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            <title type="main">Samstag, der 10. März 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_01">Samstag, 10. März 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_02">Beim Seminar über wie ich es bezeichnete sozialdemokratische<lb/>
Marktwirtschaft war ich über die Teilnehmer sehr überrascht.<lb/>
Vom Handelsministerium hatten sich etliche jüngere Beamte<lb/>
gemeldet, denen ich niemals zugetraut hätte, dass sie sich<lb/>
dafür deklarieren und interessieren. Natürlich kann es eine<lb/>
Rolle gespielt haben, dass ich eingeladen habe und einige<lb/>
sich dachten, es ist ganz gut, wenn der Minister sieht, dass<lb/>
sie sich auch für diese Probleme interessieren und ihre Freizeit<lb/>
opfern. Am meisten überrascht war ich aber dort <rs type="person" ref="#per__135868">Ernst-Werner<lb/>
Nussbaum</rs> vom ORF anzutreffen. Der <rs type="person" ref="#per__139473">Leiter</rs> des Renner-Institutes<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__150218">Slawik</rs> hat nur ganz kurz begrüsst und musste dann zu<lb/>
einer anderen Veranstaltung gehen. Ich selbst versuchte den<lb/>
Teilnehmern klarzumachen, wieso ich zu dem Problem der sozial<lb break="no"/>demokratischen Marktwirtschaft gekommen bin. Da Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
nicht anwesend war, habe ich dann zum Schluss eine Definition der<lb/>
Sozialdemokratischen Marktwirtschaft vorgetragen. Ich bezeichnete<lb/>
ihn als Ghost-Thinker. Nach fast zehnjähriger Tätigkeit im<lb/>
Handelsministerium wäre es nämlich höchste Zeit, wenn wir<lb/>
wirklich eine Brain trust-Gruppe erstellen könnten, die sich<lb/>
mit theoretischer Untermauerung unserer Politik befassen sollte.<lb/>
Vielleicht ist es jetzt sogar schon zu spät, vielleicht hätten<lb/>
wir schon wesentlich früher damit beginnen müssen. Wenn ich<lb/>
mir aber vorstelle, wie sehr wir mit den Tagesproblemen zu raufen<lb/>
hatten und wie sehr wir vor allem, wenn nicht die richtigen<lb/>
Leute für Denkarbeiten gefunden haben, so ist dies für mich<lb/>
Entschuldigung, vielleicht aber auch eine Ausrede zugleich.<lb/>
Meine Absicht, für eine solche theoretische Arbeit <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs><lb/>
heranzuziehen, funktioniert auch nicht richtig. <rs type="person" ref="#per__98087">Wirlandner</rs><lb/>
hat mir nicht nur einen Brief geschrieben, wo er zu den bisherigen<lb/>
Ansätzen und Entwürfen einzelner Genossen Stellung nimmt, sondern<lb/>
mir auch telefonisch mitgeteilt, dass er kaum eine Möglichkeit<lb/>
sieht, mit den jungen Leuten zusammenzuarbeiten. Scheinbar ist<lb/>
der Altersunterschied doch zu gross und scheinbar ist die<lb/>
Interessenslage doch zu verschieden. Vielleicht aber müsste auch<lb/>
ein Minister mehr theoretisches Denken entwickeln, um auf seine<lb/>
Mitarbeiter nicht nur anspornend sondern vielleicht auch befruchtend<lb/>
zu wirken. Wie dem auch sei, auf diesem Gebiet habe ich eigentlich<lb/>
nichts geleistet. Ich habe dies auch freimütig bekannt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_03">Zum Improvisieren, zum Schmähführen, wenn man will, Lösung<lb/>
von Alltagsfragen, da langt es, zu grosser theoretischer<lb/>
Konzeption, selbst zum Einfall von neuen Ideen wäre es<lb/>
dringend an der Zeit, die Leute zu animieren und vielleicht<lb/>
dann doch kleine Erfolge zu erzielen. Vielleicht ist der<lb/>
Ansatz dieser Arbeitsgruppe eine Möglichkeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_04">Prof. NR <rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs> hielt eine sehr gute Einführung. Ausgehend<lb/>
von den theoretischen Ansätzen in der Nationalökonomie für die<lb/>
Marktwirtschaft bis zu den dann von ihm erarbeiteten Unter<lb break="no"/>suchungen über die Marktverhältnisse in Österreich, war es ein<lb/>
weit gespannter Bogen. Auch bei seiner letzten Studie, die<lb/>
er mit einem Kreis von Wissenschaftlern erstellt hat, zeigte<lb/>
sich für mich eindeutig, dass auch in der Theorie heute<lb/>
