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            <title type="main">Mittwoch, der 17. Jänner 1979</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_01">Mittwoch, 17. Jänner 1979<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_02">Im Unterausschuss des Handelsausschusses bezüglich der Energie<lb break="no"/>sparmassnahmen verliefen die Verhandlungen wie ich sie eigent<lb break="no"/>lich erwartet hatte. Vorerst konnten sie nur mit einer 20-minüt<lb break="no"/>lichen Verspätung beginnen, da zum selben Zeitpunkt auch ein Zoll<lb break="no"/>ausschuss vom Parlament festgesetzt wurde. Dort waren zwei un<lb break="no"/>interessante Verlängerungen von GATT-Übereinkommen mit afrika<lb break="no"/>nischen Staaten auf der Tagesordnung. Die ÖVP wollte aber über<lb/>
die GATT-Verhandlungen mit Amerika, Ungarn und Japan eine genaue<lb/>
Auskunft. Selbstverständlich war ich bereit eine solche zu geben,<lb/>
obwohl dafür weder ein Fachbeamter von meinem Haus anwesend war,<lb/>
noch ich die Unterlagen zur Verfügung hatte. Der ÖVP Abgeordnete<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112981">Hietl</rs>, ein Agrarier, interessierte sich primär sowieso nur über<lb/>
die Käseeinfuhrmöglichkeiten nach Amerika. Um es recht spannend<lb/>
zu machen, verwies ich noch auf die Vertraulichkeit, denn eines<lb/>
steht fest, wir haben einen grösseren Anteil an den Käseeinfuhrquo<lb break="no"/>ten nach Amerika erhalten als die anderen Staaten. Am Nachmittag hat<lb/>
mir dann <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> den Bericht von der Genfer Mission gezeigt, der<lb/>
sehr umfangreich war. Zum Glück war ich über die wichtigsten<lb/>
Details gut informiert. In Hinkunft werde ich mir die Informa<lb break="no"/>tionen sammeln und sie dann stets ins Parlament mitnehmen. Voraus<lb break="no"/>setzung dafür ist allerdings, dass wir genau informiert werden,<lb/>
wann unsere Punkte in den diversen Ausschüssen verhandelt werden.<lb/>
Im Haus musste man dies genau gewusst haben, denn Dr. <rs type="person" ref="#per__116916">Waas</rs> für die<lb/>
Verlängerung der beiden uninteressanten GATT-Abkommen, war ja<lb/>
anwesend. Was mich erschüttert hat war, dass er über die Verhandlun<lb break="no"/>gen in Genf mit den anderen Staaten fast nichts gewusst hat. Zu<lb break="no"/>mindestens weniger als ich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte veranlasse, dass in Hinkunft wir vom<lb/>
Haus erfahren, in welchem Ausschuss und welche Punkte dort verhandelt<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_04"><rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs>, der Vorsitzende des Handelsausschusses und auch des<lb/>
Unterausschusses erschien nach 20 Minuten um dort zu interpellie<lb break="no"/>ren, dass wir jetzt eigentlich beginnen müssten und ersuchte <rs type="person" ref="#per__112981">Hietl</rs>,<lb/>
keine weiteren Fragen mehr zu stellen, was dieser sicherlich aber<lb/>
sowieso nicht wollte. Ich entschuldigte mich beim Unterausschuss<lb/>
und fragte, warum man nicht mit den eigentlich uninteressanten<lb/>
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gleichzeitig auch im Zollausschuss war, warten wollen. Diese<lb/>
drei Tagesordnungspunkte gingen klaglos über die Bühne. Sie<lb/>
zeigten nur, welch kompliziertes rechtliches System wir haben.<lb/>
In anderen Staaten ist es selbstverständlich, dass der dafür zu<lb break="no"/>ständige Minister in diesem Fall wäre es das Wissenschaftsministe<lb break="no"/>rium, solche Verträge abschliessen kann, in Österreich müssen<lb/>
sie Verfassungsbestimmungen bekommen und im Parlament grosszügig<lb/>
ratifiziert werden, damit wir uns an Forschungsprojekten wie<lb/>
Sonnenkollektoren und Wärmepumpen, rationellere Energieverwertung<lb/>
beteiligen können. Einzelne ÖVP-Abgeordnete bezweifelten, dass<lb/>
dies notwendig sei, wurden aber nicht nur von mir, sondern auch<lb/>
von den Beamten eines besseren belehrt. Der Tiroler ÖVP-Abg. <rs type="person" ref="#per__97692">Leit<lb break="no"/>ner</rs> meinte, man sieht daraus, wie die ÖVP bereit ist, auf Verfas<lb break="no"/>sungsbestimmungen zuzustimmen, auch wenn es um Energiefragen geht.<lb/>
