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            <title type="main">Mittwoch, der 27. Juni 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_01">Mittwoch, 27. Juni 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_02">GD <rs type="person" ref="#per__114463">Altziebler</rs> von der STEWEAG teilt mir dessen Kohle-Kraftwerks<lb break="no"/>programm mit. In Kalsdorf soll ein 200-MW-Kraftwerk mit 150 Be<lb break="no"/>schäftigten gebaut werden. 100 MW würde die thermische Kraft-Wärme-<lb/>
Kopplung liefern. Damit könnte die Fernheizung von Graz Süd übernom<lb break="no"/>men werden. Ich empfahl <rs type="person" ref="#per__114463">Altziebler</rs> auch gleichzeitig wegen der<lb/>
Alkohol-Gewinnung die in Wildon von der Landwirtschaftskammer Graz<lb/>
geplant ist, zu verhandeln. Alle Alkohol-Projekte werden kosten<lb break="no"/>mässig nur dort gehen, wo sie die billige Abwärme haben. Angeblich<lb/>
benötigt diese Fabrik 7.000 Stunden Dampf, während Kalsdorf nur<lb/>
5.000 Stunden liefern könnte. Die notwendigen Ergänzungsenergien<lb/>
müssten daher sehr sorgfältig überlegt werden. In Voitsberg III<lb/>
will die STEWEAG die Orte Voitsberg, Rosental und <choice><choice><sic>Bernbach</sic><corr>Bärnbach?</corr></choice></choice> mit Fern<lb break="no"/>wärme als Kraftwärmekupplung versorgen. Köflach sollte zu meiner<lb/>
grössten Überraschung ausgenommen bleiben. Da Köflach 8 km von<lb/>
Voitsberg III entfernt ist, müsste die STEWEAG, 1 km 5 Mio. Schilling,<lb/>
40 Mio. Schillinge investieren. Dies wollten sie sich allen Ernstes<lb/>
ersparen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__114463">Altziebler</rs> nicht im unklaren gelassen, dass dies<lb/>
vollkommen unmöglich sei. Er verlangte aber für eine eventuelle Ein<lb break="no"/>beziehung von Köflach entsprechende Unterstützung durch den Staat.<lb/>
Zum Glück haben wir jetzt eine Budgetposition für die Wärmelieferung<lb/>
weshalb ich ihm sofort einen Zinsenzuschuss für die 40 Mio zugesagt<lb/>
habe. Er wird ein diesbezügliches Ansuchen an das Ministerium rich<lb break="no"/>ten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_03">Der Vertreter der gewerblichen Wirtschaft in der Gasgesellschaft<lb/>
von der Steiermark, <rs type="person" ref="#per__140319">Frizberg</rs>, hat auch ein Kleinkraftwerk in <choice><choice><sic>Sölker<lb break="no"/>tal</sic><corr>Sölktal?</corr></choice></choice>. Dort nimmt ihm die STEWEAG den Strom zu äusserst günstigen<lb/>
Bedingungen ab. <rs type="person" ref="#per__140319">Frizberg</rs> möchte nun diesen Strom für sein Versor<lb break="no"/>gungsgebiet in Wildon. Die Transportleistung müsste die STEWEAG<lb/>
auf ihren Leitungen erbringen, was sie allerdings nicht beabsichtigt.<lb/>
Aus diesen konkreten Beispiel konnte ich ersehen, wo es in Hinkunft<lb/>
mit den Kleinkraftwerken Schwierigkeiten geben wird. Trotzdem sollten<lb/>
wir jetzt auch im Zuge der Energiesparmassnahmen den Verein von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> auffordern, seine Schwierigkeiten und konkreten Pläne uns<lb/>
endgültig darzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> eine Bespre<lb break="no"/>chung vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_05">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> über das IAKW-Konferenzzentrum. Über<lb break="no"/>rascht war ich über die umfangreichen Unterlagen die er dem Klub<lb/>
zur Verfügung stellte. Wie sich dann in der Diskussion spät abends<lb/>
im Plenum herausstellte, hat dies die Opposition gefordert. Obwohl<lb/>
die ÖVP die ganze Zeit den Gesetzentwurf urgierte, obwohl er ihnen<lb/>
alle Unterlagen, die zur Verfügung standen übermittelte, obwohl<lb/>
die ÖVP-Alleinregierung <choice><choice><sic>76</sic><corr>67</corr></choice></choice> ganz wesentlich grösseres IAKW-Konferenz<lb break="no"/>zentrum in Aussicht genommen hatte und auch verbindlich zusagte,<lb/>
stimmte die ÖVP letzten Endes dagegen. Unfair, so wie immer, würde<lb/>
ich fast sagen, war Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, der meine Ansprache bei der Verlei<lb break="no"/>hung des Staatswappens an das Kongresszentrum in der Hofburg, wo er<lb/>
