<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19780417.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19780415.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19780421.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Montag, der 17. April 1978 bis Donnerstag, der 20. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band42_1978-04-17</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date from="1978-04-17" to="1978-04-20">Montag, 17. April 1978 bis Donnerstag, 20. April 1978</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2017-05-10">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="42-0417" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0417.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_01">Montag, 17. April 978<lb/>
bis Donnerstag, 20. April 1978<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_02">Beim Jour fixe beschwerte sich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, dass angeblich im<lb/>
Handelsministerium man erklärt, die Handelskammer soll für die<lb/>
13 eingeladenen Chinesen alles bezahlen. Ich verlangte sofort den<lb/>
Namen, wer einen solchen Unsinn erklärt. Auf Wunsch der chinesi<lb break="no"/>schen Botschaft haben wir eine chinesische Delegation eingeladen,<lb/>
niemals war selbstverständlich von 13 die Rede, vor allem aber<lb/>
nicht, dass wir alle die Aufenthaltskosten übernommen werden. Ich<lb/>
weiss auch nicht, ob die Chinesen tatsächlich erwarten, dass für<lb/>
alle 13 wir aufkommen müssen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> möchte am liebsten nur<lb/>
soviele Kosten übernehmen, wie auch die Chinesen seinerzeit bereit<lb/>
waren, von ihm und österr. Delegationen die Kosten zu übernehmen.<lb/>
Ich bin nicht ganz sicher, ob dieses System möglich ist, doch erklärte<lb/>
ich, die Frage zu prüfen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte stelle sofort fest, wer mit den Chinesen<lb/>
verhandelt hat und welches Ausmass wir übernehmen müssen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_04">Bezüglich des Ölsaatenprojektes erklärte <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, die chemische Industrie<lb/>
bräuchte unbedingt vergällte Importe, die abgabefrei sein müssten.<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs>, von <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> angeblich aufgestachelt, sieht in der Abgabe<lb/>
eine neue Steuer. Sollte die ÖVP eine solche Politik mit dem<lb/>
Ölprojekt versuchen zu betreiben, dann bin ich überzeugt, kommt es<lb/>
überhaupt nicht zustande. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> möchte eine Aussprache zwischen<lb/>
ihm, <rs type="person" ref="#per__97936">Seefranz</rs> und mir.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte bei ihm mit seinem Sekretariat einen<lb/>
Termin vereinbaren.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_06">Bezüglich des Europa-Patentübereinkommens kommt die Handelskammer<lb/>
jetzt durch die Patentanwaltskammer unter schweren Beschuss. Dutzende<lb/>
Unternehmungen haben sich an die Handelskammer gewendet, um gegen einen<lb/>
Beitritt zu protestieren. Auch ich habe diese Briefe bekommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> erklärt, sie werden deshalb eine Umfrage machen, obwohl sich<lb/>
an der prinzipiellen Zustimmung der Handelskammer nichts ändern wird.<lb/>
Davon bin ich persönlich aber gar nicht so überzeugt. Ich erklärte<lb/>
deshalb dezidiert, nach der letzten grossen Aussprache im April<lb/>
werde ich einen Ministerratsvortrag fertig machen, es besteht dann<lb/>
<pb n="42-0418" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0418.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nach wie vor die Möglichkeit, im Parlament während der Verhandlungen<lb/>
alles Für und Wider genau abzuwägen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_07">Neuerdings stellte ich den Zeitplan bezüglich der Marktordnungsgesetze<lb/>
und sonstiger Wirtschaftsgesetze zur Debatte. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>,<lb/>
die über die Landwirtschaft sehr verärgert sind, obwohl sie dies<lb/>
nicht besonders herausstreichen, aber doch andeuten, hoffen, dass es<lb/>
möglich ist, ihr System, womöglich eine unveränderte Verlängerung der<lb/>
Gesetze, im Parlament durchzusetzen. Taktisch sind sie in eine schlechte<lb/>
Position gekommen, denn bis jetzt war es dank der nachgiebigen Haltung<lb/>
der Handelskammer innerhalb der ÖVP immer zu einem einheitlichen Vor<lb break="no"/>gehen und Zeitplan gekommen. Jetzt kann ich mit Recht darauf hin<lb break="no"/>weisen, dass die anderen Gesetze von landwirtschaftlicher Seite abge<lb break="no"/>koppelt wurden. Ich weiss nicht, ob wir dadurch taktisch im Parlament<lb/>
imstande sein werden, bei den Verhandlungen ein besseres Ergebnis zu<lb/>
erzielen. Letzten Endes müssen doch alle Gesetze mit 2/3-Mehrheit<lb/>
beschlossen werden. Sicher ist aber, dass die Ausgangslage für<lb/>
die Handelskammer-Vertreter diesmal wesentlich schlechter ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_08">Die Kosten zum Internationalen Zuckerabkommen von 7 Mill. S sollte<lb/>
