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            <title type="main">Freitag, der 10. Februar 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_01">Freitag 10. Feber u. Samstag 11. Feber 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_02">Der Kurier bringt einen Artikel, dass die Personalvertretung<lb/>
ablehnt, mit <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> weiter zusammen zu arbeiten. Gleichzeitig<lb/>
wird mir von der Personalvertretung ein Brief übergeben, wo die<lb/>
Disziplinarfälle aufgezählt werden. Der Kurier ruft mich an<lb/>
und fragt, was ich zu diesen Anschuldigungen sage. Vorerst drücke<lb/>
ich meine Verwunderung aus, dass in der letzten Zeit alles zuerst<lb/>
der Presse mitgeteilt wird, bevor ich die Anschuldigungen auch nur<lb/>
gehört habe. Meine stereotype Auskunft ist deshalb, die ganze Frage<lb/>
wird genau geprüft. SChef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> wird von mir ersucht, aktenmässig<lb/>
alles gewissenhaftest zu prüfen, weil ich befürchte, dass früher<lb/>
oder später die Oppositionspartei im Parlament die ganze Affaire<lb/>
aufgreifen wird, da sie kaum Chancen gehabt hat, meine Personal<lb break="no"/>politik, die ihr sicherlich genauso zuwiderläuft wie der Handelskammer,<lb/>
ernstlich anzugreifen, wird jetzt – davon bin ich überzeugt – versucht<lb/>
werden, jede Kleinigkeit entsprechend hochzuspielen. SChef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs><lb/>
erklärt mir ausdrücklich, es besteht keinerlei Grund auf Grund des<lb/>
Briefes, bevor nicht die Untersuchung abgeschlossen ist, irgendwelche<lb/>
Massnahmen zu setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_03">Herr <rs type="person" ref="#per__112961">Stutterich</rs>, österr. Direktor des neuen Kaufhauses ABM auf der<lb/>
Mariahilfer Strasse, nach seiner Aussprache Schweizer Bürger, und vor<lb/>
allem der Vertreter der 38 Junior department stores in der Schweiz,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__112962">Cavelti</rs>, versichern mir, dass sie nur zur Erstausstattung des ABM-<lb/>
Marktes so viele Schweizer Waren hatten. Jetzt kaufen sie immer mehr<lb/>
österreichische Waren und dies nicht nur für den Markt in der<lb/>
Mariahilfer Strasse und für Shopping City Süd, sondern auch für<lb/>
ihre Schweizer Geschäfte. Er gibt uns eine lange Liste von österr.<lb/>
Firmen und Waren, die noch vergrössert wird. Derzeit kauft er für<lb/>
4 Mio Schweizer Franken für Österreich und für 10 Mio Schweizer Fran<lb break="no"/>ken für die Schweizer Geschäfte. Bei einem Umsatz von 450 Mio<lb/>
Schweizer Franken in der Schweiz ist dies nicht besonders viel, aber<lb/>
ein sehr guter Anfang. Im Halbjahr wird er uns einen entsprechenden<lb/>
Bericht geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte ständig Kontakt halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_05">SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> berichtet mir, dass er prüfen liess, wie wir die No<lb break="no"/>velle für das Preisregelungsgesetz in die Begutachtung schicken<lb/>
sollten. Er ist so wie ich davon überzeugt, dass auch unsere Anfrage,<lb/>
ob wir ein allumfassendes Preisstabilisierungsgesetz ins Parlament<lb/>
bringen sollen, wie dies vor zwei Jahren auch geschehen ist, garantiert<lb/>
eine negative Stellungnahme von den meisten zur Begutachtung berech<lb break="no"/>tigten Stellen bekommen werden. <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> möchte deshalb in die Novelle<lb/>
eine zweite Liste von Waren und insbesondere Dienstleistungen aufnehmen,<lb/>
die bei gewissen hohen Preissteigerungsraten in die amtliche Preis<lb break="no"/>regelung einbezogen werden könnten. Von diesem Vorschlag ersuche ich<lb/>
ihn, sollten wir schleunigst wieder abgehen, denn darin sehe ich<lb/>
nicht nur eine grosse Gefahr eines Streites mit der Bundeshandels<lb break="no"/>kammer über den Umfang dieser Liste, sondern auch überhaupt keine<lb/>
Möglichkeit, eine solche im Parlament mit 2/3-Mehrheit zu beschliessen.<lb/>
