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            <title type="main">Mittwoch, der 20. Dezember 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_01">Mittwoch, 20. Dezember 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_02">Der Importeur und Exporteur <rs type="person" ref="#per__58381">Fritz Mauthner</rs> verständigt mich, dass<lb/>
der Versuch Getreide in die Schweiz zu exportieren mit der heurigen<lb/>
Getreidequalität <choice><choice><sic>schiefgeschlagen</sic><corr>schiefgegangen</corr></choice></choice> ist. Die von der Landwirtschafts<lb break="no"/>kammer in die Schweiz geschmuggelte Probe hat bei der Prüfung bei<lb/>
der eidgenössischen Getreideverwaltung einen vernichtenden Erfolg<lb/>
gehabt, obwohl der Klebergehalt mit 34–36 eigentlich gut ist,<lb/>
ist die Quellzahl bei der heurigen Ernte sehr schlecht. Die aus sei<lb break="no"/>nem eigenen Züchtungsbetrieb Probstdorf stammende Qualitätsgetreide<lb break="no"/>marke Extrem ist durchgefallen. Auch in Österreich wird von<lb/>
den Mühlen Qualitätsweizen nur zu 25% anerkannt, weil er nicht<lb/>
fermentiert. <rs type="person" ref="#per__58381">Mauthner</rs> wird sich daher bemühen, die schweizerischen<lb/>
Mühlen dazu zu bringen, österreichische Ausmahlungen zu erreichen. In<lb/>
Österreich kann nämlich selbst mit dieser Qualität ohne weiteres<lb/>
noch gutes Mehl hergestellt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Was sagt die Landwirtschaft zu dieser<lb/>
Qualitätsweizenernte?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_04">MR <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> verständigt aus Genf <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs>, dass es ihm gelungen ist,<lb/>
mit den Amerikanern 7.843 Tonnen Emmentaler Exportkontingent zu<lb/>
vereinbaren. Die Zölle in Amerika werden ebenfalls um 20% gesenkt.<lb/>
Die Gegenkonzession der Landwirtschaft ist 300 Tonnen Fleisch in<lb/>
diesem Jahr zu importieren und innerhalb von 8 Jahren dieses Kon<lb break="no"/>tingent auf 600 Tonnen zu erhöhen. Darüber werden noch Mandeln<lb/>
und Pfirsiche, die uns kaum berühren, zugestanden. Im Rahmen des<lb/>
GATT werden dann auch noch die Zölle von Personenkraftwagen von 29<lb/>
auf 27% gesenkt. Diese Konzession ist mir insoferne unerklärlich,<lb/>
dass sie von den Amerikanern verlangt wird. Der Anwendungszollsatz<lb/>
ist 20% und die Amerikaner haben jetzt gekämpft, dass sie den mit<lb/>
den Sowjets vereinbarten<add>[zu]</add> 4% ebenfalls zu bekommen haben. Natürlich<lb/>
richtet sich diese Ermässigung nur für spezifische Autos mit ent<lb break="no"/>sprechend hohem Bodenabstand und Blechstärken, doch hätte ich an<lb/>
amerikanischer Stelle andere Vorschläge gestellt und sicherlich<lb/>
auch durchgesetzt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Ich möchte nach Rückkunft <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart's</rs> noch<lb/>
einen genauen Bericht noch diese Woche.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_06">Ein dem Freien Wirtschaftsverband angehöriger Baumeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117022">Weidinger</rs> hat den Komm.Rat Titel bekommen und wollte ihn noch<lb/>
unbedingt noch vor Weihnachten erhalten. Da ich weiss, dass die<lb/>
Handelskammer unbedingt selbst diesen Komm.Rat Titel übergeben<lb/>
möchte und ich wegen so einer läppischen Angelegenheit keine Ver<lb break="no"/>stimmung erzeugen will, hatte ich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> verständigt, dass <rs type="person" ref="#per__117022">Wei<lb break="no"/>dinger</rs> ihn von mir heute erwartet. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat alles in Bewegung<lb/>
gesetzt, damit der NÖ Kammerpräsident ihm dann tatsächlich heute<lb/>
noch den Komm.Rat Titel in der Handelskammer überreicht hat. Darüber<lb/>
bin ich eigentlich sehr froh, denn hätte ich erst einmal einen<lb/>
Komm.Rat Titel überreicht, dann wären sicherlich andere Länder<lb/>
gekommen und hätten von mir verlangt, ich müsste dies auch bei<lb/>
ihnen tun. Kärnten hat z.B. schon unter <rs type="person" ref="#per__97953">Sima</rs> immer das Verlangen<lb/>