der Finanzminister aus dem Budget tragen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
diesbezüglich verhandelt und sogar vorgeschlagen, 1:2 und wäre<lb/>
dann auch bereit gewesen, dass der Finanzminister wenigstens die<lb/>
Hälfte von 3,5 Mill. S übernimmt. Auch dies hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit<lb/>
Recht abgelehnt. Ich habe gar keinen Grund, mich in diese Verhandlungen<lb/>
oder diesen Streit überhaupt einzumischen. Die Zuckerindustrie wurde<lb/>
seinerzeit aufmerksam gemacht, dass keinerlei Kosten diesbezüglich die<lb/>
Regierung keinerlei Kosten übernehmen kann.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte aktenmässig feststellen, wie die Erklärungen<lb/>
damals lauteten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> intervenierte auch wieder wegen Auszahlung der Bergbauförderung<lb/>
an die Unternehmungen. Dies war mir deshalb so wichtig, weil ich<lb/>
später einmal darauf hinweisen kann, obwohl ich keinerlei gesetzliche<lb/>
Regelung hatte, das Bergbauförderungsgesetz ist abgelaufen, auf<lb/>
Wunsch der Betriebe, aber auch der Handelskammer die Auszahlung<lb/>
in der Übergangszeit vornehmen musste und auch konnte. Das Finanz<lb break="no"/>ministerium hatte dem nämlich auch zugestimmt. Mir ist es jetzt<lb/>
noch unerklärlich, wie das Handelsministerium den Ablauf des Gesetzes,<lb/>
ohne dass es im Parlament wenigstens zu einer Verlängerung gekommen wäre,<lb/>
<pb n="42-0419" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0419.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>verstreichen lassen konnte. Der Wunsch von Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, bei<lb/>
dem neuen Gesetz seine Rohstoffpolitik durchsetzen zu können, hat,<lb/>
da er mich nicht zeitgerecht aufmerksam machte, zu diesem eigentlich<lb/>
auf für uns unerträglichen Zustand geführt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_11">ANMERKUNG<add>hs. Ergänzung "Hirsch"</add> FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Prüfe, wieso es damals zu keiner unveränderten<lb/>
Verlängerung gekommen ist und wie wir aus dem Dilemma herauskommen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_12">Neuerdings kam die Personalpolitik im Handelsministerium zur Sprache<lb/>
und ich konnte triumphierend mitteilen, dass die letzten Personal<lb break="no"/>entscheidung, nämlich <rs type="person" ref="#per__112950">Winterleitner</rs> mit der Abteilungsleitung zu betrauen,<lb/>
ausschliesslich auf Wunsch der ÖVP, in dem Fall ganz besonders der<lb/>
Personalvertretung, von mir durchgeführt wird, weil <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs> abgelehnt<lb/>
hat. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, der vor längerer Zeit einmal wahrscheinlich auf Drängen<lb/>
der ÖVP aus der Kärntner Strasse auch für <rs type="person" ref="#per__112950">Winterleitner</rs> eingetreten<lb/>
ist, hat dann sich bei mir, wie er neuerdings bestätigt, für <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs><lb/>
eingesetzt. Übereinstimmend stellten wir fest, dass <rs type="person" ref="#per__112948">Degischer</rs><lb/>
sicherlich der bessere Mann gewesen wäre.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_13">Die Kritik der Handelskammer an den Förderungsmassnahmen von der<lb/>
Sonntags-Klausur richtet sich darauf, dass die Klein- und Mittelbe<lb break="no"/>triebe nicht berücksichtigt werden. Ich erklärte ihnen deshalb, dass<lb/>
bereits mit der letzten Klausur unverzüglich die notwendigen Mass<lb break="no"/>nahmen für die Klein- und Mittelkredite wesentlich verbessert und<lb/>
dadurch gerade dieser Sektor sofort entsprechend unterstützt wurde.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> musste dies auch anerkennen, doch hat er zurecht gesagt, dass<lb/>
der Gewerbestrukturkreditrahmen von 2,5 Mill. auf 3,750.000 zwar<lb/>
erhöht wurde, doch für die Industrieförderung oder, wenn man so<lb/>
will, Grossgewerbeförderung, die natürlich auch bis in die Mittel<lb break="no"/>betriebe hinuntergeht, der Mindestrahmen mit 6 Mill. festgesetzt<lb/>
wurde. Die Kreditanträge zwischen 3,750.000 und 6 Mill. fallen<lb/>
also wirklich durch.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97584">JAGODA</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Was sagt das Finanzministerium zu<lb/>
dieser Lücke?<lb/>
</p>
            <pb n="42-0420" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0420.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_15">Im Journalistenfrühstück habe ich auch auf die Gewerbeförderung<lb/>
neuerdings hingewiesen, die ja bereits seit Anfang des Jahres<lb/>
wesentlich verbessert wurde. Dort ist keinem Redakteur eine Lücke<lb/>
aufgefallen und deshalb wurde ich auch in diesem Punkt überhaupt<lb/>
nicht gefragt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_16"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtete über die Novelle des Preisgesetzes, insbesondere<lb/>
auch über die vorgesehene Haftung der Geschäftsführer wegen Preis<lb break="no"/>auszeichnung resp. der Filialleiter für die Einhaltung des<lb/>
