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            <title type="main">Donnerstag, der 13. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_01">Donnerstag, 13. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_02">In der Fraktion des Unterausschusses über Kernenergie berichtete<lb/>
Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> über die Vorsorge und den Katastrophenschutz<lb break="no"/>plan für Radiumverseuchung in Wien. In der Planung der Stadt Wien<lb/>
gibt es keinerlei Unterschied, ob die Verseuchung durch Bomben<lb break="no"/>abwurf, oder Sturz eines atombetriebenen Satelliten, oder eventuell<lb/>
durch das Kernkraftwerk Tullnerfeld oder eines in der CSSR verur<lb break="no"/>sacht wird. Die Alarmpläne und der Katastrophenplan wurden auch<lb/>
stets im Einvernehmen resp. Abstimmung mit Militär erstellt und<lb/>
durchgeführt. Auch bei dieser Materie konnte ich einmal mehr<lb/>
wieder bestätigt bekommen, wie die föderalistische Regelung auch<lb/>
für den Katastropheneinsatz eine sehr komplizierte Kompetenzver<lb break="no"/>teilung ergibt. Schon in der Frage des akustischen Warnsystems<lb/>
müsste eine über länderweise Regelung erfolgen. <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> hat recht,<lb/>
wenn er sagt, die Sirenen nehmen nicht auf die Landesgrenze Rück<lb break="no"/>sicht . Wenn also Wien und NÖ nicht abgestimmt dieselben Sirenen<lb/>
vereinbaren, dann könnte die Bevölkerung an der Landesgrenze durch<lb/>
vollkommen falsche Interpretation der Sirenen nur verwirrt werden.<lb/>
Da wir diesmal im Ausschuss noch nicht die Absicht hatten und lt.<lb/>
Plan auch gar nicht die Alarm- und Katastrophenschutzfrage zur<lb/>
Debatte stand, mussten wir dieses Problem auch nicht endgültig<lb/>
fraktionell abschliessen. <rs type="person" ref="#per__97913">Schieder</rs> hat nur mitgeteilt, dass Bürger<lb break="no"/>meister <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> als Landeshauptmann erwartet, dass er wegen der Dele<lb break="no"/>gierung in den Ausschuss gefragt wird. Ihm selbst muss es über<lb break="no"/>lassen bleiben, wen er in diesen Ausschuss zur Auskunftserteilung<lb/>
schicken wird. Da es sich um ein hearing und nicht um einen Unter<lb break="no"/>suchungsausschuss handelt, kann das Parlament eben nicht selbst<lb/>
bestimmen, wer geladen wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_03">Im Ausschuss selbst hat dann diesem Verlangen, welches <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> vorher<lb/>
schon <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> mitteilte, auch die ÖVP sofort zugestimmt. Die Experten<lb break="no"/>befragung für den Transport, Wiederaufbereitung und Lagerung wurde<lb/>
dann wieder stundenlang fortgesetzt. Erstmalig bemerkte ich aber<lb/>
bei der ÖVP, insbesondere Dr. <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs>, eine deutliche<lb/>
Unruhe, weil auch ihrer Meinung nach jetzt die Expertenauskünfte zu<lb/>
umfangreich waren, zu langwierig und natürlich ihnen nicht das Mate-<lb/>
rial lieferten, welche sie gerne wollten. <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> hat ein einziges<lb/>
Ziel, zu beweisen, dass die Regierung nicht alle Vorkehrungen getrof<lb break="no"/>fen hat, die im Zusammenhang mit dem Betrieb des Kernkraftwerkes<lb/>
notwendig wären. Am Beispiel des Transportes der Brennelemente<lb/>
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er beweisen, dass es eben notwendig sei, nicht auf Grund unserer<lb/>
föderalistischen Regelung und der bestehenden Transportgesetze<lb/>
diese Frage zu lösen. Der Transport wurde ja durchgeführt, sondern,<lb/>
dass eben die Regierung hätte müssen schon längst ein zentralisti<lb break="no"/>sches Bundesgesetz über den Transport von Kernkraftwerken-Brenn<lb break="no"/>elementen sich verschaffen. Mein Einwand, dass es dann mit den<lb/>
Länderkompetenzen grosse Schwierigkeiten gegeben hätte – die<lb/>
Landeshauptleute wollen bekanntlicherweise nur Kompetenzen be<lb break="no"/>kommen – keineswegs aber welche abgeben, widerspreche <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs>,<lb/>
