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            <title type="main">Donnerstag, der 15. Juni 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_01">Donnerstag, 15. Juni 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_02">In der ersten 1/2 Stunde der Fragestunde gelang es mir 5 restliche<lb/>
Fragen, die gestern nicht mehr durch die lange Beantwortung von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> erledigt werden konnten, im Einzugstempo diesmal abzu<lb break="no"/>wickeln. VP-Abg. <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> hatten sich vorgenommen, die<lb/>
Cogema-Aussage <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, dass er den Vertrag für unzweckmässig<lb/>
hält, gegen mich zu verwenden. VP-Abg. <rs type="person" ref="#per__112625">Keimel</rs> wieder wollte mich<lb/>
ideologisch festlegen, weil Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> sich mit der<lb/>
sozialen Marktwirtschaft auseinandergesetzt hatte. Diese Diskussion<lb/>
behagte mir am wenigsten. Es blieb mir nicht anderes übrig, als<lb/>
zum Gegenangriff zu starten und die sozialdemokratische Marktwirt<lb break="no"/>schaft ins Spiel zu bringen. Zum Glück hatte mir <rs type="person" ref="#per__113038">Reim</rs> einige Zitate<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> und <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs> gegen die soziale Marktwirtschaft herausgefunden.<lb/>
Entgegen meiner Gewohnheit die erste Frage ganz kurz zu beantworten,<lb/>
las ich diese Stellungnahmen herunter und zum Schluss natürlich die<lb/>
Autoren. Dies war ein Gag, der alle überraschte. Ich hätte mich<lb/>
natürlich aus der Affaire ziehen können, dass dies alles gar nicht Ange<lb break="no"/>legenheit der Vollziehung ist und ich sie daher gar nicht beantworten<lb/>
müsste. Dies wieder aber widerspräche meinem Prinzip, da ich ja<lb/>
stets auf dem Standpunkt stehe, man kann mich fragen was ich will,<lb/>
eine Antwort weiss ich auf alle Fälle. Abg. <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> wollte wieder<lb/>
meine Stellungnahme zum Handelskammerideologiekonzept, welches<lb/>
er als die magna charta des Gewerbes bezeichnete. Bisher hatte ich<lb/>
leicht zu behaupten, dass ich<add>imstande?</add> bin, auf der Basis dieses<lb/>
Konzeptes weitere Verhandlungen zu führen, doch grundsätzliche Ein<lb break="no"/>wände auch dagegen vorzubringen seien. Da er keine Zusatzfrage mehr<lb/>
hatte, konnte er mich nicht mehr mit dieser Problematik konfrontieren,<lb/>
indem er Details dazu wissen will. Ich hätte darauf verwiesen, dass<lb/>
die Beschäftigungsfrage viel zu sehr ausgeklammert wurde. Vor allem<lb/>
nach meinen Begriffen ist das Problem der Priorität der Vollbe<lb break="no"/>schäftigung in dem Konzept überhaupt nicht vorhanden. Dieser Ein<lb break="no"/>wand mag zwar in der Theorie gar nicht die Bedeutung haben, die ihr<lb/>
heute sicherlich in der Praxis zukommt. Von der ganzen Diskussion<lb/>
habe ich den Schluss gezogen, dass es dringend notwendig ist, mehr<lb/>
theoretische Fundierung auch im Handelsministerium zu erarbeiten,<lb/>
wenn möglich wirklich unter dem Titel "Begriff trade <choice><choice><sic>mdade</sic><corr>?</corr></choice></choice>", wie immer<lb/>
man es bezeichnen will, sozialdemokratische Marktwirtschaft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Leider habe ich jetzt bestätigt bekommen, was<lb/>
ich immer forderte, wir hätten uns mit dieser Frage schon länger<lb/>
gründlicher auseinandersetzen sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_04">Mit <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, AK, <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, ÖGB, <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>, Handelskammer, <rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs>,<lb/>
