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            <title type="main">Freitag, der  9. Dezember 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_01">Freitag, 9. Dezember 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_02">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> von der Österr. Kontrollbank sieht keine Mög<lb break="no"/>lichkeit, mit der Aussenhandelsbank der DDR einen fixen Zins<lb break="no"/>satz für den 6-Mia.-S-Investitionskredit zu fixieren. Unser Export<lb break="no"/>kreditsystem hat einen festen und variablen Teil und dabei muss es<lb/>
auch bei der DDR bleiben. Derzeit beträgt der Zinssatz 7,75 %<lb/>
plus 1/2 % für Garantie resp. Haftung. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> sieht aber keinerlei<lb/>
Schwierigkeiten, sich mit der Deutschen Aussenhandelsbank zu einigen.<lb/>
Derzeit hat er 5 Mia. S Kreditlinie auf der auch bei uns üblichen<lb/>
Basis vereinbart. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> von der VÖEST, den ich eben<lb break="no"/>falls über die Aussprache mit Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> informiere,<lb/>
schlägt vor, dass ich doch besser ohne ihn nach Berlin fahre. Sein<lb/>
Zeitplan ist anders als meiner und ausserdem entsteht vielleicht<lb/>
sonst der Eindruck, dass diese 6 Mia. S ausschliesslich für die<lb/>
Verstaatlichte Industrie gilt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_03">Botschafter <rs type="person" ref="#per__116681">Pein</rs> geht nach Bonn und hat unsere Round-Table-Information,<lb/>
die Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> vor Jahren eingeführt hat, als äusserst gut<lb/>
für Information eines hinausgehenden Botschafters bezeichnet. <rs type="person" ref="#per__116681">Pein</rs><lb/>
hat sehr gute Vorsätze, er will sich für die wirtschaftliche Ent<lb break="no"/>wicklung, insbesondere die Exportmöglichkeiten nach Deutschland<lb/>
sehr interessieren und deshalb spezielle Wirtschaftsberichte in das<lb/>
Handelsministerium schicken, auch er stellte bereits fest, was auch<lb/>
der österr. Generalkonsul in Düsseldorf mir bei seinem Besuch be<lb break="no"/>richtete, dass in Norddeutschland manche sagen oberhalb der Main-<lb/>
Linie, kaum österr. Exporte untergebracht werden können.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_04">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Setz Dich bitte noch mit <rs type="person" ref="#per__116681">Pein</rs>, bevor er nach<lb/>
Bonn geht, ins Einvernehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_05">Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs>, Obmann vom Gast- und Schankgewerbe, erklärt<lb/>
nicht offizielle sondern rein privat mit mir über die Belastung der<lb/>
Gastwirte reden zu wollen. Zwei Probleme meint er, müsste man klären.<lb/>
Wenn eine Hausfrau Tee oder Kaffee beim Lebensmittelhändler kauft,<lb/>
so bezahlt sie 8 % Mehrwertsteuer, wenn der Gastwirt diesen Tee und<lb/>
Kaffee in seinem Lokal ausschenkt, bezahlt er 18 % Mehrwertsteuer,<lb/>
10 % Getränkesteuer, also um 20 % mehr als die Hausfrau. Ich erklärte<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> sofort, dass ich hier keine Möglichkeit sehe, diesen Zu<lb break="no"/>stand zu ändern, da der Finanzminister auf Einnahmen kaum ver<lb break="no"/>zichten kann, bliebe nur als Ausgleich die Mehrwertsteuer auch für<lb/>
<pb n="39-1432" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-09_1432.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>den Konsumenten zu erhöhen. Dieser würde zwar dann höher belastet<lb/>
werden, deswegen aber kaum die teuren Preise bei den Gast- und<lb/>
Schankgewerbebetrieben weniger empfingen. Die Italiener sind hier<lb/>
einen anderen Weg gegangen, den <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> auch genau kennt, sie haben<lb/>
