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            <title type="main">Samstag, der  8. April 1978 bis Sonntag, der  9. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
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                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
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                  <idno type="signature">Band42_1978-04-08</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-08_01">Samstag 8. April, Sonntag 9. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-08_02">Der ägyptische Vizeministerpräsident <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> wollte unter allen<lb/>
Umständen als strengst vertraulich und nicht offiziell empfangen<lb/>
und betreut werden. Der ägyptische Botschafter hatte nur grosses<lb/>
Interesse daran, dass die Sicherheit dieses Freundes <rs type="person" ref="#per__112568">Sadats</rs> gewähr<lb break="no"/>leistet ist. Meine Bemühungen, ihm ein entsprechendes Programm<lb/>
trotzdem anzubieten, waren erfolglos. Er liess sich ausschliess<lb break="no"/>lich von den beiden Firmen Maculan und AEG betreuen. Der tiefere<lb/>
Grund wurde mir nach einem Mittagessen im Imperial, das er doch<lb/>
angenommen hat, und der anschliessenden Aussprache klar. Die<lb/>
ägyptische Seite ist nämlich bereit, mit uns in konkrete Verhand<lb break="no"/>lungen wegen Lagerung abgebrannter Brennstäbe und Atommüll einzutreten.<lb/>
Im Golf von Suez gibt es unter 500 Meter Erdschicht bis 1.500 Meter<lb/>
vollkommen trockene Salzlagerstätten. Dort fällt niemals auch nur<lb/>
ein Tropfen Regen. <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> hat über dieses Angebot, welches er mir<lb/>
übrigens in Form einer Denkschrift auch schriftlich übergab, mit<lb/>
Präs. <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> gesprochen. <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> hat ihm nicht zuletzt wegen der guten<lb/>
freundschaftlichen Beziehungen zu <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ermächtigt, mit mir in<lb/>
Verhandlungen einzutreten. Dies Ganze muss aber strengst vertrau<lb break="no"/>lich geschehen, vor allem wenn eine Lösung zustande kommen wird,<lb/>
nur unter dem Schutz und Zustimmung der Internationalen Atom<lb break="no"/>energiebehörde. SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> konnte mitteilen, dass GD <rs type="person" ref="#per__114164">Eklund</rs> an<lb/>
einer solchen Lösung selbst sehr interessiert wäre. <rs type="person" ref="#per__114164">Eklund</rs> wusste<lb/>
allerdings nicht, als er dies gegenüber <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> äusserte, dass Ägypten<lb/>
dafür in Frage käme. Da <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> am Montag nach Rumänien fährt und<lb/>
eine Woche später wieder 6 Stunden am Rückflug in Wien sich aufhält,<lb/>
hatte <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> die Idee, <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> könnte zu diesem Zeitpunkt vielleicht<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zusammenkommen. Mir erschien es wichtiger, ein solches<lb/>
Zusammentreffen sofort zu arrangieren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat auf den NÖ<lb/>
Parteirat in Gänserndorf nachmittags das Referat übernommen. Tele<lb break="no"/>fonisch einigte ich mich mit ihm, dass wir versuchen, vor dem Referat<lb/>
noch eine kurze Aussprache in Gänserndorf herbeizuführen. Durch<lb/>
eine kleine Autopanne kamen wir gerade zu den Zeitpunkt, als ich im<lb/>
Saal frenetischen Beifall hörte. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> war eingetroffen, doch<lb/>
dann letzten Endes doch auch bereit, da sowieso eine Pause eingeschoben<lb/>
wurde, mit <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> eine Besprechung zuführen. Da ich ihn wieder aus<lb/>
dem Parteitag herausholte, wurde ich zwar auch von der Vorsitzenden<lb/>
herzlichst begrüsst und wie das natürlich bei allen solchen Veran<lb break="no"/><pb n="42-0374" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-08_1978-04-09_0374.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>staltungen ist, auch entsprechen beklatscht, doch merkten die<lb/>
anwesenden Journalisten, dass hier irgend etwas im Gange sein<lb/>
muss. Die Aussprache brachte das Ergebnis, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> an <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs><lb/>
einen persönlichen Brief schreiben wird, wo er ihm dankt für das<lb/>
Entgegenkommen und versichert, dass diese für uns so wichtige<lb/>
Frage streng vertraulich, aber umso schneller in Angriff genommen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärte nämlich auch <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs>, seinem Staatssekretär<lb/>
