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            <title type="main">Samstag, der 10. November 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_01">Samstag 10. November 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_02">Sicherlich die älteste Druckerei von Linz, Feichtinger, über 300<lb/>
Jahre alt, hat mir einen traditionellen Empfang bereitet. Am Haupt<lb break="no"/>platz von Linz spielten 3 mittelalterlich gekleidete Musikanten<lb/>
und das erste Mal in meinem Leben wurde mir sogar ein roter Teppich<lb/>
ausgerollt. Es war zu früh, so dass sich nur wenig Passanten einge<lb break="no"/>funden haben. Die Druckerei selbst wurde von mir mit dem Staats<lb break="no"/>preis für gute Werbung ausgezeichnet und der Geschäftsführer er<lb break="no"/>suchte mich, ich sollte doch einmal vorüber kommen. Eine Offsetdrucker<lb/>
mit einer 4-Farben- und mit einer 2-Farben-Roland, jetzt soll anstelle<lb/>
der 2-Farben- eine 6-Farben-Roland kommen, hat durch gute Ideen und einen<lb/>
sehr schönen Druck einen ungeheuren Aufstieg gemacht. Das alte<lb/>
Haus gehört der Besitzerin, die traditionsgemäss zwar sehr moder<lb break="no"/>nisiert aber alle ihre alte Drucke aufhebt und deshalb eine ganz<lb/>
schöne Sammlung hat. Ich habe noch nie einen Familienbetrieb ge<lb break="no"/>sehen mit so einer Verbindung zwischen Tradition und Fortschritt.<lb/>
Der Geschäftsführer hat mit der Österreichischen Fremdenverkehrs<lb break="no"/>werbung, Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> auch Kontakt aufgenommen, um vom Verkaufserlös<lb/>
alter Lithographien mit der neuen Finanzierungsidee für die Öster<lb break="no"/>reichische Fremdenverkehrswerbung beizutragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Darüber möchte ich mit Dir und <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_04">Die Firma Carrera ist ein unheimlich expansives Unternehmen. In<lb/>
meinen Redeunterlagen stand drinnen, dass es nur 21 Beschäftigte<lb/>
gibt, was auch richtig ist. Das wichtigste aber ist, dass die<lb/>
Firma Anger mit der grossen Produktionsstätte in Traun, gleich<lb/>
vis-à-vis von Carrera, mit 1.200 Beschäftigten, einer Lohn- und Ge<lb break="no"/>haltssumme von 250 Mio. Schillingen die grösste Fabrik von Carrera<lb/>
international ist, war nicht vermerkt. Eine zweite besteht noch<lb/>
in Kanada, wesentlich kleiner und in Jugoslawien wurde eine auf<lb/>
Kooperationsbasis errichtet. Insgesamt sind es 4.500 Beschäftigte,<lb/>
die natürlich nicht nur Skibrillen, sondern auch Sonnenbrillen er<lb break="no"/>zeugen. Es gibt nur 50 Mio. Skifahrer, aber mindestens die 10-fache<lb/>
Menge von Sonnenbrillenträgern. Die Politik der Firma ist, wie mir<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__133671">Rosenauer</rs> erörterte und dann auch teils in der Pressekon<lb break="no"/>ferenz mitteilte, ausschliesslich darauf gerichtet, Spezialerzeug<lb break="no"/>nisse zu verkaufen. Da Porsche weltweit bekannt ist, hat Carrera<lb/>
sich mit Porsche Lizenz zusammengetan und Sonnenbrillen zu erzeugen,<lb/>
<pb n="51-1212" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-10_1212.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die im Styling von Porsche sind und daher auch den Namen Porsche<lb/>
tragen dürfen. Eine ähnliche Lösung wollte auch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mit seinem<lb/>
Austro-Porsche und vielleicht wäre dies auch derselbe Hit gewesen,<lb/>
wie die Brillenproduktion. Von 35 Mio. Schilling Umsatz im 75er-Jahr<lb/>
dürfte es heuer 170 Mio. Schilling sein. Dir. <rs type="person" ref="#per__133671">Rosenauer</rs> meinte, die<lb/>
Österreichische Fremdenverkehrswerbung sollte wesentlich mehr auf<lb/>
österreichische Waren propagieren. Die Hauptaufgabe wäre es aber<lb/>