Präsidentenkonferenz und gleichzeitig Obmann des Milchwirt<lb break="no"/>schaftsfonds, besprach ich die Milchpreisproblematik. Alle<lb/>
haben sofort eingesehen, dass wir nicht davon ausgehen können,<lb/>
was der Erzeuger wirklich bekommen soll und und wie wir dies<lb/>
dann auf den Verbraucher umlegen, sondern dass wir wirklich umge<lb break="no"/>kehrt festlegen müssen, welche Preisbelastungen können wir, ohne<lb/>
dass der Umsatz zurückgeht, den Verbrauchern versuchen durch amt<lb break="no"/>liche Höchstpreisregelung aufzubrummen. Bei allen Milchprodukten<lb/>
konnten wir uns mit Belastungen zwischen 1, 2 und auch 4 Schilling<lb/>
einigen, nur nicht über die Trinkmilch. Dort glaubt die Arbeiterkammer<lb/>
mit maximal 4% den jetzigen Lebensmittelhaltungskosten Durchschnitts<lb break="no"/>index auszukommen. Dies würde eine Erhöhung um 32 Groschen, von derzeit<lb/>
8 Schilling, bedeuten. <rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs> hatte zuerst den Ansatz von 80 Groschen,<lb/>
den er aber sicherlich nicht ernstlich meinte. Leider war er hier<lb/>
überhaupt nicht ermächtigt, konkreter vorzugehen. Ich verwies darauf,<lb/>
dass ich mir maximal 40 Groschen vorstellen könnte. Da <rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs><lb/>
nicht bereit war, diese zu akzeptieren, hat <choice><choice><sic>Verhandlungstaktik</sic><corr>verhandlungstaktisch?</corr></choice></choice> richtig<lb/>
die Arbeiterkammer und der Gewerkschaftsbund erklärt, sie würden<lb/>
jetzt eine Berechnung vorlegen, wo der Trinkmilchpreis überhaupt nicht<lb/>
erhöht werden muss. Dadurch müssten sie allerdings die Milchprodukte<lb/>
mehr erhöhen, als wir zuerst schon einvernehmlich festgelegt haben.<lb/>
Mit aller Deutlichkeit stellte ich fest, dass der Wunsch der Land<lb break="no"/>wirtschaft auf Senkung des Grundpreises beim Erzeugermilchpreis und<lb/>
dafür Erhöhung der Fetteinheit von mir ganz entschieden abgelehnt<lb/>
wird. Die Begründung war verhältnismässig einfach, weil sich tat<lb break="no"/>sächlich einige kluge Bauern und ganz besonders Milchfunktionäre<lb/>
schon ausgerechnet hatten, wenn sie nur 93% ihrer bisherigen Milch<lb/>
abliefern dürfen, die restlichen 7% zu entrahmen, die Magermilch<lb/>
zu verfüttern und die Fetteinheit zu der 93%igen abzuliefernden<lb/>
Milch dazuzurühren. Wenn wir den Fetteinheitspreis daher erhöhen,<lb/>
bekämen sie für diese Vorgangsweise noch eine Prämie. Zugestimmt<lb/>
habe ich, dass für Babymilch der seit Jahrzehnten festgelegte Zu<lb break="no"/>schlag von 50 Groschen für den Erzeuger um 10 Groschen erhöht wird.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114571">Wejwoda</rs> wird veranlassen, dass der Milchwirtschaftsfonds jetzt genaue<lb/>
Berechnungen über diesen Bedeckungsvorschlag durchführen wird. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs><lb/>
nahm zur Kenntnis, dass keine Möglichkeit besteht, die Handels<lb break="no"/>spannen aufzustocken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Da Du die Details sehr genau kennst, bitte<lb/>
informiere den Milchwirtschaftsfonds-Geschäftsführer.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_06">Bezüglich des Getreidepreises, wofür allerdings dieses Komitee über<lb break="no"/>haupt nicht zuständig ist und nicht eingesetzt wurde, um eine Lösung<lb/>
zu suchen, kam es trotz einer Diskussion darüber zu keinerlei<lb/>
Annäherung. AK und ÖGB verharren auf die Aufhebung der Preisrege<lb break="no"/>lung für Nicht-Mahlweizen, die andere Seite lehnt ganz entschieden<lb/>
einen solchen Vorschlag ab. Im Anschluss an die offizielle Sitzung<lb/>
habe ich dann mit <rs type="person" ref="#per__114075">Schmidt</rs>, <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> besprochen, dass wir na<lb break="no"/>türlich an dieser Taktik festhalten. Sollte es aber nicht möglich<lb/>
sein sie durchzusetzen, was ich ehrlich gestanden befürchte, dann<lb/>
