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            <title type="main">Montag, der 29. Mai 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_01">Montag, 29. Mai 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_02">Beim Journalistenfrühstück berichtet <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> über die Wintersaison,<lb/>
7,6 % Nächtigungssteigerung, im Vorjahr 4,1 %, wobei die Ausländer<lb/>
sogar um 9,2, die Inländer nur um 4,1 % zugenommen haben. Inter<lb break="no"/>essanter ist der Vortrag von <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs>, Wirtschaftsforschungs<lb break="no"/>institut, über sein Prognosemodell für den Fremdenverkehr. Es gibt<lb/>
keinen anderen Staat, der eine solche Prognose auf ökonometrischer<lb/>
Basis versucht. Danach würde im Sommer eine 1,2 %-ige Nächtigungs<lb break="no"/>steigerung zu erwarten sein. Nach allen bisher vorliegenden Ziffern<lb/>
würde wahrscheinlich mehr, d.h. ein grösserer Zuwachs kommen. Wichtig,<lb/>
interessant und für uns entscheidend ist aber, dass es zur Trend<lb break="no"/>umkehr auch in diesem Sommer kommen wird, nachdem wir die vergangenen<lb/>
zwei Sommer ein Minus feststellen mussten. Wichtiger noch als diese<lb/>
Prognose erscheint mir, dass es endlich zwischen dem Statistischen<lb/>
Zentralamt, Wirtschaftsforschungsinstitut und insbesondere der<lb/>
OeNB zu einer Abstimmung kommen müsste, wie man die Fremdenverkehrs<lb break="no"/>ziffern, insbesondere die Deviseneinnahmen und -ausgaben besser ab<lb break="no"/>stimmt. Noch immer werden, und davon bin ich fest überzeugt, die<lb/>
Fremdenverkehrseinnahmen, wahrscheinlich aber auch die Ausgaben durch<lb/>
in Wirklichkeit Warendirektimporte verfälscht. Es ist unmöglich, dass<lb/>
in Deutschland eine Nächtigungsausgabe der Österreicher von<lb/>
12.000 S pro Tag festzustellen ist. Hier sind die Ausgaben für<lb/>
die Wareneinkäufe beinhaltet. Niemand kann aber bis jetzt eine ent<lb break="no"/>sprechende Regelung, die einen besseren Aussagewert hat, zwischen<lb/>
der OeNB und insbesondere Wirtschaftsforschungsinstitut durch<lb break="no"/>setzen. <rs type="person" ref="#per__114653">Schulmeister</rs> hat dies versucht, ist aber an dem entspre<lb break="no"/>chenden Widerstand der OeNB bis jetzt gescheitert. Die dortigen Büro<lb break="no"/>kraten sind nicht bereit, sich mit ihm über die einzelnen Positionen<lb/>
zu einigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte aufs nächste Jour fixe setzen, damit<lb/>
ich mit <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> darüber spreche.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_04"><rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> berichtete dann über die internationalen Möglichkeiten einer<lb/>
gemeinsamen Tourist-Werbung. Im internationalen Tourist-Comitee<add>[?]</add><lb/>
ITC hat man sich jetzt entschlossen in Amerika eine Europa-Werbung<lb/>
durchzuführen. Mit 11 Mill. S ist dieses Budget der europä<lb break="no"/>ischen Staaten einigermassen auch für Österreich interessant,<lb/>
das mit 700.000 S daran beteiligt ist. Jetzt wird eine Image-Studie<lb/>
versucht, in Amerika zu starten, die 30.000 $ kosten wird. Ich<lb/>
bin sehr gespannt, was dabei herauskommt. Österreich ist – wie er<lb/>
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Billigstflüge viele europäische Städte von verschiedensten amerikani<lb break="no"/>schen Städten angeflogen wird. Nur Österreich ist ziemlich das Schluss<lb break="no"/>licht. Natürlich käme hier primär Wien in Frage, doch werden die tat<lb break="no"/>sächlichen Direktflüge am allerwenigsten nach diesem Flughafen durch<lb break="no"/>geführt.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_05">Präs. <rs type="person" ref="#per__114655">Harmer</rs> und der Sekretär des Fachverbandes der Nahrungs- und Genuss<lb break="no"/>mittelindustrie <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> haben mir ein Bild geschenkt, das Prof. <rs type="person" ref="#per__114654">Gamsjäger</rs><lb/>
gezeichnet hat. Sie brauchten scheinbar für ihre Zeitschrift ein Klischee,<lb/>
haben aber kein Foto nehmen wollen, sondern haben nach einem Foto<lb/>
