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            <title type="main">Donnerstag, der 16. Februar 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_01">Donnerstag, 16. Feber 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_02">Bgm. <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> aus Bregenz ersuchte um Unterstützung für seinen Fremden<lb break="no"/>verkehrsbezirk. Das neue Festspielhaus – 300 Mill. S, 40 % vom<lb/>
Bund, 35 vom Land, 25 die Stadt – wird planmässig gebaut und hat<lb/>
keine Kostenüberschreitung. Der Rechnungshof hat festgestellt,<lb/>
dass die Gemeinde die beste Finanzplanung hat. Mit dem Verkehrs<lb break="no"/>büro – <rs type="person" ref="#per__112998">Sokol</rs> – hat er vereinbart, dass in diesem Gebiet ein Hotel<lb/>
mit 240 Betten errichtet wird. Bregenz braucht aber auch ein Hallen<lb break="no"/>bad – 100 Mill. S – das Defizit, das jährlich mit 2 Mill. S veran<lb break="no"/>schlagt wird, würden die Stadtwerke übernehmen, die scheinbar bei<lb/>
der Wasser- und Gasabgabe doch einiges verdienen. Dazu sollte jetzt<lb/>
ein neues Strandbad gebaut werden, da das alte zu klein ist. Durch<lb/>
die Abwässer vom Gletscher über dem Rhein ist das Strandbad maximal<lb/>
während Juli/August zu benützen, weshalb die Becken geheizt werden<lb/>
sollen. Kosten wieder 25 Mill. Ausserdem möchte er noch eine Sport<lb break="no"/>halle bauen. Für mich ist klar, dass <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> als Bauingenieur von<lb/>
der E-Wirtschaft her grosszügige Bauprojekte immer wieder in An<lb break="no"/>griff nehmen wird. Die Bregenzer Opposition – ÖVP, Freiheitliche<lb/>
und eine Bürgerinitiative – hat nun eine Volksabstimmung verlangt,<lb/>
die im April durchgeführt wird. <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> hofft, dass er diese mit<lb/>
mindestens 60 %, möglich aber 80 % Zustimmung gewinnen wird.<lb/>
So überzeugt bin ich allerdings nicht. Bregenz hat jetzt sein<lb/>
Spital fertig, kämpft momentan dagegen, dass nicht auch in Dornbirn<lb/>
15 km entfernt, ein neues gebaut wird. Weitere 15 km in Hohenems<lb/>
besteht eines, dann zwei in Feldkirch und ein weiteres soll wieder<lb/>
in Bludenz gebaut werden. Die Vorarlberger haben wirklich nur ein<lb/>
Interesse, wie jeder sein eigenes Spital, was immer es kostet und<lb/>
wer es letzten Endes auch bezahlt, zu bekommen. Momentan baut<lb/>
Bregenz ein Altersheim, wofür mir <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> sagte, er ohne weiteres<lb/>
20-jährige Kredite bekommt mit 9,25 %. <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> hat auch Dr. <rs type="person" ref="#per__112999">Bauer</rs><lb/>
vom Kommunalwissenschaftlichen Dokumentationszentrum des Städte<lb break="no"/>bundes mitgebracht. Ich habe zu den ganzen Projekten sofort meine<lb/>
Bedenken geltend gemacht, denn bei einer Bevölkerung von 27.000<lb/>
und einem 500 Mill.-Budget erscheinen mir doch all diese Projekte<lb/>
gigantisch.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte mit Dr. <rs type="person" ref="#per__112999">Bauer</rs> die Möglichkei<lb break="no"/>ten überprüfen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_04">Durch Zufall ist anschliessend unser Bezirksvorsteher <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs><lb/>
gekommen und ich habe die beiden bekanntgemacht als Bürgermeister<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> aus Bregenz und eigentlich Bürgermeister <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs> von der<lb/>
Landstrasse. Der Unterschied ist nur der, <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> vertritt 27.000,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs> 100.000. <rs type="person" ref="#per__97732">Mayer</rs> hat 400.000 Repräsentationskosten, <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs><lb/>
