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            <title type="main">Donnerstag, der 15. Dezember 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_02">Der zweite Vizepräsident der sowjetischen Handelskammer<lb/>
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Ausstellungszentrum beteiligen sollte. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> war sehr ver<lb break="no"/>ärgert, dass der Präsident der sowjetischen Handelskammer <rs type="person" ref="#per__115006">Borissow</rs><lb/>
zwar durch Österreich gefahren ist, nicht aber an der österr.-sowj.<lb/>
Handelskammertagung teilgenommen hat. Er selbst, ja nicht einmal<lb/>
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eben für Österreich zuständig ist. Der Handelsdelegierte <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs><lb/>
sagte mir ausdrücklich noch, dass <rs type="person" ref="#per__126933">Pitowranow</rs> ein wichtiger Mann sei.<lb/>
Ich war deshalb sofort bereit mit ihm zu verhandeln. Besser wäre<lb/>
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über die Bauaufträge konkret verhandelt werden kann. <rs type="person" ref="#per__114589">Canisius</rs><lb/>
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Bauten dieses Ausstellungsgeländes handelt. Ich bin überzeugt, dass<lb/>
die Sowjets bessere Preise letzten Endes bezahlen werden, weil der<lb/>
Falltermin Beginn der Olympiade für sie auch die Notwendigkeit er<lb break="no"/>geben wird, alles daranzusetzen um diesen einzuhalten. Den Wunsch<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__126933">Pitowranow</rs> an Aussenhandelsminister <rs type="person" ref="#per__112951">Patolitschew</rs> ein Schreiben<lb/>
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entsprochen.<lb/>
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Gewerkschaftsvertretern um neuerdings mit mir über die Filmförderung<lb/>
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Filmförderung – wenn überhaupt – nur mit dem Unterrichtsministerium<lb/>
gemeinsam zu machen. <rs type="person" ref="#per__97314">Antel</rs> steht auf dem Standpunkt, dass diese<lb/>
Gruppe gar keine ordentlichen Kommerziellen Filme machen will,<lb/>
sondern nur Kunstprodukte, die niemals ihren Aufwand einspielen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_05"><rs type="person" ref="#per__141827">Pfandler</rs> behauptete z.B., dass der Film Staatsoperette dem ORF<lb/>
5 Mio. Schilling gekostet, von diesem auch vollkommen finanziert<lb/>
und die 900.000 Schilling Subvention vom Unterrichtsministerium<lb/>
sozusagen eingesteckt wurden. <rs type="person" ref="#per__97314">Antel</rs> erklärte, dass die 300 Film<lb break="no"/>leute, die es noch in Österreich gibt, im nächsten Jahr brotlos<lb/>
werden, weil auch er nicht mehr bereit ist ohne Filmförderung<lb/>
in Österreich zu produzieren. <rs type="person" ref="#per__114975">Oberhammer</rs> soll sich gegenüber<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141827">Pfandler</rs> bereiterklärt haben, 15–20 Mio. Schilling in einen<lb/>
Filmförderungsfond zu bezahlen. In Deutschland bezahlt des Fernsehen<lb/>
10 Mio DM, in Frankreich 30 Mio ffrs. In Österreich hat der ORF<lb/>
580 Spielfilme abgestrahlt und bezahlt überhaupt nichts in einen<lb/>
Fond und die Filme kaftH er um 70.000 Schilling das Stück. Ich er<lb break="no"/>suchte RR <rs type="person" ref="#per__111699">Puffler</rs> so schnell als möglich mit dem Unterrichts<lb break="no"/>ministerium wegen Aussendung eines Entwurfes ins Klare zu kommen,<lb/>
damit dann nicht uns der Vorwurf gemacht werden kann, wir hätten<lb/>
überhaupt nichts für die Filmförderung getan.<lb/>
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aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_07">Die Firma Anderle hat Schwierigkeiten ihre Hobelmaschinen nach<lb/>
Ungarn und Rumänien zu exportieren, weil dort eigene Erzeugung<lb/>
aufgenommen wurde. Nur Kopierhobler, eine Spezialmaschine, können<lb/>