indem er erklärte, das hätte man eben versuchen müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte stelle sofort fest, ob nicht sowieso vom<lb/>
Verkehrsministerium solche zentralistischen Versuchslösungen mit den<lb/>
Ländern besprochen wurden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_05">Die für mich interessanteste Auseinandersetzung bei diesen hearing<lb/>
ergab sich aber nur die Frage, ob und wann der Ausschuss die Wiederauf<lb break="no"/>bereitungsanlage in La Hague besuchen sollte. Die Elektrizitätswirt<lb break="no"/>schaft hatte, ohne vorher mit mir Kontakt zu nehmen, für einen April<lb break="no"/>tag eingeladen, die Ausschussmitglieder stellten sofort überein<lb break="no"/>stimmend fest, dass es unmöglich diesen Termin zu fixieren. Wenn ich<lb/>
mir vorstelle, wie lange es dauert, bis endlich ein gemeinsamer<lb/>
Termin für eine weitere Ausschußsitzung in Wien gefunden wird, so ist<lb/>
es wirklich unmöglich, über Nacht ohne vorherige Koordinierung zu<lb/>
sagen, an dem oder den Tag soll der Ausschuss nach La Hague fahren.<lb/>
Da aber auch die Ausschussmitglieder gerne reisen, waren im Prinzip –<lb/>
so hatte ich zumindestens den Eindruck – alle einverstanden, dass<lb/>
diese Reise erfolgen sollte. Ich wurde beauftragt, mit der Elektri-<lb/>
zitätswirtschaft, die selbstverständlich diese Reise bezahlt hätte,<lb/>
die Verhandlungen aufzunehmen. Abg. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hat dann aber vollkommen<lb/>
richtig bemerkt, dass es nicht zweckmässig erscheint, wenn die Elek<lb break="no"/>trizitätswirtschaft den Unterausschuss sozusagen einladet und die<lb/>
Reise bezahlt. Da bei den Atomgegner sofort der Eindruck der Be<lb break="no"/>stechung, ohne dass er das Wort sagte, entstehen würde, schlug er<lb/>
vor, die Klubs sollten die Kosten übernehmen. Dr. <rs type="person" ref="#per__111410">König</rs> für die<lb/>
ÖVP lehnte ganz entschieden ab, dass sein Klub damit belastet wer<lb break="no"/>den sollte und meinte, im Justizunterausschuss wurde seinerzeit<lb/>
vorgeschlagen – und dann auch vom Präsidium des Parlamentes tatsäch<lb break="no"/>lich beschlossen – dass das Parlament die Reisekosten wegen der<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> musste aber feststellen, dass ein solcher Wunsch<lb/>
<choice><choice><sic>von seitens</sic><corr>von Seiten; seitens</corr></choice></choice> der Parlamentsdirektion bis jetzt ganz entschieden<lb/>
abgelehnt wird. Die FPÖ, Dr. <rs type="person" ref="#per__113835">Scrinzi</rs>, wieder erklärte, auch für<lb/>
sie käme eine Bezahlung durch den Klub auf gar keinen Fall in<lb/>
Frage, er lehnte aber persönlich überhaupt ab, dass Steuer<lb break="no"/>gelder dafür herangezogen werden. Wenn die Elektrizitätswirtschaft<lb/>
ein Bedürfnis hat, den Ausschuss wegen besserer Information La Hague<lb/>
zu zeigen, dann ist es Angelegenheit der E-Wirtschaft auch die Bezah<lb break="no"/>lung vorzunehmen. Für ihn persönlich ist ein solcher Besuch über<lb break="no"/>haupt nicht notwendig, denn die Informationen, die er über die<lb/>
Wiederaufbereitung besitzt, genügen vollkommen. Das ganze Thema<lb/>
wurde letzten Endes vertagt, ich bin überzeugt, dass es zu dieser<lb/>
Reise nicht kommen wird, denn wenn man sich die Frage genauer über<lb break="no"/>legt, ist die geringste Sorge für uns, wie in Frankreich die Wieder<lb break="no"/>aufbereitung funktioniert. Auch bei der Expertenbefragung stellte<lb/>
sich dann heraus, dass sicherlich die Wiederaufbereitung die grössten<lb/>
Risken im ganzen Kernkraftwerkzyklus darstellt. Da diese aber wirk<lb break="no"/>lich am weitesten von Österreich entfernt ist, ist die dortige<lb/>
Gefahrenquelle für uns am uninteressantesten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_06">Nicht zuletzt wahrscheinlich durch die Langatmigkeit der Experten<lb break="no"/>anworten, insbesondere aber durch den durch überhaupt nichts<lb/>
zu überwindenden Gegensatz zwischen Atomgegnern und den Atombe<lb break="no"/>fürwortern ermüdeten alle Ausschussmitglieder schön langsam und<lb/>
