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            <title type="main">Freitag, der 18. Mai 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band48_1979-05-18</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_01">Freitag, 18. Mai 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_02">Die oberösterreichische Konsumentenorganisation hat ihre<lb/>
Betriebsräte jetzt zusammengefasst zu einer Arbeitsgruppe<lb/>
"Konsument aktiv". Die Absicht ist mehr konsumentenpolitische<lb/>
Informationen, den Betriebsräten zu geben und gleichzeitig auch<lb/>
ein Instrument der Arbeiterkammer für etwaige Erhebungen zu be<lb break="no"/>sitzen. Die oberösterreichische Veranstaltung, eine Art Konsumen<lb break="no"/>tenforum war verhältnismässig gut besucht. Überrascht war ich,<lb/>
dass ich sowohl den zuständigen Landesrat <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> als auch den<lb/>
Beamten der oberösterreichischen Landesregierung angetroffen<lb/>
habe. Die ganze Konsumentenaktivität kann nur dann funktionieren,<lb/>
wenn sie überparteilich mindestens über die reine Arbeiterkammer<lb break="no"/>interessensvertretung hinaus organisiert ist. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe's</rs> Wunsch war,<lb/>
dass ich über die nationale Konsumentenpolitik referiere.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114579">Ladstätter</rs> hat mir zu meiner grössten Überraschung eine sehr<lb/>
gute Zusammenstellung von Stichworten und Gesetzesstellen ge<lb break="no"/>liefert, die ich nur in der Diskussion mit <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> und <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> ein<lb/>
wenig ergänzen musste. Bei der anschliessenden Diskussion stellte<lb/>
sich heraus, dass natürlich die Gemeinden oder Landesdienststel<lb break="no"/>len an Personalmangel leiden um die doch unverhältnismässig<lb/>
vielen Kennzeichnungsverordnungen kontrollieren zu können.<lb/>
Andererseits beschwerten sich die Präsidiumsmitglieder der Orga<lb break="no"/>nisation "Konsument aktiv" über den Informationsmangel. Die<lb/>
Broschüre "Konsumentenfibel" wird allgemein anerkannt, es müsste<lb/>
noch wesentlich mehr Informationsmaterial in Form von Bro<lb break="no"/>schüren den Betriebsräten zur Verfügung gestellt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Besprich mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs>, was wir hier machen<lb/>
könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_04">Interessant für mich war, dass der Referent der Europäischen Ge<lb break="no"/>meinschaft <rs type="person" ref="#per__150310">Kurrer</rs> meinte, Österreich mit seiner ausgeprägten<lb/>
Konsumenteninformation und seinem verhältnismässig starken<lb/>
Einfluss der Interessensvertretungen und der Regierung auf diesem<lb/>
Gebiet sollte ein Art Gegengewicht gegen die langsam arbeitende<lb/>
Europäische Gemeinschaft sein. Dort erwartet er durch die Süd-<lb/>
Erweiterung, so nennen sie den Beitritt von Spanien, Griechenland<lb/>
usw., dass die mitteleuropäischen Staaten kaum eine Chance haben,<lb/>
<pb n="48-0579" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band48/48_1979-05-18_0579.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dann ihre Konsumentenpolitik durchzusetzen. Die Idee ist ver<lb break="no"/>hältnismässig retardierend. Selbst wenn die Kommission zu irgend<lb break="no"/>welchen Entschlüssen kommt, ist der Rat, der einstimmige Beschlüsse<lb/>
voraussetzt und wo einzelne Staaten entsprechend hemmen. Interes<lb break="no"/>sant und überraschend für mich war, dass er behauptet, die<lb/>
österreichischen Handelsattache in Brüssel und in den sonstigen<lb/>
EG Staaten würden nur die Produzenten vertreten. <rs type="person" ref="#per__150310">Kurrer</rs> dürfte<lb/>
nicht gewusste haben, dass unsere Handelsdelegierten von der<lb/>
Handelskammer sind und daher natürlich für die Konsumentenpolitik<lb/>
nur sehr wenig übrig haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Kläre wie in Brüssel unsere Beamten zu<lb/>
diesen Fragen stehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_06">Der Festakt 50 Jahre Zuckerfabrik Enns mit Ordensüberreichung gab<lb/>
mir die Möglichkeit einige grundsätzliche Bemerkungen über die<lb/>
Zuckerwirtschaft und ganz besonders auch das Verhältnis zwischen<lb/>
Unternehmungen und Gewerkschaft zu machen. Die Zuckerindustrie<lb/>
hat ein verhältnismässig gutes Einvernehmen mit der Gewerkschaft und<lb/>
die Betriebe mit den Betriebsräten. Enns wurde 1929 gegründet,<lb/>
10 Jahre zuvor hatte die oberösterreichische Bauernschaft ver<lb break="no"/>sucht eine Zuckerfabrik zu errichten, wobei die Bauern alle ihre<lb/>
Anteile verloren haben, da die Fabrik in einer Brauerei mit<lb/>
schlechten Maschinen ausgestattet, ihre Produktion begann. Die<lb/>
Zuckerindustrie unterschätzt, glaube ich, die Konkurrenz, dass von<lb/>
Stärke Zucker kommt. In Amerika werden dort gigantische Produktions<lb break="no"/>steigerungen verzeichnet und die Rüben- und Rohrzuckerproduktion<lb/>
geht ständig zurück. Mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> von der Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer habe ich dieses Problem besprochen, doch er glaubt, dass<lb/>
