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            <title type="main">Mittwoch, der 30. August 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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von Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__114726">Barcak</rs>, in dem er mir mitteilt, dass<lb/>
heuer die Tschechoslowakei auf Grund meiner Intervention auf die<lb/>
Einfuhr von Zement verzichtet. Nur Weißzement, welcher in<lb/>
Österreich nicht erzeugt wird, wird wahrscheinlich geliefert werden.<lb/>
Die Handelsvertretung ist derzeit in Verhandlung mit der Perlmooser,<lb/>
weil sie die Generalvertretung dieser Firma für die Einfuhr von<lb/>
Weißzement übergeben will. <rs type="person" ref="#per__114725">Chrust</rs> teilt mir den Grund mit, warum<lb/>
die Papierfabrik Ruzomberok, ehemaliges Rosenburg, nicht an die<lb/>
VOEST gegeben wurde. Es war nicht nur von den Kanadiern ein billigerer<lb/>
Preis angeboten, sondern auch eine angeblich technische bessere<lb/>
Version. Der wirkliche Grund aber, meint <rs type="person" ref="#per__114725">Chrust</rs>, war, dass die Kana<lb break="no"/>dier 12 Vertreter in Wien sitzen gehabt haben, welche täglich nach<lb/>
Pressburg gefahren sind, um die dortigen Stellen, die letzten Endes<lb/>
den Zuschlag erteilten, ständig zu bearbeiten. <rs type="person" ref="#per__114725">Chrust</rs> hofft, dass<lb/>
jetzt die zweite Papierfabrik in Paskov die VOEST bekommen wird.<lb/>
In Hinkunft wird er sich noch mehr einsetzen und vor allem durch<lb/>
eine Kooperation mit den Witkowitzer Eisenwerken, GD <rs type="person" ref="#per__116011">Peschka</rs>,<lb/>
eine entsprechende engere Zusammenarbeit auf Drittländern entrieren.<lb/>
Zwei Brauereien, eine Zementfabrik stehen zur Diskussion. An der<lb/>
Papierfabrik Ruzomberok wird Andritz mit 300 Mio Schilling Sub<lb break="no"/>lieferant von den Kanadiern beteiligt werden.<lb/>
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Zentralstellen oft verärgern. Die Holzexporte nach Österreich,<lb/>
transportiert durch österreichische LKW, könnten verstärkt werden.<lb/>
30 rote Karten würden für Waldviertler resp. NÖ Betriebe benötigt<lb/>
werden, 10 davon dringend und sie sind nicht zu bekommen. Die<lb/>
Tschechen haben sofort auf der Donau die Frachtverhältnisse 60:40<lb/>
zugunsten der CSSR auf 50:50 auf Wunsch der Österreicher abgeändert.<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> erklärt mir anschliessend, dass das Verkehrsministerium<lb/>
insbesondere für 2 Firmen grosse Schwierigkeiten macht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte, bevor ich mit <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> spreche, kläre<lb/>
über das Ministerbüro die Situation.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_05">Das wirkliche Problem aber sind die noch immer von Österreich<lb/>
eingehobenen Zölle und die Vidierung bei der Einfuhr von chemi<lb break="no"/>schen Produkten, wurden von gewünschten 10.000 Tonnen nur 5.500<lb/>
vom Fachverband zugestanden und dafür die Vidierung gegeben. Ich<lb/>
werde den Fall genau prüfen lassen, sichere ich <rs type="person" ref="#per__114725">Chrust</rs> zu, weil<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114726">Barcak</rs> dies als Kompensation für die Nicht-Einfuhr von Zement<lb/>
wünscht.<lb/>
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und <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_07">Bezüglich der Einfuhr von Elektromotoren, die von tschechischer<lb/>
Seite meistens als Kompensation für Anlagenlieferungen verlangt<lb/>
werden, <rs type="person" ref="#per__114725">Chrust</rs> behauptet nicht 33%, sondern maximal 15–20%, wird<lb/>
