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            <title type="main">Donnerstag, der 12. Juli 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_01">Donnerstag, 12. Juli 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_02">Der stellvertretende Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__119260">Vutev</rs> aus Bulgarien<lb/>
berichtet mir, dass sie mit der Entwicklung über den Handel sehr<lb/>
zufrieden sind. Zum Unterschied vom Vorjahr war es tatsächlich mög<lb break="no"/>lich in den ersten 5 Monaten unseren Export um 12 Mio. zu steigern<lb/>
und der Import aus Bulgarien, sprich also ihr Export, ist nicht<lb/>
abgesunken. Die bulgarische Seite findet sich scheinbar mit dem<lb/>
Handelspassivum ihrerseits ab. Tatsächlich liegen auch die Export<lb break="no"/>möglichkeiten nur auf ihrer Seite. Sie müssten Produkte anbieten,<lb/>
die Österreich brauchen kann und die haben sie fast nicht. Ausserdem<lb/>
ist ihr Marketing schlecht, was sie liefern könnten wären landwirt<lb break="no"/>schaftliche Produkte, wo es natürlich bei unseren Bauern die grössten<lb/>
Schwierigkeiten gäbe, wenn wir sie in beliebiger Menge hereinlassen<lb/>
würden. Der bulgarische Botschafter hat dann mitgeteilt, dass sich Voith<lb/>
an der Ausschreibung für ein Speicherkraftwerk in Bulgarien beteiligt<lb/>
hat. Angeblich war Präsident <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs> bei seinem Besuch in Malat so<lb/>
begeistert, dass jetzt die Bulgaren unbedingt Voith zum Zug kommen<lb/>
lassen wollen. Mitbewerber sind Franzosen und Japaner. Österreich liegt<lb/>
mit seinem Anbot, ca. 1 Mia. Schilling – um Beträchtliches über deren<lb/>
Offerten. Ausserdem bieten die Franzosen den bulgarischen Firmen eine<lb/>
grössere Beteiligung – sprich Zulieferung – an. Der Wunsch des<lb/>
bulgarischen Botschafters, aber auch des Aussenhandelsministers <rs type="person" ref="#per__119260">Vutev</rs>,<lb/>
war, dass ich mit der Firma spreche, damit Österreich doch diesen<lb/>
Zuschlag bekommen kann. <rs type="person" ref="#per__119260">Vutev</rs> behauptet, die österreichischen Offerte<lb/>
liegen immer um 18–22 % über den anderen Mitkonkurrenten. Ich ver<lb break="no"/>sprach mit GD <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> zu sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97780">Nenning</rs> sofort verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_04">Da ich den Bulgaren mitgeteilt habe, ich komme zur Gemischten Kommission<lb/>
nur von Mittwoch mittags bis Donnerstag abends, waren sie angeblich<lb/>
so erschüttert, dass <rs type="person" ref="#per__119260">Vutev</rs> mich im Namen des Handelsministers er<lb break="no"/>suchte, ich sollte unbedingt länger bleiben. Er und der Botschafter<lb/>
waren wirklich glücklich, als ich theaterspielend, nachdem ich mir<lb/>
den Terminkalender habe kommen lassen, grosszügig erklärte, ich werde<lb/>
alle Termine am Dienstag rausstreichen und schon am Dienstag mittags die<lb/>
Maschine nach Sofia nehmen. In Hinkunft werde ich dies bei allen Ge<lb break="no"/>mischten Kommission so machen, dass ich ganz kurzfristige Aufenthalte<lb/>
<pb n="49-0793" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-07-12_0793.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vorsehe, wenn dann entsprechende Interventionen kommen, gebe ich dann<lb/>
einen Tag dazu. Zuerst ist man vielleicht schockiert, dass ich die<lb/>
Gemischte Kommission so missachte, dann aber betrachtet man es als<lb/>
einen grossen Erfolg, wenn ich tatsächlich einen Tag länger bleibe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte auf diese Taktik umsteigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_06">Die Österreichische Fremdenverkehrswerbung hat den Präsidenten<lb/>
der Migros-Organisation <rs type="person" ref="#per__132224">Arnold</rs> und seine Begleitung nach Österreich<lb/>
eingeladen. Migros betreibt ein eigenes Reisebüro, Migros-Reisen,<lb/>
