<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19781219.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19781218.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19781220.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Dienstag, der 19. Dezember 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band45_1978-12-19</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1978-12-19">Dienstag, 19. Dezember 1978</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2017-07-18">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="45-1495" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1495.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_01">Dienstag, 19. Dezember 1978<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_02">Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, Bundeshandelskammer, GD <rs type="person" ref="#per__114404">Ebeling</rs>, Mobil, und<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__117032">Schachinger</rs>, RAG, überreichen mir die Vereinbarung über die<lb/>
Gasabnahme und Refaktie von insgesamt 50 Mio Schilling, die sie ihren<lb/>
Abnehmern gewähren. Nachmittag in der Fraktion bestätigt mir der<lb/>
Oberösterreichische Arbeiterkammervizepräsident <rs type="person" ref="#per__112114">Freyschlag</rs> eben<lb break="no"/>falls noch einmal diese, wie er sagt, günstige Vereinbarung. Das<lb/>
wirkliche Problem ist die mengenmässige Versorgung von Chemie-Linz<lb/>
und hier weiss niemand einen Ausweg.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_03">Im Ministerrat erwähnt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> den Bericht der Reaktorsicherheits<lb break="no"/>konferenz, die weiterbestehen will, Dokumentation sammeln und alles<lb/>
aktivieren wird, wie er richtig sagt, damit es im Protokoll des Mini<lb break="no"/>sterrates aufscheint. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> als Vizekanzler wünscht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> alles<lb/>
Gute, insbesondere, damit sein Auge bald gesund wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dankt<lb/>
für die gute Zusammenarbeit und bemerkt, wenn man in der Politik ist,<lb/>
muss man eigene Gefühls- und Gemütskategorien entwickeln, denn dort<lb/>
herrscht härtere und ständigere Kritik als wie in allen übrigen Jobs,<lb/>
für die Tätigkeit gibt es keine objektiven Kriterien und jeder beur<lb break="no"/>teilt subjektiv diese verantwortungsvolle – fast hätte er sicherlich<lb/>
sagen wollen – gedacht wird er es sich es haben – undankbare Arbeit.<lb/>
Er erwähnt die Erfolge der Wirtschaftspolitik und meint auch, die Nie<lb break="no"/>derlage der Volksabstimmung war gut, denn die Jugend hat erkannt, dass<lb/>
sie durch die sozialistische Regierung dazu aufgerufen wurde, was<lb/>
sie jetzt dankend anerkennt. Bezüglich seiner Auskunft bei der Presse<lb break="no"/>konferenz über den Wahltermin meinte er, es sollte nicht mit einer Un<lb break="no"/>wahrheit begonnen werden. Die Landeshauptleute sprechen seit zwei<lb/>
Jahren davon und jonglieren ihre Landtagswahlen hin und her. Damit es<lb/>
nicht wieder heisst, er sei zu dieser Diskussion gedrängt worden, habe<lb/>
er eben erwähnt, dass er es war, der in der Partei die Frage aufge<lb break="no"/>worfen hat, man würde im Jänner und Feber weitere Gespräche darüber<lb/>
führen. Seiner Meinung nach wird 1979 objektive Voraussetzungen noch<lb/>
schwieriger werden als 1978. Hier irrt er meiner Meinung nach, denn<lb/>
nach allen Prognosen der Wirtschaftsforscher müsste das Jahr 1979 wirt<lb break="no"/>schaftlich wesentlich besser laufen als 1978.<lb/>
</p>
            <pb n="45-1496" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1496.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_04">Direktor <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> von den Donaukraftwerken berichtet mir über<lb/>
die Vereinbarung mit der Elin über die Folgekosten der Maschinen<lb break="no"/>schäden in Altenwörth. Die Elin wäre nur zur 100%igen Abdeckung<lb/>
verpflichtet, wenn sie grob fahrlässig gehandelt hätte. Einen sol<lb break="no"/>chen Prozess wollte die DoKW nicht führen, denn das hätte für die<lb/>
Elin einen furchtbaren Schaden im Auslandsgeschäft bedeutet. Da die<lb/>
Raten für die siebente und achte Maschine, 105 Mio Schilling, gesperrt<lb/>
sind, ergibt sich daraus eine Zinsersparnis von 54 Mio Schilling.<lb/>
Darüber hinaus wird Elin im Anhängevertrag für Melk und Greifenstein<lb/>
jeweils 5% Nachlass geben, wodurch 30 Mio Schilling wertgesichert<lb/>
eingesetzt werden können. Insgesamt ergibt sich dadurch rund eine<lb/>
