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            <title type="main">Mittwoch, der 12. Juli 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_01">Mittwoch, 12. Juli 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_02">Die Firma Kriechbaum ist der grösste Industriebetrieb für<lb/>
Schirmeerzeugung, übrigens auch der einzige, der überhaupt sich<lb/>
aus kleinsten Anfängen, Schirmreparatur, zu dieser Grösse ent<lb break="no"/>wickelt hat. 1945 gegründet, ein typischer Familienbetrieb,<lb/>
jetzt schon in der dritten Generation die eigenen Familien<lb break="no"/>angehörigen beschäftigend, immerhin 120 Beschäftigte, 1/3<lb/>
davon Ausländer. Die Schirmgestelle werden in Österreich über<lb break="no"/>haupt nicht mehr erzeugt und daher auch von <rs type="person" ref="#per__115598">Kriechbaum</rs> impor<lb break="no"/>tiert. Die Qualitäts- und insbesondere modischen Garten- und Regen<lb break="no"/>schirme kann er sogar bis Italien, Deutschland und in die Schweiz<lb/>
exportieren. Aus Frankreich hat er von Cardin Lizenz und erzeugt<lb/>
doppelt so teure und meiner Meinung nach gar nicht so elegante<lb/>
Schirme. Der Name Cardin muss eben, wenn er am Schirm drauf ist,<lb/>
entsprechend bezahlt werden. Die Familie, dessen Gründer übrigens<lb/>
in der illegalen Zeit auch für die sozialdemokratische Partei<lb/>
gearbeitet hat, war sichtbar erfreut, von mir persönlich das Staats<lb break="no"/>wappen überreicht zu bekommen, der Freie Wirtschaftsverband, dass<lb/>
ich ihm seinen Wunsch erfüllte, glücklich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_03">SChef<add>[?]</add> <rs type="person" ref="#per__115597">Cohen</rs> aus Tel Aviv kam mit dem israelischen Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115596">Doron</rs> und dem israelischen Handelsattache, der allerdings in Zürich<lb/>
sitzt, um mir eine Bitte vorzutragen. Die Israeli möchten bei der<lb/>
EFTA denselben Status den jetzt Jugoslawien hat. Sie stellen sich<lb/>
vor, dass eine Gemischte ad hoc Kommission von Experten zusammen<lb break="no"/>gerufen wird, damit alle Fragen, die Israel und EFTA Staaten be<lb break="no"/>treffen, freimütig besprochen werden können. <rs type="person" ref="#per__115597">Cohen</rs> hat sich an<lb/>
mich gewendet, weil er weiss, dass ich seinerzeit bei der EFTA,<lb/>
als über die Mittelmeerländer gesprochen wurde, versucht habe,<lb/>
Israel in diese Verhandlungen so einzuziehen, wie eben Griechenland<lb/>
und die Türkei, Spanien usw. Damals hatte ich aber keinen Erfolg,<lb/>
sondern ganz im Gegenteil, die anderen Staaten haben dies entschieden<lb/>
abgelehnt. Jetzt hofft Israel, dass es nach Rücksprache mit den<lb/>
nordischen Staaten, insbesondere Norwegen und Schweden, mehr Unter<lb break="no"/>stützung für diese ad hoc-Gruppe bekommen würde. Mit den Europäischen<lb/>
Gemeinschaften wird Israel seine bisherige provisorische Regelung<lb/>
um 2 Jahre verlängern und damit bis 1981 abgedeckt sein. Ich er<lb break="no"/><pb n="44-0822" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-07-12_0822.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>klärte selbstverständlich, dass ich diesen Wunsch Israels unter<lb break="no"/>stützen werde, dass aber bereits der Vorsitz in der EFTA von<lb/>
Österreich mit 1. Juli an die Finnen weitergegangen ist. Entschei<lb break="no"/>dend ist aber, das <rs type="person" ref="#per__115597">Cohen</rs> mit Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__115599">Müller</rs> vom EFTA-Sekretariat<lb/>
spricht, damit dieser die entsprechenden Vorbereitungen trifft.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115597">Cohen</rs>, der in Genf Israel bei anderen internationalen Organi<lb break="no"/>sationen vertritt, wird dies unverzüglich in Angriff nehmen. Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__115596">Doron</rs> teilte mir mit, dass ein eigener Handelsattache<lb/>
nach Österreich jetzt endlich geschickt wird. <rs type="person" ref="#per__115600">Shamir</rs> hat mich<lb/>
seinerzeit bei meinem Israel-Besuch begleitet und wird sehr bald<lb/>
in Österreich eintreffen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte unverzüglich unsere Mission in Genf<lb/>
durch Dr. <rs type="person" ref="#per__111384">Weiser</rs> verständigen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_05">Der österr. Gesandte in Sofia, <rs type="person" ref="#per__97377">Bukowski</rs>, berichtet mir, dass er<lb/>