derzeit von der CSSR Kompensation verlangt und dies aufgeteilt auf<lb/>
mehrere Lieferjahre, werden durch die hohen Zollforderungen Öster<lb break="no"/>reichs verhindert. § 6 Zölle werden ganz selten befriedigend festge<lb break="no"/>legt. Die Importfirma Frank &amp; Dvorak ist zugrunde gegangen, da sie<lb/>
die Elektromotoren zu den Preisen, die sich daraus errechnen, nicht<lb/>
verkaufen konnten. Die neue Importfirma Topham hat auch anfänglich<lb/>
zu hohe Preise verlangt und möchte deshalb jetzt für neue Lieferungen<lb/>
durch 27% Sonderrabatt von seitens der Tschechen einen entsprechenden<lb/>
Schnittpreis in Österreich machen. Der Fachverband ist aber nur be<lb break="no"/>reit 15% zuzugestehen, weshalb wieder ein zu hoher Inlandspreis<lb/>
daraus resultiert. Für eine ganze Lieferung von 4,7 Mio Schilling<lb/>
verschiedenster Elektromotorentypen hat ihm eine österreichische<lb/>
Firma 3,7 Mio angeboten. Ausser diesen noch verständlichen Ent<lb break="no"/>scheidungen des Branchenreferates und des Fachverbandes wurden<lb/>
auch Einzelfälle sehr unbeweglich, um nicht zu sagen stur, entschieden.<lb/>
Ein einzelner Hubstapler wurde, wie <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> mir allerdings nachher sagte,<lb/>
mit Zustimmung der Importfirma unter Verzicht auf den § 6 Zollermässi<lb break="no"/>gung dann letzten Endes aber dadurch nicht eingeführt. SChef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs><lb/>
sagt <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> zu, er wird seine Leute instruieren, dass sie beweglicher<lb/>
insbesondere Einzeleinfuhren, die wirklich keinen Einfluss auf die<lb/>
Preisgestaltung im Inland haben, entscheiden werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_08">Botschafter <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs> berichtet SChef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs>, MR <rs type="person" ref="#per__115656">Steiger</rs>, <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs><lb/>
und mir über die Schwierigkeiten der Mission in Brüssel mit der EG.<lb/>
Neben Papier und Landwirtschaft wird jetzt auf die Stahllieferung,<lb/>
so befürchtet er, erschwert werden. Der französische Import von<lb/>
<pb n="44-0931" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-30_0931.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Österreich hat stark zugenommen, insgesamt wurden um 1–2% mehr<lb/>
Stahl in die Gemeinschaft exportiert. Der Import allerdings aus<lb/>
den EG-Staaten, insbesondere Betoneisen, Bresciani aus Italien,<lb/>
hat stark zugenommen. Das wirkliche Problem aber wird, dass die<lb/>
EG-Kommission jetzt als EGKS-Kommission auf das Ausgleichsverbot<lb/>
drängen wird. Im Nachvollzug hätte, wie unsere Vereinbarungen<lb/>
mit der EGKS vorsehen, Österreich schon längst diese entsprechenden<lb/>
Verordnungen erlassen müssen. Für den Krisenfall habe ich sogar<lb/>
ein Verordnungsermächtigungsrecht vom Verfassungsdienst, damals<lb/>
noch Minister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> als Leiter, zugestanden bekommen. Ich habe aber<lb/>
bis jetzt die VOEST-Zustimmung für diesen Schritt nicht erhalten<lb/>
können. Wenn jetzt die Kommission aber darauf beharrt und Öster<lb break="no"/>reich dies nicht macht, besteht die grosse Gefahr, dass wir in Hinkunft<lb/>
keinen Briefwechsel mehr mit der Kommission zustande bringen und<lb/>
dadurch die notwendigen Preisanpassungen, die die EG vorgenommen hat,<lb/>
für Österreich wieder verlustig werden. Die VOEST ist zwar mit dieser<lb/>
Entwicklung, nur 10%ige Preisanhebung, nicht zufrieden gewesen,<lb/>