85 Mio Schilling Kostenersparnis gegen 126 Mio Schilling Verlust<lb/>
die Wasser über Wehr gelaufen ist nach dem Verbundtarif und nach<lb/>
dem im Verbund sonst zu erzielenden Poolgewinn. Die Elin wird da<lb break="no"/>rüber hinaus einen Aufwand von ca 180 Mio Schilling nach ihren Anga<lb break="no"/>ben haben, da sie 6 Maschinen vollkommen erneuern muss, für die<lb/>
restlichen 3 wird dann, wenn diese klaglos nach den bisherigen Repara<lb break="no"/>turprinzip arbeiten, zu verhandeln sein, obwohl diese dann neu<lb/>
gemacht werden müssten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_05">Die Österr.-Bayr. Kraftwerke haben grosse Schwierigkeiten, die untere<lb/>
Salzach auszubauen. <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> glaubt, es würde eher möglich sein, unter<lb break="no"/>halb<add>[von]</add> Kufstein den Inn mit einer Kraftwerksstufe noch einzustauen,<lb/>
wodurch 60 Megawatt ein gemeinsames Kraftwerk mit Deutschland ent<lb break="no"/>stehen könnte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_06">Die DoKJ würde das Speicherkraftwerk Jochenstein-Riedl, obwohl es<lb/>
auf deutschem Boden liegt, aber das Wasser von der Donau natürlich<lb/>
zu Pumpzwecken braucht, ebenfalls ein gemeinsames Kraftwerk errich<lb break="no"/>ten. Die Deutschen haben akzeptiert.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_07">Die Tschechen und Ungarn werden voraussichtlich ein so grosses Donau<lb break="no"/>kraftwerk unterhalb der österreichischen Grenze bauen, dass der Rück<lb break="no"/>stau bis in den Raum Hainburg erfolgen wird. Dadurch kann das Ge<lb break="no"/>meinschaftskraftwerk Österreich-CSSR bei Wolfsburg entfallen und wird<lb/>
in Hainburg ein rein österreichisches gebaut werden. Dadurch ergibt<lb/>
sich wieder ein Rückstau der Donau bis oberhalb der Praterbrücke in<lb/>
Wien, wodurch ein Donaukraftwerk erspart werden kann. Dies bedeutet nicht<lb/>
nur eine Kostenersparnis für die DoKW, sondern auch für die Schiffahrt<lb/>
<pb n="45-1497" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1497.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jeweils eine Fahrtverkürzung um 1 Stunde, weil eine Schleuse weniger<lb/>
passiert werden muss. Das Wiener Kraftwerk wird jetzt errechnet und<lb/>
dann mit der Gemeinde Wien im einzelnen abbesprochen. Nach Greifen<lb break="no"/>stein, welches nach Melk jetzt bereits projektiert wird, bleibt<lb/>
dann nur noch das Kraftwerk in der Wachau. Dort möchte <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> noch<lb/>
nicht endgültig entscheiden, ob Willendorf oder Rührsdorf oder irgend<lb break="no"/>ein Kraftwerk dazwischen kommt, denn die Computerberechnungen werden<lb/>
erst in ein paar Wochen fertig sein.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_08">Vor dieser sachlichen Aussprache habe ich <rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> gefragt, wieso<lb/>
er mit dem Betriebsrat NR <rs type="person" ref="#per__112931">Köck</rs> ein so schlechtes Verhältnis hat.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114580">Kobilka</rs> hat mir glaubhaft nachgewiesen, dass diese persönlichen<lb/>
Spannungen seiner Meinung nach ausschliesslich auf Fehlverhalten<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__112931">Köck</rs> zurückgehen. Er möchte unbedingt seine Theorie durchsetzen,<lb/>
hat angeblich grosse Schwierigkeiten mit seinen Betriebsratsmitgliedern<lb/>
und hat ganz besonders in der letzten Fraktionssitzung des Aufsichts<lb break="no"/>rates mit der Geschäftseinteilungsänderung sich endgültig mit fast<lb/>
allen zerstritten. Richtig ist, dass <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> mit Eselsgeduld ver<lb break="no"/>suchte die Situation zu retten, was ihm dann auch im letzten Moment<lb/>
geglückt ist. Auch hier ist die persönliche Aversion der beiden wahr<lb break="no"/>scheinlich auch durch objektiv unglückliche Verhandlungsführung und<lb/>
Sachauseinandersetzung die tiefere Ursache dieses jetzt schon schein<lb break="no"/>bar jahrelang dauernden Streites, den sicherlich weder ich noch <rs type="person" ref="#per__97333">Band<lb break="no"/>hauer</rs> beilegen können.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_09">Die Firma Simacek Gebäudereinigung beschäftigt 700, ist der<lb/>
zweitgrösste österreichische Betrieb und erhielt daher zu Recht das<lb/>
Dekret zur Führung des Staatswappens. Bei dieser Gelegenheit be<lb break="no"/>klagten die Besitzer, aber auch die leitenden Mitarbeiter, dass in<lb/>
der Gewerbeordnung der handwerkmässige Status abgeschafft wurde.<lb/>
