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            <title type="main">Freitag, der 20. Oktober 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_01">Freitag, den 20. Oktober 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_02">Landesrat <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs>, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Ennskraft<lb break="no"/>werke, ruft mich an, um mitzuteilen, daß für ihn resp. für die<lb/>
Oberösterreicher nur <rs type="person" ref="#per__118189">Austeda</rs> als Direktor in Frage kommt. Dieser<lb/>
hat sich zwar gar nicht um den Posten beworben, weil er gegenüber<lb/>
dem <rs type="person" ref="#per__115079">Neuhauser</rs>, beide Verbundgesellschaft, keine Chance sich er<lb break="no"/>rechnet. Für <rs type="person" ref="#per__115079">Neuhauser</rs> wird überall Stimmung gemacht und auch ent<lb break="no"/>sprechend protektioniert. Ich erkläre <rs type="person" ref="#per__118218">Reichl</rs> die Situation, daß<lb/>
gegen <rs type="person" ref="#per__115079">Neuhauser</rs> insbesondere die Betriebsräte größte Bedenken<lb/>
haben. Landesrat <rs type="person" ref="#per__113006">Reichl</rs> wird vor der Bestellung im November noch<lb/>
einmal mit mir Kontakt aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte lasse Dich von der Fraktion in der<lb/>
Verbundgesellschaft über die weitere Vorgangsweise informieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_04">Gen.Direktor <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs>, Philips-Gesellschaft, kommt mit Dir. <rs type="person" ref="#per__117664">Nordhoff</rs>,<lb/>
der sich von mir verabschiedet. Er geht nach Eindhoven zurück,<lb/>
wird aber als Aufsichtsratsvorsitzender für Philips Austria weiter<lb/>
tätig bleiben. <rs type="person" ref="#per__117664">Nordhoff</rs> bestätigt mir, daß für Philips Österreich<lb/>
als Investitionsland sehr interessant ist, hauptsächlich wegen<lb/>
des guten sozialen Klimas. <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs> unterstreicht auch die bedeutende<lb/>
Unterstützung der Bundesregierung für alle Philips-Investitionen<lb/>
und vor allem das Verständnis des Handelsministeriums für Philips-<lb/>
Probleme. Als Beispiel wird Erhaltung des Zollschutzes für Video<lb break="no"/>rekorder gegen Japan im Zuge der Tokio-Runde erwähnt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Wie weit gibt es jetzt Informationen aus<lb/>
der Bundesrepublik die Stellungnahme von <rs type="person" ref="#per__111707">Lambsdorff</rs><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_06">Im Jour fixe AK / ÖGB ist Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> damit einverstanden, den<lb/>
tatsächlichen Veredlungsanteil für den Außenhandelsförderungs<lb break="no"/>beitrag auf Grund des Außenhandelsstatistik-Gesetzes zu sistieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_07">Ein Maissperr-Lager von 40.000 Tonnen wird notwendig sein. Da<lb/>
die Händler jetzt den Mais dort mit einem Schilling akkordieren,<lb/>
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hinnehmen mußten. Die Bauernvertreter sind ungeheuer aufgebracht,<lb/>
weil die Mietvereinbarung im Zuge der Marktordnungsverhandlungen<lb/>
im Sommer unterbrochen wurde und sie damit von 40 bis 50 Mio S<lb/>
neuerdings belastet werden, wenn es zum Zinsstützungsabbau von<lb/>
600 Mio S kommt. Da die Marktordnungsgesetz-Novelle wegen der<lb/>
Wahrungsklausel jetzt verhandelt wird, könnte man bei dieser Ge<lb break="no"/>legenheit gleich einen AFM-Beitrag von 38 Groschen um 10 Groschen<lb/>
erhöhen, <choice><choice><sic>was</sic><corr>daß?</corr></choice></choice> bei 500.000 t Trinkmilch ca 50 Mio S für die Bauern<lb/>
zur Verfügung stehen würde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte lasse dies von der Arbeiterkammer<lb/>
und Milchfonds genau berechnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_09">Die Preisverhandlung zwischen Lenzing und Rohölgewinnungs AG<lb/>
RAG wird jetzt von Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> behandelt und die AK und<lb/>
