<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19790717.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19790716.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19790719.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Dienstag, der 17. Juli 1979 bis Mittwoch, der 18. Juli 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band49_1979-07-17</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date from="1979-07-17" to="1979-07-18">Dienstag, 17. Juli 1979 bis Mittwoch, 18. Juli 1979</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2019-08-26">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="49-0815" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0815.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_01">Dienstag, 17. Juli, bis Mittwoch, 18. Juli 1979<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_02">MR <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs> vom Landwirtschaftsministerium informiert mich, dass<lb/>
jetzt 50.000 Tonnen Gerste aus der vorjährigen Ernte Sperrlager<lb/>
zum Export ausgeschrieben werden. Ich bin überzeugt davon, dass<lb/>
es zu diesem Export gar nicht kommen wird, denn jedermann will diese<lb/>
gute Gerste vom Vorjahr noch erwerben, da die heurige Ernte eine<lb/>
sehr schlechte Qualität hat. Bei Schweinen erfolgte eine Ex<lb break="no"/>portausschreibung von 200 Tonnen. In den Kühlhäusern kostet<lb/>
das Kilo jetzt 22.– Schilling. Für die UdSSR, die den Zuschlag<lb/>
bekäme, konnten 17.35 Schilling erlöst werden. Die Stützung in<lb break="no"/>klusive aller aufgelaufenen Kosten ist 7.80 pro Kilogramm. Die<lb/>
anderen Offerte waren noch schlechter und hätten eine noch grössere<lb/>
Stützung erfordert. Bei Schlachtrinder möchte <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs> die Stützun<lb break="no"/>gen von 10 auf 9 Schilling, die der Bund gibt senken, die Länder<lb/>
haben bis jetzt 2 Schilling bezahlt und möchten ebenfalls 1<lb/>
Schilling einsparen. Grössere Exporte gibt es nur nach Libyen<lb/>
und es ist fraglich, ob man dort tatsächlich diese Stützungsein<lb break="no"/>sparungen wird durchziehen können. Die europäischen Gemeinschaften<lb/>
haben jetzt den Nutzrinderimport freigegeben. <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs> geht jetzt<lb/>
auf Urlaub in sein eigenes Haus nach Oberösterreich, wo er je<lb break="no"/>derzeit telefonisch erreichbar ist. Ich vereinbare mit ihm, wie<lb/>
ich Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> versprochen habe jeden Akt,<lb/>
bevor ich ihm unterschreibe, seine Zustimmung und Stellungnahme<lb/>
einzuholen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_03">ANMERKUNG AN ALLE: Bitte stets zeitgerecht die Verbindung mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs> herstellen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_04">Im Ministerrat hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ohne Vorbesprechung keinerlei Berichte<lb/>
oder Informationen gegeben. Bei der Tagesordnung hat er sich nur<lb/>
über die Riesendelegation der einzelnen Ministerien, insbe<lb break="no"/>sondere des Bundeskanzleramtes und des Aussenamtes bezüglich der<lb/>
grossen wissenschaftlichen Tagung der UNO im September aufgeregt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> meinte zwar, es sind nur 5 Delegierte und 5 Stellvertre<lb break="no"/>ter von ihr vorgeschlagen worden. Die grosse Masse der Beamten, es<lb/>
waren wirklich ein paar Dutzend, haben sich dann über die einzelnen<lb/>
Ressorts selbst gemeldet. Im Handelsressort konnte ich feststellen,<lb/>
war es insbesondere das Patentamt welches durch mehrere Vertreter<lb/>
an der Tagung als Experten teilnehmen würde. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat ent<lb break="no"/><pb n="49-0816" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0816.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schieden, dass diese nicht zum Tagungsbeginn oder während<lb/>
des Tagungsverlaufes dort anwesend sein sollten, sondern ge<lb break="no"/>gebenenfalls zu Gesprächen abberufen werden. Davon halte ich<lb/>
