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            <title type="main">Donnerstag, der 22. November 1979 bis Freitag, der 23. November 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band51_1979-11-22</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_01">Donnerstag, 22. November, bis Freitag, 23. Nov. 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_02">Die EFTA-Tagung verlief in der üblichen Routine. Diesmal<lb/>
gab es nur ein kleines Vermischen zwischen der offiziellen<lb/>
und der inoffiziellen Sitzung, weil der norwegische neue<lb/>
Minister wieder nach Hause fahren musste und schon die Bot<lb break="no"/>schafter ausgemacht haben, dass eben diese gemischte Tages<lb break="no"/>ordnung den Ministern vorgeschlagen wird. Den Vorsitz<lb/>
führte, weil der isländische Minister nicht kommen konnte,<lb/>
der schwedische. Von ihm wird erzählt, dass als die Konservativen<lb/>
aus der Regierung ausschieden und er daher sein Ministeramt<lb/>
zurücklegen musste, das er jetzt wieder bekommen hat, er sehr<lb/>
unglücklich gewesen ist. Da er perfekt englisch spricht,<lb/>
zelebriert er den Vorsitz auch sehr souverän. Von jedem Punkt<lb/>
macht er entsprechende Zusammenfassungen und versucht verzwei<lb break="no"/>felt eine Diskussion über die Frage zustandezubringen. Dies<lb/>
gelingt aber glaube ich schon allein wegen der Sprachschwierigkei<lb break="no"/>ten nicht. Englisch ist die Arbeitssprache, aber von niemandem,<lb/>
der dort hin kommt die Muttersprache. Die Portugiesen haben<lb/>
auch keine Regierung, weshalb sie einen beamteten Staatssekretär<lb/>
entsendet haben. Ich habe unseren Herren wieder erklärt, die<lb/>
beste Lösung wäre die Beamten träfen sich einmal im Jahr,<lb/>
um kleine Probleme zu erledigen, die Minister schicken dann<lb/>
die aufgesetzten Statements nur nach Genf, dort werden sie<lb/>
einem Protokoll einverleibt und die ganze EFTA-Tagung kann<lb/>
man sich ersparen. Sicherlich liegt dies daran, dass mein Englisch<lb/>
das schlechteste ist in der Runde. Da der informelle Teil<lb/>
genau formal abgewickelt wird wie der formelle, Tagesordnung, fest<lb/>
gelegte Statements, die verlesen werden, keine wirkliche Debatte,<lb/>
versuchte diesmal Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs>, indem er zu sich zu einem<lb/>
Lunch eingeladen hat und der schwedische Minister <rs type="person" ref="#per__126249">Burenstam</rs><lb/>
dort auch souverän zu einer Diskussion aufforderte, eine gewisse<lb/>
Auflockerung zu erzielen. Tatsächlich wurde über meine seit<lb/>
Jahren schon gestellte Anregung, nur einmal im Jahr eine EFTA-<lb/>
Tagung durchzuführen, diskutiert. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> meinte, dies könnte<lb/>
aber in der Öffentlichkeit missverstanden werden, weshalb er unbe<lb break="no"/>dingt für zwei Tagungen plädierte. Der Schwede machte dann<lb/>
den Vermittlungsvorschlag, man sollte die zweite Tagung als<lb/>
einen Klub aufziehen. Dieser Klub sollte dann in verschiedenen<lb/>
Hauptstädten abgehalten werden, damit dle formale Abwicklung<lb/>
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Tagung dann nicht mehr ein ganzer Rattenschwanz von Beamten<lb/>
und auch nicht vom Sekretariat hinfahren würden, sondern<lb/>
jedes Land nur 3 Mann incl. des Ministers schicken würde.<lb/>
Da ich überzeugt bin, dass dies innerhalb der Beamtenschaft<lb/>
in jedem Land eine kleine Revolution auslösen würde. bin<lb/>
ich gespannt, ob diese Idee wirklich durchgehen wird.<lb/>
Als ich unserer Delegation dann über diesen Punkt berichtete,<lb/>
hat der Vertreter des Aussenamtes gleich gemeint, aber das<lb/>
Aussenamt müsse dabei sein. Dies wäre direkt ja der Fall, denn<lb/>
der Vertreter der Mission, Botschafter <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs>, ist ja ein<lb/>
Aussenamt-Mann. Gesandter <rs type="person" ref="#per__123793">Scheuch</rs> von Wien hat allerdings<lb/>
gemeint, dass er als Wiener daran teilnehmen müsste, dies<lb/>
würde aber nicht gehen, wenn wir tatsächlich nur 3 fahren,<lb/>
dann wäre es der Minister oder die Staatssekretärin, Min.<lb/>
Rat <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs> als, wie es im Englischen so schön heisst, high<lb/>
official, und eben der Missionschef Botschafter <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs>. Da<lb/>
auch zu dem Lunch Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> nur drei Mann eingeladen hat,<lb/>
konnte diesmal schon der Gesandte vom Aussenamt nicht mit<lb break="no"/>gehen, was, wie ich dann aus Bemerkungen entnehmen konnte,<lb/>
eine ungeheure Verstimmung ausgelöst hat. Schweizer Bundesrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> hat sogar vorgeschlagen, es sollte in Hinkunft der<lb/>
Vorsitz nicht alle halben Jahre sondern jährlich wechseln.<lb/>
Dies wird auch wieder deshalb schwer gehen, weil angeblich<lb/>
dadurch die Missionen der kleinen Länder zu stark belastet<lb/>
werden. Ich frage mich, was es aber ändert, wenn sie in<lb/>
dem Halben-Jahr-Rhythmus eben früher wieder drankommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_03">Meritorisch ging es darum, dass die Norweger einmal mehr<lb/>
verlangt haben, man sollte über ökonomische Probleme, über<lb/>
die Wirtschaftspolitik diskutieren, wie dies auch vom Kon<lb break="no"/>sultativrat, der vorher immer tagt, immer wieder diskutiert<lb/>
und von den Norwegern unter anderem Gewerkschaftern dort ver<lb break="no"/>langt wird. Die Schweizer haben einmal mehr grosse Bedenken<lb/>
und meinen, das könne man eventuell in der OECD diskutieren,<lb/>
da dort wieder ihr Star <rs type="person" ref="#per__118681">Jolles</rs> den entsprechenden Ausschuss<lb/>
führt. Die Finnen verlangten eine Diskussion über Industrie<lb break="no"/>politik, von der niemand genau weiss, auch sie selbst nicht,<lb/>
was sie sich darunter vorstellen. Wir hatten angeregt über die<lb/>
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insbesondere mit der EG gemeinsame Verhandlungen zu versuchen.<lb/>
Dies wurde angenommen. Für die Schweden kam es insbesondere<lb/>
darauf an, die nächstjährige Tagung, wo sie den Vorsitz<lb/>
haben und wo die EFTA 20 Jahre besteht, ganz gross aufzu<lb break="no"/>ziehen. Unter anderem hat ihnen Ges. <rs type="person" ref="#per__123793">Scheuch</rs> den Beamten<lb/>
mitgeteilt, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zugesagt, dass auf Einladung er gerne<lb/>
kommen wird. Der schwedische Minister hat mich ersucht, ich<lb/>
soll darüber persönlich mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_04"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat in Warschau dann sofort zugestimmt und mir er<lb break="no"/>klärt, er ist mit jeder Lösung einverstanden. Danach würde<lb/>
am zweite Tag.in Stockholm ein Symposium stattfinden, wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
sicherlich das Hauptreferat halten wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> entsprechende Antwort<lb/>
vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_06">Den Nachmittag, der für mich überraschend frei war, habe ich<lb/>
dazu benützt, um den CERN zu besuchen. Diese westeuropäische<lb/>
Forschungsorganisation hat nächstes Jahr 600 Mill. sfrs.<lb/>
Budget, wovon Österreich ca. 4 % bezahlt. Österreicher haben<lb/>
mir dort die ganze Anlage gezeigt und sehr interessante Vor<lb break="no"/>träge gehalten. Bis jetzt haben sie eine Superbeschleunigungs<lb break="no"/>maschine gehabt mit einem Umfang von 7 km, jetzt wollen sie<lb/>
eine bauen, die viermal so lang sein wird und wie sie hoffen,<lb/>
noch weiter in die Materie eindringen. Die ganze wissenschaftliche<lb/>