Preisgesetzes. Bis jetzt wird nämlich immer nur der Inhaber verant<lb break="no"/>wortlich gemacht, auch dann, wenn er gar nichts unmittelbar im Ge<lb break="no"/>schäft zu tun hat. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> in seiner genauen Art mit<lb/>
Information selbst bis ins kleinste Detail zu gehen, erwähnte auch,<lb/>
dass es zu einer Erhöhung der Gebühren für Preisanträge kommen sollte.<lb/>
Derzeit werden durch die Gebühren nicht einmal ein einziger Sach<lb break="no"/>verständiger, den gegebenenfalls die Preisbehörde heranziehen würde,<lb/>
gedeckt. Das jetzige System ist mir aber insoferne lieber, als die<lb/>
Behörde ja jederzeit entsprechende Gutachten verlangen kann und<lb/>
die Sachverständigen dann von den Firmen, die Anträge stellen, zu<lb/>
bezahlen sind. Auch darüber entwickelte sich interessanterweise<lb/>
keine Diskussion. Natürlich strich ich wieder die Entkoppelung<lb/>
der ganzen Gesetze heraus, welches den Vertreter der Agrarischen<lb/>
Informationszentrale Dr. <rs type="person" ref="#per__113057">Strasser</rs> veranlasste zu bemerken, auch<lb/>
andere waren über die Vorgangsweise der ÖVP, obwohl er selbst einer<lb/>
ist, überrascht. <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> berichtete über die 4.600 Preiserhebungen<lb/>
der Überwachungsorgane im vorigen Jahr. Ein Schwerpunkt war auch<lb/>
Parfümerie-Überwachung, wobei in Salzburg Firmen bei Preisüber<lb break="no"/>prüfungen sich "freiwillig" schriftlich bereiterklärten, die Preise<lb/>
wieder zurückzuführen, um scheinbar Strafanzeigen zu entgehen. Diese<lb/>
Methode wurde bereits von der Handelskammer vor längerer Zeit bei<lb/>
mir kritisiert und ich habe, glaube ich, zurecht darauf verwiesen, dass<lb/>
dafür die Salzburger Preisorgane, die dem Landeshauptmann unterstehen,<lb/>
verantwortlich sind und mit diesem die Verhandlungen geführt werden.<lb/>
Richtig ist allerdings, dass in Salzburg eigene Preisüberprüfungs<lb break="no"/>organe eingesetzt sind und nicht die Gendarmerie dafür herangezogen<lb/>
werden muss. Tatsache auch, dass <rs type="person" ref="#per__111706">Müller</rs> feststellen konnte, in<lb/>
1.500 Fällen wurden die Preise zurückgeführt.<lb/>
</p>
            <pb n="42-0421" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0421.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_17">Der Staatsebesuch in Norwegen mit dem Bundespräsidenten war insoferne<lb/>
für mich eine Überraschung, als wir tatsächlich im königlichen<lb/>
Schloss mitten in Oslo, wo der König auch tatsächlich residiert<lb/>
und wohnt, mit der ganzen Delegation untergebracht wurden. Im Stadt<lb break="no"/>zentrum machten die Soldaten regelrechtes Spalier, sodass ich das<lb/>
Gefühl hatte, die ganze Garde und auch sonstige viele Einheiten<lb/>
waren angetreten. Natürlich waren die Leute an diesem militärischen<lb/>
Spektakel auch interessiert, ausserdem waren die Strassen ja abge<lb break="no"/>sperrt, weshalb auch viele Zuschauer waren. Würde dies in einem anderen<lb/>
Staat sein, müsste man annehmen, dass es sich aus Sicherheitsgründen<lb/>
um solche Massnahmen handelt oder die Bevölkerung sozusagen hindi<lb break="no"/>rigiert wurde. Im weiteren Verlauf des Staatsbesuches konnte ich<lb/>
aber feststellen, dass der König wirklich dort sehr beliebt ist.<lb/>
Selbst die Arbeiterpartei, wenn ich den Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs><lb/>
als ehemaligen Sozialistischen Jugendvertreter aus Bergen, der jetzt<lb/>
noch sehr jung ist, als einen linken Repräsentanten betrachte, ist<lb/>
mit der monarchistischen Staatsform gerade unter dem jetzigen König<lb/>
sehr einverstanden. Der König gilt als verhältnismässig arm, er<lb/>
ist sicher der ärmste Monarch in Europa, sehr volksverbunden<lb/>
und hat durch sein Verhalten während der Kriegszeit und vor allem<lb/>
aber jetzt durch Verheiratung mit einer Bürgerlichen gezeigt,<lb/>
dass er den Zug der Zeit versteht. Ob er persönlich wirklich auf<lb/>
den Klimbim – Frack und Orden bei jeder Gelegenheit – so drängt<lb/>
oder ob es nicht eher seine Hofschranzen waren, kann ich natürlich nicht<lb/>
feststellen. Dass die gesamte österr. Delegation wieder unter dem<lb/>
Frackzwang gelitten hat, hat sie mir versichert, obwohl ich nicht<lb/>
ganz überzeugt bin, ob nicht manch einer sehr wohl sich gerne dem<lb/>
schaulustigen Volk bei jeder Gelegenheit wie z.B. im Theater sehr<lb/>
gerne in voller Grösse, geschmückt wie ein Pfau zeigt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_18">Die Aussprache mit Staatsminister <rs type="person" ref="#per__113378">Nordlii</rs> und <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> war sehr<lb/>
allgemein gehalten, das man eine tour d'horizon nennt. Das Pro<lb break="no"/>tokoll hatte zwar eine Tagesordnung festgelegt, doch beide hielten<lb/>
sich nicht daran. Dies war insoferne gut, als der eine Punkt: österr.<lb/>
Erfahrungen im Zusammenhang mit der Lage im Nahen Osten, wenn er noch<lb/>
zur Sprache gekommen wäre, die Frage der Entsendung von UNO-Truppen<lb/>