Die einzige Möglichkeit erblicke ich darin, einen Paragraph so aus<lb break="no"/>zugestalten, dass er verfassungsrechtlich die Zustimmung des Ver<lb break="no"/>fassungsdienst bekäme, d.h. eine zwar sehr unbestimmte, aber doch der<lb/>
Verfassung entsprechend determiniert zu sein, ohne taxativ die Waren<lb/>
und Dienstleistungen aufzählen zu müssen. Ich gebe mich keiner<lb/>
Illusion hin, dass wir die grössten Schwierigkeiten mit einer notwendi<lb break="no"/>gen Novelle zum Preisgesetz bereits im Begutachtungsverfahren haben wer<lb break="no"/>den und bei den Verhandlungen im Parlament auf den entschiedenen Wider<lb break="no"/>stand der ÖVP stossen werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_06"><rs type="person" ref="#per__111994">Hirsch</rs> teilt mir mit, dass Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> mit dem Präs. der Handelskammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und Gen.Sekr. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, jetzt aber in Funktion als ÖVP-Abge<lb break="no"/>ordnete, wegen des europäischen Patentübereinkommens eine eingehende<lb/>
Besprechung geführt hat und beide den Standpunkt teilen, die Ratifi<lb break="no"/>zierung dieses Übereinkommens sollte jetzt ins Parlament gebracht<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> hat auch mit den Vorsitzenden des Handelsausschusses,<lb/>
Abg. <rs type="person" ref="#per__112996">Staudinger</rs>, Gespräche vereinbaren. <rs type="person" ref="#per__111994">Hirsch</rs> meint, <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> ist<lb/>
nicht sehr glücklich, diese Einzelgespräche zu führen, denn seiner<lb/>
Meinung nach ist im Begutachtungsverfahren die Zustimmung aller<lb/>
mit Ausnahme der Patentanwaltskammer erfolgt und es gibt keine Not<lb break="no"/>wendigkeit mehr, Detailverhandlungen mit einzelnen Gruppen darüber<lb/>
zu führen. Diese Meinung teile ich deshalb nicht, weil, wie sich<lb/>
jetzt herausstellt, bei den Kündigungsverhandlungen über Formvor<lb break="no"/>schriften auch alle beteiligten Stellen in der Begutachtung zugestimmt<lb/>
haben und jetzt im Parlament immer wieder Schwierigkeiten bei der<lb/>
Beschlussfassung entstehen. Da ich wegen dieser Materie niemals einen<lb/>
Mehrheitsbeschluss herbeiführen möchte, bleibt allen nichts anderes<lb/>
<pb n="41-0137" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band41/41_1978-02-10_1978-02-11_0137.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>übrig, als vorbereitende Gespräche mit jeden Parlamentarier, der<lb/>
nicht von <choice><choice><sic>herneherein</sic><corr>vornherein</corr></choice></choice> überzeugt ist, dass unser Weg der richtige<lb/>
ist, zu führen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__111994">HIRSCH</rs>: Bitte mit Abg. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> die weitere Vorgangsweise<lb/>
abstimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_08">Botschafter <rs type="person" ref="#per__112963">Gmoser</rs> geht nach Argentinien, Geschäftsträger <rs type="person" ref="#per__112964">Hohenfell<lb break="no"/>ner</rs> nach Kuba. Beide haben nicht zuletzt durch unsere Round Table-<lb/>
Gespräche, die wir jeden abgehenden Botschafter geben, erkannt,<lb/>
dass die wirtschaftspolitischen Aktivitäten das wichtigste <choice><choice><sic>ist</sic><corr>sind</corr></choice></choice>. <rs type="person" ref="#per__112963">Gmoser</rs><lb/>
hofft zwar, dass er die Wiener Staatsoper nach Buenos Aires bringen<lb/>
kann, ohne dass dafür zusätzliche Budgetmittel aufgebracht werden<lb/>
müssen. Seine Hauptaufgabe sieht er aber darin, die Wirtschafts<lb break="no"/>beziehungen, die mit dem ganzen südamerikanischen Raum unbedeutend<lb/>
sind, wesentlich zu verbessern. <rs type="person" ref="#per__112964">Hohenfellner</rs> wieder hofft dasselbe<lb/>
für Kuba. Beide fragen an, ob ich bereit bin, einer eventuellen Ein<lb break="no"/>ladung der dortigen Regierungsstellen Folge zu leisten. Ich ersuche<lb/>