dort nach abgesetzt werden. Darüber hinaus konkurrenziert aber<lb/>
jetzt Rumänien die Produkte<add>[von]</add> Anderle sowohl in Österreich als<lb/>
auch in Drittländern. Die Firma Anderle bemüht sich sehr, insbe<lb break="no"/>sondere um den deutschen Markt. Ein Ausstellungskatalog in Hannover,<lb/>
der grössten Maschinenmesse Europas zeigt, dass diese Firma tatsäch<lb break="no"/>lich dort mit ein paar anderen österreichischen vertreten ist.<lb/>
Im Vergleich zur Schweiz, die mindestens 5mal mehr Firmen nach<lb/>
Hannover bringt, ist es für mich nur ein Beweis, wie wenig österr.<lb/>
Firmen sich tatsächlich um den deutschen Markt, insbesondere nördlich<lb/>
der Mainlinie bemühen. Wie wir allerdings der Firma Anderle konkret<lb/>
helfen können, weiss ich auch nicht. Ich verpflichtete mich, wenn<lb/>
ein nachweisbares Dumping der Ungarn und insbesondere der Rumänen<lb/>
vorliegt, dass ich mich sofort mit den dortigen Ministern ins Ein<lb break="no"/>vernehmen setze oder sogar ein Antidumpingverfahren einleiten werde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_08">Ein gewisser <rs type="person" ref="#per__131051">Weidenhofer</rs><add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add> hat sich über eine Besichtigungstour<lb/>
im Parlament letzten Endes bis zu mir durchgearbeitet und erklärt,<lb/>
er hätte mit der Eisenbahn Gespräche geführt um 200 Erzwaggons<lb/>
aus Rumänien nach Österreich zu importieren. Mit Hilfe einer<lb/>
Schweizer Bank könnte er der Eisenbahn diese Waggon um 480.000<lb/>
Schilling im Mietkauf anbieten. Da die Bahn natürlich kein Geld<lb/>
hat, würde er ihr diese Waggons 10 Jahre vermieten um dann letzten<lb/>
Endes sie zu verkaufen. Durch Zufall hatte ich dann Gelegenheit<lb/>
mit dem gesamten Vorstand der Bahn, die zur Budgetdebatte Verkehr<lb/>
gekommen sind, zu reden. Kommerzieller Direktor <rs type="person" ref="#per__128480">Herzog</rs> hat aus<lb break="no"/>drücklich mir gegenüber gesagt, er könne sich nicht vorstellen,<lb/>
dass es hier zu einem Geschäft kommt, denn viele Staaten bieten<lb/>
die Erzwaggons an, unter anderem auch die österreichischen Produ<lb break="no"/>zenten. Hier sind sie nur besonders teuer, die grösste Chance<lb/>
hat scheinbar Polen, die in Kompensation gegen Plasser &amp; Theurer'sche<lb/>
Gleisstopfmaschinen in Kompensation Erzwaggons liefern wollen.<lb/>
Der Handelsverkehr wird durch die weltweite Rezession immer schwie<lb break="no"/>riger, immer mehr Aussenseiter glauben auch dabei das grosse Ge<lb break="no"/>schäft ihres Lebens machen zu können. Ich bin überzeugt davon, dass<lb/>
die Firma Weidenhofer eine Kabinettfirma<add>[?]</add> im dritten Bezirk ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_09">Vor der Sitzung der Industriekommission hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ganz erregt<lb/>
mir und SChef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> erklärt, jetzt würde die Textilindustrie von<lb/>
einem jungen revolutionären Sozialisten <rs type="person" ref="#per__114499">Krehlik</rs> betreut und damit<lb/>
der so erfahrene <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> ausgeschaltet werden. Aus der Erregung be<lb break="no"/>merkte ich, dass wir hier ungeschickt vorgegangen sind, weshalb<lb/>
ich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> beruhigte, hier handelt es sich um eine<lb/>
zweckmässige Reorganisation um die Textilindustrie intensiver und<lb/>
besser bearbeiten zu können. <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> bleibt selbstverständlich<lb/>
Abteilungsleiter und für die Textilindustrie verantwortlich, nur<lb/>
soll der jetzige Branchenberichterstatter zum Branchenreferenten<lb/>
werden. Wenn die Handelskammer aber glaubt, dass der Mann zu<lb/>
jung ist, er sprach von 24 Jahren, was nicht stimmt, so würde ich<lb/>
das zurückstellen. Im jetzigen Zeitpunkt – einen Tag vor der Budget<lb break="no"/>debatte Handel – konnte ich nämlich wegen dieser Lappalie in Wirk<lb break="no"/>lichkeit keinen Streit brauchen. <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> hat auch dort sofort mir<lb/>