dessen Schweizer Leiter <rs type="person" ref="#per__150660">Kisslig</rs> angeblich von Österreich sehr be<lb break="no"/>geistert ist, dies konnte ich dann tatsächlich feststellen, denn<lb/>
Migros-Reisen vermittelt nicht nur in die Fremdenverkehrszentren,<lb/>
sondern hat jetzt kleinere Orte, wie z.B. in der Steiermark Gams,<lb/>
in Niederösterreich jetzt Gars am Kamp, auch Teile des Neusiedler<lb/>
Sees neu entdeckt und beschickt die ausserhalb der Hauptreisezeit mit<lb/>
älteren Personen, die sich dort gut erholen können, zu verhält<lb break="no"/>nismässig billigen Preisen. Darüber hat auch Migros eine Hotel-Plan-<lb/>
Gesellschaft und deren Manager <rs type="person" ref="#per__150661">Rijkenberg</rs> war ebenfalls hier. Die<lb/>
wichtigste Person erschien mir aber eine Frau namens <rs type="person" ref="#per__150662">Kowner</rs>, die<lb/>
in der Stiftung Migros Schulen errichtet und betreibt. 21.000 Schüler<lb/>
wurden bis jetzt in die verschiedensten Länder geschickt, um Spra<lb break="no"/>chen und die Verhältnisse in dem Land zu studieren. Dabei wohnen<lb/>
sie bei Familien. Für das deutsche Sprachgebiet haben sie in Köln<lb/>
eine, jetzt wird eine in London errichtet, die 17 Mio. Schweizer Franken<lb/>
kostet. Natürlich war ich bestrebt dieser Dame sofort Österreich<lb/>
einzureden. Ein guter Grund wurde schon, wie auch Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> dann<lb/>
feststellte, gelegt. Der Wiener Schmäh hat diese Delegation im<lb/>
wahrsten Sinne des Wortes umgehaut. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> hat zu einer Pressekonferenz<lb/>
ins Bristol eingeladen und dort wurde den Schweizern nachher von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__150663">Karas</rs> "Der dritte Mann" auf der Zither gespielt, eine Petit-point-Ta<lb break="no"/>sche, die ich ihr schenkte, wollte sie angeblich sowieso schon ihr<lb/>
ganzes Leben lang haben, der Präsident war als Weiningenieur im Beruf<lb/>
eingestiegen und daher ein Weinkenner, weshalb wir ihm ausser 4<lb/>
Flaschen, wirklich beste Qualität, auch noch ein Weinbuch schenkten,<lb/>
mit küss die Hand – und ihre Frage, ob sie mir ein Busserl geben darf –<lb/>
war diese wirklich im siebenten Himmel und wenn wir Glück haben, wird<lb/>
Migros sich mehr in Österreich engagieren. Obwohl Migros keine<lb/>
Geschäfte in Österreich derzeit betreibt und wahrscheinlich auch<lb/>
kaum die Absicht hat, bezieht er doch, wie z.B. im vergangenen Jahr<lb/>
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food products, um die neudeutschen Ausdrücke zu gebrauchen. Da die<lb/>
Stiftung 1% des Umsatzes im Vorjahr 55 Mio. Schweizer Franken, für<lb/>
kulturelle Aufwendungen ausgeben kann, ja sogar muss, so glaube ich<lb/>
müsste es gelingen, sowohl einen stärkeren Warenbezug, als auch ins<lb break="no"/>besondere kulturelle Aktivitäten in Österreich mit ihnen zu organi<lb break="no"/>sieren.<lb/>
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Abteilungen ansetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_08">Der Besuch von <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> bei der Firma Heid war wirklich ein<lb/>
voller Erfolg. Dir. <rs type="person" ref="#per__116997">Dautzenberg</rs> hat es verstanden, schon bei der Be<lb break="no"/>grüssung darauf hinzuweisen, dass Heid nicht nur mit Siemens gemeinsam<lb/>
kooperiert, um die besten numerisch ?? gesteuerten Maschinen in die UdSSR<lb/>
zu verkaufen, sondern auch aus der UdSSR einige Maschinen bezogen<lb/>
hat, die jetzt bei ihnen laufen. Bei der Besichtigung habe ich dann<lb/>
mit den Arbeitern, die an diesen Maschinen arbeiten allein und längere<lb/>
Zeit gesprochen und festgestellt, dass tatsächlich die russischen<lb/>
Maschinen als sehr robust gelten, die Toleranz aber absolut halten.<lb/>
Die abfälligen, wenn auch nur leise mir gegenüber gemachten Be<lb break="no"/>merkungen von <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> sind in dem Fall wirklich nicht zutreffend.<lb/>