sie, diesbezüglich keine Aktivitäten zu entfalten, weil ich ent<lb break="no"/>sprechende Einladungen schon seit Jahren besitze, dafür aber wahr<lb break="no"/>scheinlich in absehbarer Zeit keine Möglichkeit sehe. Für mich ist<lb/>
es optisch günstiger, niemals am amerikanischen Kontinent während<lb/>
meiner Ministerzeit gewesen zu sein, als ein einziges Land besucht<lb/>
zu haben. Eine Selektion könnte nur so erfolgen, wenn ich in einem<lb/>
dieser Länder einen Vertrag zu unterzeichnen hätte. Nur in diesem<lb/>
Fall kann ich, ohne dass andere beleidigt wären, begründen, warum<lb/>
ich gerade dieses Land und nicht das andere besucht habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Kläre einmal, wo wir solche Verträge zu unter<lb break="no"/>zeichnen hätten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_10">Zum ersten Mal wurde ich von einem Interview im ungarischen Fern<lb break="no"/>sehen überrascht. Der Reporter, der mir vorher selbstverständlich<lb/>
auch wieder seine Fragen sagte, die ich gar nicht wissen wollte,<lb/>
hat dann im Laufe der Reportage doch sich so beweglich gezeigt, dass<lb/>
er auch andere Themen angeschnitten hat. Am interessantesten für<lb/>
mich war, dass er – und dies erstmalig, seitdem ich mit Staatshandels<lb break="no"/>ländern Interviews gebe – auch kritische Fragen gestellt. Für mich<lb/>
war dies eine interessante Erkenntnis über die ungarische Entwick<lb break="no"/>lung.</p>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_11">MR <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> teilt mir mit, dass er jetzt bei der Tagung in Paris<lb/>
neuerdings von den anderen Ländern zum Präsidenten der Internat.<lb/>
Tourismusorganisation vorgeschlagen wird. Er möchte diese Funktion<lb/>
noch einmal übernehmen, obwohl er zeitlich beschränkt nur zweimal<lb/>
im Jahr nach Paris gefahren ist. Ich erkläre ihm, dass ich dagegen nichts<lb/>
einzuwenden habe, mache aber darauf aufmerksam, dass im immer stärkeren<lb/>
Masse seine Abwesenheit aus Wien von den verschiedensten Leuten –<lb/>
und nicht nur seiner Abteilung kritisiert wird. <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> gibt dies un<lb break="no"/>umwunden zu und meint, er würde sich bemühen, die Aktivitäten auf ein<lb/>
Minimum zu beschränken. Gleichzeitig informiert mich <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, dass wir<lb/>
für die Buchungsaktion START, die dem Vorarlberger Rechenzentrum<lb/>
1.5 Mio Schilling bis jetzt gekostet hat, 500.000 Schilling a conto<add>[akonto]</add><lb/>
geben soll. Die allgemeine Zimmerreservierung ADZ hat grosse Schwie<lb break="no"/>rigkeiten, in Deutschland die entsprechenden Regionen zu erfassen.<lb/>
Da an das System 600 deutschen Reisebüros angeschlossen sind, kann<lb/>
diese Entwicklung in Deutschland dem System angeblich nichts anhaben<lb/>
und für Österreich von umso grösserer Bedeutung werden. Im ADZ ist die<lb/>
Deutsche Bundesbahn, die Lufthansa und die grosse Reiseorganisation<lb/>
TUI mit je 25% beteiligt, aber auch das deutsche Reisebüro Neckermann,<lb/>
GUT usw. sind zwar mit geringerem Anteilen, aber dennoch ebenfalls<lb/>
an ADZ beteiligt. Wie immer es also in der Bundesrepublik weitergeht,<lb/>
wenn das System nicht zusammenbricht – und darüber besteht keinerlei<lb/>
Befürchtungen – wird die Computerreservierung für Österreich von<lb/>
grosser Bedeutung. Ich stimme im Prinzip zu, dass wir diese A-conto-<lb/>
Zahlung<add>[Akontozahlung]</add> leisten, da es für unsere Versuchsgemeinden von grösster Bedeu<lb break="no"/>tung ist, dass das System so schnell als möglich eingeführt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_12">Beim Jour-fixe mit AK und ÖGB verlangen beide eine endgültige<lb/>
Klärung der Elektrizitätspreiserhöhung. <rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs>, ÖGB, meint, wir sollten<lb/>
unbedingt für den höheren Stromverbrauch über 3.000 kW-Stunden pro<lb/>
Haushalt einen höheren Tarif verlangen. Die Arbeiterkammer, <rs type="person" ref="#per__112965">Maurer</rs>,<lb/>
