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            <title type="main">Freitag, der  9. Juni 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_01">Freitag, 9. Juni 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_02">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Girozentrale, und Dr. <rs type="person" ref="#per__114909">Denk</rs>, Geschäftsführer von<lb/>
Verbundplan, die allerdings nur aus zwei weiteren Prokuristen,<lb/>
zwei Sekretärinnen besteht, wünschen eine grössere Unterstützung<lb/>
für Aktivitäten im Ausland. Die Verbundplan hat eine Reihe von<lb/>
in- und ausländischen Projekten als Manager- resp. als Consulting<lb break="no"/>büro organisiert. Weltweit verlangt man aber jetzt, wie das<lb/>
schöne neudeutsche Wort heisst, turn-key-job, d.h. schlüsselfertige<lb/>
Anlagen. Die Verbundplan möchte nun, dass die Verbundgesellschaft<lb/>
und ihre Sondergesellschaften, die alle an dem 3-Mio-Gesellschafts<lb break="no"/>kapital beteiligt sind, auch diese Funktion übernehmen. Dazu bedürften<lb/>
sie meiner Unterstützung, die ich ihnen zusagte. <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> und <rs type="person" ref="#per__114909">Denk</rs><lb/>
stellen sich vor, dass jetzt eine Arbeitsgemeinschaft, von Porr<lb/>
hat Dir. <rs type="person" ref="#per__114910">Pöchhaker</rs> die Organisation aller Lieferfirmen übernommen,<lb/>
49 % des Gesellschaftskapitals bekommt. Die Girozentrale würde<lb/>
eventuell 15 % übernehmen und dann als Treuhänder für die 29<lb/>
Firmen der Arbeitsgemeinschaft auftreten. Die Idee ist sehr gut,<lb/>
wenn es <rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> gelingt, mit den anderen Kreditinstituten sich<lb/>
darüber zu einigen. Ich misch mich in den zu erwartenden Streit<lb/>
garantiert nicht hinein. Für mich ist es gar keine Frage, dass<lb/>
es insbesondere die Creditanstalt, Länderbank, Bawag, Zentral<lb break="no"/>sparkasse und die Erste Österreichische sich sicherlich auch<lb/>
daran beteiligen wollen resp. sicherlich nicht bereit sind, die<lb/>
Girozentrale dort allein zu lassen. Das Mindeste, was geschehen<lb/>
wird, ist, dass die Firmen, wie z.B. Voith, Andritz, Porr, die alle<lb/>
nicht Kommittenten der Girozentrale sind, von ihren Hausbanken<lb/>
zurückgepfiffen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs> UND <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Die Idee unterstützen, doch<lb/>
nicht in den Bankenstreit einmischen, der sicherlich kommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_04"><rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs> meint, der Verein zur Förderung der Kleinkraftwerke sollte<lb/>
ebenfalls aktiver für Investitionsmittel der Kleinkraftwerke ein<lb break="no"/>treten, denn hier gibt es noch hohe Energiereserven. Die Giro-<lb/>
Zentrale wäre bereit, Kredite, Leasing usw. zu geben, wenn die<lb/>
Tariffrage endlich geregelt wäre. Die Landesgesellschaften zahlen<lb/>
für den zu übernehmenden Strom einen sehr schlechten Preis. Einmal<lb/>
mehr habe ich bestätigt bekommen, wie gut es war, dass ich mich<lb/>
entschlossen habe, den Landeshauptleuten diese Tarifgestaltung<lb/>
zu delegieren. Voraussetzung, dass es dort zu einer entsprechenden<lb/>
<pb n="43-0657" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-06-09_0657.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Regelung kommt, ist allerdings, dass endlich die Landeselektrizitäts<lb break="no"/>gesetze, wie sie Wien und ein zweites Bundesland hat, von den Ländern<lb/>
verabschiedet werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Lass prüfen, woran diese Gesetzwerdung bis jetzt<lb/>
gescheitert ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_06">Beim Symposium "Soll Österreich Automobile bauen" war viel Prominenz<lb/>
und eigentlich wenig Zuhörer. Prof. <rs type="person" ref="#per__114484">Lenz</rs>, der das Ganze organisiert,<lb/>
hat mir beim Mittagessen dann erklärt, dass im Herbst mit der Kosten<lb break="no"/>Nutzen-Rechnung sie fertig sein werden. Diese Arbeit wird angeblich<lb/>
ein Unikat sein, nirgendwo in der Welt wurde bis jetzt eine solche<lb/>