doch würde der vorhergehende Zustand für sie noch wesentlich schlech<lb break="no"/>ter sein, wenn es nicht zu einer Verlängerung oder zu einem neuen<lb/>
Briefwechsel zwischen der Kommission und Österreich kommen sollte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_09">Die EG-Kommission wird jetzt zum Vorschlag des EFTA-Gipfels beraten<lb/>
und erwartet konkrete Vorschläge Österreichs, dass sie ........<lb/>
dieses Gipfels geschehen sollte. <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs>, aber auch das Aussen<lb break="no"/>ministerium hat kaum sehr konkrete Vorschläge. Überhaupt kann ich<lb/>
feststellen, dass es wieder nichts anderes geben wird, als Kommis<lb break="no"/>sionen, welche zwischen Österreich und der EG entsprechende Über<lb break="no"/>legungen anstellen sollten. Unter anderem sollte jetzt <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
im Gefolge des EFTA-Gipfels, andererseits auch der Besprechungen der<lb/>
EG-Staaten in Bremen und Bonn eine Aussprache mit der Kommission<lb/>
über Budget, Konjunktur und Wirtschaftsfragen haben. Dort soll ins<lb break="no"/>besondere der Währungsstandpunkt und die Währungsdiskussion fort<lb break="no"/>gesetzt werden. Weitere Kommissionen sind dann zu erwarten, wenn der<lb/>
EG-Kommission die Studie über den europäischen Strassenverbund vor<lb break="no"/>liegt. <rs type="person" ref="#per__114112">Seyffertitz</rs> teilt meine Meinung, dass die EG kaum zu einer<lb/>
echten Finanzierung der Autobahnen in Österreich bereit ist. Kredite<lb/>
für die Gastarbeiterroute, die man uns angeboten hat, braucht Öster<lb break="no"/>reich aber nicht von der EG. Die bekommt es jetzt noch überall in<lb/>
der Welt zu günstigeren oder zumindestens dieselben Bedingungen,<lb/>
als die EG in Aussicht stellt. Auch bezüglich der Beteiligung Öster<lb break="no"/><pb n="44-0932" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-30_0932.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reichs bei Drittländern, insbesondere den AKP-Staaten mit den<lb/>
Lome??-Einkommen<add>[Lohneinkommen???]</add> ist für Österreich nicht sehr interessant. Wenn<lb/>
nämlich Österreich solche Projekte bekommen sollte, müsste es vorher<lb/>
bei entsprechenden AKP-Staaten sich finanziell beteiligen. Die<lb/>
grosse Frage ist dann, ob Österreich denselben Anteil, den sie<lb/>
dort Entwicklungshilfe leistet, auch wenigstens bei den Projekten<lb/>
wieder beteiligt wird. Alle bestätigen meine ja allzu bekannte<lb/>
Theorie, dass in der Phase einer wirtschaftlichen Rezession die<lb/>
Integrationsidee oder gar eine Integrationsausweitung kaum möglich<lb/>
ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_10">Mit Präsident <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, Freier Wirtschaftsverband, und <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> be<lb break="no"/>spreche ich wunschgemäss von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> die Attacken des<lb/>
Freien Wirtschaftsverbandes, insbesondere in der Zeitung "Der Selb<lb break="no"/>ständige" gegen die Handelskammer. Mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat auf eine Inter<lb break="no"/>vention <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, der mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meistens abwechselnd Abendessen<lb/>
organisiert, schon auch in diesen Angelegenheiten gesprochen. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühl<lb break="no"/>bacher</rs> gibt zu, dass er streng trennen sollte zwischen Österreichi<lb break="no"/>schen Wirtschaftsbund als politische Organisation, die er selbstver<lb break="no"/>ständlich attackiert, auch wenn dort Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> gleichzeitig<lb/>
