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            <title type="main">Donnerstag, der  6. Juli 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_01">Donnerstag, 6. Juli 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_02">Im Bundesrat wurden bei der Kernenergie-Debatte keine neuen<lb/>
Gesichtspunkte behandelt. 11 Redner beteiligten sich daran,<lb/>
die ÖVP brachte Anträge ein, den Gesetzentwurf abzulehnen.<lb/>
Da <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> erklärte, sie möchte keinesfalls sprechen, blieb<lb/>
mir nichts anderes übrig, als mich zu Wort zu melden. Ich<lb/>
ging auf die Begründung der Anträge ein, weil ich dort am besten<lb/>
alle Gegenargumente liefern konnte, die Debattenbeiträge der<lb/>
Opposition waren in Wirklichkeit auch nichts anderes als Argumente<lb/>
für die Begründung der Anträge, die auch dort bereits im<lb/>
einzelnen angeführt waren. An der Spitze natürlich die Frage<lb/>
der Sicherheit, die nicht gewährleistet ist, der Briefwechsel<lb/>
für Cogema, wo <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine Täuschung durch den Brief an die<lb/>
GKT, wo er entsprechende Zweifel hegt über die Zweckmässigkeit.<lb/>
Unerklärlich für mich und deshalb besonders stark herausgestrichen<lb/>
die Ablehnung der Aussenhandelsnovelle, die in Wirklichkeit nur<lb/>
eine zusätzliche Sicherung für eine zweckmässige Lagerungslösung<lb/>
ist. Der Tenor aller Oppositionsredner, die Bundesregierung<lb/>
soll entscheiden, das Parlament hat nichts mit diesem Verwaltungs<lb break="no"/>akt Kernkraftwerks-Inbetriebnahme zu tun. Die Volksabstimmung<lb/>
ist ein reiner Fluchtversuch. Prof. <rs type="person" ref="#per__114558">Schambeck</rs>, der die Rolle<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97419">Ermacoras</rs> im Bundesrat spielt, kam natürlich auf die Verfassungs<lb break="no"/>bedenken bezüglich des Massnahmengesetzes Inbetriebnahme von<lb/>
Zwentendorf zu sprechen. Da Prof. <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs>, den er etliche Male<lb/>
zitierte, insbesondere auch seine Gutachten, ebenfalls im Saal<lb/>
anwesend war, hatte ich dann, da war <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs> allerdings schon<lb/>
wieder weg, mich auch auf dieses Rechtsgebiet begeben. Da ich schon<lb/>
so viel von diesen Problemen gehört habe, wagte ich mich auf ein<lb/>
ansonsten von mir sehr gemiedenes Thema. Als letzter Redner der<lb/>
SPÖ war <rs type="person" ref="#per__97476">Gmoser</rs> aufgerufen. Vorher hatte der Oppositionsredner<lb/>
auf einen Zwischenruf <rs type="person" ref="#per__97476">Gmosers</rs>: Fürchten Sie so das Volk bei<lb/>
der Volksabstimmung? erklärt, wir fürchten das Volk nicht und<lb/>
wir fürchten auch sie nicht, Herr <rs type="person" ref="#per__97476">Gmoser</rs>. Dieser sagte dann, es<lb/>
sei ihm zuviel der Ehre angetan worden und schmetterte mit<lb/>
seinem mächtigen Organ seine Argumente der ÖVP entgegen. Dies<lb/>
war auch unbedingt notwendig, denn die Taktik der ÖVP war,<lb/>
überhaupt nicht zuzuhören, ganz im Gegenteil untereinander zu<lb/>
sprechen, ihm den Rücken zu kehren, also wie man so schön im<lb/>
Wienerischen sagt: nicht einmal zu ignorieren. Unglaublich, dass<lb/>
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würde sie nicht zu einer solchen Taktik greifen. Die Debatte<lb/>
dauerte von 1/2 10 Uhr bis 1/2 3 Uhr, für den Bundesrat eine unge<lb break="no"/>heuer lange Zeit, wenn man berücksichtigt, dass er in zwei Tagen<lb/>
35 Tagesordnungspunkte erledigt und heute gleichzeitig auch noch<lb/>