müsste der Versuch dahingehend gemacht werden, dass der Normalweizen<lb break="no"/>preis nicht erhöht wird und die Landwirtschaft mehr konkretisiert<lb/>
die <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>-Zusage, dass sie sofort bereit ist, über dieses<lb/>
Problem konkrete Verhandlungen im September zu beginnen. Jetzt wäre<lb/>
es als erster Schritt dringendst notwendig zu trennen, Mahlweizen<lb/>
und Futterweizen. Ich weiss nur keinen Weg, wie man in der Defini<lb break="no"/>tion und in der praktischen Durchführung diese Trennung herbeiführen<lb/>
könnte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_08">Präs. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> von der ÖIAG wird der Delegation nach Moskau ange<lb break="no"/>hören. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> wird sie führen und versuchen eine Lösung<lb/>
für Assemblierung von Lada oder gar eine Teilfertigungsproduktion<lb/>
von sowj. Autos in Österreich zu erreichen. Die Idee <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> beim<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs>-Besuch, welche meiner Meinung nach damals nicht all zu<lb/>
viel Aussicht auf Erfüllung hatte, soll jetzt durch intensivste<lb/>
Verhandlungen weitergetrieben werden. Ich fürchte, dass wir letzten<lb/>
Endes mit der sowjetischen Seite kaum zu einem sichtbaren<lb/>
Ergebnis kommen können. <rs type="person" ref="#per__97570">Hrdlitschka</rs> befürchtet auch, dass der<lb/>
Verdacht dann entstehen wird, man hat mit den Sowjets nur ver<lb break="no"/>handelt, weil man auf die Firma Chrysler, wo ebenfalls sehr enge<lb/>
Verhandlungen jetzt stattfinden, sozusagen mit einer Automarke<lb/>
aufstacheln will, so schnell als möglich mit Österreich zu einem<lb/>
Abschluss zu kommen.<lb/>
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Rückkunft genau berichten lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_10">Nach wie vor gehen die Gespräche zumindestens der einzelnen<lb/>
Fraktionen im Parlament wegen der Lösung wegen des Kernkraft<lb break="no"/>werk-Entschliessungsantrages weiter. Obmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hat im An<lb break="no"/>schluss an den <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>-Besuch bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> über die Präsidiale, d.h.<lb/>
mit Besprechungen Präs. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs> versucht, ein Gipfelgespräch<lb/>
zustande zu bringen. <rs type="person" ref="#per__97743">Minkowitsch</rs>, der zuerst zusagte und deshalb<lb/>
für nächsten Mittwoch einen Parteigipfel – <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97985">Staribacher</rs> – vereinbart worden war, hatte dann grosse<lb/>
Bedenken, diesen abzuhalten. Da bereits einmal ein solcher Partei<lb break="no"/>gipfel geplatzt ist, fürchtet er, dass auch diesmal nichts heraus<lb break="no"/>kommt. Wenn ein solcher Parteigipfel aber dadurch abgenützt wird,<lb/>
dass er zu Gespräche zusammengerufen wird und nachher nichts<lb/>
herauskommt, meinte er es wäre zweckmässig, diese Sitzung nicht<lb/>
abzuhalten. Nach der am heutigen Tag neuerdings durchgeführten<lb/>
Parteivorstandssitzung der ÖVP wurde in einem Kommunique aber<lb/>
wieder erklärt, man könne über die Formulierung der Entschliessung der<lb/>
ÖVP zu dieser Frage verhandeln. Bevor noch die Ergebnisse dieses<lb/>
Parteivorstandbeschlusses der ÖVP bekannt wurde, hat <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> sich<lb/>
bei <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> gemeldet und meinte, man sollte doch die Gespräche<lb/>
zwischen den beiden wieder aufnehmen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> taktierte sehr ge<lb break="no"/>schickt in der letzten Zeit, indem er <choice><choice><sic>auf Interventions-Dritter</sic><corr>auf Intervention Dritter?</corr></choice></choice><lb/>