anwesend war, mich ständig zitierte. Da ich ja frei spreche, konnte<lb/>
ich ihm momentan nicht einwandfrei widerlegen. Sicher ist nur, dass<lb/>
der damalige ausgezeichnete GD <rs type="person" ref="#per__113081">Stock</rs> mir nach diesem Verleihungs<lb break="no"/>akt das Problem zweites Konferenzzentrum erörterte. Damals konnte<lb/>
er mit Recht sogar darauf verweisen, dass auch der Vertreter der<lb/>
Gemeinde Wien sich gegen das IAKW-Konferenzzentrum bei der UNO-<lb/>
City aussprach. Ich kann mich nicht erinnern, dass während der<lb/>
offiziellen Feiern wir ein so eindeutig und detailliertes Gespräch –<lb/>
in diesem Fall hätte es ein Streitgespräch sein müssen – geführt<lb/>
haben. Ich selbst bin sicherlich nicht auf die Problematik während<lb/>
meiner Rede eingegangen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, der <rs type="person" ref="#per__113081">Stock</rs> gut kennt, wird versuchen<lb/>
die entsprechenden Unterlagen zu beschaffen. Am meisten überrascht<lb/>
war ich aber von der Erklärung des Abgeordneten Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, der wäh<lb break="no"/>rend <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> niemals den Namen <rs type="person" ref="#per__113081">Stock</rs> erwähnte, dann bei seiner<lb/>
letzten Wortmeldung behauptete, GD <rs type="person" ref="#per__113081">Stock</rs> steht der sozialistischen<lb/>
Partei nahe. Ausserdem behauptete er dann, dass S.Chef <rs type="person" ref="#per__113837">Weiss</rs> vom<lb/>
Finanzministerium <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> zu dieser Entscheidung drängte. Hier<lb/>
replizierte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit Recht, wenn man die Minister attackiert<lb/>
und kritisiert ist dies in Ordnung, aber dass man Beamte, die sich<lb/>
nicht verteidigen können, in den Streit mit hineinzieht, ist sehr<lb/>
unfair. Da Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> während dieser Debatte nicht im Saal war,<lb/>
habe ich ihm unmittelbar, nachdem ich ihm zufällig getroffen habe,<lb/>
sofort auf die Entwicklung aufmerksam gemacht, die sich hier<lb/>
abzeichnet. Die Opposition wird jetzt Wirtschaftstreibende oder<lb/>
Manager bedenkenlos unter Nennung ihrer Namen in die politische Aus<lb break="no"/>einandersetzung hereinziehen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war darüber sichtlich nicht<lb/>
erfreut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_06">Im Klub ergab sich nach dem Wirtschaftsbericht von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
darüber eine Diskussion, an der sich <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs>, <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> und <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs><lb/>
beteiligten. Die ersten Beiden meinte, die Theorie von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
sei richtig, man dürfe die Preiserhöhungen welche aus der Öl<lb break="no"/>preisverteuerung kommen, nicht abgelten. Niemand sagte allerdings,<lb/>
wie dies zu bewerkstelligen sei. Die Preiserhöhungen aus den Index<lb/>
herauszunehmen wäre ganz unmöglich, dass Statistische Zentralamt<lb/>
würde dies niemals tun. Die direkten Preiserhöhungen machen im<lb/>
Index ca. 1/2 % aus, die indirekten über die Verteuerung aller<lb/>
Produkte durch die Transportkostenverteuerung sind überhaupt nicht<lb/>
quantifizierbar. Die Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> konnte ich in diesem<lb/>
Fall überhaupt nicht verstehen, da die Metallarbeiter gerade eine<lb/>
6 %-ige Ist-Lohn und sogar 9 %-ige Kollektivvertragslohnerhöhung ver<lb break="no"/>langt haben. Die <choice><choice><sic>Forderun</sic><corr>Forderungen</corr></choice></choice> liegt also beträchtlich über die Lebens<lb break="no"/>haltungskostensteigerung und lassen keinesfalls erkennen, dass man<lb/>
einen Teil der Lebenshaltungskostensteigerungen überhaupt nicht ab<lb break="no"/>gegolten haben will. <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs> verlangte dann ausserdem entsprechende<lb/>