vor allem zu verhindern, dass auf Österreichischen Fremdenver<lb break="no"/>kehrswerbeplakaten ausländische Waren aufscheinen. Ich habe sofort<lb/>
zugestanden, dass ich dies verzweifelt bemüht bin, zu erreichen.<lb/>
Das letzte Winterplakat hat bei dem österreichischen Schneemann eine<lb/>
ausländische Skimarke gezeigt. Der ARBÖ, der dieses Plakat über<lb break="no"/>nommen hatte, war sogar bereit, eine ganze Auflage einzustampfen,<lb/>
damit nicht dieser Fauxpas womöglich recht weit verbreitet wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__133671">Rosenauer</rs> hat, obwohl er 85 % seiner Produktion exportiert, nichts<lb/>
gegen den harten Schilling, wie er beim Pressegespräch dann erörterte.<lb/>
Er glaubt nur, dass eine wesentlich bessere Information der öster<lb break="no"/>reichischen Firmen über Exportmöglichkeiten erfolgen müsste. Er<lb/>
kann dies bei seinen Auslandsreisen immer wieder feststellen. Jetzt<lb/>
fährt er wieder in die Golf-Staaten um Porsche Carrera Sonnenbrillen,<lb/>
vielleicht auch sogar Skibrillen dort zu verkaufen. In Amerika gibt<lb/>
es vergoldete, die umgerechnet 30.000 Schilling kosten. Mit der<lb/>
Tabakregie hat er jetzt Verhandlungen aufgenommen, damit eine Gemein<lb break="no"/>schaftswerbung Memphis-Brillen zustande kommt. Da die Tabakregie<lb/>
nicht werben kann, teils gar nicht werben darf, soll endlich wie<lb/>
Milde Sorte und Kaffee, Memphis und Sonnen- oder Skibrillen Carrera<lb/>
Porsche eine neue Werbelinie starten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Mit <rs type="person" ref="#per__133671">Rosenauer</rs> resp. seinem Werbemann <rs type="person" ref="#per__1137393">Pichler</rs><lb/>
sollte man Kontakt halten und für Österr. Fremdenverkehrswerbung<lb/>
gewinnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_06">Die Firma Internorm, in Oedt bei Traun, ist ein ganz neuer Betrieb.<lb/>
Der Seniorchef <rs type="person" ref="#per__1137395">Klinger</rs>, war ein kleiner Schlosser in Linz, seine<lb/>
Frau war Hilfsarbeiterin, nur der Juniorchef ein sehr tüchtiger<lb/>
Manager. Jetzt haben sie insgesamt in Traun und jetzt eine neue<lb/>
Fabrik, wo sie die Plastikteile selbst erzeugen im Mühlviertel, für<lb/>
260 Mio. Schilling investiert und machen über eine halbe Milliarde<lb/>
Umsatz. Der Kunststoff-Fensteranteil ist von 10 % auf 30 % gestiegen<lb/>
und wird nach Meinung der Firma weiter expandieren. Zu diesem Zweck<lb/>
<pb n="51-1213" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-10_1213.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>haben sie in Gleisdorf, wo derzeit 50 Beschäftigte sind, mit<lb/>
einer Nebenbemerkung ohne Unterstützung, dort auch die Produktion<lb/>
aufgenommen und werden Mitte nächsten Jahres 150 beschäftigen.<lb/>
Für den Wiener und NÖ Raum wurde in St. Andrä ein Teil des <choice><choice><sic><rs type="person" ref="#per__140708">Hasel<lb break="no"/>brunner</rs></sic><corr>Haselgruber</corr></choice></choice>-Geländes gekauft und dort auch soll Mitte des Jahres bereits<lb/>
eine 150-Beschäftigten-Firma auf Internorm-Fenster arbeiten. Die<lb/>
grösste Entscheidung, die aber der Besitzer jetzt getroffen hat –<lb/>
und er kann dies nur – weil er allein letzten Endes entscheidet und<lb/>
finanziell sehr gut dasteht, dass er in Hinkunft nur mehr 3-fach<lb/>
verglaste Fenster liefern wird. Dadurch gibt es zwar eine optimale<lb/>
Dichtung und Energieersparnis, die Fenster werden um 250 bis 300 Schil<lb break="no"/>ling, d.s. 12 bis 15 % teurer. Dadurch wird der K-Wert von 2.7 auf<lb/>
1.7 gesenkt und die Fugendichtigkeit A besonders erhöht. Eine grosse<lb/>
Frage wird sein, ob seine 2.500 Händler und Genossenschaften, die<lb/>
er jetzt beliefert mitgehen werden. Auf lange Sicht gesehen hat er<lb/>
sicherlich recht mit dieser Politik, aber dass er sein gut einge<lb break="no"/>führtes 2, also doppelt verglastes Fenster aufgibt, ist in meinen<lb/>