Sehr geschickt hat dann <rs type="person" ref="#per__116997">Dautzenberg</rs> dafür gesorgt, dass die von den<lb/>
Stockerauer Arbeitern gekauften LADA, sie geben dafür Kredite, auf dem<lb/>
Weg fein säuberlich geparkt waren. GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> von Siemens erzählte<lb/>
dann auch noch, dass seine Firma sogar Zuschüsse gibt, damit LADA<lb/>
als Kompensation eben für Aufträge in die UdSSR gekauft werden.<lb/>
Der ORF wollte mit <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> ein Interview machen, solange ich aber<lb/>
dabei war, zum Essen nach Dürnstein bin ich nicht mitgefahren, hat<lb/>
sowohl der Handelsrat <rs type="person" ref="#per__113078">Nikolaenko</rs> als auch der stellvertretende Aus<lb break="no"/>senhandelsminister <rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs> abgelehnt. Der ORF musste sich mit mir<lb/>
begnügen. Selbst die an mich gerichteten Fragen, nämlich ob wir die<lb/>
Energiebezüge ausbauen und vor allem, ob wir die Mengen, die vereinbart<lb/>
sind bekommen, waren harmlos.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_09">Mit GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> besprach ich auch die weitere Vorgangsweise wegen<lb/>
Zwentendorf. <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> beurteilt die Situation ganz nüchtern, er<lb/>
glaubt übrigens so wie ich, dass es nicht leicht sein wird, innerhalb<lb/>
absehbarer Zeit eine Volksbefragung oder gar Volksmeinung zu entfachen,<lb/>
oder gar zu gewinnen. Dr. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> ist hier, glaube ich, der Optimist,<lb/>
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Parteiobmann der ÖVP, <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, sprechen, damit dieser sich womöglich<lb/>
nicht so unglücklich festlegt, wie dies Dr. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> getan hat. Die Lösung<lb/>
kann nämlich nur so erfolgen, dass vielleicht 30 Abgeordnete der<lb/>
ÖVP mit den vielleicht maximal 90 Abgeordneten der SPÖ eine Gesetzes<lb break="no"/>revision vornehmen, die dann eben ebenfalls einer Volksabstimmung<lb/>
unterworfen werden muss. <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> teilt diese Meinung und hofft<lb/>
entsprechende Vorarbeiten innerhalb der ÖVP leisten zu können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_10">Den neuen Generalsekretär der Industriellenvereinigung Prof. <rs type="person" ref="#per__123315">Krejci</rs><lb/>
habe ich im Bristol zufällig getroffen und mit ihm auch kurz die<lb/>
Taktik der nächsten Zeit für die Pro-Zwentendorf-Verschworenen abzu<lb break="no"/>stimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_11">Im Bristol traf ich auch von der BAWAG den neuen Direktor, der aus<lb/>
Graz gekommen ist, für Investitionen zuständig und besprach mit ihm<lb/>
die Situation von Steyrermühl. Dort haben sie neuerdings Verluste gemach<lb/>
und wollen nicht mehr so viel investieren, als der Betriebsrat ver<lb break="no"/>langt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was weiss die Abteilung darüber.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_13">Ebenfalls im Bristol traf ich GD <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs>. Ich teilte ihm mit, dass<lb/>
wird jetzt den Getreidepreis erhöhen werden und er deshalb damit<lb/>
rechnen muss, die 10.000 Tonnen Ölfrüchte, die er bereit ist zu<lb/>
übernehmen, zu einem höheren Preis als 6.30 Schilling bezahlen<lb/>
muss. Er rechnet doch unter 7 Schilling durchkommen zu können. Wenn<lb/>
ich mir vorstelle, wie viele Leute man auf einen Schlag im Bristol<lb/>
beim Essen treffen kann, so verstehe ich, dass Minister die Gelegen<lb break="no"/>heit nützen und dort ständig auch bei sogenannten Arbeitsessen, wenn<lb/>
schon nichts arbeiten, gut essen und vor allem gesehen werden. Da ich<lb/>
