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            <title type="main">Dienstag, der  5. September 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_01">Dienstag, 5. September 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_02">Vizekanzler a.D. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> hatte ich seinerzeit versprochen in pri<lb break="no"/>vaten Angelegenheiten meine Verträge betreffend nichts zu unter<lb break="no"/>nehmen, ohne ihn vorher kontaktiert zu haben. <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> ein alter<lb/>
KZ-ler und guter Freund von mir, war nämlich erschüttert, wie<lb/>
wenig ich mich in der Sozialpolitik wirklich auskenne und wie<lb/>
noch weniger ich meine eigenen Angelegenheiten vertrat. Als ich<lb/>
durch ein Versehen – ich will es so bezeichnen – in der Arbei<lb break="no"/>terkammer zeitweise nicht einmal versichert war, als ich durch<lb/>
Quittieren des Dienstes in der Arbeiterkammer dann ausschied,<lb/>
hat er sogar ohne meine Initiative mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meine Anstel<lb break="no"/>lung beim Gewerkschaftsbund zwecks Weiterverbleiben in der Ge<lb break="no"/>bietskrankenkasse alles für mich geregelt. Damals schon war<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97525">Häuser's</rs> Standpunkt, ich bin jahrzehntelang Funktionär der Ge<lb break="no"/>werkschaftsbewegung, mein Dienstverhältnis geht nur den ÖGB<lb/>
etwas an und sonst niemand. Ich schilderte ihm den Fall bis ins<lb/>
letzte Detail und er meinte seelenruhig, wie ich ihn kannte, hier<lb/>
hat die <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs> aus gerechter Empörung einen Fehler gemacht,<lb/>
dass sie mit <rs type="person" ref="#per__113118">Tozzer</rs> überhaupt gesprochen hat, aber sein Stand<lb break="no"/>punkt bleibt nach wie vor unverändert, dies geht niemand etwas an.<lb/>
Ich erklärte <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs>, dass ich die ganze Angelegenheit mit <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> aber<lb/>
auf alle Fälle besprechen werde, was er für gut empfand. Vor der<lb/>
Regierungsklausur habe ich dann <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> den Fall auch im Detail ge<lb break="no"/>schildert und alle Unterlagen gezeigt, der übrigens genau dieselbe<lb/>
Meinung wie <rs type="person" ref="#per__97525">Häuser</rs> vertrat, die übrigens alle, mit denen ich darüber<lb/>
sprach, teilten, ich habe <rs type="person" ref="#per__113118">Tozzer</rs> nicht geantwortet und ich sollte daher<lb/>
gar nichts mehr unternehmen. Ich werde mich deshalb an den Rat aller<lb/>
dieser meiner Freunde halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_03">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbstverständlich<lb/>
für ihn, teilweise sicherlich auch für uns, mit der Auseinander<lb break="no"/>setzung Israels begonnen. Er hat einem ansehnlichen Journalisten<lb/>
ein einwandfreies Interview gegeben, nachher aber noch weitere Ge–<lb/>
spräche geführt. Dort hat er festgestellt, dass ein kleinlicher<lb/>
Krämergeist in Israel herrscht, eine Million Araber man nicht in<lb/>
einen Staat einschliessen kann, da muss ein Polizeistaat werden<lb/>
und sich nicht auf Soldatenstärke verlassen soll, dies sei eine<lb/>
kurzsichtige Politik. <rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs> hat durch einen persönlichen Angriff<lb/>
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verschiedensten Leuten zu sprechen, denn Camp David ist jetzt<lb/>
die letzte Chance. <rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs> will sich darauf überhaupt nicht vor<lb break="no"/>bereiten, nur hingehen. Oppositionsführer <rs type="person" ref="#per__112984">Peres</rs> wollte mit ihm<lb/>
Vereinbarungen treffen, aber man hat sich nicht – wie <rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs> be<lb break="no"/>hauptet – auf die 5 Punkte geeinigt. <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> hat eine generöse Formel<lb/>
schon akzeptiert, dass international anerkannte Grenzen Israel<lb/>
sichern sollen. Der Negev würde bei Israel bleiben. Eine nicht<lb/>