Arbeit geht nämlich dort dahin, zu entdecken, was noch kleiner<lb/>
ist als der "Quark". Dies neue kleinste Einheit schreibt sich<lb/>
wie der Quark und, als ich das erste Mal gelesen habe, dachte<lb/>
ich sofort an Käse. Während man in meiner Jugend noch das<lb/>
Molekül als die kleinste Einheit betrachtete, sind es in der<lb/>
Zwischenzeit die Atome mit den Elektronen geworden, jetzt dann<lb/>
der Atomkern wieder aufgeteilt in Teilchen und diese Teilchen<lb/>
jetzt wieder aufgeteilt in Quarks. Interessant für mich war,<lb/>
wie diese theoretische Forschung doch von grossen Idealisten ge<lb break="no"/>tragen wird. Auch Österreicher von <choice><choice><sic>der österr. Universität</sic><corr>einer österreichischen Universität? der Universität Wien?</corr></choice></choice>,<lb/>
gerade bei einem neuen Versuch eingesetzt, arbeiten dort sicher<lb break="no"/>lich nicht die vorgesehenen 40 Stunden. Für einen Laien allerdings<lb/>
nichts anderes als Drähte, riesige stockhohe Anlagen wie z.B.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_07">die Blasenkammer und vor allem einmal viele, viele Mess<lb break="no"/>instrumente. Alle 12 Sekunden schicken sie durch diesen<lb/>
Superring einen Strahl, der dann abgeleitet wird und auf<lb/>
eine Materie trifft, hunderttausende Bilder werden aufgenommen<lb/>
die dann von Mädchen auf Unregelmässigkeiten untersucht werden.<lb/>
In Hinkunft wird dies ein Computer nach einem neuen Programm<lb/>
machen. Das Tollste aber, das mich beeindruckte, war, dass<lb/>
dort eine Materie oder vielleicht nur eine Energie gibt, Neutrino<lb/>
genannt, die durch alle uns bekannten Materien durchgeht. Für<lb/>
ängstliche Leute sicherlich ein Gefühl, wer weiss, was da in<lb/>
meinem Körper geschieht. Dass sie keine Bürgerbewegung dagegen<lb/>
haben, liegt glaube ich ausschliesslich daran, dass in der Umgebung<lb/>
dort nur CERN-Leute beschäftigt sind und wohnen. Die praktische<lb/>
Nutzung dieser Neutrinos erwartet man, dass es in Hinkunft<lb/>
Nachrichtenträger sein würde, wenn daher die Amerikaner,<lb/>
die besonders angeblich daran arbeiten und interessiert sind,<lb/>
dieses Neutrino entsprechend als Nachrichtenmedium nützen können,<lb/>
dann können sie durch die Erde senden und dann wird es schwerer<lb/>
sein, ihre Funksprüche zu stören. Dr. <rs type="person" ref="#per__126997">Faustenhammer</rs>, unser Mann<lb/>
in Genf, hat mehrere Bekannte dort, die er auch getroffen hat, er<lb/>
wohnt in der Nähe, ist 5 Jahre jetzt bereits in Genf und war<lb/>
noch nie im CERN. Nicht dass er sich dafür nicht interessieren<lb/>
würde, wie ich selbst feststellen konnte, sondern er dürfte wirklich<lb/>
sehr viel zu tun haben. Er war daher sehr froh, dass ich ihn mit<lb break="no"/>genommen habe. Für mich wirklich ein Beweis, dass die Leute der<lb/>
Mission, die ja neben EFTA, GATT viele andere auch noch zu er<lb break="no"/>ledigen haben, wahrscheinlich von einer Sitzung zur anderen jagen,<lb/>
wie sie mir selbst bestätigten, wobei es für mich sicherlich<lb/>
nicht ganz klar ist, wie viel sie diese Sitzungen überhaupt im<lb/>
einzelnen brauchen. Wenn der Missionschef allerdings sagt, sie<lb/>
müssen gehen, dann bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig.<lb/>
Internationale Organisationen ähnlich denen der EFTA zeichnen<lb/>
sich ja durch viele Sitzungen aus, die EFTA allerdings mit einem<lb/>
verhältnismässig kleinen Mitarbeiterstab, die anderen mit<lb/>
riesigen grossen Behörden. Botschafter <rs type="person" ref="#per__118679">Nettel</rs> hat mir deshalb auch<lb/>
die neuen Gebäude der Wipo, des Internationalen Arbeitsamtes,<lb/>
der Gesundheitsbehörde gezeigt, die sich riesige moderne Glas<lb break="no"/>paläste gebaut haben. Die Parkinsonschen Gesetz regieren hier<lb/>
im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei denke ich nicht nur allein<lb/>
an die Vermehrung der Beamten, sondern vergesse auch nicht seine<lb/>
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sich in Form des Riesengebäudes, das sie schafft, ein<lb/>
Denkmal für die Nachwelt. Ob dies dort auch zutrifft, wird<lb/>
sich zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_08">Freitag, 23., bis Montag, 26.11.1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_09">Die Polen haben mir, bevor <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gekommen ist, 3 Betriebe<lb/>
Unitra, Halbleiter-Erzeuger seit 1923, von Philips gegründet,<lb/>
derzeit Mikrowellenröhren, Senderöhren, aber vor allem Halb<lb break="no"/>leiterelemente mit 45 Grundtypen gezeigt. Gearbeitet wird nach<lb/>
einer westlichen Hauslizenz, der Export geht in die RWG-Länder,<lb/>
aber auch nach Westen. 2.000 Beschäftigte, 400 Ingenieure. Die<lb/>
Arbeiter mit einem Durchschnittsverdienst mit 62.000 Zloty pro<lb/>
Jahr. Die Unitra ist ein Gesamtkomplex, der sehr stark sein muss,<lb/>
denn er hat immerhin 8 eigene Firmen auch als Aussenhandels<lb break="no"/>unternehmen. Mein Hinweis und Diskussion mit den Betriebsdirektoren<lb/>
und dann auch Zentralstellenvertretern, dass die Halbleiter –<lb/>
ich habe mich an Siemens an Deutschlandsberg erinnert – ungeheure<lb/>
Schwierigkeiten durch nicht kostendeckende Preise <choice><choice><sic>erinnernt</sic><corr>bedingt???</corr></choice></choice>, wurde<lb/>
von den Polen negiert. Sie haben gemeint, die Preise seien für<lb/>
sie noch immer sehr günstig und sie seien gegenüber dem Westen<lb/>
konkurrenzfähig. Die zweite Fabrik gleich daneben, Polkolor,<lb/>
ich glaube, die grösste Fernsehfabrik Europas, wird für eine<lb/>
Kapazität von 1 Mio. Fernsehröhren ausgelegt. Die Bauten sind aber<lb/>
so gross, dass gegebenenfalls die Kapazität sofort auf 2 Mio. er<lb break="no"/>höht werden könnte. Für die Farbfernsehröhren hatte ich als Ver<lb break="no"/>gleich die Philips-Firma in der Steiermark, die schon jetzt<lb/>
unter beträchtlichen japanischen Konkurrenzangeboten zu leiden hat<lb/>
Für die fertigen Fernseher dann die Wiener Firma Grundig, die in<lb/>
der letzten Zeit sogar Beschäftigte abbauen musste. Die polnische<lb/>
Firma aber ist wesentlich grösser und erzeugt sich selbst das<lb/>
Glas von Sand, den sie dafür 400 km hertransportieren, werden<lb/>
nach amerikanischer Lizenz Corning und dann weiter nach amerikani<lb break="no"/>scher Lizenz RCA die Fernsehgeräte erzeugt. Dass sie den<lb/>
Amerikanern den Zuschlag gegeben haben, ist wie <add>[sie]</add> sagen, auf die<lb/>
Qualität, insbesondere aber auch die Kreditkonditionen zurück<lb break="no"/>zuführen. Insgesamt haben sie in diesem Werk bereits 8 Mia. Zloty<lb/>
investiert. Trotzdem man dort noch im Gatsch rumstampft, wird in<lb/>
den Hallen die Präzisionsarbeit von den Fernsehröhren geleistet.<lb/>
Wie weit man so etwas zustande bringt, kann ich im einzelnen nicht<lb/>
beurteilen. Für österreichische Verhältnisse vollkommen undenkbar.<lb/>
Natürlich daraus eine lange Diskussion, wie sie die harten Kon<lb break="no"/>kurrenzjahre, die jetzt bevorstehen, überstehen können. In<lb/>
<pb n="51-1290" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-23_1979-11-26_1290.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Österreich wurden Fernsehfirmen geschlossen, zuletzt ITT,<lb/>
Ingelen, weil mit 50.000 Stück unter gar keinen Umständen eine<lb/>
eigene Produktion aufrechterhalten werden konnte. Selbst die<lb/>
grösste westeuropäische Fernsehproduktionsstätte von Grundig<lb/>
in Wien hat jetzt unter den japanischen Konkurrenten furchtbar zu<lb/>
leiden. Die Fernsehgerätepreise sind von über 20.000 Schilling<lb/>
auf unter 10.000 Schilling gesunken. Die polnische Seite gibt<lb/>
sich optimistischer und meint, sie hätten 850.000 Stück Inlandsbe<lb break="no"/>darf und 150.000 könnten sie exportieren. Von 9 Mio. Familien hätten<lb/>