immer zu verstehen gab, dass er natürlich verhandlungsbereit sei,<lb/>
aber er könne von seiten der ÖVP doch nicht annehmen, dass ihr<lb/>
Entschliessungsantrag nach der Methode friss Vogel oder stirb behandelt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich einigten uns darauf, dass unsere einzig<lb/>
konkrete Verbindung, nämlich <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> – <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>, weitere Formulierungs<lb break="no"/>gespräche führen sollte. Völlig zwecklos wäre es auf höherer Ebene,<lb/>
z.B. mit Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> oder Präs. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> irgendwelche konkreten<lb/>
Formulierungsgespräche zu führen. Mein diesbezüglicher Versuch<lb/>
ist vor Wochen bereits gescheitert. Das Ergebnis der Verärgerung der<lb/>
Handelskammer kommt am deutlichsten dadurch zum Ausdruck, dass<lb/>
sie nicht einmal mehr, obwohl sie Mitglied des Handelsausschusses<lb/>
sind, dort erscheinen. Die Nabelschnur bleibt also daher wirklich<lb/>
nur <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> – <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs>. Ich muss gestehen, dass mir die Formulierung<lb/>
der Entschliessung im Grund genommen ganz egal ist. Wenn es gar<lb/>
nicht anders geht, werde ich ganz einfach die 6 konkreten Punkte<lb/>
telquel von der ÖVP übernehmen. Ich sehe nämlich die viel grössere<lb/>
Gefahr, wenn es zu keiner wie immer gearteten Lösung mit der ÖVP<lb/>
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deutlich darauf hin – dann wirklich nicht bereit ist, einen Alleingang<lb/>
zu machen. Dies würde aber bedeuten, dass wir innerhalb unserer<lb/>
Partei neben der jetzt schon so unleidigen Steuerfrage auch noch<lb/>
die Diskussion über die weitere Vorgangsweise zur Genehmigung<lb/>
des Betriebes des Kernkraftwerkes Tullnerfeld bekommen würden.<lb/>
Dieser Streit innerhalb unserer Partei würde wesentlich mehr<lb/>
uns schaden, als selbst die feigste Formulierung gemeinsam mit der ÖVP.<lb/>
Natürlich habe ich volles Verständnis, dass <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> jetzt auf<lb/>
die Rückkehr von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> warten möchte, weshalb auch der nächste<lb/>
Handelsausschuss für Freitag nächster Woche für 9.30 Fraktion,<lb/>
10.30 Handelsausschuss von der Präsidiale festgelegt wurde.<lb/>
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da ich den Gasminister nicht betreuen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_12">Von zwei Seiten wurde mir konkret mitgeteilt, dass der ägyptische<lb/>
Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> sehr enttäuscht ist, dass wir jetzt<lb/>
während seiner Anwesenheit nicht den Vertragsentwurf, den <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
in Kairo ausgearbeitet hat, zwischen den Regierungen jetzt unter<lb break="no"/>zeichnen. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> dürfte hier bei seinen Gesprächen den<lb/>
Eindruck erweckt haben, als ob es möglich wäre, diese Formu<lb break="no"/>lierungen im kürzesten Wege in Österreich durchzuberaten und dann<lb/>
unverzüglich zu beschliessen. Abgesehen davon, dass aber natürlich<lb/>
vorerst die Kernkraftgesellschaft GKT sich dazu bereiterklären<lb/>
müsste, gibt es auch viele völkerrechtliche Probleme inneröster<lb break="no"/>reichisch noch zu lösen. Ich kann und will nicht dasselbe Debakel<lb/>
erleben, <choice><choice><sic>wir</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> jetzt beim Cogema-Vertrag. Dort behauptet der Ver<lb break="no"/>fassungsdienst, es ist unbedingt notwendig, dass der Briefwechsel<lb/>
im Parlament beschlossen wird, während die Opposition mit Recht –<lb/>
wenn sie erst einmal in Details eingedrungen sein wird resp.<lb/>
