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            <title type="main">Dienstag, der  4. April 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_01">Dienstag, 4. April 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_02">Die Metallarbeiter-Gewerkschaft hat eine Rohstoff- und Energieenquete<lb/>
in der Hofburg abgehalten. Dazu hat sie verschiedenste Professoren<lb/>
und hohe Beamte, aber auch Vertreter der Wirtschaft eingeladen.<lb/>
Meine Aufgabe bestand darin, in einem Referat die aktuelle<lb/>
Rohstoff- und Energiepolitik des Handelsministeriums darzulegen.<lb/>
Natürlich nützte ich die Gelegenheit, um neuerdings auf die Ver<lb break="no"/>knappung und vor allem auf die gesetzlichen Massnahmen, die not<lb break="no"/>wendig wären, hinzuweisen. Dabei kam unwillkürlich die baldige<lb/>
Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Zwentendorf von mir als<lb/>
sehr dezidierte Aussage. Insbesondere verwies ich aber auch darauf,<lb/>
dass es notwendig wäre, dem Handelsministerium gesetzliche Ermächtigun<lb break="no"/>gen zu geben, damit wenn die Rohstoffknappheit eintritt oder<lb/>
gar die Energiekrise kommt, die notwendigen Massnahmen setzen<lb/>
zu können. Dagegen wehrt sich aber die Handelskammer, und ich<lb/>
bin selbst fest davon überzeugt, dass ich genauso wenig ein<lb/>
Rohstoffsicherungsgesetz im Parlament bekommen werde, so wie<lb/>
ich seinerzeit nur Teile des notwendigen Energiesicherungsgesetzes<lb/>
im Parlament beschlossen bekam. Da diese Gesetze Verfassungsbe<lb break="no"/>stimmungen enthalten, brauche ich dazu die grosse Oppositionspartei.<lb/>
Lehnt die Handelskammer ab, habe ich keine Chance, im Parlament<lb/>
durchzukommen. Nachmittags wurde dann von den 8 Referenten eine<lb/>
Podiumsdiskussion abgehalten und gleichzeitig auch Fragen und<lb/>
Kritiken der Metallarbeiter in diese Podiumsdiskussion einbezogen.<lb/>
Da in dieser ganzen Veranstaltung weder ein Referent noch ein<lb/>
Funktionär der Metallarbeiter gegen die Kernkraft ist, war<lb/>
die Diskussion sachlich sehr interessant, aber natürlich einheit<lb break="no"/>lich ausgerichtet. Mir persönlich erschien es wichtig, einzelne<lb/>
Referenten wie z.B. den Prof. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>, die die Energiesparagentur<lb/>
führt und dort erklärt hat, für ihn ist es selbstverständlich,<lb/>
dass die Kriege in Afrika so wie in der Vergangenheit nur um<lb/>
Energie und Rohstoffe geführt werden, wenn man so sagen kann,<lb/>
öffentlich festzunageln. Da <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> ÖAAB-Mann ist, bezeichnete<lb/>
ich diese Erkenntnis als neue Überlegung der Oppositionspartei-<lb/>
Anhänger. Genau dasselbe gilt eigentlich für die Aussagen von Prof.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112995">Grümm</rs>, ebenfalls ÖAAB, bezüglich Inbetriebnahme des Kernkraft<lb break="no"/>werkes. Überhaupt haben den <choice><choice><sic>Metallerer</sic><corr>Metaller</corr></choice></choice> gut getan, als Referenten<lb/>
fast ausschliesslich Nichtsozialisten zu nehmen. Bei diesem<lb/>
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sein, Gegner zu Wort kommen zu lassen, um in einer eventuellen<lb/>
politischen Auseinandersetzung darauf verweisen zu können, dass<lb/>
es sich hier nicht um eine sozialistische Forderung handelt, son<lb break="no"/>dern eben um eine Sachfrage, die quer durch die Parteien, aber auch<lb/>
grösstenteils von der ÖVP selbst verlangt wird. Wenn aus ordnungs<lb break="no"/>politischen Gründen, wie die Handelskammer immer wieder sagt, dann<lb/>
sie trotzdem gegen eine vernünftige gesetzliche Regelung ist,<lb/>
kommt die Zwiespältigkeit der ÖVP umso deutlicher zum Vor<lb break="no"/>schein. Ich hoffe, dass die Metaller diese Enquete publizistisch<lb/>
stärker verwerten werden. Der ORF selbst hat innerhalb dieser<lb/>
zwei Tage eine breite Berichterstattung gebracht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Besprich mit Sekretär <rs type="person" ref="#per__112988">Wille</rs>, wie man politisch<lb/>