8.5 Mio. Familien Schwarz-Weiss-Empfänger und die würden alle auf<lb/>
Farbfernseher umsteigen. Dies gäbe eine Absatzmenge von 8 Jahren<lb/>
Produktion. Dann allerdings wäre nur mehr die Nachholbedarf zu be<lb break="no"/>friedigen. Bei den Westimporten werden sie die Hose verlieren.<lb/>
Da sie aber die 8 Mia. Investitionen irgendwie hereinbringen müs<lb break="no"/>sen, insbesondere aber die alle aus dem Ausland gekauften Anlagen<lb/>
und Maschinen, die sie sicherlich auf Kredit bekommen haben,<lb/>
früher oder später zurückzahlen müssen, muss dies schief gehen.<lb/>
Die Polen haben ein verdammte Pech. 6 Jahre schlechte Ernte, als<lb/>
Erklärung für ihre Lebensmittelversorgungskatastrophe. Die rie<lb break="no"/>sigen Werftinvestitionen, wobei gerade in den Jahren, wo sie zum<lb/>
Tragen kämen, die Preise ins Uferlose gefallen sind. Jetzt die<lb/>
Farbfernsehproduktion, die letzten Endes dann durch die Japaner<lb/>
weltweit wieder konkurriert wird. In Wirklichkeit, wie mir auch<lb/>
mancher Vizeminister im Laufe der Aussprachen, die wir ja tagelang<lb/>
mit ihnen führten, zuflüsterte, sehr fragliche Investitionen. Die<lb/>
Planbehörde hat entschieden, es wird daher <choice><choice><sic>durchzegzogen</sic><corr>durchgezogen?</corr></choice></choice>. Momentan<lb/>
geht es wirklich auch gar nicht anders, nachdem ja die Hallen alle<lb/>
bereits errichtet sind und die Produktion kommt prompt dann in<lb/>
eine krisenhafte Tiefphase in dieser Sparte. Der Hinweis, dass in<lb/>
Westeuropa 2 Mio. Stück importiert werden und dies grösstenteils<lb/>
aus Japan, sagt meiner Meinung nach gar nichts, dass man dann selbst<lb/>
diesen Markt erobern kann. Die Japaner müssen jetzt noch 20% Zoll<lb/>
überspringen, in der Mitte der 80er Jahre dann durch die GATT<lb/>
Vereinbarung wegfallen wird. Sofort haben sie darauf verwiesen,<lb/>
dass die Polen jetzt in Österreich 40% Zoll überspringen müssen.<lb/>
während sie im übrigen Westeuropa nur 13% Zoll zu leisten haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass diese Zollfrage genau prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_11">Vizeminister <rs type="person" ref="#per__1137437">Drozda</rs> hat gemeint, im Dezember 1976 wurde nicht<lb/>
<pb n="51-1291" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-23_1979-11-26_1291.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>zuletzt wegen des Energiesparens dieser Baubeschluss gefasst.<lb/>
Die neuen Apparate werden anstelle 350 Watt nur 160 Watt benö<lb break="no"/>tigen. Die Bauleistung bei diesem Werk war bedeutend, denn in<lb/>
36 Monaten konnte schon der Betrieb aufgenommen werden. Normaler<lb break="no"/>weise braucht man dazu mindestens 48 bis 56 Monate. Der mich<lb/>
einladende Industrieminister <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> meinte dann bei einer späteren<lb/>
Aussprache, sie würden jetzt 40 TV-Fabriken in Polen modernisieren.<lb/>
Die neue Politik lautet also, keine weiteren neuen Fabriken, sondern<lb/>
Modernisierung der bestehenden. Dass Polkolor ein Prestige-Projekt<lb/>
ist, war mir vollkommen klar. Da aber auch die Ostdeutschen, die<lb/>
Ungarn, die Tschechen und insbesondere die Russen ihre eigene<lb/>
Farbfernsehproduktion begonnen haben resp. ausbauen, kann man sich<lb/>
ausrechnen, dass auch innerhalb des RGW-Blockes sich eine ganz schwie<lb break="no"/>rige Absatzsituation sich ergibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_12">Die offiziellen Gespräche mit <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dieser flankiert<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und mir und ein halbes Dutzend Unternehmervertreter<lb/>
resp. Österreichische Kontrollbank, jener flankiert von einem<lb/>
halben Dutzend von Ministern und eine Unzahl von sonstigen Vize<lb break="no"/>ministern und Präsidenten, begann, dass <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> sofort vorschlug<lb/>
2 Arbeitsgruppen einzusetzen. Eine für Finanzierung und Banken<lb/>
und die zweite, die sich mehr rhetorisch mit der wirtschaftlichen<lb/>
Zusammenarbeit beschäftigte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies sofort auf die<lb/>
steigenden Wirtschaftsbeziehungen, aber auch auf die Schwierigkeiten<lb/>
die die polnische Seite hat. Die grosse österreichische Delegation<lb/>
sollte man dahingehend verstehen, weil wir Interesse haben über<lb/>
die weitere wirtschaftliche Entwicklung mit Polen. Insbesondere<lb/>
entwickelte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann sein wirtschaftliches Energiekonzept<lb/>
und meinte, dieses könnte zur Ost-West-Beziehung wesentlich bei<lb break="no"/>tragen. Österreich und Polen soll einen Modellfall schaffen. Die<lb/>
Energiefrage sei eine europäische Frage und <rs type="person" ref="#per__108324">Breschnew</rs> hätte er auch<lb/>
bereits die Bedeutung der Energiebeziehung zwischen Ost und West klar<lb break="no"/>machen können. Er machte folgende Proposition. Polen und eine von<lb/>
Österreich geführte Gruppe soll den Ausbau der in Polen vorhande<lb break="no"/>nen Lignitvorkommen finanzieren u. uwar zusätzlich zu den schon be<lb break="no"/>stehenden Handelsbeziehungen. Auf diese Kohlenvorkommen sollte<lb/>
dann Kraftwerke grössten Ausmass errichtet werden. Die Amorti<lb break="no"/>sation dieser Investitionen Kohle und Kraftwerk würde durch den<lb/>
Elektrizitätspreis resp. Menge, die an Österreich geliefert werden<lb/>
bezahlt werden. Nach der Amortisationszeit, man rechnet immer 20<lb/>
Jahre, würde sich eine entsprechende Nutzung der Polen ergeben, da<lb/>
<pb n="51-1292" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-23_1979-11-26_1292.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die Kraftwerke natürlich ja weiter in Betrieb blieben. Öster<lb break="no"/>reich würde ein Konsortium zustande bringen, wo es federführend<lb/>
ist. Die Polen wären selbstverständlich gleichberechtigte Partner.<lb/>
Ausserdem seien Dreierbesprechungen zwischen Polen, CSSR und<lb/>
Österreich bezüglich der Lieferungsmöglichkeiten zu führen und<lb/>
auch dies wäre ein neuer Modellfall für Ost-Westbeziehungen. In<lb/>
der Vergangenheit hätte man mit den 400-MW-Vertrag den ersten<lb/>
Schritt gemacht. Die neue Proposition sei aber wesentlich grösser<lb/>
und vor allem in Westeuropa auf einer grösseren Basis aufzu<lb break="no"/>bauen. Ähnliche Verhandlungen wie jetzt mit Polen wird er mit<lb/>
Ungarn wegen des Grenzkraftwerkes, basierend auf ungarischer<lb/>
Kohle und auch mit Jugoslawien bezüglich des Kosovo-Projekts, wo<lb/>
Österreich gewisse Interessen hat, dort aber nicht federführend<lb/>
auftritt. Das ungarische Projekt hofft er, dass 1980 abgeschlossen<lb/>
wird. Beim jugoslawischen gibt es noch grössere Schwierigkeiten.<lb/>
Wie mir GD <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> dann beim morgendlichen Spaziergang, den<lb/>
wir kilometerweit durchführten, auseinandersetzt, hat die schweize<lb break="no"/>rische Gesellschaft Laufenburg die Verhandlungen mit den Jugos<lb break="no"/>lawen nicht sehr glücklich geführt. Österreich ist mit 200.000<lb/>
sfr an dieser feasibility study beteiligt. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> wird dies<lb/>
jetzt in die Hand nehmen, damit dort erfolgreicher mit den Jugos<lb break="no"/>lawen verhandelt wird. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> war bass erstaunt von mir die<lb/>
negative Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs>, aber auch anderer jugosla<lb break="no"/>wischer Stellen zu hören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_13"><rs type="person" ref="#per__142552">Jablonski</rs> erwiderte dann auch die Ausführungen <add>[von]</add> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, dass 1977<lb/>