Obmann dieser Organisation ist und der Handelskammer. Sicher ist nur<lb/>
eines, dass er immer dann etwas von der Handelskammer für seinen Ver<lb break="no"/>band erreicht, wenn er eine gewisse Attacke in einer ganz anderen<lb/>
Angelegenheit gestartet hat. Wenn er sich brav und ruhig verhält,<lb/>
dann bekommt er nach seiner Meinung und Erfahrung fast nichts. Unter<lb/>
anderem ist es ihm jetzt geglückt – und darüber bin ich sehr froh –<lb/>
dass auch in Kärnten ein Vizepräsident jetzt von der Handelskammer<lb/>
kooptiert wird. Ausserdem wird in Kärnten die gemeinsame Liste Österr.<lb/>
Wirtschaftsbund und <choice><choice><sic>Freiheitlicher Wirtschaftstreibenderverband</sic><corr>Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender</corr></choice></choice> in<lb/>
Hinkunft nicht mehr erstellt. Jede einzelne Partei kandidiert selbst.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hofft, dass dies auch in Salzburg möglich sein wird.<lb/>
Dadurch werden neben Wien, Niederösterreich und Burgenland, auch<lb/>
in weiteren Bundesländern die Vizepräsidenten kooptiert. Umso mehr, er<lb break="no"/>kläre ich und appelliere ich an <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs>, ist es notwendig, dass<lb/>
er seine Kooption in dem Präsidium der Bundeshandelskammer nicht ge<lb break="no"/>fährdet. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat nämlich wirklich grosse Schwierigkeiten, diese<lb/>
von ihm seinerzeit gegen den Wunsch einzelner radikaler Funktionäre<lb/>
des Österreichischen Wirtschaftsbundes durchzusetzen. Der wirkliche<lb/>
Streitfall ist aber der Mittelstandkongress, der jetzt in Salzburg<lb/>
abgehalten wird. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat meine Definition, nicht Mittel<lb break="no"/>stand, sondern Klein- und Mittelbetriebe und deren Hilfe übernommen<lb/>
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wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> sprechen werden, werden eine ganze<lb/>
Reihe von Ministern kommen. Ich, ersuchte er mich, sowie der Zentral<lb break="no"/>sekretär <rs type="person" ref="#per__97892">Sallaberger</rs> sollen weniger zu dieser Veranstaltung als<lb/>
vielmehr zur Abendveranstaltung zu erscheinen, was ich selbst<lb break="no"/>verständlich zusage. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hat gute Argumente nachzuweisen,<lb/>
dass für die Klein- und Mittelbetriebe durch den österreichischen<lb/>
Wirtschaftsbund nicht immer das Maximale gefordert wird. In der<lb/>
Lohnentgeldregelung hat man sich gegen den Fonds ausgesprochen,<lb/>
der ausschliesslich nur den Kleinen zugute kommt, in der Gewerbe<lb break="no"/>steuer wünscht man keine Senkung, weil die Handelskammerumlage<lb/>
mit 10% der Gewerbesteuer gebunden ist und einige andere Probleme<lb/>
ebenfalls. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> erklärt immer wieder – und das wird er auch<lb/>
öffentlich tun – zur Handelskammer positiv zu stehen. Wenn daher die<lb/>
Einnahmen der Handelskammer an die Gewerbesteuer gebunden sind,<lb/>
so ist er gerne bereit eine andere Finanzierungsgrundlage zu suchen.<lb/>
Wirklich hart getroffen hat er, glaube ich aber, bei einer Diskussion<lb/>
über die Kooptierung seiner Person ins Präsidium <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, als<lb/>
er ihm erklärte, er diene ja auch zur Deckung und Aushängeschild<lb/>
nach aussen für die Handelskammer. Sollte er nicht mehr kooptiert<lb/>
werden, so müsste man über die Gebarung der Aussenhandelsfinan<lb break="no"/>zierung ein anderes System finden. Es müsste nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbachers</rs><lb/>
