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            <title type="main">Mittwoch, der 11. Jänner 1978</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <idno type="signature">Band40_1978-01-11</idno>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_01">Mittwoch, 11. Jänner 1978<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_02">Die Betriebsräte der Zuckerfabriken erklärten mir, dass sie<lb/>
hoffen, wegen der weiteren Verlängerung des Zuckerarrangement<lb/>
eine einvernehmliche Regelung gefunden werden kann. Sie sind<lb/>
fest davon überzeugt, dass wenn die Zuckerproduktion wieder<lb/>
nur auf den inländischen Bedarf beschränkt wird, dann eine wei<lb break="no"/>tere Fabrik geschlossen wird. Die Arbeiter der Dürnkruter Zucker<lb break="no"/>fabrik sind zwar in Hohenau und Leopoldsdorf untergekommen. Die<lb/>
Gemeinde fürchtet aber durch das Auspendeln und vor allem durch<lb/>
die Stillegung der einzigen Fabrik in ihrem Gebiet, dass sie<lb/>
früher oder später finanziell ausblutet.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte Zuckerarrangement aufs nächste Jour<lb/>
fixe setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_04">Der ungarische Handelsrat <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> ersuchte mich, die Schirmherrschaft<lb/>
über ein Rechenzentrum Komposium und Ausstellung zu übernehmen.<lb/>
Der Binnenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__110926">Saghy</rs>, der auch für den Fremdenverkehr<lb/>
zuständig ist, möchte vom 2.–5.3. nach Österreich kommen. Ich<lb/>
versprach, dass er die Möglichkeit haben wird, mit Sozialversi<lb break="no"/>cherungsfachleuten wegen Entsendung österreichischer Patienten<lb/>
in die Bäder Termine vereinbart bekommt. Darüber hinaus möchte<lb/>
er mit der Österr. Kontrollbank und anderen Konstitutionen Ver<lb break="no"/>handlungen führen, um Fremdenverkehrseinrichtungen finanziert<lb/>
und gebaut zu bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte für Donnerstag und Freitag ein fixes<lb/>
Programm für ihn erstellen und Samstag evtl. Sonntag dann entspre<lb break="no"/>chende Besichtigungen von Fremdenverkehrseinrichtungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_06"><rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> berichtet, dass Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110928">Szalay</rs> ihm mitteilte, dass<lb/>
die Kooperation Voith – Technoimpex, Papierfabriklieferung nach<lb/>
Algerien, technisch und dienstleistungsmässig abgeschlossen ist.<lb/>
Die Bauaufträge soll die deutsche Firma <choice><choice><sic>Monir Bau</sic><corr>Beton- und Monierbau AG</corr></choice></choice>, Düsseldorf,<lb/>
übernehmen, die aber noch nicht zugestimmt hat. Die wichtigste<lb/>
Frage aber, die kommerzielle Abstimmung resp. Vereinbarung, fehlt<lb/>
noch immer. Ich fürchte, dass daran das ganze Projekt scheitern kann.<lb/>
Ähnlich liegt die Situation bei der Maisverarbeitung die Vogelbusch,<lb/>
Vereinigte Edelstahlwerke, den Ungarn angeboten haben. Ich habe mit<lb/>
<pb n="40-0017" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band40/40_1978-01-11_0017.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>allen Nachdruck, derartig ernst, dass sogar <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> über<lb break="no"/>rascht war, <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> erklärt, dass Österreich, insbesondere aber<lb/>
die verstaatlichte Industrie erwartet, dass VEW diesen Zuschlag<lb/>
bekommt. In der letzten Zeit insbesondere das Anbot der VOEST<lb/>
für Miskolc wurde von den Ungarn die Politik verfolgt, sich<lb/>
zwar mit Deckungsofferten alle Ausschreibungsprobleme und letzten<lb/>
Endes auch das technische know how zu verschaffen, bei anderen<lb/>
Anbietern dann den Preis entsprechend zu drücken, Österreich dann<lb/>
ein solch ungenügendes Gegenangebot zu machen, dass letzten Endes<lb/>
ein anderer Lieferant den Zuschlag bekommt. <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> erklärte sofort,<lb/>
