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            <title type="main">Mittwoch, der  6. Dezember 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_01">Mittwoch, 6. Dezember 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_02">GD <rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs> vom Verband ländlicher Genossenschaften, den ich durch<lb/>
Zufall traf, informiert mich, dass sie für die Verwertung von Stroh<lb/>
einen Forschungsauftrag gegeben haben, der 1 Mio Schilling kostet.<lb/>
Nachdem er persönlich und vor allem sein Verbandsorgan ständig gegen<lb/>
mich wegen des Ölsaatenprojektes argumentiert, kläre ich ihn über die<lb/>
tatsächliche Situation auf. Als Ergebnis dieses Gespräches erklärt<lb/>
er sich bereit, auch für die Sojaforschung einen grösseren Betrag<lb/>
zur Verfügung zu stellen. Die Fettindustrie hat für dieses Jahr<lb/>
170.000 Schilling bereitgestellt. Dies ist ein vollkommen unzuläng<lb break="no"/>licher Betrag, wie <rs type="person" ref="#per__117174">Lunacek</rs> feststellt. Nach einer telefonischen<lb/>
Rücksprache mit GD <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> vereinbaren wir, dass im nächsten Jahr<lb/>
von seitens des Verbandes ländlicher Genossenschaften und der Fett<lb break="no"/>industrie ein wesentlich grösserer Betrag für die Sojaforschung in<lb/>
Österreich zur Verfügung gestellt werden soll. Im Parlament infor<lb break="no"/>miere ich abends dann Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> über diese Ent<lb break="no"/>wicklung und Vorschläge. Er wird die Verhandlungen, die ich eingeleitet<lb/>
habe, im Jänner dann fortsetzen,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Das Landwirtschaftsministerium müsste jetzt<lb/>
schon die entsprechenden Vorbereitungen treffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_04">Direktor <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, ÖFVW, berichtet mir von der gestrigen Generalver<lb break="no"/>sammlung. Über den Wiener Antrag,<add>[für]</add> eine bessere Unterbringung der ÖFVW<lb/>
schnellstens zu sorgen, entspann sich eine lange Diskussion. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs><lb/>
ist sehr verärgert, dass MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> dort erklärte, im Direktorium hätte<lb/>
es keine direkten Anträge von der Geschäftsführung gegeben. Dies ist<lb/>
zwar formell richtig, aber darauf zurückzuführen, dass gerade das<lb/>
Handelsministerium versucht hat – und auch<add>[ich?]</add> persönlich – auf infor<lb break="no"/>mellen Weg das Bautenministerium für die Restaurierung der Hohenstau<lb break="no"/>fengasse erreichen wollte. Daraus abzuleiten, die Geschäftsführung<lb/>
hat sich zu wenig gekümmert, ist unrichtig. Um den im Bautenministerium<lb/>
zuständigen Sektionschef <rs type="person" ref="#per__113076">Schmelz</rs> zu Entscheidungen zu drängen, sind<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und ich zu ihm gegangen. <rs type="person" ref="#per__113076">Schmelz</rs> versichert es, dass alles<lb/>
unternommen wird, um wenn – was strengst vertraulich ist – die Auto<lb break="no"/>bahn Niederösterreichs in das neue Zentralgebäude der Landesregierung<lb/>
übersiedelt, dann die Österreichische Fremdenverkehrswerbung Räume<lb/>
bekommt. Wir kommen überein, dass es am besten wäre, das Haus Nr. 3,<lb/>
<pb n="45-1434" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-06_1434.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die ehemalige Bank von <rs type="person" ref="#per__117854">Wagner</rs>, der Österreichischen Fremden<lb break="no"/>verkehrswerbung zu schenken oder zu einem Anerkennungspreis<lb/>
zu verkaufen, gegebenenfalls auch auf 99 Jahre zur Nutzung zu<lb/>
übergeben und dann würde diese schon noch mit Unterstützung von<lb/>
Mitteln des Denkmalschutzes oder sonstiger Art die Renovierung<lb/>
und Erhaltung des Gebäudes übernehmen. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> erklärt, dass übrigens<lb/>