der Aussenhandel leider zurückgegangen ist. Jetzt haben die<lb/>
Polen bei uns 35 Mia. Schilling Scbulden. 1979 seien die pol<lb break="no"/>nischen Exporte nach Österreich gestiegen, die Importe weniger.<lb/>
Man müsse aber verstehen, dass die Polen jetzt die Schulden zu<lb break="no"/>rückzahlen müssen. Polen hat in Österreich mit den Importen<lb/>
Schwierigkeiten, nicht zuletzt wegen der Zölle. Er schlägt deshalb<lb/>
neuerdings vor, man sollte überlegen, um ein Abkommen wie mit<lb/>
Finnland und Polen auch mit Österreich zu schliessen, wie bei der<lb/>
letzten Gemischten polnisch-österreichischen Kommission <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs><lb/>
vorgeschlagen hat. Polen muss nach 1983 die Energiekohle garan<lb break="no"/>tieren. Deshalb verlangen sie – und dies ist eine Bedingung –<lb/>
einen entsprechenden Finanzkredit, nämlich 300 Mio. Dollar. Die<lb/>
Polen müssen Braunkohleninvestitionen durchführen, denn aus der<lb/>
eigenen polnischen Produktion könnten sie dies jetzt nicht mehr<lb/>
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Tonnen. Die Förderung ist aber um 40% teurer als in Schlesien.<lb/>
Dies vor allem auch deshalb, weil über diesen Braunkohlenstätten<lb/>
bereits alte Braunkohlenbergwerke 50 Meter darüber liegen, die<lb/>
derzeit mit Gas und Wasser gefüllt sind und daher der Abbau berg<lb break="no"/>technisch auch schwierig sein wird. Wenn sie daher 1 bis 1.2 Mio.<lb/>
Tonnen in den nächsten 20 Jahren liefern sollen, brauchen sie jetzt<lb/>
einen ungebundenen Finanzkredit, der durch österreichische Banken<lb/>
erfolgen soll, gleichzeitig natürlich mit einer Regierungsgarantie.<lb/>
Zu diesem Punkt habe ich dann mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> war zu diesem<lb/>
Zeitpunkt noch nicht anwesend, eingehend gesprochen und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
klargemacht, dass dies nicht die Verbundgesellschaft machen kann.<lb/>
Diese ist keine Finanzierungsgesellschaft, sondern eine Elektri<lb break="no"/>zitätserzeugungs- und Verteilungsgesellschaft. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat diese<lb/>
Stellungnahme voll akzeptiert und auch <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, der mir erklärt,<lb/>
er hat das erste Mal nach längerer Zeit wieder ruhig geschlafen,<lb/>
dezidiert sagt, die Verbund wird diese Finanzierung nicht zu garan<lb break="no"/>tieren haben. Dafür seien Banken resp. die Kontrollbank zuständig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_14">Ein grosses Problem führte <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> aus, sei der Transit durch die<lb/>
CSSR. Polen wird nicht in den Bahnbau der CSSR investieren. Genau<lb/>
dasselbe hat übrigens <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann auch dezidiert erklärt, dass<lb/>
Österreich nicht machen wird, um dort eine neue Bahnlinie wo<lb break="no"/>möglich zu errichten. <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> verwies dann noch auf die Kohlen<lb break="no"/>pipeline, die aber, da 83 bereits mit den Lieferungen begonnen<lb/>
werden soll, nicht so schnell errichtet werden könnte. Polen wird<lb/>
daher die Kohlenwaggon erzeugen können. Für die über die 208 Mio.<lb/>
Tonnen Jahresproduktion an Schwarzkohle werden weitere zusätz<lb break="no"/>liche Mittel für Investitionen gebraucht, die der innerstaatlichen<lb/>
Bilanz nicht zur Verfügung stehen. Bezüglich der Bergwerksmaschinen<lb/>
besteht ja mit VÖEST Alpine ein Kooperationsabkommen und die Con<lb break="no"/>tainer haben sich sehr bewährt. <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> verwies <add>[darauf]</add>, dass derzeit<lb/>
100 Megawatt Polenstrom nach Österreich exportiert werden, 1983<lb/>
sollen es dann 400 Megawatt werden. Der <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Vorschlag, der jetzt<lb/>
noch ein grösseres Kraftwerk in Polen bauen möchte, sei sehr<lb/>
interessant, aber sehr schwierig, er könne daher keine endgültige<lb/>
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sondern auch der Ökonomie und vor allem der Beschäftigung. Ins<lb break="no"/>besondere haben mir dann die Fachleute der Polen gesagt, es ist<lb/>
ungeheuer schwierig, die im Osten liegenden Kohlengruben in der<lb/>
Nähe <choice><choice><sic>Ljubins</sic><corr>Lublins?</corr></choice></choice> mit Beschäftigten betreiben zu können. Bergarbeiter<lb/>
aus Oberschlesien lassen sich nur sehr schwer versetzen. Bei Bau<lb break="no"/>arbeitern ist es selbstverständlich, dass sie eine andere Arbeits<lb break="no"/>stätte gerne annehmen. Z.B. nehmen jetzt Bau- und Montagearbeiter<lb/>
aus Polen an den Gaspipelines in der UdSSR teil. Dort reissen<lb/>
sich die Arbeiter hinzukommen, weil sie bessere Löhne erzielen<lb/>
können als in Polen, ausserdem ist die Versorgungslage dort auch<lb/>
wesentlich besser.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_15"><rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> meinte, es müsste auch der Transport gesichert sein.<lb/>
Die polnischen Systems sind überladen, aber noch viel schwieriger<lb/>
ist es mit den Transitwaren. Für die Investitionen bräuchten<lb/>
sie grosse Kredite, aber auch entsprechende Maschinenimporte.<lb/>
Derzeit beziehen sie Abbaumaschinen aus <add>[der]</add> BRD, Krupp. In Hinkunft<lb/>
wollen sie aber von Deutschland mehr wegkommen. Dazu brauchen sie<lb/>
weitere Kredite, die für die Kohlen aber noch günstiger sein<lb/>
müssen als die anderen Investitionskredite, die sie schon bekom<lb break="no"/>men haben. Die Kreisky-Initiative und Projekte würden natürlich<lb/>
zwischen Polen und Österreich eine grosse Rolle spielen, aber<lb/>
letzten Endes auch für ganz Westeuropa. Auch hier müsste <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mit den Tschechen wegen des Transits verhandeln. Die Polen würden<lb/>
am liebsten nur eine Garantie geben, dass sie bis zur CSSR-Grenze<lb/>
liefern, mit anderen Worten, den Tschechen verkaufen und wir<lb/>
müssten uns dann mit den Tschechen darüber klar werden. Die beiden<lb/>
Komitees die er vorsieht, sollte das erste von Vizekanzler <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
und Vizeministerpräsidenten <rs type="person" ref="#per__126911">Jagielski</rs>, das zweite von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> und mir geleitet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_16"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> erörterten dann die <choice><choice><sic>Bringungsmöglichkeiten</sic><corr>?</corr></choice></choice>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies darauf, dass die ÖMV ihm vorgeschlagen hat, man<lb/>
soll vom italienischen Hafen aus eine Pipeline nach Österreich<lb/>
bauen. Die Polen erklärten sofort, sie würden zwar jetzt 3 Mio.<lb/>
Tonnen über den Seeweg nach Italien bringen, allerdings wie ich dann<lb/>
im Detailgespräch feststellen konnte, nur nach Genua und La Spezia<lb/>
denn dort können die bis zu 90.000 Tonnen Kohlenschiffe anlaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_17">Würden sie nach Triest oder nach Monfalcone liefern, wo die<lb/>
ÖMV die Idee des Pipelines-Ausganges hat, könnten sie nur<lb/>
Schiffe mit 30.000 Tonnen beladen. Alles unrentabel wie sie<lb/>
sofort mir dann im Detail erklärten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, die ÖMV<lb/>
sei jetzt durch ihre Supergewinne imstande nicht nur der ÖIAG<lb/>
Dividenden zu zahlen, damit die Verluste in den anderen ver<lb break="no"/>staatlichten Betrieben ausgeglichen werden könnten, sondern wol<lb break="no"/>len auch allein durch ihre 65 % Importanteil und den insbesondere<lb/>