Analyse gemacht. Scheinbar wollte er damit besonders ausdrücken, dass<lb/>
das Handelsministerium, welches ja diesen Studienauftrag gab, aber auch<lb/>
finanzierte, Bedeutendes geleistet hat. Enttäuscht ist <rs type="person" ref="#per__114484">Lenz</rs>, dass<lb/>
das Finanzministerium sein neues Steuerberechnungssystem für die<lb/>
Kraftfahrzeugsteuer nicht akzeptieren will. Da der Finanzminister bei<lb/>
der Tagung anwesend war, hätte er längst alle Möglichkeiten gehabt,<lb/>
es mit ihm zu besprechen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_07">Interessant war von allen drei Vorträgen, <rs type="person" ref="#per__114484">Lenz</rs>, <rs type="person" ref="#per__113051">Fuhrmann</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>,<lb/>
nur der letztere. <rs type="person" ref="#per__113051">Fuhrmann</rs> hat, wie er mir vorher sagte, sich sehr vor<lb break="no"/>sichtig ausgedrückt, um nicht entsprechend bei den Gegnern des Austro-<lb/>
Porsche anzustossen und selbst die Formulierungen für den Befürworter<lb/>
waren sehr vorsichtig. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> hat das beste Referat gehalten und<lb/>
wenige neue interessante Zahlen gebracht. 3 Zentren der Auto-Industrie<lb/>
gibt es: in den Vereinigten Staaten, wo 485 Wagen auf 1.000 Einwohner<lb/>
kommen, ist nur mehr der Ersatzbedarf und eventuell noch ein<lb/>
Zweitwagen-Geschäft. Der Export ist gering, weil die amerikanischen<lb/>
Firmen Niederlassungen in der Welt haben. In Japan gibt es noch eine<lb/>
grosse inländische Marktausweitung, die Autoindustrie ist dort ein<lb/>
Wachstumsfaktor. Der Import ist unbedeutend, 2 % des Marktanteils.<lb/>
Der dritte grosse Produktionsbereich ist Europa. Weltweit werden von<lb/>
ca. 2,960.000 im Vorjahr produzierten Autos 660.000 in Europa erzeugt.<lb/>
Dort versuchen die Staaten ständig eine entsprechende Exportausweitung.<lb/>
Die Exporttangente ist in Schweden von 63 auf 77 % gestiegen. In<lb/>
Frankreich von 38 auf 52, in Italien von 28 auf 45 und von Grossbritan<lb break="no"/>nien von 32 auf 36 %. Ein deutliches Zeichen dafür, dass auch hier<lb/>
zurückbleibt. Explodiert ist es bei den Japanern von 16 auf 55 %.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_08">Grosse Möglichkeiten sieht <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> in der Zulieferindustrie.<lb/>
Allein im VW-Werk gibt es 7.000 Zulieferfirmen, bei Daimler-Benz<lb/>
sogar 16.000. Die Zuliefermöglichkeiten müssen jetzt stärker aus<lb break="no"/>genützt werden. Zweitens wäre es möglich, eine eigene Zuliefer<lb break="no"/>industrie aufzubauen und in der dritten Phase käme erst eine<lb/>
eigene PKW-Produktion in Frage, wenn sich herausstellt, dass nach<lb/>
einer Anlaufzeit die Rentabilität gegeben ist. Voraussetzung<lb/>
dafür war, dass es gelingt, eine internationale Vertriebs- und Service-<lb/>
Firma als Partner mit finanzieller Beteiligung zu gewinnen. Nur<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> meinte, selbst ohne eine solche sollte man dies riskieren.<lb/>
Bezüglich der Autoproduktion in Österreich verglich er die Situation,<lb/>
die die Vöest gehabt hat, als sie in das Anlagenbaugeschäft eingestiegen<lb/>
ist. Damals hat man in Deutschland, wo er tätig war, gelächelt und<lb/>
Grossbritannien und die Amerikaner haben dies auch sehr skeptisch<lb/>
betrachtet. Nach einer Entwicklungszeit von 12–15 Jahren ist jetzt<lb/>
die Vöest ganz gross auch in dieser Branche weltweit bekannt.<lb/>
Den interessantesten Beitrag liefert Prof. <rs type="person" ref="#per__114911">List</rs>, er meint, dass<lb/>
mit einem Abgas-Turbo-Gebläse mit Direkteinspritzung von 50–<lb/>
100 PS ganz grosse Chancen hat. Wie er mir nachher beim Mittagessen<lb/>
erzählte, hat seine Firma jetzt 50 Mio S investiert, um den Aufträgen,<lb/>
die er jetzt hat, Rechnung tragen zu können. SGP hat für die Konstruk<lb break="no"/>tion des sowjetisch gewünschten 180 PS-Diesel 18 Mio S Auftrag<lb/>
an <rs type="person" ref="#per__114911">List</rs> vergeben. <rs type="person" ref="#per__111400">Malzacher</rs> von den Steyr-Daimler-Puch bekannte<lb/>
sich auch zum PKW, meiner Meinung nach schon allein deshalb,<lb/>