ständig mein Plan war, dass dies die idealste Lösung für die Öster<lb break="no"/>reichische Fremdenverkehrswerbung wäre.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__117179">Kastner</rs> und Du sollen ständig mit <rs type="person" ref="#per__113076">Schmelz</rs><lb/>
darüber Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_06">Die Enkel von <rs type="person" ref="#per__117181">Schubert</rs> und <rs type="person" ref="#per__117182">Strauss</rs> hatten sich für die Österreich-Wer<lb break="no"/>bung in Amerika bereitgestellt, weshalb sie jetzt von der Fremden<lb break="no"/>verkehrswerbung die Goldene Verdienstplakette von mir überreicht<lb/>
erhielten. In Amerika kommt diese Nostalgiewelle gut an.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_07">Der Geschäftsträger der DDR, <rs type="person" ref="#per__117187">Bernhard</rs>, erschien im Auftrag von Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs>, um sich wegen der Pressemitteilung, dass der DDR-Handel<lb/>
durch verstärkte Kompensationsforderungen behindert wird, zu beschweren.<lb/>
Beim letzten Pressefrühstück hatte ich nicht so krass formuliert, wie<lb/>
es dann in den Zeitungen niedergeschrieben wurde, darauf verwiesen,<lb/>
dass die Kompensationsüberlegungen in der DDR, aber auch ganz besonders<lb/>
bei österreichischen Mittelbetrieben zur Verzögerung von Abschlüssen<lb/>
führte. <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> reagierte darauf sehr sauer, als er dies erfuhr und hat<lb/>
sofort den Geschäftsträger zu einer Demarche ins Handelsministerium<lb/>
in Bewegung gesetzt. Zum Glück hatten wir die Pressemitteilung, den<lb/>
Waschzettel parat, worin kein Wort davon stand. Der Geschäftsträger<lb/>
war sehr glücklich, als ich sofort versuchte, <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> in Berlin zu er<lb break="no"/>reichen. Leider war er bei einer Sitzung. <rs type="person" ref="#per__117187">Bernhard</rs> hat dann, wie er<lb/>
mir beim Empfang beim Bundespräsidenten mitteilte, mit <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> gesprochen<lb/>
und ihn entsprechend informiert. SChef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat <rs type="person" ref="#per__114577">Bernhard</rs> informiert,<lb/>
dass der Leiter der DDR-Delegation, GD <rs type="person" ref="#per__116960">Meier</rs>, aufgefordert resp. er<lb break="no"/>sucht wurde, selbst eine Pressekonferenz abzuhalten, was dieser ab<lb break="no"/>lehnte. Für mich ist dies ganz klar, denn ein Beamter würde ohne Ge<lb break="no"/>nehmigung von Berlin so etwas niemals tun. In Hinkunft – und dies ist<lb/>
mir eine Lehre daraus – werde ich bei <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> noch vorsichtiger operieren<lb/>
müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_08">Vertreter der Firma Westinghouse, teils aus der Schweiz, teils schein<lb break="no"/>bar auch aus Amerika, vom Mutterhaus geschickt, hatten mir mitgeteilt,<lb/>
dass sie sich in Hinkunft stärker um den österreichischen Markt be<lb break="no"/>mühen werden. Insbesondere hofften sie mit den Turbinen, die in Öster<lb break="no"/>reich gar nicht erzeugt werden, bei Voitsberg III und anderen kon<lb break="no"/>ventionellen Dampfkraftwerken ins Geschäft zu kommen. Zu diesem Zweck<lb/>
werden sie mit Waagner-Biro und Elin entsprechende Kooperationsab<lb break="no"/>kommen abschliessen. Dies soll auch für Anbote an dritte Länder gelten.<lb/>
Ich versicherte ihnen, dass sie auf dem richtigen Weg sind, dass aber<lb/>
bei annähernd gleicher Preislage die österreichischen Firmen den<lb/>
Vorzug bekommen. Dies dürfte auch der Grund sein, weshalb sie an Koo<lb break="no"/>perationen besonders interessiert sind. Westinghouse hatte vor längerer<lb/>
Zeit eine eigene Niederlassung in Österreich und wird wahrscheinlich<lb/>
auch in Hinkunft, wie mir der Schweizer Vertreter versicherte, eine<lb/>