von dem Professor eine Strichzeichnung machen lassen. Natürlich war<lb/>
ich darüber sehr überrascht und auch einigermassen verwundert. Ob ich<lb/>
erfreut bin, weiss ich noch nicht, da ich es sicherlich nicht aufhängen<lb/>
werde. Bei dieser Gelegenheit hat mir <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs> mitgeteilt, dass jetzt<lb/>
eine Aussprache mit dem Justizminister und Nationalrat <rs type="person" ref="#per__97558">Hobl</rs> statt<lb break="no"/>findet, um die Frage <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> zu regeln. Es geht der Handelskammer noch<lb/>
immer darum, dass nicht gleichzeitig einer Untersuchungsbehörde und<lb/>
offizieller Gutachter sein soll und bei Gericht dann sozusagen der<lb/>
Ankläger und gleichzeitig auch der Fachzeuge sein dürfte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> hat nach ihrer Meinung noch immer die Taktik durch Gerichts<lb break="no"/>entscheide das Lebensmittelrecht zu gestalten. Anstelle dass in der<lb/>
Codex-Kommission über verschiedene Probleme geredet wird und nachher<lb/>
nach Abstimmung mit den einzelnen Sozialpartnern einstimmig womöglich<lb/>
das Codex-Kapitel beschlossen wird, hat <rs type="person" ref="#per__97808">Petuely</rs> die Absicht und<lb/>
Taktik, alles vor das Gericht zu bringen u.a. hat er z.B. jetzt <choice><choice><sic>ange<lb break="no"/>zeugt</sic><corr>angezeigt?</corr></choice></choice>, dass falsch deklariert war, weil einzelne Firmen Wursthaut<lb/>
gefärbt haben. Wenn nun die Firmen, um dem zu entgehen, auf die Wursthaut<lb/>
geschrieben haben, gefärbt, oder besser gesagt dann auch nicht gefärbt,<lb/>
so sagte er, wenn die Wurst geteilt wird, kann man dies nicht mehr<lb/>
lesen, weshalb diese Art der Deklaration auch verboten ist. Genauso<lb/>
wendet er sich gegen die Flaschenverschluss-Deklaration, wenn die Flasche<lb/>
geöffnet ist und der Korb weggeworfen, dann kann man nicht mehr<lb/>
wissen, was eigentlich deklariert wurde. Bis 1976 war es auch unge<lb break="no"/>regelt, wie man die Färbung bezeichnen soll. Man einigte sich darauf,<lb/>
dass es genügt, wenn dann auf ein Produkt gefärbt steht. Jetzt verlangt<lb/>
er, dass es nicht gefärbt heissen darf, sondern künstlich gefärbt. <rs type="person" ref="#per__112564">Smolka</rs><lb/>
gibt aber gleichzeitig zu, dass die Funktion <rs type="person" ref="#per__97808">Petuelys</rs> notwendig ist, nur<lb/>
auf diese Art und Weise übertreibt er wahrscheinlich wirklich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte erkundige Dich, wie es im Sozialministerium<lb/>
und Justizministerium weitergeht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_07">Im Wiener Vorstand und Ausschuss wurde über die Kandidatenliste gesprochen.<lb/>
Die Bezirke haben jetzt ihre Nominierung vorgenommen. 3/4 Männer,<lb/>
1/4 Frauen. 12,8 Akademiker, 49,3 Angestellte, 32 öffentlich Be<lb break="no"/>dienstete, 7,2 nur Arbeiter, 7,2 % Selbständige und Freie Berufe<lb/>
und der Rest an sonstige. Das Alter ist mit 47 Durchschnittsalter<lb/>
sehr günstig. Die Frage war nur, nachdem auch 11 Bezirke bis jetzt<lb/>
die Bezirksvorsteher, wohl aber nicht die Bezirksvorsteher-Stellvertre<lb break="no"/>ter, die neu kommen, schon nominiert haben, ob man diese der Öffent<lb break="no"/>lichkeit jetzt mitteilen sollte. Ich bin auch davon überzeugt, dass<lb/>
dies früher oder später sowieso durchdringt. Gewisse Bezirke, u.a.<lb/>
auch die Landstrasse, wollen sich die Nominierung des Stellvertreters<lb/>
noch aufschieben bis nach den Wahlen, um gewisse personelle Änderungen<lb/>
dann noch vornehmen zu können. Die Wahlwerbung läuft, zumindestens was<lb/>
das Propagandamaterial betrifft, auf vollen Touren. Eine längere<lb/>
Diskussion gab es dann über die Anträge der Jungen Generation. Das<lb/>
Präsidium meinte, man sollte nach der Wahl dann mit der Jungen Genera<lb break="no"/>tion diskutieren. Die Gewerkschafter, insbesondere <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs>, aber auch<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114543">Pöder</rs> und ich haben uns nur dagegen ausgesprochen, dass in den Antrag<lb/>
die bürokratisch autoritäre Sozialpartnerschaft der orientierten<lb/>