der Vorsitzende konnte seinen Plan verwirklichen, bei dieser Sitzung –<lb/>
immerhin schon der sechsten – die Expertengespräche abzuschliessen.<lb/>
Innerhalb der ÖVP muss es irgendeine Wandlung gegeben haben, die<lb/>
ich noch nicht im Detail erfasst habe. Zweifelsohne wollte vorerst<lb/>
die ÖVP die ganze Frage immer recht weit hinausschieben. Meine<lb/>
Absicht war, womöglich noch im April im Parlament die ganze Materie<lb/>
zu behandeln. Jetzt stellt sich heraus, dass nicht nur der April,<lb/>
sondern auch der Mai vorübergehen wird, ohne dass im Plenum die<lb/>
Entschliessung, zu der sich jetzt, glaube ich, alle schon bekennen,<lb/>
behandelt wird. Die grosse Auseinandersetzung wird aber sicherlich<lb/>
erst beginnen, wenn wir über den Inhalt resp. die Formulierung<lb/>
dieser Entschliessung des Ausschusses diskutieren werden. Trotzdem<lb/>
erklärte mir <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> als Vorsitzender und doch damit auch Ver<lb break="no"/>antwortlicher für den Ausschuss, dass die Behandlung im Juni-Termin<lb/>
des Plenums geplant ist. <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> bestätigt mir immer wieder,<lb/>
wie sehr sie überrascht ist, dass der Vorsitzende des Handelsaus<lb break="no"/><pb n="42-0401" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-13_0401.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>schusses <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> so kooperativ arbeitet und dass hier wirk<lb break="no"/>lich etwas weitergeht. Sie selbst hat mit dem Vorsitzenden des<lb/>
Gesundheitsausschusses, <rs type="person" ref="#per__113835">Scrinzi</rs>, der alles irrsinnig lang<lb/>
beredet und wahrscheinlich damit das meiste zerredet, wesentlich<lb/>
grössere Schwierigkeiten. Ich bin neugierig, ob unsere Taktik auf<lb break="no"/>geht, die <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> fest überzeugt ist, durchziehen zu können. Bei<lb/>
den einzelnen Sitzungen im hearing hatte der Vorsitzende letzten<lb/>
Endes immer eine Zusammenfassung gemacht. Von den Atomkraftwerk<lb break="no"/>gegner-Experten wurde diese oft bezweifelt. Abg. <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> hatte des<lb break="no"/>halb allen Ernstes verlangt, der Ausschuss sollte sich die Tonbän<lb break="no"/>der neuerdings anhören. Dies wurde abgelehnt und <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs> empfohlen,<lb/>
wenn immer er will, sich die Tonbänder selbst anzuhören. Dieser<lb/>
stellte richtig dann, dass die Protokolle stimmen, obwohl sie nur<lb/>
Kurzfassungen sind, die Zusammenfassung aber des Vorsitzenden<lb/>
nicht ganz den Aussagen der Experten entsprach. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs> hatte<lb/>
eine sehr gute und auch richtige Erklärung dafür. Er war zeitweise<lb/>
vom Ausschuss abwesend, weshalb ich versuchte eine Zusammenfassung.<lb/>
Damals aber hat <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> sofort dagegen protestiert und meinte,<lb/>
das sei Aufgabe des Vorsitzenden. Mit Recht sagt <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs>, des<lb break="no"/>halb sei <rs type="person" ref="#per__111723">Wiesinger</rs> schuld, was <rs type="person" ref="#per__97572">Hubinek</rs> wieder zur Bemerkung ver<lb break="no"/>anlasste, dann hätte der Vorsitzende halt nicht hinausgehen dürfen.<lb/>
Humorvoll konnte ich nur erwidern, wenn er aber muss. Die ganze<lb/>
Diskussion bekommt manchmal einen humoristischen Zug. Schön langsam<lb/>
glaube ich, festigt sich bei allen die Überzeugung, dass wir seit<lb/>
den 60er Jahren bereits in eine Art Zugzwang gekommen sind. Die<lb/>
Kernkraft ist nicht aufzuhalten, die Einwände sind zwar oft sehr<lb/>
gravierend, doch können sie widerlegt werden. In meinen Augen handelt<lb/>
es sich um eine ähnliche Entwicklung, wie seinerzeit bei der Ein<lb break="no"/>führung der Eisenbahn. Allerdings auf einem riskanterem Gebiet<lb/>
und durch die Massenmedien bedingt im Verhältnis zu damals auch<lb/>