international anerkannte Grenze ist die Westbank, wo man einver<lb break="no"/>nehmlich eine Grenze festlegen müsste. Der Streit bei der UNO-<lb/>
Resolution 242 ist, ob die Territorien zurückzustellen sind<lb/>
oder Territorien zurückzustellen sind. Über diese Schwierigkeiten<lb/>
könnte man hinwegkommen. <rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs> dagegen möchte nur eine beschränkte<lb/>
Autonomie für 5 Jahre Überwachungsphase zugestehen. Ist Camp David<lb/>
ein Erfolg, dann wird sich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbstverständlich entschuldigen.<lb/>
Ist es ein Mißerfolg, dann hat er mit seiner Argumentation recht<lb/>
und gar keinen Grund sich zu entschuldigen. Die Volkspartei wünscht<lb/>
einen aussenpolitischen Ausschuss, der für 15. September vereinbart<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_04">Die LKW-Frächter werden am 15. September mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs><lb/>
mit der Handelskammer die Refundierung, die eigentlich schon im<lb/>
Prinzip vereinbart ist, endgültig fixieren. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> berichtet,<lb/>
dass die freien Verbände auf Härte spielen und die Abschaffung der<lb/>
Steuer verlangen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> besteht aber darauf, dass deren Führer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116680">Bosch</rs> zumindestens über die Handelskammer zugezogen wird. Wenn die<lb/>
Handelskammer ihn nicht in die Delegation aufnimmt, dann ist eben<lb/>
Angelegenheit der Handelskammer. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> befürchtet ausser den<lb/>
Frächtern weitere poujadistische Bewegungen der Unternehmer. Bei<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> hat der Verein der LKW-Fahrer ein Statut eingereicht, wo er<lb/>
als überbetriebliche Gewerkschaft sich bezeichnen will. Bis 12.9.<lb/>
muss <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> entscheiden und möchte diesen Passus verbieten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
meint, mit Vereinsstatuten hätte man noch niemals einen Kampf ge<lb break="no"/>winnen können. Mit Vereinsgesetzen könnte man ihnen nicht beikommen.<lb/>
Ich verwies darauf, dass ein Verfassungsgerichtshofentscheid hier be<lb break="no"/>reits schon sich für den Gewerkschaftsbund entschieden und günstig<lb/>
präjudiziert hat. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> dagegen meint unbedingt, man sollte nicht<lb/>
untersagen, sondern wie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nur eine Rechtsbelehrung geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_05"><rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> regt auf Anfrage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> an, es soll nicht die Studien<lb break="no"/>gesellschaft Seibersdorf die schwach und mittelaktiven Abfälle<lb/>
verarbeiten, sondern ein eigener Verein gegründet werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
betont neuerdings, wie gut es war, dass man mit Iran über Müll<lb break="no"/>ablagerung nicht konkret abgeschlossen hat, denn die Entwicklung<lb/>
in Persien bestätigt seine Auffassung, dass der Schah nicht imstande<lb/>
sein wird, dieses Problem, aus inner- und aussenpolitischen Gründen<lb/>
seine schwache Position betreffend, durchzustehen. Trotzdem soll<lb/>
aber selbstverständlich weiter mit Iran verhandelt werden. Die<lb/>
Amerikaner haben ja bekanntlicher Weise nur Iran als mögliche Lager<lb break="no"/>stätte uns gegenüber bezeichnet.<lb/>
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soll. Ich bemerke, dass unsere Industriesektion sich sehr bemüht<lb/>
hat, die Investorenberatung aber bisher kein positives Ergebnis<lb/>
zeitigte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, zwei neue Betriebe müssten anstelle der<lb/>
Glanzstoff nach St. Pölten kommen, da diese nicht mehr zu retten ist.<lb/>
Kabinettschef <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> von ihm macht mich anschliessend aufmerksam,<lb/>