erklärt, hier muss man noch zuwarten und vor allem eine generelle<lb/>
Lösung aller Branchenberichterstatter und Referenten erreichen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__114499">Krehlik</rs> bringt die Voraussetzungen mit, da er eine Textilfach<lb break="no"/>schule gemacht hat. Die ganze Sache wurde nur, wie nachmittags<lb/>
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ohne dass mit ihm gesprochen würde, in seiner Abteilung jetzt<lb/>
solche Reorganisationen platzgreifen. Dies war ein Fehler. Vor<lb break="no"/>aussetzung zu einer ruhigen Reorganisation – und darauf lege ich<lb/>
grössten Wert – ist, dass notwendige Änderungen im Einvernehmen<lb/>
mit allen Beteiligten versucht werden. Selbst die zweckmässigsten<lb/>
Reorganisationen scheitern, wenn sich Abteilungsleiter dagegen<lb/>
wehren. Wird dann noch eine politische Argumentation dagegen vor<lb break="no"/>gebracht, dann muss es sogar zum Scheitern kommen, oder man zieht<lb/>
dies mit Gewalt durch, was auch nicht günstig ist. Dass der Gruppen<lb break="no"/>leiter MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs> in diesem Fall dafür war, hilft uns in diesem Fall<lb/>
wenig, weil es nicht gelungen ist, <rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs> hier davon zu überzeugen.<lb/>
Wenig hilft es auch, dass der in der Textil- und Bekleidungsindustrie<lb/>
so anerkannte MR <rs type="person" ref="#per__114963">Dinzl</rs> angeblich für diese Reform ist. Sie wurde<lb/>
unzweckmässig und zu wenig intensiv vorbereitet. Jetzt müssen wir<lb/>
sie auf alle Fälle zurückstellen. Unmittelbar nach diesem Gespräch<lb/>
ist Präs. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> wegen der Strumpfhosenimporte aus Rumänien zu mir<lb/>
gekommen um seinen Plan, wie die 7 Mio. Stück pro Jahr auf 3 Mio.,<lb/>
allerdings durch Anstückelung dann für weitere Jahre reduziert<lb/>
werden sollen. Da ich dies nur im Einvernehmen mit der Handels<lb break="no"/>kammer machen will, verwies ich sofort auf <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>. Dieser schein<lb break="no"/>bar noch aufgeregt wegen der <rs type="person" ref="#per__114499">Krehlik</rs>-<rs type="person" ref="#per__114085">Grumbeck</rs>-Affäre, hat mit<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> einen Streit begonnen, der dann mit Brüllen vor der ganzen<lb/>
Industriekommission endete.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_10">In der Industriekommission berichtete der Vorsitzende des Wirt<lb break="no"/>schafts- und Sozialbeirates <rs type="person" ref="#per__149430">Reidl</rs> über die Industriefinanzierung,<lb/>
Innovation, Information und Unternehmerplanung. Der langen Rede<lb/>
kurzer Sinn, der Beirat hat sich zu einigen Empfehlungen durch<lb break="no"/>gerungen, doch hat <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> sofort erklärt, hier müsste noch zwischen<lb/>
den Präsidenten grundsätzliche Differenzen bereinigt werden. Die<lb/>
Leute des Beirates sind wieder einmal für <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil's</rs> Ansicht zu<lb/>
weit gegangen, weshalb er deren Stellungnahmen korrigieren möchte.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat sich einmal auch bei mir bitter beschwert, dass der Beirat<lb/>
Studien ausarbeitet, die eine, wo Dr. <rs type="person" ref="#per__126405">Klose</rs> beteiligt war, und die<lb/>
ideologisch <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und damit der Handelskammer überhaupt nicht<lb/>
in den Kram passt. Er muss dann immer die entsprechenden Arbeiten<lb/>
seiner Leute korrigieren. Darüber ist er sehr unglücklich und<lb/>
würde wahrscheinlich am liebsten die Beiratsarbeit stillegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_11">Entweder haben wir wirklich das ideologisch bessere Konzept<lb/>