Massnahmen um endlich die Kraftwärmekupplung einzuführen. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs><lb/>
wieder wollte unbedingt, dass wir neuerdings im Parlament entspre<lb break="no"/>chende gesetzliche Verfassungsbestimmungen für die Energiekompetenz<lb/>
ins Handelsministerium verlangen. Auch dann, wenn die ÖVP dies zum<lb/>
dritten Mal ablehnen würde. Aus diesen Gründen musste ich mich dann<lb/>
auch in der Diskussion melden, um die Energiesituation, wie ich sie<lb/>
sehe, dem Klub darzulegen. Ich persönlich fürchte, dass, wenn eben die<lb/>
allgemeine Hysterie schön langsam auch die vernünftig denkenden<lb/>
Politiker erfasst, man dann, wenn schon gar nichts anderes gesche<lb break="no"/>hen kann, dass was tatsächlich geschieht immer als nichts, oder un<lb break="no"/>zulänglich betrachtet und als höchste Forderung dann erklärt, es<lb/>
muss ein neuer Kompetenzkatalog und Kompetenzverteilung her.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_07">Mit den Vertretern von Fessel und IFES-Institut wurde der Fragebo<lb break="no"/>gen durchbesprochen. Insbesondere mussten wir nicht nur die Zielvor<lb break="no"/>stellung wie wir sie haben darlegen, sondern auch Definitionen, was<lb/>
versteht man unter autofreien Tag und Kontingentierung, Bewirt<lb break="no"/>schaftung usw. eindeutig festlegen. Die Studie wird 1,3 Mio. Schilling<lb/>
plus Mehrwertsteuer kosten. Ich habe den Vertreter des Finanzmini<lb break="no"/>steriums nicht im unklaren gelassen, dass wir diesen Betrag in<lb/>
unserem Budget nicht unterbringen können, sondern eine entsprechende<lb/>
Refundierung vom Finanzministerium erwarten. Alle Beteiligten, die<lb/>
Meinungsforscher und vor allem auch meine Beamten im Handelsministerium<lb/>
<pb n="49-0741" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-06-27_0741.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sagen mir, eine Ausschreibung wäre unzweckmässig. Die beiden<lb/>
anderen Institute die in Frage kommen haben entweder, wie IMAS<lb/>
in Linz, keine Random–Stichprobenerhebung und GALLUP hat nicht<lb/>
die notwendigen Interviewer, MR <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> wird durch eine telefo<lb break="no"/>nische Rückfrage bei diesen Instituten dies verifizieren und dann<lb/>
endgültig aktmässig den Zuschlag für Fessel und IFES festlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> soll die Bezahlung mit Finanzmini<lb break="no"/>sterium abklären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_09">Die Personalvertretung, Mag. <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs> und Berghauptmann <rs type="person" ref="#per__113370">Widor</rs>, hatten<lb/>
an Präsidialchef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> und mich einige Wünsche. Erstens wollten sie,<lb/>
dass ähnlich wie im Bundeskanzleramt ein Betriebsausflug vom Mini<lb break="no"/>sterium bezahlt wird. Dort hat man die Schiffsreise für 350 Personen<lb/>
auf der Donau nach Dürnstein organisiert, die 62.000 Schilling kostete.<lb/>
Eine ähnliche Aktion würde dem Handelsministerium 80.000 Schilling<lb/>
kosten. Im Bautenministerium haben die Beschäftigten einen Bus zur<lb/>
Verfügung gestellt bekommen und 50 Schilling Verpflegungszuschuss.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> verwies mit Recht darauf, dass für diese Sonderleistungen Ge<lb break="no"/>spräche im Bundeskanzleramt, Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> geführt werden,<lb/>
um ein einheitliches Vorgehen aller Ministerien zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs><lb/>
war darüber nicht sehr glücklich, denn er meinte, da würden die<lb/>
schlechter gestellten Ministerien kaum bald zu einer Besserstel<lb break="no"/>lung. Ich replizierte sofort, dafür haben die bei uns Beschäftigten<lb/>
Hitzeferien bei 28 Grad, um 2 Uhr können sie nach Hause gehen, während<lb/>
im Bundeskanzleramt dies bisher nicht genehmigt wurde. Ähnlich ver<lb break="no"/>hält es sich mit dem Essenszuschuss. Die Menüpreise wurden von 11.20<lb/>
Schilling, das erste, um 13.- Schilling das zweite Menü einheitlich<lb/>
