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            <title type="main">Mittwoch, der 13. September 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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unsere Zahlungsbilanzsituation die Seifenproduktion in Österreich<lb/>
wieder aufgenommen werden sollte. Eine Studie des Wirtschafts- und<lb/>
Sozialbeirates schlägt eine solche Massnahme indirekt vor. Wir<lb/>
importieren derzeit 5.000 Tonnen, 115 Mio Schilling, exportie<lb break="no"/>ren nur von einer kleineren Fabrik in Graz 200 Tonnen für 10 Mio<lb/>
Schilling, typische Spezialseifen von einer österreichischen<lb/>
Produktion von 2.100 Tonnen mit einem Wert von 51 Mio Schilling.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> erklärt, dass die Unilever-Konzernspitze seinerzeit be<lb break="no"/>schlossen hat in Österreich nur die Waschmittelproduktion auszu<lb break="no"/>bauen. Die Erzeugung liegt bei 20.000 Tonnen, 300 Mio Schilling<lb/>
Produktionswert, von dem 100 Mio zuzüglich 15 Mio Schilling Elida<lb/>
Produkte exportiert werden. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> bekommt jetzt immer grössere<lb/>
Schwierigkeiten beim Export von Waschmittel. Er ist deshalb<lb/>
sehr froh, jetzt über eine eventuelle Seifenproduktion in Öster<lb break="no"/>reich oder irgendeiner anderen Produktion mit seiner Unilever-<lb/>
Spitze verhandeln zu können. Die Seifenproduktion in Österreich<lb/>
wäre nur dann rentabel, wenn es zwischen den beiden grossen<lb/>
Konzernen Unilever und Henko zu einer Vereinbarung wegen einer<lb/>
eventuellen gemeinsamen Grundproduktion kommen könnte. Ich habe<lb/>
deshalb einen diesbezüglichen Brief wegen einer Aussprache an<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__116375">Lobner</rs>, Persil, gerichtet. Unilever hat derzeit eine Zahncreme<lb break="no"/>fabrik in Berlin in Bau. Dort wird mit 6% Berlinhilfe wesentlich<lb/>
billiger produziert. Unilever International hat deshalb die Ab<lb break="no"/>sicht die Zahncremeproduktion in Österreich einzustellen. Dagegen<lb/>
würden wir uns genauso wie GD <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> sehr zur Wehr setzen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> sieht übrigens eine grosse Möglichkeit eine Fettsäure<lb break="no"/>fraktionierung in Österreich doch noch zu betreiben. Derzeit hat<lb/>
die Rohrückgewinnungsgesellschaft<add>[?]</add> Schöps und Hirsch einen jähr<lb break="no"/>lichen Verlust von 14 Mio Schilling. Wenn es möglich wäre, die<lb/>
Fettsäuredestillation entsprechend auszubauen und in eine Fett<lb break="no"/>säurefraktionierung umzuwandeln, dann müsste es möglich sein, mit<lb/>
Beteiligung von deutschen Firmen entsprechende Produkte auch in<lb/>
Österreich abzusetzen. Aus Deutschland kommt eine Beteiligung der<lb/>
Firma Käse, Hamburg, in Frage. SChef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat es übernommen, die<lb/>
entsprechenden Unterlagen zu erarbeiten und die Informationen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_03">Die Rapsproduktion wird im heurigen Jahr nicht wesentlich<lb/>
über dem vorjährigen Anbau liegen. Wider allen Erwartungen<lb/>
wurden doch 4.000 Tonnen erzeugt und auch übernommen. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs><lb/>
teilt mir mit, dass das Ölmühlenprojekt mit Standort Wien von<lb/>
der Unilever jetzt dem Landwirtschaftsministerium, das eine Stand<lb break="no"/>ortuntersuchung durchführt, übergeben wurde. Der von der Industrie<lb/>
jährlich zur Verfügung stehende Betrag von 200.000 Schilling zum<lb/>
Anbau von Sonnenblumenversuchen an den Landwirtschaftsminister,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116927">Kirschnitz</rs>, wird diesmal mit der Widmung zur Verfügung gestellt,<lb/>
die Sojaproduktionsversuche von <rs type="person" ref="#per__116928">Wolf</rs> damit zu finanzieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte erkundige Dich im Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium, wie dies läuft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_05">Direktor <rs type="person" ref="#per__114404">Ebeling</rs> von der Firma Mobil verhandelt mit <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
