<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19781117.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19781116.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19781120.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Freitag, der 17. November 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band45_1978-11-17</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1978-11-17">Freitag, 17. November 1978</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2017-08-01">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="45-1339" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1339.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_01">Freitag, 17. November 1978<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_02">Die erste Arbeitstagung für Rohstofforschung und Versorgungs<lb break="no"/>sicherung war ein voller Erfolg. Die Bundesländer zeigen grosses<lb/>
Interesse und kooperieren tatsächlich mit dem Wissenschafts- und<lb/>
Handelsministerium in vorzüglicher Art. Dies ist, glaube ich, da<lb break="no"/>rauf zurückzuführen, weil das Lagerstättengesetz, seit 1947 be<lb break="no"/>stehend, eigentlich noch niemals angewendet wurde. Erst SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
ist es geglückt, dafür immerhin 10 Mio Schilling freizumachen,<lb/>
die im Wissenschaftsministerium budgetiert sind, aber von uns<lb/>
mit dem Wissenschaftsministerium gemeinsam ausgegeben werden können.<lb/>
Die Länder selbst haben verschiedentlich schon entsprechende<lb/>
Aktivitäten entfaltet, insbesondere die Steiermark, bekommen jetzt<lb/>
aber einen Zuschuss und sind darüber natürlich sehr erfreut. Die<lb/>
Lagerstättenforschung, ja selbst das Lagerstättengesetz sind total<lb/>
in Vergessenheit geraten. Der Landesamtsdirektor von Tirol hatte,<lb/>
als die Aktion gestartet wurde, seinem Präsidium gesagt, man solle<lb/>
ihm das Gesetz bringen. Niemand kannte das Gesetz und man musste<lb/>
erste längere Zeit nachforschen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_03">Prof. <rs type="person" ref="#per__118702">Walter</rs>, mit dem ich mich lange Zeit über die Geologen unter<lb break="no"/>halten habe, teilte mir mit, dass er die denkbar schlechteste<lb/>
Meinung von Prof. <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> hat. Er meinte nur, einen Professor kann<lb/>
man nicht mehr zur Verantwortung ziehen, am liebsten würde er ihn<lb/>
ja abberufen. Doch geht dies weder durch die meteorologische Anstalt,<lb/>
noch durch das Wissenschaftsministerium. <rs type="person" ref="#per__118702">Walter</rs> selbst wurde einige<lb/>
Male aufgefordert, gegen <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> Stellung zu nehmen, was er auch<lb/>
im kleinen Zirkel und privat jederzeit tat. Als offizielle Anstalt<lb/>
konnte er aber nach seiner Meinung nicht auftreten, weil sie<lb/>
das Gutachten für das Kernkraftwerk abgegeben hatten und nicht als<lb/>
Handlanger der Elektrizitätswirtschaft oder der Behörde, wenn sie<lb/>
in diesen nachfolgenden Kampf dann eingegriffen hätten, hingestellt<lb/>
werden wollen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_04"><rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, die als Erste das Wort ergriff, hat natürlich auf die<lb/>
Tätigkeit, die Absicht und die zukünftigen Massnahmen hingewiesen.<lb/>
Es entsprach ganz meinem, mir von <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> vorgelegten Redekonzept.<lb/>
</p>
            <pb n="45-1340" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1340.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_05">Ich habe deshalb, was ich aber sonst auch getan hätte, frei<lb/>
gesprochen und einige Ergänzungen zu <rs type="person" ref="#per__97442">Firnbergs</rs> Äusserungen ge<lb break="no"/>macht. Insbesondere habe ich Ziffern, die sie natürlich nicht<lb/>
erwähnte, über die kritische Situation der Importe von Roh- und<lb/>
Grundstoffen, die immerhin 80 Mia Schilling ausmachen, im De<lb break="no"/>tail dargelegt. Wichtig erschien mir dann auch, dass ich auf die<lb/>
Gefahr, die jetzt von den Umweltschützern nach dem grossen Er<lb break="no"/>folg der Nichtinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf droht,<lb/>
<choice><choice><sic>allt</sic><corr>alle?</corr></choice></choice> entsprechend zeitgerecht zu warnen. Die echten Umweltschützer<lb/>
sind dabei die geringere Gefahr, die Träumer, Romantiker und die<lb/>
