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            <title type="main">Montag, der 29. Oktober 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_01">Montag, 29. Oktober 1979<lb/>
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berichtet, dass jetzt der Nachfolger von <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, <rs type="person" ref="#per__151026">Fiala</rs>, auch<lb/>
seine Ansprüche, die er in der Zentralsparkasse erworben hat,<lb/>
in die Giro mitnimmt, genau wie <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> von der Giro seine An<lb break="no"/>sprüche jetzt in die Verbundgesellschaft übertragen bekommen hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> schlägt vor, dass die Verbund für <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs><lb/>
Pensionsrückstellungen gemacht hat, die nicht beansprucht wurden,<lb/>
weshalb jetzt die Möglichkeit bestünde, mit diesen ewigen Transfer<lb/>
bei Managerwechsel Schluss zu machen. Ich erkläre sofort, dass ich<lb/>
darüber nicht entscheiden will, solange nicht <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> den Fall genau<lb/>
geprüft hat. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> hat immerhin auf einen höheren Gehalt, wenn auch<lb/>
nur durch die Aufsichtsratsgebühren in der Girozentrale, wie <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
sofort bemerkte, verzichtet. Wenn <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> jetzt zurecht meint, er<lb/>
wird wegen der Einkommensverteilung, siehe sonntägige Presse-<lb/>
Meeting im Fernsehen kritisiert, dann hätte man eben solche Verträge<lb/>
vorher nicht machen sollen. Nachher auf Vertragsteile zu verzichten,<lb/>
bringt immer grosse Schwierigkeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_03">Die Betriebsräte <rs type="person" ref="#per__119062">Schmotzer</rs> und <rs type="person" ref="#per__151027">Tosold</rs> von der KKWP berichten, dass<lb/>
von den 54, zur Zeit der Volksabstimmung noch 48, Beschäftigten, 11<lb/>
noch immer nicht untergebracht werden konnten. Dabei handelt es<lb/>
sich um Prokuristen oder sonstige höher gestellte Angestellte. Die<lb/>
Verbundgesellschaft, Personalreferent <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs>, auch ein ehemaliger Be<lb break="no"/>triebsrat, hat ihnen die 57.000 Schilling zum Beispiel verdienten<lb/>
37.000 Schilling angeboten. Bei einer Einigungsamtsgerichtsverhand<lb break="no"/>lung hat dann die Verbund dann auf 47.000 Schilling erhöht. Hätte man<lb/>
dieses Angebot gleich gemacht, wäre es nicht zum Einigungsamt gekommen.<lb/>
Die jetzt noch verbliebenen 11 sind konventionelle Dampfkraftwerk<lb break="no"/>bauer höchster Qualität. Die Schwierigkeit liegt darin, dass sie bei<lb/>
der KKWP als Prokuristen oder sonst in leitenden Stellungen tätig<lb/>
waren und diese Dienstposten eben jetzt in der Elektrizitätswirt<lb break="no"/>schaft nicht ohne weiteres frei sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Lasse Dir von <rs type="person" ref="#per__140241">Perl</rs> auch einen diesbezüglichen<lb/>
mündlichen Bericht geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_05">Beim Journalistenfrühstück hat der Ost-Experte <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> über die<lb/>
vom Handelsministerium gegebene Studie über Ost-West-Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen referiert. Der erste Teil, der bereits vor längerer<lb/>
Zeit geliefert wurde, hat die globalen Export- und Importverhält<lb break="no"/>nisse geschildert. Der zweite Teil jetzt über die Warenstruktur und<lb/>
der dritte über die allgemeine Entwicklung und insbesondere Ver<lb break="no"/>schuldung der einzelnen RWE-Länder genau analysieren. Derzeit sind<lb/>
