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            <title type="main">Donnerstag, der 27. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band43_1978-04-27</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_01">Donnerstag, 27. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_02">Die Aussprache über die Ölmühle mit Gen.Sekretär <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>,<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97872">Rief</rs>, GD <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> und <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> ergab, dass volle Überein<lb break="no"/>stimmung zwischen uns herrschte. Ich erörterte, dass ich<lb/>
grössten Wert darauf lege, schrittweise die Idee der Öl<lb break="no"/>versorgungsverbesserung gehen möchte und immer gehen wollte.<lb/>
Die Landwirtschaft hat jetzt durch überhöhte Forderungen<lb/>
das grosse Konzept, welches eine Zeitlang zur Diskussion<lb/>
steht, eigentlich unmöglich gemacht. Im Vorjahr wurden<lb/>
7.000 Tonnen Raps abgeliefert und die Fettindustrie hat<lb/>
sie mit 12 Mio Schilling, bei 5.60 Schilling Rapspreis,<lb/>
aufgekauft. Heuer ist die Fettindustrie bereit, die doppelte<lb/>
Menge gegebenenfalls zu übernehmen. Da der Anbau aber bereits<lb/>
abgeschlossen ist, bin ich nicht ganz sicher, ob wir eine so<lb/>
grosse Menge überhaupt bekommen werden. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> wird jetzt<lb/>
sein eigenes Konzept schriftlich niederlegen. Unverzüglich<lb/>
sollte eine Verwertungsgesellschaft gegründet werden, die die<lb/>
Logistik durchzuführen hätte. Handelsverträge, Übernahme der<lb/>
Ernte, Verwertung, <choice><choice><sic>Ohnverarbeitung</sic><corr>Lohnverarbeitung?</corr></choice></choice> usw. In diese Verwertungsge<lb break="no"/>sellschaft will die Handelskammer, dass unbedingt der Landesprodukten<lb break="no"/>handel aufgenommen wird. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> hat dagegen nichts einzuwenden.<lb/>
Ich bezeichnete dies als eine Frage, dass eben auch wer dabei<lb/>
sein will, der eigentlich kaum wesentlich dazu beitragen wird.<lb/>
Früher oder später wird es nämlich nur ein paar Grosshändler<lb/>
geben, die wirklich daran mitwirken können und wollen. In den<lb/>
geschäftsführenden Ausschuss der Verwertungsgesellschaft gehört<lb/>
das Finanzministerium und das Landwirtschaftsministerium durch<lb/>
Regierungskommissäre. Im Aufsichtsrat der Gesellschaft sollten<lb/>
auch die Sozialpartner vertreten sein. Diese Verwertungsgesell<lb break="no"/>schaft hätte die ganze Abwicklung, inkl. der zweckgebundenen<lb/>
Verwendung der Abgabe ohne weitere Budgetmittel zu benötigen,<lb/>
durchzuführen. Die nachverarbeitende Industrie müsste wettbe<lb break="no"/>werbsneutrale Öle bekommen. Für die Lack-, Harz- und Seifenindustrie<lb/>
sollte ein vergällter Import mit Erlaubnisschein möglich sein.<lb/>
Die eigene Ölmühle, die dann früher oder später einmal zu bauen<lb/>
wäre, müsste ein eigener Wirtschaftskörper sein, der mit der Ver<lb break="no"/>wertungsgesellschaft nur indirekt verbunden ist. Die Ölmühle<lb/>
müsste nämlich profitabel geführt werden können. Dadurch, glaubt<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs>, würde auch die Konsumgenossenschaft und die Landwirt<lb break="no"/><pb n="43-0461" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-04-27_0461.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schaft weiter an einer solchen Ölmühle interessiert sein.<lb/>
Für mich war nicht entscheidend, wer letzten Endes diese<lb/>
Ölmühle macht, für mich war die einzig wichtige Frage, wie<lb/>
weit es jetzt gelingt, einen weiteren Schritt zur Schaffung<lb/>
eines Ölmarktkonzeptes ohne Fettwirtschaftsfonds oder allzu<lb/>