die ursprünglich eine solche Idee vorgeschlagen hat, ist jetzt auf<lb/>
Grund von Erhebungen in Vorarlberg und Tirol, wo die Haushalte bis zu<lb/>
6.000 kW-Stunden verbrauchen, sehr skeptisch hier tatsächlich eine<lb/>
solche Strompreisprogression einzuführen. Am liebsten wäre beiden,<lb/>
wenn ich die Grundgebühr abschaffen würde und es in Hinkunft nur mehr<lb/>
Arbeitspreise gäbe. Dazu sehe ich auch keine Möglichkeit, zu einer<lb/>
einvernehmlichen Lösung zu kommen. Ich sehe schon, wenn letzten Endes<lb/>
alle Möglichkeiten durchdiskutiert sind, wir, so wie das letzte Mal,<lb/>
nur mehr eine perzentuelle Erhöhung des Arbeitspreises vornehmen und<lb/>
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keine progressive Strompreispolitik eingeleitet, wohl aber die<lb/>
Degression, die derzeit herrscht, ein wenig vermindert. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> hat<lb/>
wieder mehr eine originelle Idee. Da nach Mitteilung der OÖ<add>[oberösterreichischen]</add> Arbeiter<lb break="no"/>kammer die Öl- und Benzinpreise überhöht sind und ich nach seiner Auf<lb break="no"/>fassung unbedingt in der nächsten Zeit entsprechende Senkungen<lb/>
preisrechtlich dekretieren müsste, soll ich den Heizöl-Schwer-Preis<lb/>
insbesondere für die Elektrizitätswirtschaft senken und dadurch<lb/>
könnte überhaupt auf eine Strompreiserhöhung verzichtet werden.<lb/>
Nach Auffassung <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllners</rs> muss ich in der nächsten Zeit eine Korrektur<lb/>
der ÖMV und RAG, sowie aller internationaler Gesellschaften verlangten<lb/>
Preise amtlich herbeiführen. In einer heftig geführten Diskussion<lb/>
setze ich der Arbeiterkammer und ÖGB auseinander, wie schwierig es<lb/>
ist, selbst SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> davon zu überzeugen, Aktivitäten zu setzen,<lb/>
die rechtlich einwandfrei sein müssen. Das Preisgesetz ist vollkommen<lb/>
unzulänglich. Die Amtshaftung könnte hier am ehesten zu tragen kommen,<lb/>
weshalb alle Beamten vor nicht einwandfreien Massnahmen zurück<lb break="no"/>schrecken. Allein die Einbeziehung von Gas in die amtliche Preis<lb break="no"/>regelung macht jetzt die grössten Schwierigkeiten. Die ÖMV ist bereit,<lb/>
bis zur letzten Konsequenz den Abwehrkampf zu führen. Da der Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund und die Arbeiterkammer dem Finanzminister durch Erhöhung<lb/>
der Bundesmineralölsteuer mehr Einnahmen<add>[Mehreinnahmen?]</add>, die allerdings ja für den<lb/>
Strassenbau zweckgebunden sind, verschaffen wollen, darf ich jetzt<lb/>
keinerlei amtliche Preisregelungen und Korrekturen vornehmen. Dies<lb/>
sehen letzten Endes sogar <rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs> und <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> ein. Nur wenn der<lb/>
Finanzminister, der von der Arbeiterkammer und insbesondere Gewerk<lb break="no"/>schaftsbund auf diese Möglichkeit bereits im Vorjahr aufmerksam<lb/>
gemacht wurde, auf ihren Vorschlag eingeht, kann ich, wenn die ÖMV<lb/>
trotz Mineralölsteuererhöhung eine solche auf die Preise überwälzen<lb/>
möchte, zu diesem Zeitpunkt dann entsprechende preisgesetzliche Mass<lb break="no"/>nahmen setzen. Da ich in dieser Auseinandersetzung nicht einsehe,<lb/>
warum ich mich sowohl mit AK und ÖGB als auch mit der ÖMV zerstreiten<lb/>
soll, verständige ich in Anwesenheit noch aller Jour-fixe Teilnehmer<lb/>
GD <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs> von der ÖMV und ersuche ihn, sich mit den Konsumentenvertre<lb break="no"/>tern zusammenzusetzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_13">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dir berichten, was dabei herauskommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_14">Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat mich in einem Schreiben ersucht,<lb/>
Bruchreis doch in die Entliberalisierung im Rahmen des GATT<lb/>
einzubauen. Seiner Meinung nach hat die Arbeiterkammer gegen<lb/>