von einer grösseren Intensität.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_07">Die Firma Siemens mit ihrem Kabelwerk hat mit den Ungarn eine<lb/>
grosse Kooperation für Kabelproduktion abgeschlossen. <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs><lb/>
legt den grössten Wert darauf, dass ich bei einem Essen mit der<lb/>
ungarischen Delegation anwesend sei, um, wie er dann bei der Tisch<lb break="no"/>rede dies ausdrückte, das Abkommen abzusegnen. Wieder einmal<lb/>
konnte ich feststellen, wie gerade bei der ungarischen Seite die<lb/>
Gipfelgespräche <rs type="person" ref="#per__114115">Kadar</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, in Ungarn spricht man nur mehr<lb/>
von der k.u.k.-Monarchiesituation, bis zum letzten Betrieb hin<lb/>
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unwillkürlich indirekt zugegeben, dass <rs type="person" ref="#per__98102">Wolfsberger</rs> zur richtigen<lb/>
Zeit, eben nämlich nach dem <rs type="person" ref="#per__114115">Kadar</rs>-Besuch in Österreich, in Ungarn<lb/>
war, um die dortigen Gespräche zu führen und dann auch tatsächlich<lb/>
abzuschliessen. Ein formeller Kooperationsbeschluss ist nämlich<lb/>
schon 5 Jahre alt. Wäre sozusagen in Ungarn die Weisung von oben<lb/>
nicht gekommen, wäre es wirklich nur bei einem formellen Kontakt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_08">In der Lebensmittelarbeitergewerkschaft diskutierten wir neuer<lb break="no"/>dings das Ölmühlenprojekt. Die Fettarbeiter haben grosse Sorge,<lb/>
dass den Forderungen der Landwirtschaft zu sehr nachgegeben wird<lb/>
und vielleicht sogar dadurch ihre Arbeitsplätze gefährdet werden.<lb/>
Die interessanteste Aussage machte aber der Betriebsrat der Kon<lb break="no"/>sumgenossenschaft <rs type="person" ref="#per__114449">Nowotny</rs>. Im Aufsichtsrat der KGW wurde dieses<lb/>
Projekt ebenfalls kurz diskutiert. Die Arbeitnehmervertreter<lb/>
erinnerten daran, dass der Konsum noch immer unter dem Experiment<lb/>
Holzimporte aus der UdSSR, Schnittholzerzeugung in österreichischen<lb/>
Sägen und dann Verkauf durch die Firma Kuhnert leidet. Die dortigen<lb/>
Millionenverluste müssen erst jahrelang und mühsam abgetragen werden.<lb/>
Die Arbeitnehmer warnen deshalb, vielleicht jetzt bei der Ölmühle<lb/>
wieder eine so grosse Fehlinvestition oder Fehlspekulation zu<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Versuche ohne Quellenbezeichnung zu erfahren,<lb/>
wie die Geschäftsleitung der KGW über diese Stellungnahme denkt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_10">Im Handelsausschuss wurde auf Wunsch der ÖVP das Forschungsab<lb break="no"/>kommen wegen Energiesparen der Internationalen Energieagentur im<lb/>
Rahmen der OECD abgelehnt sofort zu beschliessen, sondern einem<lb/>
Unterausschuss zugewiesen. Bei dieser Gelegenheit hat die ÖVP<lb/>
einmal mehr zu erkennen gegeben, dass sie alle diese Fragen in<lb/>
einem Unterausschuss behandeln möchte, obwohl gerade für dieses<lb/>
Gesetz, selbst wie <rs type="person" ref="#per__111721">Stix</rs>, der FPÖ-Vertreter erklärte, gar keine Not<lb break="no"/>wendigkeit dazu existiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_11">Ein weiterer Tagesordnungspunkt, nämlich das Europaformabkommen<lb/>
bei Patentanmeldungen wurde auf Wunsch der ÖVP neuerdings zu<lb break="no"/>rückgestellt, da dieses im Zusammenhang mit der Ratifizierung des<lb/>
Europapatentes verhandelt werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_12">Als einziger Gesetzentwurf, der letzten Endes dann einstimmig<lb/>
angenommen wurde, war das Multifaserabkommen. Diese Methode des<lb/>
Handelsausschusses stört mich an und für sich nicht, weil ich<lb/>
damit hoffe, dass wir doch, so wie bisher immer, zu einstimmigen<lb/>
Beschlüssen kommen können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_13">Im Jour-fixe AK, ÖGB bestätigte sich für mich wieder einmal, wie<lb/>
schwierig es ist, in einer Kompetenz eines anderen Ministers zu<lb/>
einer ausreichenden Information, und wie noch schwieriger es ist,<lb/>