Dies kostete mir im wahrsten Sinne des Wortes nur einen Lacher.<lb/>
Wenn wir schon so komplizierte Rechtsnormen haben, möchte ich<lb/>
erleben, dass die ÖVP auf Forschungsaufträge, die die Internatio<lb break="no"/>nale Energieagentur durchführt, negativ reagiert. Dies war wahr<lb break="no"/>lich kein Zugeständnis und in meinen Augen ein sehr schlechtes<lb/>
Argument.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_05">Über die Vorschläge von <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> in seinem Initiativantrag Ver<lb break="no"/>längerung der im seinerzeitigen Energiesicherungsgesetz vorge<lb break="no"/>sehenen Massnahmen Erdölmeldevorrat und Lastverteilerregelung<lb/>
von den derzeitigen Termin Mitte 1980 auf unbestimmte Zeit wurde<lb/>
glattweg von der ÖVP abgelehnt. Ihr Energiesprecher <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> meinte,<lb/>
man könne natürlich über eine unbefristete Regelung dieser Gesetze<lb/>
wenn gleichzeitig auch die agrarischen Gesetze unbefristet be<lb break="no"/>schlossen werden. Dies würde ihnen so passen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_06">Bei den vorgeschlagenen, mit Verfassungsbestimmung vorgesehenen<lb/>
Punkten Wärmeschutzmassnahmen und Heizanlagen, die jetzt in der<lb/>
Kompetenz der Länder liegen hat die ÖVP sofort ebenfalls abgelehnt<lb/>
mir die Kompetenz durch Verfassungsbestimmung zu geben. Eine gute<lb/>
Ausrede dafür war, dass wir jetzt auch mit den Ländern über eine<lb/>
Regelung dieser Materie nach Artikel 15a, Staatsvertrag, mit den<lb/>
Ländern verhandeln. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat sich ja für diese Linie eindeutig<lb/>
<pb n="46-0061" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band46/46_1979-01-17_0061.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>entschieden und die Landeshauptleute mit Feber zu einer Sitzung<lb/>
eingeladen. Wieder einmal mehr kam zur Debatte, dass die ÖVP<lb/>
angeblich bereit wäre, mir alle gesetzlichen Regelungen auch ver<lb break="no"/>fassungsmässig zu geben, wenn ich konkrete Vorschläge mache und<lb/>
nicht, wie dies ihrer Meinung nach im dritten Abschnitt des<lb/>
Energiesicherungsgesetzes geschehen ist, nur eine generelle Ver<lb break="no"/>ordnungsermächtigung will, die gar nichts mit Energiesparen zu<lb/>
tun hat. Es war mir ein leichtes aufgrund des Textes – Gott sei<lb/>
Dank hat ihn wenigstens <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> mitgehabt – des seinerzeitigen<lb/>
Energiesicherungsgesetzes zu beweisen, dass sehr wohl sehr kon<lb break="no"/>krete Umschreibungen von Energiesparmassnahmen dort gesetzlich<lb/>
festgelegt worden wären. Schon allein auf unserer Verfassung<lb/>
der Determinierung<add>[hs. korrigiert, Anm.]</add> der Verordnungsermächtigung wäre dies ja auch<lb/>
notwendig gewesen. Die ÖVP lehnt eben jede Ermächtigung des<lb/>
Handelsministers ab. Energiesprecher <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> kam dann auch auf die<lb/>
10 Punkte der ÖVP zu sprechen. Hier konnte ich ihm wirklich be<lb break="no"/>weisen, dass ausser die Frage der Subvention-Steuermässigung des<lb/>
ersten Punktes alle anderen 9 Punkte entweder schon erledigt sind –<lb/>
wie Kleinkraftwerkfragen – oder wie die Verbotsbestimmungen Frei<lb break="no"/>schwimmbäder, Vollklimatisierung von der ÖVP jetzt endlich einmal<lb/>
genau definiert werden müssen. Die ÖVP hat hier ein Verbot sta<lb break="no"/>tuiert, das im Prinzip ja ihren Intentionen widerspricht. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
hat allerdings sich nach wie vor zu diesen beiden Punkten be<lb break="no"/>kannt. Ich ersuchte daher <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> und <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, sie sollten jetzt einen<lb/>
entsprechenden Gesetzentwurf ausarbeiten, den wir dann auch den<lb/>
Handelskammern und Ländern zur Stellungnahme schicken, damit diese<lb/>
