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            <title type="main">Dienstag, der 28. Februar 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_01">Dienstag, den 28. Februar 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_02">Im Unterausschuß für Kernkraftwerk wurden die sechs Vertreter<lb/>
der verschiedensten Anti-Kernkraftwerksorganisationen einge<lb break="no"/>laden. Vor allem protestieren sie dagegen, daß nicht alle<lb/>
26 Organisationen, die es gibt, Möglichkeit haben, dem Unter<lb break="no"/>ausschuß ihre Meinung vorzutragen. Zuerst kamen die Frauen zu<lb/>
Wort, eröffnet hat Frau <rs type="person" ref="#per__113082">Schmitz</rs>, Obfrau von der Katastrophen<lb break="no"/>hilfe Österr. Frauen. Sie stellte fest, daß sie für die 3,8 Mio<lb/>
Mütter spricht, als Ombudsmann der ungeborenen Kinder agiert,<lb/>
sie legte gleich auch zum Schluß einen Entschließungsentwurf<lb/>
für alle drei Parteien vor, wo sie ihre Auffassung präzisiert<lb/>
und die Kernkraft für alle Zeit aus Österreich verdammen möchte.<lb/>
Da sie vor kurzer Zeit ihren Austritt aus der Österreichischen<lb/>
Volkspartei öffentlich mitgeteilt hat, hatten die ÖVP-Vertreter<lb/>
im Unterausschuß eine deutlich sichtbare Aversion gegen sie.<lb/>
Die Vertreterin <rs type="person" ref="#per__113109">Meissner-Blau</rs> sprach für die Mütter gegen den<lb/>
Atomtod und hatte viel mehr Chancen bei den Abgeordneten anzu<lb break="no"/>kommen durch ihre ruhige Art und sehr gepflegte Vortragsweise<lb/>
ihrer Argumente. Am leichtesten hatte es die FPÖ, die sich ja<lb/>
sofort mit allen Vertretern solidarisierte, da sie von vorn<lb break="no"/>herein ja die Kernkraft unter allen Umständen ebenfalls ablehnt.<lb/>
Wenn wir die anderen 20 Vertreter auch noch gehört hätten, wäre<lb/>
sicherlich von allen der Eindruck gekommen, daß es sich hier<lb/>
zweifelsohne um Idealisten handelt. Diese opfern ihr Geld, ihre<lb/>
Zeit und haben wahrscheinlich von nirgendwo großzügige finanzielle<lb/>
Unterstützung. Andererseits sind solche Aussprachen meiner<lb/>
Meinung nach sachlich kaum zielführend, weil es sich jetzt in<lb/>
Wirklichkeit schon um Glaubensbekenntnisse handelt, die kaum<lb/>
mehr durch Argumente, sei es für oder sei es wider. Ich fürchte,<lb/>
daß es dieselbe Situation auch bei den Sachverständigen geben<lb/>
wird. Dort kommt dann noch hinzu, daß sein wissenschaftlicher<lb/>
Ruf auf dem Spiel steht, wenn, hat sich ein Wissenschaftler<lb/>
aus welchen Gründen immer in irgendein Lager begeben oder<lb/>
wurde er in irgendein Lager eingeteilt, so hat er kaum eine<lb/>
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Meinung zu korrigieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_03">Ein großer Hoffnungsschimmer der Kernkraftwerksgegner ist jetzt<lb/>
die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, der der Niederösterr.<lb/>
Landesregierung aufträgt, die Parteienstellung sogenannter weit<lb/>
entfernter Anrainer neuerdings zu überprüfen. <rs type="person" ref="#per__110997">Prinzhorn</rs>, ein promi<lb break="no"/>nenter ÖVP-Funktionär, hat angeblich für seine Papierfabrik in<lb/>
Pitten Anrainerstellung verlangt, diese von der Landesregierung<lb/>
im Bauverfahren nicht zugesprochen bekommen und damit zwei anderen,<lb/>
die allerdings wesentlich näher dem Kernkraftwerk sind, aber keine<lb/>
unmittelbaren Anrainer, jetzt erfolgreich beim Verwaltungsgerichts<lb break="no"/>hof gegen den ablehnenden Bescheid berufen. Professor <rs type="person" ref="#per__113110">Adamovich</rs><lb/>
vom Verfassungsdienst hat in der Regierungsvorbesprechung auf<lb/>