Augen ein ungeheures Risiko.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte lass Dir weiter von der Firma berich<lb break="no"/>ten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_08">Die Lebensmittelarbeiter-Jugend hat eine Vorstandsitzung im Haus<lb/>
Lentia in Linz abgehalten. In dem Haus, welches von den Linzern<lb/>
nur als langer Lulatsch bezeichnet wird, befinden sich einige sehr<lb/>
repräsentative Geschosse, u.a. auch das übersiedelte <rs type="person" ref="#per__1137410">Gurlitt</rs>-Museum<lb/>
welches ich vor etlichen Monaten mit Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__114604">Hillinger</rs> gemein<lb break="no"/>sam eröffnete. Wenn man aber als normaler Besucher wie jetzt, ein<lb/>
Klubzimmer suchte, kann man erst feststellen, was dieser Architekt<lb/>
an Gängen und Stiegenhäusern, wo man sich wahrscheinlich überhaupt<lb/>
nur sehr schwer orientieren kann, gebaut hat. Die aktivsten Kollegen<lb/>
unserer Jugend, <rs type="person" ref="#per__1137417">Jahn</rs>, von Linz, als Obmann, <rs type="person" ref="#per__1137418">Franz</rs>, der Wiener und<lb/>
insbesondere unser Jugendsekretär <rs type="person" ref="#per__1137419">Riess</rs> wollten über die Demo<lb break="no"/>kratiemöglichkeit, wie Jugendliche sich mehr in der Organisation<lb/>
durchsetzen können und vor allem über die nächsten Aktivitäten<lb/>
diskutieren. Leider hat sich ausser einem Vorarlberger Kollegen<lb/>
niemand anderer sonst an der Diskussion beteiligt. Ich weiss daher<lb/>
nicht wie die anderen Kolleginnen und Kollegen über dieses Problem<lb/>
denken. Ihre Wortführer haben zugegeben – und darüber war ich sehr<lb/>
erfreut – dass unser jetziges Wahlsystem innerhalb der Gewerkschaften<lb/>
<pb n="51-1214" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band51/51_1979-11-10_1214.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>doch auch für sie das einzig denkbare ist. Kritisiert wurde es<lb/>
zwar, aber es konnte kein besserer Vorschlag gemacht werden.<lb/>
Durch dieses System wird – wie ich zugeben muss – da ja nur die Be<lb break="no"/>triebsräte direkt von den Beschäftigten gewählt werden, je weiter<lb/>
hinauf wir kommen Minderheiten ausgeschaltet. Dies gilt natürlich<lb/>
dann auch für kleine Gewerkschaften im Rahmen des grossen Öster<lb break="no"/>reichischen Gewerkschaftsbundes. Auch diese werden immer weniger –<lb/>
und können wahrscheinlich auch immer weniger – berücksichtigt.<lb/>
Trotzdem weiss auch ich kein besseres System, im übrigen hängt<lb/>
es aber in Wirklichkeit am meisten von den Personen ab, die es<lb/>
handhaben. Sind es unverständliche Vertreter der grossen Gewerk<lb break="no"/>schaften, dann kommt es zu grossen Reibereien und Unstimmigkeiten,<lb/>
weil sich die Kleinen, aber auch die Minderheiten dann entsprechend<lb/>
benachteiligt fühlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_09">Beim Betriebsbesuch bei der Firma Knorr, bin ich nicht nur mit<lb/>
den Direktoren <rs type="person" ref="#per__113133">Wilhelm</rs> und Betriebsdirektor geführt worden, sondern<lb/>
auch mit dem Präsidenten der <choice><choice><sic>CEDC</sic><corr>?</corr></choice></choice> Europa, sowie dem ehemaligen<lb/>
Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden der Knorr Ges.m.b.H.,<lb/>
Österreich. Der internationale Konzern hat 45 Mia. Schilling Umsatz,<lb/>
macht 2 Mia. Schillinge Gewinn, mit 42.000 Beschäftigten. 63.500<lb/>
Aktionäre gibt es. Die österreichische Firma ist aber in der Quali<lb break="no"/>tät führend und die neue Technologie, die Massekühlung mit Kohlen<lb break="no"/>dioxid mit CO2 setzt sich jetzt schön langsam weltweit durch. Ein<lb/>
österreichisches Patent, welches Knorr einen gewissen Qualitäts<lb break="no"/>vorsprung gibt. Die Firma selbst hat 10 % Industriegeschäft, 20 %<lb/>