Ihrer Meinung nach müsste man bei der nächsten Gewerbenovelle diese<lb/>
Fehlentscheidung rückgängig machen. Ich erinnere mich noch, dass<lb/>
dies der typische angebliche Beruf ist, von den man sagt, im ersten<lb/>
Jahr lernt der Lehrling das Wasser, im zweiten Jahr den Schwamm und<lb/>
im dritten Jahr, wie man Fenster putzt. Ich gebe schon zu, dass man<lb/>
einige chemische Kenntnisse braucht, doch trifft dies sicherlich<lb/>
nicht für den Gebäudereinigungsarbeiter zu, sondern höchstens für<lb/>
den Chef oder seinen Manager. Was in dieser Branche nur geschehen<lb/>
ist, war, daß nach der Abschaffung der handwerklichen Ausbildung<lb/>
<pb n="45-1498" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1498.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>viele kleinere Unternehmer sich auf diese Sparte gestürzt haben,<lb/>
die Preise wurden damit zusammengeschlagen und haben sich jetzt<lb/>
auf einem wesentlich tieferen Niveau stabilisiert, als dies früher<lb/>
der Fall war. Wenn man aber berücksichtigt, dass z.B. jetzt für<lb/>
die UNO-City ausländische Firmen die Gebäudereinigung um weniger<lb/>
als 1/3 angeboten haben, so zeigt sich, dass der harte Konkurrenz<lb break="no"/>kampf nicht zwischen den kleinen, neu kommenden und den alteinge<lb break="no"/>sessenen grossen Firmen, sondern selbst auch zwischen den grossen<lb/>
Firmen hart geführt wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Lass bitte prüfen, wieweit man der österreichi<lb break="no"/>schen Firma bei der Reinigung der UNO-City helfen kann.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_11">Beim Klub der ausländischen Handelsräte referierte ich über die wirt<lb break="no"/>schaftliche Situation. Da das Donaueuropäische Institut eingeladen<lb/>
hatte, war auch Vizekanzler a.D. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> als Obmann anwesend. Er orga<lb break="no"/>nisiert diese Handelsrätebesprechungen. Interessant für mich war<lb/>
sein Diskussionsbeitrag, wo er feststellte, dass sich meine Schilderung<lb/>
der wirtschaftlichen Lage und auch des Ausblickes für das nächste<lb/>
vollkommen deckt mit der Meinung des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> von der OeNB.<lb/>
Ich erwiderte dann sofort, dies ist darauf zurückzuführen, dass wir<lb/>
gemeinsam studierten und sicherlich auch in den meisten dieselbe<lb/>
die wirtschaftliche Auffassung gehabt haben, auch als <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> Obmann<lb/>
des ÖVP-Klubs im Parlament gewesen ist. Für mich war es nämlich gar<lb/>
kein Zweifel, dass er nur wesentlich anders reagierte, solange er<lb/>
politisch durch die Oppositionsrolle gezwungen war. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> wollte so<lb break="no"/>wohl <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> als auch mich überzeugen, dass er bei der neuen europäi<lb break="no"/>schen Währung, wenn dann der endgültige Tageskurs festgesetzt werden<lb/>
soll, mit denen Österreich entweder beitritt – wie <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> will – oder<lb/>
so wie <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> und auch wahrscheinlich die Regierung entscheiden wird,<lb/>
so "als ob" sich verhalten wird, der Schilling-Kurs um einige %-Punkte<lb/>
tiefer festgesetzt werden soll. <rs type="person" ref="#per__97358">Bock</rs> musste zugeben, dass wir auch im<lb/>
heurigen Jahr ca 3% den Schilling gegenüber der DM abgewertet haben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_12">In die Fraktion des ÖGB kam ich wegen der Diskussion mit den Handels<lb break="no"/>räten zu spät und hörte nur noch das Schlusswort von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>. In<lb/>
seinem Referat hat er auch auf das Problem des Neuwahl-Termines<lb/>
hingewiesen und meinte, da im Sommer kein Parlament zusammentritt,<lb/>
sei dies ein wehrloser Sommer. Damit, glaube ich, wollte er klar<lb/>
und deutlich sagen, dass die Auseinandersetzungen im Frühjahr erfolgen<lb/>
<pb n="45-1499" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1499.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>und damit auch im Frühjahr die Wahlen stattfinden sollen. Nach<lb/>
meinem Dafürhalten verdichtet sich nach der <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky'schen</rs> Methode<lb/>
von Besprechung zu Besprechung auch bei ihm der Wille, doch früher<lb/>
Wahlen abzuhalten als am ersten Sonntag im Oktober. Der Vorsitzende<lb/>
der Fraktion, <rs type="person" ref="#per__111741">Sekanina</rs>, wünschte auch ihm alles Gute, insbesondere<lb/>