nicht zwei und zwei vier sein lassen, sondern ganz einfach sagen,<lb/>
dass darf nicht sein, es muss eins werden, sind die gefährlichsten.<lb/>
Wie mir <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> und dann Frau Dr. <rs type="person" ref="#per__116120">Hille</rs> mitteilten, hat das Wissen<lb break="no"/>schaftsministerium das Redekonzept <rs type="person" ref="#per__97442">Firnbergs</rs> <rs type="person" ref="#per__116120">Hille</rs> und <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs><lb/>
zur Verfügung gestellt. Die beiden dachten noch, ein so schlechtes<lb/>
Konzept kann ein Wissenschaftsminister gar nicht als Grundlage sei<lb break="no"/>ner Ausführungen nehmen. Sie haben dann ihre Überlegungen, die sie<lb/>
dann auch mir gegeben haben, dem Wissenschaftsministerium zur Ver<lb break="no"/>fügung gestellt. Darauf dürften diese Leute <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> mein Konzept<lb/>
als Unterlage ausgearbeitet haben. Weder <rs type="person" ref="#per__108609">Sterk</rs> noch <rs type="person" ref="#per__116120">Hille</rs>, geschwei<lb break="no"/>ge denn noch ich haben den Beamten bei <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> verpfiffen. Es war<lb/>
sehr lustig zu erfahren, wie aus einer flüchtigen Bemerkung, dass<lb/>
auch meine Unterlagen der Rede von <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> entsprochen hätten,<lb/>
von ihr zu hören, dass es eigentlich ja ganz selbstverständlich<lb/>
ist, wenn zwei Ministerien so eng zusammenarbeiten, dass sie dann<lb/>
auch bei Redeunterlagen zu denselben Ergebnissen kommen. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs><lb/>
hat nicht im Entferntesten daran gedacht, dass vielleicht einer von<lb/>
beiden abgeschrieben hätte. Für mich ist es ganz klar, dass es die<lb/>
andere Seite war. Aber was soll's.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_06">Beim Mittagessen von <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs>, Hilton, eingeladen, sehr nobel<lb/>
für die Landesamtsdirektoren, veranlasste ich, dass ich neben<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> zu sitzen kam. Ich konnte deshalb mich lange Zeit über<lb/>
die Elektrizitätswirtschaft mit ihm unterhalten. Er teilte mir mit,<lb/>
was ich allerdings schon wusste, dass die Nichtinbetriebnahme<lb/>
Zwentendorfs für die TIWAG eine finanzielle Katastrophe ist. Er<lb/>
hofft noch immer, dass es irgend einen Ausweg geben wird, dass<lb/>
dieses Scherbengericht nicht noch grösseres Unheil, insbesonders<lb/>
finanzieller Art auslöst. Bezüglich der Aktivitäten in Osttirol habe<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> neuerdings klargemacht, dass für mich nur eine Betei<lb break="no"/>ligung der TIWAG an den Tauernkraftwerken in Frage kommt. Ich habe<lb/>
<pb n="45-1341" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1341.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Vorarlberg und Kärnten, wo dieses Problem auf eine solche Art<lb/>
schon gelöst wurde, als Musterbeispiel hingestellt. <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrain</rs> selbst<lb/>
ist einer solchen Idee aufgeschlossen. Die wirklichen Gegner sind<lb/>
in der TIWAG. Er selbst hat mit dem Landeshauptmann schon öfters<lb/>
darüber gesprochen, doch die TIWAG-Leute wollen nicht einmal über<lb/>
das Modell nachdenken. <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrain</rs> ist im Gegensatz zu ihnen, er selbst<lb/>
hat sich aber noch nicht zu einer endgültigen Stellungnahme durchge<lb break="no"/>rungen und nur, man müsse dies genau studieren. Ich erklärte ihm<lb/>
dezidiert, dass solange ich Minister bin, eine andere Lösung als<lb/>
Beteiligung der TIWAG an den Tauernkraftwerken nicht in Frage kommt.<lb/>
Selbst in unseren eigenen Reihen gibt es Genossen, die eine solche<lb/>
Vorgangsweise nicht für gut befinden. Ich kann aber mir keine andere<lb/>
Lösung vorstellen. Die Entscheidung liegt jetzt bei Tirol, denn LH<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> möchte vor der nächsten Landtagswahl im Jahre 1980 womög<lb break="no"/>lich schon einen Baubeginntermin festgelegt haben. Unberücksichtigt<lb/>
bei diesen ganzen Überlegungen habe ich gelassen, dass sich ja jetzt<lb/>
die finanzielle Situation der Verbund, aber auch der Landesgesell<lb break="no"/>schaften durch die Verluste aus Zwentendorf-Nichtinbetriebnahme,<lb/>