diese Enquete nützen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_04">Im Ministerrat wurde der Bericht vom Bautenministerium über die<lb/>
Zurückstellung der Veräusserung mehrerer Kasernen rückgestellt.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kann nicht glauben, dass es tatsächlich nicht möglich ist,<lb/>
die unnötigen, in den Städten liegenden Kasernen so zu verwerten,<lb/>
dass dafür modernere ausserhalb der Städte gebaut werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte eine Kopie dieses Ministerrats für<lb/>
für <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> bereitstellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_06"><rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> berichtet über die Phyrnautobahn, Prof. <rs type="person" ref="#per__114130">Dorfwirth</rs> und <rs type="person" ref="#per__114131">Schetter</rs><lb/>
hätten in seinem Auftrag den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen<lb/>
Deutschland und Österreich analysiert und unzulänglich wurde der<lb/>
österr. Verkehr auch über die Phyrnautobahn dann kombiniert. Das<lb/>
Ergebnis war, dass diese nur von 5.000 Fahrzeugen benützt wird und<lb/>
damit die Aufwände ungerechtfertigt wären. Die Zeitung spricht von<lb/>
eine sogenannten "Luxustrasse". Ich glaube, dass es sich hier wirklich<lb/>
um eine Fehleinschätzung handelt, denn auf lange Sicht muss der Grazer<lb/>
Raum mit der Obersteiermark und diese mit dem Linzer Industrieraum<lb/>
durch eine leistungsfähige Strasse verbunden werden. Die Eisenbahn<lb/>
ist für eine wirtschaftlichen Aufschwung dieses Gebietes und<lb/>
der engen Verbindung unbrauchbar. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> ist auch der Überzeugung,<lb/>
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die Steiermark dies die wichtigste Strassenverbindung werden wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_07"><rs type="person" ref="#per__98063">Weissenberg</rs> berichtet über die Arbeitslosenziffern und <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs><lb/>
über seinen Besuch in Ungarn. Dort konnte er feststellen, dass<lb/>
die ung. Regierung, insbesondere der Landwirtschaftsminister,<lb/>
brennend daran interessiert ist, dass die österr. Ölsaaten in Ungarn<lb/>
lohnverarbeitet werden, solange nicht eine eigene Ölmühle errichtet<lb/>
wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_08">Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> hat mir mitgeteilt, dass er jetzt doch mit<lb/>
Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> und <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> übereingekommen ist, dass<lb/>
nicht ein Handelsministeriums-Vertreter oder gar ich selbst nach<lb/>
Algerien fahren, um dort den Bahnbau der Algerier zu besprechen.<lb/>
Was die algerische Regierung erwartet, ist, dass womöglich ein<lb/>
österr. Minister mit entsprechenden Ermächtigungen zu ihnen kommt,<lb/>
um die Voraussetzungen für die Modernisierung und den Ausbau der<lb/>
algerischen Eisenbahn zu besprechen. Dies kann wirklich nur ein<lb/>
Fachmann und nicht ein Handelspolitiker.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Die österr. Lieferfirmen, die dar<lb break="no"/>an interessiert sind, sollen sich an Staatssekr. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> wenden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_10">Der italienische FV-Minister <rs type="person" ref="#per__114133">Pastorino</rs> ist ganz kurz im Amt und<lb/>
kam bereits nach Österreich, um das italienisch-österr. FV-Ab<lb break="no"/>kommen zu unterschreiben. Der Minister war bis jetzt Staatssekr.<lb/>
im Verteidigungsministerium, ist selbst Weinbauer in der Nähe von<lb/>
Milano, bleibt nur einen Tag und fährt dann gleich ganz kurz nach<lb/>
London weiter. Dieses Ministerium hat jetzt, da der Fremdenverkehr<lb/>
dezentralisiert von Rom auf die Regionen aufgeteilt wurde, in Wirk<lb break="no"/>lichkeit, wie mir die Südtiroler Fremdenverkehrsdelegation am<lb/>
Vortag erzählte, eigentlich sehr wenig Kompetenz, nur mehr auf dem<lb/>
