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            <title type="main">Donnerstag, der 22. Juni 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_01">Donnerstag, 22. Juni 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_02">Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> teilt mir mit, dass für die Österreichische<lb/>
Fremdenverkehrswerbung ein Gebäude in der Wasagasse 26<lb/>
mit 26 Mio Schilling Buchwert durch Renovierung 55 Mio Schil<lb break="no"/>ling zur Verfügung stehen. Die Stadt Wien wäre einverstanden<lb/>
mit<add>[einer; der]</add> 20-jährigen Kaufmiete, wenn die Österreichische Fremden<lb break="no"/>verkehrswerbung das Objekt erwirbt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> soll sich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__115007">Pripfl</rs> ins Ein<lb break="no"/>vernehmen setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_04">Der Präsident der Wiener Messe, Professor <rs type="person" ref="#per__97731">Mautner-Markhof</rs>, und<lb/>
Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__115005">Hintschig</rs> ersuchen mich, <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> und <rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs><lb/>
zur Herbstmesse einzuladen. Ausserdem haben sie grosses Interesse<lb/>
daran, dass von der sowjetischen Handelskammer zwar nicht der<lb/>
Präsident <rs type="person" ref="#per__115006">Borissow</rs>, aber sein Vize <rs type="person" ref="#per__126933">Pitowranow</rs>, der angeblich Inter<lb break="no"/>esse gezeigt hat, ebenfalls eingeladen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_05">Durch Zufall hatte ich als nächsten Gesprächspartner den sow<lb break="no"/>jetischen Botschafter <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs>. Dr. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat mich ersucht, ich<lb/>
möge unbedingt mit ihm und <rs type="person" ref="#per__115009">Walter</rs> wegen der Ausleihe von sowj.<lb/>
Fussballspielern reden. Ich war sehr froh, einleitend <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs><lb/>
nicht gleich diesen Wunsch vortragen zu müssen, sondern mir ihm<lb/>
die Einladung zur Wiener Herbstmesse als erstes besprechen zu<lb/>
können. Bei einer früheren Einladung von sowj. Ministern nach<lb/>
Österreich, die nicht klappte, hatte mir <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> gesagt, man<lb/>
müsste eben die sowj. Botschaft, d.h. natürlich ihn fragen. Jetzt<lb/>
hatte ich die Gelegenheit zu sagen, sie sehen, welch gelehriger<lb/>
Schüler ich bin, wie soll ich vorgehen. <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> resp. <rs type="person" ref="#per__112953">Manschulo</rs><lb/>
seien offiziell einzuladen. Die sowj. Handelskammer, 1 Monat vor<lb/>
der Eröffnung der Wiener Messe mit einem Schreiben, wo ich auf<lb/>
die Bedeutung hinweise, die sowj. Einkäufer und Verkäufer allgemein<lb/>
einlade und besonders dann in dem Schreiben erwähne, dass die<lb/>
Handelskammer als deren Repräsentant selbstverständlich Vertreter<lb/>
entsenden sollte.<add>Alle über Botschaft!</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte veranlasse die entsprechenden Schreiben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_07"><rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> teilte mir dann noch mit, dass zur 10jährigen Gasleitungs<lb break="no"/>jubiläumsfeier <rs type="person" ref="#per__115018">Baranowski</rs> hier ist, der zusätzliche Gasimport<lb break="no"/>mengen-Vorschläge mitgebracht hat. Österreich sollte auch gleich<lb break="no"/>zeitig Interesse für Röhrenlieferungen als Gegengeschäft zeigen.<lb/>
Hier gibt es grosse Möglichkeiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_08">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: ÖMV und VÖEST verständigen<lb/>