nach Libanon eingeschlossen hätte. Die mitreisenden österr. Presse<lb break="no"/>vertreter, der ORF, hätte dann von <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> eine Antwort er<lb break="no"/>wartet. Man hatte nämlich der Presse einen Tagesordnungsentwurf<lb/>
<pb n="42-0422" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0422.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch gegeben, selbstverständlich stürzten sie sich auf diesen Punkt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> konnte mit Recht darauf antworten, es war nur<lb/>
eine Stunde Aussprache vorgesehen und man ist zu dieser Frage<lb/>
nicht mehr gekommen. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> hätte sicher, dazu war er lange<lb/>
genug im Aussenministerium und selbst auch lange genug Aussenminister,<lb/>
dieses heikle Thema genauso umschifft, wie er dies auch bei anderen<lb/>
Punkten stets macht. Die Hauptschwierigkeit liegt ja immer darin,<lb/>
dass er mit seiner verhältnismässig geringen Kompetenz ja eigentlich<lb/>
keine Verhandlungsmöglichkeit hat. Andeutungsweise stellt er dies<lb/>
auch immer wieder bei Pressegesprächen richtig, ohne aber den<lb/>
Eindruck, der auch sehr schlecht wäre, zu verstärken, dass er eigentlich<lb/>
in vielem gar nichts zu reden hat, sondern dafür ausschliesslich die<lb/>
Minister, in der Praxis aber meistens der Bundeskanzler dafür verant<lb break="no"/>wortlich ist. <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> ist deshalb auch immer sehr einverstanden<lb/>
und froh, dass die ihn begleitenden Minister dann die Gespräche auf<lb/>
ihrem Gebiete führen. Dies ist, glaube ich, auch mit ein Grund, warum<lb/>
er mich immer ausser seiner freundschaftlichen Zuneigung zu den<lb/>
Staatsbesuchen mitnimmt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_19">Die bilateralen Gespräche, die ich sozusagen mit dem ehemaligen<lb/>
Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__97636">Kleppe</rs>, der jetzt Finanzminister ist, dann<lb/>
mit dem neuen Erdöl- und Energieminister <rs type="person" ref="#per__113382">Gjerde</rs>, der vorher Unterrichts<lb break="no"/>minister und Industrieminister gewesen ist, sowie mit dem jetzigen<lb/>
Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs> führte, brachten natürlich auch keine<lb/>
sensationellen Ergebnisse. Da wir nach Norwegen im vergangenen Jahr<lb/>
2,3 Mia S exportierten und nur für 1 Mia importierten, hätten die<lb/>
Norwegen von uns entsprechende Massnahmen verlangen können. <rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs><lb/>
selbst hat dies auch angedeutet, aber überhaupt nicht weiter ver<lb break="no"/>folgt. Im Rahmen der EFTA gewähren wir uns volle Handlungsfreiheit<lb/>
und ich konnte darauf verweisen, dass es ausschliesslich auf der<lb/>
norwegischen Seite liegt, mehr Waren nach Österreich zu exportieren.<lb/>
Norwegen selbst hat eine noch bessere Beschäftigungslage wie wir, muss<lb/>
aber 5 % des Budgets, eine beträchtliche Summe, aufwenden, um die<lb/>
Beschäftigungslage z.B. insbesondere in der Schiffsbauindustrie<lb/>
aufrechtzuerhalten. 50.000 <choice><choice><sic>Arbeiten</sic><corr>Arbeiter</corr></choice></choice>, das sind 10 %, sind in dieser<lb/>
Industrie beschäftigt und könnten ohne die Subvention nicht mehr<lb/>
existieren. Beim Ölminister konnte ich feststellen, dass entgegen<lb/>
der Auffassung mancher konservativer Kreise die Investitionen dort<lb/>
5 Mia Kronen bis jetzt insgesamt sich auf längere Zeit gesehen<lb/>
<pb n="42-0423" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0423.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>amortisieren werden. Jetzt allerdings sind nicht 25 Mill. t<lb/>
wie geplant gefördert worden, sondern nur die Hälfte. Die Bohrpolitik,<lb/>
insbesondere die Errichtung der Bohrtürme, ist meiner Meinung nach<lb/>
aber nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, weil damit die<lb/>
Schiffsbauindustrie, die diese neue Ausrüstungstechnik erzeugt,<lb/>
eben eine gewisse Beschäftigung auch dadurch gesichert erhält.<lb/>
Die norwegische Seite denkt nicht daran, ein Kernkraftwerk zu errichten,<lb/>
obwohl sie auch im nächsten Jahr eine allgemeine grundsätzliche<lb/>
Diskussion nach einem Bericht des Ministeriums wird abführen müssen.<lb/>
Derzeit erzeugt Norwegen 80 Mia kWh, in Österreich sind es, obwohl<lb/>
wir fast doppelt so viele Leute haben, nur 35 Mia. Die Wasserkraft<lb/>
gibt aber noch immer grosse Ausbaumöglichkeiten, weil 140 Mia ihre<lb/>
vorhandene Kapazität ist.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_20"><rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs> interessiert sich sehr für den Bericht, den ich von <rs type="person" ref="#per__114457">Duchateau</rs>,<lb/>
dem EG-Kommissär, vorige Woche erhielt. <rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs> ist allerdings genauso<lb/>
skeptisch wie ich, dass tatsächlich eine grundsätzliche Änderung<lb/>
der Wirtschaftspolitik der EG erfolgen wird. Norwegen hätte es, so<lb/>
wie wir, dringendst notwendig. Die volle Beschäftigung wurde, wie man<lb/>
dort allgemein aussagte, deshalb vom Staat so sehr subventioniert,<lb/>
weil man hoffte, die Brücke, die man über den Abgrund der Rezession<lb/>
