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            <title type="main">Montag, der 28. August 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_01">Montag, 28. August 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_02">Beim Jour-fixe mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> schnitt ich sofort die<lb/>
Angriffe der Abg. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> wegen der unzulänglichen Frauenlohnpolitik<lb/>
bei den Lebensmittelarbeitern und ihren Angriff auf mich persönlich<lb/>
an. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> müsste hier mit ihr einmal reden,<lb/>
um klarzustellen, dass sich niemand in der Partei in die Lohnpolitik,<lb/>
die die Handelskammer autonom betreiben will, einmischen dürfe.<lb/>
Ihm war sofort klar, dass dies Konsequenzen haben wird. Ich hatte<lb/>
ausdrücklich darauf verwiesen, dass ich ihnen die Angelegenheit<lb/>
deshalb sage, damit sie nicht verwundert sind, eine Intervention<lb/>
wollte ich in keiner Weise bei <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> auslösen. Ich bin nämlich<lb/>
davon überzeugt, dass dies keinerlei Wirkung hat. Die Handelskammer<lb/>
kann sich innerhalb der ÖVP nicht mehr durchsetzen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war<lb/>
sehr froh, dass ich durch keine Entgegnung oder durch eine Polemik<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> dieses Problem nur noch höher aufgeschaukelt hätte.<lb/>
Beide bestätigten mir auch, dass die Angriffe gegen <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> wegen<lb/>
seines Nebeneinkommens ungerechtfertigt sind. Sie haben sich daran<lb/>
niemals beteiligt, was übrigens stimmt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> ist auch nicht<lb/>
bereit das Vermögens-Striptease mitzumachen. Nur wenn eine gesetz<lb break="no"/>liche Verpflichtung vorliegt, würde er dies tun. Die Privatsphäre<lb/>
ist, wie er sagt, obwohl er sicherlich nichts zu verbergen hat,<lb/>
aus der Politik heraus zu lassen. Eine Meinung, die <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> und auch<lb/>
ich auf alle Fälle teilen. Von beiden wurde übrigens die Horizonte-<lb/>
Sendung von <rs type="person" ref="#per__113118">Tozzer</rs>, von den sie behaupten, er sei ein Sozialist<lb/>
oder uns zumindestens nahestehend, als skandalös bezeichnet. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
beschwerte sich ausserdem bei mir, dass in der Zeitung Der Selbständi<lb break="no"/>ge vom Freien Wirtschaftsverband die Handelskammer jetzt immer mehr<lb/>
attackiert wird. Auf Seite 2 ist eine Karikatur von der UNO-City,<lb/>
wo <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sich sozusagen jetzt mit fremden Fe<lb break="no"/>dern schmücken und positiv zur UNO-City stehen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> können mit Recht allerdings geltend machen, dass sie sich<lb/>
niemals gegen die UNO-City ausgesprochen haben. Noch viel mehr aber<lb/>
ist der Aufmacher, wo die Handelskammer hart attackiert wird, Grund<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97893">Sallingers</rs> Beschwerde. Er hat sich seinerzeit gegen seine eigenen<lb/>
Funktionäre stark gemacht und durchgesetzt, dass Nationalrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> im Präsidium kooptiert wurde. Er hat es jetzt mit den<lb/>
eigenen Funktionären, insbesondere mit den Landeskammerpräsidenten,<lb/>
die im deshalb hart attackieren, sehr schwer. Ich verspreche mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> zu reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__116030">NÄHSMANN</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_04">Bei dem Jugendfestival des Österreichischen Gewerkschaftsbundes,<lb/>
wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> und <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs> über die Jugendbeschäftigung und ganz<lb/>
besonders über die Lehrlingsausbildung sprachen, hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gesagt,<lb/>
die Ausbildung ist für den kleineren Betrieb ein Geschäft, der<lb/>
Lehrling wird also sozusagen nicht ausgebildet, sondern ausgenützt,<lb/>