lassen resp. fragen, welche Möglichkeiten bestehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_09">Bezüglich des Wunsches von <rs type="person" ref="#per__115009">Walter</rs>, sowjetische Spitzenfußballer<lb/>
für 2 Jahre zu bekommen, wobei dieser besonders auf die propagan<lb break="no"/>distische Wirkung hinwies, wird <rs type="person" ref="#per__114403">Jefremow</rs> berichten. Bei Eishockey<lb break="no"/>spielern war es mit einer Ausleihe leichter möglich, weil diese<lb/>
schon seit Jahren als Trainer und teils als Spieler in den ver<lb break="no"/>schiedensten Staaten tätig sind. Bei Fußball wäre dies erstmalig.<lb/>
Anschließend habe ich <rs type="person" ref="#per__115009">Walter</rs> sofort gesagt, dieser Wunsch wird ganz<lb/>
große Überlegungen in der Sowjetunion auslösen und wahrscheinlich<lb/>
bis zum Ministerrat zur Entscheidung vordringen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_10">Bei der Enquete über die Einhaltung der für die Konsumenten so<lb/>
bedeutenden Kennzeichnungs- und Produktdeklarationsverordnungen<lb/>
usw. stellte ich einleitend noch einmal klar, dass nicht an<lb/>
eine Diskriminierung der Importware gedacht ist. Die neue Bestim<lb break="no"/>mung, an der Grenze bereits die Ware zu kontrollieren und keine<lb/>
nachlaufende Kontrolle, wie es so schön heisst, beim Letztver<lb break="no"/>teiler erst zu beginnen, stellt nur die Importware der Inlandsproduk<lb break="no"/>tion gleich. <rs type="person" ref="#per__114921">Jakadofsky</rs> vom Patentamt erörterte die Verordnung,<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__97522">Haslinger</rs> vom Finanzministerium den Durchführungserlass, Frau<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97843">Preiss</rs> und <rs type="person" ref="#per__97406">Ebert</rs>, Obmannstellvertreter und gleichzeitig Handels<lb break="no"/>kammer, den Wunsch einer genauen Überprüfung, insbesondere die<lb/>
Bestrafung, wenn sie nicht eingehalten wird, am Anfang toleranter<lb/>
zu üben und vor allem keine Sekkatur oder Schikane den Händler<lb/>
anzutun. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> und <rs type="person" ref="#per__115011">Spitalsky</rs>, VKI, berichteten über die bisherigen<lb/>
Erfahrungen bei der Einhaltung dieser Vorschriften. Am interessan<lb break="no"/>testen für mich aber war, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__115012">Kathrin</rs> vom Fachverband der Be<lb break="no"/>kleidungsindustrie sich grösste Sorge darüber machte, wie der<lb/>
Handel auf diese Massnahmen reagieren wird. Ich konnte mir nicht<lb/>
verkneifen, dass es ein schöner Zug ist, dass die Bekleidungs<lb break="no"/>industrie sich jetzt so des Handels annimmt. Aus meiner hämischen<lb/>
<pb n="43-0719" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-06-22_0719.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Bemerkung war aber schon klar und deutlich zu hören, dass die<lb/>
Bekleidungsindustrie sich sonst immer genau gegenteilig sich bei<lb/>
mir beschweren kommt. Der Importhandel, die Händler überhaupt<lb/>
bevorzugen ausländische Ware, diese ist nicht gekennzeichnet,<lb/>
billig, oft mit falschen Ursprungszeugnissen und die österreichische<lb/>
Industrie hat den Schaden. Bei mir wird sozusagen dagegengeraunzt,<lb/>
und kaum ist der Handel dabei, wird sofort dieser umworben. Eigent<lb break="no"/>lich hätte ich aber härtere Kritik von seitens der Ländervertreter<lb/>
wegen der Mehrarbeit und der Interessensvertreter wegen der doch<lb/>
auch zu erwartenden komplizierteren Abfertigung erwartet. Bezüg<lb break="no"/>lich der Übergangszeit stellte ich fest, ohne eine authentische<lb/>
Interpretation der Erlässe zu geben, es wäre nicht Österreich,<lb/>