aufgrund der Ziffern 78 die Oststaaten mit 58 Mia $ verschuldet.<lb/>
Davon die UdSSR 18 Mia. Das Institut hat drei Szenarien ausgear<lb break="no"/>beitet, wobei die nach <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> möglichste den Handelsbilanzausgleich<lb/>
bis 1990 erreichen sollte. Ich bezweifle auch diese Lösung. Die Ost<lb break="no"/>staaten sind sowie China auch jetzt draufgekommen, dass man durch<lb/>
Kreditgewährung <choice><choice><sic>von seitens</sic><corr>von seiten; seitens</corr></choice></choice> des Westens die Wirtschaft wesentlich<lb/>
schneller ankurbeln kann, dass man bei der Kreditnahme nur eines be<lb break="no"/>rücksichtigen muss, den Zinsendienst zurückzahlen zu können. Dann<lb/>
bleibt man kreditwürdig und kann stets neue Kredite aufnehmen. Selbst<lb/>
unter der dritten Annahme würde sich der Osten mit 194 Mia. Dollar 1990<lb/>
verschuldet haben. Diese Ziffer wollte <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> zuerst gar nicht sagen.<lb/>
Auf Anfrage von Journalisten hat er sie dann mit allen Vorbehalt ge<lb break="no"/>nannt. Davon würde auch die UdSSR nur 40 Mio Anteil haben. Die UdSSR<lb/>
könnte aber durch Goldverkauf und Waffenexporte ohne weiteres ihr der<lb break="no"/>zeitiges Handelsbilanzdefizit gegenüber den OECD Staaten mit 3 Mia.<lb/>
Dollar sofort schliessen. Nur bei den anderen Oststaaten ist es wesent<lb break="no"/>lich schwieriger, wobei Rumänien mit 4,7 Mia. Dollar Verschuldung noch<lb/>
am ehesten nach Meinung <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs> eine solche Möglichkeit hätte. Am<lb/>
schlechtesten ist Bulgarien mit 3,5 Mia. und insbesondere mit Polen<lb/>
mit 15.5 Mia. Dollar. Meine Bemerkungen zu diesen Ausführungen waren<lb/>
grundsätzlicher Natur, dass nämlich der Handel zwischen Ost und West<lb/>
überhaupt nur zunehmen kann, wenn gleichzeitig auf die Kreditsummen<lb/>
vergrössert werden. Jetzt spielt sich zwischen beiden Macht-oder<lb/>
Wirtschaftsblöcken dasselbe ab, was sich vor längerer Zeit zwischen<lb/>
den Weststaaten ereignete. Auch dort ist es durch die <rs type="person" ref="#per__114461">Keynes</rs>'sche Kredit<lb break="no"/>politik, die in den seltensten Fällen bewusst gemacht wurde, sondern<lb/>
sicherlich sich automatisch ergeben hat, man hat nur nicht, wie in<lb/>
der Zwischenkriegszeit, dagegen gesteuert, zu einer ungeheuren Auf<lb break="no"/>blähung des Kredit- und Kapitalmarktes <choice><choice><sic>geführt</sic><corr>gekommen</corr></choice></choice>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_06">Dr. <rs type="person" ref="#per__116031">Liebl</rs> berichtete über die Fremdenverkehrsergebnisse des Sep<lb break="no"/>tember. Mit 9% Übernachtungsplus ist dies eine gigantische Zunahme.<lb/>
Dadurch können wir wahrscheinlich die Sommersaison, die jetzt 4,8%<lb/>
von Mai bis September beträgt, in diesem Jahr wahrscheinlich mit 5%<lb/>
abschliessen. Interessant war wieder, dass die Privatquartiere nur<lb/>
um 1.2% gestiegen sind. Dies führe ich doch in immer stärkerem Masse<lb/>
auf die 40.000 Schilling Freigrenze für die Mehrwertsteuer zurück.<lb/>
Hier müsste man tatsächlich eine entsprechende Änderung anstreben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass erkunden, wie das Finanzministerium<lb/>
zu diesem Problem steht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_08">Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>, Bundeshandelskammer, und <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs>, Arbeiterkammer, die den Ver<lb break="no"/>ein Kleinkraftwerke tragen und dort grössere Aktivitäten entfalten<lb/>
wollen, möchten jetzt von den Landesgesellschaften <add>[und?]</add> 5 städtischen<lb/>