auf 16.50 Schilling erhöht. Die Personalvertretung möchte anstelle<lb/>
des 7.- Zuschusses, 10 Schilling. Derzeit nehmen 90, im Winter<lb/>
bis zu 120 Beamte an diesem Essenszuschuss teil. In den Bergbehörden<lb/>
bekommen ungefähr 10 einen solchen Essenszuschuss. <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> verwies mit<lb/>
Recht darauf, dass dies zumindestens einheitlich im Regierungsgebäude<lb/>
zwischen den 5 Ministerien geregelt werden muss. Einvernehmen konnte<lb/>
sofort erzielt werden, dass in die Hausdruckerei, wo oft 85 % Luft<lb break="no"/>feuchtigkeit herrscht und im Sommer eine unerträgliche Hitze, eine<lb/>
Klimaanlage eingebaut werden soll. <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> hat dann ausserdem zugesagt,<lb/>
für eine Beschäftigte B-Beamtin <rs type="person" ref="#per__150636">Damianidis</rs>, die im Arsenal mit<lb/>
2 Kindern in einer feuchten Wohnung wohnt, bei der Bundesgebäudever<lb break="no"/>waltung eine bessere zu erwirken. Kritik übte <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs>, dass ich bei<lb/>
<pb n="49-0742" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-06-27_0742.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>der letzten Dekretverteilung weggegangen bin. Es wurde zwar<lb/>
allgemein anerkannt, dass ich selbstverständlich ins Parlament zur<lb/>
Regierungsdebatte gehen müsste, doch haben angeblich viele Ausge<lb break="no"/>zeichnete bei der Personalvertretung deponiert, sie seien darüber<lb/>
sehr traurig. Sie hätten nie Gelegenheit mit dem Minister Kontakt<lb/>
aufzunehmen und jetzt hätte ich ihnen persönlich nicht einmal die<lb/>
Orden, resp. Dekrete überreicht. Ich war über diese Kritik sehr er<lb break="no"/>freut, denn ich habe ehrlich gestanden nicht angenommen, dass die Be<lb break="no"/>amten tatsächlich darauf grossen Wert legen. Ich habe damals schon<lb/>
erklärt, ich hätte es auf den späten Nachmittag eventuell verschieben<lb/>
müssen, aber im Interesse der Ausgezeichneten davon Abstand genom<lb break="no"/>men. Ich habe bei meiner allgemeinen Ansprache zur Dekretverleihung<lb/>
darauf hingewiesen, ich glaube dass den Beschäftigten es lieber ist,<lb/>
um 8.30 Uhr das Dekret zu bekommen und dann dafür den dienstfreien<lb/>
Tag zu geniessen, als wenn ich erst am späten Nachmittag die Dekret<lb break="no"/>verleihung durchgeführt hätte. In Hinkunft versprach ich aber der<lb/>
Personalvertretung, werde ich auf die persönliche Überreichung ganz<lb/>
bestimmt unter allen Umständen bestehen. Gegebenenfalls wird man<lb/>
dann vielleicht tatsächlich die Auszeichnung kurzfristig verschieben<lb/>
müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_10">Im Parlament haben wir dann im grossen Kreis die Getreidefrage lang<lb/>
besprochen und letzten Endes auch insoferne abgeschlossen, als die<lb/>
Landwirtschaft insbesondere Präs.Bierbaum jetzt mit seinen Funktio<lb break="no"/>nären noch einmal reden wird. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> hat ja seinerzeit schon mir<lb/>
gegenüber erklärt, sie wären mit einem 10 Groschen Verwertungskosten<lb break="no"/>beitrag, der ihnen von den neuen Getreidepreis, der ca. 12 bis 13<lb/>
Groschen erhöht wird, einverstanden. Das wirkliche Problem gab es nur<lb/>
bei Futtergetreide. Dort erklärt <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, dass er die Richtpreise<lb/>
nicht erhöhen kann und will. Hier müssten die Bauern von den 2.75<lb/>
Schilling für Gerste und Hafer, 2.78 Schilling für Mais, die 10<lb/>
Groschen in Abzug bringen. Der Futtergetreidepreis muss aber gegen<lb break="no"/>über dem Brotgetreidepreis wesentlich gesenkt werden. Derzeit haben<lb/>
wir ein Verhältnis 1 : 96 und es ist ein Verhältnis 1 : 85 anzustre<lb break="no"/>ben. Die Handelskammer war dann in einer kleineren Gesprächsrunde mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs>, sowie <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> von der Arbeiterkammer bereit, dem<lb/>
ganzen System ihre Zustimmung zu geben, wenn bei Futtergetreide eine<lb/>