wenn man nicht zuerst eine gewisse Toleranz walten liesse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_11">Konsul <rs type="person" ref="#per__114052">Drescher</rs> hat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, <rs type="person" ref="#per__113022">Fabrizii</rs> und mir den Brief<lb/>
von Graf <rs type="person" ref="#per__114053">Agusta</rs> mit seinem Einverständnis zur weiteren Vorgangs<lb break="no"/>weise wegen der Kompensationsgeschäfte übergeben. Dadurch konnte<lb/>
ich ihm die Bestätigung ebenfalls brieflich ausstellen. Über<lb break="no"/>rascht war ich zu erfahren, dass Agusta 1–2% an italienische<lb/>
Firmen als Anerkennungsprovision bezahlen muss, wenn sie dann<lb/>
unsere Kompensationsware übernehmen. Dies gilt auch für Firmen,<lb/>
die als verstaatlichte, so wie Agusta, im selben ENI-Konzern ver<lb break="no"/>einigt sind. Als Kompensation kommt primär Aluminium, Stahl<lb/>
und Holz in Frage. Firmen, die sich an das Handelsministerium<lb/>
wenden, werden an <rs type="person" ref="#per__114052">Drescher</rs> weitergereicht. Ich ersuchte ihn,<lb/>
er müsse aber auch versuchen, dass diese Firmen bei der Kompensation<lb/>
berücksichtigt werden. <rs type="person" ref="#per__114052">Drescher</rs> versprach alles zu unternehmen,<lb/>
damit die Kompensation auch tatsächlich klappt, da ja neuerdings,<lb/>
wie mir dann auch Minister <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> beim Parteivorstand – dem ich<lb/>
berichtete – versicherte, bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> französische Interventionen<lb/>
wegen dieses Kaufes anhängig sind. Abschliessend ersuchte mich –<lb/>
und da war ich am meisten überrascht – <rs type="person" ref="#per__114052">Drescher</rs>, dass das Handels<lb break="no"/>ministerium einen ihm grösseren Orden, der seiner Stellung ent<lb break="no"/>spricht, verleiht, als den letzten vor 5 Jahren. Der Freie Wirt<lb break="no"/>schaftsverband, teilte er mir mit, hat ein diesbezügliches Ansuchen<lb/>
an das Handelsministerium gerichtet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte diese Angelegenheit mit <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> regeln.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_13">In der Preiskommission gab es wegen der Festsetzung der Getreide<lb break="no"/>erzeugerpreise und der weiteren Festlegung bis zum Verbraucher<lb break="no"/>preis Schwierigkeiten. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> musste unterbrechen, weil der Ver<lb break="no"/>treter des Finanzministerium erklärte, sein Minister hätte ihm<lb/>
die Weisung gegeben, dieser Regelung nicht zuzustimmen. Eine<lb/>
telefonische Rücksprache mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ergab, dass dieser über<lb/>
die Details nicht informiert war und dann natürlich vielleicht auch<lb/>
um zu zeigen, dass er als vornehmlich berührter Minister eine solche<lb/>
Möglichkeit hat, letzten Endes doch sofort zuzustimmen. Ich erörterte<lb/>
der Preiskommission dann die Überlegungen, die zu den Beschlüssen<lb/>
über Getreide und Milch geführt haben und ersuchte alles vorzu<lb break="no"/>kehren, damit mit 1.7. diese Regelung in Kraft treten kann. Nach<lb break="no"/>mittags erschien mit <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> der Geschäftsführer des Milchfonds<lb/>
Dkfm. <rs type="person" ref="#per__115025">Stratznigg</rs> und sein Hauptabteilungleiter <rs type="person" ref="#per__115026">Grötz</rs>, der die ganze<lb/>
Berechnungen durchführen muss und erklärte, dass dies in diesem<lb/>
Zeitraum unmöglich sei. Vorerst müsste die Frage geklärt werden,<lb/>
wie hoch die Löhne und Gehälter werden. Die am heutigen Tag geführten<lb/>
Unterredungen wurden unterbrochen, zeigten keinerlei Ergebnis und<lb/>
es wurde nicht einmal ein Termin für die nächste Sitzung vereinbart.<lb/>