Wunsch <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> den Fall dann dargelegt und analysiert. Wie immer<lb/>
die Niederösterreichische Landesregierung jetzt entscheidet, ihnen<lb/>
durch neuerlich genaue Prüfung die Parteienstellung nicht zu<lb break="no"/>erkennt oder selbst wenn sie ihnen die Parteienstellung zuerkennt<lb/>
und dann Baubescheid dann zustellt, in jedem Fall wird der An<lb break="no"/>walt der Drei, Dr. <rs type="person" ref="#per__113111">Zörnlaib</rs>, immer neuerdings zum Verwaltungsge<lb break="no"/>richtshof gehen. Ein irrsinnig langes Verfahren steht damit ein<lb break="no"/>deutig fest. Darüber hinaus wird <rs type="person" ref="#per__113111">Zörnlaib</rs> sicherlich versuchen, bei<lb/>
der erstbietenden Gelegenheit das Strahlenschutz-Gesetz beim<lb/>
Verfassungsgerichtshof anzukämpfen. Dieses soll angeblich einige<lb/>
schwache Stellen haben und es könnte ohneweiters passieren, daß der<lb/>
Verfassungsgerichtshof dann Teile des Strahlenschutz-Gesetzes<lb/>
aufhebt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> fühlte sich durch diese Entwicklung mit seiner<lb/>
Idee bestärkt, daß der größte Fehler gewesen wäre, die Kernkraft<lb break="no"/>frage nicht so intensiv zu behandeln, die Informationskampagne<lb/>
zu starten, den Regierungsbericht, wenn auch sehr spät doch dem<lb/>
Parlament zuzuleiten und jetzt eine umfangreiche Diskussion<lb/>
mit jedermann und über jedes Problem zu führen. Seine Angriffe<lb/>
richten sich jetzt primär in Zukunft wahrscheinlich gegen die ÖVP,<lb/>
in dem er festhält, sie hätte schon müssen 1967/68 als das Kern<lb break="no"/>kraftwerkproblem auftauchte, damit das Parlament beschäftigen.<lb/>
Jetzt wird erst nachvollzogen, was letzten Endes das Parlament als<lb/>
Volksvertretung hätte schon lange entscheiden müssen, nämlich<lb/>
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aus Sachzwängen früher oder später sowohl in der Regierung als<lb/>
auch im Parlament einen entsprechenden Beschluß werden fassen<lb/>
müssen, doch sehe ich diesen Zeitpunkt immer später zur Wahl Ok<lb break="no"/>tober 79 verschoben, weshalb dann der geringstfügige Anlaß dazu<lb/>
führen wird, daß man dann vielleicht tatsächlich die Betriebs<lb break="no"/>genehmigung soweit hinausschiebt, daß tatsächlich das Kernkraft<lb break="no"/>werk nicht vor der Wahl in Betrieb gehen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_04">In der Ministerratsvorbesprechung hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann auch darauf verwiesen,<lb/>
daß <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> jetzt gegen die Auflösung des Wissenschaftsministeriums<lb/>
ist und daß jetzt eigentlich der BSA entsprechend in Erscheinung<lb/>
treten müßte. Bundesrat <rs type="person" ref="#per__97958">Skotton</rs> als Sekretär hätte schon längst<lb/>
einen Brief an alle Professoren, Dozenten, Assistenten richten<lb/>
müssen, wo er diese auffordert, dazu Stellung zu nehmen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ist fest davon überzeugt, daß die Wissenschaftler gleich welchem<lb/>
Couleur für das Wissenschaftsministerium eintreten werden, weil<lb/>
sie nicht mit den Volksschullehrern und den Bundestheaterver<lb break="no"/>waltungen usw. im Unterrichtsministerium bleiben wollten resp.<lb/>
schon gar nicht wieder dorthin kommen möchten. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> meinte,<lb/>
daß jetzt die sozialistischen Hochschullehrer irgend etwas unter<lb break="no"/>nehmen werden und sie wird mit ihnen Kontakt aufnehmen. Ich per<lb break="no"/>sönlich bin gar nicht so überzeugt, daß die Wissenschaftler unisono<lb/>