hofft, vor dem <rs type="person" ref="#per__113024">Schiwkow</rs>-Besuch im September in Österreich doch<lb/>
einige konkretere Geschäfte verhandeln zu können. Er glaubt, dass<lb/>
insbesondere für die Seilbahnen, also auf dem touristischen Ge<lb break="no"/>biet Möglichkeiten bestehen. Bulgarien und Rumänien werden ausser<lb break="no"/>dem ein Donaukraftwerk errichten, wo vielleicht österreichische<lb/>
Firmen als Lieferanten herangezogen werden. Ich gebe mich beim<lb/>
Letzteren keiner Illusion hin, denn da die Finanzierung nur über<lb/>
die UdSSR oder vielleicht die Weltbank erfolgt, wird im ersteren<lb/>
Fall nur die sowjetische Lieferung in Frage kommen und im letzteren<lb/>
eine internationale Ausschreibung erfolgen, wo wir sicherlich<lb/>
durch die harte Konkurrenz kaum einen Zuschlag bekommen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Verbundplan soll prüfen, ob es Möglichkeiten<lb/>
gibt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_07">Der niederländische Botschafter hat traditionsmässig die deutsch<lb break="no"/>sprechenden Botschafter und mich zu einem Mittagessen eingeladen.<lb/>
Für mich gab es dabei die günstige Gelegenheit über Anfrage die<lb/>
ägyptischen Lagermöglichkeiten von Atommüll zu besprechen. Da der<lb/>
iranische Botschafter <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> ebenfalls dabei war, konnte ich ihm<lb/>
unverzüglich insoferne berichten, als ich nicht nur auf die ägyp<lb break="no"/>tischen Bemühungen, sondern auch auf alle anderen Bemühungen für<lb/>
die Atomlagerung hinwies. Der italienische Botschafter war sehr<lb/>
skeptisch, ich habe natürlich nicht über den konkreten Ver<lb break="no"/>tragsentwurf gesprochen, sondern über die Absichtserklärungen<lb/>
<pb n="44-0823" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-07-12_0823.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sowohl des Schah als auch Präsident <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs>. Der iranische Bot<lb break="no"/>schafter <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> meinte, es freue ihn, dass das erste Offert Iran's,<lb/>
uns zu helfen, jetzt auch bei anderen Staaten auf fruchtbaren Boden<lb/>
gefallen ist. Meine Erklärung gipfelte in der Aussage, dass der<lb/>
zu schliessende Staatsvertrag zwischen Österreich und dem Land,<lb/>
welches dann die Lagerung übernimmt, erst dann abgeschlossen werden<lb/>
kann, bis die Gesellschaft, die ja letzten Endes die Lagerung<lb/>
durchführt und daher alles bezahlen muss, ein finanzielles und<lb/>
technisches Arrangement mit den betreffenden Staat abgeschlossen<lb/>
hat oder erklärt, sie braucht ein solches Dachabkommen, ähnlich<lb/>
wie wir auf anderem Gebiet mit Staatshandelsländern abschliessen.<lb/>
Darüber werden und müssen noch konkrete Verhandlungen geführt wer<lb break="no"/>den.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_08">Alle anderen Fragen von Exportproblemen usw. waren für mich<lb/>
furchtbar leicht zu beantworten und zu erklären. Der schweize<lb break="no"/>rische Botschafter wollte von mir nur wissen, was Österreich über<lb/>
die europäischen Währungsgespräche weiss und wie die Regierung<lb/>
dazu steht, denn er selbst hat von Bern überhaupt keine Infor<lb break="no"/>mation. Ich erklärte freiweg, dass auch ich keine besitze und<lb/>
die Regierung offiziell nicht informiert wurde. Der deutsche Bot<lb break="no"/>schafter hat mir nachher unter vier Augen erklärt, dass dies nicht<lb/>
stimme, sondern er hätte Bundeskanzler und insbesondere Vizekanz<lb break="no"/>ler und Finanzminister eine sehr genaue Information auch schrift<lb break="no"/>lich übergeben. Meine Antwort an ihn war, da Währungsfragen ein<lb/>
äusserst heikles Problem sind und strengst vertraulich immer be<lb break="no"/>handelt werden, hat eben <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> diese Information<lb/>
ausschliesslich für sich behalten. In der letzten Regierungsvor<lb break="no"/>besprechung hat nämlich <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> nur darauf hingewiesen, dass<lb/>
Nationalbankpräsident <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> bei der BIZ in Basel feststellen musste,<lb/>
dass die Nationalbankdelegierten aus all diesen Staaten nichts<lb/>