Ich rief sofort Sekretär <rs type="person" ref="#per__114535">Staudinger</rs> von den Lebensmittelarbeitern<lb/>
an und ersuchte ihn, die Besprechungen wieder aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__114535">Staudin<lb break="no"/>ger</rs> beschwerte sich bei mir, dass zur Verhandlung nur die dritte<lb/>
Garnitur geschickt wurde. Er wird sich mit Dr. <rs type="person" ref="#per__114531">Kleiss</rs> vom Raiffeisen<lb break="no"/>verband sofort jetzt in Verbindung setzen und mit ihm so schnell als<lb/>
möglich zu einem Ergebnis zu kommen. <rs type="person" ref="#per__115025">Stratznigg</rs> versicherte mir,<lb/>
dass die Aufstockung des Transportausgleiches um 2 Groschen<lb/>
unbedingt notwendig ist und 45 Mio Schilling die Mindestgrenze ist.<lb/>
Eine Reduktion auf 30 Mio Schilling, wie die Bauern vorschlugen,<lb/>
damit sie einen höheren Erzeugerpreis von annähernd 20 Groschen<lb/>
bekommen können, wird auf das Entschiedenste abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs><lb/>
nahm, so wie ich, diese Forderung zur Kenntnis und wird sie in der<lb/>
Berechnung berücksichtigen. Wichtiger als die amtliche Milchpreis<lb break="no"/>festsetzung, insbesondere da ja nur mehr die Trinkmilch als Letztver<lb break="no"/>braucherpreis amtlich geregelt ist, ist die Preisgenehmigung durch<lb/>
die Paritätische Kommission aller Milchprodukte. Dies sind die<lb/>
Voraussetzungen, um überhaupt die Berechnungen des Milchwirtschafts<lb break="no"/>fonds anstellen zu können. <rs type="person" ref="#per__112011">Kurzel</rs> erklärte aber rundweg, was immer<lb/>
und wie lange es immer dauern wird, um zu einem Ergebnis in der<lb/>
Paritätischen Kommission zu kommen, mit 1. Juli müsse der neue Preis<lb/>
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möglich ist, dann zumindestens für Milch, Butter und Emmentaler-<lb/>
Käse.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte versuche zu erfahren, wie es in der<lb/>
Paritätischen Kommission, Preisunterausschuss, weitergeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_15">Im Parteivorstand hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> als einzigen und wichtigsten Punkt<lb/>
nur über die Kernkraft referiert. <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ist der Sieger über <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
und die Landeshauptleute. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat <rs type="person" ref="#per__98048">Wallnöfer</rs> noch einmal er<lb break="no"/>sucht über dieses Problem in der ÖVP eine andere Entscheidung<lb/>
herbeizuführen, ist aber, wie dieser ihm mitteilte, gescheitert.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> ist für alle unzugänglich. Er möchte die sozialistische Seite<lb/>
unter das kautdinische Joch zwingen, d.h. der Entschliessungs<lb break="no"/>antrag der ÖVP muss telquel angenommen werden. Dies verlangt er<lb/>
mit dem Hinweis, dass er keine carte blanche der sozialistischen<lb/>
Regierung geben will. Die Regierung muss aber sagen, was sie will,<lb/>
muss vor allem regieren. Zu meiner grössten Überraschung schlug<lb/>
er dann vor, es sollte im Parlament jetzt ein Gesetz eingebracht<lb/>
werden, welches kurz im § 1 feststellt, dass eine Erlaubnis zum<lb/>
Betrieb der Kernkraftwerke notwendig ist und dass im § 2 festgestellt<lb/>
wird, dass die Gemeinschaftskraftwerk Tullnerfeld Ges. ihr Kraft<lb break="no"/>werk aus energiepolitischen und sonstigen wirtschaftspolitischen<lb/>
Gründen betreiben soll. Über diesen Gesetzentwurf ist dann eine<lb/>
Volksabstimmung abzuhalten. Er hofft, dass der ORF sich für diese<lb/>
Aktion neutral einsetzt, dass heisst, alle Pro und Contra schon zur<lb/>
Sprache kommen lässt, aber nicht eine einseitig gehässige Propaganda<lb/>
macht. Die Kronen-Zeitung dürfte sich neutral verhalten. Auch die<lb/>