eine dringliche Anfrage wegen des Frächter-Boykotts an Finanzmini<lb break="no"/>ster <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> eingelegt hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_03">Beim Jour fixe mit AK und ÖGB klärten wir für das Austria-Zeichen<lb/>
noch einen Verordnungsentwurf von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> vorbereiten zu lassen.<lb/>
Die Grundlage kann nur der UWG § 32 sein, ein eigener Gesetz<lb break="no"/>entwurf wäre derzeit unzweckmäßig. Die Handelskammer hat sich<lb/>
bis jetzt nur bereiterklärt, für den zu gründenden Verein, der<lb/>
das A-Zeichen fördern soll, Richtlinien, was alles als österr.<lb/>
Erzeugnis gilt, gemeinsam auszuarbeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_04">Über die Produktion von Grünsirup durch die österr. Zuckerindustrie<lb/>
für die Hefe- und Spirituserzeugnisse besteht Einvernehmen, dass<lb/>
im Prinzip die österr. Zuckerindustrie diesen erzeugen soll.<lb/>
Strittig ist noch, ob es zu Grenzkosten wie der Veredelungszucker,<lb/>
vielleicht sogar ein wenig darunter, erzeugt werden kann.<lb/>
Die inländische Mischung würde 150.– S kosten, da aber die<lb/>
Importe schon um 130 S zu haben sind, müsste eine gewisse<lb/>
Melasse-Abschöpfung erfolgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte mit der Zuckerindustrie besprechen,<lb/>
dass sie Detailverhandlungen einleiten muss.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_06">Bezüglich des Getreide- und Milchpreises informierte ich die AK,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, und ÖGB, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, und <rs type="person" ref="#per__113026">Tumpel</rs>, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> beim Agrar-Abend<lb break="no"/>gipfel sicherlich ein Kompromiss suchen wird müssen, dass die<lb/>
Agrarier akzeptieren, denn einen Bauernkrieg kann er sich in der<lb/>
jetzigen Situation nicht leisten. Die Agrarier haben die grösste<lb/>
Chance, jetzt vernünftige Wünsche durchzusetzen, weil nicht einmal<lb/>
ich ihnen harten Widerstand entgegensetzen könnte im Hinblick auf<lb/>
die politische Situation durch den Frächterboykott. Für mich<lb/>
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erhöht werden wird und nicht, wie die AK und der ÖGB maximal<lb/>
zugestehen wollten, um 15 Groschen. Ebenso musste für den<lb/>
Normalweizen eine Erhöhung in Aussicht genommen werden. Ich<lb/>
hoffte, dass er mit 4 Groschen so wie die Roggenpreiserhöhung<lb/>
durchkommen würde. Beide Vertreter haben dies zur Kenntnis<lb/>
genommen, obwohl sie dezidiert erklärt haben, sie könnten dem<lb/>
nicht zustimmen. Wichtig war mir aber, ihnen jetzt bereits zu<lb/>
sagen, dass am Abend mit einer über die Idee der AK hinausgehenden<lb/>
Erzeugerpreisregelung zu rechnen ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_07">Dir. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> von der Verbund teilt mir mit, dass es im Presse<lb break="no"/>ausschuss geglückt ist, alle für eine Unterstützung der Volksab<lb break="no"/>stimmung zu gewinnen. Er glaubt, dass es möglich sein wird, die<lb/>
von der Agentur Gould &amp; Cargill vorgeschlagenen Konzepte, die<lb/>
45 Mill. S zu bekommen. Entscheiden wird darüber der Haupt<lb break="no"/>ausschuss des Verbandes, welcher für kommenden Dienstag einberufen<lb/>
wurde. Ich habe <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> ersucht, er möge unbedingt vorsorgen,<lb/>
dass wenn es dort zu keiner einvernehmlichen Lösung mit den<lb/>
ÖVP-Vertretern kommen sollte, man mich unbedingt zu dieser Sitzung<lb/>
beizieht, Für mich ist es viel leichter dort dann mein ganzes Gewicht<lb/>