dies aber wahrlich nicht will, bleibe ich auf alle Fälle bei unserer<lb/>
guten Werksküche. Ich werde mich daher auch weiter nicht einladen<lb/>
lassen, sondern wirklich nur zu besonderen Anlässen mit Ausländern<lb/>
diese fsshionablen sündteuren Imperials, Bristols, Sachers usw.<lb/>
besuchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_14">Im letzten Zentralvorstand der Lebensmittelarbeiter vor dem Urlaub<lb/>
haben wir ausser über die Wirtschaftslage und ganz besonders über die<lb/>
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erwartenden Lohnbewegungen in unserer Branche auch einen Bericht<lb/>
des Überwachungsausschusses gehabt. Dieser hat, was auf der einen Seite<lb/>
sehr erfreulich ist, weil er zeigt, wie gründlich die Kollegen ihre<lb/>
Arbeit nehmen und wie wenig sie eigentlich sonst scheinbar beanstanden<lb/>
müssen, grösste Bedenken, dass die Angestellten aber auch die Vor<lb break="no"/>standsmitglieder Privilegien haben, die abgebaut gehören. Zu Weih<lb break="no"/>nachten gibt es ein Fresspaket, schon aus der Zeit, wo dies ja wirk<lb break="no"/>lich noch etwas als Naturalleistung bedeuteten, zum Geburtstag<lb/>
gab es früher 2 Flaschen Wein, seit meiner Aera wird ein kleiner<lb/>
Dukaten dafür gegeben und einmal im Jahr wird anstelle eines Ausfluges<lb/>
irgend ein Betrag von glaube ich 200.– Schilling ausbezahlt. Da der<lb/>
Betriebsrat sofort erklärte, er ist nicht bereit, sich diese er<lb break="no"/>kämpften jahrzehntelangen Privilegien nehmen zu lassen, die meisten<lb/>
stehen auf dem Standpunkt, dies sei ein Rechtsanspruch den die Ange<lb break="no"/>stellten schon haben, werden wir abwarten, was die Belegschaft bezüglich<lb/>
der Angestellten beschliesst. Dann bin ich überzeugt, werden wir auch<lb/>
für die Funktionäre, sprich Vorstandmitglieder, eine auch für den<lb/>
Überwachungsausschuss befriedigende Lösung finden. Wenn ich bedenke,<lb/>
wie sparsam und vor allem im Verhältnis zu den anderen Gewerkschaften<lb/>
die Lebensmittelarbeiter wirklich fast nichts ausgeben, so freue ich<lb/>
mich darüber sehr, kann aber die Kritik des Überwachungsausschusses<lb/>
trotzdem keinesfalls übergehen. Wenn ich mir die Repräsentationsauf<lb break="no"/>wendungen, die Sozialleistungen von anderen Institutionen, ja selbst<lb/>
von anderen Gewerkschaften betrachte, dann glaube ich schneiden wir<lb/>
wirklich als äusserst sparsam bekannt gut ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_15">Die Getreidesitzung mit Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> dauerte zwar<lb/>
lange, brachte aber dann auch kein endgültiges Ergebnis und vor allem<lb/>
keinen Abschluss. Über die Getreidesystemverwertungsabgabe konnte<lb/>
zwar im Prinzip vorbehaltlich einer Regelung der Preisfrage mit<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und selbst mit Präsident <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> eine weitgehende<lb/>
Annäherung erzielt werden. Es müssen jetzt Spezialkomitees die For<lb break="no"/>mulierungen noch finden, doch glaube ich wird es möglich sein, nach<lb break="no"/>dem die Frage des Überhanges von Getreide und auch der Ein- und Aus<lb break="no"/>lagerung von Futtergetreide geregelt wird, ihre Zustimmung zu er<lb break="no"/>halten. Gescheitert ist es gestern an der Preisfrage. Bei Mais sind die<lb/>
Bauern bereit die 10 Groschen Verwertungsabgabe zu bezahlen ohne,<lb/>
dass der Richtpreis im Futtermittelerlass erhöht wird. Bei Gerste infol<lb break="no"/>ge der schlechten Ernte, wir haben dort entsprechende Proben gesehen,<lb/>
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erhöht werden und gleichzeitig ein Verwertungsabgabebeitrag von<lb/>
5 Groschen festgesetzt werden. Hier hat sich <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> durchgesetzt,<lb/>
der immer erklärte, bei Gerste darf es unter dem Strich weder ein<lb/>
Minus, am liebsten wäre ihm natürlich ein Plus gewesen, das auch<lb/>
nicht durchgegangen ist, geben. Keine Einigung konnten wir über<lb/>