gestellt, dass er als Landeshauptmann, sozusagen in meiner Ver<lb break="no"/>tretung, diese Überreichung vornehmen sollte. Zum Schluss hätten wir<lb/>
mit der Handelskammer darüber einen Krieg geführt, den ich wahrlich<lb/>
nicht brauchen kann. Weder jetzt, noch in Zukunft, geschweige denn<lb/>
in der Vergangenheit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_07">Das Gespräch über Kleinkraftwerke, welches ich angenommen habe,<lb/>
das in kleinerem Kreis geführt wird, uferte dann in eine Massen<lb break="no"/>versammlung von 2 Dutzend Leuten aus. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat sofort zugegeben,<lb/>
dass er, wie er sich ausdrückt, von mir überredet wurde, dem Kom<lb break="no"/>promissentwurf zuzustimmen, den er aber bei seinen Leuten nicht<lb/>
durchsetzen konnte. Da es sich durch die Einziehung einer Höchst<lb break="no"/>grenze für den Strom, der eingespeist werden soll, nach Auffassung<lb/>
der Kleinkraftwerke die jetzige Situation verschlechtert wird,<lb/>
lehnte die Handelskammer, aber dann auch <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> als Präsident des<lb/>
Vereins der Kleinkraftwerke diesen Verordnungskompromissentwurf<lb/>
auch ab. Beide plädierten dafür, den jetzigen Zustand zu belassen.<lb/>
Die Arbeiterkammer wieder sprach sich ganz entschieden gegen eine<lb/>
Mindesttariffestsetzung aus, da dies in unserem Preisrecht nicht<lb/>
üblich und für die Landwirtschaftsprodukte ein gefährliches Prä<lb break="no"/>judiz bedeuten würde. Die Einigung nach stundenlangen Verhandlungen<lb/>
bestand dann darin, dass man den jetzigen Zustand tatsächlich be<lb break="no"/>lässt, ich habe nur unmissverständlich sofort anfangs erklärt, dass<lb/>
ich die Festsetzung von diesen Preisen an die Landeshauptleute<lb/>
delegieren werde. Darüber war die Handelskammer nicht sehr glücklich.<lb/>
Aus politischen Gründen wollte und will sie natürlich, dass mir der<lb/>
schwarze Peter bleibt. Die Kleinkraftwerke verlangen womöglich<lb/>
<pb n="45-1503" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-20_1503.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>in den einzelnen Ländern dann entsprechend hohe Preise. Die<lb/>
Elektrizitätsversorgungsunternehmer sind nicht bereit sie zu geben<lb/>
und man einigt sich sofort, der Handelsminister in Wien soll dies<lb/>
entscheiden. So einfach kann und will ich<add>[es]</add> den Landeshauptleuten,<lb/>
die gleichzeitig Präsidenten der Landesgesellschaften sind, nicht<lb/>
machen. Ich habe daher sehr zum Unwillen von MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> gleich in<lb/>
offener Sitzung erklärt, die Delegierung kommt auf alle Fälle,<lb/>
wie immer der Kompromiss zwischen den Interessensvertretungen<lb/>
ausfällt. Unerklärlich für mich war auch die Stellungnahme der Han<lb break="no"/>delskammer, die sich ganz entschieden gegen einen Verwendungsauftrag<lb/>
der Erlöse für Investitionen und Instandhaltung ausgesprochen hat.<lb/>
Bei den EVUs ist es selbstverständlich, dass bei den Preisfestsetzun<lb break="no"/>gen auf diese Investitionsverpflichtung hingewiesen und in den Be<lb break="no"/>scheid aufgenommen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> soll dies alles im Erledigungsakt<lb/>
ausdrücklich festhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_09">In der Sektionsleitersitzung wurde von den Sektionschefs die<lb/>
neue Ministerbüro-Geschäftseinteilung als optimal bezeichnet und<lb/>
von allen Sektionschefs ausdrücklich als solche bezeichnet und<lb/>
zugestimmt. Ich legte besonderen Wert darauf, jeden einzelnen zu<lb/>
fragen, ob er irgend eine andere Einteilung will, damit in Hinkunft<lb/>
wirklich zwischen den einzelnen Sektionschefs und meinen Kollegen<lb/>
aus dem Büro ein gutes Einvernehmen gesichert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_10">Zu der Arbeitsgruppe betriebliches Vorschlagwesen, zwei Dienstgeber,<lb/>