6.000. Die Aufwendungen pro Bewohner möchte ich hier gar nicht im<lb/>
einzelnen aufzählen und berechnen. <rs type="person" ref="#per__97347">Berger</rs> erkundigte sich bei mir,<lb/>
wie die Wahlvorschläge insbesondere auch des Bezirksvorstehers<lb/>
für die Herbstwahlen sind. Ich erklärte ihm, dass ich noch keinerlei<lb/>
konkrete Gespräche geführt habe.<lb/>
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der in Saalfelden jetzt eine Produktionsstätte für Kompost-Anlagen<lb/>
errichtet, um Exportmöglichkeiten nach Afrika zu besprechen.<lb/>
Mit Steyr-Daimler-Puch – Pinzgauer – auch auch mit der VÖEST für<lb/>
Freihafen-Beläge in Ghana haben sie bereits Kontakt aufgenommen,<lb/>
sind dort aber nicht auf entsprechenden Widerhall gestossen. Gross<lb break="no"/>betriebe sind zwar daran interessiert, jede Exportchance zu nützen,<lb/>
sind aber dann natürlich womöglich mit eigenen Organisationen<lb/>
oder Leuten durchführen. Es dauert immer sehr lange, bis sich<lb/>
ein Grossbetrieb, wenn überhaupt, dazu durchringt, einem Mittel-<lb/>
oder gar Kleinbetrieb als Vermittler für seine Exportaktivitäten ein<lb break="no"/>zuschalten. Die Kairoer Stadtverwaltung beabsichtigt, 6 Kompost<lb break="no"/>anlagen zu kaufen. Die VÖEST-Anlage sei zu kompliziert, die von <rs type="person" ref="#per__113002">Miller</rs><lb/>
primitiver, aber wesentlich wirksamer und vor allem auch preiswerter.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>, so wie ich ein Freund von <rs type="person" ref="#per__113000">Pasterer</rs>, begleitet dann die Delegation<lb/>
zu <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs> und <rs type="person" ref="#per__113001">Leupold</rs> und wird den Kontakt zum ägyptischen Botschafter<lb/>
herstellen. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> erzählt mir, er ist sehr überrascht, dass auch <rs type="person" ref="#per__97426">Fälbl</rs><lb/>
diesem Projekt sehr skeptisch gegenübersteht. Warum soll es im Handels<lb break="no"/>ministerium anders sein als bei den Firmen, fragt sich <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs>. Der<lb/>
Slogan "Service für die Wirtschaft", der in Wirklichkeit gar nichts<lb/>
kostet als ein good will, wird halt auch noch nicht von allen so prak<lb break="no"/>tiziert, wie ich es seit 1970 gerne wünschte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_06"><rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> von der ÖDK hat mir<add>[mit?]</add> der Vöest-Alpine gemeinsam die<lb/>
Jugoslawen jetzt überzeugt, dass sie für die Kohle, die für<lb/>
St. Andrä importiert werden muss, eine 30-%ige Kompensation, d.h.<lb/>
österreichische Gegenlieferung akzeptieren. Derzeit liegen 52.000 t<lb/>
auf Lager, der alte Vertrag auf 350.000 t Jahreslieferungen wird<lb/>
wesentlich reduziert und wahrscheinlich mit 200.000 t abgeschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_07"><rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> teilt mir auch mit, dass die Aktivitäten der ÖDK<lb/>
bei Malta, Annabrücke und jetzt Voitsberg III weitere Finanzierungs<lb break="no"/>schwierigkeiten der Verbund auslösen. Die Verbundleute drängen<lb/>
daher Kosten sparen, Kosten sparen und noch einmal Kosten sparen.<lb/>
Ich ersuche <rs type="person" ref="#per__97526">Hautzenberg</rs> dafür Verständnis zu haben, denn mein ständiges<lb/>
Drängen, der Verbund immer wieder neue Projekte, fast würde ich sagen<lb/>
aufzuzwingen, bringen den Finanzdirektor <rs type="person" ref="#per__97333">Bandhauer</rs> in grosse finanzielle<lb/>
Schwierigkeiten. Meine Meinung ist aber, wenn nicht genug Geld in der<lb/>
