte. Die<lb/>
angegebene Firma war mir unbekannt. Eine solche Druckerei<lb/>
existierte für mich nicht. Tatsächlich stellte sich dann auch<lb/>
heraus, dass es sich nur um eine geschickte Buchvertretung<lb/>
handelte, die mir nicht nur den ersten Atlanten sondern gleich<lb break="no"/>zeitig alle anderen ihrer Verlagsprodukte andrehen wollte.<lb/>
Ich bin zwar von Firmen-Geschenken, was Druckwerke betrifft,<lb/>
"bestechlich" von einer solchen Handelsfirma, die aber in<lb/>
Wirklichkeit wie ich sofort beim Eintritt bemerkte, hätte<lb/>
ich mir kaum doch ein so verhältnismässig teures Werk schenken<lb/>
lassen. Ich habe deshalb sofort und das ist der Vorteil eines<lb/>
Ministers erklärt, die ganze Angelegenheit wird bei mir Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs><lb/>
bearbeiten und er muss jetzt schauen, wie er aus diesem Problem<lb/>
herauskommt. In Hinkunft werden wir viel vorsichtiger vorgehen<lb/>
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welche zusätzlichen Aktivitäten wir entfalten sollten, um<lb/>
die Sowjets zu einem besseren Kauf in Österreich zu veranlassen.<lb/>
Ich teile alle seine Vorschläge, bis auf die Idee, mit <rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs><lb/>
vom Staatskomitee für Wissenschaft und Technik eine Round-Table-<lb/>
Gesprächsorganisation in Wien aufzuziehen, wie der Vorsitzende<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs> vorschlägt. Zwischen dem Staatskomitee und dem Aussen<lb break="no"/>handelsministerium gibt es gespannte Beziehungen, seitdem ich<lb/>
vor sieben Jahren in der Gemischten sowj.-österr. Kommission<lb/>
dies feststellen konnte. Zeitgerecht habe ich dies Gott sei<lb/>
Dank erfahren und daher niemals in den Konkurrenzkampf dieser<lb/>
beiden Organisationen eingegriffen. Wir einigten uns mit <rs type="person" ref="#per__114156">Hinter<lb break="no"/>egger</rs>, dass ich versuchen werde, die Handelskammer für ein<lb/>
solches Round-Table-Gespräch, wo dann jede Organisation eingeladen<lb/>
wird, dann auch natürlich das Staatskomitee für die aussenwirt<lb break="no"/>schaftlichen Beziehungen, zu gewinnen und nach Wien alle einzu<lb break="no"/>laden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die Unterlage für nächstes Jour Fixe<lb/>
Handelskammer mitgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_22">Das Gespräch mit dem Chefredakteur <rs type="person" ref="#per__129949">Waldstein</rs> und den Kurier-<lb/>
Journalisten in der <rs type="person" ref="#per__126884">Polsterer</rs>-Druckerei war meinerseits sehr<lb/>
offen geführt. Die 5 Redakteure versuchten, mir entweder klar<lb/>
zu machen und nachzuweisen, dass ich hier wirklich mangels Kompe<lb break="no"/>tenz bezüglich Energiesparen versagt habe und dass ich vor allem<lb/>
im Gegensatz zu Bundeskanzler und Finanzminister und Vizekanzler<lb/>
für sie unerklärlich weich argumentiere und auch handle. Dies<lb/>
meinte <rs type="person" ref="#per__129949">Waldstein</rs> ist nur die Folge meiner eben aus der AK-Zeit<lb/>
resultierenden Verbundenheit mit den Konsumenten, sprich Konsu<lb break="no"/>mentenschützer. Ich versuchte darzulegen, dass dazu keine gesetz<lb break="no"/>liche Möglichkeit besteht, selbst wenn ich hart sein wollte.<lb/>
Derzeit, erklärte ich, besteht aber dazu gar keine Notwendig<lb break="no"/>keit. Als Handelsminister ist es mir bisher immer gelungen,<lb/>
mit den entsprechenden Organisationen und Firmen die notwendigen<lb/>
Mengen sicherzustellen. Selbst die Reglementierung über den<lb/>
Preis konnte ich mehr oder minder einvernehmlich festsetzen.<lb/>
Ich habe bereits in zwei vergangenen Legislaturperioden ver<lb break="no"/>sucht die notwendigen gesetzlichen Ermächtigungen für eventuell<lb/>
notwendige Handlungen zu bekommen. Überrascht war ich, dass<lb/>
die Redakteure gar nicht wussten, dass es sich hier um 2/3-Bestim<lb break="no"/>mungen, d.h. Verfassungsbestimmungen handelt. Die ÖVP daher<lb/>
unbedingt zustimmen muss. Letzten Endes spitzte sich dann die<lb/>
Diskussion auf die Frage zu, ob meine Konsenspolitik, die ich<lb/>
dort entsprechend verteidigte, in einer Krisensituation überhaupt<lb/>
möglich.Die Stellungnahme, die ich dazu abgab war, dass ich<lb/>
wenn man mich zwingen würde, diese Konsenspolitik zu verlassen,<lb/>
eher alle Konsequenzen ziehen würde als dies zu tun. Beim<lb/>
Heurigen-Besuch am Abend bei <rs type="person" ref="#per__1137436">Peter Smolka</rs>, ein leider voll<lb break="no"/>kommen querschnittsgelähmter Mann mit einer ungeheuren geistigen<lb/>
Kapazität und Arbeitswillen, der zu einem Heurigen eingeladen<lb/>
hat. traf ich dann Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, die ich von dieser<lb/>
Aussprache berichtete. Diese waren natürlich meiner Meinung,<lb/>
dass nur unsere Konsenspolitik die Erfolge haben kann und dass<lb/>
die Sozialpartnerschaft halt jetzt von vielen Jüngeren ange<lb break="no"/>fochten, um nicht zu sagen gar nicht mehr gewünscht wird.<lb/>
Dies trifft scheinbar in vielen Lagern und nicht nur beim Kurier<lb/>