sich für das Wissenschaftsministerium einsetzen. <rs type="person" ref="#per__97442">Firnberg</rs> hat<lb/>
zwar wesentlich mehr Mittel als je zuvor für die Forschung und<lb/>
Wissenschaft zur Verfügung, diese werden auch sicherlich gerne<lb/>
von den Subventionsempfängern genommen, durch das Universitäts<lb break="no"/>organisationsgesetz sind aber wahrscheinlich alle so verärgert,<lb/>
daß sie kaum eine solche Einheitsfront gegen <rs type="person" ref="#per__111325">Mock</rs> seine Ideen<lb/>
und damit gegen die ÖVP beziehen werden.<lb/>
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sondern daß <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> ihm aus der Steiermark diese Idee gebracht hat.<lb/>
Man hat bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> darüber sondiert und er hat diese Idee dann<lb/>
goutiert. Allerdings hat er empfohlen, schnell zu handeln, in<lb/>
Graz hat man viel zu lange gezögert, weil man glaubte, es genügt,<lb/>
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wird dafür den Landeshauptmann nach der nächsten Wahl mitwählen.<lb/>
Das war wahrlich kein hervorragendes erstes Angebot. Das Zweite<lb/>
ist dann zu spät gekommen. Die IFES-Umfragen haben aber bereits<lb/>
vor der Wahl den überlegenen Erfolg <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs>' ergeben. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ver<lb break="no"/>läßt sich, wie er ausdrücklich sagte, nicht auf die Meinungsum<lb break="no"/>fragen von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs>, dort sind die Erheber größtenteils Genossen<lb/>
und die Befragten sind, mit einen Bias, wie der Fachausdruck<lb/>
heißt, Arbeiter und Angestellte und damit auch wieder eindeutig<lb/>
unsere Wähler. IFES dagegen hat, wie er sagt, bis jetzt immer recht<lb/>
und hat bereits in Graz den großen Erfolg <rs type="person" ref="#per__112569">Götz</rs>' signalisiert. Durch<lb/>
die Belastungswelle gibt die IFES-Erhebung zum Jahresanfang<lb/>
außer den normalen Rückschlag, die ja Jahr für Jahr festzustellen<lb/>
ist, jetzt ebenfalls ein schlechteres Ergebnis.<lb/>
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30.000 opinion-leader umfassen, stärker beeinflussen. Ihm erschien<lb/>
es zweckmäßig, die befaßten Ressorts zu einer Besprechung zu<lb break="no"/>sammenzufassen, damit wir unsere Politik genau festlegen. Immerhin<lb/>
gibt es drei Freiberufler in der Regierung, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>, Wirtschafts<lb break="no"/>prüfer, <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs>, Anwalt, <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, Ärztin. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hatte zuerst<lb/>
größte Bedenken und meint, wenn die Freiberufler bemerken, daß<lb/>
man gegen sie, auch wenn es nur ein Teil von ihnen, nicht Stellung<lb/>
nimmt, so werden sie als Trotzreaktion nicht pro, sondern kontra<lb/>
motiviert. Hier hätte ebenfalls der BSA schon längst müssen ent<lb break="no"/>sprechend agieren, der Hinweis <rs type="person" ref="#per__97311">Androschs</rs>, daß <rs type="person" ref="#per__113114">Piaty</rs> als Ärzte<lb break="no"/>kammerpräsident sehr umstritten ist und bei den Wirtschafts<lb break="no"/>prüfern <rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs> gegen den auch ÖVP-Präsidenten, aber nicht pronon<lb break="no"/>cierten, <rs type="person" ref="#per__113116">Burkhardt</rs> auftritt, veranlaßte mich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auseinander<lb break="no"/>zusetzen, daß z.B. die Wirtschaftstreuhänder von uns Tarifer<lb break="no"/>höhungen früher oder später wieder verlangen. Wenn wir dort den<lb/>