zu einer einvernehmlichen Auffassung zu gelangen. Die KWG, Frage<lb/>
der Einbeziehung der Kreditvermittler, ist für mich das typische<lb/>
Beispiel dafür. Auch die jetzt getroffene Lösung, die die Zustimmung<lb/>
der Konsumentenvertreter findet, ist nach Meinung von SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs><lb/>
rechtlich problematisch.<lb/>
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Du siehst, dies ist unmöglich.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_15">Zu den Wirtschaftsgesetzen wurde festgehalten, dass die Initiativ<lb break="no"/>anträge des SPÖ Klubs die Zustimmung aller findet. Ich selbst<lb/>
werde sehr zurückhaltend agieren, weil ich noch immer in der Vor<lb break="no"/>gangsweise der Landwirtschaft einen Bruch der Vereinbarung zwischen<lb/>
Handelskammer und mir sehe. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> berichtete über die Energie<lb break="no"/>krisensicherung, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> über die Preisgesetznovelle, über die Roh<lb break="no"/>stofflenkungsgesetznovelle, die die wichtigsten Punkte der Rohstoff<lb break="no"/>sicherung beinhalten soll, wird <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> mit <rs type="person" ref="#per__113622">Wiesmüller</rs>, <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> unter<lb/>
Mitwirkung von <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> eine entsprechende Novellenentwurf<lb/>
als Initiativantrag vorbereiten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_16">Im ERP-Jahresprogramm 78/79 versucht das Bundeskanzleramt neuer<lb break="no"/>dings die 100 Mio Schilling für die Elektrizitätswirtschaft der<lb/>
Industrie zuzuweisen. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, so wie<lb/>
in den vergangenen Jahren, wo man dies immer wieder versuchte,<lb/>
auch heuer die 100 Mio für die Elektrizitätswirtschaft zu halten.<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> als Mitglied der ERP-Kommission verlangte, wir sollten<lb/>
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Mittelbetriebe als Kredit reserviert sind, aufgeben und diese der<lb/>
Industrie zur Verfügung zu stellen. Tatsächlich wurden diese<lb/>
100 Mio niemals ausgenützt, sondern meistens letzten Endes dann doch<lb/>
die Hälfte für Industriefinanzierung zur Verfügung gestellt. Die<lb/>
Grenze von 500.000 Schilling für Mittelkredite ist auch tatsächlich<lb/>
so gering, dass heute in der BÜRGES, wo man bis 3,750.000 Mittel<lb break="no"/>betriebe-Kredite geben kann, diese Aktion nicht besonders wirksam<lb/>
ist. Trotzdem glaube ich, könnte – oder sollte man – davon nicht<lb/>
abgehen, denn die Handelskammer und auch vor allem die ÖVP würde<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_17">Bezüglich der parlamentarischen Anfrage der ÖVP-ÖAAB-Abgeordneten<lb/>
wegen der entflammbaren Textilien, werde ich die Antwort<lb/>
dazu benützen, um darauf hinzuweisen, welche Schwierigkeiten gerade<lb/>
der Fachverband resp. die Handelskammer in dieser Frage bis jetzt<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_18">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte eine ausführliche Beantwortung vorbe<lb break="no"/>reiten.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_19">Dipl.Kfm. <rs type="person" ref="#per__112010">Blaha</rs>, aber auch die ÖGB-Vertreter wiesen darauf hin,<lb/>
dass die Anbauprämienregelung für Ölpflanzen vom Finanzministerium<lb/>
in der Begutachtung auch für sie deutlich zeigt, dass sie voreilig<lb/>
den ganzen Ölmühlenprojekt zugestimmt haben. Die Landwirtschaft,<lb/>
die ja jetzt einen Aussenhandelsschutz in extremster Form ver<lb break="no"/>langt, ist mit jeder von der Regierung vorgeschlagenen Lösung<lb/>
unzufrieden und hofft, dass sie doch noch wesentlich bessere Bedin<lb break="no"/>gungen für ihre Wünsche herausholen kann. Der ÖGB und die AK<lb/>
überlegen deshalb, ob sie nicht ihre Zusage überhaupt zurückziehen<lb/>
sollen. Dies ist glaube ich deshalb nicht notwendig, denn selbst<lb/>
Minister <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> ist der Meinung – und ich teile diesen Standpunkt –<lb/>
