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            <title type="main">Freitag, der 27. April 1979 bis Sonntag, der 29. April 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_01">Freitag, 27. bis Sonntag, 29. April 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_02">Der ungarische Binnenhandelsminister Dr. <rs type="person" ref="#per__110926">Sághy</rs> teilt mir<lb/>
brieflich mit, dass die Zuschläge für die zwei Hotels erfolgen.<lb/>
Er bedankt sich bei mir für die Unterstützung. Ebenso natürlich<lb/>
dann Porr und Universale, als ich ihnen dann diese freudige<lb/>
Information weitergebe. Die weiteren Projekte für die 300 Mio.<lb/>
$ Kredit-Rahmen werden in Kürze folgen. Er hofft, dass ich<lb/>
auch in diesem Fall so erfolgreich bin. Der Brief wurde mir<lb/>
vom ungarischen Botschafter <rs type="person" ref="#per__123369">Rande</rs> persönlich überreicht.<lb/>
Bei dieser Gelegenheit habe ich auch dem ungarischen Botschafter<lb/>
die Abschrift eines Briefes gegeben, den ich an den neuen<lb/>
Aussenhandelsminister Dr. <rs type="person" ref="#per__119828">Veres</rs> gerichtet habe. Dieser <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs>-<lb/>
Nachfolger wird, wie mir der ungarische Botschafter mitteilt,<lb/>
mich in Kürze nach Budapest einladen. Ich hoffe, dass ich zu<lb/>
einem genauso guten Verhältnis wie mit seinem Vorgänger <rs type="person" ref="#per__110971">Bíró</rs><lb/>
kommen werde. Wenn der Brief an <rs type="person" ref="#per__119828">Veres</rs> genauso erfolgreich wird,<lb/>
hier intervenierte ich für die Firma Voith, wie für Porr und<lb/>
Universale, dann kann ich sehr zufrieden sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: In Hinkunft auch an ungarischen Botschafter<lb/>
in Wien entsprechende Abschrift eines Briefes schicken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_04">Der Vorsitzende der sowj. Delegation der russischen Maschinen<lb break="no"/>kommission <rs type="person" ref="#per__150418">Kozhin</rs>, eine Untergruppe der Gemischten sowj.-österr.<lb/>
Kommission kommt nach einem fast schon eine Woche dauernden<lb/>
Österreich-Aufenthalt, um mir Bericht zu erstatten. Neu für mich<lb/>
ist, dass sie auch in die Maschinenkommission einen Vertreter des<lb/>
Staatskommitees für Wissenschaft und Technik mitnehmen wollten,<lb/>
der über Kernkraftwerk-Kooperation verhandeln sollte. Natür<lb break="no"/>lich kommt er auch auf die Frage der Zolldiskriminierung zu<lb/>
sprechen und dies ist nach sowj. Auffassung der -Hauptgrund,<lb/>
dass sie nicht fester in Österreich Fuss fassen können. <rs type="person" ref="#per__113078">Nikola<lb break="no"/>enko</rs>, der sowj. Handelsrat teilt dann noch mit, er hätte ge<lb break="no"/>hofft, dass es auch gelingt, auf dem Fahrräder- und Moped<lb break="no"/>sektor mit Steyr-Daimler-Puch ein grösseres Geschäft resp.<lb/>
Zusammenarbeit abzuschliessen. Das neue Angebot von SGP, grosse<lb/>
Dieselmotoren, 200 t, die man ansonsten nur für Schiffsmotoren<lb/>
verwendet in die <choice><choice><sic>Grosskippereinbau</sic><corr>?</corr></choice></choice> in der Sowjetunion muss<lb/>
jetzt abgelehnt werden, denn als die Sowjets diese Möglichkeit<lb/>
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Seite einen eigenen Diesel entwickelt. Eine Möglichkeit<lb/>
gibt es, dass über LKW-Diesel die <choice><choice><sic>AFL</sic><corr>AVL</corr></choice></choice> – Prof. <rs type="person" ref="#per__114911">List</rs> in Graz –<lb/>
es zu einer Kooperation kommen kann. Die von Steyr-Daimler-<lb/>
Puch und BMW in Steyr jetzt gebauten sind für den Lada und<lb/>
für sonstige PKW in der Sowjetunion zu gross. Die Sowjets<lb/>
möchten überhaupt konvertierbare Benzin- und Dieselmotoren<lb/>
einbauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass Dir bitte erklären, ob so etwas<lb/>
überhaupt möglich ist.<lb/>
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Aussprache mit Vizekanzler Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> unter Druck<lb/>