ihn womöglich ablehnen. Ich bin sehr gespannt, wie sich dann <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs><lb/>
und die ÖVP aus der Affaire zieht. Wir werden die Begründung erst<lb/>
jetzt einen solchen Entwurf ausgearbeitet zu haben, den davon<lb/>
betroffenen Stellen so geben, dass wir ihn als einen Auftrag des<lb/>
Unterausschuss des Handelsausschusses bezeichnen. Ich bin fest da<lb break="no"/>von überzeugt, dass wir bei diesen Gesetzentwürfen auch auf den<lb/>
Widerstand der Länder stossen werden, da diese auch in diesem Fall<lb/>
Teile ihrer Kompetenz abtreten müssten. Interessanterweise habe<lb/>
ich ab Abend beim Empfang von der Verbundgesellschaft Landeshaupt<lb break="no"/>mann <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> getroffen, der mich dezidiert fragte, wieso wir denn<lb/>
in dem Ausschuss und auch in der gesamten Gestion für Energiespa<lb break="no"/>ren jetzt den Ländern Kompetenzen wegnehmen wollen. Er bestätigte<lb/>
mir, dass nicht einmal so viel wie schwarz unter dem Nagel, so viel<lb/>
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abgetreten wird. Hämisch meinte er, wieso ich überhaupt eine<lb/>
solche Politik verfolge, nachdem ich doch wissen muss, dass sie<lb/>
nicht bereit sind, hier Konzessionen zu machen. Was uns gelingen<lb/>
müsste ist, dass wir solche Äusserungen auch öffentlich von den<lb/>
Ländern hören könnten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_07"><rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hat vollkommen recht, wenn er jetzt als Propagandaschlacht<lb/>
der ÖVP die Taktik bezeichnet, mich in jeder Frage zu attackieren.<lb/>
Ob Recht oder Unrecht, ist in diesem Fall gar nicht zu untersuchen.<lb/>
Auch in der Öffentlichkeit wird ein solcher "Wer-hat-recht-Streit"<lb/>
gar nichts bringen. Das typische Beispiel das <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> analysiert,<lb/>
nämlich die Diskussion über Energiesparen in den letzten Monaten<lb/>
gibt ihm vollkommen recht. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, der <rs type="person" ref="#per__129949">Waldstein</rs>, den Herausgeber<lb break="no"/>vertreter vom Kurier, gut kennt und mit ihm über den Fall <rs type="person" ref="#per__122296">Payr<lb break="no"/>leitner</rs> gesprochen hat, wird neuerdings mit letzterem ein Gespräch<lb/>
haben, um Missverständnisse, wie die Kurier-Leute sagen, aufzuklären.<lb/>
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Ergebnis nur weitere An<lb break="no"/>griffe sein werden. Vielleicht nicht so brutal und offen, aber in<lb/>
der Linie ganz wie <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> richtig analysiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> einen Termin vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_09">Ein anderer Unterausschuss des Handelsausschusses hat sich mit dem<lb/>
Altölgesetz beschäftigt. Hier hat MR <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> einen Entwurf ausgear<lb break="no"/>beitet der jetzt nicht nur die Zustimmung aller Parteien, sondern<lb/>
auch der davon betroffenen Ressorts gefunden hat. Einzig und allein<lb/>
das Verteidigungsministerium hat mit Recht für seinen Einsatz resp.<lb/>
für seine Bauten Ausnahmeregelungen verlangt und auch bekommen.<lb/>
Das Justizministerium machte einen einzigen gravierenden Einwand,<lb/>
ausser dass die Zollwache auch, so wie das Bundesheer und andere<lb/>
Wachkörper behandelt werden müssen, den Einwand, ob die Ausein<lb break="no"/>andersetzungen die zwischen den Sammlern und den Vernichtern von<lb/>
Altöl entstehen könnten, auf privatrechtlicher oder auf öffentlich<lb/>
rechtlicher Basis erfolgen sollen. Mir ist es eigentlich vollkom<lb break="no"/>men gleichgültig, wie dies letzten Endes entschieden wird. Abg.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97692">Leitner</rs> wollte dann wieder, dass dieser Initiativantrag noch in<lb/>
den Ländern besprochen und verhandelt werden kann. Das Handels<lb break="no"/>ministerium wird daher im Auftrag des Unterausschusses den Entwurf<lb/>