wussten resp. zu den Besprechungen überhaupt nicht zugezogen wurden.<lb/>
Diesmal haben die Politiker, in dem Fall allerdings auch als<lb/>
ehemalige Finanzminister <rs type="person" ref="#per__114486">Giscard</rs> und <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs>, sich scheinbar von<lb/>
allen Fachleuten freigespielt und selbst versucht ein politisches<lb/>
Konzept für die Währungsfragen zu entwickeln und durchzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_09">Landwirtschaftsminister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> hat 3 Minister, 3 Präsidenten und<lb/>
den GAF zu einer kleinen Sitzung eingeladen, um über die Getreide<lb break="no"/>situation für die nächste Ernte zu beraten. Gekommen sind 2 Dutzend<lb/>
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die erste Enttäuschung. Die zweite folgte dann unmittelbar, als<lb/>
die Landwirtschaftsvertreter, Präsident <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs> und Landesrat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs> erklärten, sie könnten zu der seinerzeitigen Zusage,<lb/>
dass die Preisregelung für Futterweizen, d.h. eigentlich genau<lb/>
für Normalweizen, der nicht vermahlen wird und daher nur für Futter<lb break="no"/>zwecke verwendet werden kann, nicht zustimmen. Nach längeren Verhand<lb break="no"/>lungen, wo ich dezidiert erklärte, ich werde im nächsten Jahr nur<lb/>
mehr für den Mahl-Normalweizen Preise festsetzen, zeichnete sich<lb/>
dann eine Kompromisslösung ab. Die Bauern sind sich vollkommen<lb/>
klar darüber, dass nächstes Jahr nur 40.000 Tonnen Normalweizen<lb/>
für die Vermahlung herangezogen wird. Der Rest ist Qualitätsweizen<lb/>
und abklassifizierter Qualitätsweizen, der natürlich noch immer<lb/>
besser ist, als der Normalweizen. Um den Überschuss aber wegzubringen,<lb/>
schlugen die Bauern vor, man sollte jetzt schon festlegen, dass<lb/>
200.000 Tonnen Normalweizen von bestimmten Sorten, die qualitäts<lb break="no"/>mässig auch sehr gut sind, exportiert werden können. Dafür ist<lb/>
aber die Zustimmung des Finanzministers notwendig. MR <rs type="person" ref="#per__115484">Schulteiss</rs><lb/>
vom Finanzministerium hat dann in einer kleinen Gesprächsrunde<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> erklärt, er könne dem Vizekanzler nur empfehlen, einem<lb/>
solchen Arrangement zuzustimmen, wenn gleichzeitig eben eine Er<lb break="no"/>sparnis auf anderen Gebieten möglich ist. Theoretisch wäre dies<lb/>
gegeben, denn für die 200.000 Tonnen Export, die unmittelbar<lb/>
nach der Ernte sofort erfolgen würden, müsste man nicht die Lager<lb break="no"/>kosten sowie die Denaturierungsabstützung auf den Futtermittel<lb break="no"/>weizen bezahlen. Die 230.000 Tonnen Weizenexport nach Polen mussten<lb/>
mit 1.250 Schilling die Tonne gestützt werden. Das Landwirtschafts<lb break="no"/>ministerium behauptet, dass die Lagerkosten ungefähr 1.000 Schilling<lb/>
pro Tonne im Jahr sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte lass die 1.000 Schilling einmal genauer<lb/>
aufgliedern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_11">Die ÖVP dreht jetzt in der Kernkraftfrage scheinbar durch. Gestern<lb/>
hat der Wirtschaftssprecher, NR <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs>, über einen offenen Brief<lb/>
von mir verlangt, ich soll sofort alle Informationen über die<lb/>
Lagermöglichkeitsverhandlungen mit Ägypten darlegen, heute hat<lb/>
der Gesundheitssprecher der ÖVP <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> fast genau gleiche Fragen<lb/>
an mich wiederholt. In beiden Fällen habe ich sofort repliziert,<lb/>
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und dies habe ich GD <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> und von der KWU <rs type="person" ref="#per__114550">Barthelt</rs> erklärt –<lb/>
dass, wenn jetzt die Kampagne auf diesem Weg geführt wird, ich<lb/>
für alle weiteren Gespräche und sachliche Diskussionen keine<lb/>
Basis mehr sehe. <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs>, der gute Beziehungen zur ÖVP hat<lb/>
und ständig mit ihnen in Kontakt ist, ist über die Entwicklung<lb/>
entsetzt. <rs type="person" ref="#per__114550">Barthelt</rs> sagt, so etwas ist nicht einmal in Deutschland<lb/>