starken Einfluss der Bauern zu erreichen. <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> wird ein<lb/>
schriftliches Konzept vorlegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> soll, ohne offiziell dies allerdings<lb/>
zu verlangen, bei dieser schriftlichen Fixierung mitwirken<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_04">Direktor <rs type="person" ref="#per__114482">Roos</rs> von der Firma Robust-Plastik im XIV. Bezirk hat<lb/>
gute Auftragsmöglichkeiten, doch grosse Schwierigkeiten mit dem<lb/>
Umweltschutz. Nachbarn haben sich über die Lärmentwicklung be<lb break="no"/>schwert und Ärzte entgegen der Erhebungen des Mag. Bezirksamtes<lb/>
die Lärmpegelüberschreitung bestätigt. Unter diesen Umständen ist<lb/>
die einzige Möglichkeit, so schnell als möglich auszusiedeln.<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> und Direktor <rs type="person" ref="#per__114117">Mayerhofer</rs> von der Betriebsansied<lb break="no"/>lungsgesellschaft haben ihm ein diesbezüglich grosses Grundstück<lb/>
angeboten und werden auch die Finanzierung mit ihm besprechen.<lb/>
Da die Übersiedlung erst in 1 1/2 Jahren abgeschlossen ist,<lb/>
bräuchte <rs type="person" ref="#per__114482">Roos</rs> bis dorthin eine Dreischichtengenehmigung. Die<lb/>
Firma Eumig hat durch die starke Produktion von Polaroid-Kameras<lb/>
für die Amerikaner Zulieferungen von <rs type="person" ref="#per__114482">Roos</rs> dringendst notwendig.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114482">Roos</rs> hat noch einen Betrieb in Mattighofen und einen in <choice><choice><sic>Wilton</sic><corr>Wilten?</corr></choice></choice>,<lb/>
beschäftigt diese auch <choice><choice><sic>weitesgehendst</sic><corr>weitestgehend; weitgehendst</corr></choice></choice> mit Aufträgen, die er eigent<lb break="no"/>lich früher in Wien abgewickelt hat. Wenn Wien nicht früher oder<lb/>
später den Betrieb nicht ganz verlieren will, müssen wir eine<lb/>
Lösung finden. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> hat meiner Meinung nach zu Recht vorge<lb break="no"/>schlagen, es muss jetzt auf der untersten Ebene so schnell als<lb/>
möglich die Verhandlung abgeschlossen werden, damit auf der Landes<lb break="no"/>ebene, resp. gegebenenfalls sogar dann im Ministerium, eine<lb/>
Zwischenlösung gefunden wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_05">Bei der Sektionsleitersitzung wurde erstmalig von <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> eine<lb/>
Tagesordnung mit einzelnen Punkten vorgelegt. Dies hat sich<lb/>
sehr bewährt. Zur Koordination über die Stellungnahme des Handels<lb break="no"/>ministeriums über die Sommerzeit wurde <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs>, I/7, bestimmt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> entwickelt sich immer mehr, was ich sehr begrüsse, zu<lb/>
einem Koordinator. Wichtig erscheint mir aber, dass bevor wir<lb/>
<pb n="43-0462" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-04-27_0462.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>uns über die Sommerzeit in der Regierung endgültig für oder<lb/>
gegen aussprechen, eine IFES-Umfrage, die Meinung der Bevöl<lb break="no"/>kerung ergründen müsste. Da die Sommerzeit, wenn sie eingeführt<lb/>
wird nächstes Jahr, schon jetzt im Mai endgültig beschlossen<lb/>
werden müsste, wäre eine solche Umfrage dringendst notwendig,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_06">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Erkundige Dich, ob nicht aus älteren Zeiten<lb/>
schon so etwas Ähnliches gefragt wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_07">Bei Dienstreisen wurde neuerdings festgehalten, dass wir bei<lb/>
den Inlandsdienstreisen um 14% im I. Quartal überzogen haben.<lb/>