gesetzt werde, wenn er eine Zollermässigung für Autobestand<lb break="no"/>teile wünscht, dann müsse er 1.500 Stück Reifen von Semperit<lb/>
kaufen. Die Sowjetunion denkt nicht daran, ein solches Ge<lb break="no"/>schäft zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort von der Sektion IV - Industrie<lb/>
den Tatbestand im Finanzministerium vorsichtig recherchieren lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_08">Bei der Dekretüberreichung für die Fa. Braun zur Führung<lb/>
des Staatswappens im Hotel Hilton hatte ich einen einzigen<lb/>
Grund anzuführen, warum ein führendes Unternehmen der Branche<lb/>
ist: Sowohl die Maschinen als auch die Büroeinrichtungen<lb/>
und als drittes sogar noch die Büroutensilien also Büromaterial<lb/>
wurde oder wird durch die Fa. Braun gleichzeitig den Klein-<lb/>
und Mittelbetrieben angeboten. Die Firma rechnet <choice><choice><sic>mir</sic><corr>mit?</corr></choice></choice> ihrem<lb/>
Kleincomputer bis zu 60.000 kleine und Mittelbetriebe zu<lb/>
erfassen. Nicht zuletzt wurde diesem Betrieb die Genehmigung<lb/>
zur Führung des Staatswappens deshalb verliehen, weil die<lb/>
Bundeshandelskammer darauf grössten Wert gelegt hat. Zuerst<lb/>
gab es ja durch Einspruch der Arbeiterkammer gegen die Firma<lb/>
grossen Widerstand.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_09">Bei der Überreichung des Staatswappens an die Fa. Eberhardt<lb/>
in Graz erfuhr ich zum ersten Mal vom Vizepräsidenten der<lb/>
steirischen Handelskammer, dass dies seit dem Jahre 1922<lb/>
das 422. Unternehmen sei, welches das Staatswappen bekommen hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_10">Davon war ich schon sehr überrascht.<lb/>
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und ergänzen wir sie dann ständig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_12">Die Firma Eberhardt ist ein nach dem zweiten Weltkrieg erst<lb/>
gegründeter Eisengrossist. Seine Bedeutung erreicht er dadurch,<lb/>
dass die VÖEST-Alpine ihn als ihren Grossisten anerkannt hat.<lb/>
Bis jetzt hat sich <rs type="person" ref="#per__150419">Eberhardt</rs> als treuer Kunde und Verteiler<lb/>
VÖEST-Alpine-Stahls erwiesen. Viele andere sind als Importeure<lb/>
auf verbilligte Stahlsorten insbesondere aus Italien ausgewichen.<lb/>
Er selbst bleibt aber sozusagen der österreichischen Qualitäts<lb break="no"/>ware treu. Als Banatdeutscher, wie ich später von seinen<lb/>
Verwandten erfuhr, zeichnet er sich durch seinen ungeheuren<lb/>
Fleiss aus. Für solche Betriebe ist die persönliche Über<lb break="no"/>reichung des Dekretes durch den Minister wirklich eine hohe<lb/>
Auszeichnung und wird auch entsprechend anerkannt.<lb/>
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beibehalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_14">Da die Steirer keine andere Veranstaltung mehr zusammenbrachten<lb/>
hat der Organisationsreferent der SPÖ in der Steiermark seinem<lb/>
Bruder versprochen, der bei Mannesmann, angeblich als einziger<lb/>
Sozialist tätig ist, er wird den Minister zur Sanitär- und<lb/>
Heizungsmesse bringen. Tatsächlich handelt es sich dabei um<lb/>
nichts anderes als eine während der Grazer Messe stattfindende<lb/>
Ausstellung von einigen Firmen auf dem Mannesmann-Lager-Gelände<lb/>
der Niederlassung. Frappierend die doch grosse Anzahl von<lb/>
deutschen Ausstellern und natürlich der verhältnismässig gute<lb/>
Besuch. Da ja die Fachleute zur Grazer Messe kommen, nützen<lb/>
sie gleich diesen Gratisbesuch auch bei Mannesmann, da weder<lb/>
eine offizielle Begrüssung stattfand, noch ich eine Ansprache<lb/>
halten sollte, begnügte ich mich mit einem Rundgang, um den Firmen<lb/>
die Hand zu schütteln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_15">Im letzten Moment habe ich dann erfahren, dass auch am nächsten<lb/>
Tag gar nicht die Absicht besteht, dass ich in Stifting vor dem<lb/>