geschehen. Beide haben mit Präsident <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über die Inbetrieb<lb break="no"/>nahme Kernkraftwerk Zwentendorf gesprochen und seine volle Unter<lb break="no"/>stützung gehabt. Bezüglich der offenen Fragen wurden <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs><lb/>
von mir die Wünsche des Gesundheitsministeriums mitgeteilt. Der<lb/>
Bescheid für das Kompaktlager ist nach Mitteilung SChef <rs type="person" ref="#per__111378">Pindur</rs><lb/>
fertig und wird von ihm resp. von Frau Minister nur mehr zu<lb/>
genehmigen sein. Für den Bescheid für die schachbrettartige Beladung<lb/>
fehlen die Materialqualitätszertifikate für den Brennelemente<lb break="no"/>kasten, die Dokumentation für das Reaktordruckgefäss und Arbeiten<lb/>
noch am unteren Kerngitter und Speisewasserverteiler. Ich habe<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> noch einmal ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht,<lb/>
dass ich auch grössten Wert darauf legen muss, dass alle Unter<lb break="no"/>lagen, die das Gesundheitsministerium braucht, so schnell als<lb/>
möglich von der GKT beigestellt werden müssen. Die Ausrede oder<lb/>
auch nur die Behauptung, dass gewisse Dokumente erst bei der<lb/>
nächsten Teilbetriebsbewilligung notwendig sind, lasse ich nicht<lb/>
gelten. Wenn auch scheinbar die Unterlagen für das Reaktordruck<lb break="no"/>gefäss zu einem späteren Zeitpunkt endgültig notwendig sind, soll<lb/>
man diese, wenn jetzt bereits das Gesundheitsministerium sie braucht,<lb/>
zur Verfügung stellen. Früher oder später müssen sie ja auf alle<lb/>
Fälle geliefert werden. <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> wird sich diesbezüglich bemühen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114550">Barthelt</rs> hat dies sofort eingesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_12">Als neuen politischen Hit hat in der Frage Inbetriebnahme des<lb/>
Kernkraftwerkes Zwentendorf jetzt LH <rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs>, als Präsident des<lb/>
Aufsichtsrates der SAFE, entgegen den Direktoren, ja sogar gegen<lb/>
1/3 Beteiligung der OKA, also auch gegen diese entschieden, dass<lb/>
unverzüglich die Zahlungen für das Kernkraftwerk eingestellt wer<lb break="no"/>den. Er motiviert dies damit, dass die Volksabstimmung abgewartet<lb/>
werden muss, dass man seiner Meinung nach den Bau sofort einstellen<lb/>
<pb n="44-0826" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band44/44_1978-07-12_0826.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>sollte. Dies richtet sich nicht nur gegen die Kernkraftgesellschaft,<lb/>
sondern auch gegen die anderen ÖVP-Landeshauptleute, die scheinbar<lb/>
diesen Husarenritt nicht mitmachen wollen. Das Fernsehen fragte<lb/>
mich, was ich zu dieser Stellungnahme sage. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat mir<lb/>
geraten, ich sollte erklären, dass die GKT resp. Verbundgesellschaft<lb/>
sofort die Klage gegen die SAFE wegen Vertragsbruch und Bezahlung<lb/>
einreichen wird, wie er auch der Verbundgesellschaft empfohlen hat.<lb/>
Genau dies habe ich natürlich nicht gesagt, denn diese Fragen und<lb/>
Entscheidungen liegen ausschliesslich bei der Gesellschaft. Ich<lb/>
stehe auf dem Standpunkt, dass auch ein eventueller Baustopp oder<lb/>
Bauverzögerung ausschliesslich in der Entscheidung der Gesellschaft<lb/>
liegt. Das Ministerium baut nicht, das Ministerium hat auch nicht<lb/>
die Verantwortung für den Baufortschritt oder den Bauabschluss zu<lb/>
tragen. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> lässt sich jetzt immer mehr von emotionellen Ent<lb break="no"/>scheidungen leiten. Da er das letzte Mal im Verbundaufsichtsrat<lb/>
einige Bedenken geäussert hat, die jetzt in der Wochenpresse wort<lb break="no"/>wörtlich abgedruckt sind, hat er jetzt von <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> eine Unter<lb break="no"/>suchung verlangt, wer die Aufsichtsratsberichte an die Presse<lb/>
weitergegeben hat. Dass bei einem Gremium von 50 Personen und<lb/>
wahrscheinlich ein Dutzend Leute, die in der Verbund damit zu<lb/>
tun haben, kaum etwas herauskommen kann, ist mir klar. Interessant<lb/>
für mich war, dass laut Auskunft der Verbundgesellschaft die SAFE<lb/>
bis jetzt nur 132.000 Schilling schuldig ist, ein Millionenbetrag<lb/>