Überhangvergütung für die nächste Ernte vorgesehen wird. Da <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
ja hofft, insbesondere durch doch vielleicht nicht eine so gute Ernte<lb/>
wie wir sie heuer erwarten können, die Überhänge tatsächlich wegzu<lb break="no"/><pb n="49-0743" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band49/49_1979-06-27_0743.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>bringen, dürfte ihm daraus keine allzu hohe Belastung erwachsen.<lb/>
Er wird daher mit dem Finanzminister noch einmal diese Frage ein<lb break="no"/>gehend besprechen. Nächste Woche soll dann das ganze Paket abge<lb break="no"/>schlossen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_11">Eine Aussprache mit den Vertretern der AK, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> und <rs type="person" ref="#per__115003">Weihs</rs>, und ÖGB,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs>, mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs>, SL <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs> und mir, ergab dann in<lb/>
diesem Kreis eine vollkommene Übereinstimmung über die weitere Vor<lb break="no"/>gangsweise. Ich habe den Konsumentenvertretern auch klar gemacht, dass<lb/>
die Spriterzeugung aus Getreide nicht ausschliesslich aus energiepo<lb break="no"/>litischen Gründen erfolgt, sondern primär zur Vernichtung der Ge<lb break="no"/>treideüberschüsse. Die 20 Groschen Benzinpreiserhöhung muss – und hat<lb/>
dann auch AK und ÖGB akzeptiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_12">Mit den Konsumentenvertretern haben <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich dann noch die<lb/>
Ofenheizölfrage erörtert. Wir stimmen überein, dass wir diese un<lb break="no"/>abhängig der Benzinpreisverhandlungen so schnell als möglich durch<lb break="no"/>ziehen sollten. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> meint, wir sollten die Höhe des deutschen<lb/>
Raffinerieabgabepreises auch in Österreich festsetzen. In diesem<lb/>
Fall könnten die Multis, aber auch die ÖMV kaum etwas dagegen ein<lb break="no"/>wenden, wir würden uns dann nicht nur bei Benzin, sondern eben auch<lb/>
bei Ofenheizöl extra leicht nach der deutschen Marktlage orientieren.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> hat aber eingesehen, dass wir vorerst genau durchrechnen<lb/>
müssen, wie sich diese, wie er glaubt, 50 bis 60 Groschen Verbraucher<lb break="no"/>preiserhöhung tatsächlich auf dem Raffinerieabgabepreis auswirkt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs> hat die Berechnung in der Arbeiterkammer übernommen, denn ich<lb/>
möchte keinesfalls unsere Beamten damit beschäftigen, bevor ich nicht<lb/>
mit der ÖMV über diese Frage gesprochen habe. Da Ofenheizöl extra<lb/>
leicht nur über eine Raffinerie ausgeliefert werden kann, muss ich,<lb/>
bevor ich überhaupt mit einem Vorschlag in die Öffentlichkeit gehe,<lb/>
die Zustimmung der ÖMV zu der Vorgangsweise und auch zur Höhe erhal<lb break="no"/>ten haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__114598">Hruby</rs> wird Dir die Unterlagen liefern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band49_1979-06-27_14">Ausserhalb der Tagesordnung des Nationalrates gab es zum Schluss dann<lb/>
noch eine Debatte über den ÖVP-Antrag, einen Untersuchungsausschuss<lb/>
gegen die Arbeiterkammerwahlen einzusetzen. Sowohl Präsident <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs><lb/>
als auch Kammeramtsdirektor <rs type="person" ref="#per__114116">Kapaun</rs> als unsere Redner behaupteten,<lb/>
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erfolgt sind und die ÖVP gar nichts anderes will, als die gesamten<lb/>
Wahlen der Arbeiterkammer zu skandalisieren. Wenn die Behauptung<lb/>
der ÖVP stimmt, dass hier Durchstechereien erfolgt sind, haben sie<lb/>
ja die Beschwerde zu den Gerichten offen. Diesen Weg wollen sie aber<lb/>
scheinbar nicht gehen, sondern eben ein politisches Manöver im Parlament<lb/>
aufführen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 27.6.1979</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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