eine solche Vorgangsweise nichts einzuwenden. <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs>, den ich<lb/>
mit diesem Standpunkt konfrontiere, behauptet sofort das Gegen<lb break="no"/>teil. Die Arbeiterkammer hat grösste Bedenken, Bruchreis zu<lb/>
entliberalisieren, da insbesondere die Handelskammer für die<lb/>
Brauindustrie für 15.000 Tonnen eine kontingentmässige Ausnahme<lb/>
wünscht. Wesentlich mehr Bruchreis wird jetzt ebenfalls nicht ein<lb break="no"/>geführt. Andererseits aber hat <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> recht, wenn er darauf hin<lb break="no"/>weist, dass wir jetzt einen Aussenschutz von 623 Schilling pro<lb/>
Meterzentner festlegen, gleichzeitig aber durch die Tatsache, dass<lb/>
im GATT mit 7 Schilling pro mq die GATT-Bindung existiert, diese<lb/>
Schutzmassnahme vollkommen wirkungslos ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Lass prüfen, wie weit wir aus diesem Dilemma<lb/>
einen anderen Ausweg finden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_16">Die Frage der Vorlage aller BÜRGES-Fälle, die die Obergrenze von<lb/>
2.5 Mio Schilling, die auf 3.75 erhöht werden sollen, im Beirat<lb/>
anordnen sollen, wird zwischen Frau <rs type="person" ref="#per__112966">Goldmann</rs> und SChef <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> unter<lb/>
Zuziehung von <rs type="person" ref="#per__98112">Zöllner</rs> und <rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs>, ÖGB, noch einmal verhandelt werden.<lb/>
Der Freie Wirtschaftsverband möchte nicht so weit gehen wie die<lb/>
Arbeiterkammer-Vertreterin.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_17">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte kläre, was <rs type="person" ref="#per__112966">Goldmann</rs> wirklich beabsichtigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_18"><rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs> macht mich aufmerksam, dass der ÖGB niemals zustimmen wird,<lb/>
dass die Chemie-Facharbeitergewerkschaft die Welser Papierfabrik<lb/>
tatsächlich übernimmt. Der Umsatz ist von 420 Mio auf 400 zurück<lb break="no"/>gegangen, ein negativer cash flow von 50 Mio Schilling zeigt die<lb/>
tatsächliche Situation. 1977 wurden 68 Mio Schilling Defizit und<lb/>
1978 werden es auch mindestens 60 Mio Schilling sein. Niemand kann<lb/>
dort positiv wirtschaften, selbst wenn er keinerlei Abschreibungen<lb/>
verdienen muss. Die Betriebskosten können durch die schlechten<lb/>
Preise und die alte Fabrik nicht mehr erwirtschaftet werden. <rs type="person" ref="#per__111004">Schmidt</rs><lb/>
fragt noch ironisch, ob die Lebensmittelarbeitergewerkschaft eben<lb break="no"/>falls beabsichtigt, die Ankerbrot-Fabrik zu übernehmen. Ich erkläre<lb/>
sofort rundwegs, dass eine solche Absicht nicht besteht und von<lb/>
mir sicherlich nicht akzeptiert werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band41_1978-02-10_19">Nach einem Diskussionsvormittag, <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, <rs type="person" ref="#per__109293">Busek</rs>, <rs type="person" ref="#per__97515">Hanreich</rs>,<lb/>
Samstag im Europahaus Linzer Strasse, habe ich Gelegenheit, mittags<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> über die weitere Vorgangsweise im Parlament bezüglich<lb/>
der Kernenergie zu sprechen. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> ist auf Grund der Beschlüsse<lb/>
des ÖVP-Bundesparteivorstandes ein wenig optimistischer. Ich selbst<lb/>
erklärte ihm, bin über diesen Beschluss sehr positiv überrascht.<lb/>
Natürlich ist diese Schwamm-, um nicht zu sagen Leerformel, wir<lb/>
brauchen die Kernkraft – und wenn alle Sicherheitsvorkehrungen<lb/>
inkl. der Endlagerung gelöst sind, kann Zwentendorf in Betrieb<lb/>
gehen, keineswegs noch gesichert, dass tatsächlich nach Baufortschritt<lb/>
<choice><choice><sic>verlauf</sic><corr>?</corr></choice></choice> in absehbarer Zeit die Nulleistung von <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> genehmigt<lb/>