und mir, ob es eine Möglichkeit gibt, die RAG nicht in Einzel<lb break="no"/>preisregelungen für Erdgas in ungeheure Schwierigkeiten zu<lb/>
bringen, sondern eine generelle Vereinbarung zu schliessen.<lb/>
Die RAG ist bereit, die 92 Groschen Gaspreis der ÖMV als Höchst<lb break="no"/>preis zu akzeptieren. Von derzeit 16 Einzelverträgen sind nur 3<lb/>
über diesen Preis. Chemie Linz und Lenzing muss aber nach meinen<lb/>
Absichten und insbesondere nach den wirtschaftlichen Notwendigkeiten<lb/>
unbedingt eine weitere Ermässigung bekommen. Wenn die RAG eine<lb/>
solche Lösung vorschlägt, bin ich bereit mit AK und ÖGB über den<lb/>
Wunsch der RAG nur einen generellen Preisbescheid zu erlassen und<lb/>
nicht die Einzelpreise bescheidmässig zu fixieren. Die RAG will<lb/>
nämlich genauso wie die OÖ Ferngas spätestens in 2 Jahren einen<lb/>
einheitlichen generellen Abnahmevertrag mit ihren Abnehmern.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114404">Ebeling</rs> wird ein diesbezügliches Gespräch mit seinem Vorstand<lb/>
führen und dann neuerdings mit uns verhandeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_06">Ein Verwandter des Sultans von Oman, gleichzeitig Verteidigungs<lb break="no"/>minister, Jugend- und Sportminister hat eine Österreicherin ge<lb break="no"/>heiratet. Die Verwandten und Bekannten sind nun bestrebt diesen<lb/>
Mann den österreichischen Ministern stets zu präsentieren, weil<lb/>
vielleicht die Möglichkeit von Geschäftsanbahnung besteht, dies<lb/>
in doppeltem Sinne, sowohl für die Familienmitglieder, als auch<lb/>
für die Unternehmer. Die Situation war für mich äusserst delikat,<lb/>
<pb n="44-1015" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-09-13_1015.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>da ich ja nicht wusste, dass die anwesende Frau die Gemahlin<lb/>
des Arabers ist. Der Schwiegervater wieder hat so erzählt,<lb/>
als wenn er mich schon jahrzehntelang kennen würde. Scheinbar<lb/>
haben wir einen gemeinsamen Bekannten aus der Gewerkschaft.<lb/>
Der Botschafter aus Oman in Österreich kümmert sich um den<lb/>
Minister und den Verwandten des Sultan überhaupt nicht, äusserst<lb/>
komische Zustände. Zum Landwirtschaftsminister ist der Verteidi<lb break="no"/>gungsminister wieder deshalb gekommen, weil er 3 Lipizzaner zu<lb/>
einem sündteurem Geld gekauft hat, wie mir <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> anschliessend<lb/>
versicherte. Die österreichischen Herren wollten meine Zustimmung<lb/>
zur Idee eine omanisch-österreichisch gemischte Gesellschaft<lb/>
zu gründen resp. eine omanisch-österreichische Handelskammer zu<lb/>
errichten. Ich selbst habe gegen beide Projekte nichts einzu<lb break="no"/>wenden, ganz im Gegenteil, die Detailgespräche müssten aber mit<lb/>
der Bundeskammer, Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, geführt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte die Visitenkarten für nächstes<lb/>
Jour-fixe Handelskammer bereithalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_08">Herr <rs type="person" ref="#per__116929">Baumgartner</rs>, Salzburger Kirchenzeitung, wollte ein Exclusiv<lb break="no"/>interview wegen der Atomkraft. Die Katholische Aktion beschäftigt<lb/>
sich jetzt in immer stärkerem Masse sehr kritisch mit der Atom<lb break="no"/>kraft und ich war daher selbstverständlich bereit die notwendigen<lb/>
Informationen ihm zu geben. Das Interview hat dann <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
fortgesetzt. Ich bin sehr gespannt, wieweit dieser junge Mann<lb/>
objektiv berichten wird oder ob er nicht doch auch, so wie viele<lb/>
kritische Atomgegner, einseitig die Situation schildert.<lb/>
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zu bekommen.<lb/>
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Staatsbürger, hat, wie er mir mitteilt, in Deutschland 133 Ver<lb break="no"/>tragsautoren oder Journalisten unter sich. Er hat sich sehr be<lb break="no"/>müht und wird dies in Hinkunft noch weiter tun, für Österreich<lb/>
im Fremdenverkehr durch entsprechende Berichte positiv tätig zu<lb/>
sein. Er hat mir vorgeschlagen, dass es auch andere Aktionen gibt,<lb/>
die man im Interesse Österreichs starten sollte. Ich war sofort<lb/>
damit einverstanden, dass er jederzeit mich anrufen kann, eventuell<lb/>