Bei Auslandsdienstreisen hat Präsident <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> eingesehen, dass<lb/>
wir den Wunsch des Aussenamtes, Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__113625">Fichte</rs> nach Tokio<lb/>
über Dokumentation und Information zu entsenden und 40.000<lb/>
Schilling dafür aufzuwenden, nicht möglich ist. Aus seinem eigenen<lb/>
Reisebudget kann das Patentamt es nicht bezahlen, weil sie in<lb/>
Summe nur 190.000 Schilling haben. Dies ist 10% unseres gesamten<lb/>
Auslandsreisebudget. Andererseits war aus präjudiziellen Gründen<lb/>
nicht möglich, die ganze Summe zu übernehmen, weshalb wir dem<lb/>
Aussenamt vorschlagen werden, einen Teil zu übernehmen, wenn ent<lb break="no"/>weder das Aussenamt oder INPADOC, da es sich hier um Dokumen<lb break="no"/>tation und Information der WIPO handelt, übernimmt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_08"><rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> berichtet, dass er von der Bundeshandelskammer Details über<lb/>
den Rechnungsabschluss der Aussenhandelsstellen verlangt hat. Ins<lb break="no"/>besondere wurde aber über die Aufgliederung der PKW-Kosten keine<lb/>
befriedigende detaillierte Auskunft gegeben. Wir stellten fest,<lb/>
dass, um nicht nachher neuerdings Rückfragen durch den Bundes<lb break="no"/>kanzler erfolgen, weitestgehende Detailauskünfte gegeben werden<lb/>
sollen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Versuche die Unterlagen so schnell als<lb/>
möglich abzuschliessen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_10">Das Institut für Wirtschaftsvergleiche, <rs type="person" ref="#per__113836">Levcik</rs>, der Nachfolger von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97775">Nemschak</rs>, der jetzt endgültig in Pension gegangen ist, möchte<lb/>
eine Ost-West-Handelsstudie, die 1,276.000 Schilling kosten sollte.<lb/>
Angeblich ist das Finanzministerium, SChef <rs type="person" ref="#per__113837">Weiss</rs>, bereit, diese<lb/>
Kosten zu übernehmen. Nur unter diesen Bedingungen wird <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs><lb/>
eine entsprechende positive Begutachtung für diese Studie abgeben.<lb/>
Viel erwartet sich scheinbar <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> nicht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_11"><rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> hat von den Aussenhandelsstellen Informationen über<lb/>
Projekte in den betreffenden Land, wo der Aussenhandels<lb break="no"/>stellenleiter sitzt, verlangt. Diese Forderung vom 5. Dezember wurde<lb/>
bis jetzt nur sehr unzulänglich erfüllt. <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> möchte jetzt in<lb/>
deutlicher Art und Weise, als dies in der Vergangenheit der<lb/>
Fall war, die Aussenhandelsstellen darauf aufmerksam machen,<lb/>
dass sie Wünsche des Handelsministeriums respektieren müssen<lb/>
und vor allem aber durch entsprechende Informationen für einen<lb/>
engeren Kontakt zu sorgen haben. Dagegen habe ich nichts einzu<lb break="no"/>wenden, bin allerdings überzeugt, dass dies in der Handelskammer<lb/>
eine grosse Unruhe auslösen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_12">Über das ERP-Verfahren konnte ich berichten, dass es gelungen<lb/>
ist, die 100 Mio Schilling für die Elektrizitätswirtschaft zu<lb/>
erhalten, welche ja laut ERP-Büro-Vorschlag und Bundeskanzleramt-<lb/>
Wunsch gestrichen werden sollten. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtete, dass es in<lb/>
der Fachkommission geglückt ist, den Zinssatz mit 8.5% plus 1/2%<lb/>
Bearbeitungsgebühr, also 9% festzulegen. 3% Verbilligung ergibt<lb/>
jetzt einen Zinssatz von 6% auf 12 Jahre, erstes Jahr tilgungs<lb break="no"/>frei. Bei der grossen ERP-Kommission ist man jetzt bei 6.5%. Wir<lb/>