Vorarlberger Abgeordneten werden nach einer Rücksprache <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs><lb/>
mit Vorarlberg für diesen Gesetzentwurf stimmen, sodass eine Mehr<lb break="no"/>heit gesichert ist, falls die ÖVP und die FPÖ es sich anders über<lb break="no"/>legt. Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> erörterte dann das Procedere. Selbst wenn<lb/>
der Bundesrat Einspruch erhebt, wird es durch Beharrungsbeschluss<lb/>
möglich sein, im Herbst die Volksabstimmung vorzunehmen. Da <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs><lb/>
grössten Wert darauf legt, einen grösseren Abstand von der Wiener<lb/>
Wahl zu haben, wurde anfangs November als Wahltag in Aussicht ge<lb break="no"/>nommen. Für mich war diese Entscheidung deshalb überraschend, weil<lb/>
ja <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bis jetzt immer erklärt hat, wir seien ja keine plebiszi<lb break="no"/>täre Demokratie und eine solche Entscheidung müsse das Parlament<lb/>
treffen. Ausgegangen dürfte diese Idee, wie ich nach einem Gespräch<lb/>
<pb n="43-0722" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-06-22_0722.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mit <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> nachher feststellte, von diesem bei einem Kranken<lb break="no"/>besuch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> bereits gewesen sein. Durch diese Lösung wurde<lb/>
aber politisch der beste Schachzug gegen die ÖVP-Haltung und<lb/>
auch gegen die FPÖ vorgenommen. Lehnt die ÖVP den Gesetzentwurf<lb/>
wegen der klaren Aussage Kernkraftwerk Zwentendorf ab, dann muss sie<lb/>
auch in der Volksabstimmung <choice><choice><sic>wegen</sic><corr>gegen</corr></choice></choice> dieses Gesetzes stimmen. Ich<lb/>
glaube aber, dass es möglich sein wird, eine Mehrheit für diesen<lb/>
Gesetzentwurf zu bekommen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann<lb/>
allerdings wäre das Kernkraftwerk nicht zu betreiben und es wäre<lb/>
auch eine schwere Niederlage für die Regierung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat aller<lb break="no"/>dings schon vorgebaut und meint, dies sei eine reine Sachentscheidung<lb/>
und keinesfalls als Mißtrauen gegen die Regierung aufzufassen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> selbst hat in der Diskussion sofort gesagt, er erwartet<lb/>
eine überwältigende Mehrheit. Bei dieser Gelegenheit kritisierte<lb/>
er doch das Verhalten der Vorarlberger, die immer wieder erst<lb/>
durch entsprechende Gespräche <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> mit ihnen bereit sind<lb/>
Massnahmen zuzustimmen, die eigentlich selbstverständlich sein<lb/>
müssten. Die sozialistische Partei ist eine einheitlich geschlossene<lb/>
Gruppe und die Vorarlberger müssen sich in Hinkunft schon überlegen,<lb/>
wie sie sich hier einzufügen haben. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erwartet auch, dass die<lb/>
sozialistischen Jugendlichen und Junge Generation nicht in Front<lb/>
mit den Gegnern in der Volksabstimmung auftritt. Polemik wird<lb/>
es geben, dafür hat er auch Verständnis, aber keinesfalls mit<lb/>
organisiertem Vorgehen, womöglich von den extrem links- und<lb/>
rechts oder gar <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs>-Anhängern. Das Ganze sei ein Akt der<lb/>
Toleranz von der Partei gegenüber den Jugendlichen und auch<lb/>
gegenüber Vorarlberg, die aber gewisse Grenzen hat. Sowohl <rs type="person" ref="#per__111409">Cap</rs><lb/>
als auch <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs> versicherten, dass alle den eigenständigen<lb/>
Standpunkt einnehmen werden und sich keinesfalls mit anderen<lb/>