zwei Dienstnehmer, werden <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> und <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, als dessen Stellvertreter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117023">Pein</rs> bestimmt. Der Stellvertreter für <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> muss erst gefunden werden,<lb/>
denn sein Vorschlag, das mit SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> zu betreuen, befürchte<lb/>
ich, führt zu einer wirklichen Überlastung von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>. Mit den<lb/>
Dienstnehmern gibt es die Auseinandersetzung wegen des Dirimierungs<lb break="no"/>rechts des Ministers. Nach Auffassung von <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, aber auch von<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> muss daran festgehalten werden, weil dies<lb/>
sonst ein gefährliches Präjudiz wäre, auch für andere Entscheidungs<lb break="no"/>notwendigkeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_11"><rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> urgiert einige Personalfragen. Bei <rs type="person" ref="#per__117027">Griesshofer</rs> wurde<lb/>
die Trennungszulage weiterbezahlt, obwohl dies gesetzlich nicht<lb/>
mehr möglich ist. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> verlangt, weil er darin ein Verschulden<lb/>
der Personalabteilung sieht, dass man diese massregeln müsste.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__117025">Markwitz</rs> von der Personalabteilung hat wieder <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> vorgeschlagen,<lb/>
dass die Energiesektion masszuregeln ist, weil sie eine ungesetz<lb break="no"/>liche Massnahme gesetzt hat. <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> hat es hier wirklich nicht<lb/>
leicht ausgleichend zu wirken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_12">MR <rs type="person" ref="#per__114500">Fischer</rs> als Nachfolgerin von <rs type="person" ref="#per__114662">Bodenstein</rs> wurde einstimmig von<lb/>
der Kommission vorgeschlagen, genauso MR <rs type="person" ref="#per__108321">Rameder</rs> für die Nachfolge<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110035">Thun-Hohenstein</rs>. Diese Abteilung ist aber in nächster Zeit durch<lb/>
die Pensionierung von <rs type="person" ref="#per__117026">Schuster</rs> und auch vielleicht <rs type="person" ref="#per__117024">Miklas</rs> mit neuen<lb/>
jungen Leuten zu ergänzen. Aus dem Innenministerium hat sich ein<lb/>
Genosse gemeldet, der jetzt in diese Abteilung transferiert werden<lb/>
soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_13">Das Patentamt sucht Maschinenbauer und technische Physiker, da dort<lb/>
in der nächsten Zeit 3 in Pension gehen, die zu ersetzen sind. Un<lb break="no"/>wahrscheinlich, dass wir so grosse Schwierigkeiten haben gute Leute<lb/>
von uns zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_14">Bei Inlandsdienstreisen wurde der Budgetansatz von 902.000 Schilling<lb/>
bereits am 30.11. mit 1,087.000.– Schilling überschritten. Hier gibt<lb/>
es ein Virement, ohne dass das Finanzministerium zustimmen muss.<lb/>
Der Rechnungshof wird<add>[mit]</add> uns sicherlich aber dann früher oder später<lb/>
einmal darüber heftigst kritisieren. Bei Auslandsdienstreisen haben<lb/>
wir mit 1,980.000 Schilling Budgetansatz nicht einmal mit 1,395.000<lb/>
Schilling auch mit Jahresende mehr als einen Polster. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der<lb/>
sich immer gegen die Auslandsreisen ausspricht, wird mit diesem Er<lb break="no"/>gebnis sehr zufrieden sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Lass einmal seit 1970 die Budgetansätze und<lb/>
den Verbrauch zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_16">Die Repräsentationskosten mit 440.000.– sind mit Ende November mit<lb/>
366.000 belastet. Der Rest von 9.500, verlange ich, muss unbedingt<lb/>
ausgegeben werden. Ich möchte nicht haben, dass es dann in den Zei<lb break="no"/>tungen wieder heisst, der einzige, der spart, ist der Handelsminister.<lb/>
Dies ist gegenüber den anderen sehr unfair, weil ich ja die grosse<lb/>
Möglichkeit der Ausgaben von ausländischen Ministereinladungen der<lb/>