Verbund vorhanden ist, dann muss man eben vom Neubau eines Verwaltungs<lb break="no"/>gebäudes Abstand nehmen oder zumindestens noch weiter zurückstellen.<lb/>
Werksbauten haben bei mir absoluten Vorrang.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_08">Im Parteivorstand berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> zuerst über die Verhandlungen im<lb/>
Parlament über die Kernkraft. Er meint, in der Vergangenheit hat<lb/>
die ÖVP-Alleinregierung niemals den Nationalrat gefragt. Die SPÖ<lb/>
macht es, der ÖVP-Bundesvorstandsbeschluss lässt hoffen, dass es<lb/>
zu einer Lösung kommt, doch ist noch gar nicht sicher, dass der<lb/>
ÖVP-Klub letzten Endes entscheiden wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> glaubt noch immer,<lb/>
dass die Kernkraftwerkspolitik der ÖVP von dem schwedischen Wahl<lb break="no"/>ergebnis beeinflusst wurde und wird. Jetzt hat die schwedische<lb/>
Koalitionsregierung beschlossen, den Ausbau zurückzustellen, weil<lb/>
kein Geld vorhanden und im Herbst das Parlament eben darüber ent<lb break="no"/>scheiden wird. Die SPÖ hat auf ihr Preisrätsel "Was will die ÖVP?"<lb/>
1.200 Antworten bekommen. Die sei ungeheuer viel, wenn die Kronen-<lb/>
Zeitung 300 Briefe bekommt in einer Angelegenheit, steht sie Kopf.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtet über die Spitalsfinanzierung, dass jetzt die<lb/>
1.6 Mia S 18 %-ige Abgangsdeckung im Budget vorgesehen, 800 Mill. S<lb/>
jetzt aus der Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes uneingeschränkt<lb/>
zur Verfügung stehen. Die 810 Mill. S aus der Beitragshöchstbe<lb break="no"/>messungsgrundlagen-Erhöhung der Krankenversicherung und 250 Mill. S<lb/>
Investitionsaufwendung, im Budget insgesamt also ca. 1,1 Mia S können<lb/>
auch den Ländern portioniert zur Verfügung gestellt werden, müssen<lb/>
aber durch den Fonds Projektgenehmigungen bekommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sagt, auf<lb/>
ein ausgeglichenes Gesundheitskonzept – viel Spitäler in Vorarlberg<lb/>
und wenige im Osten – muss in Zukunft viel Wert gelegt werden.<lb/>
Er berichtet dann auch über die Sowjetunion und meint, die Vertraulich<lb break="no"/>keit des Protokolls, das <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> und ich unterzeichnet haben,<lb/>
sei deshalb so wichtig, weil es für den inneren Bereich der Sowjetunion<lb/>
von grösster Bedeutung sei. Er rechnet damit, dass das Defizit von<lb/>
3 Mia in der nächsten Zeit auf 2 Mia reduziert werden kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_09">Ebenso berichtet er dann über die Nahostkonferenz der SI und seine<lb/>
Gespräche mit <rs type="person" ref="#per__112568">Sadat</rs> und die Vermittlung <rs type="person" ref="#per__112568">As-Sadat</rs>-<rs type="person" ref="#per__112984">Peres</rs>. In der<lb/>
Soz. Internationale haben selbst die <choice><choice><sic>Israel-Look</sic><corr>???</corr></choice></choice>, <rs type="person" ref="#per__113004">Mikado</rs>,<lb/>
Grossbritannien, <rs type="person" ref="#per__113003">Van den Berg</rs>, NL, sich gegen die Siedlungspolitik<lb/>
der Israeli ausgesprochen. Ein Friedensvertrag kann nur zustande<lb break="no"/>kommen, wenn es sich um prinzipielle Einigung der wichtigsten<lb/>
Probleme handelt, deren Durchführung dann mehrere Jahre dauern wird.<lb/>
Israel dagegen, insbesondere <rs type="person" ref="#per__112985">Begin</rs>, möchte jetzt Punkt für Punkt<lb/>
alle Detailverhandlungen führen und dann eben zum Schluss erklä<lb break="no"/>ren, darüber haben wir uns geeinigt, das ist jetzt der Friedens<lb break="no"/>vertrag.</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_10">In der Diskussion wurde die Spitallösung von allen akzeptiert, und<lb/>