dass dies in diesem Fall nicht zutrifft. Er selbst, ja sogar<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110971">Biro</rs> und Min.Präs. <rs type="person" ref="#per__110938">Lazar</rs> grössten Wert darauf legen, dass endlich<lb/>
dieses erste Grossprojekt Österreich zugeschlagen bekommt und nur<lb/>
kleine Differenzen noch bestehen. Im VOEST-Projekt waren es 3 Mio<lb/>
Dollar Differenz. Das letzte Anbot der VEW war 562 Mio Schilling<lb/>
plus 5 Mio Forint für Auslöse der österreichischen Monteure. Angeb<lb break="no"/>lich soll das Gegenangebot nur wesentlich geringer lauten und <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs><lb/>
hofft, dass ich ihm unterstützen werde, dass Österreich doch diesen<lb/>
Zuschlag bekommen kann. Im Laufe des Tages sprach ich dann mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110977">Steinbauer</rs>, Vereinigte Edelstahlwerke, der sich bei mir wegen der<lb/>
Intervention bedankte und feststellte, dass die Ungarn tatsächlich<lb/>
jetzt grosses Interesse zeigen und <rs type="person" ref="#per__110925">Madai</rs> beauftragt haben, mit ihm<lb/>
zu einer Lösung zu kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Lass Dir berichten, wie dieses Geschäft weiter<lb break="no"/>geht.<add>bereits Zuschlag!</add></p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_08">SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> berichtet mir, dass es mit der ÖMV Schwierigkeiten wegen<lb/>
der Anpassungsverträge bezüglich der Mindestaufsuchungsverpflichtungen<lb/>
gibt. Die ÖMV möchte weniger Aufschluss machen als die RAG, als<lb/>
die Multis, Mobil und Shell, bereits akzeptiert haben. Der OB<lb/>
schwebt vor, 70% ihrer jetzigen Investition, allerdings wertgesichert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_09">Die Besprechung mit den Ländervertretern über Energiesparmassnahmen<lb/>
läuft gut. Dr. <rs type="person" ref="#per__110944">Zluwa</rs> hat hier gute Vorarbeit geleistet. Mir erscheint<lb/>
diese Aktivität ungeheuer wichtig, weil dadurch neuerdings bewiesen<lb/>
wird, dass das Handelsministerium sehr wohl auf dem Energiespar<lb break="no"/>sektor zweckmässige und zielstrebige Schritte unternimmt. <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs><lb/>
möchte zwei Studien in diesem Jahr vergeben – eine für die Energie<lb break="no"/>versorgung Oberösterreichs und die zweite über Wärmepumpen. Ich bin<lb/>
selbstverständlich mit beiden einverstanden, weil dies gegenüber<lb/>
<pb n="40-0018" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band40/40_1978-01-11_0018.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>dem Vorjahr eine wesentliche Reduzierung seiner Studienaufträge<lb/>
bedeutet. <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> schlägt nur mit Recht vor, dass in Hinkunft<lb/>
alle unsere Studien so wie zum grössten Teil auch bereits in der<lb/>
Vergangenheit durch Beteiligung anderer mitfinanziert werden soll.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__109811">BURIAN</rs>: Bitte versucht eine formelle Lösung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> zu finden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_11">Der Versuch, MR <rs type="person" ref="#per__110981">Pelzl's</rs>, die Sicherheitsagenden der OB an die<lb/>
Arbeitsinspektorate zu übertragen, wodurch er selbst ins Sozial<lb break="no"/>ministerium übersiedeln könnte, stösst bei den anderen OB-Mitgliedern<lb/>
auf schärfsten Widerstand. Darüber bin ich gar nicht so glücklich.<lb/>
Politisch bringt es uns zwar eine ideale Argumentation, doch<lb/>
glaube ich, dass es sachlich tatsächlich begründet wäre, die Behörde,<lb/>
welche über die Aufschliessung und den Abbau unter Tags die Aufsicht<lb/>
führt, soll nicht gleichzeitig auch die Kontrolle über die Sicher<lb break="no"/>heitsmassnahmen haben. Selbst in den COMECON-Staaten ist dies<lb/>
streng getrennt. Da jetzt in nächster Zeit die Kompetenzen bezügl.<lb/>
des Gesundheitsministeriums und der anderen Ministerien neu abge<lb break="no"/>grenzt wird und damit das Ministeriengesetz novelliert werden<lb/>