ÖGB ist damit einverstanden. Die Arbeiterkammer, <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, ist<lb/>
sehr erpicht von mir zu erfahren, was ich unternehmen werde, wenn<lb/>
der Dollar weiter zurückgeht. Ich erkläre sofort, nichts, da ich<lb/>
nicht beabsichtige, das Preisgefüge neuerdings durcheinander zu<lb/>
bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_10">Die Importpreis-Regelung für Eier soll unter allen Umständen auf<lb break="no"/>gelassen werden, auch dann, wenn Min.Rat <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> dies scheinbar<lb/>
nicht beabsichtigt resp. verhindern möchte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte schau jetzt endlich, daß dies erledigt<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_12">Bezüglich des Ölsaatenprojektes wird Mag. <rs type="person" ref="#per__114739">Goldmann</rs> eine inter<lb break="no"/>ministerielle Sitzung einberufen, um einerseits die Verhandlungen<lb/>
mit den Amerikanern weiter anzuregen und andererseits für den<lb/>
weiteren Anbau von Ölsaaten nach meinem System der kleinen<lb/>
Schritte entsprechende Vorverhandlungen zu führen. Da die Fett<lb break="no"/>industrie von sich aus sicherlich nicht bereit ist, die Übernahms<lb break="no"/>menge von 3.600 t auf 10.000 t zu genehmigen, wird nachher ein<lb/>
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Gewerkschaftsbund wird unter diesen Umständen verzichten, daß<lb/>
die Margarine in ihrem Preis gesenkt wird. Einen diesbezüglichen<lb/>
Wunsch gibt es auf Grund günstiger Rohstoffpreiseinkäufe. Die<lb/>
Eiweißfuttermittel sollten von 8 auf 18 % Mehrwertsteuer umgestuft<lb/>
werden, damit die 500.000 t, die jetzt ständig Importe sind und<lb/>
steigen, auf erträgliches Maß zurückzuführen.<lb/>
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Handelsminister entsprechende Sparmaßnahmen eingeführt resp. ver<lb break="no"/>langt werden sollen: Vergasereinstellung durch die Automobilver<lb break="no"/>bände, Durchlauferhitzer-Kontrolle durch die Installateur-Innung<lb/>
und die Gasgemeinschaft, ebenso wäre die Zentralheizungskontrolle<lb/>
zu forcieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte diese Aktionen vorbereiten, damit<lb/>
ich die entsprechenden Verhandlungen führen kann.<lb/>
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die unentschlossenen Wähler nehmen ab und es polarisiert sich<lb/>
immer mehr zu Pro-Zwentendorf, derzeit 40 % und Kontra-Zwentendorf<lb/>
derzeit 27 %. Stark zunehmen aber die nicht zur Wahl gehen werden,<lb/>
von 9 auf 14 %. Dies alles ist aber noch vor den dezitierteren<lb/>
Erklärungen der Parteien erhoben worden. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hält fest, daß nur<lb/>
mehr persönliche Aussagen von Leuten, denen man vertraut, die<lb/>
Wahlen beeinflussen können, dies gilt aber für Pro genauso wie<lb/>
für Kontra. Wichtig wäre es, dafür jetzt eben entsprechende Aus<lb break="no"/>sagen zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_16">Bei der Ordensverleihung an Herrn <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs>, Einkaufschef von VW,<lb/>
teilt dieser mit, sie hätten um 3 bis 5 % billiger einkaufen<lb/>
können, wenn sie nur die Qualität von Opel oder Ford verlangen<lb/>
würden. VW steht aber auf dem Standpunkt, die beste Qualität<lb/>
ist gerade gut genug. In der anschließenden Pressekonferenz be<lb break="no"/>richtet er in Details über die Absicht auch Firmengründungen in<lb/>
Österreich, wie z.B. Repa in Salzburg, Körtingwerk zu fördern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_17">Mit 30 Mio DM können dort 220 Beschäftigte in Hinkunft sicher<lb/>
anstelle der zugrunde gegangenen Körtingwerke arbeiten. Die Presse<lb break="no"/>konferenz ist phantastisch besucht, insbesondere von vielen Leuten,<lb/>
die ich gar nicht kenne und die entweder schon Zulieferer für VW<lb/>
sind oder mit ihnen in großes Geschäft kommen wollen, wie Ing.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116449">Streicher</rs> von den Metallwerken.<lb/>