dort entstandenen Supergewinnen neue Aktivitäten setzen. Die<lb/>
Schiffahrt wird immer billiger sein, weshalb die Pipeline eben von<lb/>
Italien beginnen sollte. Die Polen haben mir nachher fast ver<lb break="no"/>traulich mitgeteilt, dass sie jetzt in den nächsten Wochen eine<lb/>
riesige Breitspurlinie von Schlesien, Kattowitz, bis an die sow<lb break="no"/>jetisch-polnische Grenze führen werden. Da dann auf Breitspur bis<lb/>
zur ungarisch-sowjetischen Grenze <add>[nach]</add> Tschop gefahren werden kann,<lb/>
die Ungarn angeblich jetzt auch eine Breitspurbahn bis nach Buda<lb break="no"/>pest legen, könnte man gegebenenfalls über diese Linie Kohlen<lb/>
transportieren. Die Kapazität in Polen wird 20 Mio Tonnen betragen<lb/>
Insbesondere soll ja Erz aus der Sowjetunion nach Kattowitz in<lb/>
die grossen Stahlwerke geliefert werden und dafür eben polnische<lb/>
Kohle in die UdSSR. Ein Wahnsinn, wie jetzt auch Osteuropa mit den<lb/>
breitspurigen <choice><choice><sic>Tranpostbahnsystemen</sic><corr>Transportbahnsystemen?</corr></choice></choice> kostenverteuernd investieren<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Die ÖBB soll, wie <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ja auch vorge<lb break="no"/>schlagen hat, jetzt endgültig die entsprechenden Untersuchungen<lb/>
und auch Gespräche mit der CSSR resp. Ungarn führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_19">Die Handelsgruppengespräche waren dann typisch. Alle sind natürlich<lb/>
in die Finanzgruppe gelaufen, wo von polnischer Seite nur wenige<lb/>
teilgenommen haben. In der Handelsgruppe unter <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> und<lb/>
meiner Führung waren dagegen alle Polen, 1/2 Dutzend von Ministern<lb/>
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und <rs type="person" ref="#per__116945">Kirchner</rs> von der SGP. Dieser hatte allerdings <choice><choice><sic>ein</sic><corr>kein</corr></choice></choice> Projekt<lb/>
gehabt, noch jemals seine Meinung zu irgend einem Projekt ge<lb break="no"/>äussert. Verspätet ist dann noch Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> dazuge<lb break="no"/>kommen. <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> hat 5 Punkte herausgestrichen. Erstens der<lb/>
Getreidekontrakt könnte jetzt unterschrieben werden, Kooperation<lb/>
Klein-und Mittelbetriebe und Drittländer soll auf der nächsten<lb/>
Gemischten Kommission nach Genehmigung durch österreichisches<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_20">Zweitens POLMOT und Steyr sollen weiterverhandeln. Die Polen<lb/>
sind nämlich mit den Investitionen und damit Gegenlieferungen<lb/>
für Steyr-Lastkraftwagen, die sie alle abgenommen haben, schwer<lb/>
im Rückstand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_21">Drittens VÖEST-Alpine hat die Kooperation mit POLIMEX wegen<lb/>
der Aromatenfabrik deshalb nicht bekommen, weil die Option im<lb/>
Oktober abgelaufen, dann um 20% die Preise erhöht wurden. Die<lb/>
Polen hatten die gute Ausrede, sie hätten zu den alten Angebot<lb/>
jetzt bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> Staatsbesuch sofort mit VÖEST-Alpine abge<lb break="no"/>schlossen. Bei dieser Gelegenheit verwies ich sofort auf die an<lb break="no"/>deren Wünsche resp. Liefermöglichkeiten der VÖEST, Zementumschlag<lb/>
in <choice><choice><sic>Cecin</sic><corr>Szczecin/Stettin?</corr></choice></choice>, Kraftwerksbau und Container-Lieferungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_22">Viertens die Kohlen sind vertragsmässig <add>[mit?]</add> 1,2 Mio. Tonnen abgeschlos<lb break="no"/>sen. Die Transportfragen muss mit der CSSR resp. mit anderen<lb/>
eben UdSSR oder Seeweg noch genau gerechnet werden. Die Kredit<lb break="no"/>bedingungen muss das Finanzkomitee lösen. Im Finanzkomitee und<lb/>
dann ganz besonders aber bei den Durchführungsverhandlungen mit<lb/>
der Kontrollbank wurde die Kohlenkreditfrage ausgeklammert. Zwi<lb break="no"/>schen der österreichischen Kontrollbank und Bank Handlowy wurden<lb/>
für Kapitalgüterimporte 4 Mia. Schilling, maximales Zahlungsziel<lb/>
8 1/2 Jahre, für Importe von Stahl und anderen industriellen Vor<lb break="no"/>produkten 2 Mia. Schilling, 6 1/2 Jahresraten. Für Importe von<lb/>
Investitionsgüter der mittleren und kleineren österreichischen<lb/>
Exportindustrie 300 Mio. Schilling 10 1/2 Jahresraten nach End<lb break="no"/>abnahme, für Weizenimporte je 240 Mio. für 3 Jahre vereinbart..<lb/>
Insgesamt stehen demnach 7,1 Mia. zur Verfügung. Die Finanzierung<lb/>
der polnischen Steinkohle nach Österreich wird von der Bank<lb/>
Handlowy urgiert. Die Österreichische Kontrollbank stellt aber<lb/>
fest, dass die Finanzierungsfrage nicht in den von ihr betreuten<lb/>
Exportfinanzierungsverfahren gelöst werden kann. Damit ist klar<lb break="no"/>gestellt, dass das Finanzministerium wahrscheinlich eine Banken<lb break="no"/>gruppe mit der Durchführung betrauen müsste. Dafür ist aber klarer<lb break="no"/>weise die Bundeshaftung notwendig. Wir werden ein ähnliches Gesetz<lb/>
brauchen wie wir seinerzeit für die Algerien-Gaslieferungen ein<lb/>
solches geschaffen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_23">Fünftens für das grosse Kraftwerkprojekt <add>[von?]</add> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sollte der<lb/>
Energieminister <rs type="person" ref="#per__126290">Bartosiewicz</rs> und der vom Planungsministerium<lb/>
seit Jahrzehnten tätige <rs type="person" ref="#per__140706">Hrynkiewicz</rs> von polnischer Seite be<lb break="no"/>auftragt werden. Von österreichischer Seite habe ich <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs><lb/>
und mich vorgeschlagen. Zum Letzteren schlug ich dann vor, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, d.h. Verbundgesellschaft, ein entsprechendes Elaborat<lb/>
mit allen Fragen, aber auch österreichischen Wünschen den Polen<lb/>
kurzfristig zur Verfügung stellen wird. Wir brauchen so schnell<lb/>
als möglich von den Polen eine Antwort, denn es muss ja auch<lb/>
noch eine zusätzliche HGÜ gebaut werden. Die jetzige in Dürnrohr<lb/>
hat ja nur 550 Megawatt. Es müssten ja dann für 2.000 Megawatt<lb/>
die entsprechenden Anlagen installiert werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_24">Am zweiten Arbeitstag hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann darauf verwiesen, dass<lb/>
er den Film über das herrliche Schloss, in dem wir wohnten,<lb/>
sich ansehen konnte. Ich selbst habe mir auch, bevor unsere<lb/>
Arbeitsgruppe begonnen hat, einen Teil angesehen und war sehr<lb/>
beeindruckt. Aus einer wirklichen Ruine wurde ein phantastisches<lb/>
Schloss. Rechts und links sehr geschickt Hotels angebaut für die<lb/>
Begleitung der Staatsbesuche. Das Ganze führt oder organisiert<lb/>
ein gewisser Professor <rs type="person" ref="#per__126408">Tschin</rs>. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ihn gleich einge<lb break="no"/>laden, damit er ihn berät, was man mit dem <rs type="person" ref="#per__1137438">Prinz-Eugen</rs>-Schloss, 40 km<lb/>
von Wien, sprich Schloss Hof, machen könnte. Dort ist derzeit<lb/>
das österreichisch-französische Managementinstitut, an dem die<lb/>
Ungarn und Polen als Oststaaten mitwirken sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_25">Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__126911">Jagielski</rs> berichtete dann über die<lb/>
Finanzierungsarbeitsgruppe. Die Polen liefern derzeit ca.<lb/>
600.000 t, sie haben aber einmal fast 1 Mill. geliefert und<lb/>