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er mit <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> vereinbart hat, durch die zu erwartenden Preiserhöhun<lb break="no"/>gen für Repräsentationsgeschenke im nächsten Jahr müssen diese noch<lb/>
heuer angeschafft werden. Ich hoffe, dass sie nicht einen richtigen<lb/>
Ramsch wieder zusammenkaufen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Lass bitte genau über alles Buch führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_18">Die Überstundenmehrleistungen werden mit 11,722.000 Budgetansatz,<lb/>
Ende November 10,401.000 Schilling mit Jahresende verbraucht, aber<lb/>
nicht überschritten sein. Darüber bin ich sehr froh. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
beschwert sich, dass für die Herausgeber des Taschenbuches der<lb/>
Energiestatistik zu geringe Belohnungen gezahlt werden. <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> er<lb break="no"/>klärt ihm, dass er dafür eben keine höheren Budgetansätze hat.<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> ist der einzig Vernünftige seit l973, der die Belohnungen,<lb/>
eben wenn jemand nicht extra Ordinäres macht oder leistet kürzt,<lb/>
um den Leuten dann, die tatsächlich eine Belohnung bekommen sollen,<lb/>
mehr geben zu können. Leider hat sich ja eingebürgert, dass die<lb/>
Belohnungen, einmal gegeben, sozusagen ein Gehaltsbestandteil wird und<lb/>
damit Jahr für Jahr zumindestens um denselben Betrag gegeben werden<lb/>
müsste. Ich halte den Weg <rs type="person" ref="#per__97584">Jagodas</rs> als den einzig richtigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_19">Der Rechnungshofbericht kann nicht innerhalb 3 Monaten beant<lb break="no"/>wortet werden, weil <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> als Koordinator auf dem Standpunkt<lb/>
steht, in der Regierungsvorbesprechung wurde auch eine Teilbeant<lb break="no"/>wortung als nicht zweckmässig bezeichnet. Ich halte diesen Vor<lb break="no"/>gang für falsch, denn wir werden dann mit den unbeantworteten Rech<lb break="no"/>nungshofbericht in den Zeitungen verrissen werden. Niemand hält<lb/>
sich nämlich an den vertraulichen Charakter. Für alle Minister offen<lb/>
ist das Problem der Arbeitsleihverträge, der Präsidialzulagen und<lb/>
der Repräsentationskosten. Bezüglich der Kritik, dass die SChefs<lb/>
abgeholt werden, werden einzeln die Sektionschefs dazu Stellung<lb/>
nehmen. Typisch für den Rechnungshof war, dass er z.B. Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs><lb/>
kritisiert, dass zum Mittagessen ständige Fahrten von ihm getätigt<lb/>
werden. In Wirklichkeit, erklärt <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs>, ist er niemals zum Mittag<lb break="no"/>essen nach Hause gefahren. Weder er, noch der Chauffeur wurde ge<lb break="no"/>fragt und auch niemals im Fahrtenbuch nachgesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_20">Für die Regierungsklausur wird festgelegt, was die einzelnen Sektionen<lb/>
an Unterlagenmaterial vorbereiten sollen. Das Büro wird bis 6. Jänner<lb/>
die Zusammenstellung besorgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte mich in Reisseck dann ständig telefo<lb break="no"/>nisch am laufenden halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_22"><rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> beschwert sich, dass in der Sektion III und V die parla<lb break="no"/>mentarischen Anfragen so spät bearbeitet werden, dass er kaum<lb/>
dann noch die Möglichkeit hat, mit anderen zu koordinieren. Die<lb/>
SChefs versprechen Abhilfe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_23"><rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> berichtet, dass der chinesische Botschafter bei ihm vorge<lb break="no"/>sprochen hat und alle offenen Fragen wegen Diskriminierung usw.<lb/>
ausgeräumt wurden. Überraschend war, dass sich China jetzt als<lb/>
Entwicklungsland bezeichnet, um die 50%ige Zollermässigung und die<lb/>