spettacolo, d.h. Theater und Veranstaltungswesen etwas mitzureden.<lb/>
Die ENIT, die italienische FV-Zentrale, hat ebenfalls durch die<lb/>
Dezentralisierung grosse Schwierigkeiten. Da der italienische<lb/>
Gast nur kurz und ausserdem von uns wirklich sehr schlecht be<lb break="no"/>handelt wird, das Protokoll, Dr. <rs type="person" ref="#per__97801">Ottahal</rs>, hat ihm gerade noch als<lb/>
Gastgeschenk IMAGO AUSTRIA zuerkannt, habe ich ihm, als ich erfuhr,<lb/>
dass er ein begeisterter Jäger ist, für den Herbst neuerdings<lb/>
eingeladen. Typisch dafür war die italienische Bemerkung, wenn er<lb/>
noch im Amt ist. Wäre nicht in Italien die Entführung <rs type="person" ref="#per__114132">Moros</rs> ge<lb break="no"/><pb n="42-0350" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band42/42_1978-04-04_0350.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>wesen, so bin ich überzeugt, und dies wurde mir auch bestätigt,<lb/>
gäbe es noch immer wahrscheinlich kaum eine Regierung, die<lb/>
Koalition wäre viel schwieriger gewesen zu bilden. Da noch dieses<lb/>
Jahr der Präsident der Republik gewählt werden muss, <rs type="person" ref="#per__114132">Moro</rs> dafür<lb/>
ein Kandidat ist, wird es sehr davon abhängen, wie lange diese<lb/>
Regierung existiert, wenn die Affäre <rs type="person" ref="#per__114132">Moro</rs> nicht bald gelöst<lb/>
ist. Beim Mittagessen und auch bei der Aussprache vor der Unter<lb break="no"/>zeichnung verwies ich zwar darauf, dass Italien und Österreich<lb/>
insbesondere bei dem deutschen Gast ein Konkurrenzverhältnis auszeich<lb break="no"/>net, doch glaubte ich als Anhaltspunkt unsere gemeinsamen Inter<lb break="no"/>essen – Werbung in Übersee, damit Amerikaner und Japaner nach<lb/>
Europa kommen, schnelle Grenzabfertigung und andere technische<lb/>
Details – für beide Staaten interessante Ansatzpunkte zu finden.<lb/>
Die völkerverbindende Aktivität des Fremdenverkehrs strich ein<lb/>
einmal mehr heraus. Ich persönlich bin auch wirklich überzeugt,<lb/>
dass es keine ideologisch zu verbrämten und verfälschten Kriege<lb/>
zwischen Österreich und Italien gegeben hätte, wenn um die Jahr<lb break="no"/>hundertwende schon Massentourismus bestanden hätte. Es wäre furcht<lb break="no"/>bar schwer gewesen, den Kriegstreibern klarzumachen, dass der<lb/>
"Katzelmacher" eine solche schlechte Person ist, wie er natürlich<lb/>
damals geschildert wurde. Insbesondere die Jugend hätte mit den<lb/>
Italienern selbst die besten Erlebnisse bei gemeinsamen Urlauben am<lb/>
italienischen Strand in Erinnerung gehabt. Ob der Weltkrieg damit<lb/>
hätte vermieden werden könne, möchte ich ja nicht sagen. Dass<lb/>
es aber der Propaganda wesentlich schwerer gewesen wäre, steht<lb/>
für mich fest. In dem Fremdenverkehrsabkommen ist eine Gemischte<lb/>
Kommission vorgesehen und ich schlug deshalb gleich vor, dass die<lb/>
mitreisenden Beamten, der Generaldirektor und seine Leute mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> und unseren Leuten gleich die ersten Besprechungen abhalten<lb/>
sollten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_11">Die ALITALIA hat im Hilton ihr neues Cargo-System und Service<lb/>
präsentiert. Der neue Alitalia-Vertreter ersuchte mich vor längerer<lb/>
Zeit einige Worte dort zu sagen und da ich wusste, dass der ita<lb break="no"/>lienische FV-Minister zu dieser Zeit in Wien ist, habe ich ihn<lb/>
aufmerksam gemacht, auch diesen einzuladen. Noch niemals hat Alitalia<lb/>
wahrscheinlich bei einer Präsentation eine so grosse Anwesenheit von<lb/>
Ministern verzeichnen können. Das vom Alitalia als Service zur<lb/>
Verfügung gestellt kostenlose Auskunftssystem ist wirklich gigantisch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_12">Jede österreichische Firma kann über 130.000 Firmen, die Italien<lb/>
im Computer gespeichert hat, weltweit Auskunft bekommen. Daneben<lb/>
im Vergleich ist die österr. Auskunftsmöglichkeit über die Bundes<lb break="no"/>handelskammer von österr. Export- und Importfirmen wirklich kärglich<lb/>