muss, wäre bei dieser Gelegenheit die beste Möglichkeit, auch dieses<lb/>
Problem zu bereinigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte auf nächste Sektionsleitersitzung setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_13">Im Parteivorstand hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, ähnlich bei der Regierungsklausur, eine<lb/>
Schilderung der politischen und wirtschaftlichen Situation gebracht.<lb/>
Insbesondere erwähnte er meine Aktivitäten im Hinblick auf seinen<lb/>
Besuch, wo ich ihn begleiten soll, in der UdSSR und DDR. Mit <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs><lb/>
hat er im Zuge der Staatsvertragsverhandlungen die Öllieferung von<lb/>
10 Mio auf 6 Mio Tonnen reduziert und auch die Warenlieferung für<lb/>
die 150 Mio Dollar vereinbart. Da er <rs type="person" ref="#per__97652">Kossygin</rs> kennt, hofft er, bei<lb/>
dem Besuch eine Lösung für die 3 Mia Schilling Handelsbilanzpassivum<lb/>
zu finden. Beim DDR-Besuch rechnet er, wie ich mit Minister <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs><lb/>
vereinbart, schon auf konkrete Geschäftsabschlüsse. Insbesondere<lb/>
erwähnt er immer wieder das Österreich-DDR-Algerien Projekt für<lb/>
2 bis 2.5 Mia Schilling.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98072">WIESINGER</rs>: Bitte deshalb mit <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> verbinden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_15"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ergänzte das Referat wie schon auch bei der Regierungs<lb break="no"/>klausur. Er machte nur eine interessante Rechnung. Die 300 Mio<lb/>
Schilling in den nächsten 3 Budgets sollen, da sie 5 Jahre<lb/>
fristig sind, 4.5 Mia Schilling ausmachen,<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97727">MARSCH</rs>: Bitte kläre, wie es sich damit verhält.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_17"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> berichtete dann über die Bestellung <rs type="person" ref="#per__97647">Koren's</rs> zum Österr.<lb/>
Nationalbank-Präsidenten. Der Nationalbankpräsident muss ein<lb/>
starker Fachmann sein, damit er nicht auf die Ratgeber angewiesen<lb/>
ist. <rs type="person" ref="#per__110982">Kienböck</rs> z.B. war ein solcher, <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> das Gegenteil. Auch<lb/>
in Deutschland ist der Nationalbankpräsident nicht Mitglied der<lb/>
Regierungsparteien, in Schweden wollte die Regierung den Präsidenten<lb/>
belassen, die sozialdemokratische Partei hat aber seine Absetzung<lb/>
verlangt und damit ist man sehr schlecht gefahren. In Amerika<lb/>
gibt es den Krieg zwischen der Administration Präsident <rs type="person" ref="#per__109804">Carters</rs><lb/>
und den als Österreicher sich bezeichnenden <rs type="person" ref="#per__110983">Burns</rs>. Auch dies tut<lb/>
der amerikanischen Währung nicht gut. Österreich braucht wegen den<lb/>
accrediting, d.h. seiner Kreditwürdigkeit auch um zur Erhaltung<lb/>
des <choice><choice><sic>tripple e ??</sic><corr>Triple A</corr></choice></choice> eine starke Persönlichkeit in der Nationalbank.<lb/>
Dafür käme nur <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs>, der leider zu krank ist, <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs>,<lb/>
der aus der Politik nicht entlassen werden kann oder <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> in Frage.<lb/>
Mit <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> ist vereinbart, wie dann auch <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> noch ergänzte,<lb/>
dass er vom Dirimierungsrecht des Präsidenten niemals Gebrauch<lb/>
machen wird, eher müsste er zurücktreten, er alles im Einver<lb break="no"/>nehmen mit dem Kontaktmann Vizepräsidenten <rs type="person" ref="#per__98043">Waldbrunner</rs> durchführen<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97647">Koren</rs> wird die Regierungspolitik, wie im Nationalbankgesetz<lb/>
unterstützen. In einem einzigen Punkt bleibt er sozusagen autonom,<lb/>