bauen will, müsste nicht ständig länger werden, der Abgrund wird immer<lb/>
tiefer und das andere Ufer immer weiter.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_21">Der wirklich einzige bedeutende Punkt, den sowohl Aussenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
mit seinem Amtskollegen als auch ich mit diesem und auch mit anderen<lb/>
norwegischen Ministern besprach, war das Arrangement der EFTA mit<lb/>
Spanien. Dort sollte es noch während des Vorsitzes Österreichs, also<lb/>
im ersten Halbjahr zu einer Einigung kommen. Dies war der Fahrplan und<lb/>
die Spanier rechneten fest damit. Jetzt haben die Norwegen aber bei<lb/>
den Verhandlungen verlangt, es müsste für ihre Fischprodukte in<lb/>
Spanien eine entsprechende Absatzmöglichkeit eröffnet werden. Die<lb/>
Spanier wieder sind der Meinung, sie könnten hier keine grosse<lb/>
Konzessionen machen, Spanien wird durch die Ausdehnung aller Staaten<lb/>
mit der 200 Meilen-Zone in seiner Fischaktivität sehr behindert.<lb/>
Die Quote, die sie in Norwegen erhalten haben, ist viel zu gering<lb/>
und müsste erhöht werden. Gleichzeitig aber jetzt noch die norwegischen<lb/>
Fischexporte nach Spanien zu lassen, würde dazu führen, dass die<lb/>
baskischen Fischer, die sowieso ein politisches grosses Problem für<lb/>
die Regierung darstellen, sofort rebellieren würden. Auf unser ständiges<lb/>
<pb n="42-0424" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0424.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Drängen und durch die Interventionen haben wir zumindestens er<lb break="no"/>reicht, dass die Norweger jetzt neuerdings wegen dieser Frage noch<lb/>
einen Ministerrat im Laufe der nächsten Woche haben werden und bei der<lb/>
nächsten Verhandlungsrunde vielleicht doch zu einer Einigung kommen.<lb/>
Der zweite offene und strittige Punkt, dass nämlich die Spanier,<lb/>
weil sie früher oder später grössere Wälder anpflanzen wollen und dann<lb/>
Holzbestände haben, die sie in Zellulose und Papier verarbeiten<lb/>
möchten, deshalb jetzt schon gewisse Schutzbestimmungen verlangen,<lb/>
wird, glaube ich, zwar auch ein kritischer, aber leichter zu lösender<lb/>
Punkt sein. Dies wirkt sich wirklich erst in long run aus und<lb/>
da sagt <rs type="person" ref="#per__114461">Keynes</rs> mit Recht, sind wir alle tot.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_22"><rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs> war sehr daran interessiert, ob es nicht doch vielleicht gelingen<lb/>
könnte, die Schweiz dazu zu bringen, ausser der reinen und buchstaben<lb break="no"/>mässigen Erfüllung des EFTA-Vertrages zu einer stärkeren Integration<lb/>
zu gelangen. <rs type="person" ref="#per__113376">Bakke</rs> setzt noch immer grosse Hoffnungen auf die<lb/>
Besprechungen in Wien bezüglich der Intensivierung der Integrations<lb break="no"/>bestrebungen sowohl im Rahmen der EFTA als auch gegenüber der EG,<lb/>
wie sie <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> damals proklamiert hat. Ich versprach ihm, dieses<lb/>
Problem mit dem neuen Bundesrat <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs> zu besprechen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_23">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte bei der Juli-Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__111708">Honegger</rs><lb/>
daran erinnern.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_24">In Norwegen stellt man auch immer wieder fest, dass die Änderung von<lb/>
Ministerien oder neue wirtschaftspolitische Massnahmen nur sehr schwer<lb/>
der Bevölkerung verständlich gemacht werden können. Mit Recht hat der<lb/>
Ölminister <rs type="person" ref="#per__113382">Gjerde</rs> darauf verwiesen, dass sein Ministerium, allerdings<lb/>
die gesamte Energie umfassend, eine grössere Bedeutung hat als<lb/>
das Fischereiministerium und das Landwirtschaftsministerium. Wenn<lb/>
man Holz dazurechnet, ist es noch immer nicht annähernd so gross,<lb/>
wie eben sein neugeschaffenes Ministerium Kompetenzen und Bedeutung<lb/>
hat. Trotzdem ist es scheinbar sehr umstritten. Die Norweger haben<lb/>
einen verhältnismässig hohen Lebensstandard und erwarteten sich durch<lb/>
den Nordsee-Ölreichtum eine besondere reiche Zeit vielleicht ähnlich<lb/>
manchen arabischen Emiraten. Tatsächlich steigen die Preise stärker<lb/>
als die Löhne und es gibt daher gerade jetzt einen grossen Konflikt<lb/>
zwischen Unternehmern und Gewerkschaft und die Regierung wird sich<lb/>
einschalten müssen. Der äussere Eindruck von der Bevölkerung aber ist,<lb/>
da viele mit Rücksäcken gehen, u.a. auch Schüler, Fischer sind unterwegs.<lb/>
</p>
            <pb n="42-0425" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0425.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_25">Die Gebäude, die wir in Oslo besuchten, sind sehr beeindruckend,<lb/>
grosszügig gebaut, die Gastfreundschaft, insbesondere wenn man<lb/>
es an dem Essen misst, sehr gross. So wie viele unter der<lb/>
Kleidungsvorschrift klagen, klagen noch viel mehr unter der<lb/>
Last des vielen Essens. Da gibt es nur die einzige Möglichkeit,<lb/>