alles was erreicht wurde, hat die Regierung getan. Ich erkläre nur<lb/>
sofort, sie sollen froh sein, dass wir die letzte Novelle gemeinsam<lb/>
und noch zeitgerecht verabschiedet haben. Jetzt wäre dies wesent<lb break="no"/>lich schwieriger, vielleicht sogar unmöglich. Die Polemik allein<lb/>
wird ja durch den neuen Ausbildungsplan der ÖVP neuerdings ange<lb break="no"/>heizt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> selbst muss zugeben, dass sehr wenig neue Gedanken<lb/>
drinnen sind, weil wirklich in der letzten Novelle fast alles ver<lb break="no"/>wirklicht wurde. Ich verweise darauf, dass nur jetzt über die finanzi<lb break="no"/>ellen Zuschüsse resp. die darauf resultierende Leistung der Unter<lb break="no"/>nehmer, die die Gewerkschaftsjugend verlangt, in einem Fonds neuerdings<lb/>
releviert wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist darüber nicht sehr glücklich und meint,<lb/>
ihn hat schon bei mir das letzte Mal sehr aufgeregt, als ich davon<lb/>
sprach, dass die Novelle nur für diese Legislaturperiode gilt. Die<lb/>
neue wird bestimmt eine weitere Novelle, wenn es nach mir geht,<lb/>
sogar die Übertragung der ganzen Kompetenz sogar im Sozialministerium<lb/>
bringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte den Plan verschaffen und durch <rs type="person" ref="#per__111722">Kinscher</rs><lb/>
analysieren lassen.<add>ei[n]geleitet</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_06">Ich informiere die Handelskammer, dass jetzt auf dem Erdölpreis<lb break="no"/>sektor jetzt etwas geschehen wird müssen. Durch die Dollar-Relations<lb break="no"/>verbesserung und die Angriffe, die jetzt von allen Seiten kommen,<lb/>
muss es eine gewisse Reaktion geben. Ich beabsichtigte unter gar<lb/>
keinen Umständen den Benzinpreis zu senken, sodass nur das Ofenheizöl<lb/>
übrig bleibt. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist darüber sehr unglücklich, wird aber mit den<lb/>
in Frage kommenden Firmen Gespräche führen. Mir war nur wichtig,<lb/>
dass er die ganze Frage kennt, da die Preissenkungen ja in der Paritäti<lb break="no"/>schen Kommission vereinbart werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte auch <rs type="person" ref="#per__112977">Neuhold</rs> davon verständigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_08">Über meinen Bericht von der Einschau des Rechnungshofes wegen<lb/>
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glücklich. Sie hatten allen Ernstes gehofft, eine Aussprache,<lb/>
die sie mit <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> gehabt haben, hätte dazu geführt, dass das<lb/>
Problem der Verrechnung von Ausgaben des Handelsministeriums bei<lb/>
ausländischen Ministerbesuchen erledigt sei. Sie wollen neuerdings<lb/>
mit Präs. <rs type="person" ref="#per__114610">Kandutsch</rs> des Rechnungshofes noch einmal reden. Ich<lb/>
halte so eine Aussprache für wenig zielführend und schlage ihnen<lb/>
sofort vor, sie sollten jetzt doch auf mein System, das ich schon<lb/>
seinerzeit ihnen vorgeschlagen habe, zurückkehren. Ich hatte ur<lb break="no"/>sprünglich schon immer verlangt, dass das Handelsministerium gar<lb/>
nicht die Rechnungen bekommt und dann zur Refundierung der Handels<lb break="no"/>kammer schickt, sondern dass die Hotelrechnungen und sonstigen<lb/>
Ausgaben sofort auf den Namen der Handelskammer ausgestellt werden.<lb/>
Auch bei den Geschenken hatte ich seinerzeit vorgeschlagen, dass<lb/>
nicht <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> solche kauft, der übrigens meistens sowieso nur irgend<lb/>
welche Silberschüsseln und Goldsouvenirs usw. gegeben hat, sondern<lb/>
eben die Handelskammer mir in ihrem Namen und auf ihre Rechnung<lb/>
zur Verfügung stellt und ich dann <choice><choice><sic>den ausländischen Minister</sic><corr>dem ausländischen Minister? den ausländischen Ministern?</corr></choice></choice> über<lb break="no"/>gebe. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, in diesem Fall würden sie ein eigenes Konto<lb/>
in ihrer Buchhaltung und ihrer Bilanz eröffnen, wo für Betreuung<lb/>