und dem ägyptischen Botschafter, dass wir diese Lösung viel lieber<lb/>
haben als eine mit Iran. Dort erwartet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, wenn es tatsächlich<lb/>
zu einem Abschluss käme, den gesamten Widerstand der Iraner in der<lb/>
freien westlichen Welt, ja selbst in Iran gegen diese Unterstützung<lb/>
des Projektes vom Schah. Den Journalisten, die sich nach der Aus<lb break="no"/>sprache sofort auf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und auf mich stürzten, erklärten wir, es<lb/>
handelte sich um einen üblichen Anstandsbesuch, den jeder, insbe<lb break="no"/>sondere ägyptische Besucher <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> abstatten. Wäre die Autopanne<lb/>
nicht passiert, wäre überhaupt nichts bekannt geworden, denn wir<lb/>
hätten die Aussprache still und leise vor dem Eintreffen in den<lb/>
Saal arrangiert gehabt. <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> erklärte auf meine Anfrage mir gegen<lb break="no"/>über, dass er keinerlei Schwierigkeiten mit Iran erwartet, obwohl<lb/>
es sich hier eigentlich um ein Konkurrenzprojekt handelt. Die<lb/>
Ägypter rechnen aber nicht nur allein die Lagerung Österreich durch<lb break="no"/>zuführen, sondern wenn die technischen Voraussetzungen zutreffen,<lb/>
was sie erwarten und wir zu prüfen haben, gibt es auch für die<lb/>
Schweiz und Schweden eine solche Lagermöglichkeit. <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> ersuchte<lb/>
mich, so schnell als möglich das technische Team nach Kairo zu<lb/>
senden. Ich versprach ihm, wenn er es wünscht, würden wir auf<lb/>
seinem Rückflug mit derselben Maschine schon die Fachleute mit<lb break="no"/>schicken. <rs type="person" ref="#per__112982">Sultan</rs> war über dieses schnelle Angebot sehr begeistert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-08_03">Der spanische Staatssekretär für Tourismus hatte erklärt, er möchte<lb/>
unbedingt noch das Abkommen, welches seine Leute und <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> mit unse<lb break="no"/>ren Leuten soweit fertiggestellt hatte, dass <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> glaubte, es hat<lb/>
jetzt die Zustimmung der spanischen Seite, unbedingt selbst<lb/>
paraphieren. Zu diesem Zweck vereinbarten wir, dass ich am Flug<lb break="no"/>hafen zeitgerecht eintreffe, damit wir noch eventuelle Besprechungen<lb/>
und die Paraphierung vor Sonntag abends, vor dem Abflug also vornehme<lb/>
können. Ich war sehr verwundert, dass ein Staatssekretär ein Abkom<lb break="no"/>men paraphieren kann, das nicht einmal noch die spanische Regierung<lb/>
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Ausland niemals herbeilassen. Tatsächlich stellte sich dann<lb/>
heraus, obwohl er Samstag abends noch in der Oper auf die Pa<lb break="no"/>raphierung insistierte, dass er Sonntag abends dann dazu doch<lb/>
nicht mehr bereit war. Der Text steht fest, er wird in Spanien<lb/>
aber scheinbar doch noch etliche Instanzen befragen müssen und<lb/>
dann wird der spanische Botschafter in Österreich und <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> das<lb/>
Abkommen paraphieren. Zur Unterzeichnung meinte er, möchte ich<lb/>
dann unbedingt nach Madrid kommen. Ich habe ihm keine Zusagen ge<lb break="no"/>macht, sondern nur angedeutet, dass wenn es jetzt zu einem Ab<lb break="no"/>schluss der EFTA mit Spanien kommt, wir dann sicherlich in Madrid<lb/>
einmal eine Sitzung haben werden. Der österr. Botschafter in Madrid,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114156">Hinteregger</rs>, berichtete mir aber am Flughafen, dass jetzt die Ver<lb break="no"/>handlungen wegen des EFTA-Beitrittes eine neue Schwierigkeit haben,<lb/>
nämlich da die spanischen Fischer nicht mehr im Norwegen-Grenzgebiet durch<lb/>
Ausdehnung auf 200 Meilen frei fischen können, kann die spanische<lb/>
Regierung auch nicht den Norwegern eine liberale Einfuhr gewähren.<lb/>
Dies würden die Basken, die insbesondere jetzt durch ihre Autonomie<lb break="no"/>bestrebungen der spanischen Zentralregierung grosse Schwierigkeiten<lb/>
bereiten, niemals akzeptieren. Ein weiterer schwieriger Punkt ist,<lb/>
dass die Skandinavier, insbes. Schweden und auch Finnland eine<lb/>
grössere Einfuhr von Zellulose, womöglich eine frei liberale Einfuhr<lb/>
verlangen. Diese beiden Schwierigkeiten haben fast zu einem Abbruch<lb/>
der Verhandlungen geführt. Wann also Spanien jetzt wirklich beitritt,<lb/>
spanischer Seite wollte man unbedingt unter der Präsidentschaft<lb/>
Österreichs, die bis zum Juli ds.J. im ersten Halbjahr besteht, vor<lb break="no"/>nehmen, ist jetzt wieder ungewiss.<lb/>
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