solche wieder errichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Die Industriesektion soll mit den Leuten ent<lb break="no"/>sprechend Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_10">Dr. <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs> vom WIFO beschwerte sich bei mir, dass in den letzten<lb/>
Monaten er mit MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> so schlecht Kontakt halten kann. Solange er<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> die Arbeiten ausschliesslich abgeliefert hat, war das beste<lb/>
Verhältnis. Jetzt wo er in dem Pressefrühstück und sonst persönlich<lb/>
stärker in Erscheinung tritt, glaubt er, dass <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> ihm diesbezüglich<lb/>
im Haus grosse Schwierigkeiten bereitet. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> hat von dieser Aussprache –<lb/>
für uns alle unerklärlich, wieso er davon erfahren hat – gewusst und<lb/>
fragte, ob er dazukommen soll. Selbstverständlich habe ich ihn sofort<lb/>
eingeladen und dann – wie ich hoffe – die Differenz zwischen <rs type="person" ref="#per__114653">Schul<lb break="no"/>meister</rs> und <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und teils auch <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> bereinigt. In Hinkunft wird<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs> bezüglich des Pressefrühstückes auch mit HR <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs><lb/>
engeren Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_11">Vizeaussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, ehemaliger Botschafter in Wien, be<lb break="no"/>suchte mich mit Handelsrat <rs type="person" ref="#per__117195">Kowalski</rs>. Auch unser österreichischer<lb/>
Handelsrat in Warschau und MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> waren anwesend. <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> beschwerte<lb/>
sich bitter, dass er mit dem Finanzminister über den zugesagten 2 Mia<lb/>
Schilling-Finanzkredit zu keiner Einigung kommen konnte. Während der<lb/>
Anwesenheit von Maschinenminister <rs type="person" ref="#per__117196">Kopec</rs> hätte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> versichert, wenn<lb/>
die Frage mit Steyr-Daimler-Puch, Polmot, die Getreidekäufe und der<lb/>
<pb n="45-1436" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-06_1436.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Elektrizitätsvertrag abgeschlossen ist, dann würde Österreich den<lb/>
Polen die 2 Mia Finanzkredit gewähren. Jetzt hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erklärt,<lb/>
er könne dies doch nicht tun, weil das Parlament dazu kaum die Zu<lb break="no"/>stimmung geben würde. Die Japaner haben jetzt mit den Polen abgeschlos<lb break="no"/>sen und werden grössere Exporte von Investitionsgütern nach Japan<lb/>
tätigen. Gleichzeitig erhalten sie einen Finanzkredit, also frei ver<lb break="no"/>fügbare Westwährungen zu 40% des Kreditvolumens. Auch aus Deutschland<lb/>
und Spanien gibt es ähnliche Zusagen. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> sofort daran er<lb break="no"/>innert, dass ich mich immer nur für gebundene Kredite bei entspre<lb break="no"/>chenden Exporten Österreichs eingesetzt habe. Dies wurde von <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs><lb/>
sofort bestätigt und er berichtet, dass von einem Kreditrahmen 23 Mia<lb/>
Schilling – <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> meint es sind 25 Mia – 18 Mia Schilling verbraucht,<lb/>
d.h. Verträge abgeschlossen und 10,5 Mia Schilling effektiv ausbe<lb break="no"/>zahlt wurden. Polen hat jetzt neuerdings 25 Investitionsprojekte in<lb/>
Arbeit, darunter die Zementfabrik in Tschetschil<add>[???]</add> und eine Aromaten<lb break="no"/>fabrik in Pila. Neuerdings intervenierte <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs> wegen der Aufhebung<lb/>