Spitzengremien mit diesen Ausdrücke kritisiert wurde. Dass die Jungen<lb/>
schon allein, um ihren linken Standpunkt zu dokumentieren, sich gegen<lb/>
die Sozialpartnerschaft aussprechen, ist ihr gutes Recht, dass sie<lb/>
aber derartig diffamieren, halte ich nicht für sinnvoll und am<lb/>
allerwenigsten für zweckmässig. <rs type="person" ref="#per__114123">Fritz Edlinger</rs>, der Bruder des Landes<lb break="no"/>parteisekretärs und JG-Chef, meinte, es handelt sich ja nur um eine<lb/>
Diskussionsgrundlage und sollte sich nur gegen die Bürokratie<lb/>
richten. Gesagt haben sie allerdings etwas anderes. Eine weitere<lb/>
Diskussion gab es dann, wie man auf das Problem der Nichtwähler<lb/>
reagieren soll. Die ÖVP hat jetzt die ca. 80.000, die von der National<lb break="no"/>ratswahl 1975 im Verhältnis zur letzten Gemeinderatswahl 1973 nicht ge<lb break="no"/>wählt haben, besonders angesprochen. Die SPÖ hat 55.000 Nichtwähler-<lb/>
Potential. Ein Teil der Diskussionsredner meinte, man sollte, so wie<lb/>
die ÖVP dies gemacht hat, ohne natürlich von Nicht-Wählern zu sprechen,<lb/>
sich um diese besonders kümmern. Die grössere Mehrheit aber entschied<lb/>
sich dafür, nur bei sozialistischen Mehrheitssprengeln zu versuchen,<lb/>
Stimmen zu mobilisieren. Auf der Landstrasse können wir feststellen,<lb/>
dass es Sprengel gibt, wo wir überhaupt nichts anrühren, denn dort<lb/>
sind ausschliesslich, wenn Nichtwähler vorhanden sind, sicherlich<lb/>
mehrheitlich ÖVP-Nichtwähler. Eine Erhebung ergab, dass 8 % wirklich<lb/>
nicht wissen, wen sie wählen würden, 16 % aber sind aus Bequemlichkeit<lb/>
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wählenden Partei nicht zur Wahlurne gegangen. Ich nehme an, dass<lb/>
<rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs> die bürgerlichen Nichtwähler mobilisieren kann und schon<lb/>
allein aus diesem Grund bei den nächsten Wahlen gut abschneidet.<lb/>
Bei uns wäre es viel wichtige, die eigenen Mitglieder und Sympathi<lb break="no"/>santen, die man ja auf Grund unserer Strichelliste kennt, zu<lb/>
mobilisieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_08">Im Ausschuss hat dann <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, da <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> auf Urlaub ist, den politischen<lb/>
Bericht gehalten und einleitend über die Ausgaben des Bundes seit<lb/>
1975 für Wien der einzelnen Ressorts berichtet. Auf Grund einer<lb/>
schriftlichen Anfrage wurden die Ziffern von den einzelnen Ministerien<lb/>
zusammengestellt. Anschliessend daran hat er über eine Meinungs<lb break="no"/>umfrage über die Popularität der Polizei berichtet. Nach der Kranken<lb break="no"/>kasse, die interessanterweise vor allen anderen Institutionen an der<lb/>
Spitze steht, kommt gleich als zweites jetzt die Polizei. 30 % waren<lb/>
positiv, 1973 nur 15 %. Aus diesem Meinungsumfrageergebnis schliesst<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs>, dass die Bevölkerung mit der Politik sehr einverstanden ist und<lb/>
eigentlich sich sicher fühlt. Gegenüber dem Flüchtlingslagerstreit<lb/>
und insbesondere der Entführung in Deutschland meinte er, dass wir<lb/>
bessere Lösungen haben als anderswo.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_09">In der Ministerratsvorbesprechung gab es dann gerade über dieses<lb/>
Problem eine harte Diskussion zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
berichtete ausführlich über die beiden Verbrecher, die vorzeitig ent<lb break="no"/>lassen wurden und meinte abschliessend, dies sei ein Elementar<lb break="no"/>ereignis. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war darüber sehr ungehalten, meinte, die vorzeitige<lb/>
Entlassung sei an einem falschen Objekt geschehen. 10 Jahre im Gefängnis<lb/>
von jungen Leuten zeigt, dass es sich hier um Berufsverbrecher handelt.<lb/>
Diese bringen die bedingte Entlassung als Institution in Misskredit.<lb/>
Dies hätte man erkennen müssen. Natürlich wird man jetzt sagen, das<lb/>
Gericht hat zu entscheiden, doch müsse man alles dagegen unternehmen.<lb/>
Denn sonst wird die Bevölkerung diese Rechtswohltat für ein Malheur<lb/>
betrachten und alles geht auf Kosten der SPÖ-Justizpolitik. <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs><lb/>