endlich einstimmig beschlossen. <rs type="person" ref="#per__97935">Sebastian</rs> machte für die Steier<lb break="no"/>mark geltend, dass die Transportsteuer, wie jetzt vorgeschlagen,<lb/>
unter gar keinen Umständen akzeptiert werden kann, weil damit der<lb/>
Osten die Exportschwierigkeiten nach dem Westen kaum mehr überwinden<lb/>
könnte. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> teilte mit, dass die Verhandlungen mit der Handels<lb break="no"/>kammer jetzt so laufen, dass alles pauschaliert werden soll, also<lb/>
der Inlandstransport, aber gleichzeitig auch der Verkehr für den<lb/>
Export. Dies ist ein Vorschlag der Handelskammer, der alle<lb/>
österreichischen Unternehmer ein klein wenig mehr belasten wird<lb/>
als der ursprüngliche starke Belastungen bringende Vorschlag des<lb/>
Verkehrsministeriums. Gegen diese Politik sprach sich <rs type="person" ref="#per__97757">Mühlbacher</rs><lb/>
mit Recht aus. Er meinte, dass man beim Gebührengesetz, beim zweiten<lb/>
Abgabenänderungsgesetz, jetzt bei der Transportsteuer, beim Gesetz<lb break="no"/>entwurf immer zuerst eine rigorose starke Steuerbelastung kon<lb break="no"/>zipiert hatte und dann in den Beratungen wesentliche Erleichterungen<lb/>
bringen musste. Das Endergebnis ist, dass die ÖVP triumphierend<lb/>
sagen kann, was sie alles erreicht hat und letzten Endes dann<lb/>
doch nicht zustimmt. Trotzdem werden alle Verbesserungen und Er<lb break="no"/>leichterungen der ÖVP zugerechnet. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erklärt, dass in letzter<lb/>
Zeit einige Gesetzentwürfe nicht entsprechend gut vorberaten wurden,<lb/>
weshalb es zu dieser auch von ihm abgelehnten Politik gekommen ist.<lb/>
Ich bemerkte zu Klubobmann <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, der vis a vis sitzt, hier habe<lb/>
ich eben eine andere Politik. Seit 1970 versuche ich alle Gesetze<lb/>
im vorparlamentarischen Raum, wenn man so will, auszupackeln, und<lb/>
habe dadurch tatsächlich bis jetzt nur einstimmige Beschlüsse im<lb/>
Handelsausschuss zusammengebracht. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> war darüber sehr erstaunt,<lb/>
er hat dies nicht gewusst.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_11">Das Budget bringt jetzt keinerlei Schwierigkeiten, weil durch die<lb/>
staatliche Parteienförderung die finanzielle Situation der SPÖ<lb/>
sich wesentlich verbessert hat.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_12">Bei Organisationsfragen wurde festgehalten, dass am 1. Mai 1979<lb/>
eine grosse 50-Jahrfeier des im Jahre 1929 durchgeführten Jugend<lb break="no"/>treffens an diese machtvolle Kundgebung erinnern soll. Mein Eindruck<lb/>
war damals, ganz Wien ist rot. So dominierten die Blauhemden damals<lb/>
die Stadt. Ich bin gespannt, wie die 50-Jahrfeier optisch in Er<lb break="no"/>scheinung treten wird, sicherlich mit vielen Plakaten und sonstigem<lb/>
Drum und Dran, aber wenigen aktiven Teilnehmern zum Unterschied von<lb/>
vor 50 Jahren. Die 40-Jahrfeier "Untergang Österreichs" wird jetzt<lb/>
am 7. März doch, wie ich seinerzeit in der Regierung auch vorgeschlagen<lb/>
habe, im traditionsreichen Arbeiterheim in Floridsdorf stattfinden.<lb/>
Dort war die grosse Konferenz der illegalen Gewerkschaften und der<lb/>
Revolutionären Sozialisten 1938. Meiner Meinung nach der würdigste<lb/>
Platz, des Untergangs Österreichs zu gedenken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_13">Bei den Delegationen wurde anstelle des verstorbenen Dr. <rs type="person" ref="#per__97828">Pölz</rs><lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__113005">Fertl</rs>, im Bundesrat statt <rs type="person" ref="#per__113006">Reichl</rs> aus der Steiermark <rs type="person" ref="#per__97476">Gmoser</rs><lb/>