weil er ja ein spezifisches Produkt, ähnlich dem Landrover, jetzt<lb/>
mit Mercedes-Benz gemeinsam baut. Betriebswirtschaftlich hat er<lb/>
eine neue Kalkulation aufgestellt, er meinte, die fixen Kosten, worin<lb/>
er nur die Investitionen, d.h. die Abschreibung und die Zinsen ver<lb break="no"/>steht, müssten durch den Deckungsbeitrag pro PKW, was wieder die<lb/>
Differenz aus Erlös minus der Grenzkosten ist, so sein, dass sich<lb/>
ein Spezialfahrzeug daraus resultiert. Massenproduktion kommt nicht<lb/>
in Frage. Was allerdings ein Spezialfahrzeug ist, kann nur der Kunde<lb/>
bestimmen und nicht der Erzeuger. GD <rs type="person" ref="#per__113108">Daimer</rs> vom ÖAF verwies darauf,<lb/>
dass bei Nutzfahrzeugen die österr. Produktion 40 % Marktanteil hat<lb/>
und bei Bussen 30 %. Mit MAN die Partnerschaft hat sich gut bewährt<lb/>
und Aggregate werden von MAN bezogen, wobei die österreichische<lb/>
Wertschöpfung bei LKW 70 % und bei Bussen 85 % ausmacht. Niemand<lb/>
hat sich eigentlich gegen das Austro-Porsche-Projekt ausgesprochen,<lb/>
im Grunde genommen war es aber kein Ja und kein Nein, wie man so<lb/>
schön sagt, ein Jein.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_09">In der Fraktion des Handelsausschusses und dann im Handelsaus<lb break="no"/>schuss selbst gab es im Grund genommen nichts anderes als wieder<lb/>
das übliche Taktieren. Die ÖVP will sich distanzieren und<lb/>
Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> hofft noch immer, sie doch irgendwie einbinden<lb/>
zu können. Diese Hoffnung habe ich aufgegeben, seitdem ich immer<lb/>
mehr bemerkte, dass sich die Handelskammer-Leute so stark schon<lb/>
distanzieren, dass sie nicht einmal mehr in den Handelsausschuss<lb/>
kommen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> fehlen demonstrativ. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> und <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs><lb/>
und <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> führen das grosse Wort, deren einziges Ziel es ist, so schnell<lb/>
wie möglich abzustimmen. Oft habe ich das Gefühl, dass sie Angst haben,<lb/>
wenn es nicht bald zu einer endgültigen Entscheidung kommt, vielleicht<lb/>
doch stärkere Kräfte innerhalb der ÖVP und ganz besonders Interessens<lb break="no"/>organisationen wie z.B. Handelskammer, aber auch vor allem Industriellen<lb break="no"/>vereinigung könnten noch einmal eine Wendung herbeiführen. Ich glaube<lb/>
daran nicht mehr. Taktisch war es sehr klug, dass <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> den Antrag<lb/>
stellte, man sollte sich auch jetzt noch im Handelsausschuss mit<lb/>
der Frage beschäftigen, was geschieht, wenn das Kernkraftwerk nicht<lb/>
in Betrieb geht und welche Kosten entstehen dadurch. Zu diesem Zweck<lb/>
hat er vorgeschlagen, die Geschäftsführung <rs type="person" ref="#per__110040">Nentwich</rs> und <rs type="person" ref="#per__97990">Staudinger</rs>,<lb/>
aber auch gleichzeitig das Präsidium des Aufsichtsrates <rs type="person" ref="#per__112014">Erbacher</rs> und<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97496">Gruber</rs> von der NEWAG zu hören.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_10">Ich habe mich bei <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bedankt, dass er mir anstelle des Dr. <rs type="person" ref="#per__111994">Hirsch</rs><lb/>
den Dr. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs> für das Büro gibt. Er meinte, er sieht ja ein,<lb/>
dass ich dringend einen guten Mann brauche, aber er kommt dadurch<lb/>
in die grösste Verlegenheit. Gleichzeitig habe ich ihm sagen müssen,<lb/>
dass ich nicht bereit bin, einen Brief an <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu schreiben, wo<lb/>
ich diesem mitteile, dass infolge Personalmangel die Arbeiten jetzt<lb/>
z.B. auf dem Energiesparsektor vollkommen eingestellt werden. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
meinte, so ist die Tatsache, ich empfahl ihm irgendeinen Beamten,<lb/>
der halt nicht die Qualifikation hat, die er erwartet, mit dieser<lb/>