ausländischer Minister im Interesse der österreichischen Wirt<lb break="no"/>schaft und durch den Handelsminister dies verzeichnet wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte eine Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__97722">Marhold</rs> diesbezüglich<lb/>
vereinbaren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_10">Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> hat der Handelskammer vorgeschlagen, scheinbar aus<lb/>
einer Besichtigung in Sibirien, dass sich Österreich an dem Ausbau<lb/>
der BAM, Baikal-Amur-Magistrale, der parallel laufenden Trans<lb break="no"/>sibirischen Eisenbahn beteiligen soll. Ich erörtere ihnen die ungeheuren<lb/>
Schwierigkeiten, die es dort bei diesem Dammbau gibt und bin überzeugt,<lb/>
dass Österreich keine Chance hat, irgendwelche Lieferungen dorthin<lb/>
zu tätigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte lass Dir von der sowjetischen Handels<lb break="no"/>kammer eventuelle Unterlagen dafür kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_12">Beim Pressefrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__116031">Liebl</rs> über die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>ergebnisse im Juli minus 3.5%, Ausländer 4, Inländer 3% weniger<lb/>
Übernachtungen, <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs>, der grosses Interesse hat bei diesen<lb/>
<pb n="44-0917" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-28_0917.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Aussprachen immer dabei zu sein, MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> ist darüber gar nicht<lb/>
glücklich, wird von mir natürlich sofort auf entsprechende An<lb break="no"/>fragen der Journalisten, wie es jetzt weitergehen wird, eingebunden.<lb/>
Der Winter wird, wie auch ich prognostizierte, gut werden, insbe<lb break="no"/>sondere weil wir doch dort eine Art Oligopolstellung haben und der<lb/>
Schweizer Franken weiter steigt und die Schweiz immer mehr für die<lb/>
Deutschen ausfällt. Überrascht bin ich nach den Kursrelationen<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeisters</rs>. In seinem Modell wird Österreich dadurch, dass die<lb/>
anderen Sommerfremdenverkehrsländer nicht mehr weiter abwerten,<lb/>
relativ um 5% billiger. Dadurch wird nach seiner Prognose der Sommer<lb/>
1979 gut, d.h mehr Übernachtungen verzeichnet werden können. Davon<lb/>
war sogar ich überrascht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs> soll dies unseren Fremdenverkehrs<lb break="no"/>leuten genau erklären und Du lass es dann auch watscheneinfach dar<lb break="no"/>stellen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_14">Da wir keine anderen Themen haben, berichte ich aus Anlass der<lb/>
jetzt für das erste Halbjahr vorliegenden Mineralverbrauchsziffern<lb/>
über die Energiesituation. In Superbenzin ist eine Steigerung, die<lb/>
durch den geringen Rückgang von Normalbenzin nicht annähernd ausgegli<lb break="no"/>chen wird. Ebenso steigt der Heizölverbrauch in allen Sorten. Dazu<lb/>
berichte ich noch, wurde im ersten Halbjahr von der Elektrizitäts<lb break="no"/>wirtschaft unbestritten errechnet, dass wir um 6% gegenüber dem<lb/>
Vorjahr mehr verbrauchen. Die in den Vorschauen vorgesehenen und<lb/>
daher auch in den Energieplan eingehenden 5.7% Zuwachsraten auf<lb/>
lange Frist, die ja früher 7% betragen haben, dürften sich bewahr<lb break="no"/>heiten. Selbst wenn aber nur 5% Zuwachs ist, und damit muss ich rech<lb break="no"/>nen, wird es notwendig in 15 Jahren unsere gesamte Elektrizitäts<lb break="no"/>kapazität zu verdoppeln. An Hand dieser Energiesituation erörtere<lb/>
ich auch meine Politik jetzt bei den Verhandlungen mit den Öl<lb break="no"/>firmen. Es kommt, was mich selbst überrascht, zwar zu einer Dis<lb break="no"/>kussion über die Energiesituation, nicht aber über Zwentendorf.<lb/>
Anschliessend daran aber kommt die Redakteurin <rs type="person" ref="#per__116032">Freisinger</rs> und will<lb/>
von mir eine endgültige Stellungnahme zu dem Lagerprojekt Iran und<lb/>
Ägypten. Angeblich, sagt sie, sei beschlossen worden, mit Iran alle<lb/>
Verhandlungen abzubrechen. Dies, erkläre ich, stimmt nicht. Durch die<lb/>
politische Situation im Iran aber bedingt und auch dass ja nicht<lb/>
nur allein ein Staatsvertrag zwischen Teheran und Wien abgeschlossen<lb/>