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ich <rs type="person" ref="#per__97692">Leitner</rs> geantwortet, ich verstehe nicht, wie die ÖVP sich<lb/>
als Oppositionspartei immer gegen die Initiativanträge wendet.<lb/>
Nur im Parlament vertretene Parteien und nicht in der Regierung<lb/>
müssten doch gerade die Initiative vom Parlament in jeder Be<lb break="no"/>ziehung mehr begrüssen, als wie wenn die Regierung tätig wird.<lb/>
Die ÖVP schreit aber scheinbar ständig nur nach Regierungsvorla<lb break="no"/>gen. Für mich erklärte ich, ein deutliches Zeichen, dass sie ihre<lb/>
Oppositionsrolle anders versteht als wir in der ÖVP-Alleinre<lb break="no"/>gierungszeit. Dort haben wir sehr wohl kräftige Initiativanträge<lb/>
im Parlament eingebracht und verhandelt, weil wir sozusagen nicht<lb/>
auf die Regierung angewiesen sein wollten. Für die ÖVP – und dies<lb/>
ist glaube ich sehr typisch – ergibt sich eben die ganz andere<lb/>
Situation, weil sie ständig besorgt ist, ob die Länder auch ihren<lb/>
Intentionen folgen resp. Gesetzentwürfe, die sie dann im Parlament<lb/>
beschliessen möchte, die auch die Länderzustimmung finden. Dies<lb/>
gilt vielleicht nicht so krass für die Leitung der ÖVP, wohl aber<lb/>
für einzelne Abgeordnete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_10">Die wirtschaftspolitische Aussprache im Bundeskanzleramt wurde<lb/>
ritualmässig genau abgewickelt. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> berichtete über die Wirt<lb break="no"/>schaftslage für das vergangene Jahr 1978 sehr detailliert, für die<lb/>
Prognose 1979 mehr zurückhaltend. Die Bruttoinlandsproduktion, BIP,<lb/>
ein neuer Begriff anstelle des Bruttonationalproduktes, wird gegen<lb break="no"/>über heuer 1.5 % im nächsten Jahr 3 % sein. Die Preisentwicklung statt<lb/>
3.5 % im vergangenen Jahr bei einer Prognose von 5.5 % wird jetzt<lb/>
3 % erwartet. Die Arbeitslosenrate mit 2.1 % im vergangenen Jahr<lb/>
prognostiziert wurde, so wie heuer 2.5 %. Interessant war, dass die<lb/>
Leistungsbilanz wieder mit 18 Mia. Schillingen, d.s. 2 % des BNP an<lb break="no"/>genommen werden. Auch 1978 war die Schätzung 22 Mia. und dann kam<lb/>
ein Leistungsbilanzdefizit von unter 10 Mia. heraus. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>, als<lb/>
Präsident der Nationalbank, hat nämlich dann ergänzt, dass wir<lb/>
rechnen können, ziemlich unter die 10 Mia. Schilling 1978 abgeschnit<lb break="no"/>ten zu haben. Die wirklich entscheidende Änderung sollte im heurigen<lb/>
Jahr beim Verbrauch eintreten. Der private Konsum, der voriges Jahr<lb/>
minus 1.5 % ergab, wird im heurigen Jahr mit plus 3 % Wachstum ange<lb break="no"/>nommen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ergänzte dann den Bericht mehr oder minder, seine<lb/>
Budgetpolitik erklärend, durch die guten volkswirtschaftlichen<lb/>
Daten ist natürlich einkommenswirksam ein geringer Steuerertrag zu<lb/>
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ist die Wirtschaft saniert oder das Budget. Für ihn war wichtiger<lb/>
die Wirtschaft im vergangenen Jahr zu unterstützen, als sein Budget<lb/>
zu sanieren. Jetzt besteht die grosse Aufgabe, nachdem die Unter<lb break="no"/>stützungsmassnahmen in der Regierungsklausur beschlossen wurden,<lb/>
die Zinsen für die Unternehmer entsprechend zu senken. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> hat<lb/>
dann natürlich auf dieses Problem besonders Bezug genommen und<lb/>
meinte, dass es im vergangenen Jahr geglückt ist, das Taggeld von<lb/>
fast 10 % auf die Hälfte von derzeit ungefähr 5 % zu senken. Jetzt<lb/>
sei es notwendig, die längerfristigen Kreditzinsen entsprechend zu<lb/>
reduzieren. Seiner Meinung nach müsste aber nur ein Habenzinsab<lb break="no"/>kommen zwischen Finanzministerium, Nationalbank und Kreditapparat<lb/>
geschlossen werden. Sollzinsen regeln sich schon die Kunden.<lb/>
78 wurde die Ertragslage der Kreditinstitute eingeengt, 79 werden<lb/>
sie Erträge dringendst notwendig haben um ihre Debitoren, die<lb/>
strukturell in partiellen Bereichen jetzt illiquid werden, viele<lb/>
sogar Konkurs ansagen müssen, verkraften zu können. Durch die<lb/>