oder <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist nicht einmal imstande als Oppositionspartei<lb/>
seine Leute entsprechend zu lenken und zu beeinflussen. Wenn<lb/>
ich da an unsere Oppositionszeit denke, wo wir den Beirat sehr<lb/>
wohl für unsere Angriffe gegen die damalige Regierung genützt<lb/>
haben. so zeigt sich doch, dass wir die besseren Vertreter<lb/>
haben. Damit meine ich keinesfalls die ökonomischen oder wissen<lb break="no"/>schaftlichen Qualifikationen unserer Leute und die der Handels<lb break="no"/>kammer wo wir vielleicht gleichziehen können, sondern primär die<lb/>
politische und taktische Einstellung die immer schon und auch<lb/>
jetzt noch wesentlich erfolgreicher ist als die der ÖVP-Seite.<lb/>
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ÖGB setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_13">Prof. <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> forderte die berechtigte Kritik von <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> heraus, als<lb/>
er meinte, in den Niederlanden werden nur Betriebe des Staates<lb/>
unterstützt, die Gewinne machen. Die anderen müssen eben zugrunde<lb/>
gehen. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> bezog diese Äusserung wahrscheinlich auf die Textil<lb break="no"/>fusion Ost, schützte dann aber Lenzing und die Vereinigten Edel<lb break="no"/>stahlwerke vor, die uns zwar negative Bilanzen legen, aber trotzdem<lb/>
als gesund gelten können. Er meinte <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> sei als Stralpart ????<lb/>
Ökonom bekannt. Ich bemerkte zu <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs>, ich freue mich, wenn das<lb/>
nächste Mal wirklich <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> als ÖVP-Abgeordneter ins Parlament<lb/>
kommen sollte. <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> dürfte doch nur ein reiner Theoretiker sein,<lb/>
ähnlich Prof. <rs type="person" ref="#per__97419">Ermacora</rs>, nur auf einem anderen Gebiet. Prof. <rs type="person" ref="#per__97937">Seidel</rs> hat<lb/>
dann seine Industriestudie vorgestellt, die eigentlich sehr<lb/>
pessimistisch gehalten ist, und darüber gab es dann eine ent<lb break="no"/>sprechende Diskussion. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> hat einige Kritik an der Öffentlichen<lb/>
Vergabe geübt, wo nach seiner Erfahrung immer österreichische Firmen<lb/>
benachteiligt werden. Er meinte auch es müsste eine Änderung der<lb/>
Kaufgewohnheit der Österreicher versucht werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> wieder<lb/>
hat sich über die Kaufhäuser beschwert, Carrefour und Denner, die<lb/>
grösstenteils ausländische Waren führen. Die Klein-und Mittelbe<lb break="no"/>triebe werden vernachlässigt, wie die Bürges zeigt. Gleichzeitig<lb/>
wendete er sich aber gegen eine weitere Lenkung wie der beabsichtigte<lb/>
Industriefond, der allerdings jetzt im Grunde genommen, jetzt sowieso<lb/>
nicht kommen wird. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs> ganz besonders meinte, die hohen Steuern,<lb/>
die geringen Auslandserlöse und die hohen Arbeitskosten seien der<lb/>
Grund, dass jetzt die Industrie sich in so einer schlechten Situation<lb/>
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ähnlich wie in der Schweiz und Deutschland gleich hoch sind,<lb/>
während die Kapitalkosten im Vergleich zu diesen beiden Ländern<lb/>
überhöht sind. Die Bankenvertreter, insbesondere Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__122965">Treichl</rs>,<lb/>
hat dagegen sehr geschickt argumentiert. Durch die Restriktions<lb break="no"/>politik der Nationalbank könne man nicht die Absenkung des Eckzins<lb break="no"/>fusses von 5 auf 4.5% und der verhältnismässig hohen Kreditkosten<lb/>
für die Industrie meinen, die Bank verdiene da entsprechend viel.<lb/>
und dass die Banken nicht nur Autos finanzieren, sondern alle<lb/>
notwendigen Geldmittel, wenn ein einigermassen brauchbares In<lb break="no"/>dustrieprojekt vorliegt immer wieder aufgetrieben haben, ist eine<lb/>