meinte, in Österreich werden 9 % bedingt entlassen, in Deutschland<lb/>
sind es 40–50 %. Er könne seine Rechtspolitik nicht ändern, noch<lb/>
immer ist der humane Strafvollzug für ihn der sicherste. Die Rück<lb break="no"/>fälligkeit bei Bewährungshilfe liegt 3/4 zu 1/4 bei Nicht-Bewährungshilfe<lb/>
umgekehrt. Wenn die Strafe ganz abgesessen ist, gibt es keine Bewährungs<lb break="no"/>hilfe und damit keine Bewährungshelfer. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> teilte mit, dass die<lb/>
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Vorkehrungen zu treffen, wenn der Fall einer Entführung oder sonstigen<lb/>
Terroraktion eintritt, man mehr über den Minister schon weiss.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__114106">Helmut Schmidt</rs> eine Aussprache gehabt über dieses<lb/>
Problem, denn er wurde auch durch einen Brief der RAF verständigt,<lb/>
dass alle, die mit <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> zu tun haben, seine Politik unterstützen,<lb/>
genauso verurteilt werden wie <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> selbst. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist nach wie<lb/>
vor der Meinung, dass <rs type="person" ref="#per__113052">Boock</rs> und <rs type="person" ref="#per__114584">Kröcher-Tiedemann</rs>, wenn sie nach<lb/>
Österreich ausgeliefert werden sollten mit den zwei Österreichern,<lb/>
die man in der Schweiz verhaftet hat, sicherlich dann befreien wird.<lb/>
Er erwartete insbesondere diese Angriffe vom Mann der <rs type="person" ref="#per__113052">Boock</rs>, der<lb/>
allerdings jetzt mit drei anderen Terroristen in Belgrad ver<lb break="no"/>haftet wurde. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> meinte, eine Zielfahndung, wie sie in Deutschland<lb/>
besteht, ist in Österreich nicht möglich. Dort wird auf jeden Terro<lb break="no"/>risten ein eigener Beamter eingesetzt und ausschliesslich zu dessen<lb/>
Aufstöberung eingesetzt. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> meint, das österreichische System<lb/>
der schachbrettartigen Überwachung wie z.B. bei den <choice><choice><sic>Bankräuben</sic><corr>Bankräubern? Bankrauben?</corr></choice></choice> sich<lb/>
sehr bewährt, müsste sich auch sonst durchführen lassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte<lb/>
wegen der Terrortätigkeit grosse Angst, dass die nächsten Wahlen für<lb/>
uns schlecht ausgehen. Die Bevölkerung fürchtet sich vor dem Kernkraft<lb break="no"/>werk, dazu kommt jetzt noch die Angst vor dem Terror und dies geht<lb/>
auf Kosten der soz. Wählerstimmen. Nach seiner Meinung verlieren wir<lb/>
wegen dieser Kombination. Angst vor Terror, Angst vor Kernkraft.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_10"><rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> berichtete dann über die Verhandlungen mit <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> wegen der<lb/>
Lösung des Kernkraft-Unterausschuss-Berichtes. Er meint, dass es<lb/>
nicht möglich sein wird, wie die ÖVP drängt, eine Drei-Parteien-Lösung<lb/>
zu erzielen. Er hat zwar mit dem Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> eine sehr gute<lb/>
Aussprache gehabt, doch ist dieser scheinbar nicht mehr imstande,<lb/>
den Klub zu führen. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> möchte nun mit <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> unter Anwesenheit<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> und <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> die Endformulierung versuchen. Wenn es ihm gelingt,<lb/>
den Regierungsbericht in die Entschliessung einzubauen, so würde dort<lb/>
die ÖVP klar und deutlich diesen Regierungsbericht ablehnen. Dagegen<lb/>
wäre nichts zu sagen. Wichtig ist nur, wie dann der Regierungsbericht<lb/>
weiter sich zu dem Kernkraftwerk Tullnerfeld äussert. Die Wünsche der<lb/>
ÖVP, den Energiesparantrag in einer Entschliessung zu bringen, dagegen<lb/>
ist nichts einzuwenden. Wohl hat <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> aber, wie er mir nachher gegen<lb break="no"/>über sagt, grösste Bedenken, eine zu wenig präzise Aussage zum Kernkraft<lb break="no"/>werk in die Entschliessung aufzunehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, ein Hinweis<lb/>