als einziges Produkt mit 200 Lire den Kaffee pro Schale preisgeregelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_06">Mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__109290">Mayr</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> gesprochen, um die Getränkesteuer<lb break="no"/>belastung von der Dienstleistung weg zum Produkt umzulegen. Seine<lb/>
Argumentation ist, dass die Alkoholsteuer, die Getränkesteuer und<lb/>
der Bedienungszuschlag so viel kostet, wie beim Diskonter der<lb/>
Verbraucherpreis. Z.B. für eine Flasche Bier! Wenn es gelingt, die<lb/>
Steuer nicht auf den Endverbraucherpreis sondern auf das Produkt zu<lb/>
legen, dann würde die Dienstleistung nicht besteuert, beim Lebensmittel<lb break="no"/>handel eine leichte Verteuerung eintreten und für die Gast- und Schankge<lb break="no"/>werbebetriebe eine wesentliche Entlastung. <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> war sehr erstaunt,<lb/>
von mir zu hören, dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs>, den ich dann dazu rief, schon<lb/>
seit Jahren versucht, auf diesem Gebiet eine Lösung zu finden. Der<lb/>
Finanzminister <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat auch seinerzeit erklärt, dass er für<lb/>
Verrechnungsvereinfachungen und eventuellen Umschichtungen bereit<lb/>
wäre, kleine Zugeständnisse zu machen. Wir einigten uns darauf,<lb/>
dass <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> jetzt vor allem mit dem Finanzministerium Kontakt aufnehmen<lb/>
wird und dann eine Arbeitsgruppe versuchen soll, eine diesbezügliche<lb/>
Lösung zu finden. Die grossen Schwierigkeiten wird es meiner Meinung<lb/>
nach, und ich habe dies <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> auch mit aller Deutlichkeit gesagt, bei<lb/>
der Handelskammer geben. Die Betriebe, welche eine Belastung übernehmen<lb/>
sollen, auch dann wenn sie diese theoretisch auf die Letztverbraucher<lb/>
überwälzen können, werden sich ganz entschieden dagegen wehren.<lb/>
Ich wollte <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> nur dokumentieren, dass ich für die schwierige<lb/>
Situation der Fremdenverkehrswirtschaft wegen der Belastung und hoher<lb/>
Preise der Extras volles Verständnis habe. Der Vorschlag, den aber<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> von der ÖFVW bei der Vorsprache über unsere letzte General<lb break="no"/>versammlung machte, nämlich, dass die Hotellerie und das Gastgewerbe von<lb/>
sich aus die paar Extras, die infrage kommen, im Preis reduzieren<lb/>
sollten, müsste man durch entsprechende Massnahmen unterstützen.<lb/>
Vor allem müsste jetzt von <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> ein Vorschlag kommen, wie diese<lb/>
neuen Preise gebildet und dann eingehalten werden. <rs type="person" ref="#per__97459">Fröhlich</rs> meinte,<lb/>
er würde seine ganze Autorität einsetzen, dass dies auch geschieht.<lb/>
Für mich ist dies allerdings keine Garantie, dass nicht letzten Endes<lb/>
dann preisliche Entlastungen doch nicht zu einer Reduktion der Ver<lb break="no"/>braucherpreise führt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> als Fremdenver<lb break="no"/>kehr und Preissektionschef reden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_08">Bei der Fa. Persil habe ich zum 50. Jahrestag der Betriebs<lb break="no"/>gründung 16 Belegschaftsangehörigen von der Produktion bis<lb/>
zur Geschäftsführung ausgezeichnet. Wieder einmal ist der<lb/>
Wiener Schmäh g'rennt. Bei der Aufzeichnung über die Hobby<lb/>
bitte in Hinkunft auch die Funktion der oder des Betreffenden<lb/>
mit Stichwort verzeichnen. Die Firma hat gleichzeitig von mir<lb/>
die Genehmigung zur Führung des Staatswappens bekommen. Bei<lb/>
dieser Gelegenheit ging ich auch auf die ständige Ausbreitung der<lb/>
Aktivitäten von Persil ein. Früher war es der Haushalt, heute ist<lb/>