Zollfreiheit für handwerklich erzeugte Waren zu bekommen. Bei Tex<lb break="no"/>tilien ist die Zollermässigung nur 35%, aber gerade für die Billigst<lb break="no"/>einfuhren ein äusserst kritischer Punkt. Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> mir zu<lb break="no"/>sammenzustellen, wann diese Selbsteinschränkung in Österreich be<lb break="no"/>schlossen wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass Dir bitte die genaue Aufstellung geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_25"><rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> möchte eine Neuordnung der Gemischten Kommissionen. In Polen<lb/>
konnte 1978 eine abgesagt werden und auch in Ungarn ist man jetzt<lb/>
bereit, den Zustand zu ändern. Darüber bin ich sehr froh, denn ich<lb/>
halte die Gemischten Kommissionen für wirkungslos. Mit Recht kriti<lb break="no"/>siert <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> allerdings, dass wir uns im Handelsministerium einschränken,<lb/>
während im Aussenamt Legationssekretäre von uns Unterlagen verlangen,<lb/>
um dann grosse Berichte zu schreiben und womöglich mehr Kommission<lb/>
zu machen. Ich werde darüber mit <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_26">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass eine Zusammenstellung machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_27">Die Sektion II wird den Tätigkeitsbericht in einer Pressekonferenz<lb/>
vorstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_28">Dringend wäre, dass ich einmal nach Brüssel reise, um die Argu<lb break="no"/>mentation der Bauern, ich hätte mich nicht um die EG gekümmert,<lb/>
entkräften zu können. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wieder verlangt, dass ich am 6. und 7.<lb/>
April nach Paris zur Ministerkonferenz der IEA über die Kohlen<lb break="no"/>verwendung reise. Im Hinblick auf die Frühjahrswahlen weiss ich<lb/>
nicht, ob ich diesen Termin einhalten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_29">Ob Gebäudeverwaltung das Staatswappen verliehen werden soll, wird<lb/>
genau noch von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagodas</rs> Abteilung studiert. Grundsätzlich besteht keine<lb/>
Ausschlussmöglichkeit. Die Voraussetzung aber, die im Gesetz statuiert<lb/>
ist, wird ein Gebäudeverwalter schwer erbringen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_30">Ein 10-jähriges Fremdenverkehrsprogramm wird jetzt ausgearbeitet.<lb/>
Die Gewerbeenquete wird im April gehalten. Das Frühwarnsystem des<lb/>
Sozialministeriums wird positiv beurteilt. Die Handelsministerium-<lb/>
Frühwarnsysteme Industrieproduktion werden funktionieren. Die<lb/>
Idee, wenn der Export sich um 30% ändert, ein solches für die<lb/>
einzelnen Länder und Positionen einzuführen, hat bis jetzt keinen<lb/>
Erfolg. <rs type="person" ref="#per__113619">Pschorn</rs> erklärt, dies sei unmöglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_31">Die OECD guidelines, die die Handelskammer für Multis ablehnt,<lb/>
werden jetzt von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> in Einzelbesprechungen durchgeführt.<lb/>
Unilever hat sich sehr kontaktfreudig gezeigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_32">Die Industriellenvereinigung verlangt eine Vereinheitlichung von<lb/>
technischen Vorschriften, z.B. den Bauordnungen. Die Hauptschwie<lb break="no"/>rigkeit ist, dass es kaum gelingen wird, dies zu erreichen, die ein<lb break="no"/>zige Möglichkeit des Artikels 15 a unserer Bundesverfassung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_33">Die Geschäftseinteilung der Obersten Bergbehörde wird jetzt nach<lb/>
dem <rs type="person" ref="#per__112190">Mock</rs>-Vorschlag vorgenommen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> verlangte etliche Abteilungen<lb/>
und Referate, die unmöglich sind. Zuletzt begnügte er sich mit<lb/>
Unterschriftsberechtigungen. Ein diesbezüglicher Antrag von ihm<lb/>
wird an das Präsidium gestellt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_34">Für die Reorganisation der Berghauptmannschaften werden <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> mit einem Brief aufgefordert entsprechende Vorschläge zu<lb/>
