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            <title type="main">Samstag, der 22. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band42_1978-04-22</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-22_01">Samstag, 22. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-22_02">Der Landesparteitag der Wiener Organisation, früher sprach man<lb/>
immer von Landeskonferenzen, stand eigentlich ganz im Zeichen<lb/>
der Angriffe auf ÖVP und insbesondere FPÖ. Sowohl <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bei<lb/>
seiner Begrüssung als auch <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> bei seiner Begrüssung und auch<lb/>
im Referat sowie der Landesparteisekretär <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> in seinem<lb/>
Jahresbericht haben sich alle nur mit, wenn man so sagen kann,<lb/>
Gegnern beschäftigt. Unwillkürlich musste ich an unsere Gesamt<lb break="no"/>vorstandssitzung denken, wo von Genossen kritisiert wurde, dass<lb/>
wir uns viel zu viel mit den Gegnern beschäftigen, viel zu wenig<lb/>
unsere Leistungen herausstreichen und auch keine innerparteiliche<lb/>
Kritik führen. Dies war ganz besonders natürlich auf den Landespartei<lb break="no"/>tag festzustellen. Die Sozialistische Jugend und die Junge Generation<lb/>
hatte einige Resolutionen eingebracht, die sich hauptsächlich aber<lb/>
mit aussenpolitischen Fragen beschäftigten. Da viele von ihnen<lb/>
wirklich unausgegoren waren, dies soll keine Kritik, sondern nur<lb/>
eine Feststellung sein, hat die Antragsprüfungskommission gar keine<lb/>
andere Möglichkeit gehabt, als sie den Vorstand zur Behandlung zuzu<lb break="no"/>weisen. Damit waren natürlich die Vertreter der Jugend nicht einver<lb break="no"/>standen und sie meldetet sich ständig zu Wort um zu begründen,<lb/>
warum man die Resolution oder den Antrag sofort abstimmen sollte.<lb/>
Fast würde ich sagen, sind sie selbstverständlich mit diesen Wünschen<lb/>
nicht durchgekommen. Die Absicht der jungen Leute, der Partei eine<lb/>
gewisse andere Richtung zu geben, halte ich für sehr löblich. Daran<lb/>
hat sich nichts geändert, auch nicht zu der Zeit, wo ich noch in der<lb/>
Sozialistischen Jugend oder bei den Studenten tätig war. Durch<lb/>
reinen Zufall habe ich eine Publikation der SPÖ Wien, wo die<lb/>
Programm und Daten und Fakten seit 1945 aufgezeichnet sind, durch<lb break="no"/>geblättert und dabei entdeckt, dass auch ich 1945/46 im Wiener Vor<lb break="no"/>stand als Jugendlicher kooptiert und bei der ersten Jahreskonferenz<lb/>
für die SJ berichtet habe. Obwohl ich als Rechter galt und sicherlich<lb/>
auch einer war, habe ich damals auch Kritik geübt oder zumindestens<lb/>
andere Vorstellungen gehabt, wie man eine Partei führt und aufbauen<lb/>
soll, als die alten Genossen. Ich erinnere mich noch genau, dass der<lb/>
damalige Obmann <rs type="person" ref="#per__113128">Speiser</rs> von mir sehr skeptisch betrachtet wurde.<lb/>
Vor dem Sturz des <rs type="person" ref="#per__114126">Hitler</rs>-Regimes hatte ich über Vermittlung unseres<lb/>
ehemaligen Schutzbundkommandanten <rs type="person" ref="#per__114470">Dworak</rs>, mit dem ich in der illegalen<lb/>
Zeit immer zusammengearbeitet habe, er war gleichzeitig auch mein<lb/>
Hauptschullehrer, <rs type="person" ref="#per__113128">Speiser</rs> im Spital kennengelernt. Damals sind viele<lb/>