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Vorgangsweise berichten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_19">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__117098">Vogler</rs>, Tullner Zuckerfabrik, beschwert sich, daß er so<lb/>
lange keinen Vorsprachetermin bekommen hat, er hat diesbezüglich<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> einige Male interveniert. Die Tullner Zuckerfabrik ist<lb/>
durch das Kernkraftwerk ungeheuer beeinflußt. <rs type="person" ref="#per__117098">Vogler</rs> möchte aber<lb/>
unter gar keinen Umständen eine größere öffentliche Diskussion,<lb/>
denn sonst kommt womöglich der Slogan, die Tullner erzeugt atom<lb break="no"/>verseuchten Zucker. Die Zuckerfabrik hat das Atomforschungs<lb break="no"/>Institut Hawel mit ihren Interessen beauftragt und von dort ent<lb break="no"/>sprechende Kontrollziffern bekommen. Tulln möchte gern mit GKT zu<lb break="no"/>sammen arbeiten, die Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> und <rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs><lb/>
lehnen dies aber ganz entschieden ab. <rs type="person" ref="#per__117098">Vogler</rs> hat bis jetzt<lb/>
jedwede Kooperation mit <rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> und Kontra-Zwentendorf-Leuten<lb/>
abgelehnt. GKT müsste aber in Angelegenheiten, die die Tullner<lb/>
Zuckerfabriken betreffen, mehr ihn kontaktieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte veranlasse, dass hier eine<lb/>
bessere Zusammenarbeit erfolgt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_21">Die Schlussitzung über die rum.-österr. Gemischte Kommission<lb/>
war ein rein formelle. Anschließend hat <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> auf seinen Wunsch<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>, Österreichische Kontrollbank, Gespräche unter Anwesen<lb break="no"/>heit von seinen und auch meinen Spitzen-Leuten geführt. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs><lb/>
konnte mitteilen, daß jetzt alle offenen Fragen wegen des 2 Mrd S<lb/>
Kredits zwischen Rumänien und Österreich geklärt sind und die<lb/>
rumänischen Wünsche berücksichtigt wurden. Bezüglich eines konsorti<lb break="no"/>alen Kredites für den Schwarzmeer-Kanal rückzahlbar in Dienst<lb break="no"/>leistungen gibt es weder österreichisch noch international ein<lb/>
solches Vorbild. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> erklärt sofort, dies sei vollkommen<lb/>
unmöglich. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> wird nur mit österreichischen Banken reden,<lb/>
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dieses Riesenprojekt 2 Mrd Dollar zusammen zu bringen. Beim Empfang<lb/>
in der rumänischen Botschaft gelingt es den Dr. <rs type="person" ref="#per__115662">Kohmeier</rs> am Tisch<lb/>
zum <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> zu lotsen. <rs type="person" ref="#per__115662">Kohmeier</rs> gelingt es dann, eine entsprechende<lb/>
Zusage von <rs type="person" ref="#per__118213">Avram</rs> für den endgültigen Abschluß des Kooperations<lb break="no"/>abkommens bei <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs>-Besuch festzulegen. Ob dies dann tat<lb break="no"/>sächlich durchgeführt wird, ist für mich eine zweite Frage.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_22">Die VW-Aktivitäten in Österreich, immerhin eine Erhöhung der Importe<lb/>
von 28 Mio DM 76 auf 75 Mio in diesem Jahr und wahrscheinlich<lb/>
120 Mio im nächsten Jahr, lassen auch andere Auto-Importeure nicht<lb/>
ruhen. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__112058">Sternbach</rs> von Ford teilt mir mit, daß jetzt in<lb/>
ihren Gremien entsprechende Überlegungen laufen, damit Österreich<lb/>
auch als investionsinteressantes Land mehr in Betracht gezogen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__112058">Sternbach</rs> meint, er hätte sich in diesem Fall an Staats<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> gewendet, möchte mir aber jetzt unbedingt<lb/>