Neugründung der Filialen, durch die Machtposition der Grossbetriebe<lb/>
als Einleger, ist die Ertragslage der Kreditinstitute sehr zurück<lb break="no"/>gegangen. Notwendig wird es jetzt sein, anstelle der <choice><choice><sic>Investitions</sic><corr>?</corr></choice></choice>-<lb/>
eine Finanztransaktion den Kreditinstituten zu ermöglichen. In der<lb/>
Diskussion hat dann <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> darauf verwiesen, dass die Aus<lb break="no"/>schreibung geändert werden kann. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat sich über den langen<lb/>
Bau der juristischen Fakultät beschwert, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinte eben,<lb/>
wo die Privaten bauen, siehe Franz Josefs-Bahnhof, geht eben alles<lb/>
schneller und beschwert sich dann so wie <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> auch, über die<lb/>
sozialpolitischen Massnahmen, die jetzt vom Sozialministerium ein<lb break="no"/>geleitet werden. Frühwarnsystem, Abfertigung, jetzt dann auch noch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> in der Frühpension verlangt, führt zu einer unerträg<lb break="no"/>lichen Belastung der Unternehmer. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> beklagte sich dass die<lb/>
Investitionen nicht nur aus dem cash flow finanziert werden können,<lb/>
weil dieser zu gering ist. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erwiderte mit Recht, dass am<lb/>
Jahresanfang die Prognosen immer Befürchtungen ergeben und dass<lb/>
insbesondere die Handelskammer dann die negative Seite, sowie die<lb/>
ÖVP, herausstreicht. Gott sei Dank sind dann die Jahresergebnisse<lb/>
ganz anders. Präs. <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> von der Landwirtschaftskammer hat mich<lb/>
gefragt, welche Massnahmen denn endlich nun für die Kartoffelbauern<lb/>
im Waldviertel durch GATT-Kündigungen usw. erfolgen. Natürlich<lb/>
habe ich darauf gar nicht geantwortet, denn dieser Vorwurf trifft<lb/>
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Problem bei mir anhängig gemacht und rein formell ist sicher<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> alles geschehen, materiell aber ist die Lage<lb/>
tatsächlich für die Kartoffelbauer sehr ungünstig.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort die Stellungnahmen zu den di<lb break="no"/>versen Resolutionen auch ausarbeiten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_12">Beim Empfang der Verbundgesellschaft habe ich mit <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs><lb/>
verhandelt, dass diese jetzt so schnell als möglich eine Kommssions<lb break="no"/>lösung für das Kernkraftwerk mit der KWU abschliessen. Auch GD <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs>,<lb/>
NEWAG, hatte ich die Attacken der Atomkernkraftgegner, die jetzt<lb/>
in der nächsten Zeit zu erwarten sind, klargemacht. <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> sagt<lb/>
allerdings zu recht, dass die GKT solche Beschlüsse gefasst hat,<lb/>
wo man den Angriffen der Kernkraftgegner damit leicht entgegen<lb break="no"/>treten kann. Er selbst wird sich auch innerhalb der ÖVP bemühen,<lb/>
dass dies jetzt nicht neuerdings womöglich im Wahlkampf wieder<lb/>
hochgespielt wird. Da sich die Elektrizitätswirtschaft innerhalb<lb/>
der ÖVP selbst durch deren Vertretern nicht durchsetzen konnte, so<lb/>
fürchte ich, dass dies auch diesmal geschehen wird. Wichtig ist<lb/>
daher, dass wir entsprechende, zweckmässige und für die Bevöl<lb break="no"/>kerung leicht verständliche Beschlüsse fassen. Ich drängte daher sehr<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, dass jetzt endlich in Zwentendorf mit dem Bau des<lb/>
kalorischen Kraftwerkes begonnen wird. Wenn im März dort eine rie<lb break="no"/>sige Baugrube ausgehoben wird, dann bin ich überzeugt, kann man<lb/>
klar und deutlich demonstrieren, dass hier ein Alternativkraftwerk<lb/>
errichtet wird. Bei dem Empfang habe ich erfahren, dass zwar die<lb/>
STEWEAG nach wie vor auf eine Gemeinschaftskraftwerklösung auch<lb/>