dann eine eigene Verrechnungskommission eingesetzt werden, in der<lb/>
er selbstverständlich einen grösseren Einfluss hätte, als wenn<lb/>
er ins Präsidium jetzt kooptiert wird und dort eben alles auch<lb/>
bezüglich der Aussenhandelsgebarung letzten Endes höchstinstanz<lb break="no"/>lich beschlossen wird. <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> steht zwar, wie er mir ausdrücklich<lb/>
sagt, zu dem System der Aussenhandelsorganisation der Bundeshandels<lb break="no"/>kammer, würde dies auch nach aussen hin immer wieder dokumentieren<lb/>
und bei eventuellen Angriffen entsprechend verteidigen. Die Rechts-<lb/>
und Finanzkontrolle aber müsste, wenn er nicht mehr ins Präsidium<lb/>
kooptiert wird, dann doch wesentlich anders organisiert werden.<lb/>
Die Aussenhandelsorganisation ist <rs type="person" ref="#per__97893">Sallingers</rs> Um und Auf und damit<lb/>
natürlich auch sein schwacher Punkt. Die Idee, gar nicht zu reden<lb/>
von der Drohung, die <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> hier <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> in Kärnten bei der<lb/>
letzten, sehr freundschaftlichen, aber harten Auseinandersetzung<lb/>
gesagt hat, muss <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hart getroffen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_11">Die Ordensverleihung an <rs type="person" ref="#per__116025">Bunzl</rs> und <rs type="person" ref="#per__116022">Beaumont</rs> im Bristol war<lb/>
eine Art Familienfest. Dass dabei auch die Spitzen der Industrie,<lb/>
aber auch der Gewerkschaften, <rs type="person" ref="#per__98010">Teschl</rs> war nur leider nicht er<lb break="no"/>schienen, eingeladen waren, ist bei <rs type="person" ref="#per__116025">Bunzl</rs> selbstverständ<lb break="no"/>lich. Interessant war, dass 3 Generaldirektoren, <rs type="person" ref="#per__116023">Popowitsch</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116019">Weiser</rs> und der jetzige <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs>, friedlich vereint alle anwesend<lb/>
waren. <rs type="person" ref="#per__116019">Weiser</rs> hat sich bei mir bedankt, dass sein Sohn jetzt im<lb/>
Handelsministerium so aktiv eingesetzt wird. Der junge <rs type="person" ref="#per__111384">Weiser</rs> hat<lb/>
in Genf eine eigene Sache einmal vertreten können und ist na<lb break="no"/>türlich, wie die Jungen heute sagen, "happy". Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs>, neben<lb/>
dem ich dann beim kalten Buffet gesessen bin, hat mit GD <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs>,<lb/>
Kontrollbank, und <rs type="person" ref="#per__116108">Alfons Haiden</rs>, Zentralsparkasse, die weitere<lb/>
Finanzierung des 600 Mio Investitionsprojektes besprochen. Die<lb/>
Firma Bunzl wird also in Wattens, aber ganz besonders in Ortmann<lb/>
in den nächsten 3 Jahren grosse Investitionen tätigen, insbesondere<lb/>
auch auf dem Recyclingsektor. <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs> hat mir versichert, dass die<lb/>
hohen Orden, <rs type="person" ref="#per__116025">Bunzl</rs> erwähnte, dass sein Vater vor 20 Jahren im<lb/>
Handelsministerium denselben Orden erhalten hat, worauf er jetzt sehr<lb/>
stolz ist, dass er sozusagen als Sohn ebenfalls eine so hohe Aus<lb break="no"/>zeichnung bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__116021">Schmidt</rs> ist überzeugt, dass diese Ordensver<lb break="no"/>leihung und nicht zuletzt auch meine Hinweise bei der an und für<lb/>
sich sehr launigen Ansprache ein klein wenig zur Abwicklung und Ge<lb break="no"/>nehmigung dieser Investition beitragen wird. Ich finde einmal mehr<lb/>
