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            <title type="main">Freitag, der 28. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_01">Freitag, 28. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_02">Die soz. Fraktion der Handelsministeriumsangestellten haben die<lb/>
erste Wahl durchgeführt. Nicht weniger als 6 Listen wurden angeb<lb break="no"/>lich aufgestellt resp. erwogen zu kandidieren. Es war daher<lb/>
dann notwendig, um nicht womöglich einen Fraktionskampf vor den<lb/>
Augen der Gegner abzuführen, einen 13-köpfigen Vorstand bei<lb/>
ca. 130 Mitgliedern zu wählen. Als ich dies das erste Mal<lb/>
hörte, traute ich meinen Ohren nicht. Was einige befürchteten und<lb/>
ich niemals für möglich gehalten habe, ist eingetreten. Statt<lb/>
dass gerade eine neue Fraktion, die<add>[es]</add> bis jetzt im Handelsministerium<lb/>
nie gegeben hat, geschlossen aufzutreten, haben wir dem Gegner<lb/>
ein ganz schönes Spektakel gegeben. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> wollte mir zwar<lb/>
erklären, dass dies letzten Endes doch ganz anders verlaufen ist<lb/>
als man befürchtete, bleibt für mich doch der Eindruck, dass<lb/>
hier die einzelnen Gruppen und Grüppchen in linkssektiererischer<lb/>
Art nicht bereit sind, wirklich das Ganze zu sehen, sondern<lb/>
jeder nur seine unmittelbare ständige Politik machen will. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs><lb/>
hat also mit seiner ganzen Methode – Fraktionsbesprechungen,<lb/>
ständige Kontakte, Abteilungsvertrauenspersonen usw. – nichts<lb/>
erreicht. Das einzig Erfreuliche dabei ist, dass letzten Endes<lb/>
dann bei einem 13-köpfigen Vorstand kaum für diese kleine<lb/>
Fraktion von 130 Mitglieder gerade nicht sehr handelsfähig ist,<lb/>
ein vierköpfiges Präsidium gewählt hat, das unter <rs type="person" ref="#per__113622">Wiesmüller</rs>,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111706">Gustav Müller</rs>, <rs type="person" ref="#per__114499">Krehlik</rs> und <rs type="person" ref="#per__114500">Fischer</rs>, hoffe ich, die Probleme<lb/>
besser meistern wird, als ich befürchte<add>Die Fraktionsbesprechungen sind wunschgemäß seit etwa 2 Monaten eingestellt. 6 Listen das Ergebnis, wenn man die Fraktion sich selbst überläßt. P. [Paraphe] bei einem schwachen Obmann</add>.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_03">Die finnischen Journalisten interessierten sich vor der Reise<lb/>
des Bundeskanzlers nach Helsinki bei mir natürlich einerseits<lb/>
über die wirtschaftspolitische Situation Österreichs, andererseits<lb/>
aber über die spezifische Standortfrage Österreichs gegenüber den<lb/>
COMECON-Staaten, EFTA, EG usw. Interessant für mich war vor<lb/>
allem die Frage, ob Österreich beabsichtigt, ein ähnliches Nahe<lb break="no"/>verhältnis zur SU anzustreben und zwar auf die Art wie Finnland<lb/>
dies seinerzeit mit einem Freihandelsübereinkommen machte. In<lb/>
der Zwischenzeit wurde von den meisten COMECON-Staaten dieses<lb/>
Freihandelsabkommen ebenfalls übernommen. Ich erklärte dezidiert,<lb/>
dass dies gegen die österr. Neutralität und deren Handelspolitik<lb/>
verstossen würde. Ausserdem konnte ich bei dieser Gelegenheit,<lb/>
<pb n="43-0469" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-04-28_0469.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>den finnischen Kollegen mitteilen, dass ich nicht annehme,<lb/>
Österreich würde von der EFTA oder auch von der EG dieselbe<lb/>
Ausnahmeregelung wie Finnland bekommen. Letzten Endes war es<lb/>
ja gerade das finnische Naheverhältnis und die Entwicklung<lb/>
Finnlands nach dem zweiten Weltkrieg, die die westeuropäische<lb/>
Staaten veranlasst haben, Finnland diese Sonderstellung einzu<lb break="no"/>räumen. Da ich die Journalisten nicht näher kannte, hatte ich<lb/>
nicht die Absicht ihnen weitere politische Details unserer<lb/>
Politik zu erklären, vor allem nicht womöglich Kritik zu üben,<lb/>
an der finnischen Politik, die manche "<rs type="person" ref="#per__114501">Kekkonens</rs> Schaukelpolitik"<lb/>
ganz zu unrecht bezeichnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_04">Ein Filmproduzent <rs type="person" ref="#per__114502">Morawetz</rs> hatte ich bei einer FWV-Diskussion<lb/>
auf der Wieden kennengelernt. Dort hat er mir erklärt, er hätte<lb/>