Gewerkschaftskurs die sonst übliche Morgendiskussion mit den<lb/>
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verärgert, beschlossen wir ganz einfach, wieder nach Hause zu<lb/>
fahren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_16">Die Diskussion zwischen <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war insoferne anders<lb/>
als die bisherigen, weil <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> tatsächlich auf weiten Strecken<lb/>
attackierte und dies nicht ungeschickt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte alle drei<lb/>
Forderungen, die <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> vorher im Wahlkampf aufwarf, wie Politiker<lb break="no"/>besteuerung, Pensionssicherung und direkte Demokratie durch eine<lb/>
Vereinbarung abgefangen. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> konnte nur mehr gaghaft ihm die<lb/>
unterschriebene Vereinbarung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann feierlich überreichen.<lb/>
Ausser diesen drei Punkten ging er dann sofort auf die Atomfrage<lb/>
ein und verbreitete sich verhältnismässig sehr lange. Ich hätte<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> Stelle, da <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ja der Herausforderer war dann die<lb/>
ganzen fünfviertel Stunden über diese vier Probleme geredet, solange<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> nicht andere aufs Tapet gebracht hätte oder in seiner Antwort<lb/>
immer wieder auf alte Argumente zurückkam. Als Herausforderer hätte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> dann die kürzeren gezogen, denn von ihm hätte man erwartet,<lb/>
dass er alle grossen Probleme, die noch offen sind, zur Sprache<lb/>
bringt. So kam <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> letzten Endes dann doch auf die Budgetproble<lb break="no"/>matik und hier punktete er für sich. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte tatsächlich<lb/>
den Fehler gemacht, als er mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in der Budgetkonzeption<lb/>
nicht ganz übereinstimmte, sich als Vorsitzender einer Budgetreform<lb break="no"/>kommission einzusetzen. Geschehen ist natürlich nichts. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
hatte die gute Ausrede, dass dies alles geplant war, als noch<lb/>
vorgesehen war, im Oktober zu wählen. Durch die Wahlvorverlegung<lb/>
sei es eben nicht zu diesem Budgetkonzept gekommen. Natürlich<lb/>
hakte dann <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ständig ein und meinte, die Regierung hätte kein<lb/>
Budgetkonzept. Da diese Fernsehdiskussionen von den Massenmedien<lb/>
ganz gross herausgebracht werden und fast wie einen nationalen<lb/>
Kampf zu sprechen, ist dies der Höhepunkt des Wahlkampfes. Real<lb/>
allerdings kaum.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_17">Beim Samstagfrühstück bei <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> auf der Burg kam ich neben den<lb/>
tunesischen Botschafter zu sitzen. Selbstverständlich habe ich<lb/>
ihn sofort gefragt, wie es eigentlich jetzt mit dem Streit<lb/>
Tunesien-Airline und AUA weitergehen soll. Er meinte natürlich<lb/>
das Verschulden liegt bei den österr. Reisebüros und der AUA und<lb/>
er hofft, dass jetzt anfangs Mai zu einer endgültigen Bereinigung<lb/>
bei Verhandlungen in Tunesien kommt. Rückwirkungen, die ich befürchtet<lb/>
hatte, glaubt er, gibt es keine. Vielmehr ist Tunesien daran<lb/>
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könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass dies neuerdings prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_19">Da LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> bis jetzt stets immer die richtigen Wahlprognosen<lb/>
in den vergangenen Jahren, seitdem er Landeshauptmann ist, ge<lb break="no"/>geben hat, habe ich ihn natürlich wieder gefragt. Unter vier<lb/>
Augen allerdings sagte er mir, dass sich an der Mandatsverteilung<lb/>