§ 6 Zölle, die die Polen mit 10 Mio Schilling belasten. Die Hälfte<lb/>
davon allerdings sind landwirtschaftliche Produkte. Ich ersuchte um<lb/>
die Aufstellung, welche zugesagt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> soll versuchen, ob er tatsächlich eine<lb/>
solche Aufstelung bekommen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_13">Der Leiter des BFI, <rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs>, und der neue Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__117197">Lintzger</rs><lb/>
ersuchten um grössere Unterstützung durch das Handelsministerium.<lb/>
Durch die Quote 20% vom Beitrag, den die WIFIs bekommen, für das BFI<lb/>
abzuzweigen, ist <rs type="person" ref="#per__114577">Ingrisch</rs> nicht ganz zufrieden. Er hofft, dass es<lb/>
gelingt, den Schlüssel zu verbessern. Diesbezügliche Gespräche wird<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> versuchen. Im heurigen Jahr hat das BFI 1,9 Mio Schilling<lb/>
bekommen, darüber hinaus natürlich auch entsprechende Projektförderung.<lb/>
Aus der Arbeitsmarktverwaltung im Sozialministerium hat das BFI in<lb/>
den letzten Jahren 30 bis 60 Mio Schilling erhalten. Dort bekommen die<lb/>
WIFIs aber denselben Betrag. Wir werden versuchen, dem BFI Berufs<lb break="no"/>förderungsinstitut für Investitionen einen grösseren Betrag im nächsten<lb/>
Jahr zuzuwenden, wenn der Aufteilungsschlüssel doch nicht abgeändert<lb/>
werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Lass Dich über die Verhandlungen genau infor<lb break="no"/>mieren oder nimm vielleicht sogar daran teil.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_15">Direktor <rs type="person" ref="#per__130185">Willbrandt</rs> und der Einkäufer <rs type="person" ref="#per__117199">Melchard</rs> von der Firma Hofer<lb/>
berichten <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> und mir, dass sie immer mehr feststellen können,<lb/>
dass österreichische Lieferanten, mit denen sie Verträge abschlies<lb break="no"/>sen, von den anderen grossen Einkaufsorganisationen SPAR, ADEG,<lb/>
Konsum usw. boykottiert werden. Um dem auszuweichen, haben sie mit<lb/>
einzelnen Firmen oft vertrauliche Produktionsabsprachen. Das Problem<lb/>
entsteht dann nur, wenn die Produkte von Lebensmitteluntersuchungs<lb break="no"/>anstalt beanstandet werden, wie dann die Haftung aussieht. Bei Schmelz<lb break="no"/>käse können sie keine Verträge abschliessen, weil die Inlandsproduktion<lb/>
nicht einmal gedeckt werden kann. Maresi erklärte sich nur bereit, mit<lb/>
ihnen zu verhandeln, wenn auch von der Handelskammer <rs type="person" ref="#per__112563">Farnleitner</rs> zu<lb break="no"/>gezogen wird. Entweder hat Hofer schon so einen schlechten Ruf oder<lb/>
so eine starke Marktstellung, dass die Firmen sich nicht mehr allein mit<lb/>
ihnen zu reden trauen. Selbstverständlich lehnt Hofer ein solches An<lb break="no"/>sinnen rundwegs ab. Bezüglich der Gurken braucht Hofer 1.800 Tonnen,<lb/>
ihm fehlen derzeit noch immer 400. Er hat um 8.50 Schilling das Glas<lb/>
gekauft, Felix bietet jetzt um 12,20 Schilling an. Die Firma Scana<lb/>
wieder möchte, dass er gleichzeitig dann Erbsen und Bohnen, die in<lb/>
grösserer Menge vorhanden sind, als Co-Produkt abnimmt. Bezüglich<lb/>
der Öleinkäufe ist er bereit, mit der Vereinigten Fettindustrie und<lb/>
Gebhard &amp; Herold wegen Margarine Verhandlungen zu führen und zu länger<lb break="no"/>fristigen Verträgen zu kommen, wenn der Besitzer von VFI, <rs type="person" ref="#per__113126">Hirsch</rs>, grössere<lb/>
Investitionen tätigt und damit die Versorgung von Hofer sicherstellen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte informiere über diese Aussprache auch die<lb/>
Lebensmittelarbeitergewerkschaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_17">Dir. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs>, AEG, ersucht, ob nicht weiterhin ungarische Kühl<lb break="no"/>schränke nach §6 Zollgesetz Zollermässigung bekommen könnten. Der<lb/>