dass nicht über die Notenbankpresse das Budget finanziert wird.<lb/>
Alles andere, wie Wechselkurs, Kapitalmarkt, Politik usw. wird das<lb/>
Primat des Finanzministeriums von ihm eindeutig anerkannt. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
erwähnte noch, dass es angeblich eine Vereinbarung zwischen <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs><lb/>
und der sozialistischen Fraktion oder auch Führung in der National<lb break="no"/>bank gibt, wonach die Kompetenzaufteilung zwischen schwarz und rot<lb/>
versteinert ist. Darüber hätte <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> erst jetzt erfahren und<lb/>
meint, dazu seien wir 1970 nicht gewählt worden resp. in die Re<lb break="no"/>gierungsfunktion gekommen, um hier nichts zu ändern. Bei diesem<lb/>
Ausspruch dachte ich, wie wahr, aber wie wenig die meisten danach<lb/>
handeln. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> erwähnte nur, dass die präpotente Äusserung <rs type="person" ref="#per__98003">Taus</rs>,<lb/>
die Sozialisten hätten niemanden, weshalb <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> auf die bis jetzt<lb/>
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müsse, bei unseren Genossen Empörung auslöst. Nicht nur, dass<lb/>
man mit Recht sagen kann, wie haben genug Leute, müsste man<lb/>
justament einen Mann von uns bestellen. Dies wäre aber politisch<lb/>
nicht richtig. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hätte sich diesen Posten verdient, doch<lb/>
kann er aus der Politik nicht entlassen werden. Unbedingt muss<lb/>
aber eine Vertragsänderung für den Präsidentenposten erfolgen.<lb/>
Wenn <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs> vorzeitig weggeschickt worden wäre, hätte er 8 Mio<lb/>
Abfertigung bekommen. <rs type="person" ref="#per__97922">Schmitz</rs> hat man unverantwortlicher Weise<lb/>
in der ÖVP-Zeit seinerzeit eine doppelte Abfertigung gegeben, die<lb/>
ihm gar nicht zusteht und die <rs type="person" ref="#per__97637">Kloss</rs> jetzt ebenfalls verlangt.<lb/>
Einstimmig wurde dann die Berufung <rs type="person" ref="#per__97647">Korens</rs>, die auch in meinen<lb/>
Augen ein Meisterschachzug politischer Taktik <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky's</rs> ist,<lb/>
beschlossen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_18">Bei dem Bericht über die Finanzsituation konnte das erste Mal<lb/>
seit dem ich es genau verfolge und mitbeschliesse, ein befriedigendes<lb/>
Resultat erzielt werden. Von 75, 68 Mio Einnahmen sind wir auf<lb/>
84 Mio gestiegen. 8 Mio Mitgliedsbeiträge, und was das wichtigste<lb/>
ist, 31 Mio Schilling Subventionen neben 2 Mio Schilling Partei<lb break="no"/>steuer. Die Subventionen machen bei uns 63.6% der Mitgliedsbei<lb break="no"/>tragseinnahmen aus, bei der ÖVP, die 25 Mio Schilling bekommt,<lb/>
sind dies 182.5% des Mitgliedsbeitragsaufkommens. Die ganze ÖVP<lb/>
bringt nur 13.7 Mio Mitgliedsbeiträge auf. 67 Mio Schilling sind<lb/>
die Ausgaben, Personal 31, public relation 29, Organisation 8 Mio.<lb/>
Deshalb können 11.5 Mio Schilling für Wahlfonds und Abfertigungen<lb/>
zurückgelegt werden. Der Verlustvortrag von 22 Mio Schilling kann<lb/>
durch Überschüsse aus der zweiten Halbjahrsubvention des Staates<lb/>
durch 5 Mio Schilling vom SPÖ-Klub und durch Überschüsse mit 9 Mio<lb/>
Schilling abgedeckt werden. Die Partei beginnt sich schön langsam<lb/>
zu erfangen. Wäre es nicht zu der Parteifinanzierung durch den Staat<lb/>
gekommen, weiss ich nicht, wie die ständig wachsenden Ausgaben<lb/>
hätten finanziert werden können. Die ÖVP kann mit 17.6 Mio Schilling<lb/>
Personalkosten, welche 128% ihres Mitgliedsbeitragsaufkommens ist,<lb/>
bei der SPÖ inklusive der 115 Bezirkssekretäre nur 35.5 Mio Schilling<lb/>
oder 73.6% des Mitgliedsbeitragsaufkommen wenigstens einigermassen<lb/>
ihren Apparat finanzieren, was die ÖVP nicht mehr kann. Der Bericht<lb/>
wurde einstimmig positiv zur Kenntnis genommen. Rein formell auch<lb/>
der grosse Unterschied, die Unterlagen können jetzt behalten werden,<lb/>