Tatsache. <rs type="person" ref="#per__111734">Andrae</rs> wieder hatte ein Argument, das überhaupt nicht stimmte<lb/>
ein armes Land hat immer tiefe Lohnkosten und höhere Zinskosten.<lb/>
Österreichs jetzt als armes Land einzustufen ist wahrlich eine<lb/>
einmalige Leistung. Darüber hinaus empfahl er dann noch, man sollte<lb/>
so wie in Deutschland, um die Vollbeschäftigung zu sichern, die<lb/>
Lohnkosten um 6% kürzen. Dies hat Prof. <rs type="person" ref="#per__114139">Nowotny</rs> von Linz und mich<lb/>
gleichzeitig zu einem Zwischenruf veranlasst, dass diese Ansicht<lb/>
aus dem vorkeynes'schen Zeitalter stammt. Da <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> die Änderung<lb/>
der Kaufgewohnheit Österreichs und das öffentliche Vergabewesen ange<lb break="no"/>führt hatte, meldete ich mich zu Wort, um unsere beiden Schlüssel<lb break="no"/>aktionen "Kauf Dir Deinen Arbeitsplatz – kauf österreichisch" und<lb/>
"Koordinierung der öffentlichen Vergabe" der Industriekommission<lb/>
mitzuteilen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann unter Allfälligem die Regierungs<lb break="no"/>klausur im Jänner erörtert. Dort wird das wirtschaftliche In<lb break="no"/>vestitionsprogramm fortgeschrieben. Auch für die Klein- und Mittel<lb break="no"/>betriebe soll entsprechende Förderung vorgesehen werden. Österreich<lb/>
und die Bundesregierung bekennt sich zur freien Wirtschaft und<lb/>
wünscht nur eine Rahmenplanung. Raum wird es genug geben für die<lb/>
freie Entfaltung. Diese adaptierte Fortsetzung der Wirtschaftspolitik<lb/>
wird dann noch im nächsten Jahr neuerlich bei einer Industrie<lb break="no"/>kommissionssitzung erörtert werden. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> meinte, sie seien sehr<lb/>
froh, dass man dann noch Gelegenheit haben wird über die Details<lb/>
zu diskutieren, spricht sich nur gegen eine Kreditinvestitions<lb break="no"/>lenkung aus, weil es sich hier um keine Rahmenbedingungen handelt,<lb/>
sondern eben um Lenkung. Die derzeitigen Fonds würden von ihnen<lb/>
ja noch akzeptiert. Jetzt hört er aber, soll es dann zu einer branchen<lb break="no"/>weisen Kreditzuteilung kommen über Branchenkommissionen. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> ist<lb/>
noch immer scheinbar über unsere Reorganisation der Industriesektion,<lb/>
damit der Branchenreferate und des Eindringens von sozialistischen<lb/>
Fachleuten so schockiert, dass er gegen alles jetzt ist, was irgendwie<lb/>
<pb n="39-1460" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-15_1460.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>nach Branchenpolitik aussieht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_14">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__115584">Winter</rs> von Lenzing, ersuchte mich wegen des Dumping<lb break="no"/>verfahrens in USA neuerliche Schritte zu unternehmen. Das<lb/>
Treasury Department hat nun im preliminary finding ein 10.4%iges<lb/>
Dumping festgestellt. Im final finding wird wahrscheinlich eine<lb/>
8%ige Dumping festgesetzt werden. In der internationalen Trade<lb/>
Commission wird eine Verletzung (injuries) mit Mehrheit zu er<lb break="no"/>warten sein. Daraus ergibt sich, dass die Zollabgaben die seit<lb/>
Erhebung der Untersuchung März nicht mehr definitiv festgestellt<lb/>
werden, nachgezahlt werden müssen. Da durch einen Hafenarbeiter<lb break="no"/>streik nur eine einzige Schiffsladung hinübergegangen ist, sind die<lb/>
Verluste nicht allzu gross. <rs type="person" ref="#per__115584">Winter</rs> ist nur erschüttert, dass jetzt die<lb/>
Amerikaner eine solche Politik machen. 1961 wurde bereits ein Dumping<lb break="no"/>verfahren einmal eingeleitet und dieselbe Preispolitik die sie jetzt<lb/>
machen damals akzeptiert. Lenzing hat nämlich österr. Firmen, die ex<lb break="no"/>portiert haben, einen 10%igen Exportrabatt gegeben. Dies war sehr<lb/>