und statt <rs type="person" ref="#per__113007">Wally</rs> <rs type="person" ref="#per__113008">Radlegger</rs> beschlossen. <rs type="person" ref="#per__97476">Gmoser</rs> scheidet daher aus<lb/>
dem Aufsichtsrat der Vereinigten Edelstahlwerke aus und wird vom<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113009">Fekete</rs>, Bürgermeister von Kapfenberg, abgelöst. Für den Landes<lb break="no"/>verteidigungsrat wird <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs>, <rs type="person" ref="#per__113012">Kerstnik</rs>, <rs type="person" ref="#per__113013">Mandel</rs> und <rs type="person" ref="#per__113015">Schauberger</rs><lb/>
nominiert. In den Aufsichtsrat der Finanzierungsgarantiegesellschaft<lb/>
wird anstelle Dr. <rs type="person" ref="#per__97676">Lachs</rs> der Gewerkschafter Dr. <rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs> nominiert.<lb/>
Im Verein für Wohnbauförderung anstelle <rs type="person" ref="#per__113011">Kimmels</rs> jetzt <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> und<lb/>
seine Stellvertreter <rs type="person" ref="#per__97561">Hofmann</rs>, Sozialbau, <rs type="person" ref="#per__113010">Holoubek</rs>, BUWOG, und <rs type="person" ref="#per__113014">Zeitl<lb break="no"/>hofer</rs>, Oberösterreich. Im neu zu schaffenden Wirtschaftsrat der österr.<lb/>
Bundesforste wird NR <rs type="person" ref="#per__97996">Stögner</rs> und Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> delegiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_14">Die SJ hat eine Resolution gegen das Kernkraftwerk eingebracht<lb/>
und verlangt eine Volksabstimmung. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> wollte einen entsprechenden<lb/>
Antwortbrief vom Bundesparteivorstand beschliessen lassen, doch<lb/>
hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sofort erkannt, dass dies eine grosse Gefahr darstellt<lb/>
und nicht der richtige Weg ist. Da wir keine plebiszitäre Demokratie<lb/>
haben, auch nicht haben wollen, muss der Nationalrat als Volksvertre<lb break="no"/>tung und Repräsentant letzten Endes die entsprechende Beschlüsse<lb/>
fassen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird deshalb mit der SJ über dieses Problem eine Dis<lb break="no"/>kussion abführen. Eine schriftliche Erledigung erschien mir auch des<lb break="no"/>halb unzweckmässig, weil sich daran sicher nichts anderes als eine<lb/>
<pb n="41-0168" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band41/41_1978-02-16_0168.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Riesendiskussion, zumindestens in der gegnerischen Presse, ent<lb break="no"/>wickeln wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_15">In der Lebensmittelarbeitergewerkschaft hat unser Bildungsreferent<lb/>
eine Wirtschaftskonferenz für Wien einberufen. <rs type="person" ref="#per__98034">Veselsky</rs> berichtete<lb/>
über die allgemeine Wirtschaftslage, da ich aber überzeugt bin, dass<lb/>
Lebensmittelarbeiter insbesondere ihre spezifischen Probleme<lb/>
interessieren, ergänzte ich ausschliesslich nur den Wirtschaftsbericht<lb/>
mit den Problemen der spezifischen Nahrungs- und Genussmittelproduk<lb break="no"/>tion. An der Diskussion beteiligten sich leider nur 4, Kritik<lb/>
wurde auch an der Sozialpartnerschaft, insbesondere Paritätische<lb/>
Kommission geübt. Die Umverteilung, die stärkere Mitbestimmung und<lb/>
die Schwierigkeit in manchem Betrieb wurde besprochen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-16_16">In der Sektion Wildganshof konnte ich in der Jahresversammlung wieder<lb/>
einmal mehr feststellen, wie diese ehemalige Hochburg der Partei<lb/>
ständig veraltert, bei der letzten Jahresversammlung, die ich<lb/>
allerdings schon vor etlichen Jahren absolvierte, hatte ich den<lb/>
Eindruck, waren doch noch jüngere anwesend. In einen solchen Alt-<lb/>