während sie früher in der <choice><choice><sic>miessn</sic><corr>miesen?</corr></choice></choice> Finanzsituation stets immer ein<lb break="no"/><pb n="40-0021" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band40/40_1978-01-11_0021.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>gesammelt wurden. Jetzt müssen allerdings die Unterlagen dem<lb/>
Staat vorgelegt und publiziert werden, früher war es eine reine<lb/>
Angelegenheit der Partei und man war ängstlich bemüht, dass<lb/>
ja nichts in die Öffentlichkeit dringt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_19">Beim Vorwärts wird der jetzige Vorsitzende <rs type="person" ref="#per__110984">Eder</rs> wieder in den<lb/>
Aufsichtsrat zurückkehren und dort einige Agenden des Vorsitzenden<lb/>
des Aufsichtsrates, <rs type="person" ref="#per__97727">Marsch</rs>, als Stellvertreter mit <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> über<lb break="no"/>nehmen. Ein weiteres Vorstandsmitglied wird berufen, nämlich<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110985">Lebrunner</rs>, ein Linzer Genosse Jahrgang 1929, der in Amerika,<lb/>
Kanada und in Deutschland in Papier-, Druckerei- und Verpackungsma<lb break="no"/>schinen gearbeitet hat. Neben <rs type="person" ref="#per__97412">Egger</rs> und <rs type="person" ref="#per__110987">Henschl</rs>, der den Buchhandel<lb/>
vertritt und Verlag macht, soll <rs type="person" ref="#per__110985">Lebrunner</rs> jetzt den Vorwärts<lb/>
scheinbar sanieren. Die RUEFA wird ihr Gesellschaftskapital erhöhen,<lb/>
die SPÖ mit ihrem Anteil aber nicht mitmachen. Der Minianteil ver<lb break="no"/>bleibt, weil die Zentrale der RUEFA in der Löwelstrasse nach wie<lb/>
vor residiert. In Tirol wird die Mediapress Tyrol Ges.m.b.H.,<lb/>
die insbesondere für den Postversand wichtig ist, als Firma konsti<lb break="no"/>tuiert. Progress, wo es 1974 mit der Geschäftsführung grosse<lb/>
Schwierigkeiten gegeben hat, soll durch Dr. <rs type="person" ref="#per__110986">Helmut Junker</rs>, einen<lb/>
Werbefachmann aus den Sparkassenverband in Hinkunft als Ge<lb break="no"/>schäftsführer saniert und geführt werden. Die Arbeitsgemeinschaft<lb/>
Junge Generation hat etliche Regulativänderungen, die alle abge<lb break="no"/>lehnt werden, nur das Präsidium soll nicht auf 7 beschränkt werden,<lb/>
sondern jede Landesarbeitsgemeinschaft soll einen Sitz darin haben<lb/>
können. Zum Schluss erwähnte <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> noch, dass die Sozialistische<lb/>
Jugend Wiens eine Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des<lb/>
Kernkraftwerkes verlangt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint, sie sollten sich einmal<lb/>
innerhalb der Wiener Organisation durchsetzen und dann wird sich der<lb/>
Bundesparteivorstand damit beschäftigen. Ein Zwischenrufer meinte<lb/>
dann, man könne die Resolution auch an die sozialistischen Landes<lb break="no"/>organisation Niederösterreich verweisen, weil Zwentendorf in diesem<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_20">Die Patentanwaltskammer Präsident <rs type="person" ref="#per__97341">Beer</rs> und insbesondere der Inns<lb break="no"/>brucker <rs type="person" ref="#per__110988">Habinger</rs> erörterten mir, warum sie gegen eine Ratifizierung<lb/>
des Europapatentübereinkommens sind. Sie befürchten eine Über<lb break="no"/>flutung mit ausländischen Patenten. Die Patentanwaltskammer hat jetzt<lb/>
eine Umfrage bei ihrem Klientel veranstaltet und von 700 Anfragern<lb/>
haben 272 geantwortet, wovon 31% einen Beitritt ablehnen, 42%<lb/>
verlangen zuzuwarten und 26% nur für die Ratifizierung sind.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_21">Die Patentanwaltskammer möchte, dass wir ähnlich wie beim<lb/>
europäischen Formübereinkommen, das 53 beschlossen, 55 in Kraft<lb/>
getreten ist, Österreich auch erst 1971 ratifiziert hat. Nebenbei<lb/>
bemerkt, jetzt wird es von allen Staaten wieder gekündigt, weil es<lb/>
sich als unzweckmässig erwiesen hat. In der Umfrage der Patent<lb break="no"/>anwaltskammer wurde allerdings die falsche BEHAUPTUNG AUFGESTELLT,<lb/>