Grossverbraucher, <choice><choice><sic>Kettering</sic><corr>Catering?</corr></choice></choice>, beide Sparten sind im letzten Jahr<lb/>
gestiegen. Die Markenartikel aber, die 70 % ihres Absatzes ausmachen<lb/>
und die Detailgeschäfte beliefern, stagnieren. Der Umsatz betrug<lb/>
653 Mio. Schillinge, die Firma steht bei österreichischen Lebens<lb break="no"/>mittelbetrieben damit an zehnter Stelle. Unilever mit 5 Mia. an<lb/>
der Spitze, Manner mit 972 Mio., Nestle und Jacobs noch vor ihr.<lb/>
Ausserdem 5 Molkereien, die aber, wie Direktor <rs type="person" ref="#per__113133">Wilhelm</rs> mit Recht<lb/>
mir erklärte, nicht berücksichtigt werden sollten und können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band51_1979-11-10_10">Bei der grossen Feier für die Verleihung des Staatswappens und<lb/>
gleichzeitige Auszeichnung von 4 Betriebsangehörigen, die 25<lb/>
Jahre im Betrieb waren, hat die Firma <rs type="person" ref="#per__1137427">Waterloo</rs> und <rs type="person" ref="#per__1137428">Robinson</rs> enga<lb break="no"/>giert mit einem Aufwand von 38.000 Schillingen und hunderten Kilogramm<lb/>
von Übertragungsgeräten, Scheinwerfern usw. Der Welser Bürgermeister<lb/>
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Knorr in der Republik mit k.u.k., also Kaisersuppen – wirbt. Als<lb/>
hätte er mir ein Stichwort gegeben, habe ich sofort darauf erwidert,<lb/>
dies schadet gar nicht, die Firma hat schon 1945 wesentlich zur<lb/>
Traditionserhaltung beigetragen. Damals hat sie 8.200 Tonnen von<lb/>
Lebensmittel ebenfalls ausgeliefert, eine Menge die heute auch<lb/>
noch nicht höher ist, wovon ich aber sagen konnte – beides probiert,<lb/>
kein Vergleich. Die grosse Leistung damals aber war, dass sie tatsäch<lb break="no"/>lich die verlagerten Lipizzaner, mit nicht genusstauglichen Lebensmitteln<lb/>
damals versorgten. Jetzt erst haben wir bei der ASTA mit den Sänger<lb break="no"/>knaben und Lipizzanern den grössten Erfolg gehabt. Der Gag, in der<lb/>
Jugend wollte ich Sängerknabe sein, im Mannesalter Lipizzanerhengst<lb/>
und im Alter ein Hofrat, hat dann dazu übergeleitet, dass ich sagte,<lb/>
der Bürgermeister soll sich wegen k.u.k. nicht aufregen, wir haben<lb/>
ein Kaiserwetter, Kaiserfleisch, Kaisersemmeln, warum auch nicht<lb/>
Kaisersuppen. Ausserdem ist dies eine Tradition k.u.k. in der<lb/>
Vergangenheit, k.u.k. auch jetzt, nämlich von kaiserlich-König bis<lb/>
Kirchschläger-Kreisky. Am meisten aber überrascht war ich als ich<lb/>
nur angedeutet habe, dass für die Betriebsauszeichnungen auch für<lb/>
die Belegschaft ein positives Ergebnis bringt. <rs type="person" ref="#per__113133">Wilhelm</rs> teilte dann<lb/>
darauf mit, dass alle Betriebsangehörigen und die Pensionisten<lb/>
dafür jetzt 1.000 Schilling bekommen. Der sehr tüchtige Betriebs<lb break="no"/>ratsobmann für Arbeiter, der übrigens als Einziger bei allen Begrüs<lb break="no"/>sungsansprachen schon begeistert akklamiert wurde als er zum Redner<lb break="no"/>pult gegangen ist, ein alter erfahrener Funktionär, hat dann noch<lb/>
etliche andere Wünsche angeschlossen und zum Schluss gemeint, ein<lb/>
Goldtausender hätte es sein sollen. Sowohl der Präsident des Auf<lb break="no"/>sichtsrates – ein Amerikaner, der allerdings jetzt sehr lange schon<lb/>
in Deutschland arbeitet – als auch Direktor <rs type="person" ref="#per__113133">Wilhelm</rs>, haben ihm dies<lb/>
nicht krumm genommen, sondern ganz im Gegenteil gesagt, er weiss<lb/>
genau was er verlangen soll, vertritt die Wünsche der Arbeiter auch<lb/>
entsprechend und hat sich nicht nur bei den Arbeitern Anerkennung,<lb/>
sondern auch in der Direktion absolut durchgesetzt.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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