Aufgabe zu betrauen. Schliesslich gibt es ja, von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aus gesehen,<lb/>
noch den <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>-Verein, der ja in Wirklichkeit mit viel Geld und<lb/>
einigen Fachleuten für Energiesparen eingesetzt wurde. <rs type="person" ref="#per__107956">Satzinger</rs><lb/>
ist im Büro meiner Meinung nach ungeheuer wichtig und wie mir alle<lb/>
versichern und ich selbst auch überzeugt bin, ein sehr guter Mann.<lb/>
Da er Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> genau kennt, wird es zwar nicht weniger Reibungen<lb/>
geben als bisher, doch wird er sie diplomatisch, da er <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> ja auch<lb/>
schätzt, lösen können. Meine Unterstützung ist ihm sicher.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_11"><rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> und vom Gesundheitsministerium mehrere Beamte,<lb/>
darunter <rs type="person" ref="#per__114912">Havlasek</rs> und <rs type="person" ref="#per__111739">Vychytil</rs>, besprachen nach dem Handelsaus<lb break="no"/>schuss die weitere Vorgangsweise für die bescheidmässige Inbe<lb break="no"/>triebnahme des Kernkraftwerkes. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> hat eine interministerielle<lb/>
Sitzung abgehalten und alle Schritte bis zur Inbetriebnahme des<lb/>
Kernkraftwerkes festgelegt. Dagegen ist nichts einzuwenden.<lb/>
Da die GKT erklärt, sie weiss nie, was man eigentlich von ihr<lb/>
verlangt, hat <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> jetzt genau festgelegt, welche Unterlagen<lb/>
sie noch beibringen müssen. Da Minister <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> derzeit bei einer<lb/>
Kur in Montecatini ist und Montag erst zurückkommt, habe ich den<lb/>
Beamten des Gesundheitsministeriums klipp und klar gesagt, sie<lb/>
müssten die ganze Problematik erst mit ihrer Ministerin besprechen.<lb/>
Ich bin ein Gegner davon, jemanden während der Abwesenheit zu<lb/>
überfahren. Ich habe mit <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> nur die schachbrettartige Beladung<lb/>
besprochen und da war sie vollkommen einverstanden, dass dieser<lb/>
Bescheid so schnell wie möglich der GKT übermittelt wird. Weitere<lb/>
Schritte aber, wie z.B. die Null-Leistung, von der <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bis<lb/>
jetzt leider zu meinem Leidwesen immer wieder sagt, das sei bereits<lb/>
die Inbetriebnahme, kann nicht auch nur im Detail erörtert werden,<lb/>
solange nicht <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> ihre Zustimmung dazu gibt. Die Beladung des<lb/>
Kernkraftwerk-Reaktors hat noch nichts mit Entsorgungsfrage zu<lb/>
tun, in meinen Augen auch nicht die Null-Leistung. Die Regierung<lb/>
aber hat, nicht zuletzt auf entscheidendes Drängen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs>, hier<lb/>
anders entschieden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte hier müssen wir vorsichtig vorgehen,<lb/>
um nicht <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> zu diskreditieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_13">Der iranische Botschafter <rs type="person" ref="#per__114913">Namdar</rs> hat, wie ich auch nicht anders<lb/>
erwartete, angerufen, um zu fragen und indirekt sich sehr zu be<lb break="no"/>schweren, dass aus den Zeitungen er erfahren musste, dass mit Ägypten<lb/>
ein Vertrag abgeschlossen wurde. Ich erklärte ihm, dass ich<lb/>
immer davon gesprochen habe und auch jetzt nur diese Information<lb/>
den Zeitungen gebe, dass ich fast mit einem Dutzend Staaten Ver<lb break="no"/>handlungen resp. Gespräche geführt habe. Diese Staaten waren in<lb/>
Europa, Asien und Afrika. Mit dem asiatischen Staat Iran, so sagte<lb/>
ich, sind wir ein schönes Stück weitergekommen, eine ähnliche Situation<lb/>
gibt es mit einem afrikanischen Staat, nämlich Ägypten. Dort<lb/>
gibt es, ähnlich wie mit Iran, einen Vertragsentwurf, der allerdings<lb/>
erst durch die GKT, die der Vertragspartner sein wird, genauso<lb/>
wie mit Iran, akzeptiert und vor allem aber erst bezüglich der<lb/>
