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            <title type="main">Donnerstag, der 14. Dezember 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_01">Donnerstag, 14. Dezember 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_02">Beim Kapital Handel in der Budgetverhandlung im Nationalrat<lb/>
den ganzen Tag auf der Regierungsbank sitzen ist auch ein<lb/>
wenig ermüdend. Da Handel gleichzeitig mit Finanzen behandelt<lb/>
und letzten Endes auch abgestimmt wird, ergab sich so wie im<lb/>
vergangenen Jahr diese lange Zeitdauer der Verhandlungen.<lb/>
Angefangen hat <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> als Hauptsprecher der ÖVP und hat sich<lb/>
selbstverständlich auch mit dem Handelsministerium beschäftigt.<lb/>
Die Angriffe richten sich aber – und das ist der Vorteil – bei<lb/>
der Verquickung mit Finanzen stets in der Hauptsache gegen den<lb/>
Finanzminister. So war es dann auch bei allen anderen Rednern.<lb/>
Interessant war es für mich dann nur, dass der Abg. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> von den<lb/>
Freiheitlichen für das Wort Fremdenverkehr die Bezeichnung Gast<lb break="no"/>wirtschaft setzen möchte. Er verpflichtete sich in Hinkunft wird<lb/>
er einen Schilling mir bezahlen, so oft er noch das Wort Fremden<lb break="no"/>verkehr verwendet. Während seines ganzen Beitrages ist ihm dies<lb/>
kein einziges Mal passiert. Richtig ist, dass ich selbst auch vor<lb/>
Jahren schon gegen das Wort Fremdenverkehr polemisiert habe. In<lb/>
der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung hatten wir sogar<lb/>
eine Studie ausgearbeitet und durch Umfragen feststellen wollen,<lb/>
welches bessere Wort ankommt. Wahrscheinlich gibt es gar kein<lb/>
anderes als das englische Tourismus, obwohl gerade Fremdwörter,<lb/>
wie ich immer sage, nicht das Ideal für einen deutschen Aus<lb break="no"/>druck sind. Dabei mache ich immer noch den Gag, dass bei Fremd<lb break="no"/>wörtern sowieso ein Glück ist, ob ich das richtige finde. Von<lb/>
der Aussprache möchte ich erst gar nicht reden. Das Wort Gast<lb break="no"/>wirtschaft würde sich sicherlich einbürgern, wenn es von allen<lb/>
Stellen systematisch verwendet wird. Ich fürchte aber, dass dies<lb/>
nicht der Fall sein wird. Bei dem viel jüngeren Begriff Fremd<lb break="no"/>arbeiter, der für die Jugoslawen, Türken und Griechen vor nicht all<lb break="no"/>zu langer Zeit geprägt wurde, als wir diese Arbeiter nach Öster<lb break="no"/>reich eingeladen hatten, wurde sehr bald der Begriff Gastarbeiter<lb/>
verwendet. Dieser ist jetzt so selbstverständlich – ich glaube, wir<lb/>
sollten auf alle Fälle in der Österreichischen Fremdenverkehrs<lb break="no"/><pb n="45-1472" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-14_1472.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>werbung neuerdings das Problem aufnehmen und nach einen besseren<lb/>
Begriff zumindestens suchen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte veranlasse das Entsprechende.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_04">Attackiert wurde ich eigentlich bei den vielen Diskussionsrednern<lb/>
nur von Abg. <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs>. Dieser hat seit eh und je als Agrarvertreter<lb/>
immer kritische Bemerkungen zum Handelskapitel gemacht. Diesmal<lb/>
aber glaubte er, mir die alten Vorwürfe ganz besonders hart<lb/>
präsentieren zu müssen. Der erste und formell richtige war, dass<lb/>
ich mich viel zu wenig in Brüssel umsehe. Nach Auffassung der<lb/>
Landwirtschaft hätte ich seit dem Abschluss des EG-Vertrages wahr<lb break="no"/>scheinlich zumindestens einige Male pro Jahr in Brüssel auftau<lb break="no"/>chen sollen. Dass ich dort überhaupt nichts erreicht hätte, steht<lb/>
auf einem anderen Blatt. Formell bin ich aber in einen wirklichen<lb/>
Dilemma. Ich glaube daher, dass ich auf alle Fälle im nächsten Jahr<lb/>
nach Brüssel fahren muss. Die diesbezüglichen Vorbereitungen sollte<lb/>
der Botschafter <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs>, den ich bei der EFTA-Tagung in Genf<lb/>