dass der Generaldirektor der Glanzstoff 10 Mio Schilling als Über<lb break="no"/>brückungshilfe vom Bund verlangt hat und dies ihm angeblich zuge<lb break="no"/>sagt wurde. Eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> ergab, dass dieser aus<lb/>
den Arbeitsmarktförderungsmitteln ausserstande wäre, einen solchen<lb/>
Betrag freizumachen. Er hat grosse Schwierigkeiten, die 70 Mio,<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> Eumig versprochen hat, flüssig zu machen, er sieht sich<lb/>
auch ausserstande die Wünsche von der Firma Heid auf Zuschüsse zu erfüllen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> hat jetzt schon kein Geld mehr, obwohl wir eine äusserst<lb/>
günstige Arbeitsmarktsituation haben. Über 2,805.000 Beschäftigte,<lb/>
14.000 Inländer mehr als im Vorjahr, 15.000 Gastarbeiter weniger,<lb/>
d.h. in Summe also 30.000 Inländer heuer mehr beschäftigt als im<lb/>
Vorjahr. Mit 35.000 Arbeitslosen, 1,3% eine optimale Lösung. Wenn<lb/>
sich im nächsten Jahr die Arbeitslosenziffer verschlechtert, dann<lb/>
braucht er die ganze Reserve des Arbeitslosenfonds, um Arbeitslosen<lb break="no"/>gelder auszuzahlen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_07">Auf Anfrage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, was mit der Obersteiermark jetzt bezüglich der<lb/>
Strassen endlich geschehen soll, schlägt <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> vor, 500 Mio Schilling<lb/>
pro Jahr, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint ein 5-jähriges Prinzipium. Auch mit der<lb/>
steirischen Landesregierung sollte endlich diese Probleme da oben<lb/>
lösen. Die steirische Landesregierung möchte aber keinerlei Ver<lb break="no"/>pflichtungen eingehen, je nicht einmal für die Umfahrung Kapfenberg,<lb/>
ähnlich der Judenburg-Kindberg und Mürzzuschlag, irgendwelche Zuschüsse<lb/>
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Zinsenzuschuss und sowie heuer 50 Mio, nächstes Jahr 60 Mio<lb/>
ERP-Kredit genehmigt werden. Insgesamt macht die Investition für<lb/>
die Videorecorderfabrik 1,2 Mia Schilling aus. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> verlangt<lb/>
das nächste Mal vom ERP-Büro eine bessere Vorbereitung. Als Nachtrag<lb/>
wird aber selbstverständlich diese äusserst wichtige Investition,<lb/>
wo der Aufsichtsrat am 15. extra nach Wien kommt, um hier alles zu<lb/>
beschliessen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte die AFM-Zuschüsse und Indu<lb break="no"/>strieinvestitionenansätze zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_10">In der Regierungsklausur, die sehr verspätet begann, weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
noch andere Besprechungen, u.a. auch mit dem Bundespräsidenten, hatte,<lb/>
gab er zuerst eine politische Analyse. Die Zeitungskampagne, die<lb/>
Massenmedien, die sich im Sommer immer mehr aufschaukelten, wenn einer<lb/>
ein Problem schon als erledigt betrachtete, hat eine andere Zeitung<lb/>
darüber geschrieben und das Ganze neuerdings aufgerührt, ist in<lb/>
seinen Augen nur eine Bestätigung der Wahlkampfführung, die er immer<lb/>
vorausgesagt hat. Unsere Beschäftigungssituation 2,8 Mio ist äusserst<lb/>
günstig, die Inflation, lieber gesagt Indexsteigerung, mit 3% ein<lb break="no"/>malig, der Aussenhandel, wo es jetzt sogar gelingt in die EG stärker<lb/>
zu exportieren, beachtenswert. Die Amerikaner belegen jetzt den<lb/>
Osten mit Embargo, wo auch wir entsprechende grössere Absatzmög<lb break="no"/>lichkeiten dadurch bekommen könnten. Cincinnati hat jetzt in<lb/>
Österreich investiert, Rotax bekommt eine Aufgabe, die bis jetzt die<lb/>
Kanadier hätten erfüllen sollen. Nur Vöslau sei fraglich und daneben<lb/>
gegangen. Steyr-Daimler-Puch und BMW wird jetzt eine Dieselmotor<lb break="no"/>fertigung aufnehmen mit Unterstützung der Arbeitsmarktförderung.<lb/>
Philips Videorecorder, 1,2 Mia Schilling Investition, für Wien und<lb/>
für Wiener Wahlkampf von grösster Bedeutung. Für all diese Massnahmen<lb/>
braucht man viel Geld, weshalb eine Steuersenkung, die der ÖGB zwar<lb/>
berechtigt fordert, nur sehr klein ausfallen kann. Er möchte trotz<lb break="no"/>dem sein Steuerguthabenprojekt, welches in Deutschland sich gut be<lb break="no"/>währt hat, weiter untersucht haben, denn in 2-3 Jahren, meint er, stellt<lb/>