ein Teil müsste deshalb über die tschechischen Bahnen mög<lb break="no"/>lich sein zu transportieren. Ab 1983 sind es 200.000 t, um<lb/>
eine Vorratsbildung zu schaffen, 1984 600.000 und ab 1985<lb/>
1 Mill. bis 1,250.000 t. Da die Kohlenlieferungen und -Produk<lb break="no"/>tionen im neuen 5-Jahres-Plan aufgeteilt sind, muss entweder<lb/>
jetzt traditionellen Abnehmern etwas abgezogen werden oder<lb/>
die Produktion vergrössert. Wahrscheinlich werden sie beide<lb/>
Wege gehen. Ein Finanzkredit ist unerlässlich für diese In<lb break="no"/>vestitionen. Es muss dabei gute Bedingungen geboten werden<lb/>
auch eine Karenz- und Rückzahlungstermine müssen ent<lb break="no"/>sprechende berücksichtigt werden. Das Ganze soll mit Energie,<lb/>
sprich Elektrizitätslieferung, dann bezahlt werden, weshalb<lb/>
auch noch die entsprechenden Elektrizitätskraftwerke erweitert<lb/>
werden müssen. Der zweite Punkte waren die Krediterleichterungen,<lb/>
die Polen zum Ankauf von Hütten, chemischen und Leichtindustrie<lb/>
Produkten wünscht. Die Vereinbarungen wurden dann nach stunden<lb break="no"/>langen Verhandlungen zwischen Bank Handlowy und Österr. Kontroll<lb break="no"/>bank wie schon ausgeführt gefunden. Drittens ist die Zusammen<lb break="no"/>arbeit zwischen Klein- und Mittelbetrieben anzustreben, viertens<lb/>
eine Umschichtung ohne Vergrösserung des Kreditrahmens, sowohl<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, Österr. Kontrollbank, und <rs type="person" ref="#per__126261">Woloszyn</rs>, Bank Handlowy,<lb/>
vereinbaren. Die Ergebnisse sahen dann allerdings ein wenig anders<lb/>
aus. Fünftens müsste man über die Kupferwünsche, die Österreich<lb/>
hat, noch verhandeln, Polen hat keine Liefermöglichkeiten, da<lb/>
bis 1985 alles disponiert ist. Man wird dieses Problem aber<lb/>
neuerdings untersuchen.<lb/>
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muss, weshalb eben auch bei bilateralen Gesprächen man insbesondere<lb/>
auf die Drittländer Rücksicht nehmen muss. Die VÖEST-Alpine hat<lb/>
jetzt im Irak aber auch in der CSSR mit Polen sogenannte Dritt<lb break="no"/>landgeschäfte. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> müsse auch optisch aber auch sachlich<lb/>
ganz besonders grossen Wert darauflegen, dass es Voraussetzungen<lb/>
für Finanzkredite geben muss, er könnte sich Preisvorauszahlungen<lb/>
für Kohle und Elektrizität vorstellen. Auch der Kreditrahmen für<lb/>
Lieferung könnte erleichtert werden, indem die Finanzierung für<lb/>
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nicht sehr zweckmässigen Steyr-Daimler-Puch/Polmot-Vertrag,<lb/>
wo die Gegenlieferung dafür LKW-Bestandteile von der polnischen<lb/>
Seite unterblieb, müsste Steyr-Daimler-Puch jetzt selbst Investi<lb break="no"/>tionen durchführen, um die Produkte zu erzeugen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schlug<lb/>
also mit demselben Argumenten zurück, die die Polen immer anführen,<lb/>
wenn sie von uns Kredite verlangen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_27">Ich berichtete dann über die Ergebnisse der zweiten Arbeitsgruppe,<lb/>
selbstverständlich erwähnte ich dann die gewünschte Firmenwünsche<lb/>
Österreichs, Mischek, 3 Motels, 172,7 Mill. S, der Preis entspricht<lb/>
jetzt dem billigsten Angebot das IMOS von Jugoslawien der polnischen<lb/>
Firma Orbis gegeben hat. 95 % soll mit einem achtjährigen Kredit<lb/>
durch die Österr. Kontrollbank finanziert werden, 5 % sind nur frei<lb/>
finanzierbar. Dazu kommen noch 100 % freie Kreditzusage der Firma<lb/>
Mischek. Über die Preis- und die Kreditkonditionen habe ich natür<lb break="no"/>lich in der offiziellen Sitzung nichts gesagt. Weiters wurde Plasser<lb/>
&amp; Theurer bezüglich der 56 Bahnbaumaschinen mit 394 Mill. und der<lb/>
zwei Lizenzen für <choice><choice><sic>Gleisstopfanlagen-Maschinen</sic><corr>Gleisstopfmaschinen</corr></choice></choice> mit 53 Mill. S<lb/>
berichtet. Hier ist die polnische Firma Kolmex daran auch hier<lb/>
wurde nur allgemein erwähnt und nicht über die Details, insbesondere<lb/>
Preise, gesprochen. Die Firma Urbaner und Kolar will jetzt Jumbo-<lb/>
Gabelstapler <add>[um]</add> 50 Mill. S pro Jahr für die polnische Sägeindustrie<lb/>
liefern, die daran Interesse hat. Ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
dass dieses Geschäft zustandekommt, denn hier wird im RWG-Rahmen<lb/>
von Bulgarien ja bekanntlicherweise die Gabelstapler-Produktion<lb/>
ostblockmässig vermarktet. Die Firma <choice><choice><sic>Protechnik</sic><corr>?</corr></choice></choice> hat für <choice><choice><sic>Pokol</sic><corr>?</corr></choice></choice><lb/>
eine Schlackenhaldenrückgewinnung vorbereitet, wo Erz daraus ge<lb break="no"/>wonnen werden kann. Die VÖEST-Alpine ist mit der Fa. Leitl daran<lb/>
für Baustoffe aus Schlacke ein ähnliches Verfahren den Polen an<lb break="no"/>zubieten. Selbstverständlich berichtete ich dann auch über die VÖEST-<lb/>
Alpine-Projekte. <rs type="person" ref="#per__122944">Olszewski</rs> ergänzte und meinte, das Aromatenwerk<lb/>
hätte man durchführen können, doch beim <rs type="person" ref="#per__126260">Dlugosz</rs>-Besuch wurde plötz<lb break="no"/>lich dann von VÖEST-Alpine um 20 % mehr verlangt. Von Minister<lb break="no"/>präsident <rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> wurde er und der Energieminister <rs type="person" ref="#per__126290">Bartosiewicz</rs><lb/>
beauftragt, in Hinkunft die Diskussion mit mir über die Elektrizitäts<lb break="no"/>lieferung, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Projekt zu führen. Wir haben vereinbart, dass<lb/>
eben jetzt ein entsprechendes Memorandum der Verbundgesellschaft<lb/>
geliefert wird, bevor die Minister mit der Diskussion beginnen<lb/>
können, müssen die technischen Details geklärt sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_28"><rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> ergänzte dann, es soll die VÖEST-Alpine über die Aromat<lb/>
weiter verhandeln. Für die Steyr-Daimler-Puch-Lieferung bittet er<lb/>
um Verständnis, die polnische Seite musste alle Investitionen<lb/>
zurücknehmen. Von 1977 auf 1979 wurden statt 711 Mia. nur mehr<lb/>
600 Mia. investiert und jetzt soll noch weiter gekürzt werden.<lb/>
Polen möchte als grosser Käufer von der Steyr-Daimler-Puch<lb/>
auch weiterhin dorthin liefern können. Da die entsprechenden Be<lb break="no"/>standteile für die LKWs erst in zwei Jahren lieferfähig sind,<lb/>
möchten sie jetzt Werkzeugmaschinen und sonstige Maschinen als<lb/>
Kompensation dafür anbieten. Damit kann Steyr allerdings nichts<lb/>
anfangen. Was das <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Projekt betrifft, so sind dafür riesige<lb/>
Investitionen notwendig und man muss alles genau überprüfen und konso<lb break="no"/>lidieren. Polen steht nämlich auf dem Standpunkt, eine eiserne<lb/>
Stabilität dieser Lieferungen, die kontinuierlich dann erfolgen<lb/>
müssen, von ihnen garantiert werden müssen. Bezüglich der unter<lb break="no"/>zeichneten Abkommen wird man die Ratifizierung der Vereinbarung<lb/>
beschleunigen. Da die Polen jetzt ihre Investitionen so zurück<lb break="no"/>nehmen, stehen ihnen grosse Kapazitäten auch für Drittländer<lb/>
zur Verfügung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verwies darauf, dass ja auch die SGP in Suez<lb/>
jetzt entsprechende tunesische Kraftwerke errichtet und wie mir<lb/>
der Generaldirektor dann sagte, hätten sie grosses Interesse, dass<lb/>
die Polen bei der Montage dort eingesetzt werden. Interessanter<lb break="no"/>weise sind die Polen auf diesen Vorschlag gar nicht eingegangen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97591">Jaroszewicz</rs> hat dann nur neuerdings darauf verwiesen, dass man<lb/>