zu.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_23">Die Fraktion der soz. Bezirksräte diskutierte mit mir sehr hart<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__97354">Blau</rs>, <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs>, aber auch des Bezirksrates auf der Landstrasse und<lb/>
jetzigen Sekretärs der Bildungsorganisation Wien, <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs>. Die<lb/>
Genossinnen und Genossen waren nicht bereit, diese wir ich glaube<lb/>
sachlich auch vollkommen falsche, aus welchen persönlichen<lb/>
Gründen wie immer, geführte Konteraktion zu tolerieren. Die<lb/>
ÖVP hat jetzt Plakate angebracht, die Strassenbahn-Preiserhöhung<lb/>
ist ein Wahnsinn, in den Bezirksparlamenten, sprich Bezirksver<lb break="no"/>tretungen, wird daher dieser ÖVP-Angriff jetzt noch durch die<lb/>
Hinweise auf die soz. Funktionäre, die auch dagegen sind, unter<lb break="no"/>stützt. <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs> hat mir zugeflüstert, ich habe mich extra neben<lb/>
ihn gesetzt, dass er diese Aktionen mit unterschrieben hat, um<lb/>
zu verhindern, dass die Soz. Jugend ansonsten eine Aufmarschdemon<lb break="no"/>stration gegen die Strassenbahnerhöhung gestartet hätte, ich<lb/>
glaube es ihm gerne, doch würde ihm im Bezirk wahrscheinlich<lb/>
auch in Wien niemand abnehmen, dass er deshalb das Recht gehabt hät<lb break="no"/>te, diese Resolution mit zu unterschreiben. Die AK-Angehörigen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97354">Blau</rs>, <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs>, <rs type="person" ref="#per__117943">Peter Kreisky</rs>, die letzten Endes immer diese Gruppen<lb/>
anführen, können scheinbar in der Arbeiterkammer durch Arbeiten<lb/>
und Diskussionen nicht gebunden werden. Die Entwicklung dort<lb/>
ist wirklich zumindestens für die älteren Genossen sehr beunruhigend.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit muss ich meine gestrige Aussage wegen<lb/>
des Verlassens des Milchpreis-Verhandlungskomitees korrigieren.<lb/>
Nach einer Rücksprache mit <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> bekam ich die Begründung, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> nur deshalb weggegangen ist, weil <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> nicht nur die<lb/>
amtlich preisgeregelten Preise, sondern im Zuge der Aufteilung<lb/>
auch die der Paritätischen Kommission vorbehaltenen Preise<lb/>
mit verhandeln wollte. Da in der Preiskommission der ÖGB nicht<lb/>
vertreten ist, hat dies <rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs> von der AK mit Recht abgelehnt<lb/>
und als er sich scheinbar nicht durchsetzen konnte, eben die<lb/>
Sitzung verlassen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hat dies zwar anders dargestellt,<lb/>
aber im Grunde genommen hat <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> mich davon überzeugt, dass<lb/>
AK hier richtig dem Sinne nach, vielleicht nicht der Form nach<lb/>
gehandelt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-27_24">Bei dem Heurigen-Besuch neben <rs type="person" ref="#per__1137436">Peter Smolka</rs> gleichzeitig auch<lb/>
die LH kam ich mit dem Landesamtsdirektor <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> von Tirol<lb/>
zu sitzen. Ich diskutierte mit ihm die Frage der Beteiligung<lb/>
der Tiwag oder des Landes Tirol in den Tauernkraftwerken. Nach wie<lb/>
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mit dem ich aber die Gespräche nicht mehr führen wollte,<lb/>
dass ich doch nachgebe und eine 50:50-Lösung akzeptiere.<lb/>
Ich habe in Anwesenheit von Gesundheitsminister <rs type="person" ref="#per__97891">Salcher</rs> ihm<lb/>
klargemacht, dass eine solche Regelung für mich nicht in<lb/>
Frage kommt. Die Kelag oder die Kärntner Landesregierung hat<lb/>
auch eine Zusage von 50% Beteiligung gehabt und nachgegeben<lb/>
und eingesehen, dass der Bund die Mehrheit haben muss. Der<lb/>
Hinweis, dass im zweiten Verstaatlichungsgesetz nur von mindestens<lb/>
50 % des Bundesanteiles steht, ist richtig, doch für mich nicht<lb/>
bindend. Ich bestehe auf mindestens ein Tausendstel Promille mehr<lb/>
als die 50 %. Die Entscheidungsfreiheit muss nämlich letzten<lb/>
Endes beim Bund, sprich Verbund, liegen. Da <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> bereits<lb/>
bei der Messe-Eröffnung in Innsbruck ersuchte, ich sollte die<lb/>
nächste Besprechung mit ihm gleichzeitig auch unter Beiziehung von<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> machen, wollte ich bei der Heurigen-Besprechung diese<lb/>
Verhandlung nicht abführen und bin, was mir persönlich sehr<lb/>
angenehm war, nach Erscheinen von <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> still und leise<lb/>
verschwunden.<lb/>
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               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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