auf die Entsorgung würde die Inbetriebnahme nicht möglich machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_11">Dagegen könnte in der Entschliessung selbstverständlich alles über<lb/>
die Sicherheit stehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist noch immer der Auffassung, dass<lb/>
es gelingen müsste, die Endlagerungsfrage dann von der Regierung,<lb/>
wenn diese ausschliesslich vom Parlament ihr übertragen wird, so<lb/>
zu lösen, dass man darauf hinweist, internationale Verhandlungen mit<lb/>
Ägypten seien positiv verlaufen, die Amerikaner müssten aber ihre<lb/>
Stellungnahme ändern, weil sie ja jetzt sich gegen eine Lagerung in<lb/>
Ägypten aussprechen. Er selbst würde dann mit den Amerikanern die<lb/>
diesbezüglichen Verhandlungen führen, möchte aber auch ganz<lb/>
besonders diese Erklärung dann im Parlament selbst abgeben. Eine<lb/>
gemeinsame Entschliessung SPÖ und ÖVP könnte auch dann wieder den<lb/>
Klubzwang bringen, wenn wenn <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs>, wie er unbedingt will, die eigenen<lb/>
Abgeordneten zu einer einheitlichen Stimmenabgabe bringt, dann ist<lb/>
es selbstverständlich, dass auch unsere beiden Vorarlberger Genossen<lb/>
mit uns mitstimmen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_12">Nach der Regierungssitzung habe ich dann mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> über die Lie<lb break="no"/>ferung von Kriegsmaterial an die amerikanische Armee resp. die<lb/>
gewünschten Kompensationen der Amerikaner, wie ich sie bei Ulbrichts Wwe.<lb/>
in Oberösterreich mit dem amerikanischen Vertreter <rs type="person" ref="#per__114649">Forster</rs> besprochen<lb/>
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von mir die Liste der Produkte, die in Frage kommen. Seine Leute<lb/>
werden dies prüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-05-29_13">In der Ministerratssitzung hat dann <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zu seiner Opera<lb break="no"/>tion alles Gute gewünscht und zum Schluss gemeint: Hals- und Beinbruch!<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> lustig, aber sehr sarkastisch, das auch noch!!<lb/>
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            <head>Tagesordnung 120. Ministerratssitzung, 29.5.1978</head>
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            <head>hs. Notizen (TO Ministerratssitzung Rückseite)</head>
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               <occupation>RAF-Terroristin</occupation>
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               <persName type="label">Petuely, Friedrich</persName>
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               <persName type="label">König, Friedrich</persName>
               <persName><surname>König</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
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               <persName type="label">Forst, A</persName>
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               <occupation>pensionierter US-amerikanischer Colonel, stellte Liste über Fa. Ulbrichts
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               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
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               <persName type="label">Boock, Waltraud</persName>
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               <occupation>RAF-Terroristin</occupation>
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               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
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               <persName type="label">Mock, Alois</persName>
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               <occupation>Abg. z. NR, Klubobmann, ÖVP</occupation>
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               <persName type="label">Kienzl, Heinz</persName>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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