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            <title type="main">Mittwoch, der 11. Oktober 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_01">Mittwoch, den 11. Oktober 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_02">Die sozialistische Fraktion und Führung des Heilbäder- und<lb/>
Kurorteverbandes, an der Spitze der Bürgermeister von Bad Ischl,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116989">Saller</rs>, sprachen bei mir neuerdings wegen des 300 Millionen<lb/>
Dollarkredites an Ungarn vor. <rs type="person" ref="#per__116989">Saller</rs> war bereits von Dr. <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs><lb/>
über diesen Kredit genau informiert worden. Trotzdem wollten<lb/>
sie durch die feierliche Vorsprache sich die Möglichkeit schaffen,<lb/>
beim nächsten Kurorte- und Heilbädertag, der noch in dieser<lb/>
Woche stattfindet, darauf hinweisen zu können, daß sie mit mir<lb/>
persönlich auch noch einmal dieses Problem besprochen haben.<lb/>
Sie waren sehr erfreut, von mir dezidiert zu hören, daß keinerlei<lb/>
Absicht besteht, dem Wunsch der Ungarn auf Auslastungsgarantie<lb/>
zu entsprechen. Ich habe vor, ihnen noch mit dem Generaldirektor<lb/>
des Hauptverbandes <rs type="person" ref="#per__115613">Dragaschnig</rs>, den sie übrigens auch nachher<lb/>
besuchten und von mir eine diesbezüglich Terminvereinbarung<lb/>
mit ihm wünschten, der neuerdings erklärte, daß eine Auslastungs<lb break="no"/>garantie für den österreichischen Hauptverband überhaupt nicht<lb/>
in Frage kommt. Ich erklärte ihnen dann nur zusätzlich, daß<lb/>
für die Sozialversicherungsträger eine Entsendung in das Ausland<lb/>
nur dann in Frage kommt, wenn entsprechende Heilmöglichkeiten<lb/>
in Österreich nicht gegeben sind. Dies gilt, soweit mir bekannt<lb/>
ist, nur für Israel, Totes Meer und vereinzelt in wirklich ganz<lb/>
seltenen Fällen für europäische Heilbäder. Die Delegation war<lb/>
mit der Aussprache sehr zufrieden. Für mich war es wieder einmal<lb/>
ein Beweis, daß wir viel zu wenig kooperieren. Hätte die ÖVP-<lb/>
Fraktion, sei es im Verband, sei es auch bei anderen Gelegenheiten<lb/>
und Organisationsveranstaltungen, nicht sich dieses Problems ange<lb break="no"/>nommen, hätten wir wahrscheinlich unsere Vertreter überhaupt<lb/>
nicht informiert. Was wir brauchen, ist einen besseren persön<lb break="no"/>lichen Kontakt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte überlege dir, wie im Fremdenverkehr<lb/>
mit unseren Leuten in den Ländern wir besser kooperieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_04">Im Klub der SPÖ hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> das politische Referat gehalten. Er<lb/>
beschäftigte sich nur mit ORF und den Wahlergebnissen. Alle anderen<lb/>
Probleme wird er bei der Klubtagung behandeln. Bezüglich ORF,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97326">Bacher</rs>-Bestellung, schilderte er den Hergang, allerdings von seiner<lb/>
Sicht. Die Bestellung <rs type="person" ref="#per__114975">Oberhammers</rs>, den er persönlich nicht kannte<lb/>
und der ihm von Leuten empfohlen wurde, war nicht die glücklichste.<lb/>
Er erwähnte, daß er schon öfter auf Personalempfehlungen rein<lb break="no"/>gefallen ist. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich sind ja der Überzeugung, und diese<lb/>
Aussprache bestätigte es uns neuerdings, daß er sich zuerst<lb/>
Leute empfehlen läßt und dann über diese Empfehlung nicht glück<lb break="no"/>lich ist. Da es mir bei ähnlichen, Gott sei Dank nur sehr seltenen<lb/>
Fällen auch schon passierte, kann ich seine Situation verstehen.<lb/>
Aus dieser Fehlbesetzung, in meinen Augen allerdings auch aus<lb/>
der Fehlkonstruktion des Rundfunk-Gesetzes ergibt sich eben dann<lb/>
für uns politisch gesehen eine tragische Situation. Neuerdings<lb/>