Atomgegnern in eine Front begeben werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_16">Landesrat <rs type="person" ref="#per__115067">Grünzweig</rs> fragte, wie es jetzt eigentlich mit der be<lb break="no"/>scheidmässigen Abwicklung weiter geht. Ich hatte angenommen,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> sei nicht anwesend und wollte auch in ihrem Namen die<lb/>
Erklärung geben. Als ich sie entdeckte, hatte ich sofort ihr diese<lb/>
Arbeit überlassen wollen, doch sagte sie, nein bitte sprich nur weiter.<lb/>
Sie hat wirklich zu mir grosses Vertrauen. Ich erörterte die<lb/>
weitere Vorgangsweise dezidiert und versuchte sogar noch zeitplan<lb break="no"/>mässig klarzustellen, dass wir die Null-Leistung ebenfalls im<lb/>
Herbst noch genehmigen sollten. Dagegen remonstrierten sowohl<lb/>
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der Kampagne der Volksabstimmung dann sofort wieder bei den Leuten<lb/>
der Eindruck entstehen, die Regierung setzt sich letzten Endes<lb/>
auch über die Volksabstimmungsergebnisse hinweg. Meine Argumentation<lb/>
war, dass erst beim Probebetrieb so grosse Radioaktivität im<lb/>
Reaktor entsteht, dass erst dann eine Art Betrieb aufgenommen<lb/>
ist. Die Null-Leistung bringt eine Stärke von einer Kochplatte,<lb/>
die Radioaktivität würde nach 1/2 Jahr, wenn gar nichts geschieht,<lb/>
automatisch abgebaut sein. Zu meiner grössten Verwunderung hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> mir in dieser Frage zugestimmt und meinte, die Null-Leistung<lb/>
sei notwendig, um die Sicherheit des Reaktors zu prüfen. Aus diesem<lb/>
Grund sei dies noch nicht der Betriebsbeginn. Extrem ausgesprochen<lb/>
erklärte ich, dass schon der Spatenstich der erste Schritt zum<lb/>
Betriebsbeginn ist. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> meinte, lasst uns jetzt den Beschluss<lb/>
fassen, dass wir eine Volksabstimmung durchführen werden und dann<lb/>
wird man ja sehen, wie alles weiterläuft. Dies ist auch meine Politik,<lb/>
einen Schritt nach dem anderen zu setzen und womöglich nicht in<lb/>
Verzug gegenüber den Wünschen und dem Baufortschritt der KWU zu<lb/>
kommen. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> versprach mir anschliessend neuerdings, sie wird<lb/>
alles daransetzen, dass der Bescheid über die schachbrettartige Be<lb break="no"/>ladung jetzt noch im Juni herausgeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_17"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtete über die <rs type="person" ref="#per__114938">Habsburg</rs>-Frage. Eine Aberkennung der öster<lb break="no"/>reichischen Staatsbürgerschaft ist nur dann möglich, wenn er im<lb/>
Dienste eines fremden Staates tätig wird. Dies trifft aber jetzt und<lb/>
wahrscheinlich auch in Zukunft gar nicht zu.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_18">Ich berichtete über die beabsichtigte Regelung auf dem Milch-, Getreide<lb break="no"/>sektor und über die daraus zu erwartenden Preiserhöhungen für die<lb/>
Letztverbraucher. Der Bericht wurde zur Kenntnis genommen, <rs type="person" ref="#per__97563">Hofstetter</rs>,<lb/>
ÖGB, meinte nur, der Erzeugermilchpreis von 20 Groschen sei viel zu<lb/>
hoch. Ich beruhigte ihn, da ich überzeugt bin, dass 20 Groschen<lb/>
bei den selbst von der Landwirtschaft jetzt vorgesehenen Verbraucher<lb break="no"/>preiserhöhungen nicht herauskommen können. Allgemein wurde es als<lb/>
wünschenswert angesehen, wenn man nicht alles am 1. Juli in Kraft<lb/>
setzt, sondern vielleicht einige Produkte zu einem späteren Zeit<lb break="no"/>punkt, insbesondere nach dem 15. Juli, weil dort die Preiserhebung<lb/>
für den Lebenshaltungskostenindex erfolgt. Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> stellte<lb/>
einmal mehr fest, dass die Automatik der Agrarpreisstützung ver<lb break="no"/>heerend ist. Ich erklärte ihm, dass mit der Milchregelung und jetzt<lb/>