auch seine Journalisten schickt, damit man mehr für Österreich in<lb/>
deutsche Zeitungen unterbringt. <rs type="person" ref="#per__116930">Ferenczi</rs> teilte mir mit, ohne dass<lb/>
ich ihn eigentlich fragte, dass das <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-Interview über Israel<lb/>
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Österreich dies angenommen wird. Die amerikanischen Massenmedien,<lb/>
die zum grössten Teil in jüdischen Händen sind, reagieren unge<lb break="no"/>heuer aggressiv. <rs type="person" ref="#per__116930">Ferenczi</rs> meint, dagegen müsste <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> so schnell<lb/>
als möglich etwas unternehmen. Da ich hörte, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> geht zum<lb/>
Begräbnis von <rs type="person" ref="#per__114790">Bigler</rs>, zu dem auch <rs type="person" ref="#per__116930">Ferenczi</rs> extra nach Wien gekom<lb break="no"/>men ist, hat er dort Gelegenheit, all dies mit ihm zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Kläre bitte mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, wie wir diese neue<lb/>
Verbindung besser nützen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_12">Das Gespräch mit Prof. <rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs>, Dr. <rs type="person" ref="#per__114062">Papousek</rs> war verhindert,<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> verlief erwartungsgemäss. Ich versuchte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs> die Fakten, z.B. über Erdbebenauflagen für Zwentendorf,<lb/>
zu erklären, obwohl ich ihm nachweisen konnte, dass selbst<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112571">Tollmann</rs> im Unterausschuss zugegeben hat, dass die Auflagen, wenn<lb/>
das starke Epizentrum im Raum Rekawinkel war, ausreichen, meint<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115683">Matzner</rs>, man müsse noch mit wesentlich stärkeren Erdbeben rech<lb break="no"/>nen, wenn diese auch bis jetzt in Österreich niemals zu verzeich<lb break="no"/>nen waren, weshalb nach seiner Meinung nach auch diese Sicherheit<lb/>
zu gering sei. Ähnlich ist es bei allen anderen, Abgabe von radio<lb break="no"/>aktiver Luft und eventuell Wasser genauso. Wenn auch nachgewiesen<lb/>
wird, dass die Mengen weit unter den gesetzlich zulässigen liegen,<lb/>
steht er auf dem Standpunkt, da ist noch immer die Sicherheit<lb/>
nicht gegeben.<lb/>
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Vorstanddirektor <rs type="person" ref="#per__116931">Burger</rs> vor. Ich informiere sie gleich von der<lb/>
Absicht ihren Gaspreis bei RAG von 1.20 Schilling auf jetzt schon<lb/>
zugesagte 1.12 Schilling und, wie ich hoffe, noch auf 1.02 Schilling<lb/>
reduzieren zu können. Beide sind mit dieser Lösung einverstanden,<lb/>
werden sie aber noch genau prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_14">Die Tochter von Landtagsabgeordneten <rs type="person" ref="#per__116932">Windhab</rs>, die in Longo mai<lb/>
Kärnten eine grössere Rolle scheinbar spielt, spricht neuerdings<lb/>
bei mir vor, um ihre Gewerbescheinprobleme zu lösen. Sie haben<lb/>
jetzt eine Spinnerei mit 5 Beschäftigten und wollen auch eine Tisch<lb break="no"/>lerei errichten. Die dort umliegenden kleinen Tischler, 2–3 Be<lb break="no"/>schäftigte, können knapp noch weiter existieren. Die einzig grössere<lb/>
mit 20 Beschäftigten ist in Konkurs gegangen. Im Bundeskanzleramt<lb/>
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dass sie im Regionalentwicklungsplan an der kärntnerisch-<lb/>
jugoslawischen Grenze entsprechend eingeschaltet werden. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> haben ihnen die Möglichkeit dann noch im Detail aus<lb break="no"/>einandergesetzt, welche Förderungsmassnahmen über die BÜRGES sie<lb/>
eventuell bekommen können. Bis zu einem gewissen Grad imponiert es<lb/>
mir schon, wenn junge Menschen sicherlich aus idealistischen Über<lb break="no"/>legungen versuchen neue Gesellschaftsformen zu finden. Früher<lb/>
oder später stossen sie aber an die Realität des Broterwerbes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte unterstütze <rs type="person" ref="#per__116933">Windhab</rs> so weit wie<lb/>
möglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_16">Die Betriebsräte der Moosbrunner Glasfabrik sind jetzt ebenfalls<lb/>
unter Führung von Landtagsvizepräsidenten <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs> erschienen. Vor<lb/>
einiger Zeit war <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs> mit den Firmenleitungen aus Österreich<lb/>
und der Konzern-Mutter gekommen. Die Firma ist fest entschlossen<lb/>
die Moosbrunner Glasfabrik von Moosbrunn eben in die Brunner<lb/>
Glasfabrik zu verlegen. Verständlich wehren sich die Moosbrunner<lb/>
Betriebsräte allein aus politischen Gründen, ist ihrer Meinung<lb/>
die Übersiedlung unzweckmässig. In Brunn hat der Kommunist <rs type="person" ref="#per__114569">Janik</rs>,<lb/>
der ein guter Betriebsratsobmann ist, die politische Führung 10:0.<lb/>
In Moosbrunn ist es geglückt den kommunistischen Betriebsrat schön<lb/>
langsam abzulösen und derzeit steht es 3 Sozialisten zu 1 Kommu<lb break="no"/>nisten. Wie weit bei einer Verlegung nach Brunn, obwohl dort die<lb/>
Moosbrunner Firma bestehen bleibt, weil sie schon allein aus<lb/>
Lizenzgründen ihr Produkt Profilit, d.h. Profilglas, unter diesen<lb/>
Namen weiterführen soll, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass aus<lb/>
rationellen Gründen nicht zwei Heissbetriebe, eine 60-Tonnen-<lb/>
Wanne in Moosbrunn, jetzt eine neu zu bauende mit 120 Tonnen in<lb/>
Brunn, weil die alte schon ausgedient hat, geführt werden können.<lb/>
Aus verkehrstechnischen Gründen, Autobahnanschluss, Gleisanschluss<lb/>
in Brunn, ist es mir immer einleuchtend gewesen, dass die Konzen<lb break="no"/>tration dort erfolgen wird. Da die Betriebsleitung grösstes Inter<lb break="no"/>esse hat, dass die Arbeiter von Moosbrunn nach Brunn übersiedeln,<lb/>
wird nicht nur jedem der Arbeitsplatz gesichert bei sogar höheren<lb/>
Löhnen als in Moosbrunn, sondern es wird auch mit Autobussen<lb/>
der Arbeiter nach Brunn geführt. Die Werkswohnungen in Moos<lb break="no"/>brunn bleiben selbstverständlich den Arbeitern alle erhalten.<lb/>
Trotzdem war der Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__116934">Winkler</rs> nur sehr schwer von<lb/>
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am 6.7.78 dem zugestimmt haben. <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs> selbst ist auch bei der<lb/>
Vorsprache mit den Direktoren damals derselben Meinung gewesen.<lb/>
Jetzt, nachdem die Bilanzen des Vorjahres vorliegen, die für Moos<lb break="no"/>brunn ein positives Ergebnis zeitigen, möchte er am liebsten alles<lb/>
wieder rückgängig machen. Ich glaube allerdings, dass bei <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs><lb/>
nicht die wirtschaftlichen Gesichtspunkte, sondern den Wunsch<lb/>
der Betriebsräte nach <rs type="person" ref="#per__97352">Binder's</rs> Stellungnahmenänderung bedingte.<lb/>
Betriebsrat <rs type="person" ref="#per__116935">Gottfried Weber</rs> war aber sehr vernünftig, hat eine<lb/>
äusserst richtige Analyse der Situation gegeben und mir resp.<lb/>
der Entscheidung, die Konzentration muss durchgeführt werden,<lb/>
zugestimmt. Ein anderer Betriebsrat, <rs type="person" ref="#per__116936">Turtsch</rs>, wollte dann unbedingt<lb/>
wissen, ob die Para-Chemie resp. die Wasserwerke, die in Hinkunft<lb/>
8 Beschäftigte haben werden, die Genossenschaft in Gramatneusiedl<lb/>
und andere, eventuell Arbeiter aus Moosbrunn übernehmen würden.<lb/>
SChef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat es übernommen mit dem Arbeitsamt die diesbezüg<lb break="no"/>lichen Verhandlungen zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte halte Dich auf dem laufenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_18">In der Paritätischen Kommission, wo ich den Vorsitz führen musste,<lb/>
wurde die Tagesordnung in so schnellem Tempo abgewickelt, dass<lb/>
für Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> schon alles vorüber war, als er nur<lb/>
einige Minuten zu spät kam. Die längst abgeschlossenen und schon<lb/>
bezahlten Lohnerhöhungen für die Bäckerei und Molkereiarbeiter und<lb/>
Angestellten wurden formell freigegeben. Bei der Frage über die<lb/>
Fühlungnahme der Brau-Industrie wurde festgehalten, dass an einem<lb/>
12-Monatsabschluss festgehalten wird. Der Wunsch der Handelskammer,<lb/>
Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs>, plädierte ganz besonders dafür, eine längere<lb/>
Laufzeit vorzuschlagen, fand nicht die Zustimmung der Paritätischen<lb/>
Kommission. Drei Preisanträge, Garage Beethovenplatz, Carmol Karme<lb break="no"/>litergeist, Saltrat Fusscreme, wurden um 4% erhöht. Die wichtige<lb/>
Preisfrage über Röstkaffee wurde zurückgestellt, weil kein Einver<lb break="no"/>nehmen erzielt werden konnte. Nach der Sitzung der Paritätischen<lb/>
Kommission habe ich mit Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> als pensionierter Ge<lb break="no"/>neraldirektor Lenzing und gleichzeitig auch jetzt Präs. der OÖ<lb/>
Ferngas sowie mit <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, AK, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs>, ÖGB, wegen der<lb/>
RAG-Preisregelung verhandelt. <rs type="person" ref="#per__97938">Seidl</rs> muss jetzt für die Chemie Linz<lb/>
und Lenzing, aber auch für Steyrermühl versuchen, einen Vertragsbe<lb break="no"/>schluss vorzubereiten, der eine Senkung der beabsichtigten Gas<lb break="no"/><pb n="44-1019" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-09-13_1019.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>preiserhöhung ergibt. Da die RAG sich bereit erklärt hat, hier<lb/>
entsprechend entgegenzukommen, muss jetzt auch die OÖ Ferngas<lb/>
die notwendigen Anstrengungen unternehmen. Im Prinzip erklärten sich<lb/>
ÖGB und AK mit meiner Vorgangsweise einverstanden zu sein, wenn<lb/>
es zu einem tragbaren Kompromiss zwischen RAG, OÖ Ferngas und den<lb/>
Chemiebetrieben kommt. MR <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> war bei dieser Aussprache dabei,<lb/>
damit er bei den Preisverfahren dann entsprechend diese Vorschläge<lb/>
exekutieren kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-13_19">Soz.Min. <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs>, der mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97386">Czettel</rs> über die weitere<lb/>
Vorgangsweise bei der Budgetsanierung diskutierte, ist in einer<lb/>
sehr schwierigen Situation. Auf Drängen des Gewerkschaftsbundes<lb/>
soll es jetzt eine Lohnsteuersenkung, wenn auch in sehr beschei<lb break="no"/>denem Ausmass geben. Gleichzeitig aber soll zur Sanierung der<lb/>
Sozialversicherung, um die Bundeszuschüsse nicht weiter anwachsen<lb/>
zu lassen, der Sozialversicherungsbeitrag neuerdings erhöht werden.<lb/>
Dies würde bedeuten, dass auf der einen Seite die Arbeiter schein<lb break="no"/>bar durch die Steuersenkung 300 Schilling oder vielleicht sogar<lb/>
noch weniger pro Monat bekommen, auf der anderen Seite dann gleich<lb break="no"/>zeitig aber der grösste Teil, für manche sogar noch wesentlich<lb/>
mehr als die Steuersenkung ausmacht, die Sozialversicherungsabgabe<lb/>
wieder erhöht werden. Dies ist für <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> eine sehr schlimme<lb/>
Situation. Andererseits wies ich darauf hin, dass der Finanz<lb break="no"/>minister die erklärte Absicht hat, sein Budgetdefizit um 15 Mia<lb/>
Schilling zu verringern. Wie dies möglich ist, weiss allerdings<lb/>
derzeit noch niemand. Bei solchen Aussprachen weiss ich erst zu<lb/>
schätzen, wie gut ich mit dem <sic>Handelsministeriumressort</sic> dran bin.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 13.9.1978</head>
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               <occupation>Physiker TU Graz</occupation>
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               <occupation>Schweizer Journalist, Kronen-Zeitung</occupation>
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               <occupation>Chemie Linz</occupation>
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               <occupation>GD Lenzing AG, Vizepräs. HK, AR-Präs. OÖ. Ferngas</occupation>
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               <occupation>Geologe/Politiker</occupation>
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               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
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               <occupation>unternahm Sojaproduktionsversuche; evtl. Unternehmen</occupation>
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