Teamarbeit gross geschrieben wird. Dies kann teils auf<lb/>
mangelnde Zeit, teils aber auch auf zu geringe geistige<lb/>
Kapazität des Einzelnen zurückzuführen sein. Die Diskussion<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__135868">Ernst-Werner Nussbaum</rs> ergab, da er scheinbar der einzige<lb/>
Vertreter der sozialen Marktwirtschaft war, da ein gewisses<lb/>
Ungleichgewicht rein personenmässig anzahlmässig bestand,<lb/>
kein sehr positives Ergebnis. Dies gilt zumindestens solange<lb/>
ich an diesem Seminar teilgenommen habe.Auch die Diskussion<lb/>
zeigte für mich eindeutig, dass das grosse theoretische Problem<lb/>
nämlich wie eine sozialdemokratische Marktwirtschaft theoretisch<lb/>
zu fundieren ist, nicht leicht gelöst werden kann. Was wir<lb/>
wahrscheinlich in der nächsten Zeit weitermachen werden, ist<lb/>
im Einzelfall in der Praxis Entscheidungen treffen, wie wir<lb/>
dann als sozialdemokratische Änderung der bestehenden Wirt<lb break="no"/>schaft und des Wirtschaftssystems bezeichnen können. Sehr be<lb break="no"/>friedigend ist der Zustand nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_05">Während der Mittagspause besprachen wir mit <rs type="person" ref="#per__97627">Heinz Kienzl</rs><lb/>
die Möglichkeit unserer Fremdenverkehrskonzeption. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs><lb/>
stellte eindeutig klar, dass er unmöglich für die<lb/>
sozialökonomische Konferenz, Arbeitskreis Fremdenverkehr<lb/>
die notwendigen Mittel der Nationalbank flüssig machen kann.<lb/>
Genauso strikte lehnte er es ab, dass die Nationalbank die<lb/>
Veranstaltung durchführen sollte. Er selbst hat mit den<lb/>
Vorsitz-Diskutanten persönlich gesprochen. Der Bürgermeister<lb/>
und Hotelbesitzer <rs type="person" ref="#per__145172">Latini</rs>/Zell am See, der Direktor der<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__150219">Niemetz</rs> werden Kurzerklärungen schon vorher schriftlich<lb/>
zur Verfügung stellen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> ist damit einverstanden,<lb/>
dass Dr. <rs type="person" ref="#per__111698">Schachner</rs>, Reisebüroverband, ebenfalls in diese<lb/>
Präsidiumsdiskussion aufgenommen wird. Bei <rs type="person" ref="#per__111729">Skardarasy</rs>,<lb/>
Präsident der Hoteliervereinigung, hat er Bedenken, weil<lb/>
er eben schon einen Hotelier drinnen hat. Dr. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> aber<lb/>
auch ich plädierten dafür, wenn es möglich wäre, sehr wohl<lb/>
schauen sollten, <rs type="person" ref="#per__111729">Skardarasy</rs> und auch Dir. <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs> als Obmann<lb/>
der Fremdenverkehrssektion in die Präsidiumsdiskussion ein<lb break="no"/>zubeziehen. Dies würde der Veranstaltung einen ungeheuren<lb/>
neutralen Charakter verleihen. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> wollte die letzteren<lb/>
unbedingt nur in die Publikumsdiskussion einbeziehen. Mit<lb/>
Recht hatte er gemeint, soll man ja vorsorgen, dass aus<lb/>
dem Publikum entsprechende vernünftige Diskussionsbeiträge<lb/>
kommen. Mir persönlich erscheint es aber wichtiger, die<lb/>
beiden dafür zu gewinnen, dass sie womöglich am Vorsitz<lb/>
teilnehmen. Diese Aufgabe könnte insbesondere für <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs><lb/>
nur NR <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> lösen. Wichtig erscheint mir auch die Frage zu klä<lb break="no"/>ren, welche Konzeption jetzt von mir im einzelnen dort vorge<lb break="no"/>stellt werden soll. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat jetzt endlich über<lb break="no"/>nommen, die Quantifizierung geldmässig für die nächsten<lb/>
10 Jahre durch Budgetansätze im Handelsministerium festzule<lb break="no"/>gen. <rs type="person" ref="#per__97627">Heinz Kienzl</rs> hat es übernommen und sagt, seine Leute<lb/>
arbeiten bereits daran, die Quantifizierung der Vorschläge<lb/>
bezüglich der Beschäftigungspolitik ebenfalls festzulegen.<lb/>