einzusetzen, damit die ÖVP letzten Endes diese Aufklärungs- und<lb/>
Propaganda-Aktion für JA bei der Volksabstimmung akzeptiert, als<lb/>
später, wenn eine negative Stellungnahme schon beschlossen ist,<lb/>
mit ihnen zu verhandeln, um letzten Endes doch eine Zustimmung<lb/>
zu erreichen. Ein kleines Komitee – <rs type="person" ref="#per__114730">Sommerbauer</rs> – <rs type="person" ref="#per__109297">Lackner</rs> –<lb/>
von der Verbund, beide ÖVP-Anhänger, aber pro KKW Zwentendorf,<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__115585">Öhmer</rs> aus OÖ, also drei zu eins gegen die Sozialisten, wird<lb/>
nach Meinung <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauers</rs> trotzdem die notwendigen Beschlüsse<lb/>
fassen. Wichtig erscheint mir daher, dass die Verbund sich im<lb/>
Verband durchsetzt und die 45 Mill. im Prinzip der Agentur<lb/>
übermittelt werden. Da der Verband bereits die Fa. Prosquill, die<lb/>
dem Bundesinnungsmeister Werbewirtschaft gehört, als ständige<lb/>
Agentur hat, wird <rs type="person" ref="#per__114563">Pfaffenberger</rs> mit <rs type="person" ref="#per__115586">Prosquill</rs> gemeinsam die Werbe<lb break="no"/>aktion starten und abwickeln. Beide haben schon miteinander ge<lb break="no"/>spochen und sind im Prinzip einig, dass es so geschehen soll,<lb/>
wie <rs type="person" ref="#per__114563">Pfaffenberger</rs> von Gould &amp; Cargill vorgeschlagen hat.<lb/>
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veranlassen, mit <rs type="person" ref="#per__115586">Prosquill</rs> vor dem Hauptausschuss ihre 45 Mill.-S-<lb/>
Wunsch zu besprechen, damit dieser bei den ÖVP-Leuten neuerdings<lb/>
interveniert.<lb/>
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Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bald an einer einvernehmlichen Entschliessung vom<lb/>
Bericht des Aufsichtsrates wegen Kernkraftwerk Zwentendorf<lb/>
gescheitert wäre. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> wollte unbedingt die härteste Formulierung<lb/>
gegen die GKT, also die Kernkraftwerksbetreibergesellschaft<lb/>
durchsetzen. Letzten Endes wurde dann eine Kompromisslöung<lb/>
gefunden, überrascht war <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs>, dass die ÖVP überhaupt so zum<lb/>
Nachgeben bereit war. Er erklärt sich dies daraus, dass vorher<lb/>
die ÖVP-Fraktion mit ihrem Energiesprecher <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> einen Riesen<lb break="no"/>krach gehabt haben muss, um dann nicht zu <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> zurückkehren<lb/>
zu müssen und zu sagen, auch die SPÖ ist unnachgiebig, weshalb<lb/>
es zu keiner Resolution gekommen ist, waren sie bereit, eine<lb/>
dann im letzten Moment gefundene Kompromisslöung zu akzeptieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Kläre bitte mit <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> den Fall.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_11">Die Moosbrunner und Brunner Glasfabrik-Vertreter, an der Spitze<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114567">Giese</rs> aus Deutschland, dem Mutterbetrieb, erörterten<lb/>
dem zweiten Landtagspräsidenten von NÖ, Gen. <rs type="person" ref="#per__97352">Binder</rs>, <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> und mir den Grund der Überführung von Moosbrunn nach Brunn.<lb/>
Sie sind bereit, einer 30-Mill.-S-Investition zur Konzentration<lb/>
und Errichtung einer modernen Wanne in Brunn zuzustimmen,<lb/>
wenn eben die zwar bessere Betriebsmannschaft von Moosbrunn<lb/>
ebenfalls nach Brunn verlegt wird. Die 81 Arbeiter und 26<lb/>