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für Mahlzwecke und Kontingentierung der restliche Mengen ein<lb/>
weiterer Schritt gesetzt wurde, um die Überschussproduktion, die<lb/>
letzten Endes dann so teuer abgestützt werden muss, zu verringern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_19">Bei dem Empfang der ÖMV für die ausländischen Gäste zur 10-Jahr-<lb/>
Feier der grossen Gasleitung UdSSR – Österreich – Italien<lb/>
lernte ich viele bedeutende Repräsentanten kennen. Ebenso konnte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> bei dieser Gelegenheit gleich als neuer Sekretär sich<lb/>
entsprechend einführen. Entscheidend für mich war aber ein Ge<lb break="no"/>spräch mit dem italienischen Präsidenten, den ich die Möglichkeit<lb/>
einer Kohlenpipeline von Polen über Österreich nach Italien er<lb break="no"/>klärte. Ich ersuchte ihn, wenn die italienische Energiepolitik<lb/>
in Hinkunft doch auf Kohle zurückgreifen muss, sich an der Studien<lb break="no"/>gesellschaft für diese Pipeline zu beteiligen. GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> versuchte<lb/>
insoferne wieder abzublocken, als er meinte, er wird das ganze<lb/>
Material den Italienern zur Verfügung stellen, weil er ja gleich<lb break="no"/>zeitig auch Mitglied dieser Studiengruppe ist. Freimütig sagte<lb/>
ich, dass ich nicht ganz sicher bin, ob die Öl- und Gasgesellschaft<lb/>
ÖMV sich tatsächlich so für polnische Kohle einsetzt. Die Italiener<lb/>
versprachen mir, in Kürze eine entsprechende Antwort zuzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-22_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte verfolge dies resp. lass die Energie<lb break="no"/>sektion dies weiterverfolgen.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 22.6.1978</head>
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               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Spitalsky, Hannes</persName>
               <persName><surname>Spitalsky</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>VKI</occupation>
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               <persName type="label">Drescher, Hans</persName>
               <persName><surname>Drescher</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Generalvertreter Fa. Agusta</occupation>
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               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
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               <occupation>Finanzminister</occupation>
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               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
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               <persName><surname>Wallnöfer</surname><forename>Eduard</forename></persName>
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
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               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
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               <occupation>Wr. Wirtschafts- u. Finanzstadtrat</occupation>
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               <persName type="label">Leodolter, Ingrid</persName>
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               <occupation>Gesundheitsministerin</occupation>
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               <occupation>Beamter HM, Patentamt</occupation>
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               <occupation>Raiffeisenverband</occupation>
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               <persName type="label">Patolitschew, Nikolaj S.</persName>
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               <occupation>sowj. Außenhandelsminister</occupation>
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