Es wird höchste Zeit, wenn wir dann beide Überlegungen<lb/>
zusammentragen und was dann das Wichtigste ist, zeitgerecht noch<lb/>
gemeinsam diskutieren. Diese Arbeiten müssen jetzt unverzüglich<lb/>
durchgeführt und abgeschlossen werden. Die grösste Blamage wäre<lb/>
nämlich, wenn unter diesem mächtigen Aufwand womöglich keine<lb/>
Ergebnisse oder nur unbefriedigende Ergebnisse heraus<lb break="no"/>kommen sollten. Beim letzten 10-Jahresplan 1971 hat noch<lb/>
die Koordinierung und Durchrechnung Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> gemacht,<lb/>
übereinstimmend war man der Meinung, dass man ihn nicht zu<lb/>
sehr diesmal wieder in die Verlegenheit bringen soll, bei<lb/>
dieser Veranstaltung als spiritus rector in Erscheinung<lb/>
treten zu lassen. Auf der einen Seite hat er sich als<lb/>
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auf der anderen Seite hat er aber scheinbar überhaupt<lb/>
keine Chance, auch nur als in weiterer Zukunft zu berück<lb break="no"/>sichtigender Kandidat in Erscheinung zu treten. Die notwendige<lb/>
Arbeit muss aber wieder im Handelsministerium gemacht werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte veranlasse während meiner Abwesen<lb break="no"/>heit die notwendigen Massnahmen und besprich das mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_07">Die Veranstaltung in Mistelbach war, wie ich erwartet habe,<lb/>
eine reine parteimässige Versammlung. Der zuständige Landtags<lb break="no"/>abgeordnete <rs type="person" ref="#per__150220">Stangl</rs> hat mir auch freimütig erklärt, sie<lb/>
könnten sich gar nicht vorstellen, dass der Bezirk Mistelbach<lb/>
nicht eine einzige Parteiveranstaltung zu den nö. Nationalrats<lb break="no"/>wahlen abwickelt. Da ich zeitig genug dort war, konnte ich<lb/>
persönlich alle eintreffenden begrüssen. Der einzige Nicht-<lb/>
Sozialist war ich glaube ein pensionierter Schuldirektor,<lb/>
der dort die örtliche Bezirkszeitung macht. Vielleicht wird<lb/>
dort etwas darin geschrieben, am meisten freute es mich, dass<lb/>
ich für <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> einspringen konnte. Die Niederösterreicher<lb/>
haben gerechnet, er steht Mistelbach zur Verfügung, die<lb/>
Steirer aber haben ihn für die Steiermark eingeteilt. Auch<lb/>
durch die zentralen Lenkungen gibt es Fehldispositionen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band47_1979-03-10_08">Der Wirtschaftsminister von Ghana wurde von Gen.Konsul<lb/>
von Ghana Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__149475">Klein</rs> zu einem Heurigen-Besuch eingeladen.<lb/>
Unwahrscheinlich, wie viele zu diesem Heurigen gekommen sind,<lb/>
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Besuch zu tun hatten. Ghanesen sind, wie ich mich auch im<lb/>
persönlichen Gespräch überzeugen konnte, sehr daran inter<lb break="no"/>essiert, einfache Pumpen und einfache Lagerräume zu bauen,<lb/>
resp. zu bekommen. <rs type="person" ref="#per__116997">Dautzenberg</rs> von der Fa. Heid, der übrigens au<lb/>
dort anwesend war, hat diese Möglichkeiten jetzt mit Gen.<lb/>
Konsul <rs type="person" ref="#per__149475">Klein</rs> geschaffen. <rs type="person" ref="#per__149475">Klein</rs> selbst ist überzeugt, dass<lb/>
wir dadurch dort grosse Chancen haben, denn aus Westdeutschland<lb/>
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die Ghanesen nicht einmal übernommen haben. Natürlich hat<lb/>
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Geschäfte machen als mit den grossen Mächten. Da sie derzeit<lb/>
in Österreich keinen Botschafter haben, wurde er von dem<lb/>
ghanesischen Vertreter in der Internationalen Atomenergie-<lb/>
Organisation begleitet. Dass <rs type="person" ref="#per__149475">Klein</rs> sehr erfreut war über meinen<lb/>
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eine Stunde mit dem Minister unterhalten. Ich hoffe, dass<lb/>
die Konzeption von <rs type="person" ref="#per__149475">Klein</rs> und unseren Firmen aufgeht.<lb/>
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