werden muss, sondern gleichlaufend damit und als wichtige Vor<lb break="no"/>aussetzung die Firmenvereinbarungen, wird also jetzt ganz besonders<lb/>
<pb n="44-0918" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-28_0918.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>keine Aktivität entfaltet. Auch in Ägypten ist es notwendig, wie ich<lb/>
sehr laut erkläre, sodass es auch die anderen alle hören, dass nicht<lb/>
primär zuerst der Staatsvertrag zwischen Ägypten und Österreich<lb/>
abgeschlossen wird, sondern primär zuerst die Firmen klar sein<lb/>
müssen, wie sie mit ihren ägyptischen counterpart das Problem<lb/>
der Lagerung und vor allem der Finanzierung endgültig geklärt haben.<lb/>
Details kann ich nicht sagen und wie die Firmenverhandlungen weiter<lb break="no"/>gehen, wird sich zeigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_15">Der Vertreter der Gastwirte-Zeitung möchte von mir unbedingt eine<lb/>
Stellungnahme zur Äusserung <rs type="person" ref="#per__97311">Androschs</rs>, dass die Getränkepreise und<lb/>
deren Besteuerung keine Rolle spielen, für die Hoteliers und Gast<lb break="no"/>wirte sei die Auslastung das Entscheidende. Was er will, ist ganz<lb/>
klar, er will zu einer Polemik den Fall, d.h. die Äusserung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in Bad Aussee hochspielen. Auch hier erkläre ich so laut,<lb/>
dass es jeder hört und damit auch der ORF mich nachher genau auch<lb/>
wegen dieser Frage interviewt, dass die Auslastung das Wichtigste<lb/>
bei den Fremdenverkehrsbetrieben ist. Dies ist unbestritten und daher<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> in diesem Punkt recht. Was die hohen Getränkepreise be<lb break="no"/>trifft, so habe ich schon vor Jahren der Fremdenverkehrswirtschaft<lb/>
vorgeschlagen, man soll durch Vereinfachung der Berechnung zu<lb/>
einer arbeitssparenden Methode kommen, die vielleicht dann in<lb/>
einem oder anderen Punkt auch eine gewisse Erleichterung für die<lb/>
Hoteliers und Gaststätten bringt. Diesbezügliche Zusagen wurden<lb/>
auch von <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mir seinerzeit gemacht. Die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>wirtschaft hat – obwohl <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> sich angeblich sehr darum bemüht hat –<lb/>
dieses Angebot noch nicht befriedigend aufgenommen resp. durchge<lb break="no"/>rechnet. Die Getränkesteuer, erklärte ich, sei ausserdem eine Ge<lb break="no"/>meindeabgabe, die die Fremdenverkehrsgemeinden dringendst brauchen.<lb/>
Wenn man auch jetzt immer wieder sagt, die müsste dann durch den<lb/>
Finanzausgleich den Gemeinden ersetzt werden, so zeigt sich z.B.<lb/>
jetzt bei der beabsichtigten Abschaffung der Lohnsummensteuer in<lb/>
Deutschland, dass die davon betroffenen Gemeinden, obwohl sie dort<lb/>
dies durch den Bund resp. den Ländern ersetzt bekommen sollen, dage<lb break="no"/>gen Sturm laufen. Ich bin überzeugt, auch in Österreich wäre eine<lb/>
ähnliche Situation. An <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> seiner Stelle würde ich daher gar<lb/>
nicht so gegen die Fremdenverkehrswirtschaft agieren, sondern sie<lb/>
eher Fremdenverkehrsgemeinden, Fremdenverkehrsbetriebe gegenein<lb break="no"/>ander ausspielen.<lb/>
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chronologische Anbote und Verhandlungen in diesem Punkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_17">Mit SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> bespreche ich die offenen Energie<lb break="no"/>probleme. Ich mache ihm Vorwürfe wegen der von ihm geführten Be<lb break="no"/>sprechungen und jetzt sogar beabsichtigten Besuch der Schweiz,<lb/>
ohne dass ich davon etwas wusste. Dadurch bin ich in der Schweiz<lb/>
selbst bei einer Aussprache mit dem sozialistischen Nationalrat<lb/>
resp. Landesrat in grosse Schwierigkeiten <choice><choice><sic>beraten</sic><corr>geraten</corr></choice></choice>. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> behauptet<lb/>
allerdings, dass er keine konkreten Verhandlungen bis jetzt ge<lb break="no"/>führt hat resp. Treffen vereinbart hat. Jetzt soll er nur als Län<lb break="no"/>derprüfer der Internationalen Energieagentur in die Schweiz geschickt<lb/>