Präsidenten der Organisation und seinen leider immer schwächer wer<lb break="no"/>denden Anhang unterstützen, so nehmen wir gleichzeitig dem radikalen<lb/>
Vizepräsidenten <rs type="person" ref="#per__113112">Böck</rs> mit seinen überspitzten Forderungen die<lb/>
Agitationsmöglichkeit. Ähnlich ist es bei der Anwaltskammer und<lb/>
der Stellung des Präsidenten <rs type="person" ref="#per__113115">Schuppich</rs>. Da die Bundeskonferenz<lb/>
der freien Berufe natürlich unter ÖVP-Führung steht, müssen wir<lb/>
äußerst vorsichtig vorgehen, denn die Presse wird immer auf<lb/>
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ausgeschrieben hat, obwohl die Wirtschaftstreuhänder-Berufsordnung<lb/>
verbietet, daß jemand sich sozusagen, sei es in einem Ausschrei<lb break="no"/>bungsverfahren oder gar durch Annoncen anbietet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird<lb/>
als Eigentumsvertreter mit dem ORF diesbezüglich sprechen.<lb/>
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über die Lohnsteuer-Senkung mit ihm haben wird.<lb/>
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Gleichzeitig kam auch im ÖGB die Forderung der Jungen ÖVP, die<lb/>
Gewerkschaftsbeiträge einzufrieren, zur Sprache. Von den angeblich<lb/>
50 Betrieben, die dem ÖGB gehören, trifft dies nur für den Verlag<lb/>
des ÖGB zu, alle anderen gehören der BAWAG, also wenn man will<lb/>
nur indirekt dem ÖGB. Die beste Taktik, meint <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, sei die Junge<lb/>
ÖVP totzuschweigen. <rs type="person" ref="#per__113117">Kinigadner</rs>, der Jugendobmann des ÖGB,<lb/>
meinte, daß jetzt die ÖVP-Jugend, aber auch die Jungen christlichen<lb/>
Gewerkschafter viel stärker in Erscheinung treten werden. In<lb/>
Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol hat die FCG-Jugend<lb/>
jetzt in den Landesleitungen hauptamtliche Beschäftigte. Überall<lb/>
treten jetzt Jugendvertrauensmänner auf und <rs type="person" ref="#per__111719">Höchtl</rs> hat als ÖVP<lb break="no"/>Jugendsprecher einen großen Einfluß. Mit Recht habe ich nachher<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113117">Kinigadner</rs> und dem Jugendsekretär des ÖGB festgehalten, daß<lb/>
es dringendst notwendig wäre, daß auch in der SPÖ-Fraktion im<lb/>
Parlament ein solcher Jugendsprecher notwendig wäre, der sich<lb/>
auch intensivst mit den Jugendproblemen beschäftigt. Da ich auf<lb break="no"/>gefordert wurde, über das Preisgesetz zu referieren, hatte ich der<lb/>
ÖGB-Fraktion dargelegt, wie ich die Situation sehe. Nachdem die<lb/>
ÖVP über ihre Handelskammer und Landesregierungen ein umfassendes<lb/>
Preisgesetz ablehnt, wie ich in einem Schreiben feststellen<lb/>
konnte, wird jetzt von mir eine, immerhin auch noch, wahrscheinlich<lb/>
von der ÖVP abzulehnende Novelle vorbereitet. Da die Agrarier<lb/>
eine eigene Agrar- und Ernährungssicherungsordnung wollen und<lb/>
allen Ernstes glauben, sie können diese mit deren Marktordnungs<lb break="no"/>gesetzen gegen die Kontingentierung, die <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> möchte, abtauschen,<lb/>
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Verlängerung aller Wirtschaftsgesetze um 2 Jahre kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_10">Der Zweite Vorsitzende der Angestelltengewerkschaft <rs type="person" ref="#per__112942">Braun</rs> als<lb/>