nicht viel, denn wenn die Beamten, wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, nichts ar<lb break="no"/>beiten, dann sicherlich auch nicht in ihren Büro, wo sie auf<lb/>
ihren Abruf warten sollen. In einem oder anderen Fall wird es<lb/>
sogar wirklich zweckmässig sein, wenn der Beamte versucht mit<lb/>
seinen Kollegen aus aller Welt über ein gewisses Problem, welches<lb/>
er sonst auf einer internationalen Tagung zur Sprache bringen<lb/>
müsste oder würde, Kontakt in der UNO zu bekommen und vielleicht<lb/>
eine oder andere Frage zu lösen. Die grosse Gefahr ist natürlich,<lb/>
dass dabei nichts anderes herauskommt, als eben eine nächste in<lb break="no"/>ternationale Aussprache irgendwo im Ausland, wo er dann nachdem<lb/>
dies in Wien vorbereitend organisiert wurde, dann auf alle Fälle<lb/>
hinfahren wird müssen oder zumindestens wollen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_05">Auf den Flug nach Wolfsburg hatte ich Gelegenheit mit Dr. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> –<lb/>
die Porsche KG ist auch am <rs type="person" ref="#per__114722">Hübl</rs>-Projekt gross beteiligt – über<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__114722">Hübl</rs> und seine Taktik dieses Projekt durchzuziehen, zu ver<lb break="no"/>handeln. Dr. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> teilt meine Meinung, dass <rs type="person" ref="#per__114722">Hübl</rs> ein äusserst<lb/>
tüchtiger Manager ist, der dieses Projekt sicher durchziehen wird.<lb/>
Bezüglich der Seriosität meinte er, man müsse ihm genau auf die<lb/>
Finger schauen. Dies werde ich so gut es irgendwie geht sicherlich<lb/>
tun. Wichtig erscheint mir nur, dass jetzt durch die Ausschreibung<lb/>
und die Offerteröffnung klar und deutlich eine der drei öster<lb break="no"/>reichischen Firmen, die am billigsten sind, zum Zuge kommen werden.<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> von der ÖIAG hat mich dann telefonisch gefragt, wie<lb/>
weit es jetzt mit diesen Projekten steht, er war auch sehr er<lb break="no"/>freut zu hören, dass es eine österreichische Konstruktion und<lb/>
Projekt werden wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_06">In Wolfsburg versuchte ich sofort in der Forschungs- und Entwick<lb break="no"/>lungsabteilung Prof. <rs type="person" ref="#per__150647">Fiala</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__150648">Seifert</rs> und <rs type="person" ref="#per__150649">Meinrad</rs> Auskunft über ihre<lb/>
Erfahrungen zu erlangen. Freiwillig wurde mir alles gezeigt. In<lb break="no"/>teressant war nur, dass sich im Windkanal, wo ich nicht gemeldet<lb/>
wurde, sofort feststellen konnte, dass neue Modelle, die sie<lb/>
dort getestet haben, mit Autoüberzügen sofort verdeckt wurden.<lb/>
Verständlicher weise soll niemand Aussenstehender die neuen For<lb break="no"/>men der Modelle zu Gesicht bekommen. Man überschätzt in dieser<lb/>
Beziehung immer das Wissen resp. die Detailkenntnisse fremder<lb/>
<pb n="49-0817" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0817.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Leute, insbesondere vielleicht auch eines Ministers.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_07">Die Wolfsburger haben mit 15 % Ethylenbeimischung, wie sie<lb/>
in Brasilien gang und gäbe sind, gute Erfahrungen gemacht. Die<lb/>
Schwierigkeit in Brasilien besteht nur darin, dass keine gleich<lb break="no"/>mässige Beimischung erfolgt. Man kann manchmal fast keinen Alko<lb break="no"/>hol in den Benzinen antreffen, manchmal sogar bis zu 20%. Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__150647">Fiala</rs> meinte mir gegenüber in einem fast 4-Augen-Gespräch, es<lb/>
sollten die Regierungen jetzt bereits verlangen, dass Kunststofftei<lb break="no"/>le alkoholfest sein müssen. Dann wird man sich in ein paar Jahren,<lb/>
wo grössere Alkoholmengen beigesetzt werden können, nicht mehr<lb/>
die in dieser Frage jetzt vorhandenen Schwierigkeiten beseitigen<lb/>