zu bezeichnen. Alitalia hat dann auch noch, um die Luftfracht<lb/>
rentabel zu berechnen, ein Service-System entwickelt, wo durch 44<lb/>
Details, die man angeben muss, automatisch errechnet wird, ob<lb/>
eine Luftfracht rentabel ist. Ich bin sehr gespannt, ob österr.<lb/>
Firmen auf dieses Gratis-Service zurückgreifen.<lb/>
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Zeit die Ergebnisse mitteilen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-04-04_14">Bei der Bezirksausschuss-Sitzung auf der Landstrasse bedankte ich<lb/>
mich für das grosse Vertrauen, welches durch die Wiederwahl,<lb/>
angeblich gab es keine einzige Streichung bei meiner Kandidatur,<lb/>
die Genossen mir entgegengebracht haben. Nach meinem Bericht über<lb/>
die Wirtschafts- und insbesondere politische Situation, wo ich<lb/>
auch besonders unser schlechtes Abschneiden bei den Jungwählern<lb/>
herausstrich, gab es über diesen Punkt eine rege Diskussion.<lb/>
Der Obmann der Wiener SJ, der gleichzeitig auch die Landstrasser führ<lb break="no"/>te, <rs type="person" ref="#per__114118">Woller</rs>, und auch der Vertreter im Karl Renner-Institut, <rs type="person" ref="#per__112986">Weisbier</rs>,<lb/>
verwiesen neben anderen Diskutanten ganz besonderes darauf, dass es<lb/>
der SPÖ nicht gelingt, die Privilegien wirklich abzubauen, die<lb/>
Lehrer politisch zu bilden, die Jugend politisch zu beeinflussen<lb/>
und deshalb insbesondere die Erstwähler sich gegen das Establishment,<lb/>
und das ist eben jetzt nur die bekannte sozialistische Regierung<lb/>
und nicht mehr die ÖVP oder eine andere Gruppe, zu gewinnen. Ganz<lb/>
im Gegenteil, es wurde harte Kritik an unserer Schulpolitik<lb/>
geführt, wo es nicht nur gelingt, die Lehrer mehr zu beeinflussen,<lb/>
sondern wenn solche Ansätze von Junglehrern gemacht werden, dann der<lb/>
Direktor, der Stadtschulrat und sogar das Ministerium oder der<lb/>
Unterrichtsminister sich dagegen wendet. Nach Meinung dieser<lb/>
Genossen ist nicht die Sozialistische Jugend oder die Junge<lb/>
Generation mit ihrer kritischen Stellungnahme gegen die Partei<lb/>
schuld an dieser Entwicklung, sondern eben die Partei, deren<lb/>
Exponenten in der Erziehung und Schulpolitik, die sich so wenig<lb/>
um die jungen Menschen kümmern. Mit Kritik allein ist hier<lb/>
nichts getan, man muss vielmehr die Auseinandersetzung mit den<lb/>
Jungen dazu benützen, um zu beweisen, dass die sozialistische<lb/>
Regierung und die soz. Politik sich eben wesentlich von der<lb/>
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aber nicht Versprechungen machen, wie Abbau der Privilegien,<lb/>
und dann nichts dazu beitragen, um die Dienstwagen z.B. zu ver<lb break="no"/>kleinern. Die soz. Errungenschaften, auch für die Jugend, werden von<lb/>
dieser als selbstverständlich hingenommen. Da ich persönlich ja be<lb break="no"/>kannt bin, weniger Kritik zu üben, als vielmehr Ursachen zu<lb/>
analysieren, habe ich auch bei dieser Diskussion einen verhältnis<lb break="no"/>mässig leichten Stand. Sicher ist für mich eines, dass optisch,<lb/>
aber wahrscheinlich auch materiell unsere Position bei der Jugend<lb/>
nicht gut ist und auch in Zukunft nicht gut sein wird. Neben<lb/>
dem Handicap, dass junge Menschen immer gegen das Establishment<lb/>
sind, sich gegen die Vorgesetzten auflehnen, sich ja selbst in der<lb/>
Familie emanzipieren wollen, wird auch noch so eine gute Leistung<lb/>
für die Jugend von dieser kaum anerkannt. In Erkenntnis dieser<lb/>
Situation habe ich ja nie verstanden, warum trotzdem die soz. Partei<lb/>
sich so für die Herabsetzung des Wahlalters, sowohl des passiven<lb/>
wie auch des aktiven, eingesetzt hat. In Italien erfuhr ich dann beim<lb/>
Abendessen in der Botschaft, kann man z.B. Senator nur werden,<lb/>
wenn man das 40. Lebensjahr überschritten hat. Ich persönlich<lb/>
bin auch überzeugt, dass die Jugend selbst gar nicht eine unbe<lb break="no"/>dingte Vertretung durch Jugendliche in den politischen Gremien<lb/>
will. Dies ist der Wunsch einzelner Funktionäre, die sich die<lb/>