Vertreter im Hörer- und Seherbeirat berichtete über die Proteste<lb/>
unserer Mitglieder gegen die <rs type="person" ref="#per__113118">Tozzer</rs>-Vorführungen Horizonte Atom<lb break="no"/>müll, insbesondere der amerikanische Film, der ausschließlich<lb/>
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objektive Darstellung. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> überlegt an Generalintendant wegen<lb/>
der Horizonte-Sendungen im allgemeinen zu intervenieren. Da der<lb/>
Generalintendant aber nach dem von uns mehr oder minder entrierten<lb/>
ORF-Gesetz eigentlich gar keinen Einfluß auf die Intendanten<lb/>
üben kann, diese wahrscheinlich auch wieder auf die freie Ge<lb break="no"/>staltungsmöglichkeit der einzelnen Produzenten der Sendungen hin<lb break="no"/>weisen werden, müssen wir uns mit der jetzigen Konstruktion des<lb/>
ORF und dessen Folgen eigentlich irgendwie abfinden. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> kann<lb/>
nur für sich in Anspruch nehmen und zugute halten, daß ja für<lb/>
diese Art der Demokratisierung des ORF niemals eingetreten ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_11">Der Präsident der Niederösterr. Arbeiterkammer <rs type="person" ref="#per__113119">Hesoun</rs> kam mit den<lb/>
Betriebsräten von den Baufirmen am Kraftwerksbau der Donau, insbes.<lb/>
Betriebsratsobmann <rs type="person" ref="#per__113120">Schachinger</rs> der Arbeitsgemeinschaft, wollte<lb/>
von mir persönlich hören, daß der Donau-Ausbau im Drei-Jahres-<lb/>
Rhythmus fortgesetzt wird. Dies konnte ich ihm beruhigend be<lb break="no"/>stätigen, da es zwar keine Beschleunigung gibt, aber der kontinuier<lb break="no"/>liche dreijährige Rhythmus beibehalten wird. Eine Beschleunigung<lb/>
hat, wie mir die Sektion mitteilt, keinen Sinn, die DKW müßte<lb/>
ihre Beschäftigten vermehren und die Bauunternehmungen müßten<lb/>
mehr Leute aufnehmen und mehr Maschinen anschaffen und dies wäre<lb/>
kurzfristig eine Fehlinvestition. Nach Ausbau der Donau wird<lb/>
sowieso das große Problem in 15 Jahren sein, was wir dann an<lb/>
weiteren größeren Bauvorhaben in der Elektrizitätswirtschaft<lb/>
noch forcieren können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_12">In der Sektionsleitersitzung auf der Landstraße kam es wegen der<lb/>
Kandidatenaufstellung zu einer langen und erstmals auch zumindestens<lb/>
in meinen Augen harten Diskussion. Unsere Sekretärin <rs type="person" ref="#per__113121">Mauritz</rs>, die<lb/>
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sollte laut Präsidiumsbeschluß vom letzten Mal, an dem ich nicht<lb/>
teilnehmen konnte und der auch im Vorstand mehr oder minder be<lb break="no"/>sprochen und angenommen wurde, auf wählbarer Stelle kandidieren.<lb/>
Der größte Teil der Sektionsleiter, insbesondere die, die heute<lb/>
schon Bezirksräte sind, haben sich aber so entschieden dagegen<lb/>
ausgesprochen, daß sie, und das war für mich das Verwunderliche,<lb/>
nicht bereit waren von dieser Meinung abzugehen. Da die Bezirks<lb break="no"/>räte von 30 auf 48 aufgestockt werden, rechnen alle, daß wir von<lb/>
den 16 jetzt auf 25 kommen. Ich erklärte, daß ich diese Meinung<lb/>
nicht teile, sondern froh bin, wenn wir von den 48 24, d.h. die<lb/>
absolute Mehrheit erringen. In diesem Fall würde dann der Bezirks<lb break="no"/>vorsteher immer dirimieren müssen. Mein Kompromißvorschlag war<lb/>
deshalb <rs type="person" ref="#per__113121">Mauritz</rs> auf die 25. Stelle zu reihen, aber auch dieser<lb/>
Vorschlag wurde abgelehnt. <rs type="person" ref="#per__113121">Mauritz</rs> hat ein sehr loses Mundwerk<lb/>