sind in diesem Fall wieder einmal tüchtiger als die anderen Mi<lb break="no"/>nisterien gewesen sind. Diese Politik hat sich auch bei der BÜRGES<lb/>
sehr bewährt. Für die Ersatzaktion können wir heuer 633 Mio mobi<lb break="no"/>lisieren, 100 Mio jetzt noch aus dem ERP-Fremdenverkehrssektor,<lb/>
ergibt insgesamt 733.5 Mio Schilling<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte so schnell als möglich die Anträge<lb/>
erledigen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_14">Im Betriebsanlagenverfahren hat sich durch die Entscheidung des<lb/>
Verfassungsgerichtshofes eine wesentliche Änderung ergeben. In<lb/>
Steinbruch-Angelegenheit Fröstl hat der Verwaltungsgerichtshof<lb/>
einen Bescheid des Handelsministeriums neuerdings aufgehoben. Er<lb/>
steht auf dem Standpunkt, das Handelsministerium hätte den<lb/>
Flächenwidmungsplan nicht entsprechend berücksichtigt. Der Flächen<lb break="no"/>widmungsplan ist eine Verordnung und das Handelsministerium kann<lb/>
dagegen nichts unternehmen. Der Verfassungsgerichtshof hat nun<lb/>
aber festgestellt, dass zwar der Flächenwidmungsplan existiert,<lb/>
auch zu berücksichtigen ist, darüber hinaus aber doch ein Stein<lb break="no"/>bruch nur dort betrieben werden kann, wo eben die entsprechende<lb/>
geologische Voraussetzung gegeben ist. Dies hebt teilweise wieder<lb/>
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für unser Betriebsanlagegenehmigungsverfahren auf. Es war schon<lb/>
immer so, dass es zwischen den beiden höchsten Gerichtshöfen<lb/>
verschiedene Auffassungen gegeben hat. In diesem Fall kommt es<lb/>
dem Handelsministerium zugute.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_15">Bezüglich der Lücke in der Kreditfinanzierung, welche in der<lb/>
Regierungsklausur nicht geschlossen wurde, 3,750.000 Höchst<lb break="no"/>grenze Gewerbestrukturgesetz und 5 Mio Schilling Industriekredit<lb break="no"/>untergrenze, kam es zu keinerlei Lösungsmöglichkeit. Natürlich<lb/>
könnten wir als Sonderfälle alle bis 5 Mio hinaufmachen, so wie<lb/>
wir auch über die 3% Zinsstützung hinausgehen könnten. Da dafür<lb/>
aber unvergleichlich viel beträchtlich höhere Mittel notwendig<lb/>
wären, die ich sicherlich nicht bekomme, selbst wenn der Finanz<lb break="no"/>minister solche Andeutungen machen würde, lehne ich eine Erhöhung<lb/>
der Kreditobergrenze ganz entschieden ab. Der Finanzminister<lb/>
hat übrigens ausser <choice><choice><sic>die</sic><corr>den</corr></choice></choice> 1.7 Mia Zinsstützungsaufwendungen noch<lb/>
versprochen, für die Papierindustrie eine eigene Aktion zu starten,<lb/>
die 4% Zinsenzuschuss haben wird. Niemand kennt bis jetzt die<lb/>
Details.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_17">Für Klein- und Mittelbetriebe soll jetzt eine Innovationspolitik<lb/>
gestartet werden. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs>, <rs type="person" ref="#per__98028">Vak</rs>, Zentralsparkasse,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97453">Fremuth</rs>, Girozentrale, zu einer Aussprache gebeten. Die Handelskammer<lb/>
wird im September einen grossen Mittelstandskongress in Salzburg<lb/>
veranstalten. 6 Arbeitskreise sollen gebildet werden. Für mich<lb/>
ist es gar keine Frage, dass die ÖVP ihre nächsten Wahlen unter<lb/>
dem Begriff "Mittelstand" schlagen wird. Mein Gegenargument bis<lb/>
jetzt "wer ist der Unterstand, wer ist der Oberstand – das ist<lb/>
Klassenkampf" wird uns dabei sehr wenig helfen. Ich glaube, dass<lb/>
wir uns wirklich wesentlich mehr auf diese Frage einstellen müssen.<lb/>
Der Freie Wirtschaftsverband müsste hier eine Gegenaktion in Form<lb/>
"die Regierung unterstützte und unterstützt die Klein- und Mittel<lb break="no"/>betriebe, dies ist die wahre Mittelstandspolitik", ohne den Namen<lb/>