werden und möchte vorher die Notstandsmassnahmen, die Lagerung in<lb/>
Ägypten, die Beteiligung der Schweiz an dem ungarisch-burgenländi<lb break="no"/>schen Grenzkraftwerk bis zu 300 Megawatt, die Destillationsanlage<lb/>
in Sennwald, an der sich eventuell auch die Vorarlberger betei<lb break="no"/>ligen könnten sowie auch die Zusammenarbeit zwischen Verbundplan<lb/>
und der Schweizer Firma Kolumbus besprechen. Damit bin ich einver<lb break="no"/>standen. Noch grössere Vorwürfe muss ich ihm aber bezüglich der ge<lb break="no"/>ringen Koordinierung in der Verbundaufsichtsrat-Vorbesprechung machen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat das letzte Mal zum grossen Entsetzen unserer Fraktion<lb/>
in der Aufsichtsratssitzung direkt den Bericht von GD <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs><lb/>
hart attackiert. Natürlich ist dann im Protokoll alles aufge<lb break="no"/>zählt worden. Dieses Protokoll ist zwar vertraulich, wurde aber<lb/>
selbstverständlich der Presse zugespielt und jetzt gibt es eine<lb/>
ganz schöne Polemik, nicht nur <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gegen Verbundgesellschaft,<lb/>
sondern auch <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gegen Handelsminister. NR <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> hat dies<lb/>
sofort aufgegriffen und in einem offenen Brief neben vielen anderen<lb/>
Fragen auch mich diesbezüglich angeschossen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> behauptet, was ich<lb/>
natürlich nicht einmal ich abnehme, er hätte sich in der Fraktion<lb/>
nicht durchsetzen können, weil er dort gar nicht zu Wort kommt. Über<lb/>
diese Aussprache verständige ich dann nachher auch <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> und ersuche<lb/>
ihn, dass wenn sie irgendwelche Probleme mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> haben, diese<lb/>
nicht intern lösen können, sich dann halt gegebenenfalls an mich zu<lb/>
wenden und ich mich als Vermittler einschalten werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>! Versuche Du auch hier ständig der Vermittler<lb/>
und Beschwichtiger zu sein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_19">Bezüglich des modifizierten Energieplanes einigen er uns, dass<lb/>
<pb n="44-0920" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-28_0920.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>jetzt ein Entwurf vom Ministerium den Interessensvertretungen<lb/>
und allen Beteiligten geschickt wird. Darin will <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> unter allen<lb/>
Umständen die 400 MW Gasturbinen und die 1000 MW neue Ölkraftwerke<lb/>
eliminieren oder zumindestens wesentlich stark reduzieren. Ich teile<lb/>
seine Meinung und hoffe, dass es gelingen wird einen Akkord mit der<lb/>
Energie, insbesondere Elektrizitätswirtschaft zu erzielen. In Hin<lb break="no"/>kunft werden wir den Energieplan nicht mehr nach Jahreszahlen fest<lb break="no"/>legen, sondern eben nur schreiben die dritte Modifikation oder<lb/>
Anpassung des Energieplanes.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte schau dass wir spätestens im Herbst<lb/>
mit dem neuen Energieplan herauskommen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_21"><rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> berichtet auch, dass es ihm als Oberste Bergbehörde jetzt<lb/>
geglückt ist, die Interimsabkommen mit den Erdölfirmen ÖMV und<lb/>
RAG abzuschliessen. Da sie bis September befristet sind, werden<lb/>
sie jetzt sofort verlängert werden müssen. Die Langzeitpläne mit<lb/>
der ÖMV und die Wahrnehmung der Verträge, die in der Vergangenheit<lb/>
an die Berghauptmannschaft von der OB delegiert wurde, wird aller<lb break="no"/>dings viele Streitpunkte mit den Ölfirmen ergeben. Hier werde ich<lb/>
wahrscheinlich noch oft als Vermittler eingeschaltet werden. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> be<lb break="no"/>hauptet, und dies stimmt sicher, dass in der Vergangenheit man von<lb/>
der Obersten Bergbehörde nur zu leichtfertig alle Kompetenzen ent<lb break="no"/>weder der Berghauptmannschaft delegiert hat oder sie gar nicht<lb/>