auch hier entsprechend abzulehnen, was allerdings nur sehr wenige<lb/>
tun. Der Handelsverkehr zwischen Norwegen und Österreich ist für<lb/>
Österreich deshalb von so grosser Bedeutung nicht nur wegen des<lb/>
Überschusses, sondern weil wir auch in Norwegen eine ungeheure<lb/>
breite Palette von Konsumgütern anbieten und verkaufen können.<lb/>
Mittel- und Kleinbetriebe haben dort noch immer gute Chancen, Konsum<lb break="no"/>güter zu verkaufen. Interessanterweise gibt es dort auch noch<lb/>
nicht den harten Konkurrenzkampf von Diskontern, Verkaufsketten<lb/>
usw. Alles läuft in dieser Beziehung eigentlich noch in den<lb/>
bisherigen Bahnen. In der Handelsdelegation, die ich selbst<lb break="no"/>verständlich so wie überall besuchte, konnte ich feststellen,<lb/>
dass verhältnismässig viele Norwegerinnen dort beschäftigt sind.<lb/>
Am meisten überrascht war ich aber, als ich erfuhr, dass in Norwegen<lb/>
nicht wie bei uns eigentlich ganz wenige Staatsbesuche nur durch<lb break="no"/>geführt werden, einer im Jahr, höchstens zwei. Der österreichische<lb/>
Staatsbesuch wir sicherlich ein voller Erfolg.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_26">Bei meiner Ankunft in Schwechat erzählte mir <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs>, dass im Parlament<lb/>
die Tagesordnung sehr schnell abgewickelt wird und deshalb die<lb/>
Sitzung unterbrochen wird, weil die Dringliche Anfrage nicht vor<lb/>
1/2 3 Uhr beginnen kann. Ich eilte daher sofort mit <rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> ins<lb/>
Parlament zurück und kam aber auf die Minute zurecht, als der<lb/>
Tagesordnungspunkt "Internationales Textilabkommen" zur Ver<lb break="no"/>handlung stand. Trotz der verhältnismässig schwachen Tages<lb break="no"/>ordnung hatte sich kein Redner zu Wort gemeldet. Dies kann aller<lb break="no"/>dings auch darauf zurückzuführen sein, weil man annahm, dass ich<lb/>
vielleicht noch nicht im Parlament sein werde. Da ich den<lb/>
Abgeordneten versprochen habe, die Kontingentaufteilung des<lb/>
Multifaserabkommens zu übersenden, war ich besorgt, als der<lb/>
Beamte vom Handelsministerium mir sagte, die Briefe liegen auf<lb/>
meinem Schreibtisch. Geschickterweise hat aber Fr. <rs type="person" ref="#per__98072">Wiesinger</rs><lb/>
diese ohne meine Unterschrift mit Kärtchen an alle Abgeordneten<lb/>
weitergeleitet. Vielleicht war auch dies der Grund, dass sich<lb/>
niemand zu Wort gemeldet hat.<lb/>
</p>
            <pb n="42-0426" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0426.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_27"><rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> hat den Wirtschafts- und Planungsminister <rs type="person" ref="#per__113386">Demel</rs><lb/>
aus Sri Lanka eingeladen. Für das grosse Mahaweli-Ganga-Projekt<lb/>
wurde ein Vorvertrag zwischen ihm und Waagner-Biro/Elin/VÖEST<lb/>
usw. abgeschlossen. Die Österr. Kontrollbank soll bereit sein,<lb/>
35 Mill. $ dafür zur Verfügung zu stellen. Wir haben <rs type="person" ref="#per__113386">Demel</rs><lb/>
angeboten, einen Vertrag über handwerklich produzierte Waren<lb/>
abzuschliessen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_28">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Erkundige Dich über Details dieses<lb/>
Mahaweli-Projekts.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_29">Der österr. Botschafter in Indonesien, <rs type="person" ref="#per__111004">Schmid</rs>, möchte unbedingt,<lb/>
dass ich nach Jakarta komme. Ich erklärte sofort, dies würde<lb/>
ich nur dann tun, wenn die VÖEST, die sich über Austroplan an<lb/>
einem grossen Zellstoffprojekt beteiligt, eine feasibility study<lb/>
wird jetzt ausgearbeitet, mich dazu ausdrücklich auffordert und<lb/>
es zur Auftragserteilung wesentlich beiträgt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_30">Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> mit als Aufsichtsratsvorsitzender-Stellv.<lb/>
der DoKW mit, dass der Vertrags des Dir. <rs type="person" ref="#per__114462">Fenz</rs>, wenn er bis<lb/>
30.6. nicht gekündigt wird, automatisch sich um zwei Jahre ver<lb break="no"/>längert. <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs> wird nächste Woche noch einmal eine diesbezüg<lb break="no"/>liche Aussprache mit mir haben.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_31">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> : Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> Vorgangsweise genau<lb/>
abstimmen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_32">Auch die Kremser Vizebürgermeister <rs type="person" ref="#per__113387">Preiß</rs>, Stadtrat <rs type="person" ref="#per__113388">Riederer</rs><lb/>
und NR <rs type="person" ref="#per__113389">Kriz</rs> interessieren sich, die Ölmühle zu ihrem Hafen nach<lb/>
Krems zu bekommen. Ich erklärte ihnen die jetzige Situation und<lb/>
verwies sie darauf, dass das Landwirtschaftsministerium jetzt<lb/>
eine Standortuntersuchung einleitete.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_33">Beim Empfang, den <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> für den Minister aus Sri Lanka<lb/>