EVUs endgültig wissen, zu welchen Konditionen sie Strom ins öffent<lb break="no"/>liche Netz übernehmen. Eine diesbezügliche Anfrage des Vereines an<lb/>
die Landeshauptleute hat keinerlei brauchbares Material geliefert.<lb/>
Gerade, dass man von den Landeshauptleuten nicht mit schmecks geant<lb break="no"/>wortet hat. Der Verein wollte anstelle der von mir empfohlenen 70%,<lb/>
dass 80% des Verbundtarifes bezahlt werden sollten. Bevor sie aber<lb/>
im Zuge der Strompreisverhandlungen ihre Zustimmung zu der Tarif<lb break="no"/>erhöhung geben möchten sie eben über die Kleinkraftwerksmöglichkeiten<lb/>
genau informiert sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte sofort veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_10">Mit Beiden besprach ich dann auch die grundsätzliche Strompreis<lb break="no"/>regelung. Sie stimmten mit mir überein, dass jedwede Erhöhung nur<lb/>
auf den Arbeitspreis und keinesfalls auf den Leistungspreis oder<lb/>
die Grundpreise überwälzt werden soll. Ausgenommen davon ist nur<lb/>
die Verbundgesellschaft, weil die Landesgesellschaften sofort ihre<lb/>
Leistungsanforderungen auf die Verbund noch mehr erhöhen und die<lb/>
Verbund dann nicht kostendeckend die entsprechenden Leistungsreserven<lb/>
sich bilden, resp. bereithalten muss. Die Arbeiterkammer plädiert<lb/>
am stärksten noch für eine Groschenlösung, weil dadurch sowohl der<lb/>
Haushalt als auch die Industrie und das Gewerbe richtiger belastet<lb/>
wird. Im Gewerbe gibt es derzeit schon die höchsten Tarife, weshalb<lb/>
ein Groschenbetrag dort sogar eine gewisse perzentuelle Senkung er<lb break="no"/>gibt. In der Industrie sind die Tarife wieder sehr nieder, wodurch<lb/>
<pb n="50-1150" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band50/50_1979-10-29_1150.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sich gegenüber den Tarifabnehmern eine gewisse Verteuerung er<lb break="no"/>geben würde. Ich hätte gegen Groschenbeträge nichts einzuwenden,<lb/>
weiss allerdings nicht, wie man dann das starke Ost-West-Gefälle –<lb/>
in Tirol gibt es die billigsten Tarife, am zweitbilligsten in Vor<lb break="no"/>arlberg – gegenüber den anderen Ländern ordentlich ausgleichen kann.<lb/>
Wahrscheinlich müsste man dann zwei verschiedene Groschenbeträge<lb/>
fixieren. Einigkeit besteht wieder. Die stromintensive Industrie<lb/>
besonders schonend zu behandeln. Der eventuelle Groschen auf alle<lb/>
Strombezieher, der dann der stromintensiven Industrie zugute kommen<lb/>
würde, wäre eine Möglichkeit. Die andere Idee, die Verbundgesell<lb break="no"/>schaft führt an den Finanzminister eine Dividende ab und dieser gibt<lb/>
diesen Betrag wieder für die stromintensive Industrie, halte ich<lb/>
für undurchführbar. Der Finanzminister wird, wenn er Einnahmen aus<lb/>
der Elektrizitätswirtschaft hat, kaum bereit sein, dann dieses Geld<lb/>
wieder für Subventionen zur Verfügung zu stellen. Hier müssen wir<lb/>
versuchen, innerhalb der Elektrizitätswirtschaft einen Ausgleich zu<lb/>
schaffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> entsprechend informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_12">Die Firma Kwizda hat bereits in der I. Republik die Genehmigung zur<lb/>
Führung des Staatswappens bekommen. Aus welchen Gründen, weiss ich<lb/>
nicht, hat jetzt <rs type="person" ref="#per__146267">Kwizda</rs> neuerdings eingereicht. Im Kwizda-Haus am<lb/>
Ring habe ich daher den 82-jährigen Senator und Seniorchef des Hauses<lb/>
das Dekret zur Führung des Staatswappens überreicht. Er war sehr ge<lb break="no"/>rührt und hat dann immer wieder darauf verwiesen, wie sehr er über<lb break="no"/>rascht ist, welche Detailkenntnisse ich von Kwizda und besonders von<lb/>