nichts ändern wird. Die Sozialisten werden die Mehrheit behalten.<lb/>
Er befürchtet, dass die ÖVP in Graz eventuell ein Mandat an <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs><lb/>
verliert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_20">Bei der Messe-Eröffnung hat <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs> zum ersten Mal Forderungen an den<lb/>
Staat gerichtet, obwohl er bei seiner ersten Messerede erklärt<lb/>
hat, er werde diese Tradition des Bürgermeisters nicht fortsetzen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs> bekommt jetzt die innerhalb Graz immer grössere Schwierig<lb break="no"/>keiten, insbesondere durch die Erhöhung der Tarife, durch die Verkehrs<lb break="no"/>situation, weshalb er den Plabutsch-Tunnel dringend forderte<lb/>
und richtete an die Messe den Appell auch in der Alternativ<lb break="no"/>energie mehr Ausstellung zu veranstalten oder Verkaufe zuzu<lb break="no"/>lassen. Auf seine Haltungsänderung ging ich deshalb nicht ein,<lb/>
weil ich ihn nicht durch Polemik aufwerten möchte. Beim Dank<lb/>
an die Messe für ihre Leistungen erwähnte ich nur so nebenbei,<lb/>
dass sie sehr wohl in den vergangenen Jahren dokumentiert hat,<lb/>
dass viele Alternativenergie-Verkäufer wie z.B. Sonnenkollek<lb break="no"/>toren usw. als Aussteller zu sehen sind. Nachher erzählte ich<lb/>
nicht nur dem Präsidenten der Messe sondern allen, die es hören<lb/>
oder auch nicht hören wollten, dass man eben bei dem Rundgang<lb/>
teilnehmen soll, dann kann man sich davon überzeugen, dass die<lb/>
Messe kein Versäumnis sich zuschulden kommen liess, was der<lb/>
Präsident der Messe dankend bestätigte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_21">Polemisieren, und zwar in so freundschaftlicher Art, dass es<lb/>
LH <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> sogar bei seiner Ansprache herausstrich, tu ich eigent<lb break="no"/>lich nur immer den Landeshauptmann. Diesmal hatte ich eine ganz<lb/>
guten Gag. <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> erwähnte, dass wir im Landhaus ein Ständchen<lb/>
bekommen haben von einer sehr grossen Südtiroler Blasmusik<lb break="no"/>kapelle. Bis jetzt war es auch bei den Messe-Eröffnungen immer<lb/>
schön, selbst wenn es am Vortag regnete. Diesmal sind wir<lb/>
im Kongresshaus und nicht mehr im Freien gesessen, was für das<lb/>
schlechte Wetter äusserst zuträglich war. <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> meinte,<lb/>
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die Messe um eineinhalb Wochen zu verschieben, weil dann die<lb/>
Wahlen vorüber wären und er direkt nicht sagen wollte, dass<lb/>
dann vielleicht ein anderer Handelsminister schon teilgenommen<lb/>
hätte. Das letzte Mal, 1975, hatte sich ja <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs> schwer geirrt,<lb/>
als er offiziell zumindestens meinte, er würde nächstes Mal<lb/>
mich sehr gerne als Privatmann begrüssen. Damals prophezeite<lb/>
ich, dass ich wieder als Handelsminister kommen werde. Auch diesmal<lb/>
spielte ich darauf an, dass eine Verschiebung gar keinen Sinn<lb/>
gehabt hätte, da ich hoffe, als Handelsminister zu kommen.<lb/>
Was den Frühling betrifft, die politische Wahlparole der ÖVP,<lb/>
Leute, die heisst, der Frühling kommt, bemerkte ich, bei den<lb/>
bisherigen Eröffnungen war es immer schön, diesmal ist es<lb/>
ausnahmsweise nicht nicht, weil eben heuer kein Frühling<lb/>
kommt, sondern man gleich in den Sommer übergehen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_22">Beim Durchgang, wo wir insbesondere die Ausländer besuchten,<lb/>
und dann wie die Steirer sagen, den Eisenkern, also die<lb/>
grossen verstaatlichten und privaten Eisenfirmen in einer eigenen<lb/>
Halle, traf ich auch den Vorsitzender der VÖEST-Alpine Aufsichtsrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113833">Assmann</rs>. Dieser bedankte sich bei mir wegen der prompten Erle<lb break="no"/>digung in meinem Ministerium für sein Zulassungsproblem in<lb/>