sich dieselbe Frage. Wenn die Steuer zu gering ist, dann wird sie eine<lb/>
kontraproduktive Wirkung haben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> soll ermächtigt werden, mit<lb/>
dem ÖGB darüber zu verhandeln. Die Budgetsituation hat die Arbeit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> genau gezeigt, die übrigens <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> dort erstmalig verteilt,<lb/>
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was er dann übrigens auch im Detail noch wiederholt, dass es not<lb break="no"/>wendig ist, damit ja nicht der Eindruck entsteht, dass wir nur mehr<lb/>
das 79er Budget machen, ab 1980 jetzt eine Budgetkonzeption auszu<lb break="no"/>arbeiten. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst wird den Vorsitz in einer Kommission führen.<lb/>
Die Budgetsanierung, davon soll man allerdings nicht mehr sprechen,<lb/>
sondern Konsolidierung, könnte nur durch eine verstärkte Eigenvor<lb break="no"/>sorge herbeigeführt werden. In der Vergangenheit war dies nicht<lb/>
möglich, weil Österreicher keine Reserven gehabt haben wie die<lb/>
Schweizer, Amerikaner oder Schweden. Jetzt ist es aber ganz anders.<lb/>
Siehe die steigenden Sparguthaben. Eigenversorgung wäre bei der<lb/>
Sozialversicherung bei Abbau der .........stützung bei Grund<lb break="no"/>nahrungsmitteln innerhalb 3 Jahren. Nächstes Jahr werden z.B. die<lb/>
Pensionisten wieder 6,5 % Rentenerhöhung bekommen bei knapp über<lb/>
3% Lebenshaltungskostensteigerung, weshalb man so schnell als möglich<lb/>
die Subventionen wegbringen müsste. Ein wichtiger Punkt sei auch<lb/>
die Ausgliederung von Eisenbahn, Post aus dem Budget. Hier ist eine<lb/>
Kommission mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs>, <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> usw. zu<lb/>
bilden. Auf dem Budgetsektor und in der Budgetpolitik müsste eine<lb/>
Trendumkehr sichtbar werden. Einsparung bei Schulbüchern, die von<lb/>
465 Mio 72 auf 980 Mio 78 angewachsen sind, obwohl <rs type="person" ref="#per__113083">Sinowatz</rs> mit<lb/>
Recht sagt, dass hier schon wesentliche Einsparungen durchgeführt<lb/>
wurden. Ähnlich ist es bei Schulfahrten, die 140 Mio Schilling 71<lb/>
und jetzt 2 Mia 370 Mio betragen. Hier werden allerdings Gemeinden,<lb/>
u.a. auch Wien, mit ihren Verkehrsproblemen teils saniert. Zuletzt<lb/>
werden 2 Kommissionen für die Steuer beschlossen: eine, die beim<lb/>
Finanzminister tagen wird und entsprechende Vorschläge über Steuer<lb break="no"/>senkung 1.1.1979 ausarbeiten und eine zweite grosse Steuerreform, die<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> führt und wo auch über Erhöhung des Spitzensteuersatzes von<lb/>
62% derzeit verhandelt werden soll. Den zweiten Vorsitz soll man<lb/>
sogar <rs type="person" ref="#per__112588">Broesigke</rs> von der FPÖ anbieten. In der grossen Steuerkommission<lb/>
will <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber mindestens 3 junge, an dem Programm der Soziali<lb break="no"/>stischen Partei mitwirkende – wie ich sagen würde – Linke aufgenommen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_11">Bezüglich der Spitzeneinkommen und der Politikerbezüge wird von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgeschlagen die Privilegienkommission, die seinerzeit<lb/>
den Vorschlag für die Politiker erarbeitet hat, wieder zu aktivieren.<lb/>
Der Präsident der Notariatskammer <rs type="person" ref="#per__115723">Wagner</rs> als Vorsitzender wird von<lb/>
ihm wieder aufgefordert werden, im Lichte der Entwicklung und ins<lb break="no"/><pb n="44-0964" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-09-05_0964.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>besondere auch der jetzigen Diskussion zu prüfen und neue Vor<lb break="no"/>schläge zu machen. Für die Inkompatibilität soll ebenfalls eine<lb/>
eigene Kommission eingesetzt werden, die unter Vorsitz von<lb/>
Aussenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> steht und<add>[der]</add> 3 Staatsrechtler angehören sollen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> hat sich seinerzeit damit beschäftigt und es wäre unzweckmässig<lb/>