erstatten. Nachdem der Berghauptmann von Tirol, <rs type="person" ref="#per__117029">Merlin</rs>, in Pension<lb/>
geht, wird Dr. jur. <rs type="person" ref="#per__117028">Mernik</rs> mit der prov. Leitung betraut.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_35">Der Energieplan wird spätestens Anfang des nächsten Jahres vorliegen.<lb/>
Nach Meinung <rs type="person" ref="#per__107937">Franks</rs> sollte er unbedingt als ein Bericht an den Natio<lb break="no"/>nalrat gesendet werden. Das Rohstoffkonzept wird durch die Wirt<lb break="no"/>schaftsforschungsunterlagen schön langsam gestaltet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_36">Die ökonomische Konferenz, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, Energie, <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, Fremdenverkehr,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs>, Preise, wird von uns einberufen und die Sektionschef sind<lb/>
damit sehr einverstanden. Über die sozialdemokratische Marktwirtschaft<lb/>
wird jetzt in den einzelnen Sektionen von den jungen Genossen<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> im Renner-Institut ein Wochenendseminar gehalten. <rs type="person" ref="#per__98087">Wir<lb break="no"/>landner</rs> wird sich zur Verfügung stellen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> verlangt, dass man<lb/>
auch <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> als den in der Gemeinwirtschaft geschaffenen Vor<lb break="no"/>sitzenden des wissenschaftlichen Beirates, der sich auch mit<lb/>
Wirtschaftsproblemen beschäftigt, herangezogen wird. Das Mittel<lb break="no"/>standsgesetz der Handelskammer wird von <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> materiell mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und legistisch von <rs type="person" ref="#per__112956">Schwarz</rs> geprüft werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_37">Bei der Staatswappenüberreichung an die Firma Riedl kommt ein<lb/>
ganzer Schwung von Leuten, die <rs type="person" ref="#per__117030">Riedl</rs> gratulieren wollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_38">Bei der Überreichung des Mobil-Förderungspreises für Journalistik<lb/>
an den Magister <rs type="person" ref="#per__117031">Frauscher</rs>, ZIB 1, ist der halbe ORF von <rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs> ab<lb break="no"/>wärts angekündigt, die Juroren und wer weiss Gott nicht noch<lb/>
aller und kommen tut fast niemand. Für mich ist es ein typisches<lb/>
Zeichen, dass ausschliesslich die Stellung des Ausgezeichneten<lb/>
auch für das Interesse der anderen massgebend ist. Braucht man den<lb/>
Ausgezeichneten, dann rennt man ihm nach, braucht man den Ausgezeich<lb break="no"/>neten nicht, dann lässt man ihn links liegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_39">In der Paritätischen Kommission hatte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der ein längeres<lb/>
Telefongespräch, wie sein Sekretär mir sagte, hat, mich ersucht, ich<lb/>
sollte einstweilen die Sitzung beginnen. Bis sein Telefongespräch zu<lb/>
Ende war, war die Sitzung aber schon längst, von mir aus geleitet,<lb/>
auch zu Ende. Bei den Lohnfreigaben entspannte sich wieder die alte<lb/>
Diskussion, wie weit die Paritätische Kommission den Kollektivvertrags<lb break="no"/>partnern Empfehlungen geben kann und soll. Der Mässigungsappell der<lb/>
Handelskammer wurde auch von Gewerkschaftsseite akzeptiert. Der Hin<lb break="no"/>weis, das 12-Monate-Intervall zu halten, sind nur einseitig von der<lb/>
Handelskammer im Protokoll einzuverleiben. Ganz entschieden hat<lb/>
sich <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> dagegen ausgesprochen, dass man womöglich gesetzliche Be<lb break="no"/><pb n="45-1509" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-20_1509.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>stimmungen immer neuerdings erwähnt, wie z.B. die Bauarbeiter<lb break="no"/>urlaubskasse. Änderungen dort seien ausschliesslich den Kollek<lb break="no"/>tivvertragspartnern vorbehalten. Hier bräuchte man sich und<lb/>
dürfte sich nicht einmischen. Bezüglich Preise wurde nur<lb/>