kann ich nur wiederholen, was ich schon öfters abdiktiert habe,<lb/>
es ist gar nicht wichtig, im Einzelfall bei einem Sachproblem<lb/>
diese oder jene Entscheidung zu treffen, wirklich von Bedeutung<lb/>
ist nur die richtigen Leute auf den richtigen Platz zu bringen.<lb/>
Sind aber dann Leute in Position und machen die nichts anderes<lb/>
als sachliche Fehler, dann ist es meistens so, daß sie von einer<lb/>
Gruppe abgelehnt, von einer anderen Gruppe gehalten werden. Geht<lb/>
diese Entwicklung bis in die Spitze der Parteiführung, dann<lb/>
kann aus dieser Gruppenbildung eine Personaldiskussion ent<lb break="no"/>stehen, die in Wirklichkeit verheerend sein kann. Bei <rs type="person" ref="#per__114975">Oberhammer</rs><lb/>
ist sie sogar für unsere Parteiführung und Einigkeit katastrophal.<lb/>
Da dieser Fall seit 1968/69 der einzige ist, welcher zwischen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kein einvernehmliches Vorgehen nach außen hin<lb/>
dokumentierte, gibt es jetzt sehr unangenehme Spannungen. Über<lb/>
die Wahlergebnisse hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur negativ berichten können,<lb/>
in der Steiermark eine Katastrophe verhindert, aber doch große<lb/>
Einbußen im obersteirischen Raum mit unerwarteten Gewinnen in<lb/>
der Oststeiermark und in Wien der Erdrutsch mit den Wahlenthal<lb break="no"/>tungen. In der Steiermark ist es für mich gar keine Frage, daß<lb/>
wir eben in kleineren Gemeinden, vielleicht auch durch unsere<lb/>
Agrarpolitik, gewinnen und in größeren Städten, vielleicht auch<lb/>
<pb n="44-1171" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-10-11_1171.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>allerdings auch durch unsere Politik, bei unseren Wählerschichten<lb/>
verlieren. Dies gibt mir eigentlich immer mehr zu denken. Eine<lb/>
Politik zu betreiben, die sich gegen die Kernschichten der<lb/>
eigenen Partei, zumindestens in deren Augen, richtet und solche<lb/>
Wahlergebnisse zeitigt, ist genau das, was ich immer befürchtete.<lb/>
Regierungsverantwortung heißt selbstverständlich, daß man nicht<lb/>
ausschließlich für seine eigenen Leute oder Wählerschichten<lb/>
arbeiten darf. Da man aber doch immer wieder dann glaubt Ent<lb break="no"/>scheidungen treffen zu müssen, die von den eigenen Leuten ver<lb break="no"/>standen werden, obwohl sie sich direkt oder indirekt gegen deren<lb/>
Interessen richten, gehen eben nur bis zu einem gewissen Grad.<lb/>
Wo die Grenze ist, läßt sich aber sehr schwer feststellen. Kleine<lb/>
Grenzüberschreitungen werden sogar wahrscheinlich auch noch ak<lb break="no"/>zeptiert. Kommt es aber dann zu größeren, dann kann es einem pas<lb break="no"/>sieren, daß die Reaktion in einer Aktion bei den nächsten<lb/>
Wahlen sich niederschlägt: Stimmenthaltung oder, wo es gar Wahl<lb break="no"/>pflicht wie in der Steiermark gibt, Protestwahl. Unerklärlich<lb/>
ist es mir nur, und dies müßte eben dann wirklich eine genaue<lb/>
Analyse einmal herausarbeiten, wohin sich diese Protestwähler<lb/>
wenden. In Wien war es ganz klar, da haben sie sich der Wahl<lb/>
enthalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_05">Anschließend an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sein Budgetproblem<lb/>
und natürlich einleitend ein wenig die wirtschaftliche Lage<lb/>
besprochen. Anschließend mußte dann noch <rs type="person" ref="#per__97803">Pansi</rs> die Fragestunde<lb/>
erörtern und die Redner einteilen, so daß sich letzten Endes<lb/>
überhaupt keine Möglichkeit für eine Diskussion ergab. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
fand dies selbst als äußerst unbefriedigend, weshalb er vor<lb break="no"/>schlug am nächsten Tag eine halbe Stunde vor Sitzungsbeginn<lb/>
eine Diskussion abzuführen. Wenn unsere Genossen in dem Klub<lb/>
und ich weiß nicht wo sonst noch in Spitzengremien keine<lb/>