Angestellten haben garantierte Arbeitsplätze, abgebaut werden<lb/>
nur die 11 Gastarbeiter. In Brunn werden die Moosbrunner<lb/>
aber nicht als Gesellschaft aufgelöst. Ganz im Gegenteil, es<lb/>
wird aus der Brunner Gesellschaft die dort alte Glaswanne<lb/>
resp. der Teil dieses Betriebes an die Moosbrunner verpachtet.<lb/>
Dadurch werden die dort beschäftigten 250 um 40 reduziert.<lb/>
Der Brunner Betriebsrat zu 10 die man KP ein reiner kommuni<lb break="no"/>stischer mit Obmann <rs type="person" ref="#per__114569">Janik</rs> ist deshalb über diese Lösung gar<lb/>
nicht so glücklich. In Moosbrunn stehen die Verhältnisse<lb/>
3 SPÖ : 1 KPÖ-Stimme. Politisch für die Belegschaft die grosse<lb/>
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Moosbrunnern kommt, dort vielleicht daraus SPÖ-Stimmen<lb/>
zu machen. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen ist die<lb/>
Konzentration eindeutig notwendig und nur in Brunn möglich.<lb/>
Brunn hat Geleiseanschluss, Moosbrunn nicht. Brunn liegt ziem<lb break="no"/>lich nahe der Autobahn, Moosbrunn weit entfernt. Brunn<lb/>
liegt näher dem Konsumzentrum Wien und insbesondere <choice><choice><sic>ganze</sic><corr>ganz?</corr></choice></choice><lb/>
Österreich und daher eigentlich auch näher nach Westen, so<lb/>
weit exportiert wird, Moosbrunn leider nur nach dem Burgenland<lb/>
und Osten ausgerichtet, wo wir kaum etwas verkaufen können.<lb/>
Die wichtigste und grösste Ersparnis liegt aber darin, dass<lb/>
anstelle von 3.000 kal/kg pro Glaseinheit dann der Verbrauch<lb/>
auf 1.400 gesenkt werden kann. Moosbrunn soll wenn möglich<lb/>
an Spediteure oder einen sonstigen Betrieb verkauft werden.<lb/>
Dort gibt es 15 Jahre alte grosse Hallen, wo man mit Kränen<lb/>
sogar manipulieren kann. Für die Belegschaft einigten wir<lb/>
uns, dass ein Sozialplan erstellt werden soll. Die Gewerk<lb break="no"/>schaft <choice><choice><sic>in</sic><corr>ist</corr></choice></choice> nämlich mit der Zusammenlegung einverstanden.<lb/>
In dem Sozialplan müsste die Übernahme aller Arbeiter und<lb/>
Angestellten der Transport auf Kosten der Firma von Mossbrunn<lb/>
nach Brunn und insbesondere die Wohnungsfrage geregelt werden,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_12">Das Gespräch mit den Bauern und die dann doch anschliessenden<lb/>
langwierigen Verhandlungen haben meine Annahme bestätigt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat bei der ersten Unterbrechung uns schon erklärt,<lb/>
er könne einen Bauernkrieg jetzt unter gar keinen Umständen<lb/>
brauchen. Die Situation auf der Frächter-Blockade-Seite<lb/>
verschlechtert sind ständig. Die Handelskammer, die letzten<lb/>
Endes der Drahtzieher für die Aktion der Frächter gewesen ist,<lb/>
wenn auch nicht die Bundeshandelskammer, so sicherlich Fachorgani<lb break="no"/>sationen und Landesorganisationen, hat überhaupt keinen Einfluss<lb/>
mehr auf die Frächter. Trotz des weitestgehenden Angebotes<lb/>
der Verhandler <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> sind diese nicht bereit,<lb/>
nachzugeben. Die Bauern hatten diesmal anstelle von <rs type="person" ref="#per__113056">Bierbaum</rs><lb/>
LH <rs type="person" ref="#per__112031">Maurer</rs> mitgenommen. Dieser appellierte an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, man<lb/>
solle <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> jetzt nicht im Stich lassen, der eben das<lb/>
ursprünglich Kompromiss bei den Bauern nicht durchgebracht hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_13">Nach stundenlangen Verhandlungen und Austausch aller Für<lb/>