Beamte, freie Berufe, Richter oder gar Auswärtige mit einer solchen<lb/>
Aufgabe zu betrauen. Dort wäre auch zu prüfen die Offenlegung der<lb/>
Vermögensverhältnisse. Für die nächsten Wahlen 79 soll im Frühjahr<lb/>
sehr zeitig ein Parteitag einberufen werden, der sich mit dem Ent<lb break="no"/>wurf einer Wahlplattform beschäftigen soll. Vor den letzten Wahlen<lb/>
soll genau wie seinerzeit in der Opposition, aber auch vor 1975<lb/>
die Sozialistische Partei genau sagen, was eigentlich auch an Be<lb break="no"/>lastungen bevorsteht. Der Wahlkampf wird jetzt bereits vorzubereiten<lb/>
sein, da ihn die ÖVP jetzt schon führt, auch teils mit dieser Wahl<lb break="no"/>plattformsdiskussion von unserer Seite geführt werden. Der engere<lb/>
Wahlkampf kann nur im September dann im nächsten Jahr abgeführt wer<lb break="no"/>den, weil die Wahlen wieder am ersten Sonntag im Oktober stattfinden<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_12"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wird in der Diskussion als erster Redner von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
aufgefordert Stellung zu beziehen. Er legt umfangreiches Material<lb/>
vor, unter anderem eine sehr gute Zusammenstellung über die Wirt<lb break="no"/>schaftsdaten und die Budgetsituation. Er ist fest davon überzeugt,<lb/>
dass die 50 Mia Budgetdefizit zu verkraften sind und dass man, wenn<lb/>
jetzt entsprechende Massnahmen gesetzt werden, auch mit den 80er-<lb/>
Jahre-Budgets fertig wird. Das Massnahmenpaket hat gegriffen, der<lb/>
Aussenhandel hat sich verbessert, die PKW sind zurückgegangen,<lb/>
die Stabilität ist sehr erfolgreich. Dadurch ist natürlich die Bud<lb break="no"/>geteinnahme entsprechend ausgeblieben. Die Mehrwertsteuer und u.a. auch<lb/>
die Lohnsteuer und Einkommensteuer sind zurückgeblieben. Durch Minder<lb break="no"/>einnahmen und durch Mehrausgaben bei Preisstützungen, Zinsenzuschüsse,<lb/>
notwendige Hochbauten und die beiden Frachtenbahnhöfe Kledering und<lb/>
Fürnitz in Kärnten werden Mehrausgaben von 3–4 Mia heuer noch er<lb break="no"/>wachsen. Insgesamt wird daher das Bruttobudgetdefizit von 40,5 Mia<lb/>
um 10 Mia grösser werden, das Nettodefizit von 24 Mia ebenfalls um<lb/>
10 Mia auf 34 Mia steigen. Umschichtungen muss es geben. Die Pen<lb break="no"/>sionsversicherung hat 60 1,6 Mia, 70 10 Mia Zuschüsse gebraucht,<lb/>
heuer 26 Mia. Die Beamtenforderungen, das Defizit der Betriebe ÖBB<lb/>
16 Mia, alle Betriebe zusammen 17,8 Mia angestiegen, wo durch Aus<lb break="no"/>gliederung 6 Mia Schilling im Budget erspart werden könnten, müsste<lb/>
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mit der ÖVP vereinbart werden kann, dann ganz einfach der alte<lb/>
verlängert werden soll. Alles das bringt zusätzliche Belastungen<lb/>
des Budgets. In der Diskussion wird von allen festgehalten, dass<lb/>
man sich bemühen wird die Probleme zu lösen. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meint, dies<lb/>
müsste möglich sein, die Lohnsteuersenkung muss nur kommen, auch<lb/>
dann, wenn sie einen kleinen Betrag nur erbringen wird. Für die<lb/>
kleineren Einkommen ist dies äusserst wichtig. <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> berichtet,<lb/>
dass es möglich war, einstimmige Beschlüsse in der Gewerkschaft zu<lb/>
erreichen, als die Pensionsversicherung der Angestellten 3 Mia<lb/>
den Arbeitern überwiesen hat und auf 875 Mio, die sie bekommen<lb/>
sollten, dann zugunsten der Arbeiterversicherung verzichtete.<lb/>
Wirklich interessant ist nur noch in der langen Diskussion die<lb/>
Ausführung <rs type="person" ref="#per__114583">Kerys</rs>, der meint, in der Kampagne gegen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hätte<lb/>
es an Solidarität der SPÖ gemangelt. Dafür bekam er insbesondere<lb/>
von den Länder-Sozialisten demonstrativ Beifall. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs>, die sich genau im Beamtenrecht auskennen meinen, der<lb/>
einzige Privilegienabbau für Beamte als Politiker wäre, diese in<lb/>
den zeitlichen Ruhestand zu versetzen. Dies ist auch die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>-<lb/>