Hoffnung machen, eher in ein Mandat zu kommen, um deren Verlangen<lb/>
Rechnung zu tragen, <choice><choice><sic>und</sic><corr>um</corr></choice></choice> dann aber nicht diese ewig Jugendlichen<lb/>
bis zu ihrer Pensionierung als Jugendvertreter in den Organen<lb/>
zu haben, hatte ich seinerzeit schon vorgeschlagen, man soll<lb/>
eine gewisse Anzahl der Jugend zur Verfügung stellen, aber wenn er<lb/>
dann aus dem jugendlichen Alter heraus ist, eben sofort einem<lb/>
anderen Jugendlichen weichen muss. Ich könnte mir diesen Wechsel<lb/>
auch während der Legislaturperiode ohne weiteres durch Nachrücken<lb/>
vorstellen. Damit wird allerdings auch das Problem: Ablehnung des<lb/>
Establishments damit der soz. Regierung und vor allem der an<lb break="no"/>geblich soz. Verwaltung unter soz. Ministern nicht gelöst. Dafür<lb/>
weiss ich auch gar kein Patentrezept. Ausgenommen: nichts zu<lb/>
versprechen, was die Jugend begeistern kann, wie z.B. Privilegien-Ab<lb break="no"/>bau und dann nur unzulänglich oder gar nicht durchführen.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <persName><surname>Dorfwirth</surname><forename>J. R.</forename></persName>
               <occupation>Autor einer Studie über den Nutzen der Pyhrnautobahn</occupation>
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               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
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               <occupation>Bautenminister</occupation>
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               <persName type="label">Haiden, Günter</persName>
               <persName><surname>Haiden</surname><forename>Günter</forename></persName>
               <occupation>Dir. Bundesforste, später Sts., dann LWM</occupation>
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               <persName type="label">Ottahal, Georg</persName>
               <persName><surname>Ottahal</surname><forename>Georg</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM, u.a. zuständig f. Protokollfragen</occupation>
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               <persName type="label">Weisbier, Erich</persName>
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               <persName type="label">Weißenberg, Gerhard</persName>
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               <occupation>Sozialminister</occupation>
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               <persName type="label">Pastorino, Carlo</persName>
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               <occupation>ital. Tourismusminister</occupation>
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               <occupation>SJ Wien</occupation>
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               <persName type="label">Nußbaumer, Adolf</persName>
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               <occupation>Staatssekretär BKA</occupation>
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               <occupation>MR HM</occupation>
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               <occupation>Staatssekretär/Verkehrsminister</occupation>
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               <occupation>wiss.-techn. GF Öst. Studienges. f. Atomenergie</occupation>
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               <occupation>SPÖ-NR-Abg.</occupation>
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               <occupation>ital. Politiker</occupation>
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               <persName type="label">Weiser, Peter</persName>
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               <occupation>Energieverwertungsagentur</occupation>
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               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
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               <occupation>Bundeskanzler</occupation>
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