Bedarf in Österreich seien 130.000 Stück. Zu diesen 150-Liter-Schränken –<lb/>
Bauknecht in Rottenmann erzeugt höchstens 20.000 – die er übrigens auch<lb/>
aus Frankreich importiert. AEG hat seine Beschäftigten von 1.871 im<lb/>
Vorjahr auf 1.665 heuer gesenkt und müsste jetzt noch weitere 400 ab<lb break="no"/>bauen. Insbesondere ist das technische Geschäft sehr gering. Die Han<lb break="no"/>delsgruppe, die <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> führt, hat sich verhältnismässig gut ge<lb break="no"/>halten. Obwohl die Weissware, Nachtspeicher, stark zurückging, konnte<lb/>
der Umsatz von 550 Mio Schilling gehalten werden und obwohl bei der<lb/>
Braunware, HiFi und Fernsehen, stark zurückgegangen sind, konnte auch<lb/>
dort ein 300-Mio-Schilling-Umsatz erzielt werden. <rs type="person" ref="#per__97521">Haselbrunner</rs> ist der<lb/>
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ein Vorteil, dass er keinen Vorstandsvertrag hat, sondern nach dem<lb/>
Angestelltengesetz behandelt wird. Da er 70% Invalide ist, wird er<lb/>
aufgrund eines Invalideneinstellungsscheines seit Jahrzehnten bei<lb/>
AEG beschäftigt. Dadurch kann er auch nicht gekündigt werden, denn<lb/>
in diesem Fall würde das Arbeitsamt entsprechend remonstrieren. Aus<lb/>
diesem Grund – und nicht zuletzt weil auch eine sozialistische Regie<lb break="no"/>rung derzeit besteht – wird AEG ihn sicherlich noch einige Zeit, bis<lb/>
zu seinen 60. Lebensjahr, beschäftigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass prüfen, warum §6 Zoll ausgesetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_19">Beim Empfang des Bundespräsidenten habe ich den israelischen Bot<lb break="no"/>schafter in Wien gesehen, mit ihm aber nicht mehr sprechen können,<lb/>
weil ich wieder ins Parlament zurückrasen musste, da die Abstimmung<lb/>
viel früher erfolgte, als erwartet wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_21">Im Parlament musste dann nach dem letzten ÖVP-Redner noch schnell<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__117200">Steyrer</rs> als Redner einspringen, weil die Besprechungen des er<lb break="no"/>weiterten Präsidiums gerade in die Endphase gegangen sind. Dort einigten<lb/>
sie sich, dass <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> freiwillig und ohne dass er dazu von jemand<lb/>
dazu gezwungen wurde, seine Anteile an der Consultatio treuhänderisch<lb/>
verwalten lassen wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst erklärte, er könne auf <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
als Finanzminister nicht verzichten. Andererseits aber müssten die<lb/>
Unvereinbarkeitsbestimmungen wesentlich verschärft werden. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
ist fest davon überzeugt, dass auch aufgrund der neuen Bestimmungen<lb/>
er die Übertragung nicht durchführen müsste. Um aber jedweden Vor<lb break="no"/>würfen auszuweichen, wird er dies freiwillig tun. Natürlich wird<lb/>
zumindestens in der Propaganda er und die ganze SPÖ dasselbe für<lb/>
die ÖVP-Abgeordneten verlangen. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> hat aber schon abgelehnt, dass<lb/>
die Unvereinbarkeitsbestimmungen für die Abgeordneten verschärft werden<lb/>
müssen. Die reichen seiner Meinung nach vollkommen aus. Ich bin zwar<lb/>
überzeugt, dass wir mit dieser Lösung formell die Frage innerhalb unse<lb break="no"/>rer Partei bereinigt haben, dass aber andererseits natürlich aus dieser<lb/>
Auseinandersetzung ein grosses Unbehagen zurückbleiben wird. Ob <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
mit der Unvereinbarkeitsbestimmung innerhalb der ÖVP gewisse Unruhe<lb/>
auslösen wird, lässt sich jetzt noch nicht absehen. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die<lb/>
<pb n="45-1439" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-12-06_1439.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ganze Frage den Abgeordneten selbst zur Entscheidung überlassen will,<lb/>