Mittelstand zu verwenden, starten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_18">Die Handelskammer hat jetzt zugestimmt, dass die Befragungs<lb break="no"/>aktion der OECD über die multinationalen Unternehmungen von ihr<lb/>
unterstützt wird. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs> hat <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> eine diesbezüglich Zusage<lb/>
gemacht. Ob er sich allerdings bei <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> diesbezüg<lb break="no"/>lich durchsetzt, würde ich von vorneherein nicht annehmen. <rs type="person" ref="#per__97474">Gleissner</rs><lb/>
hätte vorgeschlagen, dass diese Aktivität nur über die Handelskammer<lb/>
erfolgen dürfte. Dies wurde von <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> ganz entschieden abgelehnt.<lb/>
Die Handelskammer ist nun bereit, einen Katalog mit Fragen zwischen<lb/>
Arbeiterkammer und Handelskammer zu besprechen und 30 Unterneh<lb break="no"/>mungen, eben die Multinationalen zu befragen. Das Material wird<lb/>
auch der Arbeiterkammer zur Verfügung gestellt. Ich bin sehr ge<lb break="no"/>spannt, wie dies dann in der Praxis aussehen wird. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat<lb/>
sich bis jetzt immer ganz entschieden gegen eine solche Umfrage<lb/>
und noch vielmehr gegen die Einschaltung der Arbeiterkammer aus<lb break="no"/>gesprochen.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_19">Die Energie-Enquete in der Zentralsparkasse, von der Sozialistischen<lb/>
Partei organisiert, brachte in der Diskussion dasselbe Ergebnis<lb/>
wie alle diese Veranstaltungen. Junge Genossen haben einmal mehr<lb/>
sich gegen die Kernkraft ausgesprochen. Prof. <rs type="person" ref="#per__111713">Häfele</rs> hat zuerst<lb/>
eine Einleitung gemacht, wo er mit der Stoppuhr seinen bekannten<lb/>
Vortrag, mit Ziffern reichlich bestückt, abgespült hat, ohne<lb/>
eigentlich neue Erkenntnisse zu bringen. Prof. <rs type="person" ref="#per__114487">Simon</rs>, Soziologe<lb/>
von der Universität Wien, hat dann eine Strukturänderung des<lb/>
Bildungswesen verlangt. Die Technik ändert sich, die Berufsstruktur<lb/>
ändert sich, das Bildungswesen muss sich auch ändern. Seiner Meinung<lb/>
nach ist die beste Lösung eine antizyklische, da flexible Bildungs<lb break="no"/>politik. Jetzt wenn Wirtschaftskrise droht, wenn Arbeitslose kommen,<lb/>
müsste man eine stärker Schulung vornehmen. Dies richtet sich<lb/>
insbesondere gegen die Jugendarbeitslosigkeit, die sonst kommen<lb/>
würde. Die österr. Arbeitsmarktverwaltung hat mit Hilfe des Arbeits<lb break="no"/>marktförderungsgesetzes eine ähnliche Politik ja betrieben, indem<lb/>
sie die VOEST Alpine-Arbeiter über den Rundfunk schulte, anstelle<lb/>
sie arbeitslos werden zu lassen. Bis dahin ging ich mit <rs type="person" ref="#per__114487">Simon's</rs><lb/>
Ideen noch mit. Anderer Meinung bin ich allerdings, wenn er meinte,<lb/>
Bildung müsste wieder Selbstzweck werden. Demgegenüber musste er<lb/>
selbst zugeben, dass die Akademiker aber, wenn sie ihre Bildung<lb/>
abgeschlossen haben, dann auch entsprechende Einkommens-, d.h.<lb/>
Anstellung verlangen. <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> hat über die Entkoppelung Wirtschafts<lb break="no"/><pb n="43-0466" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band43/43_1978-04-27_0466.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wachstum und Energie gesprochen und meinte zurecht, dies<lb/>
könnte nur mit kleinen Schritten geschehen und jede Mass<lb break="no"/>nahme, die, von wem immer sie vorgeschlagen wird, wird dann<lb/>
von den Massenmedien lächerlich gemacht. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> hat einmal<lb/>