<pb n="43-0661" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-06-09_0661.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>finanziellen Belastungen genau geprüft werden muss. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> gegen<lb break="no"/>über erklärte ich, weil ich eine solche Demarche erwartete, dass<lb/>
ich es nicht verstanden habe, dass er selbst auch die Presse sehr<lb/>
detailliert informiert hat. Wäre diese Indiskretion, die auf alle<lb/>
Fälle zu erwarten war, von der GKT gekommen, weil ja dieser Vertrags<lb break="no"/>entwurf im einzelnen in einem grösseren Kreis, nämlich Aufsichtsrat<lb/>
und Gesellschaft diskutiert wurde, dann wären wir ausser Obligo.<lb/>
Ich glaube nämlich noch immer, wenn die Bevölkerung in Österreich<lb/>
erfährt, dass wir für Good will allein eine Milliarde Schilling<lb/>
zahlen sollen, dann wird sehr bald eine Gemeinde resp. Gemeinde<lb break="no"/>verbände kommen und erklären, wenn man uns diese Milliarde gibt,<lb/>
sind wir auch bereit, ein Zwischenlager, denn mehr wird es nirgends<lb/>
sein, zu errichten. Ich persönlich kann mir nur nicht vorstellen,<lb/>
dass die E-Wirtschaft tatsächlich 1 Mia S aufbringt, um im Ausland<lb/>
Infrastrukturmassnahmen, die Ägypten möchten ein Spital, zu<lb/>
finanzieren. Wenn man bedenkt, dass jetzt in Deutschland, in der<lb/>
Schweiz, um nur zwei Beispiele zu sagen, ebenfalls inländische<lb/>
Lager gesucht und sicherlich auch dann gebaut werden, erscheint mir<lb/>
dies noch immer als die einzig mögliche Lösung. Ein Ingenieur-Bau<lb/>
ober der Erde auf dem Gelände des Kernkraftwerkes Tullnerfeld für<lb/>
abgebrannte Brennelemente oder gegebenenfalls, wenn wirklich<lb/>
aufgearbeitet wird, auch für den Atommüll als langfristiges Zwischen<lb break="no"/>lager, bis es internationale Regelung gibt, erscheint mir in<lb/>
Grunde genommen als der einzige Weg, den nicht nur das Gesundheits<lb break="no"/>ministerium, <rs type="person" ref="#per__111739">Vychytil</rs>, will, sondern den man auch gegenüber der<lb/>
Milliardenbeträge, die im Ausland ausgegeben werden, verantworten kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-06-09_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107956">SATZINGER</rs>: Bitte äusserst behutsam vorgehen, weil<lb/>
sich daraus sicherlich ein grosses Politikum ergeben wird.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <persName type="label">Hubinek, Marga</persName>
               <persName><surname>Hubinek</surname><forename>Marga</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
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               <persName type="label">Daimer, Richard</persName>
               <persName><surname>Daimer</surname><forename>Richard</forename></persName>
               <occupation>Dir. ÖAF-Gräf &amp; Stift AG</occupation>
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               <persName type="label">Gruber, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Gruber</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>GD NEWAG</occupation>
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               <persName type="label">Fischer, Heinz</persName>
               <persName><surname>Fischer</surname><forename>Heinz</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-Klubsekr./-obmann</occupation>
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               <persName type="label">List, Hans</persName>
               <persName><surname>List</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation>Steyr</occupation>
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               <persName type="label">Pöchhacker, Horst</persName>
               <persName><surname>Pöchhacker</surname><forename>Horst</forename></persName>
               <occupation>Dir. Porr AG</occupation>
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               <persName type="label">Fuhrmann, A</persName>
               <persName><surname>Fuhrmann</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>TU Wien</occupation>
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               <persName type="label">Grünwald, Oskar</persName>