im Imperial-Hotel gab, waren viele Leute vom Auswärtigen Dienst<lb/>
vertreten. Interessanterweise hat aber sowohl Aussenminister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>,<lb/>
auch ehemaliger Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97991">Steiner</rs> mich eindringlich davor ge<lb break="no"/>warnt, mich mit <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> enger einzulassen. <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> geniesst<lb/>
scheinbar dort einen denkbar schlechten Ruf.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_34">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Versuche zu klären, wieso er bei den Beamten<lb/>
so gut ankommt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-17_35"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="42_0416_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0416-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 17.4.1978</head>
         </div>
         <pb n="42_0416_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0416-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
         <pb n="42_0416_03" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-17_1978-04-20_0416-03.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 20.4.1978</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97636">
               <persName type="label">Kleppe, Per</persName>
               <persName><surname>Kleppe</surname><forename>Per</forename></persName>
               <occupation>norweg. Minister, EFTA-Gen.Sekr.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108328">
               <persName type="label">Pahr, Willibald</persName>
               <persName><surname>Pahr</surname><forename>Willibald</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__110998">
               <persName type="label">Eisenberg, Shoul N.</persName>
               <persName><surname>Eisenberg</surname><forename>Shoul N.</forename></persName>
               <occupation>Vermittler von Geschäften, öst. Generalkonsul in Seoul,
                  Südkorea</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97819">
               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97632">
               <persName type="label">Kirchschläger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Kirchschläger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Außenminister, Bundespräsident</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118723189</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__114462">
               <persName type="label">Fenz, Robert</persName>
               <persName><surname>Fenz</surname><forename>Robert</forename></persName>
               <occupation>Dir. DoKW</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97991">
               <persName type="label">Steiner, Ludwig</persName>
               <persName><surname>Steiner</surname><forename>Ludwig</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__113382">
               <persName type="label">Gjerde, Bjartmar</persName>
               <persName><surname>Gjerde</surname><forename>Bjartmar</forename></persName>
               <occupation>Erdöl-/Energieminister Norwegen</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113387">
               <persName type="label">Preiß, Kurt</persName>
               <persName><surname>Preiß</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>Vizebgm. Krems</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97311">
               <persName type="label">Androsch, Hannes</persName>
               <persName><surname>Androsch</surname><forename>Hannes</forename></persName>
               <occupation>Finanzminister</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118503049</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__97561">
               <persName type="label">Hofmann, Fritz</persName>
               <persName><surname>Hofmann</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Wr. Planungsstadtrat, stv. AR-Präs. DoKW, Obmann BO
                  Floridsdorf</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111004">
               <persName type="label">Schmid, Erich Maximilian</persName>
               <persName><surname>Schmid</surname><forename>Erich Maximilian</forename></persName>
               <occupation>öst. Botschafter in Sri Lanka</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111706">
               <persName type="label">Müller, Gustav</persName>
               <persName><surname>Müller</surname><forename>Gustav</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, Fraktion soz. Beamter im HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97584">
               <persName type="label">Jagoda, Karl</persName>
               <persName><surname>Jagoda</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Leiter Sekt. III HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98040">
               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
               <persName><surname>Wais</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1017902909</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__114457">