der pharmazeutischen Industrie habe. In Wirklichkeit bin ich aber<lb/>
draufgekommen, dass ich z.B. das Kalkulationsschema der pharmazeuti<lb break="no"/>schen Industrie, insbesondere den darin eingebauten Forschungszuschlag,<lb/>
gar nicht mehr im genauen Prozentausmass kenne. So etwas wäre mir<lb/>
früher nie passiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_13">Das Jour-fixe mit AK und ÖGB wurde auf Wunsch des Gewerkschaftsbundes<lb/>
ausdrücklich von Freitag, weil zu Allerseelen scheinbar auch nur ich<lb/>
arbeite, vorverlegt. Zu meiner grössten Überraschung ist dann vom<lb/>
Gewerkschaftsbund erst gar niemand gekommen. Bezüglich der Handels<lb break="no"/>kammergesetznovelle, Initiativantrag von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs><lb/>
Freier Wirtschaftsverband, hat <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> vom Standpunkt der Konsumgenos<lb break="no"/><pb n="50-1151" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band50/50_1979-10-29_1151.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>senschaft grösste Bedenken. Der ursprüngliche Entwurf von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
hat ja 0.3% der Lohnsumme als zusätzliche Kammerumlage vorgesehen.<lb/>
Dieser Betrag wurde auf 0.08 für die Landeskammer und 0.02 für die<lb/>
Bundeskammer, also 0.1 insgesamt berechnet auf den Familienlasten<lb break="no"/>ausgleich reduziert. Trotzdem würde der Konsum noch 3.2 Mio. mehr an<lb/>
die Handelskammer bezahlen. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> hat sofort angekündigt, dass er einer<lb/>
geharnischten Brief an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> schreiben wird. Auch die Arbeiter<lb break="no"/>kammer hat Bedenken, dass jetzt die Lohnsumme als Berechnungs<lb break="no"/>grundlage als Handelskammerumlage herangezogen wird. Da die 0.1 un<lb break="no"/>limitiert sind, die Arbeiterkammer 0.5 aber nur bis zu einer gewissen<lb/>
Höchstbemessungsgrundlage bekommt, wird sie schlechter gestellt als<lb/>
die Handelskammer. Ich bin sehr gespannt, wie es im Parlament mit<lb/>
dieser Novelle weitergehen wird. Zum Glück wird sie im Finanzaus<lb break="no"/>schuss verhandelt und nicht im Handelsausschuss. Die Arbeiterkammer<lb/>
hat auch grosse Bedenken gegen die aus dieser Umlage zu bezahlenden<lb/>
Zuschuss zur Arbeiterabfertigung. Hier hätte die Arbeiterkammer unter<lb/>
allen Umständen einen eigenen Fond mit Rechtspersönlichkeit lieber<lb/>
gehabt. Dies ist auch der Vorschlag oder die Idee des Sozialministers<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> gewesen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> haben aber bei einer Vor<lb break="no"/>sprache von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, wo sie gleichzeitig auch die 3x<lb/>
100 Mio. Schilling für Wirtschafts- und Wissenschaftsförderung aus der<lb/>
Handelskammerumlage entrissen haben, diesen beiden Wünschen der Handels<lb break="no"/>kammer zugestimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_14">Bezüglich der Novelle des UWG-Gesetzes, Klageberechtigung Arbeiterkam<lb break="no"/>mer, korrigierende Währung, Verordnungsermächtigung nach § 32 insbe<lb break="no"/>sondere gegen Mogelpackung, besteht <choice><choice><sic>von seitens</sic><corr>von seiten; seitens</corr></choice></choice> der Arbeiterkammer<lb/>
und ÖGB kein Einspruch. Wohl aber verlangt die Handelskammer gleich<lb break="no"/>zeitig auch eine Regelung des Verkaufs unter dem Einstandspreis. Hier<lb/>
gibt es entweder eine Umschreibung über lebensnotwendige Produkte,<lb/>
oder eine taxative Aufzählung. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> hat seinerzeit mit <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> ver<lb break="no"/>einbart. dass man der Handelskammer vom Konsum und ÖGB die amtlichen<lb/>