bezüglich seines Augenleidens. Dies desorientiert <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sichtlich.<lb/>
Er kann nicht so viel lesen, wie er bisher gewohnt war und gerne<lb/>
möchte, kann auch seinen gewohnten Winterurlaub nicht in Lech<lb/>
verbringen, sondern muss zur Behandlung in der Nähe Wiens bleiben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_13">Im Präsidium der SPÖ auf der Landstrasse herrscht jetzt eine ganz<lb/>
neue Arbeitsmethode, um die Bezirksarbeit auf eine breitere Basis<lb/>
zu stellen und die Entscheidung nicht ausschliesslich dem Bezirks<lb break="no"/>vorsteher zu überlassen, wird jetzt im Präsidium, d.h. in einem<lb/>
Kreis von ungefähr einem halben Dutzend von Verantwortlichen jede<lb/>
einzelne Frage genau durchdiskutiert. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat im wahrsten Sinne<lb/>
des Wortes eine Demokratisierung dieser Institution eingeleitet<lb/>
und durchgesetzt. Da er diese Detailarbeit führt, bin ich davon über<lb break="no"/>haupt nicht belastet, die neue Bezirksvertretung, die fraktionell<lb/>
jetzt auf wesentlich breiterer Basis arbeitet – es werden ins Präsidium<lb/>
der Fraktionsführer, sein Stellvertreter, der stv. Bezirksvor<lb break="no"/>steher und die Gemeinderäte geladen – ergibt sich wirklich eine<lb/>
breite Basis für alle Bezirksentscheidungen. Ich hoffe nur, dass<lb/>
nicht dann jedes einzelne Problem immer wieder zerredet wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_14">Die Weihnachtsfeier mit dem Ausblick verband ich natürlich gleich<lb/>
mit einem Bericht über Wahltermin, Meinungsumfrage und unsere<lb/>
zukünftige Arbeit. Da wir finanziell im Bezirk momentan sehr schlecht<lb/>
dastehen, hat die Bezirksratsfraktion 12.000 S Wahlkampf gespendet,<lb/>
die sie mir übergeben haben. Ich war wirklich darüber sehr über<lb break="no"/>rascht.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_15">Spät abends ist dann Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> von der Verbund ganz verzweifelt<lb/>
zu mir gekommen, um über die weitere Vorgangsweise zu reden. Er meinte,<lb/>
man müsse jetzt sich endgültig entscheiden, ob die Verbundgesell<lb break="no"/>schaft und damit auch die Landesgesellschaften ihren Verlust<lb/>
beim Kernkraftwerk Zwentendorf auf die nächsten 10 Jahre aufteilen<lb/>
können. Eine diesbezügliche Aussprache zwischen ihm und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
verlief negativ. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte, das Kernkraftwerk geht sowieso<lb/>
sehr bald in Betrieb und er sieht keine Veranlassung, einen Gesetz<lb break="no"/>entwurf im Parlament wegen Aufteilung der Verluste auf 10 Jahre<lb/>
einzubringen.<lb/>
</p>
            <pb n="45-1500" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_16"><rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> war verzweifelt, weil er nicht weiss, warum eine<lb/>
solche Entscheidung in der SPÖ-Spitze gefallen ist, die eigent<lb break="no"/>lich politisch nichts bringt und wirtschaftlich aber der Verbund<lb/>
und z.B. auch der KELAG ungeheuer schadet. Ich beruhigte <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs><lb/>
und meinte, wenn im Frühjahr Wahlen stattfinden, dann wird sicher<lb break="no"/>lich nichts mehr geschehen. Unmittelbar aber nach den Wahlen wird<lb/>
man dieses Problem im wahrsten Sinne des Wortes sehr bald anfassen<lb/>
müssen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubt, dass er mit einer harten Haltung auf diesem<lb/>
Gebiet die Landeshauptleute als Präsidenten der Aufsichtsräte ihrer<lb/>
Landesgesellschaften zu einem anderen Verhalten der ÖVP zwingen<lb/>
wird und kann. Dass er sich hier täuscht, wird er sehr bald ein<lb break="no"/>sehen. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> war natürlich auch verunsichert, ob er jetzt wirklich<lb/>
das kalorische Kraftwerk in Zwentendorf errichten soll, wenn nach<lb/>
Auffassung <rs type="person" ref="#per__97311">Androschs</rs> das Kernkraftwerk in kürzester Zeit in Be<lb break="no"/>trieb genommen wird. Ich bin zwar auch der Meinung, dass früher oder<lb/>
später wir das Kernkraftwerk in Betrieb nehmen werden, glaube aber<lb/>
nicht, dass dies in so absehbarer Zeit, nämlich ein paar Wochen<lb/>
nach den nächsten Wahlen geschehen kann und wird. Schon allein wegen<lb/>
der Beschäftigten in Tullnerfeld, vor allem aber, weil wir auf<lb/>
alle Fälle ein Reservekraftwerk brauchen, habe ich <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> zuge<lb break="no"/>sichert, zu ihm zu stehen, wenn der Beschluss jetzt wegen des<lb/>