dass durch den Beitritt zum Europäischen Patentübereinkommen das<lb/>
Österreichische Patentamt gefährdet ist. Nach Meinung von Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> tritt genau das Gegenteil ein. Durch Spezialverhandlungen<lb/>
und Zugeständnisse kann Österreich innerhalb des ersten Jahres<lb/>
als Research-Büro und ausnahmsweise im Rahmen des internationalen<lb/>
PCT ?? aufrecht bleiben. Richtig ist, dass die Lizenzbilanz,<lb/>
1.5 Mia Schilling Ausgaben Österreichs und nur 300 Mio Schilling<lb/>
Einnahmen, sehr negativ abschliesst. Dies hat aber unmittelbar<lb/>
nichts mit der Anzahl der Patentanmeldungen zu tun, sondern wahr<lb break="no"/>scheinlich mit der Notwendigkeit, dass wir technisches know how<lb/>
wie halt alle nicht an der Spitze der Entwicklung stehenden Indu<lb break="no"/>striestaaten einkaufen müssen. Darüber hinaus ist für mich voll<lb break="no"/>kommen klar, dass gewisse Gewinntransformationen auch über die<lb/>
Lizenzgebühren erfolgen. Die Patentanwaltskammer spricht allerdings<lb/>
hier von einer Wissenschaftsabgabe, die halt nicht in Form einer<lb/>
Steuer, sondern in Form von Abfluss von Erträgen und Devisen ins<lb/>
Ausland sich auswirkt. Ich ersuchte nach der stundenlangen Dis<lb break="no"/>kussion die Vertreter der Patentanwaltskammer im engsten Einver<lb break="no"/>nehmen mit dem Patentamt, sowohl für die Kündigung des europäischen<lb/>
Formübereinkommens als auch für alle anderen Fragen womöglich<lb/>
einvernehmliche Lösungen zu suchen. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> ersucht ich dann allein,<lb/>
er möge in einer interministeriellen Besprechung insbesondere mit<lb/>
den Interessensvertretungen noch einmal die Ratifizierungen des<lb/>
europäischen Patentübereinkommens besprechen. Die Handelskammer,<lb/>
Industriellenvereinigung, aber auch die Arbeiterkammer sind für<lb/>
einen unbedingten Beitritt zum Übereinkommen. Ich selbst kann mir<lb/>
auch nicht vorstellen, dass im Zuge der Integrationsverdichtung,<lb/>
wie sie letzten Endes auch Österreich immer wieder wünscht, ein<lb/>
europäisches Übereinkommen, dem die Schweiz schon beigetreten ist<lb/>
und Schweden jetzt in Kürze beitreten wird, von Österreich nicht<lb/>
zeitgerecht ratifiziert wird. Der Wunsch der Patentanwaltskammer,<lb/>
jahrelang, ja womöglich jahrzehntelang zuzuwarten, halte ich nicht<lb/>
für möglich. Insbesondere ist aber zu prüfen, ob nicht tatsächlich<lb/>
<pb n="40-0023" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band40/40_1978-01-11_0023.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>durch ein allzu langes Zuwarten die Zugeständnisse Österreichs,<lb/>
als Research-Büro eingeschaltet zu werden, verlorengeht. Die<lb/>
Integration auf diesem Gebiet – bin ich überzeugt – ist nicht<lb/>
aufzuhalten. Andererseits würde ich es sehr bedauern, wenn wir<lb/>
gegen die Patentanwaltskammer so entscheiden müssten, dass sie<lb/>
dann zwar auch nicht der Lösung zustimmt, darin aber eine Kriegs<lb break="no"/>erklärung sieht. Aufgabe der zukünftigen Verhandlungen müsste<lb/>
es sein, dass die Patentanwaltskammer eine diesbezügliche Ent<lb break="no"/>scheidung, weil sie von allen anderen verlangt wird, mehr oder<lb/>
minder zur Kenntnis nimmt. Jetzt kommt mir erst zu Bewusstsein,<lb/>
wie richtig meine damalige Entscheidung war, dass Vizepräsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110989">Sonn</rs> der Patentanwaltkammer unbedingt zu den Besprechungen und Ver<lb break="no"/>handlungen zugezogen wird. Wahrscheinlich haben wir damit einen<lb/>
Grossteil des Widerstandes neutralisiert. Der jetzt noch bestehende<lb/>
ist meiner Meinung nach gross genug. Man muss auch hier versuchen,<lb/>
ihn weiter abzubauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band40_1978-01-11_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte dränge auf entsprechende Verhandlungen<lb/>
und ständigen Kontakt mit der Patentanwaltskammer.<lb/>
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