als Handelsminister, mit dem er vor Jahren schon diese Gespräche<lb/>
begonnen hat, dann Detail-Informationen geben. Er ist sehr er<lb break="no"/>staunt, von mir zu hören, daß es ganz unwichtig ist, wer und wem<lb/>
er informiert, sondern daß ausschließlich das Ergebnis für uns<lb/>
von Bedeutung ist. Wenn er größere Investitionsunterstützung<lb/>
braucht, dann ist es sowieso besser, sofort mit dem Bundeskanzler<lb break="no"/>amt zu verhandeln, weil dort die finanziellen Mittel gegebenen<lb break="no"/>falls zugesagt werden können. Da ich ja kaum Mittel habe, was<lb/>
ich allerdings <rs type="person" ref="#per__112058">Sternbach</rs> nicht so dezidiert sage, erscheint es<lb/>
mir vom Standpunkt der Zweckmäßigkeit, aber auch letzten Endes<lb/>
vom Standpunkt, wer Zusagen machen kann, viel zweckmäßiger, wenn<lb/>
der Bundeskanzler gleich selbst eingeschaltet wird und entscheidet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_23">Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> schlägt auch für die österreichischen Waren-Aktion vor,<lb/>
das Handelsministerium sollte österreichische Weihnachtsgeschenks<lb break="no"/>angebote zusammenstellen lassen. Er ist fest davon überzeugt, daß<lb/>
ein Großteil der österreichischen Anbieter wie z.B. Kaufhäuser,<lb/>
aber auch die einzelnen Konsumenten gar nicht wissen, was alles<lb/>
in Österreich erzeugt wird. Seiner Meinung nach wäre es optisch<lb/>
ungeheuer günstig, wenn jetzt nicht nur Volkswarenwerk von HEA<lb/>
3.000 Radios kaufen, sondern überhaupt HEA, welche unter Kapsch<lb/>
jetzt eine Stereoanlage für 20.000 S, also hochwertiges Produkt<lb/>
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kommt nicht in Frage, weil sie nicht über Händler verkauft wird,<lb/>
Matador usw. könnte herangezogen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_24">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Lasse, bitte eine Liste der Produzenten<lb/>
und Produkte, die für so ein Weihnachtsgeschenk-Angebot in Frage<lb/>
kommen, zusammenstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_25">Bei der Abend-, man kann in dem Fall ruhig sagen Nacht-Veranstaltung<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> mit 2 Dutzend von Professoren gibt es eine ganz interessante<lb/>
Diskussion. Neben Prof. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs>, Österreichische Nationalbank, sind<lb/>
aus ganz Österreich Universitätsprofessoren für Wirtschaft und<lb/>
Finanz erschienen. Zwei Probleme waren dann diskutiert, nachdem<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> interessanterweise nur eine ganz kurze Einleitung ge<lb break="no"/>halten hat und keinerlei Vorschläge oder Wünsche über die Dis<lb break="no"/>kussion geäußert hat. Das eine Gebiet war unsere Wirtschaftssitu<lb break="no"/>ation und das zweite ganz besondere die Hartwährungspolitik. Letzten<lb/>
Endes dann aber ist die ganze Diskussion in eine Steuerdiskussion<lb/>
abgeglitten. Alle waren sich einig, daß jetzt auf dem Gebiet der<lb/>
Steuer etwas geschehen muß, der Steuerwiderstand wird immer größer,<lb/>
obwohl auch ebenfalls alle zugeben mußten, daß Österreich mit<lb/>
der tatsächlichen Steuerbelastung gar nicht an der Spitze liegt,<lb/>
sondern ganz im Gegenteil im Grunde genommen nur der Zehent aus<lb/>
dem Mittelalter auch bei uns de facto für die Einkommens- und<lb/>
Lohnsteuer wirksam wird. Die hohen Marginalsätze von 40 und 50 %<lb/>
schrecken alle. Bezahlt wird de facto durch die vielen Ausnahmen<lb/>
nur 11 bis 13 %. Bei der Reform-Diskussion sehe ich nur eine<lb/>
große Gefahr und habe dies dort auch deponiert. Man spricht, daß<lb/>
wenn man alle Ausnahmen abschafft, daß man dann den marginalen<lb/>
Steuersatz entsprechend senken kann. Dies bezweifle ich nicht,<lb/>
doch fürchte ich, daß wenn man die Begünstigung des 13. und<lb/>
14. Monatsbezug tatsächlich verschwinden läßt, dann die Arbeiter<lb/>
und Angestellten der mittleren Einkommensbezieher entsprechende<lb/>