für dieses kalorische Kraftwerk drängt. Wenn sie aber damit nicht<lb/>
durchkommt, dann eine Verbundvorschlagslösung akzeptieren wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_13">GD <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> von den Wiener Stadtwerken fühlt sich von mir reinge<lb break="no"/>legt, weil ich ihm gesagt habe, dass Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> mir ver<lb break="no"/>sprochen hat, dass sie sich selbstverständlich an den 2 Mio. Schil<lb break="no"/>ling Propagandarest für Pro-Zwentendorf beteiligen. Ich bilde mir<lb/>
ein, dass ich <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> dezidiert erklärt habe, sie müssten die Hälfte der Kosten<lb/>
übernehmen, was dieser mir auch zusagte. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ging damals so weit,<lb/>
dass, als ich ihn fragte, ob er nicht vorher mit <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> sprechen<lb/>
müsste, dies sei nicht notwendig, denn nach der Landtagswahl sei es<lb/>
für ihn als Bürgermeister selbstverständlich, dass sie sich an den<lb/>
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übrig bleiben. <rs type="person" ref="#per__97865">Reisinger</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> jetzt einen Weg gefunden,<lb/>
dass sie diese 1 Mio. Schilling übernehmen. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat angeblich<lb/>
von der Million nichts gewusst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte bei der nächsten Wiener Vorstands<lb break="no"/>sitzung mich erinnern, dass ich dieses Problem mit <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> noch einmal<lb/>
kläre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_15">GD <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs>, Bunzl &amp; Biach, teilt Abg. <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> und mir mit, dass Bunzl<lb/>
um 550 Mio. Schilling an die Franzosen verkaufen will. Das Aktien<lb break="no"/>kapital beträgt 224 Mio. Die Franzosen werden von den 2.250 Be<lb break="no"/>schäftigten mindestens 1000 entlassen, da sie nur mehr Hygienepa<lb break="no"/>pier in Ortmann erzeugen wollen und die Textilerzeugung vollkommen<lb/>
einstellen. Der Umsatz beträgt 1,8 Mia. Schillinge und nur im Jahre<lb/>
1977 war ein Verlust von 20 Mio. 78 sind bereits wieder 3 Mio. aktiv.<lb/>
Nach Meinung <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidts</rs> sollte sich die Konsumgenossenschaft an einem<lb/>
Konsortium der Banken beteiligen um den Betrieb aufzukaufen. Abends<lb/>
erzählt mir dann Dr. <rs type="person" ref="#per__116108">Haiden</rs> von der "Z", dass sie mit dem Finanzmi<lb break="no"/>nister und <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs> besprochen haben, 3 Banken, Girozentrale und<lb/>
die "Z" sollten sich jetzt an einer Verkaufsverhandlung beteiligen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, man könnte mit Brachialgewalt die Engländer dazu<lb/>
zwingen, dass sie an eine österreichische Bank verkaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band46_1979-01-17_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Industriesektion muss sofort sich hier<lb/>
einschalten.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 17.1.1979</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <occupation>Ökonom, ab 1981 Sts.</occupation>
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               <persName type="label">Schmidt, Jürgen H. R.</persName>
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               <occupation>GD Bunzl &amp; Biach</occupation>
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               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
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               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <occupation>nö. LH (ÖVP), AR-Vors. DoKW</occupation>
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               <occupation>ZS GPA, ab 1980 Sozialminister</occupation>
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