noch niemals eine Subvention bekommen und bräuchte auch keine,<lb/>
ich weiss nicht, ob <rs type="person" ref="#per__114502">Morawetz</rs> ein Mitglied des Freien Wirtschafts<lb break="no"/>verbandes ist. Auf alle Fälle war er auch diesmal nicht um eine<lb/>
finanzielle Unterstützung gekommen, sondern er wollte mir nur ein<lb/>
Problem vortragen. Die Sendung WIR – <rs type="person" ref="#per__114505">Urban</rs> – hat seine Idee<lb/>
aufgegriffen und übernommen, die schönsten Familienabfahrten in<lb/>
den österr. Alpen aufzunehmen, letzten Endes in der Sendung WIR<lb/>
sowie Wandern und was es sonst noch alles gibt zu senden. Über<lb/>
die finanzielle Aufteilung konnte keine Einigung erzielt werden,<lb/>
obwohl ein solcher Film nur 90.000 S kostet. Der kaufmännische<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__114503">Skala</rs> hatte ihm aber versichert, wenn in diesem Film<lb/>
nicht eine deutliche Werbung aufgenommen ist, dann wird dieser Film<lb/>
vom Fernsehen übernommen. Der für diese Frage zuständige <rs type="person" ref="#per__114504">Nidetzky</rs><lb/>
hat sich den Film dann angesehen und festgestellt, dass keine<lb/>
Werbung damit betrieben wird. Das FS ist scheinbar sehr allergisch<lb/>
auf alles, wo entsprechende Werbeaussagen für Firmen, Gemeinden usw.<lb/>
enthalten sind. Zur grössten Verwunderung <rs type="person" ref="#per__114502">Morawetz</rs>' wird nun<lb/>
aber trotzdem dieser Film nicht übernommen und gesendet. Ich habe<lb/>
daher sofort bei <rs type="person" ref="#per__114503">Skala</rs> interveniert und zu meiner Freude feststellen<lb/>
können, dieser erklärte, er wird den Film auf alle Fälle <choice><choice><sic>abstrahlen</sic><corr>ausstrahlen</corr></choice></choice>.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114504">Nidetzky</rs>, der bei anderen ungeheuer penibel ist, soll selbst für Tour<lb break="no"/>opa Filme drehen, d.h. bei anderen sehr streng urteilen und bei<lb/>
sich selbst nicht einen so strengen Masstab anlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte verfolge, was aus der ganzen Angelegenheit<lb/>
weiter wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_06">Die chinesische Delegation ist tatsächlich in voller Stärke<lb/>
nach Österreich gekommen und wird sich hier bis zum 11. Mai<lb/>
aufhalten. Irgendwer erzählte mir, dass das Fernsehen die<lb/>
Absicht hat, die Empfangsformalitäten der Delegation aufzunehmen,<lb/>
dann ein Interview mit dem ersten chinesischen Minister in<lb/>
Österreich und vielleicht sogar mit mir auch zu machen. Zum Glück<lb/>
sind diese dann aber nicht erschienen. Ich halte es nämlich vom<lb/>
wirtschaftspolitischen, aber vor allem vom aussenpolitischen<lb/>
Standpunkt aus für sehr fraglich, ob es tatsächlich zweckmässig<lb/>
gewesen wäre, eine so grosse Publicity diesem Ereignis zu<lb/>
geben. Wenn der Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> kommt,<lb/>
schert sich das Fernsehen überhaupt nicht um ihn. Da die Russen<lb/>
in dieser Frage aber äusserst empfindlich sind, war es mir nur sehr<lb/>
recht, dass diese Aufzeichnungen überhaupt nicht zustandekamen.<lb/>
Was mich aber andererseits wieder überraschte, war, dass nur<lb/>
der Handelsdelegierte in Peking, vom Handelsministerium nur<lb/>
MR <rs type="person" ref="#per__112973">Hillebrandt</rs> anwesend waren. In Hinkunft werde ich mich leider<lb/>
auch noch darum kümmern müssen, damit eine adäquate Empfangs<lb break="no"/>delegation wenigstens dort zur Verfügung steht. Bei den offiziellen<lb/>
Essen, bin ich überzeugt, werden sich die Beamten nur so tummeln.<lb/>
Übrigens vom Aussenamt war, glaube ich, dann auch irgendjemand in<lb/>
der letzten Minute noch erschienen. Überhaupt hat sich bei der<lb/>
Einladung dieser Delegation einiges ereignet, was mir gar<lb/>
nicht passt. Zuerst wurde nicht geachtet und keinerlei Verhandlungen<lb/>
mit dem chinesischen Botschafter in Wien geführt, sodass jetzt der<lb/>
Streit entstanden ist, wer diese riesige Delegation bezahlen wird.<lb/>
Die Handelskammer hat <choice><choice><sic>mir Recht</sic><corr>mit Recht? mir zurecht?</corr></choice></choice> gesagt, sie denkt nicht daran,<lb/>
15 Leute oder noch mehr zu bezahlen. Min.Rat <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs> soll daher<lb/>