Belastungen auf sich nehmen müssen. Gestaltungsmöglichkeiten<lb/>
von einigen 10.000, darunter auch sicherlich die Professoren,<lb/>
<pb n="45-1228" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-10-20_1228.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>die dort waren und an Beispielen demonstrierten, wie dies gemacht<lb/>
wird, können mich nicht beeindrucken, jetzt allgemein diese Be<lb break="no"/>günstigung für die Arbeiter und Angestellten zum Verschwinden zu<lb/>
bringen. Die wenigen 10.000 würden dann zwar vielleicht eine ent<lb break="no"/>sprechende andere Lösung kriegen, die große Masse aber der<lb/>
2,700.000 Beschäftigten würden dabei einen Nachteil in Kauf nehmen<lb/>
müssen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat schon recht, wenn er auch darin eine gewisse<lb/>
Logi<add>[?]</add> Mentalität von mir erkennt, die, wenn man sie nicht überwindet,<lb/>
eine ernstliche Steuerreform schwer möglich macht. Bevor ich<lb/>
aber einen so weitgehenden Schritt befürworten würde, müßte man<lb/>
vorerst ganz genau analysieren, wer aller bei dieser Steuerreform<lb/>
draufzahlt und wer letzten Endes dabei profitiert. <rs type="person" ref="#per__117674">Ostleitner</rs><lb/>
vom SPÖ-Klub hat mit Recht darauf verwiesen, daß in unserer<lb/>
Steuerpolitik derzeit jedes Unternehmerverhalten förderungswürdig<lb/>
ist. Investiert er, hat er die vorzeitige AfA und kriegt Zinsen<lb break="no"/>zuschüsse, investiert er nicht, hat er die Möglichkeit der Rück<lb break="no"/>lagen zu bilden und dann über Sparen und Prämien entsprechende<lb/>
Zuschüsse ebenfalls zu bekommen. Finanzwissenschaftler <rs type="person" ref="#per__117676">Bös</rs> meinte,<lb/>
die Steuerreform müßte trachten auf vier Grundsteuern zurückzu<lb break="no"/>kommen, Einkommen- und Lohnsteuer, Umsatzsteuer, Vermögenssteuer<lb/>
und eine entsprechende Gewinnsteuer, damit sollte man das Aus<lb break="no"/>langen finden. <rs type="person" ref="#per__117677">Sochor</rs>, <rs type="person" ref="#per__117678">Tichy</rs>, <rs type="person" ref="#per__117679">Frisch</rs>, <rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs> und <rs type="person" ref="#per__118219">Schuster</rs> von<lb/>
Linz sowie <rs type="person" ref="#per__111990">Schwödiauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__117681">Fürst</rs> diskutierten unsere Währungs<lb break="no"/>situation. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> analysierte zu recht, daß die großen Unter<lb break="no"/>nehmungen wie die VÖEST z.B. um 3 1/2 Mrd Dollar mehr importieren<lb/>
als ihr gesamter Export ausmacht, sie würden also von einer Ab<lb break="no"/>wertung nichts haben, im Gegenteil draufzahlen. Die Vereinigten<lb/>
Edelstahlwerke aber, die wesentlich mehr exportieren als den<lb/>
Import belastet sind, kann man mit einer 3 oder 5 %-igen Ab<lb break="no"/>wertung auch nicht helfen, diese würden so wie die Steyr-Daimler<lb break="no"/>Puch, wenn man ihnen über Währungspolitik beim Export helfen will,<lb/>
mindestens zweistellige Abwertungsziffern brauchen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
faßte dann zusammen und meinte, eine gemäßigte Hartwährungs<lb break="no"/>politik, wie sie bei allen Rednern letzten Endes durchgeklungen<lb/>
ist, sei die beste Lösung. Selbst <rs type="person" ref="#per__118220">Rothschild</rs>, der immer für<lb/>
Flexibilität und in Wirklichkeit auch für Abwertung bei Einkommens<lb break="no"/>stabilisierung eingetreten ist, hat sich dieser Meinung angeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band45_1978-10-20_26">Alle waren sich klar, daß, wenn es zu einer Abwertung käme, die<lb/>
Gewerkschaften eine restriktive Einkommenspolitik machen würden<lb/>
und müßten, ob dies auch dann bei der Arbeiterschaft durchzu<lb break="no"/>stehen ist, wird bezweifelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat zwar angenommen und<lb/>
zusammengefaßt, daß in der Lohnpolitik der Nachholbedarf aufge<lb break="no"/>holt wurde. Bei Abwertungen in Schweden, aber auch in Groß<lb break="no"/>britannien ist trotz der starken Gewerkschaftsorganisation dort<lb/>