in Österreich eine solche Gefahr nicht besteht. Die Bauern<lb break="no"/>schaft denkt, dass sie aus dem Stärke- und Zuckergesetz absolut<lb/>
geschützt ist. Ich glaube hier wird sie noch ihre blauen Wunder<lb/>
erleben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_07">Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> hat mir bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, sie<lb/>
rechnen, dass der Getreidepreis um 10 Groschen erhöht wird und<lb/>
dass dieser Betrag aber nicht an die Bauern ausbezahlt wird,<lb/>
sondern zur Exportstützung einbehalten wird. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> spricht sich<lb/>
ganz entschieden dagegen aus, dass wir heuer nur den Normalweizen<lb break="no"/>preis regeln und die anderen Getreidemengen, die nicht zur Vermahlung<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte mit Landwirtschaftsministerium<lb/>
die Taktik genau absprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_09">Beim Mittagessen mit Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> von VW-Werk<lb/>
und den Porsche-Leuten aus Salzburg, hat <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> weiterhin zuge<lb break="no"/>sagt Österreich bei seinen Exportbemühungen tatkräftigst<lb/>
zu unterstützen. Die VW-Werke haben jetzt, obwohl sie Kapazi<lb break="no"/>täten frei haben, ihre Produktion nicht erhöhen können, weil<lb/>
sie keine entsprechenden Facharbeiter zur Verfügung haben. Da<lb break="no"/>durch ergibt sich, dass nicht nur in Österreich, sondern in ganz<lb/>
Europa und sogar weltweit, Volkswagen heute in allen Typen<lb/>
gefragt sind und nicht ausgeliefert werden können. <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> von<lb/>
Porsche Salzburg hat mir nachher gesagt, dies bedeutet für ihn,<lb/>
dass er 10.000 Autos heuer nicht verkaufen kann, die er dringendst<lb/>
bräuchte. Für ihm ist weniger der Verdienstentgang bei den di<lb break="no"/>rekten Verkauf, als die weitere Reparatur und Serviceleistung,<lb/>
vor allem aber die Ersatzteil-Leistung ein Verlust, der nie mehr<lb/>
aufzuholen ist. <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> hat bei seinem letzten Besuch mir er<lb break="no"/>klärt, dass die Volkswagenwerke an dieser Politik festhalten<lb/>
wollen. Dieses Mal hat er korrigiert und meint, er wird unter<lb/>
allen Umständen jetzt versuchen die Produktion jetzt zu steigern<lb/>
und dadurch auch mehr Teile aus Österreich kaufen. Neu für mich<lb/>
war, dass Volkswagen einen Spartyp jetzt laufen haben, der 4,5<lb/>
Liter Benzin nur verbraucht. Allerdings nach amerikanischen<lb/>
Fahrzeugreglement. Nach deutschen würden es 6.5 Liter sein.<lb/>
Trotzdem hofft <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs>, dass dieses Projekt in Amerika tragend<lb/>
wird, wodurch auch in Österreich in kürzester Zeit, spätestens<lb/>
in 3 bis 4 Jahren, dieses Modell zur Verfügung stehen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Industriesektion soll jetzt endlich<lb/>
versuchen auch die anderen Importfirmen zu ähnlichen Lösungen<lb/>
auszufragen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_11">Das REPA-Werk in Grödig arbeitet derzeit auf 2 Linien und er<lb break="no"/>zeugt 7.000 Gurte pro Tag. Die Beschäftigung ist heute fast um<lb/>
50% höher als beabsichtigt und es ist mit weiterer Ausdehnung zu<lb/>
rechnen. Da die deutsche Gesetzgebung jetzt aber auch auf den<lb/>
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REPA noch grössere Bestellungen tätigen, als dies ursprünglich<lb/>
beabsichtigt war. Vorstandsdirektor <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> hat ausserdem zuge<lb break="no"/>sagt, er wird jetzt noch weitere Teile, gedacht ist an Verschluss,<lb/>
Schlösser für Volkswagentypen nach Österreich legen. Bei der<lb/>
Betriebsbesichtigung konnten sowohl MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> als auch ich fest<lb break="no"/>stellen, dass viele Fertigteile aus der BRD importiert werden<lb/>
müssen, weil es in Österreich keinen Erzeuger gibt. Dies ist<lb/>
mir vollkommen unerklärlich, weil es sich teils um gestanzte<lb/>
Bleche resp. um Kunststoffteile handelt, die ohne weiteres<lb/>
von österreichischen Produzenten erzeugt werden könnten. Ich<lb/>
habe MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> ersucht, er soll unverzüglich mit dem Fachverband<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__112958">Meier</rs> über Export resp. Liefermöglichkeiten dieser<lb/>
Einzelteile verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-05-18_13">Die Grossveranstaltung der LUGA im Stiegl-Keller war eine Folklore<lb break="no"/>feier mit Jubilarehrung. Da die Arbeiterkammerwahl bevorsteht<lb/>
wurde auch ein Referat von Präs. <rs type="person" ref="#per__116915">Brunauer</rs> der Arbeiterkammer<lb/>
Salzburg gehalten. Ich bin immer wieder überrascht, wie in den<lb/>
Bundesländern solche Veranstaltungen doch verhältnismässig gut<lb/>
ankommen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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