noch gar nicht übersehen lässt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_07"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mich wutentbrannt angerufen, weil GD <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> von der<lb/>
NEWAG, jetzt gleichzeitig auch Vorsitzender des Aufsichtsrates<lb/>
der GKT, erklärt hat, ein Einmotten kommt nicht in Frage. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meinte, bei einer solchen Haltung der Landesgesellschaften, insbe<lb break="no"/>sondere der ÖVP-Leute ist er nicht bereit, der 10-jährigen Ver<lb break="no"/>längerung der Verlustabschreibung durch ein eigenes Gesetz zuzu<lb break="no"/>stimmen. Er meinte, er lasse sich durch niemand, auch nicht durch<lb/>
mich, unter Druck setzen. Ich habe sofort scharf erwidert, ich<lb/>
setze überhaupt niemand unter Druck, mache nur darauf aufmerksam,<lb/>
dass, wenn es zu keiner gesetzlichen Regelung kommt, die Verbund<lb break="no"/>gesellschaft den Konkurs anmelden muss. Wenn die Wirtschaftsprüfer<lb/>
tatsächlich verlangen, dass sofort nach Gesetzwerdung der gesamte<lb/>
Aufwand abzuschreiben ist, dann steht die Verbundgesellschaft und<lb/>
vielleicht auch eine oder andere Landesgesellschaft vor dem Konkurs.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_08">Die Firma <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> wird sich bezüglich der Kompensationslieferung<lb/>
für die US-Panzer sehr schwer tun. <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> selbst hat erklärt,<lb/>
die Amerikaner nehmen den Abschluss schon als gegebene Tatsache hin.<lb/>
</p>
            <pb n="45-1342" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1342.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_09">Sie sehen daher keine Notwendigkeit jetzt noch in Kompensations<lb break="no"/>verhandlungen einzutreten. <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> selbst wäre aber bereit,<lb/>
bei der nächsten Aussprache, die mit den amerikanischen Vertretern<lb/>
im Handelsministerium erfolgt, anwesend zu sein. Bei dieser Gelegen<lb break="no"/>heit sollte dann SChef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> erwähnen, dass <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> mit Chrysler,<lb/>
dem Lieferanten der Panzer, die weiteren Verhandlungen führen soll.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> würde dann in Aussicht stellen, gegebenenfalls später<lb/>
einmal neue Rüstungsgüter zu kaufen. Dadurch glaubt er, dass er<lb/>
doch imstande wäre, mit <rs type="person" ref="#per__117852">Popow</rs> gemeinsam zumindestens einen Teiler<lb break="no"/>folg zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__117852">Popow</rs> selbst arbeitet nicht so eng mit <rs type="person" ref="#per__118727">Mosko<lb break="no"/>witsch</rs> zusammen, als dieser immer wieder sagt. <rs type="person" ref="#per__117852">Popow</rs> ist von <rs type="person" ref="#per__118725">Georg</rs>,<lb/>
scheinbar ein grosser deutscher Mann der SPD, an die österreichischen<lb/>
Sozialisten empfohlen worden. <rs type="person" ref="#per__117852">Popow</rs> unterstreicht immer, wie sehr er<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> gut kooperiert, dieser aber distanziert sich ein<lb/>
wenig von diesen euphorischen Aussagen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> soll Dich am Laufenden halten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_11">Der chinesische Botschafter hat sich bei einem Abendessen mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__118727">Moskowitsch</rs> bei diesen beschwert, dass ich persönlich ihn immer<lb/>
sehr zuvorkommend behandle, dass aber die chinesische Volksrepublik<lb/>
ständig diskriminiert wird. Er hat zwar nicht ausgesprochen genau,<lb/>
um was es sich handelt, doch habe ich sofort ersucht, man muss jetzt<lb/>
der Ursache dieser Aussage nachgehen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_12">ANMERKUNG für <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte den neuen Bericht verlangen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_13">Beim Jour-fixe AK und ÖGB einigten wir uns darauf, dass das Verbot<lb/>
unter den Einstandspreis, welches von NR <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> wahrscheinlich<lb/>
als Initiativantrag eingebracht werden wird, als Kompensations<lb break="no"/>basis für Massnahmen zur Nahversorgung dienen soll. Die ursprüngliche<lb/>