ungeschickt, denn selbstverständlich ist es bei genauerer Auslegung<lb/>
ein Dumping. Jetzt hat Lenzing das sofort abgestellt indem es den<lb/>
inländischen Preis von 19.85 Schilling auf dem eine Exportvergütung<lb/>
von 1.85 Schilling ungefähr gegeben wurde, auf 17 Schilling senkte.<lb/>
Interessant ist nur, dass gleichzeitig Anträge an die Paritätische<lb/>
Kommission gestellt wurden, die dann einen Verkaufspreis von 20.40<lb/>
Schilling im Inland genehmigt hätten. Der Markt war hier auch wieder<lb/>
einmal stärker als die kommissionell festgesetzten Höchstpreise.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__115584">Winter</rs> ersuchte mich, ob nicht der Bundeskanzler sich auch ein<lb break="no"/>schalten könnte. Da er im Parlament war, wurde mit ihm dann ver<lb break="no"/>einbart, dass er einen Brief an Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__126217">Mondale</rs> um Unter<lb break="no"/>stützung in diesem Verfahren schreiben wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_15">Ich glaube dass ich fast ein Dutzend Jahre schon im AEZ stets mit<lb/>
der Jungen Generation etliche Male im Jahr eine Passagendiskussion<lb/>
durchführe. Ich habe dort meine Stammkunden, von der ÖVP, auch von<lb/>
kommunistischen linken Gruppen, die mich stark kritisieren, aber<lb/>
immer mit dieser oft stundenlangen Diskussion sehr einverstanden<lb/>
sind. Für die Masse der Vorübergehenden – und hier handelt es sich<lb/>
um hunderte – ist dies auch eine ganz schöne Abwechslung. Ich kenne<lb/>
keinen besseren Platz in ganz Wien. Umso mehr war ich diesmal er<lb break="no"/>staunt, als nach nicht einmal einer 1/4 Stunde die Polizei er<lb break="no"/>schien und den Genossen der Jungen Generation sagte, er hätte keine<lb/>
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die Veranstaltung geschlossen werden muss. Hier irrte die Polizei,<lb/>
wir haben seit Jahren keine Genehmigung – auch nicht für draussen.<lb/>
Als wir damit begonnen haben, haben wir uns – glaube ich – einige<lb/>
Male eine Genehmigung geholt, aus der jahrzehntelangen Tradition glaubt<lb/>
ein jeder, dass wir immer eine Genehmigung hatten und niemand hat sich<lb/>
darum gekümmert. Diesmal dürfte irgend jemand – man vermutet – der<lb/>
Bahnhofsvorstand, die Polizei geschickt haben. Die Versammlungs<lb break="no"/>teilnehmer waren auf alle Fälle auf meiner Seite. Einige meinte, die<lb/>
Verbrecher finden sie nicht, aber einen Minister lassen sie nicht<lb/>
sprechen, andere wieder meinten, ein Minister könnte ohne weiteres<lb/>
so etwas tun und bräuchte sich nicht an die Polizeianordnungen<lb/>
halten usw. Selbstverständlich habe ich sofort erklärt, dass auch<lb/>
ein Minister ein gewöhnlicher Staatsbürger ist, der Anordnungen der<lb/>
Polizei, insbesondere wenn diese berechtigt sind, sofort nachkommen<lb/>
muss. Die Genossin und der Genosse der Jungen Generation waren zuerst<lb/>
ein wenig erschüttert, haben dann aber in einer Aussprache mit mir<lb/>
eingesehen, dass dies der beste Weg war den Leuten zu beweisen,<lb/>
wie sehr sozialistische Regierungsmitglieder den Rechtsstaat achten.<lb/>
Der grösste Gag für mich war aber, als der Vertreter der Jungen<lb/>
Generation mir gegenüber meinte, er hätte sowieso beabsichtigt<lb/>
gehabt mit der Polizei Kontakt aufzunehmen, damit man mich dort<lb/>
beim Bahnhof beschützt, wegen eventueller Entführung. Dort werde<lb/>
ich sicherlich nicht entführt. Wichtiger wäre es gewesen sagte ich<lb/>
ihm lachend er hätte dafür vorgesorgt, dass uns die Polizei dort<lb/>
nicht vertreiben kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte versuche über den Bezirk zu klären war<lb/>
hier geschehen ist und wie wir in Hinkunft die Genehmigung bekom<lb break="no"/>men können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-15_17">Mit Minister <rs type="person" ref="#per__114956">Lejczak</rs> und Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> sowie <rs type="person" ref="#per__132462">Juvancic</rs>, Bergbau<lb break="no"/>verantwortlicher im VÖEST-Vorstand, besprach ich die Möglichkeit<lb/>