auch Ungarn in die Transitüberlegungen einbeziehen muss. Er dachte<lb/>
allerdings hier an die Elektrizitätslieferungen. Die Sowjets haben<lb/>
ein 750-KV-Netz bis Budapest gebaut, wie mir allerdings nachher<lb/>
vertraulich der Energieminister <rs type="person" ref="#per__126290">Bartosiewicz</rs> mitteilte, sei<lb/>
dieses Netz auch bereits ausgelastet, ja sogar überlastet. Die<lb/>
jetzt im Bau befindliche Leitung 750 KV von Polen in die SU<lb/>
wird daher auch hier nur eine theoretische Variante ergeben. Die<lb/>
Polen bauen jetzt mit der SU in der Ukraine für 4.000 Megawatt<lb/>
Kernkraftwerke, 1.000 Megawatt für Polen, die 1984 in Betrieb<lb/>
gehen sollen. Dafür wird dann die 750-KV-Leitung gebraucht.<lb/>
Ich kann mir allerdings vorstellen, dass man mit einiger<lb/>
Phantasie hier entsprechende Abtauschverträge vereinbaren könnte.<lb/>
Wenn die Polen wirklich für uns mit einem grossen westeuropäischen<lb/>
Werk Strom erzeugen könnten sie dies in ihrem eigenen Land ver<lb break="no"/>brauchen, die SU liefert dann nicht die 1.000 MW aus dem Kernkraft<lb break="no"/>werk in der Ukraine nach Polen sondern instradiert diesen Strom<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_29">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Verbund und auch Energiesektion sollen<lb/>
alle diese Varianten durchdenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_30">Durch das Essen immer wieder bedingt haben wir das Schloss<lb/>
in Warschau dann zu einem Zeitpunkt gesehen, wo es schon finster<lb/>
war und das Ergebnis, da es dort kein elektrischen Licht bis<lb/>
jetzt installiert ist, wurde mit Taschenlampen die sehr inter<lb break="no"/>essante Rekonstruktionsarbeit gezeigt. Da ich das Ganze schon vom<lb/>
Vorjahr genau kannte, war es für mich weniger interessant als zum<lb/>
Beispiel für <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> und seine Frau, die allerdings nicht sehr<lb/>
viele sehen konnte. Als zweites besuchten wir dann das National<lb break="no"/>museum. Dort haben die Polen in Sudan Ausgrabungen durchgeführt.<lb/>
Die Hälfte der Fresken von weit vorchristlicher Zeit konnten sie<lb/>
ausführen, die andere Hälfte steht in Khartum im Museum. Mit<lb/>
Stolz zeigen sie ihre Leistungen insbesondere die wirklich äusserst<lb/>
interessanten und schönen Fresken, in kürzester Zeit werden die<lb/>
Sudanesen sich dann bitter beklagen, dass man ihnen die Kunst<lb break="no"/>schätze weggenommen hat. Dasselbe, was sich jetzt von den Ägyptern<lb/>
und anderen asiatischen Staaten gegenüber <choice><choice><sic>dem Westen-Europa</sic><corr>Westeuropa?</corr></choice></choice> ab<lb break="no"/>spielte, wird dann auch gegen Osteuropa wirksam werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_31">Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> noch über verschiedene Probleme sprechen<lb/>
wollte, hat mir <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dann seinen Sitz im <rs type="person" ref="#per__126884">Polsterer</rs>-Jet angeboten<lb/>
sodass ich gleich Montag früh zurückfliegen konnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_32">Ich war sehr erstaunt von <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> zu erfahren, dass es nicht möglich<lb/>
war, mit der RAG zu einer einvernehmlichen Lösung in der Preis<lb break="no"/>kommission zu kommen, er hätte der Arbeiterkammer die 95 Groschen<lb/>
vorgeschlagen, diese beharrt aber aber den 92 Groschen. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> sofort angerufen und mitgeteilt, dass wir aus rechtlichen<lb/>
Gründen eine solche Preisregelung nicht vornehmen können und<lb/>
ich auch nicht vornehmen werde. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat wieder tausend Argumente,<lb/>
die alle mehr oder minder nicht zutreffen und meint, er wird den<lb/>
Präsidenten informieren. Noch überraschter war ich dann, als<lb/>
ich spät abends von <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erfahren musste, dass auch bezüglich<lb/>
der Milchpreisbildung der neue Preis muss mit 1.12. in Kraft treten,<lb/>
die Arbeiterkammer die Sitzung verlassen hat. Ich habe dies auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB mitgeteilt, da ich von der AK niemand mehr erreicht<lb/>
habe. Ich glaube wirklich, dass man so die Preispolitik nicht<lb/>
führen kann. Wenn die AK nach wie vor so intransigente Standpunkte<lb/>
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einfach ohne Arbeiterkammer ohne gegen die Vorstellungen der<lb/>
Arbeiterkammer die entsprechenden Preisbeschlüsse herbeizuführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_33">Beim Milcherzeugerpreis gibt es grosse Schwierigkeiten, die<lb/>
Kommission hat zwar das Kalkulationsschema insofern geändert<lb/>
als sie von 4.000 kg auf 4.100 kg gegangen ist, dadurch wird<lb/>
aber immer noch eine Unterdeckung von 44,8 Groschen festgestellt.<lb/>
Die AK hat den fünfjährigen Durchschnitt der Kontrollkühllieferungen<lb/>
genommen, kommt auf 4.281 kg und meint daher 6,7 Groschen müsste<lb/>
der Erzeugerpreis erhöht werden. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> hat mich ersucht, ich soll<lb/>
sofort mit Landwirtschafts- und Finanzminister Kontakt aufnehmen.<lb/>
Der Finanzminister war nicht hier, der Landwirtschaftsminister war<lb/>
einverstanden, dass bei 20 Groschen der Erzeugerpreis erhöht wird<lb/>
und 5 Groschen für den Siloverzichtszuschlag also die Berg<lb break="no"/>bauern mehr kriegen sollen. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> wird versuchen, auf dieser Basis<lb/>
zu einer Einigung zu kommen. Bezüglich der Elektrizitätspreise<lb/>
hätten die Richtlinien die gemeinsam erstellt wurden, jetzt<lb/>
die Landesgesellschaften veranlasst, durchzurechnen, sie werden<lb/>
zwischen 10 und 15 % Strompreiserhöhung kriegen. die Verbundge<lb break="no"/>sellschaft auf alle Fälle mehr, vielleicht wächst der Arbeiter<lb break="no"/>kammer die Arbeit und vor allem einmal die Preiserhöhungen jetzt<lb/>
schön langsam über den Kopf, weshalb sie durch Abwesenheit resp.<lb/>
durch Obstruktion versucht, alles zu verhindern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_34">In der Fraktion des Handelsausschusses wurde vereinbart, dass<lb/>
zum Initiativantrag über die Änderung der Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> –<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, gleich die Änderung des Arbeiterkammergesetzes angehängt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war darüber sehr erschüttert und hat mit Klubobmann<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> und mir dann entsprechende Gespräche geführt.<lb/>
Endergebnis: <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> war ganz erschüttert, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> so ge<lb break="no"/>brochen mir ihm diskutierte. Er hätte am liebsten gleich alles<lb/>
zurückgenommen und nur die Handelskammergesetznovelle beschlossen.<lb/>
Wir einigten uns dann aber intern, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> schon imstande<lb/>
sein muss, dass der ÖAAB, sprich <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, zustimmt, dass bei der<lb/>
nächsten Handelsausschuss-Sitzung eben die Arbeiterkammer-Wünsche<lb/>
beraten werden und dann dort beschlossen. Im Haus würden dann<lb/>
beide gemeinsam zur Verhandlung kommen. Mit dieser Vorgangsweise<lb/>
war dann <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> vom ÖGB sehr unzufrieden und hat bei mir formell<lb/>
dagegen protestiert. Er wollte, das die AK-Beschlüsse gleichzeitig<lb/>
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Teil sprich Handelskammer und die Unterbrechung zeigt ja deutlich,<lb/>