erklärt haben, ich hätte schon zugestimmt, dass das Handelsmini<lb break="no"/>sterium den Rest übernimmt. Daran kann ich mich beim besten<lb/>
Willen nicht erinnern. Ich habe nur immer wieder erklärt, wir<lb/>
können der Handelskammer nicht alles überwälzen, doch sollten<lb/>
die Firmen Teile davon tragen. In Hinkunft muss bereits bei der<lb/>
Einladung klargestellt werden, wer alles von der Handelskammer,<lb/>
wer eventuell von den Firmen und wenn es gar nicht anders geht,<lb/>
einen ganz geringen Teil dann das Handelsministerium übernimmt,<lb/>
d.h. wenn das Handelsministerium tatsächlich dann die Aufenthalts<lb break="no"/>kosten bezahlt. Ausserdem ist das Programm auf alle Fälle zeit<lb break="no"/>gerecht mir vorzulegen, damit ich entsprechende Änderungen<lb/>
vornehmen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte in Hinkunft mir zeitgerecht die Aus<lb break="no"/>landsreisen vorzulegen, auch vor allem zeitgerecht die ausländi<lb break="no"/>schen Delegationen, die von mir eingeladen werden, vorzulegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_08">Bei der Staatswappenüberreichung an DECOMETAL in Fürstenfeld<lb/>
kam ich auf Wunsch des Firmenbesitzes neben dem Marburger<lb/>
Bürgermeister zu sitzen. Dieser war 10 Jahre Generaldirektor<lb/>
der FERROMETAL, die für die Verstaatlichte Industrie die<lb/>
notwendigen metallurgischen Spezialprodukte erzeugt. Decometal<lb/>
eine kleine private Firma, hat sich hier als Händler eingeschal<lb break="no"/>tet, macht, glaube ich, phantastische Geschäfte und zeigt und nützt<lb/>
die scheinbare Unbeweglichkeit der Verstaatlichten Industrie.<lb/>
Ich habe es nie verstanden, dass diese nicht schon längst eine<lb/>
eigene Verkaufs- und Einkaufsorganisation dafür geschaffen hat.<lb/>
Den Marburger Bürgermeister versuchte ich davon zu überzeugen,<lb/>
dass jetzt Österreich allein schon durch die Niederschlagung<lb/>
der Anklage wegen Wahlverhinderung durch den Bundespräsidenten<lb/>
daran interessiert ist, die Slowenenpolitik zu ändern. Die<lb/>
Bundesregierung legt grössten Wert darauf und ganz besonders<lb/>
der Bundeskanzler, dass die Slowenen jetzt in den Beirat womöglich<lb/>
beitreten, um dort ihre spezifischen Probleme zu besprechen<lb/>
und dann entsprechende Unterstützung zu gewähren. Der Bürger<lb break="no"/>meister zeigte, wie er sich ausdrückte, auch an einer solchen<lb/>
politischen Entwicklung grösstes Interesse. Die Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen nämlich zwischen unseren beiden Ländern sind<lb/>
an und für sich gut, ich kann nur hoffen, dass es jetzt auch<lb/>
endlich gelingt, die politischen Beziehungen zu normalisieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_09">Die Fa. Hanschmann besteht zwar 100 Jahre, hat einen Umsatz<lb/>
von 100 Mio, grösstenteils allerdings Handel, und erzeugt<lb/>
Betonsteine, Zementwaren, Terrazzosteine, also Baumaterial.<lb/>
Die Firma möchte die Genehmigung zur Führung des Staatswappens<lb/>
doch hat sie keinen Betriebsrat, weshalb sie sich vom Prä<lb break="no"/>sidenten der Arbeiterkammer <rs type="person" ref="#per__111368">Ileschitz</rs> entgegen dem seinerzeitigen<lb/>
Referentenvorschlag der AK negative Stellungnahme abgegeben wurde.<lb/>
Die SPÖ dagegen möchte dies korrigiert wissen. Ein Vertreter des<lb/>
Freien Wirtschaftsverbandes hat mir beim Empfang, der dort,<lb/>
und wo ich mich sofort in eine Diskussion mit den anwesenden<lb/>
Unternehmern einliess, die meisten interessantesten und härtesten<lb/>
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Namen habe ich leider vergessen, entwickelte sich eine ganz<lb/>
interessante Diskussion. Die Firma selbst, 60 Beschäftigte,<lb/>
ist auf Betriebsstellen aufgeteilt. Was der Schwiegersohn<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__114506">Ehlers</rs>, der jetzt den Betrieb führt und selbst 15 Jahre<lb/>
Betriebsrat und Angestellter bei anderen Firmen gewesen ist,<lb/>
mit Recht erklärt, er hätte gar nichts dagegen, nur die<lb/>
Gewerkschaft bringt einen Betriebsrat nicht zustande.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-28_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Verständige bitte die Gewerkschaft und<lb/>
lass Dir über den ganzen Fall noch einmal berichten.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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