kalorischen Kraftwerkes fällt. Jetzt wird es sicherlich keine Kritik<lb/>
deshalb geben. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese einsetzen<lb/>
wird, wenn dann dieses kalorische Kraftwerk im Bau ist und dann<lb/>
gleichzeitig während dieser Zeit das Kernkraftwerk in Betrieb gehen<lb/>
könnte. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> nur vorgeschlagen, da das kalorische<lb/>
Kraftwerk für Gas und Öl ausgelegt wird, doch prüfen zu lassen, wie<lb/>
gegebenenfalls, wenn diese Energieträger fehlen, auf Kohle umgebaut<lb/>
werden kann. Was für mich wichtig wäre, ist eine Unterlage, ob<lb/>
und wie lange ein solcher Umbau dauert, welche Kosten dadurch er<lb break="no"/>wachsen und wie sich die Kalkulation auf der Kohlebasis stellen<lb/>
würde. Hier müssen mehrere Varianten gerechnet werden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte veranlasse, dass diese Unterlagen<lb/>
vor der endgültigen Entscheidung vorliegen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-19_18"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="45_1494_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1494-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 19.12.1978</head>
         </div>
         <pb n="45_1494_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1494-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
         <pb n="45_1500_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <pb n="45_1500_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesordnung 144. Ministerratssitzung, 19.12.1978</head>
            <gap reason="sampling"/>
            <pb n="45_1500_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         </div>
         <pb n="45_1500_04" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500-04.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>Nachtrag TO Ministerratssitzung, 19.12.1978</head>
         </div>
         <pb n="45_1500_05" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-19_1500-05.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="other">
            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97358">
               <persName type="label">Bock, Fritz</persName>
               <persName><surname>Bock</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>ehem. ÖVP-Vizekanzler, Präs. Donaueurop. Institut, AR-Vors.
                  Leykam</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97647">
               <persName type="label">Koren, Stephan</persName>
               <persName><surname>Koren</surname><forename>Stephan</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114580">
               <persName type="label">Kobilka, Josef</persName>
               <persName><surname>Kobilka</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Dir. DoKW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112114">
               <persName type="label">Freyschlag, Fritz</persName>
               <persName><surname>Freyschlag</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>oö. AK-Vizepräsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111741">
               <persName type="label">Sekanina, Karl</persName>
               <persName><surname>Sekanina</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__109811">
               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__117032">
               <persName type="label">Schachinger, Johann</persName>
               <persName><surname>Schachinger</surname><forename>Johann</forename></persName>
               <occupation>Dir. RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97938">
               <persName type="label">Seidl, Rudolf Hans</persName>
               <persName><surname>Seidl</surname><forename>Rudolf Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__114404">
               <persName type="label">Ebeling, Friedrich</persName>
               <persName><surname>Ebeling</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>GD Mobil Österreich</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97333">
               <persName type="label">Bandhauer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Bandhauer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__107956">
               <persName type="label">Satzinger, Heinz</persName>
               <persName><surname>Satzinger</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112931">
               <persName type="label">Köck, Franz</persName>
               <persName><surname>Köck</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg., BRO DoKW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>