die Preissenkung einiger EDV-Maschinen und Kaufpreis sowie Miet<lb break="no"/>sätze zur Kenntnis genommen, die Tarife für die Kraftfahrschulen<lb/>
den Unterausschuss zurückverwiesen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_40">Die AEZ-Diskussion, die ich ja immer, womöglich nicht zu Wahlen,<lb/>
sondern nach den Wahlen wieder durchführte, war überraschender<lb/>
Weise weniger von den Preisen oder sonstigen Konsumenteninteressen<lb/>
beherrscht, sondern von der Frage, was jetzt mit dem Atomkraftwerk<lb/>
geschieht. Aus der Diskussion glaube ich doch entnehmen zu können,<lb/>
dass sich ein gewisser Wandel kenntlich macht, brauchen wir nicht<lb/>
doch den Strom und was geschieht jetzt mit den 7.5 Mia Investitionen.<lb/>
Ein Urteil möchte ich aber deshalb nicht abgeben, weil sich durch<lb/>
reinen Zufall, aber nicht typisch, vielleicht gerade mehr Pro-<lb/>
Zwentendorf-Abstimmer zum Wort gemeldet haben. Übrigens hat es da<lb/>
natürlich wieder Kontra-Stimmen gegeben. Ich bin sehr gespannt,<lb/>
wie die nächsten Meinungsumfragen diesbezüglich lauten werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-20_41">Traditionsgemäss lädt die Landstrasse die Wiener Sekretäre zu einer<lb/>
Weihnachtsfeier ein. Unsere Sekretärin <rs type="person" ref="#per__112037">Tischler</rs> ist für ihre gute<lb/>
Küche, insbesondere Mehlspeisen bekannt. Nach einer launigen<lb/>
Ansprache von mir, mit Gags, sollte ich als erstes reden, weil ich<lb/>
Minister bin und <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> nur ein Landeshauptmann, wie das Protokoll<lb/>
verlangt, oder ich mich doch lieber als kleiner Bezirksobmann und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> als grosser Landesobmann, hat dann <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> in seiner Ansprache<lb/>
doch auf die politische Situation verwiesen. Seiner Meinung nach wird<lb/>
es<add>[eine]</add> Frühjahrswahl geben, die wirtschaftliche Situation in Österreich<lb/>
ist günstig, wesentlich günstiger als in sonstigen Staaten in West<lb break="no"/>europa. Getrübt wird das Ganze aber durch die Personaldiskussion<lb/>
innerhalb unserer Partei. Auch die Entscheidung im ORF, wo der von<lb/>
ihm protegierte <rs type="person" ref="#per__116209">Zilk</rs> nicht durchgegangen ist, wirkt bis in die<lb/>
einzelnen Bezirke. Unsere Vertrauensleute können nicht verstehen,<lb/>
dass eine sozialistische Fraktion so wenig Disziplin hält. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
meinte mir gegenüber mit Recht, wir sollten überhaupt die dortige<lb/>
sozialistische Fraktion auflösen, wenn ein solcher Sauhaufen existiert,<lb/>
dann haben die fast nicht das Recht sich als sozialistische Fraktion<lb/>
zu bezeichnen. Im Kuratorium handelt jeder so, wie er will, dann soll<lb/>
<pb n="45-1510" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-20_1510.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>es auch eine Kuratoriumsfraktion sein, die sich aber nicht<lb/>
als sozialistisch bezeichnen dürfte. Auch die Frage der offenen<lb/>
Partei wurde freimütigst kritisiert. Diese ursprüngliche <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>-<lb/>
Idee hat auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Ganz im<lb/>
Gegenteil. In den einzelnen Parteiorganisationen wird mit Recht<lb/>
gefragt, warum man dann eigentlich Mitglied einer Partei sein soll,<lb/>
wenn man sozusagen auch ohne, ja vielleicht sogar, weil man nicht<lb/>
Parteimitglied ist, wesentlich grössere Chancen der Mitsprache und<lb/>
letzten Endes auch der Übertragung von Verantwortung und damit<lb/>
auch von Geschäften und Posten bekommen kann. Die Stimmung ist,<lb/>
wie ich feststellen konnte, gerade nicht sehr rosig. Ob dies die<lb/>
richtige Ausgangslage für einen siegreichen Wahlkampf sein kann<lb/>
und ist, wird sich zeigen. Ich glaube nicht!<lb/>
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               <occupation>Ministerialrat Handelsministerium</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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