müssen. Eine 5%ige Beimischung macht überhaupt keine Schwierig<lb break="no"/>keiten. In Deutschland werden derzeit 2% Methanol beigemischt.<lb/>
Methanol ist wesentlich komplizierter und schwieriger als<lb/>
Ethanol. Mit Amerikanern haben sie ein Gespräch geführt und diese<lb/>
sagten ihnen, sie würden Äthanol heimischen, wenn 1 Liter Benzin<lb/>
äquivalent unter 1.30 Mark fällt. So hoch stellt sich derzeit aber<lb/>
der Ethanolpreis. In Deutschland ist dieser Benzinäquivalentpreis<lb/>
derzeit 1.50 DM. Derzeit arbeitet Volkswagen auf Benzinerspar<lb break="no"/>nisse von 4 Bereichen. Erstens möchte sie aerodynamisch von 0.42<lb/>
auf 0.3 kommen. Dies würde bedeuten, dass minus 10% cw <add>[= Strömungswiderstandskoeffizient, Anm.]</add>, eine Kenn<lb break="no"/>ziffer, mit der ich zwar nichts anfangen kann, erreicht werden<lb/>
müsste. Dadurch ergäbe sich eine Benzinersparnis von 3%. Weiters<lb/>
könnte beim Motor im Teilrastbereich bis 1.6 Liter erspart werden.<lb/>
Dies könnte durch mechanische Lader oder durch Abgasturbolader<lb/>
erfolgen. Auch hier kann ich mir nichts im Detail vorstellen.<lb/>
Drittens wären die Getriebe entsprechend zu verbessern. Die<lb/>
Leistung der Turbo CW und vor allem ein fünfter Gang, ein Direkt<lb break="no"/>gang, könnte hier beim Motor und Getriebe eine fast 20%iges Ein<lb break="no"/>sparung ergeben. Als letzter und wichtigster Punkt aber handelt<lb/>
es sich um Gewichtsverminderungen. Die bisherige Formel, 100 Kilo<lb/>
weniger, ist minus 1 Liter, ist vollkommen falsch. Aufgrund ihrer<lb/>
Erfahrungen und Berechnungen kann man bei 100 Kilogramm Gewichts<lb break="no"/>senkung 0.3 bis 0.4 Liter ersparen. Mit amerikanischen Fachleuten<lb/>
und insbesondere auch den zuständigen Minister wurde im Volkswagen<lb break="no"/>werk einmal diskutiert. Derzeit fahren die Amerikaner 30 Meilen<lb/>
pro Gallone. Die Zielvorstellung ist 50 Meilen. Dies halten <rs type="person" ref="#per__150647">Fiala</rs><lb/>
und seine Leute für ganz unmöglich. Maximal könnte in nächster<lb/>
Zeit 35 Meilen pro Gallone erreicht werden.<lb/>
</p>
            <pb n="49-0818" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0818.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_08">Die Volkswagenverkaufsstrategie hat sich, wie mir Generaldirektor<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> und vor allem der Verkaufsschef <rs type="person" ref="#per__150650">Schmidt</rs> mitteilte,<lb/>
wesentlich geändert. In den 60er Jahren haben sie 2,3 Mio<lb/>
Stück pro Jahr erzeugt und 3 Typen gehabt. Den Käfer, den 1600<lb/>
und den Transporter. Jetzt erzeugen sie auch nicht mehr und haben<lb/>
13 Modelle. Nie mehr wieder, hat mir der Einkaufsschef <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs><lb/>
schon vor Jahren gesagt, werden sie auf ein so geringes Paletten<lb break="no"/>programm wie seinerzeit zurückkehren. Damals hatten sie die Angst,<lb/>
dass es ihnen mit dem Käfer genauso ergeht, wie Ford mit dem seiner<lb break="no"/>zeitigen Typ T, Tin Lizzie, der auch gut abgesetzt wurde und dann war<lb/>
über Nacht Schluss. Ford wäre damals bald zugrunde gegangen. Volks<lb break="no"/>wagen war in einer ähnlichen Situation. Der Rückschlag 75, der ihnen<lb/>
800 Mio. DM Verluste gebracht hat, 15.000 Arbeiter entlassen <add>[werden]</add> mussten,<lb/>
soll nie mehr wieder kommen, weshalb sie eine grössere Produktpalet<lb break="no"/>te und vor allem aber nicht mit voller Kapazität fahren. Die Ar<lb break="no"/>beitskräfte können sie gar nicht bekommen, obwohl sie sehr gut be<lb break="no"/>zahlen. Hilfsarbeiter verdienen von 12.58 DM bis 14.50 DM die<lb/>
Stunde in der Fertigung, die Facharbeiter von 15 DM bis 21 DM der<lb/>
Vorarbeiter.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_09">Ihr Dieselprogramm geht dahin, dass Klöckner-Humboldt-Deutz einen<lb/>
neuen Diesel entwickelt, der mit 2 Tankfüllungen je nach den Last<lb break="no"/>bereich arbeiten sollte. Dort könnte Methanol bis 80% beigemischt<lb/>