Idee <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllners</rs>, man sollte dies kategorisch ablehnen, wird von den<lb/>
wenigsten geteilt. Alle sehen ein, dass ich unter einen ungeheuren<lb/>
Druck kommen werde, knapp für den nächsten Nationalratswahlen diese<lb/>
uralte Forderung aller kleinen und mittleren Handelsbetriebe er<lb break="no"/>füllen zu müssen. Auch der Freie Wirtschaftsverband hat eine solche<lb/>
Forderung schon vor längerer Zeit diskutiert. <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, schlug vor,<lb/>
wir sollen es eintauschen gegen gewisses Mindestsortiment, welche die<lb/>
Grossläden, Diskonter usw. führen müssen. Wichtig ist, dass wenn<lb/>
<pb n="45-1343" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1343.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>ein solches Gesetz kommt, es sich nicht um ein Verwaltungsverfahren<lb/>
in Durchführung dieses Gesetzes handeln darf, sondern dass die Kon<lb break="no"/>trolle dem Paritätischen Kartellausschuss übertragen wird. Ebenso<lb/>
wichtig ist, dass die Klagslegitimation nicht den Schutzverbänden<lb/>
oder den Interessensvertretungen gegeben werden darf, weil<add>[sich]</add> an<lb break="no"/>sonsten alles, wie <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> sehr demonstrativ zeigen konnte, nur gegen<lb/>
die Konsumgenossenschaft richten würde. Seiner Meinung nach wäre<lb/>
die einzige Möglichkeit, es dürften nur die Lieferanten klagen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> dagegen schlägt vor, dass man einzelnen Unternehmern diese<lb/>
Klagslegitimation einräumen sollte. Die Details werden wir sicher<lb/>
noch im einzelnen, wenn der Gesetzestext von NR <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs>, Österr.<lb/>
Wirtschaftsbund, vorliegt, besprechen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_14">Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb soll jetzt doch in die Begut<lb break="no"/>achtung gehen. Die Arbeiterkammer möchte unbedingt die Klagslegitima<lb break="no"/>tion bekommen. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> dagegen meint, wichtiger sei die korrigierende<lb/>
Werbung durchzusetzen. Jetzt gibt es Werbemethoden, die zwar sitten<lb break="no"/>widrig sind, wie z.B. "Sie haben gewonnen" und dann wird man irgend<lb break="no"/>wie reingelegt, doch erhebt niemand Klage dagegen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte sprich mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wie lange es noch<lb/>
dauert, bis der Gesetzentwurf in die Begutachtung gehen kann.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_16"><rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, beschwerte sich, dass die Kennzeichnungsdurchführung für<lb/>
Textilien und Pflege Kennzeichnungsverordnung rausgegangen ist.<lb/>
Hier gibt es zwei Erlässe des Finanzministeriums. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat aber<lb/>
mit mir zu Recht gesprochen und verlangt, wir sollten abwarten,<lb/>
bis es ihm geglückt ist ein Kompromiss auf diesem Gebiet zu erzielen.<lb/>
Die vier Kennzeichnungen sollen bleiben, doch wird man für pur Wolle,<lb/>
Cotton nicht ausdrücklich noch deutsche Kennzeichnung verlangen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_17">Nachdem das Ölsaatengespräch interministeriell zu keinem Ergebnis<lb/>
geführt hat, soll ich jetzt endlich mit Unilever über einen grösseren<lb/>
Betrag für Raps und Sonnenblumen und Sojaanbauübernahmspreis be<lb break="no"/>sprechen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte Termin vereinbaren.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_19">Die RAG wird den Gaspreis jetzt wahrscheinlich doch nicht einver<lb break="no"/>nehmlich mit der Arbeiterkammer und insbesondere OÖ Gesellschaften<lb/>
<pb n="45-1344" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1344.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>abschliessen können. Die Arbeiterkammer spricht sich heute mehr<lb/>
denn je gegen den Leistungspreis aus. Die einzige Möglichkeit<lb/>
bestünde darin jetzt, den Arbeitspreis mit mit 92 Groschen, wie<lb/>
mit der ÖMV, festlegen und dann den Leistungspreis in individuellen<lb/>
Verfahren resp. womöglich durch Vereinbarung mit den einzelnen<lb/>
Firmen selbst zu bestimmen. Dagegen wehrt sich allerdings wieder<lb/>