mehr die Notwendigkeit des Energiezuwachses und damit des<lb/>
Wirtschaftswachstums betont. Natürlich haben dann die jungen<lb/>
Leute sich ganz besonders gegen <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> gewandt. Dieser hat in<lb/>
seiner sehr sarkastischen, offensiven Art geantwortet, alle<lb/>
Kernkraftwerksgegner als Vertreter der Ölscheichs und Sozial<lb break="no"/>romantiker, die kein Wachstum wollen und brauchen, hingestellt.<lb/>
Ich kann mir sehr gut vorstellen, welchen Eindruck solche Aussagen<lb/>
auf die jungen Leute macht. Erstens sind sie als Linke sowieso<lb/>
für die Revolution und sicherlich gegen die hohen Einkommen,<lb/>
insbesondere des höchsten Einkommens des Generaldirektor der<lb/>
Nationalbank. Zweitens sind sie der Meinung, dass letzten Endes<lb/>
das ganze System nur dazu dient, die kapitalistische Ordnung<lb/>
aufrecht zu erhalten. In den Augen dieser jungen Leute sind wir<lb/>
alle Kapitalisten und haben sicherlich die Arbeiterklasse ver<lb break="no"/>raten. <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> könnte mit seinen Argumenten, die er auch vertreten<lb/>
hat, als er noch ein schlecht bezahlter Sekretär des Gewerk<lb break="no"/>schaftsbundes war, wahrscheinlich besser ankommen, wäre er nicht<lb/>
in der jetzigen Position des Generaldirektors der Nationalbank.<lb/>
Es nützt ihm dabei sehr wenig, darauf immer hinzuweisen, dass er<lb/>
in einer Doppelfunktion auch als Gewerkschaftsfunktionär spricht.<lb/>
Dies nehmen ihm die Jungen sicherlich nicht ab.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_20">Die Besichtigung in Seibersdorf war für mich sehr interessant.<lb/>
Der Reaktor, den man mir gar nicht zeigen wollte, war für mich<lb/>
sehr beeindruckend. Insgesamt hat Seibersdorf allein 650 Mio<lb/>
Schilling investiert. Dazu kommen noch grosse Anlagen der Industrie,<lb/>
u.a. versucht die Bauindustrie jetzt einen Spannbetonbehälter<lb/>
zu entwickeln, der den Stahlreaktor ersetzen soll. Das Budget<lb/>
in Seibersdorf beträgt vom Bund 280 Mio, dazu kommen dann noch<lb/>
Leistungen anderer Stellen, sodass insgesamt 350 Mio Schilling<lb/>
zur Verfügung stehen, wofür 150 Mio für das Personal aufgewendet<lb/>
werden müssen. 521 1/2 Beschäftigte, dazu noch 25 von der Industrie,<lb/>
35 von der Atomenergieorganisation, die ebenfalls dort entsprechende<lb/>
Gebäude hat und sich vergrössert, sowie 85 Diplomaten und 100<lb/>
Ferialpraktikanten im Sommer ergeben schon einen ganz schönen<lb/>
Betrieb. Prof. <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs> hat dies, glaube ich, aber alles gut in der<lb/>
Hand. Für mich war dies alles sehr beeindruckend, ich glaube<lb/>
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biologisch-medizinischen Teil besichtigte. Mich interessierte<lb/>
ausschliesslich der Reaktor und die Reaktorsicherheit. <rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs> be<lb break="no"/>schwerte sich zurecht, dass viele Ergebnisse ihrer Forschung<lb/>
in Österreich nicht weiter verarbeitet werden, sondern, was z.B.<lb/>
die Elektronik betrifft, alles nach Philips Eindhoven oder<lb/>
Siemens Deutschland abgegeben wird. Er meinte, hier könnten<lb/>
österreichische Unternehmer, wenn sie sich auf dieses Gebiet ver<lb break="no"/>legen würden, grosse Erfolge in der Zukunft haben. Ich fürchte,<lb/>
dass dafür nicht das notwendige Geld vorhanden ist. Ich<lb/>
kann mir allerdings sehr gut vorstellen, dass die ÖIAG sich<lb/>
hier stärker einschaltet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band43_1978-04-27_21">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Sprich bitte darüber mit <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, ÖIAG.<lb/>
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