Möglichkeit bekommen ihre Meinung zu sagen, wenn man auch<lb/>
so will den Dampf abzulassen, wird dies auf die Dauer nicht<lb/>
gut gehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_06">Die Aussprache <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und ich mit der Ölwirtschaft verlief<lb/>
wie erwartet. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> hat mich vorher noch einmal konsultiert<lb/>
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Internationalen die endgültige Vorgangsweise zu besprechen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat deshalb auch einleitend auch nur gesagt, ja er<lb/>
erwartet eine Kooperation, wie dies auch ganz besonders bei der<lb/>
Mehrwertsteuer-Einführung der Fall war. Dort dürfte er damals<lb/>
den Ölfirmen entsprechende Zugeständnisse gemacht haben. Er<lb/>
erklärte auch im Einzelnen, warum die Regierung eine Mineralöl<lb break="no"/>steuer-Erhöhung vorsieht, obwohl er davon budgetmäßig gar<lb/>
nichts hat, durch die Zweckbindung geht alles in den Straßenbau.<lb/>
Er schlug den Ölfirmen auch vor, daß jetzt<add>[um]</add> 30 Groschen die<lb/>
Mineralölsteuer erhöht werden soll, wobei er bemerkte, über die<lb/>
Höhe könne man eventuell noch kleinere Korrekturen vornehmen.<lb/>
Die Regierung erwartet, daß trotzdem der de facto Preis, sprich<lb/>
Super-Benzin von 7.– S im nächsten Jahr unverändert bleibt. Dies<lb/>
Ganze gilt mit der clausula sic stantibus. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>,<lb/>
aber auch dann andere Sprecher meinten, das müsse man sich alles<lb/>
noch genau überlegen. Die Multis-Vertreter sehen aber keinerlei<lb/>
Möglichkeit eine solche Mineralölsteuer-Erhöhung aus ihren<lb/>
Spannen zu tragen. Sie erwarten außerdem eine Rohölpreiserhöhung<lb/>
durch die OPEC und vor allem ein Anziehen des Dollars. Hier<lb/>
gilt eben, meinte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, die clausula sic stantibus. Gen.<lb/>
Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> verwies dann noch auf die Mitteilung der Handels<lb break="no"/>kammer, daß eine Belastung des Handels, sprich Tankstellen usw.<lb/>
durch eine Mineralölsteuer-Erhöhung nicht erfolgen dürfe, da<lb/>
über dieses Problem noch in der Bundeshandelskammer Gespräche<lb/>
stattfinden, außerdem aber die Ölfirmen unter sich jetzt über<lb/>
die Wünsche der Bundesregierung beraten wollen und müssen, wurde<lb/>
die Sitzung für Freitag, 9.00 Uhr, Finanzministerium vertagt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte Termin vormerken!<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_08">Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> teilt mir mit, daß sie jetzt unser Budget<lb/>
für Inlandsreisen erschöpft ist. Er wird daher neuerdings mit<lb/>
den Sekt.Chefs Verhandlungen aufnehmen, um diese Reisen mehr<lb/>
und stärker einzuschränken. Bei Inlandsreisen haben wir zwar<lb/>
die Möglichkeit durch Virement die notwendigen Gelder aus<lb/>
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aber gar nicht erfreut. Selbstverständlich kriegt <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> von mir<lb/>
jedwede Unterstützung, um diese verheerende Entwicklung zu<lb/>
bremsen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_09">In der Paritätischen Kommission muß ich wegen Verspätung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
den Vorsitz übernehmen. Der einzig interessante Punkt ist die<lb/>
Erhöhung des Semmelpreises für maschingeformte Semmeln von<lb/>
1,10 S auf 1,20 S ab 1. Februar. In der Vorbesprechung der Prä<lb break="no"/>sidenten hat es darüber einen heftigen Streit gegeben. Die<lb/>
Arbeiterkammer, Dr. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, wollte nicht die, wie ich glaube, einzig<lb/>
mögliche Lösung 10 Groschen akzeptieren. Darüber hinaus wollte<lb/>