der Gewerkschaftsbund. Die wollen nur zusagen, dass als Pönale<lb/>
bei nicht gleichmässiger Abnahme der Gasmenge und damit Über<lb break="no"/>schreitung von gewissen Höchstmengen eine gewisse Aufstockung des<lb/>
92 Groschenpreises erfolgen dürfte.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_20">Die Wiener Stadtwerke haben den Gaspreis, 12,5% Preiserhöhung<lb/>
eingereicht. Die ÖMV hat einen unbefristeten Preisbescheid für<lb/>
Lieferung an Wien. Sie muss jetzt diesen Preisbescheid ebenfalls<lb/>
korrigieren, ansonsten will die Arbeiterkammer diesen Preis nicht<lb/>
als Grundlage für die Wiener Gaspreissetzung berücksichtigen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte Entsprechendes veranlassen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_22">Ich habe anschliessend mit <rs type="person" ref="#per__97498">Ossi Grünwald</rs>, ÖIAG, über die Briefe<lb/>
und Antworten des Ausbauprogrammes der ÖMV mit dem Handelsmini<lb break="no"/>sterium gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> meint, er möchte gerne dazu beitragen,<lb/>
dass es zu einer einvernehmlichen Regelung kommt, weil sonst<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> in der nächsten Aufsichtsratssitzung der ÖMV wieder gegen<lb/>
das Handelsministerium losziehen wird. Ich habe ihm die Situation<lb/>
genau erklärt. Die Vertreter der ÖMV hatten vorerst mit uns gemein<lb break="no"/>sam die Vorgangsweise festgelegt und SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat dann mehr oder<lb/>
minder auf mein Drängen dieser Vorgangsweise zugestimmt. Jetzt habe<lb/>
ich anstelle eines entsprechenden Antwortschreibens auf den gemein<lb break="no"/>sam erstellten Brief nur eine nichtssagende Ausrede bekommen. Seit<lb/>
Zwentendorf-Nichtinbetriebnahme hat sich die Energiesituation<lb/>
wesentlich geändert. Ich habe den ganzen Briefwechsel <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> zur<lb/>
Verfügung gestellt. Er wird sich bemühen, mit der ÖMV eine zweck<lb break="no"/>mässige Antwort zu basteln.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_23">Beim Empfang der geologischen Bundesanstalt für die Arbeitstagung hat<lb/>
mich ein Firmeninhaber, <rs type="person" ref="#per__118733">Kostelka</rs>, der Vater vom Klubsekretär, da<lb break="no"/>rauf aufmerksam gemacht, dass noch niemals so viel für geologische<lb/>
Aktivitäten geschehen ist wie jetzt. Ich habe besonders darauf ver<lb break="no"/><pb n="45-1345" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1345.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wiesen, dass aber gerade SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hier als der Treibende zu<lb/>
bezeichnen ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_24">Bei dem Empfang auf der Botschaft von Kuba hatte ich Gelegenheit<lb/>
mich noch einmal mit dem kubanischen Minister über ihre Erfolge<lb/>
und ganz besonders auch die kubanisch-amerikanischen Beziehungen<lb/>
zu unterhalten. Interessant für mich war, dass er zugeben musste,<lb/>
sie können gegen die Bauern und deren Gewohnheiten sich kaum durch<lb break="no"/>setzen. Als typisches Beispiel, sie haben grossen Mangel an Reis,<lb/>
bauen viel zu wenig an, müssen daher theoretisch importieren und<lb/>
sind ausserstande den Bauern beizubringen auf andere Getreidearten<lb/>
oder Mais auszuweichen. Der Mais verschimmelt in den Lagerhäusern<lb/>
und der Reis wird am Schwarzmarkt verkauft und gekauft. Selbstver<lb break="no"/>ständlich wurde ich neuerdings von ihm nach Kuba eingeladen. Ich<lb/>
habe aber keinerlei Zusagen gemacht, weil ich zeitmässig auch gar<lb/>
keine Möglichkeit sehe.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-11-17_25"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="45_1338_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-11-17_1338-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 17.11.1978</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97496">
               <persName type="label">Gruber, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Gruber</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>GD NEWAG</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97819">
               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98048">
               <persName type="label">Wallnöfer, Eduard</persName>
               <persName><surname>Wallnöfer</surname><forename>Eduard</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118764136</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97442">