Radmer. Worauf viele Unternehmer, die keine Sozialisten sind,<lb/>
in immer stärkeren Masse meine Leistung anerkennen, manchmal<lb/>
sie sogar auch masslos überschätzen, meinte <rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs>, man fragt<lb/>
sich ja wirklich, wo da die Schwarzen bleiben, obwohl mir<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113131">Niederl</rs>, wie er dies ja auch bei der Messe-Eröffnung anerkennend<lb/>
aussprach, meine Kooperation stets herausstreicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_23">Landesexekutiv-Sekretär der ÖGB, Ltg.-Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__124045">Gross</rs> bei der<lb/>
Bezirkskonferenz des ÖGB in Hartberg hat freimütig erklärt,<lb/>
zu ihren 14 Bezirkskonferenzen – Hartberg war die letzte –<lb/>
haben sie stets Minister auch eingeladen. Dankbar und freudig<lb/>
stellte er fest, dass ich der einzige war, der gekommen ist, um<lb/>
auch ein Referat zu halten. Für mich ist es ja ganz wurscht,<lb/>
wo mich die Partei einsetzt, was ich natürlich nicht sagen<lb/>
konnte. Überraschend für mich war es nur, dass der bisherige<lb/>
Obmann des Bezirksausschusses des ÖGB ein nicht einmal freige<lb break="no"/>stellter Betriebsrat war. Dies ist ein ungeheure Leistung des<lb/>
jetzt in Pension gehenden Kollegen, dem ich dann auch persönlich<lb/>
meine Anerkennung aussprach. Ich glaube, das ist wirklich der<lb/>
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ein freigestellter Betriebsrat war.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_24">In der Diskussion zu meinem Referat meldete sich der einzige<lb/>
KPÖ-Vertreter und meinte, im Privilegienabbau, die Minister<lb/>
kriegen 13.000 S Wohnungsbeihilfe und die andere Bevölkerung<lb/>
nur 30.- S. Zum Glück hatte ich sonst wie immer meinen Gehalts<lb break="no"/>streifen mit und habe sofort freimütig über die Bezugssituation<lb/>
gesprochen. Als Gag habe ich ihm dann noch meinen Lohnstreifen<lb/>
gegeben. Dies hatte weder er noch geschweige denn die Konferenz<lb/>
erwartet, die Lacher waren sicher auf meiner Seite.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_25">Parteiveranstaltungen in Hartberg und Friedberg waren gut<lb/>
besucht. leider hat es geregnet, sodass sie nicht im Freien<lb/>
stattfinden konnten. Dadurch war es sicherlich wieder nur eine<lb/>
Veranstaltung, an der Parteigenossen oder höchstens der eine<lb/>
oder andere Sympathisant und Wähler teilgenommen hat Mit<lb/>
dieser Methode kommen wir nicht an den Unentschlossenen,<lb/>
geschweige denn an die politischen Gegner heran. Nach Meinung der<lb/>
örtlichen Funktionäre, insbesondere in den Bundesländern, haben<lb/>
wir nicht nur mit 93 sondern mit 94 und ganz besonders extreme<lb/>
mit 95 Mandaten zu rechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_26">Die Brauer-Konferenz in Oberösterreich war ein voller Erfolg.<lb/>
Ich hätte nicht erwartet, dass so viele Kollegen daran teil<lb break="no"/>nehmen. Da sieht man, dass doch die Getränkegruppe die stärkste<lb/>
in unserer Organisation ist. Obwohl ich sehr unter Zeitdruck<lb/>
stand, habe ich die Diskussion bis zuletzt abgeführt, ja ich<lb/>
würde sagen sogar abführen müssen. Manche Kollegen haben sich bis<lb/>
zu dreimal zu Wort gemeldet, weil sie auf dem Standpunkt standen,<lb/>
jetzt hätten sie Gelegenheit, den Obmann über ihre Probleme<lb/>
ausgiebig zu sprechen. Die Hauptfrage war, wie es in den Brauereien<lb/>
weitergeht, insbesondere durch die Diskontpolitik der Supermärkte.<lb/>
Die Brauer stehen auf dem Standpunkt, dass in manchen Märkten das<lb/>
Bier billiger angeboten wird, als sie für ihren Haustrunk bezahlen<lb/>
müssen. Das regt sie natürlich besonders aus und sie sehen darin<lb/>
eine grosse Gefahr, dass die Brauereien damit früher oder später<lb/>