die Information von der ÖVP-Seite der Kernkraftgesellschaft bekommt –<lb/>
wahrscheinlich feststellt, dass bei anderen europäischen Staaten<lb/>
Cogema sich vollkommen damit begnügt, eine Regierungserklärung zu<lb/>
akzeptieren. Vizepr. <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> war so verärgert, dass er angeblich erklärt<lb/>
hat, er wird die Koffer packen und sofort abreisen. Ich hoffe, dass<lb/>
es gelingt, eine Briefwechselformulierung zu finden, die <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> noch<lb/>
befriedigt, die GKT akzeptieren kann und insbesondere Botschafter<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113095">Herndl</rs>, der ja vom Aussenamt die völkerrechtlichen Verhandlungen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_14">Die Fraktionsobleute <rs type="person" ref="#per__113622">Wiesmüller</rs> und <rs type="person" ref="#per__114499">Krehlik</rs> kamen nachträglich<lb/>
zu mir, um mir ihre Gründe für die Ausgabe ihres Fraktions<lb break="no"/>flugblattes zu erklären. Sie meinen, sie müssen unbedingt gegen<lb/>
die ÖAAB-Fraktion stärker auftreten, weil sie dadurch diese in<lb/>
eine zwielichtige Lage bringen. Der ÖAAB-Personalvertreter hat<lb/>
ohne einen Beschluss die Personalversammlung verschoben, weil<lb/>
sowohl ich, der eingeladen wurde, als auch der Referent Gewerk<lb break="no"/>schaftsobmann <rs type="person" ref="#per__114728">Sommer</rs> zu diesem Zeitpunkt nicht kommen konnte.<lb/>
Dies wird im Flugblatt angeprangert, bringt natürlich politisch<lb/>
gar nichts und ist in Wirklichkeit nichts anderes als wie klein<lb break="no"/>karierte Kritik. Der Personalvertretungsobmann <rs type="person" ref="#per__112989">Herold</rs>, der ihrer<lb/>
Meinung nach unbedingt den Personalvertretungsausschuss zusammen<lb break="no"/>rufen müssen, um die Verschiebung beschliessen zu lassen. Allen<lb/>
Ernstes glaubten die beiden, mit dieser Taktik, sie bezeichnen<lb/>
es als schärfste Angriffe, mich in meiner Politik zu unterstützen,<lb/>
nämlich die Angelegenheit <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> leichter bereinigen zu können.<lb/>
Selbst <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> bestätigte mir, dass ich recht habe, dass mit dieser<lb/>
Methode sein Fall nur eskaliert wird und sicherlich nicht dazu<lb/>
beitragt, eine Bereinigung auf stillem Wege herbeizuführen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> wird sich überlegen, ob es nicht zweckmässig ist, gegen ihn<lb/>
ein Disziplinarverfahren einzuleiten, da "seine" sogenannten straf<lb break="no"/>rechtlichen Gesetzesverletzungen<add>?</add> nach seiner Meinung höchsten eine<lb/>
Verwarnung ergeben könnten. Diese Ansicht teilen auch andere. Mit<lb/>
einem durchgeführten Disziplinarverfahren würde ich erstens Zeit<lb/>
gewinnen, ausserdem wäre das Ergebnis einer Verwarnung wirklich das<lb/>
mindeste und einfachste. Vorher muss ich allerdings klären, ob die<lb/>
Disziplinarkommission auf mein Ersuchen bereit sei, ein solches<lb/>
Verfahren abzuwickeln, weil ja <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> kein Beamter ist. Bevor ich<lb/>
diese Idee aber in Angriff nehme, möchte ich schon, dass <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs>,<lb/>
der im Prinzip damit einverstanden ist, sich die ganze Sache über<lb break="no"/>denkt. Auch hier gilt mein alter Grundsatz, alles einmal über<lb break="no"/>schlafen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-15_15">Dr. <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs> teilt mir mit, dass er jetzt neuerdings vom Ver<lb break="no"/>waltungsgerichtshof erstrangig vorgeschlagen wird. Er hofft, dass<lb/>
es diesmal klappt. Ich selbst versprach ihm jedwede Unterstützung.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 15.6.1978</head>
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