               <persName type="label">Firnberg, Hertha</persName>
               <persName><surname>Firnberg</surname><forename>Hertha</forename></persName>
               <occupation>Wissenschaftsministerin</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/11869104X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__112571">
               <persName type="label">Tollmann, Alexander</persName>
               <persName><surname>Tollmann</surname><forename>Alexander</forename></persName>
               <occupation>Geologe/Politiker</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97437">
               <persName type="label">Fiedler, Kurt</persName>
               <persName><surname>Fiedler</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Vizepräs. Wr. HK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97646">
               <persName type="label">Koppe, Fritz</persName>
               <persName><surname>Koppe</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Sekr. JS, ab 1973 GF VKI</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__117852">
               <persName type="label">Popow, Zwetan</persName>
               <persName><surname>Popow</surname><forename>Zwetan</forename></persName>
               <occupation>bulg.-österr. Exporteur, Vertr. Fa. Matra-Manurhin (Frkr.)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97498">
               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1053195672</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__118727">
               <persName type="label">Moskowitsch, A</persName>
               <persName><surname>Moskowitsch</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__108609">
               <persName type="label">Sterk, Georg</persName>
               <persName><surname>Sterk</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__118702">
               <persName type="label">Walter, A</persName>
               <persName><surname>Walter</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Professor</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__114075">
               <persName type="label">Schmidt, Erich</persName>
               <persName><surname>Schmidt</surname><forename>Erich</forename></persName>
               <occupation>Leiter vw. Abt. ÖGB, SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97337">
               <persName type="label">Bauer, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Bauer</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation>GD ÖMV</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__118733">
               <persName type="label">Kostelka, A</persName>
               <persName><surname>Kostelka</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>Vater von Peter Kostelka</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__116100">
               <persName type="label">Kathrein, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kathrein</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Landesamtsdir. Tirol</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__118725">
               <persName type="label">Georg, A</persName>
               <persName><surname>Georg</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>SPD</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107937">
               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__116120">
               <persName type="label">Hille, Monika</persName>
               <persName><surname>Hille</surname><forename>Monika</forename></persName>
               <occupation>Beamtin HM, Fraktion soz. Beamter im HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97676">
               <persName type="label">Lachs, Thomas</persName>
               <persName><surname>Lachs</surname><forename>Thomas</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__109811">
               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98112">
               <persName type="label">Zöllner, Otto</persName>
               <persName><surname>Zöllner</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>AK</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107956">
               <persName type="label">Satzinger, Heinz</persName>
               <persName><surname>Satzinger</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>