schon beauftragt hatte, finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> bei der nächsten Sektions<lb break="no"/>leitersitzung besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_06">Unverständlich für mich war, dass er auch das Ölsaatenprojekt im<lb/>
offenen Haus zur Sprache brachte. Im Ausschuss hatte er die ent<lb break="no"/>sprechende Information verlangt, die ich ihm freimütigst gegeben<lb/>
habe. Ich habe sogar dann, veranlasst durch seine Anfrage, den ge<lb break="no"/>nauen Wortlaut der Briefe und die ganze Aktenlage schriftlich<lb/>
zur Verfügung gestellt. <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs> war also daher sehr genau in<lb break="no"/>formiert und hätte, wenn ihm an dem Ölsaatenprojekt wirklich so<lb/>
viel gelegen ist, alles unternehmen müssen, damit in der Öffent<lb break="no"/>lichkeit gegen die Amerikaner insbesondere keinerlei Detail<lb break="no"/>informationen hinausgehen. Ich habe mich daher bei der Beantwortung<lb/>
dieser Angriffe, dass ich schlecht verhandelt habe, zu spät be<lb break="no"/>gonnen habe und gar nicht entsprechend mich einschaltete, nur<lb/>
hindeutend geantwortet, dass wir eigentlich vereinbart haben, im<lb/>
Hohen Haus darüber nicht zu sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte vereinbare eine Sitzung mit den im<lb/>
Handelsministerium betroffenen Beamten bei mir.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_08"><rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs> hat dann auch ganz besonders die GATT-Verhandlungen<lb/>
kritisiert. Seiner Meinung nach müsste das Käsemindestpreis<lb break="no"/>abkommen schon wieder ergänzt werden, weil neue Käsepreise in<lb/>
Österreich im Juli in Kraft gesetzt wurden und jetzt im Jänner<lb/>
ebenfalls wieder Preiserhöhungen zu erwarten sind. In diesem<lb/>
Punkt hat er recht, wir müssen hier diese Mindestpreisver<lb break="no"/>ordnung stets sofort ergänzen. Ich bin zwar überzeugt, dass dies<lb/>
nicht so einfach gehen wird, als es sich <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr</rs> vorstellt,<lb/>
doch glaube ich, dass wir hier wirklich von unseren Beamten eine<lb/>
schnellere Reaktion verlangen müssen. Die weitere Forderung von<lb/>
ihm, dass wir nämlich bei GATT die entsprechenden schnellen Kündi<lb break="no"/>gungen und Sicherungen der österreichischen Verarbeitungsindustrie<lb/>
eben durch diese GATT-Kündigungen durchsetzen müssten, ist na<lb break="no"/>türlich eine reine Propagandasache. Ich erwiderte ihm sofort, da<lb/>
müsste die Landwirtschaft die entsprechenden Gegenpositionen mit<lb break="no"/>teilen, die anstelle der gekündigten GATT-Positionen zu setzen<lb/>
wären. Die Landwirtschaft war bis jetzt nicht imstande mir diesbe<lb break="no"/>zügliche Vorschläge zu machen. Der Hinweis <rs type="person" ref="#per__117103">Zittmayr's</rs>, dass wir<lb/>
eine Neutralitätspolitik-begründende Anträge stellen sollen, zeigt<lb/>
mir, dass er von <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs><add>[von]</add> der Gmünder Kartoffelindustrie in<lb break="no"/>formiert wird. Dieser hat nach wie vor die Meinung, er müsste als<lb/>
Retter der Landwirtschaft, insbesondere gegen das Handelsministerium,<lb/>
wie Don Quichotte kämpfen. <rs type="person" ref="#per__111709">Wohlmeyer</rs> beginnt also jetzt die Politi<lb break="no"/>ker zu mobilisieren. Darauf muss ich mich einstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-14_09">Die für mich lustigste Beantwortung war die Frage des Bundes<lb break="no"/>parteiobmanns <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>, was denn eigentlich die Branchenkommission<lb/>
macht. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> war einmal zu einer Sitzung der Industriekommission<lb/>
zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geladen und bezeichnete diese als einen netten Kaffee<lb break="no"/>plausch. Ganz unrecht hat er insoferne nicht, als <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der ja<lb/>
mit der Industriekommission nicht das Richtige anzufangen weiss.<lb/>
Er hatte seinerzeit, als er den Austro-Porsche gefordert hat, gehofft<lb/>
mit dieser Industriekommission eine breite Basis für dieses Projekt<lb/>
zu bekommen. Als das Projekt danebengegangen ist, ist natürlich<lb/>
auch die Industriekommission entsprechend angeschlagen von ihm<lb/>