bankrott machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_27">Ähnliche Beschwerde hat mir auch beim Besuch der Welser<lb/>
Fremdenverkehrsmesse der Bundesinnungsmeister der Bäcker<lb/>
mitgeteilt. Er wird jetzt in der Bundeshandelskammer seinen<lb/>
Kollegen über die Preisschleuderei in den Diskontläden<lb/>
heftigst protestieren. Viele Bäcker, welche die Märkte be<lb break="no"/>liefern, sind jetzt schon zugrunde gegangen. Dies würde ihn<lb/>
weniger stören. Dass aber diese Preispolitik überhaupt das<lb/>
Bäckerhandwerk ruiniert, regt ihn und natürlich auch seine<lb/>
Funktionäre mächtig auf. Die Machtstruktur hat sich wesentlich<lb/>
gewandelt, heute entscheiden doch die Händler über das Wohl<lb/>
und Wehe des Produzenten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_28">Die Landeskonferenz der Gewerkschaftsjugend von Oberösterreich<lb/>
war nicht nur gut besucht sondern auch noch wie man sagen würde<lb/>
stimmungsgeladen. Ich wäre hier bald in Versuchung geraten,<lb/>
mich dieser euphorischen Stimmung auch hinzugeben. Zum Glück<lb/>
hatte mich vorher der oberösterreichische Rundfunk interviewt<lb/>
und ich hörte von der Reporterin, welche Forderungen die<lb/>
oö. Gewerkschaftsjugend stellt. Es waren die alten Punkte,<lb/>
die wir schon bei der letzten Berufsausbildungsnovelle nicht<lb/>
durchgebracht haben. Die Loslösung der Organisation der ganzen<lb/>
Lehrlingsverwaltung von der Handelskammer, Schaffung eines<lb/>
eigenen Fonds, 2 % der Lohnsumme sollte dieser von den Unternehmern<lb/>
dotiert werden. Ich habe deshalb in meinem Referat versucht, den<lb/>
Kolleginnen und Kollegen klarzumachen, dass dies bei der gossen<lb/>
Anzahl von Lehrlingen, die jetzt untergebracht werden mussten,<lb/>
gar nicht möglich gewesen wäre durchzusetzen. Das deutsche<lb/>
Beispiel müsste doch auch für sie erschreckend sein, da hat<lb/>
die Bonner sozial-liberale Koalition ein Gesetz gegen das Hand<lb break="no"/>werk beschlossen und die Handwerker haben es darauf de facto<lb/>
zu Fall gebracht, weil sie eben ganz einfach die Lehrlinge nicht<lb/>
einstellen. Erst in ein paar Jahren, wenn die geburtenschwä<lb break="no"/>cheren Jahrgänge ins Berufsleben kommen, wird sich diese<lb/>
ungünstige Situation für die Lehrlinge verbessern. Ich habe mit<lb/>
grösster Anstrengung nur der Konferenz klarmachen können,<lb/>
dass ihre Wünsche – ein Diskussionsredner hat mich dann korri<lb break="no"/>giert und meinte, dies seinen Forderungen – man sich genau<lb/>
überlegen muss, daß mühsam erkämpfte Gesetzte, wie eben das<lb/>
Berufsausbildungsgesetz auch eingehalten werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_29">Eine Änderung der Lehrlingspolitik sehe ich nur darin, dass<lb/>
der alte Wunsch von der Gewerkschaftsjugend in Erfüllung geht,<lb/>
und die Kompetenz vom Handelsministerium in das Sozialministerium<lb/>
übertragen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte vorsichtigst durch <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> die Si<lb break="no"/>tuation prüfen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band48_1979-04-27_31">Die Parteiveranstaltungen, teils Maivorfeiern, teils wie der zuständige<lb/>
Landtagsabgeordnete sagte, Zwischenfeiern, waren alle sehr<lb/>
gut besucht. Ich hätte gar nicht geglaubt, dass wir in dem<lb/>
Mühlviertel so gut liegen. Voraussetzungen für diese Beurteilung<lb/>
ist, dass man aus dem Besuch von Veranstaltungen auf die Stimmung<lb/>
nicht nur innerhalb der Partei sondern auch innerhalb des Ge<lb break="no"/>bietes Schlüsse ziehen kann. Auch die Oberösterreicher sind<lb/>
so wie die Steirer der Meinung, die ÖVP hat bereits das Hand<lb break="no"/>tuch geworfen. In der Meinung der Funktionäre liegt es deshalb<lb/>
nur mehr an Wien, ob <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> 94 oder 95 Mandate bekommt. Dieser<lb/>
Optimismus kann gefährlich werden.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm 28.4. Rückseite)</head>
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