für die GKT wird erst im August fällig. Die Gesellschaft muss sich<lb/>
also jetzt klar werden, was sie letzten Endes unternimmt. Ich werde<lb/>
mich hüten, als Minister oder Ministerium eine dezidierte Erklärung<lb/>
abzugeben. Entscheidend für mich ist nur – und darauf habe ich<lb/>
ganz besonders hingewiesen – dass ein eindeutiges Rechtsverhältnis<lb/>
besteht, dass eindeutige Verträge bestehen und dass ich hoffe, dass<lb/>
der ehemalige Kammeramtsdirektor <rs type="person" ref="#per__113822">Haslauer</rs> auch als Landeshaupt<lb break="no"/>mann weiss, was es heisst, Verträge<add>[zu]</add> schliessen und sie letzten<lb/>
Endes einzuhalten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band44_1978-07-12_13">Der Botschafter von Polen, <rs type="person" ref="#per__97616">Karski</rs>, hat einen Abschiedsempfang<lb/>
gegeben. Ich habe ihn ausnahmsweise besucht, weil er ja jetzt nicht<lb/>
ins Aussenamt, wie er wünschte – zurückkehrt, sondern als erster<lb/>
stellvertretender Vizeminister ins Aussenhandelsministerium. Da<lb/>
ich mit ihm daher ständig Kontakt haben werde, habe ich mich sozusa<lb break="no"/>gen von einem Kollegen verabschiedet. Bei diesem Empfang habe ich<lb/>
auch den neuen nordkoreanischen Botschafter getroffen. Dieser<lb/>
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eingeladen wurde und jetzt doch endlich kommen möchte, den Ver<lb break="no"/>trag zu unterfertigen. Ich habe ihm als Voraussetzung gesagt,<lb/>
dass die finanziellen offenen Fragen zwischen Österreich und<lb/>
Nordkorea geklärt werden müssen. Durch Zufall habe ich dann<lb/>
Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> ebenfalls dort getroffen und ihn sofort<lb/>
mit den Botschafter bekannt gemacht. Wenn, so erklärte ich,<lb/>
die Österreichische Kontrollbank eine befriedigende Lösung der<lb/>
Zahlungen und Schulden mir mitteilt, werde ich gerne bereit<lb/>
sein, dann einen Besuch im nächsten Jahr abzustatten, um den Ver<lb break="no"/>trag eben tatsächlich dann zu unterfertigen. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> und der<lb/>
Botschafter haben dann eine lange Diskussion über die Möglich<lb break="no"/>keiten und insbesondere über die zweckmässig Abwicklung allein<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Giscard D'estaing, Valéry</persName>
               <persName><surname>Giscard D'estaing</surname><forename>Valéry</forename></persName>
               <occupation>frz. Staatspräs.</occupation>
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               <persName type="label">Bierbaum, Matthias</persName>
               <persName><surname>Bierbaum</surname><forename>Matthias</forename></persName>
               <occupation>nö. ÖVP-LR, Präs. LWK NÖ</occupation>
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               <persName type="label">Karski, Ryszard</persName>
               <persName><surname>Karski</surname><forename>Ryszard</forename></persName>
               <occupation>poln. Botschafter/stv. Außenhandelsminister</occupation>
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               <persName type="label">Bukowski, Dietrich</persName>
               <persName><surname>Bukowski</surname><forename>Dietrich</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher, Botschafter in Sofia/Straßburg</occupation>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
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               <persName type="label">Schiwkow, Todor</persName>
               <persName><surname>Schiwkow</surname><forename>Todor</forename></persName>
               <occupation>bulg. Staats-/Parteichef</occupation>
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               <persName type="label">Keimel, Otto</persName>
               <persName><surname>Keimel</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Lehner, Hans</persName>
               <persName><surname>Lehner</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Präs. LWK</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <persName type="label">Haiden, Günter</persName>
               <persName><surname>Haiden</surname><forename>Günter</forename></persName>
               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
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               <persName type="label">Müller, Charles</persName>