einer Kooperation zur Umstellung des amerikanischen Bergbaus.<lb/>
In Amerika wird noch immer im Kammersystem abgebaut, wodurch 50%<lb/>
der Kohle in den Gruben bleiben. Durch das Strebsystem wird eine<lb/>
wesentlich günstigere Nutzung erreicht, weshalb die amerikanische<lb/>
Administration wahrscheinlich aus energiewirtschaftlichen Gründen<lb/>
in Zukunft garantiert dieses Strebsystem verlangen wird. Dadurch<lb/>
ergibt sich die Möglichkeit, dass Polen, welches aufgefordert wurde,<lb/>
entsprechende Vorschläge der Administration zu erstatten, grosse<lb/>
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Amerika sieht. Da die VÖEST einen Kohlenbergbau gekauft hat, müsste<lb/>
sich, wie ich vorschlug, eine gute Gelegenheit ergeben, dort die<lb/>
Abbaumöglichkeiten im Strebsystem zu demonstrieren. Die Polen<lb/>
haben darüber hinaus ja jetzt einen Kooperations- und einen Demon<lb break="no"/>strationskauf von der neuen Hydraulik und von den Alpinminer<lb/>
mit der VÖEST abgeschlossen. <rs type="person" ref="#per__114956">Lejczak</rs> war sehr erfreut, dass ich<lb/>
mich so stark engagierte und dieses Projekt in jeder Beziehung<lb/>
unterstütze. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> wieder ist daran brennendst interessiert,<lb/>
wenn es zu diesem Strebabbau in Amerika kommt, dass unsere<lb/>
Hydraulik dort eingesetzt wird. Da <rs type="person" ref="#per__114956">Lejczak</rs> morgen Zeltweg be<lb break="no"/>sucht und besichtigt, können dort gleich die technischen Gespräche<lb/>
mit seinen Herren – er hat 1/2 Dutzend Fachleute mit – im einzelnen<lb/>
fortgeführt werden. Hoffentlich können wir mit der Zeit Projekte<lb/>
mit Polen so erfolgreich – sei es auf Drittmärkten oder auch in<lb/>
Polen selbst abschliessen – damit diese dann imstande gesetzt werden<lb/>
ihre Kredite, die schon ein beträchtliches Ausmass erreicht haben,<lb/>
zurückzuzahlen. Die Barbara-Feier der polnischen Botschaft, wozu<lb/>
seit eh und je polnische Bergbauminister nach Österreich kommen,<lb/>
gab mir bis jetzt immer Gelegenheit einige wichtige Probleme zu<lb/>
besprechen und Projekte voranzutreiben. Für einige ist es aber eine<lb/>
gute Gelegenheit den polnischen Wodka zu kosten -und manchmal mehr<lb/>
als zu kosten. Wie Polen aus diesem Kreditschlamassel herauskommen<lb/>
wird ist mir momentan nicht ganz klar.Selbst wenn wir noch so viel<lb/>
Strom und Kohle beziehen, dass ich momentan noch gar nicht sehe,<lb/>
so können die Polen doch letzten Endes nur dann ihre Kreditver<lb break="no"/>pflichtung erfüllen, wenn die Sowjets sie in irgend einer Weise<lb/>
unterstützen. Diese Unterstützung kann sicherlich auch darin be<lb break="no"/>stehen, dass sie nicht weitere Leistungen der Polen gegenüber der<lb/>
gemeinsamen Verteidigungsanstrengung verlangen. Vielleicht ist der<lb/>
Bewegungsspielraum der Polen gegenüber der zentrale Führung grösser<lb/>
als in Ungarn und der CSSR. Aus diesem Grund müssen grössere Aufwendun<lb break="no"/>gen für Konsumgüter usw. weiter gemacht werden, damit eine gewisse<lb/>
Ruhe aufrechterhalten werden kann. Die Wirkung auf die Handels-und<lb/>
Zahlungsbilanz ist klar und deutlich sichtbar. In dieser Beziehung<lb/>
sind die Tschechen und die Ungarn besser dran. Dort haben wir diese<lb/>
starke Verschuldung nicht. Der Vorteil unserer Kreditpolitik auch<lb/>
gegenüber Polen schlägt sich aber durch eine wesentlich günstigere<lb/>
Kapazitätsauslastung der VÖEST-Alpine z.B. nieder. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> erklärte<lb/>
mir, er dürfe es gar nicht laut sagen, aber die Kapazitätsauslastung<lb/>
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fast 20% besser als im übrigen Westeuropa. Ob dieser Zustand<lb/>
auch noch nächstes Jahr anhalten wird kann er allerdings nicht<lb/>
garantieren. Hoffen wir das Beste.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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