und Wider, wobei die Bauernvertreter <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> und mir bezüglich<lb/>
der agrarpolitischen Folgen vollkommen recht gegeben haben,<lb/>
einigten wir uns dann auf das Kompromiss: Roggen und Normalweizen<lb/>
5 Groschen, Qualitätsweizen 9 Groschen, Milch 20 Groschen Erzeuger<lb break="no"/>preiserhöhung, Durchrechnung all dieser Erzeugerpreise und<lb/>
Inkraftsetzen der Verbraucherpreise mit Montag, dem 17. Juli.<lb/>
Die im Vorraum wartenden Ministerialräte <rs type="person" ref="#per__114570">Steiner</rs>, LW, <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs>, HM,<lb/>
Ing. <rs type="person" ref="#per__113077">Altmann</rs>, LWK, und <rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs>, Obmann des Milchfonds, waren vor<lb/>
allem überrascht, dass sie jetzt alles neu und schnell durch<lb break="no"/>rechnen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_14">Bezüglich des Ölprojektes kam es zu einer langen Aussprache,<lb/>
weil <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf dem Standpunkt steht, dieses Projekt sei ge<lb break="no"/>storben. Ich wehrte mich dagegen ganz entschieden und schlug vor,<lb/>
die Politik, der kleinen Schritte fortzsetzen. Die Landwirtschaft,<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__97691">Lehner</rs>, hat bei unseren stundenlangen Gesprächen jetzt zu er<lb break="no"/>kennen gegeben, dass er 6.80 S für den Raps deshalb verlangen<lb/>
muss, weil 30 Groschen <choice><choice><sic>darinnen</sic><corr>darin; drinnen</corr></choice></choice> interner Frachtausgleich einge<lb break="no"/>baut werden müsste, die der Bauer aber letzten Endes zahlen muss.<lb/>
Dadurch käme er nur auf 6.50 S. Mein Gegenargument war, dies kann<lb/>
die Fettindustrie nicht leisten, die ja bereit war, 6.30 S zu<lb/>
akzeptieren, gegenüber heuer 6.03 S. Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
wurde der Plan der Unilever erörtert, sicherlich nicht heuer,<lb/>
wahrscheinlich auch nicht vor den nächsten Wahlen, dann aber<lb/>
die Mehrwertsteuer von 8 % auf 18 % zu erhöhen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> sieht<lb/>
grosse administrative Schwierigkeiten bei diesem Plan. Die<lb/>
gemeinsam gefasste Aussage für das grosse Ölprojekt soll<lb/>
lauten, wie <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> vorgeschlagen hat, es ist das gemeinsame<lb/>
Interesse mit aller Intensität weiter zu verhandeln, natürlich<lb/>
auch mit den Amerikanern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> soll daher die Verhandlungen so<lb/>
schnell wie möglich wieder aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_16">Bezüglich der Stärke wurde von mir festgehalten, dass heuer<lb/>
keine budgetären zusätzlichen Mittel notwendig sind. Die Land<lb break="no"/>wirtschaft, insbesondere Generalsekretär <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs>, verlangte<lb/>
auf Grund des seinerzeitigen Abkommens, dass im nächsten Jahr<lb/>
die Budgetmittel wesentlich aufgestockt werden, um die 10.000 t<lb/>
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Maisstärke 23 Mill. S zusätzliche Stützungen. Die waren sicher<lb break="no"/>lich nicht im seinerzeitigen Abkommen drinnen. <rs type="person" ref="#per__97368">Brandstätter</rs><lb/>
wird das Abkommen allen drei Ministern mit erläuternden Bemerkungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-07-06_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte die ganze Unterlagen mit der Präs.Konf.<lb/>
abstimmen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
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