preisgeregelten Waren dafür anbieten soll. Ich habe veranlasst, man<lb/>
sollte eine Liste, die die Handelskammer ausgearbeitet hat, sofort<lb/>
verschaffen. Zur allergrössten Überraschung wurde dort nicht, wie<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> angedeutet hat, nur wichtige Produkte aufgenommen, sondern<lb/>
von allen amtlich preisgeregelten über Kosmetika bis zu der Elektronik<lb/>
ein ganzer umfassender Warenkatalog. Auf dieser Basis werden wir uns<lb/>
sicherlich nicht einigen können. Sollte die Handelskammer unbedingt<lb/>
<pb n="50-1152" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band50/50_1979-10-29_1152.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auf diese bestehen, so wird es keine Einigung geben und ich be<lb break="no"/>fürchte, ich muss dann ohne einen Akkord zwischen AK, ÖGB und HK<lb/>
erzielt zu haben, einen diesbezüglichen Gesetzesnovellentext zur<lb/>
Begutachtung ausschicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_15">Über die Strompreise wurde, obwohl <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs> nicht anwesend sein konnte,<lb/>
im selben Sinne wie Vormittag diskutiert. Über die RAG-Erdgaspreise,<lb/>
die ÖMV hat in Oberösterreich nur 92 Groschen verlangt und auch<lb/>
bescheidmässig bekommen, möchte die Arbeiterkammer auch über diesen<lb/>
Betrag auch für die RAG nicht hinausgehen. Auf dieser Basis kann<lb/>
es meiner Meinung nach zu keinem Einvernehmen kommen. Ich glaube<lb/>
nach wie vor, dass die bessere Lösung ist, einen einheitlichen Gas<lb break="no"/>preis festzulegen und die RAG dafür zu verpflichten, entweder frei<lb break="no"/>willig oder gegebenenfalls durch Bescheid, die Übergewinne, die sie<lb/>
dadurch hat, den 3 Betrieben Chemie Linz, Lenzing und Steyrermühl<lb/>
Papierfabrik zukommen zu lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> soll dies noch einmal versuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_17">Die VW-Spezialfahrzeuge unter Mitwirkung von Prof. <rs type="person" ref="#per__114484">Lenz</rs>, konnten<lb/>
im Detail nicht besprochen werden, da auch <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, ÖIAG, zu diesen<lb/>
Jour-fixe nicht gekommen ist. Einmal mehr hat sich herausgestellt,<lb/>
dass man festgefügte, fixe Termine nicht ändern soll. In Hinkunft<lb/>
bleibe ich sicherlich wieder beim Freitag-Termin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_18">Eine längere Diskussion entwickelte sich über den Kohlenimport<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> aus Jugoslawien. Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mit aller Vehemenz darauf<lb/>
verwiesen, dass, wenn es zu einer Kohlenknappheit in diesem Winter<lb/>
kommen sollte, niemand dann dem Handelsminister die Vorwürfe er<lb break="no"/>sparen wird, er hätte zeitgerecht vorsorgen müssen. Der österreichi<lb break="no"/>sche Bergbau und der österreichische Kohlenhandel, versucht die Ein<lb break="no"/>dringlinge <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs>, <rs type="person" ref="#per__151062">Bartl</rs> und <rs type="person" ref="#per__151063">Übeleisen</rs> mit Kohlenimporten abzuwehren,<lb/>
indem sie erklären, sie sichern die Versorgung. Ob dies auch tatsäch<lb break="no"/>lich dann der Fall sein wird, kann heute niemand voraussagen. <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs><lb/>
möchte 30.000 jugosl. Hausbrandkohle importieren, <rs type="person" ref="#per__151063">Übeleisen</rs> 15.000,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__151062">Bartl</rs> 8.000. Da wir in Jugoslawien ein ungeheures Aktivum haben,<lb/>