Brotgetreide erzielen, hier wird der Verwertungsbeitrag 10 Groschen<lb/>
betragen. Die Präsidenten waren nach längerer Diskussion und im kleiner<lb/>
Kreis habe ich ihnen mit aller Deutlichkeit gesagt, unter diesen Be<lb break="no"/>trag wird es nicht gehen, einverstanden. die Frage war, wie der Weizen<lb break="no"/>preis dann erhöht werden soll. Die Arbeiterkammer, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, hatte vor<lb break="no"/>geschlagen, dass ich höchstens 12 Groschen nominieren dürfte, was<lb/>
ich auch natürlich dann im kleinsten Kreis getan habe. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> ver<lb break="no"/>langte 20 Groschen und war nicht bereit, darunter zu gehen. Zum Glück<lb/>
hatte ich auch den Obmann des GAF, Abg. <rs type="person" ref="#per__97425">Fachleutner</rs>, zur kleinen Ge<lb break="no"/>sprächsrunde zugezogen. Dieser wollte sich profilieren oder ich<lb/>
weiss nicht, welche Gründe er sonst hatte, und platzte heraus, 15 Gro<lb break="no"/>schen müssten es werden. Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> war nämlich für Oberösterreich<lb/>
mit 31 Groschen ebenfalls einverstanden. Dies hat er allerdings nur<lb/>
unter 4 Augen <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und auch mir gesagt. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> hat keine Ermäch<lb break="no"/>tigung von Niederösterreich zu diesem Preis abzuschliessen, weshalb<lb/>
er auch den Vorschlag von <rs type="person" ref="#per__97425">Fachleutner</rs>, einen niederösterreichischen<lb/>
Bauern nicht ausdrücklich akzeptierte. Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, dass ich<lb/>
nicht bereit bin, von mir aus einen höheren Betrag als 12 Groschen zu<lb/>
nennen. Hätten die Bauern 14 Groschen mir angeboten, dann hätte ich<lb/>
allerdings zugeschlagen. Da <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> am nächsten Tag erst eine Vor<lb break="no"/>standssitzung seiner Organisation hat, schlug ich vor, dass wir<lb/>
die Sitzung unterbrechen. In der Zwischenzeit versprach ich, werde<lb/>
ich mit Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und Präsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> von der Arbeiterkammer<lb/>
reden. Ich bin mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> vollkommen einer Meinung, dass wir unbedingt<lb/>
dieses neue System mit den Bauern abschliessen müssen. Nur unter die<lb break="no"/>sen Umständen können wir<lb/>
ähnlich wie bei der Milch, dann erwartete angriffe der einzelnen Bauern<lb/>
oder der freiheitlichen Bauernorganisation oder des allgemeinen Bau<lb break="no"/>ernverbandes gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer abwehren. <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
hat, um die Belastung nicht noch zu vergrössern, deshalb auch MR<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115484">Schultes</rs> vom Finanzministerium vorgeschlagen, dass das Finanzmi<lb break="no"/>nisterium doch die 7 Schilling staatliche Stützung für Qualitäts<lb break="no"/>weizen für die nächste Ernte noch bezahlen sollen. Dies macht 22 Mio.<lb/>
Schilling aus und müsste <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> im Budget durch ein BÜG bereitstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-07-12_16">MR <rs type="person" ref="#per__115484">Schultes</rs> konnte dem natürlich nicht zustimmen, denn er hat<lb/>
die Weisung, die gesamte Stützung muss abgebaut werden. Ich glaube<lb/>
aber mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, dass es an diesen 7 Groschen pro Kilo Qualitäts<lb break="no"/>weizen nicht scheitern wird. Wichtig erscheint mir nur, dass es gelingt,<lb/>
die Bauern bei Getreidekonzept, wie bei der Milch mitzuziehen.<lb/>
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               <persName type="label">Schiwkow, Todor</persName>
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