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prononcierte Nazi und Leiter des Krankenhauses, <rs type="person" ref="#per__113129">Schönbauer</rs>,<lb/>
hat dies wissentlich getan und gedeckt. <rs type="person" ref="#per__114470">Dworak</rs> hat mich damals<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113128">Speiser</rs> vorgestellt und dieser meinte, das ist sehr gut, so gute<lb/>
ausgebildete junge Genossen zu haben, denn in der Verwaltung<lb/>
wird man sie alle dringend brauchen. Ich war damals so enttäuscht,<lb/>
weil ich angenommen habe, wir würden versuchen, grosse Revolution<lb/>
zu machen. Statt dessen hat <rs type="person" ref="#per__113128">Speiser</rs> schon die Posten verteilt.<lb/>
Rückblickend muss ich allerdings jetzt zugeben, dass die richtige<lb/>
Politik in der Mitte lag. Zwischen der revolutionären Idee und<lb/>
Begeisterung der Jungen und der Erfahrung und zu lösender Ver<lb break="no"/>waltungsaufgaben der Alten. Mein Credo, wer in der Jugend nicht<lb/>
links war, war nicht jung – und wer im Alter noch links ist, hat<lb/>
nichts dazugelernt, gilt glaube ich noch immer. Da ich scheinbar<lb/>
in der Parteiöffentlichkeit mit dieser meiner Stellungnahme, die<lb/>
natürlich eine gewisse Konzilianz beinhaltet, bekannt bin, bekomme<lb/>
ich bei den Wahlen verhältnismäßig immer wenig Streichungen. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
sieht darin eine gewisse Popularität, ich persönlich glaube aber,<lb/>
da es sich ja immer nur selbst bei den grössten umstrittenen<lb/>
höchstens um ein paar Dutzend Stimmen handelt, darin gar kein besonde<lb break="no"/>res Anzeichen. Wenn ich irgendwo in einem Bezirk einmal eine härtere<lb/>
Diskussion leite, z.B. über die Frage der Atomenergienutzung, bin<lb/>
ich überzeugt, könnte man durch entsprechende Propaganda sofort<lb/>
ein paar Dutzend Streichungen bekommen. Meine Einstellung dazu<lb/>
ist deshalb kurz und bündig, wer nichts macht, wer nicht viel<lb/>
bekannt ist, bekommt daher auch kaum irgendwelche Streichungen.<lb/>
Der Landesparteitag zeigte wieder eine verhältnismäßig sehr große<lb/>
Geschlossenheit, dass dies bei einem bevorstehendem Wahlkampf<lb/>
für die Sozialistische Partei selbstverständlich ist und sein soll,<lb/>
wurde wieder einmal mehr bestätigt. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> ist Gott sei Dank unbe<lb break="no"/>stritten und ich hoffe, bin aber auch überzeugt, dass er auch die<lb/>
Wähler, nicht nur innerhalb unserer Parteimitglieder, sondern auch,<lb/>
was ja in einer Demokratie so ungeheuer wichtig ist, auf andere<lb/>
eine entsprechende Anziehungskraft hat. Auch bei <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> kann ich<lb/>
allerdings feststellen, dass der Einfluss <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> sehr gross ist.<lb/>
Davon kann aber nur er und auch letzten Endes die Wiener Partei ent<lb break="no"/>sprechend profitieren. Alle Referate und Äusserungen zeigten klar<lb/>
und deutlich, dass in Wien niemals Kontra-Regierung – wie dies leider<lb/>
in manchen Bundesländern von Teilen der Sozialistischen Parteien<lb/>
dort gemacht wird, polemisiert, sondern höchstens einmal mehr unter<lb break="no"/>strichen wurde, Wien und die Bundesregierung. Ich bin sehr gespannt,<lb/>
wie sich diese Politik bei den Oktoberwahlen auswirken wird.<lb/>
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            <head>TB Dr. Wais betr. Wr. SPÖ-Konferenz 1978, 24.4.1978</head>
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