dass die extremen Forderungen der Landwirtschaft auf alle Fälle<lb/>
abgelehnt werden müssen. In diesem Fall aber ist anzunehmen, dass<lb/>
die landwirtschaftliche Genossenschaftsseite aus dem ganzen<lb/>
Projekt aussteigt. Die Konsumgenossenschaftsseite ist sowieso nicht<lb/>
mehr bereit, länger mitzumachen. In diesem Fall würde dann, wie<lb/>
ich eigentlich seit eh und je, als ich dieses Projekt das erste<lb/>
Mal vor etlichen Jahren dem Fettverband und damit direkt der Unilever<lb/>
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Projekt übrigbleibt. Ob und inwieweit es aber dazu kommt, traue<lb/>
ich mir heute auch noch nicht eindeutig zu beantworten. Vielleicht<lb/>
trifft zu, was AK und ÖGB glauben, dass auch Unilever nur bei<lb/>
einem sehr starken Aussenschutz bereit ist, sich an ein solches<lb/>
Projekt heranzuwagen. In der Schweiz besteht nämlich, wo Unilever<lb/>
ja ursprünglich diese 350.000 Kapazität Ölmühle bauen wollte,<lb/>
eine diesbezügliche Regelung.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_20">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte mir die Schweizer Schutzbestimmungen<lb/>
zusammenstellen lassen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_21">Die Mitgliederehrung in der 15. Sektion zeigte mir, wie sehr die<lb/>
älteren Genossinnen und Genossen nicht nur parteitreu sind, sondern<lb/>
auch wirklich von der Regierung – oder wie ich so schön immer sage –<lb/>
von den Oberen die Erfüllung ihrer Wünsche zu erwarten. Wenn ich<lb/>
bei solchen Gelegenheiten auch dann immer den Vergleich zwischen<lb/>
der ersten Republik, wo die sozialdemokratische Partei grosse<lb/>
Ideen und grosse Ideenmacher hatte, aber durch die Ungunst nicht –<lb/>
ausser in Wien – sie verwirklichen konnte und wenn ich jetzt unsere<lb/>
Situation in der zweiten Republik und gerade jetzt in der sozia<lb break="no"/>listischen Regierungszeit vergleiche, dann bin ich persönlich ein<lb break="no"/>deutig für unseren jetzigen Weg. Vielleicht befinden wir uns jetzt<lb/>
in einer Phase, wo wir weniger ideologische Kämpfe, weniger auch<lb/>
ideelle Programme, weniger auch idealistische Mitglieder haben.<lb/>
Das Ergebnis aber in meinen Augen unserer Politik hilft dafür umso mehr<lb/>
der arbeitenden Bevölkerung. Meine linken Freunde würden aber ein<lb break="no"/>mal mehr sagen, du bist doch ein richtiger Opportunist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-13_22">Fast hätte ich vergessen, dass Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs> von Philips mir<lb/>
ihren grossen Investitionsplan mitteilte. Weltweit hat Philips<lb/>
im vergangenem Jahr 2% der Arbeitskräfte freigesetzt, bei 384.000<lb/>
eine beträchtliche Anzahl. In Österreich konnten 600 mehr beschäftigt<lb/>
werden und 10.250 ist die Gesamtbeschäftigtenanzahl. <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs> ist es<lb/>
in der Zentrale gelungen, durchzusetzen, dass er in Österreich<lb/>
grosse Investitionen vornehmen wird. Im engsten Einvernehmen mit<lb/>
der Stadtverwaltung, Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs>, laufen gut geführte Verhandlungen.<lb/>
Auch hier bestätigt sich wieder einmal, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> Verbindungen,<lb/>
der neue Präsident <rs type="person" ref="#per__114410">Rodenburg</rs> hat bei einem Besuch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> getroffen,<lb/>
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stärken. Selbstverständlich habe ich <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs> angeboten, in jeder<lb/>
Beziehung, so wie dies auch beim Farbfernsehröhrenwerk in Lebring<lb/>
der Fall war, zu unterstützen. <rs type="person" ref="#per__114409">Koning</rs> unterstrich ganz besonders die<lb/>
guten Beziehungen, die zu dieser Regierung existieren. Auch hier<lb/>
würden mir die Linken eine rein opportunistische Haltung vor<lb break="no"/>werfen.</p>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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