dann wieder vergessen worden. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> hat gehofft, er kann dies auch<lb/>
auf die Branchenkommission des Handelsministeriums ausdehnen. Hier<lb/>
konnte ich ihm aber antworten, dass die Branchenreferate von der<lb/>
<pb n="45-1474" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-14_1474.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Wirtschaft selbst gefordert wurden und der Fachverband der In<lb break="no"/>dustrie – <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> korrigierte mich sofort – so etwas gibt es nicht,<lb/>
also die Fachverbände der Industrie mit den Vertretern der Indu<lb break="no"/>striesektion der Bundeshandelskammer sich stets lobend über unsere<lb/>
Aktivitäten äussern. Sogar ein Bericht des Wirtschafts- und Sozial<lb break="no"/>beirates, der ja diese Forderung 1970 erhoben hat, hat jetzt in<lb/>
einer Studie bestätigt, dass wir nicht nur dieser Forderung<lb/>
Rechnung getragen haben, sondern sich die Branchenreferate positiv<lb/>
auswirken. Ich konnte dann darauf hinweisen, dass sowohl für<lb/>
den Aussenhandel als auch für die Studienuntersuchungen als ganz<lb/>
besonders für die Industrieförderung Papier, auch Öffentliche Aus<lb break="no"/>schreibung, Ö-Norm A 2050, die für die Industrie und im Interesse<lb/>
der Industrie geändert wurde, und die Studien für Email und Besteck<lb/>
und dann ganz besonders die Kontakte, Investorenberatung und letzten<lb/>
Endes dann eine Reihe von Betrieben, die sich in Österreich an<lb break="no"/>siedelten, sehr anschaulich beweisen, wie positiv sich diese Re<lb break="no"/>organisation im Handelsministerium ausgewirkt hatte. Da ich mit<lb/>
meiner Gewohnheit sehr schnell – manche sagen ja, das Maschinengewehr<lb/>
des Nationalrates – antwortete, hat unser Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> da<lb break="no"/>zwischengerufen, bitte langsamer, auf die Stenographen Rücksicht<lb/>
nehmen. Genau diese schnellen, harten und doch sehr verbindlich<lb/>
mit lächelndem Gesicht vorgebrachten Attacken verfehlen nie die<lb/>
Wirkung. Die ÖVP nimmt sicherlich mit Unbehagen, insbesondere von<lb/>
manchen Abgeordneten meine Antworten zur Kenntnis, die ÖVP randa<lb break="no"/>liert eigentlich bei mir niemals, macht nur viele Zwischenrufe,<lb/>
die ich wieder brauche, um sofort dagegen zu polemisieren, und<lb/>
die sozialistische Seite unterhält sich köstlich und spendet mir<lb/>
auch immer entsprechenden Applaus. Dass ich nur immer furchtbar<lb/>
aufpassen muss, ist, dass ich mich in meinen Angriffen nicht so<lb/>
sehr persönlich mit einzelnen Abgeordneten verscherze. Dies habe<lb/>
ich in der Vergangenheit nicht getan und will es auch in Zukunft<lb/>
nicht tun. Das typischste Beispiel dafür ist für mich General<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>. Dieser polemisiert stets gegen mich, manchmal<lb/>
auch sogar sehr hart und dennoch haben wir uns niemals persönlich<lb/>
irgendwie beleidigt. Manchmal gebe ich zu, bewegt sich dies aber<lb/>
schon an der Grenze. Ich muss immer versuchen, ihn ja nicht lächer<lb break="no"/>lich zu machen. Er hat jetzt sowieso in unserer Fraktion schon<lb/>
den Ruf, dass er eigentlich – wie <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> dies sogar einmal ausdrückte –<lb/>
ein Parlamentskasperl wird. Dies verdankt er seinen ständigen Zwi<lb break="no"/><pb n="45-1475" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-14_1475.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schenrufen, die manchmal ganz gut sind, aber manchmal wirk<lb break="no"/>lich sehr unpassend. Ich habe auf Grund meiner jahrzehntelangen<lb/>
Erfahrung im Parlament die Überzeugung gewonnen, dass eine<lb/>
lockere Art sehr gut ankommt, dass sie auch bei <choice><choice><sic>den Gegner</sic><corr>dem Gegner? den Gegnern?</corr></choice></choice><lb/>
nicht allzu hart beurteilt wird, dass man aber dabei furchtbar<lb/>
aufpassen muss, um ja nicht persönlich beleidigend zu wirken.<lb/>
Weder Arroganz noch Beleidigung sind für das Parlament die richtige<lb/>
Art des Polemisierens.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 14.12.1978</head>
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