werden. Da es aber mit 2 Tanks Schwierigkeiten geben wird, allein<lb/>
der Autofahrer muss aufpassen, dass beide immer noch Kraftstoff<lb/>
gleichzeitig drinnen haben, möchte VW lieber für die kleinen PKW<lb/>
mit Mischkraftstoff arbeiten. Dabei kommt auch Äthanol besser<lb/>
in Frage als Methanol, welches nur die Hälfte der Energie einsparen<lb/>
würde. Durch Direkteinspritzung Turboaufladung den 5. Gang usw.<lb/>
denkt man den Dieselkraftstoff von 6.8 Liter auf 5 Liter senken zu<lb/>
können. Ich bin dann versuchsweise mit einem Golf, 100%igen<lb/>
Alkoholantrieb gefahren. Als Fahrer hat man überhaupt nichts be<lb break="no"/>merkt. Die Verdichtung muss geändert werden, die Beschleunigung hat<lb break="no"/>te ich das Gefühl, ist ein wenig besser als bei Benzinantrieb.<lb/>
Da ich aber kein Golf-Fahrer normal bin, konnte ich dies nicht<lb/>
einwandfrei feststellen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_10">Da mir Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> die besten Grüsse an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mitgegeben<lb/>
hat, habe ich ihm abends davon noch verständigt. Er meinte, er<lb/>
bräuchte dringend eine Fabrik für Judenburg für 400 Beschäftigte.<lb/>
</p>
            <pb n="49-0819" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0819.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_11">Da die Volkswagenwerke über 1 Mia. heuer von uns kaufen werden,<lb/>
nicht aber bis jetzt bereit waren, eine Fabrik nach Österreich<lb/>
zu verlegen, wohl aber bereit waren, kleinere deutsche Firmen<lb/>
nach Österreich zu empfehlen und dann ihnen eine Abnahmegaran<lb break="no"/>tie zu geben, schlug ich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor, er sollte direkt mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> in Kontakt treten. Er wird ihm einen Brief schreiben.<lb/>
Aus meinen Besuch und aus der Diskussion, die ich mit vielen<lb/>
Leuten dort führte, bin ich draufgekommen, dass sie eine unge<lb break="no"/>heure hierarchische Gliederung haben. Die Vorstände untereinander<lb/>
sind alle per Sie, Entscheidungen trifft dort letzten Endes der<lb/>
Generaldirektor, mancher hält sich an die Empfehlungen seiner Vor<lb break="no"/>standskollegen, mancher wie <rs type="person" ref="#per__140913">Leiding</rs>, nicht. <rs type="person" ref="#per__123317">Matousek</rs> erzählte<lb/>
mir, die jugoslawische Fabrik kam deshalb nach Sarajevo und nicht<lb/>
nach Slowenien oder Kroatien, wo sie wesentlich besser arbeiten<lb/>
würde und nicht die Transportprobleme hätte, wie die jetzige<lb/>
in Sarajevo, dadurch dass <rs type="person" ref="#per__140913">Leiding</rs>, ohne mit jemand anderem zu reden,<lb/>
bei der letzten Aussprache in Belgrad ganz einfach Sarajevo als<lb/>
Standort akzeptierte. Alle Fachleute und Abteilungsleiter, sowie<lb/>
Vorstandsdirektoren hatten sich vorher dagegen ausgesprochen.<lb/>
Niemand hat dann aber als <rs type="person" ref="#per__140913">Leiding</rs> das den Jugoslawen zusagte, auch<lb/>
nur ein Wort dagegen verloren. Jetzt hat Volkswagen mit diesen<lb/>
Standort die grössten Zores. <rs type="person" ref="#per__140559">Schmücker</rs> stellte bei einem offi<lb break="no"/>ziellen Abendessen bei seiner Ansprache fest, dass, wie ich be<lb break="no"/>hauptete, Einladung an die Vorstände aller Autofabriken mehr in<lb/>
Österreich zu kaufen, den richtigen Weg eingeschlagen habe. Für<lb/>
Volkswagen war dies nicht nur eine Einladung, sondern auch durch die<lb/>
geschickte Formulierung von MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> ein grosser Druck, irgend<lb/>
etwas zu tun. Sie selbst hatten nicht geglaubt, dass sie einmal<lb/>
so viele Bestellungen, über 1 Mia. Schilling, nach Österreich<lb/>
vergeben werden. Dr. <rs type="person" ref="#per__150650">Schmidt</rs>, der Verkaufsvorstand meinte, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
schimpft aber noch immer auf die Volkswagenwerke. Scheinbar hat<lb/>
er irgendwo in Deutschland, irgendwelche Bemerkungen gemacht,<lb/>
die in dem Fall wirklich unbegründet sind. Ich hatte in meiner<lb/>