               <persName type="label">Duchateau, Pierre</persName>
               <persName><surname>Duchateau</surname><forename>Pierre</forename></persName>
               <occupation>Dir. Beziehungen EG-Kommission</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111708">
               <persName type="label">Honegger, Fritz</persName>
               <persName><surname>Honegger</surname><forename>Fritz</forename></persName>
               <occupation>Schweizer BR</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98072">
               <persName type="label">Wiesinger, Anna</persName>
               <persName><surname>Wiesinger</surname><forename>Anna</forename></persName>
               <occupation>Büro des Bundesministers (Sekretärin)</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__111410">
               <persName type="label">König, Friedrich</persName>
               <persName><surname>König</surname><forename>Friedrich</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg., Personalchef Unilever</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97769">
               <persName type="label">Mussil, Arthur</persName>
               <persName><surname>Mussil</surname><forename>Arthur</forename></persName>
               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97879">
               <persName type="label">Rösch, Otto</persName>
               <persName><surname>Rösch</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>Innenminister bis 1977, danach Verteidigungsminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113388">
               <persName type="label">Riederer, Walter</persName>
               <persName><surname>Riederer</surname><forename>Walter</forename></persName>
               <occupation>Stadtrat Krems</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113057">
               <persName type="label">Strasser, Rudolf (ÖVP)</persName>
               <persName><surname>Strasser</surname><forename>Rudolf (ÖVP)</forename></persName>
               <occupation>Dir. ÖVP-Bauernbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112950">
               <persName type="label">Winterleitner, Josef</persName>
               <persName><surname>Winterleitner</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112948">
               <persName type="label">Degischer, Klaus</persName>
               <persName><surname>Degischer</surname><forename>Klaus</forename></persName>
               <occupation>Sekt.R HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97333">
               <persName type="label">Bandhauer, Herbert</persName>
               <persName><surname>Bandhauer</surname><forename>Herbert</forename></persName>
               <occupation>GD Verbund</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97936">
               <persName type="label">Seefranz, Eberhard</persName>
               <persName><surname>Seefranz</surname><forename>Eberhard</forename></persName>
               <occupation>Unilever</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__107937">
               <persName type="label">Frank, Wilhelm</persName>
               <persName><surname>Frank</surname><forename>Wilhelm</forename></persName>
               <occupation>Chef Energiesektion</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113389">
               <persName type="label">Kriz, Georg</persName>
               <persName><surname>Kriz</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113378">
               <persName type="label">Nordli, Odvar</persName>
               <persName><surname>Nordli</surname><forename>Odvar</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__114461">
               <persName type="label">Keynes, John Maynard</persName>
               <persName><surname>Keynes</surname><forename>John Maynard</forename></persName>
               <occupation>Ökonom</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__109811">
               <persName type="label">Burian, Ferdinand</persName>
               <persName><surname>Burian</surname><forename>Ferdinand</forename></persName>
               <occupation>MR, Büro des Bundesministers</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113376">
               <persName type="label">Bakke, Hallvard</persName>
               <persName><surname>Bakke</surname><forename>Hallvard</forename></persName>
               <occupation>Handelsminister Norwegen</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113386">
               <persName type="label">Demel, Ronald</persName>
               <persName><surname>Demel</surname><forename>Ronald</forename></persName>
               <occupation>Wirtschafts-/Planungsminister Sri Lanka</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97668">
               <persName type="label">Kreisky, Bruno</persName>
               <persName><surname>Kreisky</surname><forename>Bruno</forename></persName>
               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/118566512</idno>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>