               <persName><surname>Müller</surname><forename>Charles</forename></persName>
               <occupation>EFTA-Generalsekr.</occupation>
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               <persName type="label">Namdar, Mostafa</persName>
               <persName><surname>Namdar</surname><forename>Mostafa</forename></persName>
               <occupation>iran. Botschafter</occupation>
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               <persName type="label">Barthelt, Klaus</persName>
               <persName><surname>Barthelt</surname><forename>Klaus</forename></persName>
               <occupation>GD KWU</occupation>
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               <persName type="label">As-Sadat, Anwar</persName>
               <persName><surname>As-Sadat</surname><forename>Anwar</forename></persName>
               <occupation>Staatspräsident Ägypten</occupation>
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               <persName type="label">Benya, Anton</persName>
               <persName><surname>Benya</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation>ÖGB-Präs., NR-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Koren, Stephan</persName>
               <persName><surname>Koren</surname><forename>Stephan</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister, ÖVP-NR-Abg., OeNB-Präs.</occupation>
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               <persName type="label">Wolfsberger, Wolfgang</persName>
               <persName><surname>Wolfsberger</surname><forename>Wolfgang</forename></persName>
               <occupation>GD Siemens Österreich</occupation>
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               <persName type="label">Doron, Yaacov</persName>
               <persName><surname>Doron</surname><forename>Yaacov</forename></persName>
               <occupation>isr. Botschafter</occupation>
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               <persName type="label">Cohen, A</persName>
               <persName><surname>Cohen</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>isr. "Sektionschef"</occupation>
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               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
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               <persName type="label">Haschek, Helmut Hans</persName>
               <persName><surname>Haschek</surname><forename>Helmut Hans</forename></persName>
               <occupation>GD Kontrollbank</occupation>
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               <persName type="label">Schmidt, Helmut</persName>
               <persName><surname>Schmidt</surname><forename>Helmut</forename></persName>
               <occupation>Min./BK BRD, SPD</occupation>
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               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
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               <persName type="label">Weiser, Georg</persName>
               <persName><surname>Weiser</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, Sohn v. Alfred Weiser (GD Bunzl &amp; Biach)</occupation>
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               <persName type="label">Shamir, A</persName>
               <persName><surname>Shamir</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>isr. Handelsattaché (?)</occupation>
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               <persName type="label">Schultes, Alfred</persName>
               <persName><surname>Schultes</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>MR FM</occupation>
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               <persName type="label">Haslauer, Wilfried</persName>
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               <persName type="label">Kriechbaum, A</persName>
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               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Satzinger, Heinz</persName>
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               <persName type="label">Pindur, Herbert</persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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