werden kann. Da die ÖVP formal, aber ähnlich der der SPÖ ist, wird<lb/>
es ausschliesslich bei der Bundesregierung liegen, zu entscheiden,<lb/>
wann die Zwischen- und Endlagerung von Atommüll als gelöst betrachtet<lb/>
werden kann. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sowieso nicht beabsichtigt, diese Ent<lb break="no"/>scheidung dem Parlament zu überlassen, sondern er immer wieder<lb/>
erklärt, dies sei eine Frage der Exekutive, wird meiner Meinung<lb/>
nach in ein paar Monaten, je nach Baufortschritt früher oder später,<lb/>
<rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> diesbezüglich endgültig zu entscheiden haben. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs><lb/>
ist nach wie vor sehr skeptisch, dass nicht im Laufe der parlamen<lb break="no"/>tarischen Verhandlungen neuerdings grosse Schwierigkeiten von seiten<lb/>
der ÖVP kommen. Ich erkläre ihm, dass derzeit die Schwierigkeiten<lb/>
der ÖVP von unseren Leuten gemacht werden. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> erklärte meiner<lb/>
Meinung nach voreilig, die ÖVP macht einen Eiertanz, die AZ bringt<lb/>
Samstag eine Karikatur, wo <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> unter dem Stuhl, auf dem <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs><lb/>
sitzt, die Brennstäbe ablegt. Diese kleinen Nadelstiche können meiner<lb/>
Meinung nach die Atmosphäre sehr vergiften und zu einer weiteren<lb/>
Verschlechterung des Verhandlungsklimas führen. Die einzig positive<lb/>
Aussage war die des Klubobmanns <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, die ich auch sehr begrüsst<lb/>
habe. Er teilt mir mit, dass er nach Rücksprache mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs><lb/>
genau einen solchen Eindruck erwecken wollte, weil er auch über<lb break="no"/>zeugt ist, dass wir nur auf dieser Basis zu einer, wenn auch noch<lb/>
so schwachen Lösung und Vereinbarung über eine Entschliessung kommen<lb/>
können. <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> fragt, wie diese Entschliessung aussehen sollte.<lb/>
Natürlich wäre uns und insbesondere <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs>, die ja letzten Endes<lb/>
den Bescheid ausfertigen muss, mehr geholfen, wenn in dieser Ent<lb break="no"/>schliessung nicht nur drinnen steht, dass wir Kernkraft brauchen<lb/>
und Tullnerfeld in Betrieb gehen kann, wenn alle Sicherheitsvorkehrungen<lb/>
eingehalten und die End- und Zwischenlagerung gelöst ist, doch können<lb/>
wir von der ÖVP nicht mehr verlangen, als selbst <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht be<lb break="no"/><pb n="41-0142" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band41/41_1978-02-10_1978-02-11_0142.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>reit war, im sozialistischen Parteivorstand zu beschliessen.<lb/>
Die Entschliessung, die letzten Endes das Parlament hoffent<lb break="no"/>lich fassen wird, kann nicht weitergehen, sollte aller<lb break="no"/>dings auch nicht noch schwächer gefasst sein. Die Regierung<lb/>
wird sowieso damit noch die grössten Schwierigkeiten haben,<lb/>
die Inbetriebnahme von Zwentendorf zu rechtfertigen. Tag für<lb/>
Tag rücken wir nämlich den Zeitpunkt näher, wo die KWU zwar<lb/>
mit fast 2-jähriger Verspätung, aber dann doch die technische<lb/>
Fertigstellung zum Probebetrieb melden wird. Ab diesem Zeit<lb break="no"/>punkt wird die eindeutige Schuld der Verzögerung dann bei der<lb/>
Bundesregierung resp. Gesundheitsministerium liegen. Ich wünschte<lb/>
mir von <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> nichts anderes, als dass bis zu diesem Zeitpunkt<lb/>
womöglich schon das Parlament die Debatte beendet und eine<lb/>
Entschliessung ähnlich des Beschlusses des SPÖ-Parteivorstandes<lb/>
und des ÖVP-Parteivorstandes gefasst hat. Mehr zu erwarten, wäre eine<lb/>
glatte Illusion.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 10.2.1978</head>
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