dass wir im nächsten Ausschuss dann entweder einstimmig oder<lb/>
wahrscheinlich eher mit Stimmenmehrheit den AK-Teil beschliessen<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> hätte es natürlich lieber gesehen, so wie auch<lb/>
ursprünglich vorgesehen, dass beide Teile gemeinsam von der ÖVP<lb/>
und SPÖ gleichzeitig beschlossen werden. Die FPÖ hat ja die Handels<lb break="no"/>kammernovelle abgelehnt, sie wehrt sich insbesondere gegen die<lb/>
0,1 % auf die Lohnsumme, <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> wollte eher eine Wertschöpfungs<lb break="no"/>theorie, d.h. so wie die Mehrwertsteuer auch darauf eine zusätzliche<lb/>
Abgabe an die Handelskammer aufbauen. Ausserdem wollte er für die<lb/>
Abfertigung einen Fonds und gewisse rechtsverbindliche gesetzliche<lb/>
Massnahmen und nicht Beschlüsse des Bundeskammer-Vorstandes. Alle<lb/>
diese Anregungen wurden zwar diskutiert, aber letzten Endes nicht<lb/>
berücksichtigt sondern mit Stimmenmehrheit ÖVP und SPÖ der Handels<lb break="no"/>kammerteil beschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_35">Im Budgetausschuss wurde das Kapital Handel, Gewerbe und Industrie<lb/>
behandelt, die ÖVP war sehr zahm und die FPÖ sehr sachlich. Selbst<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> war mit seinen Fragen sehr zurückhaltend. Die Antworten<lb/>
in den zwei Runden zu geben, war daher sehr leicht. Die ÖVP-Abgeord<lb break="no"/>nete <rs type="person" ref="#per__122900">Tichy</rs>, die zwar zuerst Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> baldige Besserung<lb/>
wünsche, wofür ich mich überschwenglich und sehr herzhaft bei ihr bedank<lb break="no"/>te, hat dann aber doch gefragt, was kostet die Staatssekretärin und<lb/>
was wird sie für Kompetenzen haben. Letzteres war sehr leicht für<lb/>
mich zu beantworten, bezüglich der Kosten hat mir die Budgetabteilung<lb/>
für Anlagekosten 366.865.88 S errechnet gehabt. Da ich auch über<lb/>
alle anderen Personalwünsche und Anfragen sofort geantwortet habe<lb/>
selbst wenn es in die kleinsten Details gegangen ist, waren alle<lb/>
sehr überrascht, eine wirkliche Konfrontation habe ich nur mit dem<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__112162">Neumann</rs> gehabt, dieser hat insbesondere wie bereits bei einer<lb/>
anderen Anfrage darauf verwiesen, dass die Klein- und Mittelbetriebe<lb/>
durch ihre Kreditaufnahme sich nur verschulden und das Ganze sei<lb/>
die Folge der Belastungspolitik wie z.B. die Mehrwertsteuer. Hier<lb/>
konnte ich ihn natürlich niedersetzen und meinte, wenn ein ÖAAB-ler<lb/>
eben über Wirtschaftsfragen spricht, so ist dies besser, er überlässt<lb/>
dies den Wirtschaftsleuten in der ÖVP, denn die würden niemals die<lb/>
Mehrwertsteuer als Belastung des Unternehmers hinstellen, de-n diese<lb/>
wird auf die Konsumenten überwälzt. <rs type="person" ref="#per__112162">Neumann</rs>, der immer die Kohlenarbeiter<lb/>
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Bürgerinitiative, hat scheinbar auch die ÖVP trotz des Entscheides<lb/>
jetzt von LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> noch nicht ganz verdaut. Ich habe immer das<lb/>
Gefühl, einige von ihnen möchten sich sehr gerne daran<lb/>
beteiligen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs>, der weiter weg gesessen ist und den<lb/>
ich beobachtete, hat sich bei meinen Antworten immer köstlich<lb/>
amüsiert. Ich fragte ihn nachher, was ihm so besonders gut gefällt<lb/>
und er meinte, das Ganze sei eigentlich wirklich die beste Unter<lb break="no"/>haltung, die er sich vorstellen könne, wie ich hier souverän auf<lb/>
der einen Seite, aber andererseits auch schauspielartig, um nicht zu<lb/>
sagen kabarettreif, diese Budgetverhandlungen führe. Das Klima ist hier<lb/>
wirklich zumindestens, was mein Kapitel betrifft, schon seit<lb/>
Jahrzehnten allerdings immer äusserst freundlich und von mir humor<lb break="no"/>voll gestaltet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-22_36">Dr. <rs type="person" ref="#per__146623">Schmidt</rs>, Bezirksrat auf der Landstrasse, hat wieder einmal<lb/>
zu einem Empfang eingeladen, wo nicht nur der südamerikanische<lb/>
Botschafter, der Kabinettsdirektor der Präsidentschaftskanzlei<lb/>
sondern auch unzählige mehr oder minder prominente Leute er<lb break="no"/>schienen sind. Auch die Presse, Kronen-Zeitung, <rs type="person" ref="#per__141053">Schliesser</rs>, und<lb/>
viele andere waren anwesend. So viele Leute in einer Wohnung habe<lb/>
ich überhaupt noch nie gesehen. Vorerst hat ein Quartett musikalische<lb/>
Darbietungen gegeben und wie ich mit de Musikern nachher gesprochen<lb/>
habe, meinten die, es könnte hier wieder eine Art Salon entstehen.<lb/>
Dies glaube ich allerdings weniger. Die ganze Organisation war<lb/>
für mich aber sehr beeindruckend. <rs type="person" ref="#per__146623">Schmidt</rs> war natürlich ungeheuer<lb/>
froh, mich als Freund von ihm jedermann präsentieren zu können.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName><surname>Haschek</surname><forename>Helmut Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Kontrollbank</occupation>
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               <persName type="label">Gehart, Friedrich</persName>
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               <persName type="label">Mühlbacher, Kurt</persName>
               <persName><surname>Mühlbacher</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Vizepräs. BHK, Präs. FWV</occupation>
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               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <persName type="label">Zinn, A</persName>
               <persName><surname>Zinn</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>poln. Restaurateur; evtl. Falschschreibung bzw. Verwechslung mit dem
                  barocken Garteninspektor Anton Zinner</occupation>
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               <persName type="label">Fremuth, Walter</persName>
               <persName><surname>Fremuth</surname><forename>Walter</forename></persName>
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               <persName type="label">Tichy-Schreder, Ingrid</persName>
               <persName><surname>Tichy-Schreder</surname><forename>Ingrid</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Steiger, Paul</persName>
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               <persName type="label">Mock, Alois</persName>
               <persName><surname>Mock</surname><forename>Alois</forename></persName>
               <occupation>Abg. z. NR, Klubobmann, ÖVP</occupation>
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               <occupation>Kraftwerkbetreiber, Eigentümer "Kurier"</occupation>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <occupation>(ehem.) poln. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Nußbaumer, Adolf</persName>
               <persName><surname>Nußbaumer</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>Staatssekretär BKA</occupation>
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               <persName><surname>Müller</surname><forename>Charles</forename></persName>
               <occupation>EFTA-Generalsekr.</occupation>
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               <occupation>Vertr. Außenministerium; evtl. Falschschreibung</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>Gesandter EFTA</occupation>
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               <occupation>Beamter HM</occupation>
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