Idee. Im Detail muss sie aber noch verhandelt werden, denn die<lb/>
Gewerkschaftsfunktionäre der Bahn und Post können nicht als Pensionisten<lb/>
diese führen. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> teilt mit, dass das Mediengesetz jetzt sehr<lb/>
bald im Parlament beschlossen werden soll, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zur Unmuts<lb break="no"/>äusserung veranlasste, dies hätte er schon so oft versprochen.<lb/>
Seiner Meinung nach sollten die Privilegien im Verwaltungsbereich<lb/>
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stellt fest, dass in der Kampagne gegen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, die eine Vernichtung<lb/>
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fertig machen wollte, zu wenig getan wurde. Dies ist eine indirekte<lb/>
Kritik an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, der sich dazu aber überhaupt nicht äussert. Da<lb/>
der Bundespräsident für 7 Uhr zu den Regierungsabendessen eingeladen<lb/>
wurde, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber diesen Tagesordnungspunkt unbedingt abwickeln<lb/>
will, habe ich mich überhaupt nicht zu Wort gemeldet, was übrigens<lb/>
auch andere Regierungsmitglieder nicht taten. Der Eindruck für mich<lb/>
war, dass es in dieser Regierungssitzung primär um Sachprobleme<lb/>
gegangen ist und dies halte ich für äusserst günstig. Ausser <rs type="person" ref="#per__114583">Kery</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> hat niemand auch nur das Problem <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> berührt. Durch<lb/>
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schwierige Phase, die dieser Sommer wieder einmal gebracht hat, hin<lb break="no"/>wegzukommen. Auch im letzten Sommer, erinnere ich mich, war es so,<lb/>
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erwartet hat. Interessant für mich war, dass ja auch in diesem<lb/>
Sommer nicht die ÖVP eine Kampagne gestartet hat und geführt hat,<lb/>
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tatsächlich ein gewisser Informationsnotstand für die Massen<lb break="no"/>medien bestehen und diese greifen dann Probleme auf, dies sie natürlich<lb/>
breitwalzen. Infolge Kontaktmangel ergeben sich dann Situationen<lb/>
wie in diesem Sommer. Mit Hilfe der Sacharbeit kann man sie wahrschein<lb break="no"/>lich am ehesten überbrücken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-09-05_13">Auch im III. Bezirk in unserem Bezirksausschuss gibt es jetzt natür<lb break="no"/>lich als Sachproblem Nr. l die Gemeinderatswahlen. Die Berichte,<lb/>
Vorbereitungen, Massnahmen, die zu setzen sind, überdecken alles.<lb/>
Mein politischer Bericht war deshalb, wie nicht anders zu erwarten,<lb/>
gar nicht heiss umstritten. Kritisiert wurde nur, dass wir wieder<lb/>
nur Kommissionen einsetzen, denen man eigentlich Aufträge erteilen sollte,<lb/>
und was vielleicht noch viel wichtiger ist, Termine geben müsste.<lb/>
Eine solche Terminisierung erscheint mir nicht sehr zweckmässig.<lb/>
Die Kommissionen selbst, wie z.B. die Steuerprivilegienkommission<lb/>
wird, so nehme ich an, ja von den Zeitungen jetzt getrieben werden.<lb/>
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man nur die Politiker attackiert,<lb/>
solange man weiss, die Politiker müssen sich dagegen wehren und<lb/>
dann, wenn das ganze Problem der Privilegienkommission übertragen<lb/>
ist, diese in Ruhe arbeiten, oder vielleicht noch besser gesagt,<lb/>
ruhen lässt. Mein Eindruck ist, dass es vielleicht möglich ist,<lb/>
durch Versachlichung all dieser Fragen aus der schwierigen Situation,<lb/>
in der wir uns zweifelsohne derzeit befinden, wieder herauszukommen.<lb/>
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            <head>Tagesordnung 129. Ministerratssitzung, 5.9.1978</head>
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            <head>Nachtrag TO 129. Ministerratssitzung, 5.9.1978</head>
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            <head>hs. Notizen (Nachtrag TO MR-Sitzung Rückseite)</head>
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