glaube ich, wird letzten Endes nur wieder ein sogenannter Privilegien<lb break="no"/>abbau der Minister dadurch erfolgen. Überraschend für mich war die An<lb break="no"/>kündigung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, dass er jetzt in der laufenden Legislaturperiode<lb/>
nicht mehr beabsichtigt, Minister auszuwechseln. Scheinbar hat er sich<lb/>
jetzt doch davon überzeugen können, dass innerhalb der Partei ins<lb break="no"/>besondere <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, aber sicherlich auch andere Landesobleute und Präsi<lb break="no"/>dienmitglieder nicht bereit sind in dem letzten 3/4 Jahr noch Wesent<lb break="no"/>liches zu ändern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_22">Der Empfang im Hotel Ambassador für die Vorstandsmitglider von ASTA –<lb/>
immerhin an die 40 – war insoferne ein voller Erfolg, als sich die<lb/>
Amerikaner scheinbar doch sehr bauchgepinselt fühlen, wenn ein Minister<lb/>
sich 2 Stunden mit ihnen unterhält. Da der nächstjährige ASTA-Kongress,<lb/>
wo tausende teilnehmen, in München stattfindet, müssen wir versuchen<lb/>
die ASTA als amerikanische Reisebüroorganisation von grosser Bedeutung<lb/>
dafür zu gewinnen, auch dann nach Österreich, Salzburg, Innsbruck usw.<lb/>
Exkursionen zuzustimmen. Die Österreichische Fremdenverkehrswerbung<lb/>
wird sich bemühen, diese dann entsprechend zu organisieren. Allgemeine<lb/>
Anerkennung fand auch bei den österreichischen Teilnehmern bei diesem<lb/>
Empfang mein starker Einsatz für die österreichische Fremdenverkehrs<lb break="no"/>werbung und auch für den österreichischen Fremdenverkehr im Generellen.<lb/>
Mit der Zeit macht sich doch unsere Politik bezahlt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_23"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hatte ich dann telefonisch informiert, dass es nicht möglich<lb/>
ist, die Erhöhung der Textileinfuhrscheine von 4.000 Schilling auf<lb/>
10.000 Schilling im Aussenhandelsbeirat einvernehmlich durchzusetzen.<lb/>
Pfefferoni, Stahl, Kaolin werden auf die Zollämterermächtigung genom<lb break="no"/>men und dadurch die Vidierung ermöglicht.<add>[Die]</add> Textileinfuhrscheine können<lb/>
aber auf Einspruch der Arbeiterkammer und des ÖGB nicht von 4 auf<lb/>
6.000 Schilling erhöht werden. Übrigens würde nur 1/3 unter 10.000<lb/>
Schilling die Textileinfuhr betreffen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat eingesehen, dass es<lb/>
zweckmässig ist – wie <rs type="person" ref="#per__113091">Bachmayer</rs> mir vorschlug – im Feber darüber<lb/>
weiter zu verhandeln und gab seine Zustimmung, dass die ansonsten<lb/>
einstimmigen Beschlüsse des Aussenhandelsbeirates unverzüglich in<lb/>
Kraft gesetzt werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> bemerkte ironisch, <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> hat sich halt<lb/>
nicht durchsetzen können, und er hat ihm ja auch genug entsprechende<lb/>
Schwierigkeiten bei der Ratifizierung des Europäischen Patentüberein<lb break="no"/>kommens gemacht. Ich bin sehr gespannt, wie der Handel reagieren wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-12-06_24">In der jetzigen Zeit, glaube ich, ist es aber tatsächlich wichtiger<lb/>
die Interessen der Textilindustrie, zumindestens formell und op<lb break="no"/>tisch, besser zu vertreten. Die Höhe der Einfuhrscheingrenze ist des<lb break="no"/>halb meiner Meinung nach nur eine optische, denn wenn es bei 4.000.–<lb/>
Schilling bleibt, wird eben ein 10.000-Schilling-Auftrag vom Spediteur<lb/>
entsprechend aufgeteilt, um unter der 4.000-Schilling-Grenze zu blei<lb break="no"/>ben. Mehr Verwaltungsarbeit, aber sonst eigentlich kein Hemmnis<lb/>
letzten Endes die notwendigen Einfuhren doch zu tätigen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>Handelsrat, Polen</occupation>
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