               <persName><surname>Grünwald</surname><forename>Oskar</forename></persName>
               <occupation>Büro Staribacher; ÖIAG</occupation>
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               <persName type="label">Namdar, Mostafa</persName>
               <persName><surname>Namdar</surname><forename>Mostafa</forename></persName>
               <occupation>iran. Botschafter</occupation>
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               <persName type="label">Lenz, Hans Peter</persName>
               <persName><surname>Lenz</surname><forename>Hans Peter</forename></persName>
               <occupation>Autoindustrie</occupation>
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               <persName type="label">Leodolter, Ingrid</persName>
               <persName><surname>Leodolter</surname><forename>Ingrid</forename></persName>
               <occupation>Gesundheitsministerin</occupation>
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               <persName type="label">Havlasek, Richard</persName>
               <persName><surname>Havlasek</surname><forename>Richard</forename></persName>
               <occupation>Beamter Gesundheitsministerium</occupation>
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               <persName type="label">König, Friedrich</persName>
               <persName><surname>König</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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               <persName type="label">Nentwich, Alfred A.</persName>
               <persName><surname>Nentwich</surname><forename>Alfred A.</forename></persName>
               <occupation>Techn. GF KKW Tullnerfeld GmbH</occupation>
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               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
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               <persName type="label">Zluwa, Bruno</persName>
               <persName><surname>Zluwa</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
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               <persName type="label">Vychytil, Peter</persName>
               <persName><surname>Vychytil</surname><forename>Peter</forename></persName>
               <occupation>Sekt.R Gesundheitsministerium</occupation>
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               <persName type="label">Malzacher, Hans Michael</persName>
               <persName><surname>Malzacher</surname><forename>Hans Michael</forename></persName>
               <occupation>GD Steyr-Daimler-Puch</occupation>
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               <persName type="label">Denk, Erwin</persName>
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               <occupation>GF Verbundplan</occupation>
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               <persName type="label">Geist, Franz</persName>
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               <persName type="label">Fremuth, Walter</persName>
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               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
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               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
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               <persName type="label">Weiser, Peter</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
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               <persName type="label">Hirsch, Helmut</persName>
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               <occupation>Büro des Bundesministers</occupation>
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               <persName type="label">Satzinger, Heinz</persName>
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               <persName type="label">Staudinger, Fritz</persName>
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               <occupation>Kaufm. Dir. KKW Tullnerfeld GmbH</occupation>
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