Gemeindebau ziehen selbst, wenn die alten Genossen ausziehen<lb/>
nicht mehr nur Genossen hinein, junge Leute sind überhaupt an<lb/>
diesen eigentlich veralteten Wohnungen nicht besonders interessiert.<lb/>
Da mich diese alten Genossen natürlich schon jahrzehntelang<lb/>
kennen, habe ich dort immer einen sehr freundlichen Empfang,<lb/>
meine Gags kommen dort auch immer gut an, mit einem Wort, alle<lb/>
sind zufrieden. Der Wildganshof war einmal der mustergültige Sozial<lb break="no"/>bau in der ersten Republik, von jungen Familien besiedelt, jetzt wird<lb/>
er von immer einer älteren Bevölkerungschichte bewohnt und entspricht<lb/>
nicht mehr den Anforderungen, die man heute an Wohnungen stellt.<lb/>
Als die Gemeindebauten in der ersten Republik errichtet wurden,<lb/>
war Wasser und Klo in der Wohnung eine ungeheure Leistung. Niemand<lb/>
konnte ahnen, dass man einmal Bad oder zumindestens Dusche als<lb/>
selbstverständlich in den Wohnungen verlangen wird. Wer ahnt aber<lb/>
heute, was in den Neubauten in 10 oder 20 Jahren man eigentlich wird<lb/>
verlangen. Das, glaube ich, ist die Kunst der Kommunalpolitik, zu<lb/>
wissen, wie sich eine Stadt entwickeln wird und durch Beeinflussung dann<lb/>
diesen Trend zu unterstützen und nicht womöglich Entscheidungen treffen,<lb/>
die einem solchen Trend entgegenwirken. Das typische Beispiel war zuerst<lb/>
der Widerstand und dann die zu späte Entscheidung über den U-Bahnbau.<lb/>
Vielleicht allerdings ist die U-Bahn jetzt schon wieder als<lb/>
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Endes durch politische Massnahmen und unterstützende Politik<lb/>
ergibt sich der gute Ruf einer Führung in einer Stadt. In der ersten<lb/>
Republik hat die Gemeinde Wien in dieser Beziehung an der Spitze<lb/>
in der Welt gelegen, wie lange man von diesem Ruf zehren kann,<lb/>
wie lange man von den damaligen Grundeinstellungen: saubere Ver<lb break="no"/>waltung, moderne Politik, zehren kann, weiss ich nicht.<lb/>
Andererseits kann man durch eine so grossartige Vergangenheit<lb/>
durch die Tradition belastet werden. Voraussetzung, um eine solche<lb/>
Politik aber machen zu können, ist dass die Gemeinde Wien auf<lb/>
die wirtschaftliche Entwicklung grösstes Augenmerk legt und eine<lb/>
gewisse Priorität einräumt. Ohne Betriebe, ohne Arbeitsmöglich<lb break="no"/>keiten kann es keine wirkliche grosse kommunalpolitische Leistung<lb/>
geben. Die umliegenden Gemeinden Wien, die Industriezonen errichten,<lb/>
zeigen und beweisen, wohin dieser Trend jetzt führt. Der grösste<lb/>
Fehler war, den allerdings die sozialistische Gemeindeverwaltung nicht<lb/>
verursachte, sondern der ihr aufgezwungen wurde, als nicht zuletzt<lb/>
auf Forderung der sowjetischen Besatzungsmacht <choice><choice><sic>Grosswien</sic><corr>Groß-Wien</corr></choice></choice> der Nazizeit<lb/>
wieder auf die ursprünglichen Wiener Grenzen der ersten Republik<lb/>
mit kleinen Korrekturen zurückgeführt wurde. Wien hat derzeit keine<lb/>
Möglichkeit, sich durch ihre Gebietsbeschränkung wirklich gross<lb break="no"/>zügig entwickeln zu können und entsprechende Flächenkonzeptionen zu<lb/>
planen, trotz beständigen Rückganges der Bevölkerung werden die<lb/>
Flächenprobleme nicht kleiner, sondern eher grösser. Hier könnte<lb/>
nur eine grosszügige Regelung zwischen NÖ und Wien Abhilfe schaffen,<lb/>
die beiden Ländern sind aber nicht einmal imstande, einen Ver<lb break="no"/>kehrsverbund zustandezubringen. Hier spielt die verschiedene<lb/>
politische Konzeption eine entscheidende Rolle. Da es auf abseh<lb break="no"/>bare Zeit in beiden Ländern zu keiner Änderung der politischen<lb/>
Struktur grundlegend kommen wird, sehe ich daher auch in Zukunft<lb/>
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