die Handelskammer bereits den 1. Jänner und nach langwierigen<lb/>
Verhandlungen hat man sich dann doch auf 1. Februar geeinigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_10">Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> von der Handelskammer war jetzt in China<lb/>
und hat dort festgestellt, daß größere Aufträge nach Österreich<lb/>
kommen werden. Auf der einen Seite sind die Chinesen an der<lb/>
Ausdehnung ihrer Stahlproduktion sehr interessiert und die VÖEST<lb/>
wird einen größeren Auftrag bekommen. Auf der anderen Seite<lb/>
kaufen sie jetzt in größerem Maße, z.B. bei Lenzing, Zellwolle<lb/>
und weitere Halbfabrikate werden wahrscheinlich noch von ihnen,<lb/>
insbesondere Edelstahl usw. bestellt. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> sieht die einzig<lb/>
große Gefahr darin, daß es nicht gelingen wird die Importe<lb/>
aus China wesentlich zu erhöhen, dadurch muß es zu einer Un<lb break="no"/>balance im Handel kommen und die Chinesen werden dann früher<lb/>
oder später diese Aufwärtsentwicklung unseres Exportes wieder<lb/>
stoppen. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> meint, daß man mit Transithandel in China einiges<lb/>
erreichen könnte und erwartet die Unterstützung des Handels<lb break="no"/>ministeriums.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-10-11_12">Geschäftsführer <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, Österreichische Fremdenverkehrswerbung,<lb/>
hat den bekannten Dichter <rs type="person" ref="#per__115614">H.C. Artmann</rs> für einen Text und den<lb/>
Maler <rs type="person" ref="#per__115615">Bugatti</rs> für die Graphik je 10.000 S zusätzlich bezahlt<lb/>
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über den Beharrungsbeschluß Arbeiterkammergesetznovelle dort<lb/>
schnell hinzueilen. Durch reinen Zufall hatte ich am Vortag<lb/>
spät abends noch einen Teil der <rs type="person" ref="#per__115614">Artmann</rs>-Sendung gesehen. Dadurch<lb/>
konnte ich mit den Künstlern, <rs type="person" ref="#per__115615">Bugatti</rs> hat einmal eine Aus<lb break="no"/>stellung mit <rs type="person" ref="#per__108224">Lütgendorf</rs> gemacht, doch auch einige persönliche<lb/>
Gespräche führen. Daß Künstler es im Fernsehen auch nicht ein<lb break="no"/>fach haben, konnte ich dabei feststellen. <rs type="person" ref="#per__115614">Artmann</rs> beklagte sich<lb/>
bei mir, daß ihn der Reporter reinlegen wollte. Da er gerade<lb/>
von einer Reise mit seiner 18-jährigen Freundin zurückgekommen<lb/>
ist, die, wie er sagte, 5 Kilo bei den paar Tagen, wo sie in<lb/>
Triest waren, zugenommen hat, beschwerte er sich bei mir, daß<lb/>
der Reporter unbedingt auch darüber berichten wollte. Dies sei<lb/>
aber nicht wegen seiner Frau, die meint, er hat sich damit schon<lb/>
abgefunden, aber wegen der Schwiegereltern äußerst unangenehm.<lb/>
Interessant war, daß sich <rs type="person" ref="#per__115614">Artmann</rs> als gläubiger Mensch be<lb break="no"/>zeichnete, geboren im Waldviertel, aber in Alt-Österreich, wie<lb/>
er sich ausdrückte, beheimatet. Seine Bücher werden in Ungarn,<lb/>
Tschechien, Italien, d.h. an die angrenzenden Staaten in deren<lb/>
Sprachen übersetzt und gern gelesen. Englisch meint er, kommt<lb/>
er gar nicht an und in Amerika verstehe man ihn sowieso nicht.<lb/>
Ich persönlich bin eigentlich sehr froh, daß ich mit diesen<lb/>
Künstlervölkchen sehr wenig, um nicht zu sagen gar nichts, zu tun<lb/>
habe. Auf deren Mentalität und deren Lebensweise, oft vielleicht<lb/>
sogar auf ihre Lebensphilosophie, von ihrer politischen Ein<lb break="no"/>stellung ganz zu schweigen, könnte ich mich nur sehr schwer<lb/>
einstellen.<lb/>
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               <occupation>Bgm. Bad Ischl (OÖ)</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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