letzten Endes der konservativen Regierung gelungen, die Einkommens<lb break="no"/>minderung den Arbeitern aufzuzwingen. Die Steuerreform muß durch<lb break="no"/>geführt werden, weil sie derzeit eine unerträgliche Belastung<lb/>
für die einzelnen Steuerzahler darstellt. Ob sie tatsächlich<lb/>
so unerträglich ist, sollte man aber im einzelnen untersuchen.<lb/>
Ein großes Problem stellt die Sozialversicherungssanierung<lb/>
dar. Die schwedischen Erfahrungen zeigen, daß man die Bevölkerung<lb/>
nur bis zu einem gewissen Grad mit entsprechenden Abgaben auch<lb/>
auf diesem Gebiet belasten darf. Der Arbeiter in Schweden zahlt<lb/>
<choice><choice><sic>sowohl</sic><corr>so viel?</corr></choice></choice> Beiträge, daß sein Netto-Einkommen dann so geschmälert wird,<lb/>
daß man ihm über die Wohnungsbeihilfen und sonstige Unterstützungen<lb/>
wieder einen Großteil dieser Leistungen zurückzahlen muß. Damit<lb/>
wird nur ein Riesenverwaltungsapparat beschäftigt und die Unzu<lb break="no"/>friedenheit steigt ins Uferlose. Auch hier, meint <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ist eine<lb/>
entsprechende Reform nötig. Diese mehrmals jährlich stattfindenden<lb/>
Aussprachen mit den Professoren haben den Vorteil, daß <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
sich immer wieder dann darauf berufen kann, die Wissenschaft kann<lb/>
auch keine besseren Vorschläge machen, als er sowieso beabsichtigt<lb/>
hat durchzuführen. Wenn ich bedenke, daß es ihm seit 1970 immer<lb/>
wieder gelingt, die Wissenschaftler entweder, wenn sie gegenteiliger<lb/>
Meinung sind, gegeneinander auszuspielen und letzten Endes dann<lb/>
aber doch auf seine Politik mehr oder minder festzulegen, so ist<lb/>
dies für mich ein Beweis, wie er auch diesen Kreis durch seine<lb/>
Art beeinflussen kann. Ich bin zwar überzeugt, daß es auch den<lb/>
Oppositionsführern gelingt die Wissenschaftler mehr oder minder<lb/>
auf ihre Politik festzulegen oder zumindestens zu neutralisieren.<lb/>
Der Wissenschaftler möchte in Wirklichkeit nur Anerkennung und<lb/>
begnügt sich schon, wenn er zu solchen Aussprachen herangezogen<lb/>
wird, dort seine Meinung äußern kann und dann vielleicht in<lb/>
einer oder der anderen Frage recht bekommt. Läßt man dann geschickt,<lb/>
wie dies <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> macht, sie fühlen, daß sie mit ihrem Beitrag<lb/>
<pb n="45-1230" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band45/45_1978-10-20_1230.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Wesentliches geleistet haben, dann hat man sie zumindestens neu<lb break="no"/>tralisiert. Ich fürchte allerdings, das reicht nur bis zur näch<lb break="no"/>sten Aussprache mit der Oppositionsführung, dort verhält es sich<lb/>
sicher ähnlich. Da der Bundeskanzler aber natürlich eine wesent<lb break="no"/>lich größere Potenz darstellt und auch über mehr Einfluß verfügt,<lb/>
hat er einen Vorteil gegenüber allen anderen, die sich auch der<lb/>
Wissenschaft bedienen. Praktisch helfen können sie, den Eindruck<lb/>
habe ich aus den Aussprachen, die ich bis jetzt mitgemacht habe,<lb/>
nicht allzu viel.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 20.10.1978</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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            <head>Typoskript "Überlegungen zur Förderung von Klein- u. Mittelbetrieben", TB Burian, 20.10.1978</head>
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               <occupation>oö. SPÖ-LR, AR-Vors. Ennskraftwerke</occupation>
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               <occupation>Einkaufsvorstand VW</occupation>
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               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
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               <occupation>Kaufm. Dir. KKW Tullnerfeld GmbH</occupation>
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