auch mir gegenüber, weshalb ich sie liebevoll immer Goscherl nenne.<lb/>
Ich erklärte aber, daß mir diese offene Art sehr behagt und wesent<lb break="no"/>lich lieber ist als jemand ist ein Duckmäuser. Da <rs type="person" ref="#per__113121">Mauritz</rs> aber<lb/>
scheinbar jedem ihre, oft sicherlich auch falsche, Meinung geradeaus<lb/>
ins Gesicht sagt, war alles unser Bemühen von <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und mir und<lb/>
einigen anderen umsonst. Es gibt eigentlich wirklich nichts Un<lb break="no"/>angenehmeres als eine Kandidatenaufstellung, immer sind welche<lb/>
verärgert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band42_1978-02-28_13">Der Sektionsleiter <rs type="person" ref="#per__113122">Schmidt</rs>, der auch bei den österreichischen<lb/>
Automobilfabriken beschäftigt ist, meinte, daß es eine große Ver<lb break="no"/>sammlung war, wo ich das Staatswappen überreichte und die Leute<lb/>
mit der Abwicklung sehr zufrieden waren. Ich konnte ihm noch mit<lb break="no"/>geben, er sollte im Betrieb jetzt seinen Direktor <rs type="person" ref="#per__113108">Daimer</rs>, aber auch<lb/>
den anderen Betriebsräten mitteilen, daß zwischen der Regierung<lb/>
und der Handelskammer wegen der Transitsteuer resp. Straßen<lb break="no"/>förderungsbeitrag eine Einigung sich abzeichnet. Die Inlands<lb break="no"/>pauschale-Regelung von 100 S pro Monat und Nutzlasttonne bei<lb/>
5-Tonner und von 200 S für 8-Tonner soll noch durch einen dritten<lb/>
Satz von 400 S pro 12-Tonner aufwärts eine erträgliche Lösung<lb/>
bringen, dem auch die Handelskammer zustimmen wird. Für einen<lb/>
38-Tonnen-Zug, der 24 Tonnen Nutzlast hat, wird die Belastung<lb/>
48.000 S sein. Da die Kraftfahrzeug-Steuer jetzt 3.600 S beträgt,<lb/>
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noch immer 66.000 S Kraftfahrzeugsteuer gegenüber. In diesem Fall<lb/>
kann sich also niemand aufregen. Für die Ausländer soll die Regelung<lb/>
so lauten, daß sie maximal bis zum pauschalierten Inlandssatz<lb/>
entlastet werden können, darüber hinaus erwägt man auch den ÖVP<lb break="no"/>Vorschlag, die Zollfrei-Einfuhr von Kraftstoff auch im Tank zu<lb/>
limitieren. Gegen die beabsichtigte Lösung kann selbst nicht ein<lb break="no"/>mal die LKW-Produktionsfirmen etwas einwenden. Ich bin nur sehr<lb/>
gespannt, ob die Handelskammer jetzt dann tatsächlich zustimmt,<lb/>
nachdem sie sich mit ihren Ideen weitestgehend durchgesetzt hat.<lb/>
Einmal mehr frage ich mich, ob die Taktik wirklich gut war, zuerst<lb/>
einen Vorschlag zu machen, der alle derartig aufregt und gar keine<lb/>
Chance hat durchzukommen, der 4 1/2 Mrd S bringen soll, um dann<lb/>
ein Kompromiß anzubieten, das nur die Hälfte des Ertrages bringt<lb/>
und letzten Endes dann aus sachlichen Gründen aber von allen akzep<lb break="no"/>tiert werden muß. Der Fehler war hier, daß man bei der Einführung<lb/>
der Mehrwertsteuer wahrscheinlich aus System- und Rechtsgründen<lb/>
auf die bis zu diesem Zeitpunkt eingehobene Beförderungssteuer<lb/>
glaubte verzichten zu müssen. Jetzt hat man nach jahrelangen Dis<lb break="no"/>kussionen mehr oder minder doch wieder eine Art Beförderungssteuer<lb/>
eingeführt. In der Finanzpolitik ist es wirklich schwierig, da ja<lb/>
mehr oder minder stets immer neue Belastungen nur kommen können<lb/>
und tatsächlich kommen. Eine konsequente eindeutige Politik zu<lb/>
machen, in der Beziehung bin ich immer wieder froh, für dieses<lb/>
Ressort nicht die Verantwortung zu haben.<lb/>
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