wahrgenommen hat. Darüber hätte sich sogar die Finanzprokuratur im<lb/>
Jahre 1977, als sie mit diesen Verträgen erstmals beschäftigt wurde,<lb/>
dahingehend geäussert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_22">Ich berichte <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> über meine Zusammenkunft auf der Bielerhöhe<lb/>
mit dem Vorstand der Illwerke. Diese haben den mir erstatteten münd<lb break="no"/>lichen Bericht über die Schiedsgerichtsverhandlungen als eine Zwischen<lb break="no"/>lösung und Zwischenbericht für die von ihnen verlangte endgültige Klä<lb break="no"/>rung der Illwerke-Politik in der Vergangenheit betrachtet. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
teilt meine Auffassung, dass nämlich wir auf alle Fälle, bevor wir in<lb/>
diese schweren Anschuldigungen, dass das Treueverhältnis der öffent<lb break="no"/>lichen Verwalter und dann auch der Organe gegen die Republik ge<lb break="no"/>brochen wurde, näher untersuchen und aufgreifen, vorerst die Schieds<lb break="no"/>verhandlungen mit den deutschen RWE abgeschlossen werden müssen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> dürfte jetzt also nachträglich auch eingesehen haben, dass es<lb/>
nicht zweckmässig wäre zu den jetzigen Zeitpunkt bereits die Staats<lb break="no"/><pb n="44-0921" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-08-28_0921.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>anwaltschaft einzuschalten. Dies wird meiner Meinung nach erst<lb/>
notwendig sein, bis tatsächlich von seitens des Vorstandes der<lb/>
endgültige Bericht vorgelegt werden kann. Dafür sind, davon<lb/>
habe ich mich selbst überzeugen können, noch umfangreiche Studien<lb/>
insbesondere des neuen Vorstandsdirektors <rs type="person" ref="#per__113021">Reich</rs> notwendig. Dieser<lb/>
hat sich ungeheuer in die Details eingearbeitet, macht entsprechende<lb/>
Archivstudien auch in der Vorarlberger Landesregierung und deren<lb/>
Beschlüsse und verspricht uns ein umfangreiches Elaborat zeitge<lb break="no"/>recht vorzulegen. Erst dann, gibt <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> zu, können wir entsprechende<lb/>
Beschlüsse fassen. Bezüglich der Ordensverleihung haben wir jetzt<lb/>
eine gute Ausrede damit zuzuwarten, bis auch die von mir angeregten<lb/>
Orden für die Malta-Kraftwerk-Errichtung verteilt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte die Malta-Auszeichnungs<lb break="no"/>verleihung veranlassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_24">Abg. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> teilt mir mit, dass er jetzt bezüglich der Pro-Zwenten<lb break="no"/>dorf-Kampagne und insbesondere Propagandatätigkeit nach telefo<lb break="no"/>nischer Rücksprache mit mir in Riva del Sole den Auftrag gegeben<lb/>
hat, die Plakatflächen zu mieten. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> selbst ist der Meinung,<lb/>
dass er äusserst vorsichtig vorgehen muss, weil ansonsten die<lb/>
ÖVP-ler der Elektrizitätswirtschaft vielleicht abspringen würden.<lb/>
Ich rufe ihn sofort an und stelle fest, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> in meinem Auf<lb break="no"/>trag so gehandelt hat, denn die Elektrizitätswirtschaft würde es<lb/>
uns dann vielleicht letzten Endes ankreiden, wenn wir für September/<lb/>
Oktober keine Plakatflächen haben, obwohl behauptet wird, dass die<lb/>
Atomgegner sich solche in grösserem Ausmass reserviert haben. <rs type="person" ref="#per__97333">Band<lb break="no"/>hauer</rs> meint, es müsste jetzt endlich auch die Atomenergieindustrie<lb/>
etwas zu dieser Aufklärungskampagne beitragen. Ich werde diesbezüglich<lb/>
mit GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> von Siemens sprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-08-28_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte einen Termin mit <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> vereinba<lb break="no"/>ren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 28.8.1978</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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