Ansprache freimütigst bekannt, dass ich bereits als Kammeramts<lb break="no"/>direktor von Volkswagenvertretern aufgefordert wurde nach Wolfsburg<lb/>
zu kommen. Ich habe dies ganz bestimmt und entschieden immer abge<lb break="no"/>lehnt, denn ich sah keine Veranlassung, einen solchen Besuch abzu<lb break="no"/>statten. Jetzt durch die gute Kooperation mit den Volkswagenwerken<lb/>
und durch die wirklich deutlich sichtbare Anstrengung, mehr aus<lb/>
<pb n="49-0820" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0820.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Österreich zu importieren, betrachte ich es nicht nur als<lb/>
meine Pflicht, sondern auch wirklich als ein Bedürfnis, per<lb break="no"/>sönlich den Dank abzustatten. Ich glaube, dass diese offene<lb/>
Aussprache bei niemand den falschen Eindruck hinterlassen hat.<lb/>
Dass ich mich wie eine Primadonna ziere und dann in meiner Güte<lb/>
irgendwann einmal komme, sondern dass wirklich objektive Gründe<lb/>
zuerst für mein Nichtkommen, jetzt aber für meinen umso deut<lb break="no"/>licher, wenn auch sehr kurzen Aufenthalt, meine Dankbarkeit ab<lb break="no"/>statten wollte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-17_12"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="49_0814_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0814-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 17./18.7.1979</head>
         </div>
         <pb n="49_0814_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0814-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
         <pb n="49_0820_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0820-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <pb n="49_0820_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0820-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesordnung 6. Ministerratssitzung, 17.7.1979</head>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="49_0820_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-17_1979-07-18_0820-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97511">
               <persName type="label">Haiden, Günter</persName>
               <persName><surname>Haiden</surname><forename>Günter</forename></persName>
               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__123317">
               <persName type="label">Matousek, Paul</persName>
               <persName><surname>Matousek</surname><forename>Paul</forename></persName>
               <occupation>Leiter VW-Einkaufsorganisation Wien</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114722">
               <persName type="label">Hübl, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Hübl</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>Dir. EBS</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97498">
               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1053195672</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__111752">
               <persName type="label">Münzner, Horst</persName>
               <persName><surname>Münzner</surname><forename>Horst</forename></persName>
               <occupation>Einkaufsvorstand VW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97493">
               <persName type="label">Gröger, Adolf</persName>
               <persName><surname>Gröger</surname><forename>Adolf</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114570">
               <persName type="label">Steiner, Robert</persName>
               <persName><surname>Steiner</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>MR LWM; davor FAO</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__116104">
               <persName type="label">Himmer, Hans</persName>
               <persName><surname>Himmer</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Porsche Österreich</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97442">
               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/11869104X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>