bestätigt, dass meine Idee insbesondere Ausländern und sonstigen<lb/>
wichtigen Unternehmungen, damit sie mehr in Österreich finanzieren,<lb/>
durch Orden nachzuhelfen, bestätigt wurde. Ich habe schon vor länge<lb break="no"/>rer Zeit ersucht, man soll im Büro, aber insbesondere auch in den<lb/>
Sektionen nachdenken, wie man hier grössere Aktivität entfalten<lb/>
könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte auf Tagesordnung der nächsten Sek<lb break="no"/>tionsleitersitzung setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_13">Mit GD <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, Nationalbank, bespreche ich die zukünftigen Aktivi<lb break="no"/>täten des Pro-Zwentendorf-Komitees. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> will eine ganze Reihe<lb/>
von Preisausschreiben, Schulaufsätzen usw. durchführen, um in<lb/>
der Öffentlichkeit die Pro-Zwentendorf-Aktion nicht nur bekannt<lb/>
zu machen, sondern auch für deren Ziele zu werben. Richtig ist,<lb/>
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Bezüglich der Kronen Zeitung hofft er, dass es gelingen wird,<lb/>
nachdem Pro-Zwentendorf ja überparteilich organisiert ist, dort<lb/>
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er jetzt machen wird, will er der Kronen Zeitung neben vielen<lb/>
anderen exklusiv zur Verfügung stellen. Nur die Solidarität und<lb/>
die Industrie, also zwei Monatszeitungen, die ja dann wesentlich<lb/>
später erscheinen, sollten noch entsprechende Informationen be<lb break="no"/>kommen. Wichtig erscheint es <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> aber, wie es ihm gelänge, ins<lb/>
Fernsehen stärker mit Pro-Zwentendorf zu kommen. Dies, erkläre ich<lb/>
ihm sofort, wird äusserst schwierig sein, denn die grosse Anzahl<lb/>
der Redakteure im Fernsehen ist eindeutig Anti-Kernkraftwerk einge<lb break="no"/>stellt. Die Plakataktion soll nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl's</rs> nicht von der<lb/>
Pro-Zwentendorf-Aktion durchgeführt werden, sondern über die Be<lb break="no"/>triebsräte der grösseren Betriebe. In diesem Fall müsste die Indu<lb break="no"/>strie, GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> von Siemens hat ja die Finanzierung übernommen,<lb/>
dies direkt mit den Betriebsräten der einzelnen Betriebe vereinbart<lb/>
und dann auch bezahlt werden. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> meint, dass dieser Weg der bessere<lb/>
sei, weil die Betriebsräte ohne weiteres, selbst wenn bekannt wird,<lb/>
dass die Unternehmer ihnen dafür ein Geld geben, die Autorisierten<lb/>
sind, um in der Öffentlichkeit für Pro-Zwentendorf in Erscheinung zu<lb/>
treten.<add>[Das]</add> Pro-Zwentendorf-Komitee selbst will ja, wenn die Atomgegner<lb/>
dann entsprechend grosse Plakataktionen starten, fragen, wer<lb/>
eigentlich diese Plakataktionen finanziert hat. In Pro-Zwentendorf<lb/>
ist es klar, dass es die Industrie finanziert. Die Frage ist dann,<lb/>
sind bei den Atomgegnern ausländische Geldgeber im Spiel? <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs><lb/>
ist sehr überrascht von mir zu erfahren, dass nach unseren Infor<lb break="no"/>mationen der Organisator immer in stärkerem Mass <rs type="person" ref="#per__97354">Paul Blau</rs> von der<lb/>
Arbeiterkammer wird. Ich werde versuchen für <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> Detailinformation<lb/>
darüber zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-30_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die Finanzierung Plakataktion mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> besprechen<lb/>
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