wäre ein zusätzlicher Import vom handelspolitischen Standpunkt mehr<lb/>
als zu begrüssen. <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> möchte dann auch mit der WTK eine Brikettie<lb break="no"/>rung versuchen. Voraussetzung, dass diese Kohlenmengen importiert werden,<lb/>
ist, dass <rs type="person" ref="#per__123163">Flemmer</rs> die 51.000 der Sakog und <rs type="person" ref="#per__151062">Bartl</rs> und <rs type="person" ref="#per__151063">Übeleisen</rs> die<lb/>
Lager, resp. Fördermengen für diesen Winter der GKT kaufen. Auch<lb/>
<pb n="50-1153" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band50/50_1979-10-29_1153.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bei diesem Jour-fixe wird festgehalten, dass mich niemand von<lb/>
meiner Verantwortung über Versorgung des Hausbrandes im Winter<lb/>
entheben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Die SAKOG soll sich so schnell als möglich<lb/>
entscheiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_20">Mit Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>, die zu diesem Jour-fixe auch gekommen<lb/>
war, besprach ich anschliessend unsere Arbeitsweise, resp. ihre Zim<lb break="no"/>mereinteilung und Sekretariatsfrage. Sie nimmt ihre persönliche<lb/>
Sekretärin aus dem Verlag nicht mit und braucht daher zumindestens<lb/>
eine, wahrscheinlich zwei Sekr. vom Haus. Mit Recht sagt <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs>,<lb/>
wenn eine krank ist, muss eine zweite einspringen, die sich einiger<lb break="no"/>massen auskennt. Da wir unser Sekretariat sowieso entsprechend auf<lb break="no"/>stocken wollen, habe ich <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> mit aller Deutlichkeit gesagt, dass<lb/>
man für <rs type="person" ref="#per__109808">Albrecht</rs> vorsorgen muss. Dies gilt auch bezüglich der Chauffeu<lb break="no"/>re. <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> glaubt, er kann beim Staatssekretär ohne dem Wechseldienst<lb/>
durchkommen. Angeblich haben aber die anderen Staatssekretäre sehr<lb/>
wohl alle einen solchen Wechseldienst. Keinen Wechseldienst gibt es nur<lb/>
bei 2 Ministern, nämlich <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> und <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat sich jetzt<lb/>
besonders stark für Genossen <rs type="person" ref="#per__134161">Paul</rs> eingesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band50_1979-10-29_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte kläre mit <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, wie dies mit dem Wechsel<lb break="no"/>dienst in den anderen Ministerien insbesondere mit den neuen Staats<lb break="no"/>sekretärinnen vor sich geht.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 29.10.1979</head>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
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               <persName type="label">Schmidt, Erich</persName>
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               <persName type="label">Lenz, Hans Peter</persName>
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               <occupation>Autoindustrie</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
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               <persName type="label">Schmotzer, A</persName>
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               <occupation>BR KKWP; evtl. Falschschreibung</occupation>
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               <occupation>Sozialminister</occupation>
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               <occupation>Fa. Briko, Kohleimporteur für BP</occupation>
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