die Industrie, das Gewerbe ja sogar die Landwirtschaft in ihren<lb/>
Reinlichkeitsbereich einbezogen. Jetzt hat sie für die Hotellerie<lb/>
und das Gast- und Schankgewerbe eine eigene Prämierungsaktion<lb/>
Sauberkeit geschaffen. Mit den dafür Verantwortlichen habe ich<lb/>
diskutiert und Gen.Dir <rs type="person" ref="#per__116375">Lobner</rs> ersucht, Persil möge sich auch an de<lb/>
Aktion "Bergerlebnis" beteiligen. Dieser ist brennendst daran in<lb break="no"/>teressiert, durch mehr Hygiene, Sauberkeit, Umweltschutz, mitzu<lb break="no"/>tun.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Persilleute werden sich mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> in<lb/>
Verbindung setzen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_10">Beim Jour fixe mit AK und ÖGB wurde von <rs type="person" ref="#per__97627">Kienzl</rs> berichtet, dass<lb/>
durch den Dollar-Verfall nicht nur die Deutschen stark inter<lb break="no"/>venieren mussten sondern auch bei uns der Devisenvorrat von<lb/>
42 Mia wieder auf 38 Mia fiel. Da es sich hier um vorgezogene<lb/>
Bezahlung handelt, wird im nächsten Jahr unsere Zahlungsbilanz<lb/>
und der Devisenvorrat sich wesentlich verbessern. Überhaupt<lb/>
haben <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> und ich die Meinung vertreten, dass im nächsten<lb/>
Jahr unser Zahlungsbilanzproblem gar nicht mehr das Problem<lb/>
Nr. 1 sein wird. Die Importe werden wahrscheinlich zurückgehen.<lb/>
Problem Nr. 1 liegt derzeit für uns im Export. Im Oktober<lb/>
haben wir überhaupt keinen Zuwachs. Dies ist das erste Mal,<lb/>
seitdem ich 1970 in das Ministerium gekommen bin. Um der Wirt<lb break="no"/>schaft im nächsten Jahr Investitionsanreiz zu geben, wird vom<lb/>
Finanzministerium mit den Sozialpartnern geredet, um 500 Mill. S<lb/>
zusätzliches ERP-Geld flüssig zu machen. Die Nationalbank ist<lb/>
aber nicht bereit, dafür den Rediskont zu geben. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> er<lb break="no"/>wägt deshalb, zweimal 150 Mill. S ins Budget als Zinsenzuschuss<lb/>
aufzunehmen. Wenn es zu keiner ERP-Regelung kommen sollte,<lb/>
so fürchte ich, werden für auch für den Fremdenverkehr<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_11">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte sofort Kontakt mit Büro <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
aufnehmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-09_12">Bezüglich der Aktion "Österr. Waren" wurde ein neuer Slogan ge<lb break="no"/>prägt: Kauf Dir Deinen Arbeitsplatz, kauf österr. Waren. Wir<lb/>
kamen überein, dass nicht nur die österr. Qualitätsware, sondern<lb/>
jede Ware mit österr. Ursprung gekennzeichnet werden sollte. Wenn<lb/>
eine Ware österr. Ursprungs ist, könnte auf Grund der Zollvor<lb break="no"/>schriften gleichlautend geregelt werden. Dort ist genau festgehalten,<lb/>
wieviel ausländischen Anteil und welche Produkte in Österreich<lb/>
verarbeitet werden müssen, damit sie als österr. Ursprung gelten.<lb/>
Mit Befriedigung wurde zur Kenntnis genommen, dass die Handelskammer<lb/>
jetzt doch bereit ist, eine Arbeitsgemeinschaft mit der Arbeiterkammer<lb/>
auf Grund des Handelskammergesetzes zu bilden. Offen ist noch, wie<lb/>
die Kontrollen durch diese Arbeitsgemeinschaft erfolgen, resp. wer<lb/>
dafür herangezogen werden soll. <rs type="person" ref="#per__97646">Koppe</rs> hofft noch immer, dass man<lb/>
zumindestens für die Kontrollen den Verein für Konsumenteninformation<lb/>
beauftragen wird. Zur finanziellen Basis wurde festgelegt, dass<lb/>
nachdem die Handelskammer 2 Mill. S gibt, auch das Handelsministerium<lb/>
2 Mill. dafür bereitstellt und die Arbeiterkammer den selben Betrag<lb/>
geben wird wie die Landwirtschaftskammer.<lb/>
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