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            <title type="main">Montag, der  5. Dezember 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_01">Montag, 5. Dezember 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_02">Beim Jour-fixe ersucht mich <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> den Dienstpass für seinen<lb/>
Freund <rs type="person" ref="#per__149441">Hummel</rs>, ehemaliger Kurator von NÖ auszustellen. Komm.Rat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149442">Pless</rs>, AKG, jetzt von Philips gekauft, soll seinen Orden bis<lb/>
16. Dezember wegen einer besonderen Feier bekommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_04">Der Warmbader Hof in Warmbad Villach hat noch immer nicht seine<lb/>
§-68-Staatswappenführung bekommen. Die Arbeiterkammer hat seiner<lb break="no"/>zeit dagegen remonstriert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Versuche bitte mit dem Arbeiterkammertag dieses<lb/>
Problem zu erledigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_06">Der taiwanische Minister <rs type="person" ref="#per__149443">Shu-kai</rs> war ebenfalls in der Handels<lb break="no"/>kammer und wollte dort, dass <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> Formosa besucht. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
hält dies für unzweckmässig. Dieselbe Meinung vertritt auch Aussen<lb break="no"/>minister <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs>. Prof. <rs type="person" ref="#per__117925">Winkler</rs> kann als nicht ernannter Defacto-<lb/>
Botschafter fungieren, solange alles still und leise, ohne dass die<lb/>
VR China schärfstens dagegen protestiert, vor sich gehen. Die<lb/>
Handelskammer wird eine kleine fact finding mission schicken.<lb/>
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allein lassen muss, weil er ein neues Auto bekommt. Rührend ist<lb/>
seine Ehrlichkeit mir gegenüber. Man sieht, was ihm ein Auto in<lb/>
Wirklichkeit bedeutet im Gegensatz zu mir, wo mir dies wirklich<lb/>
vollkommen egal ist – ich würde nicht einmal, wenn ich gar keine<lb/>
Sitzung hätte – zu so einem Anlass irgendwo hinfahren. Er bittet<lb/>
um Entschuldigung und Verständnis, dass er diese kultische Handlung<lb/>
jetzt vollziehen muss. Als er zurückkommt gehe ich gerade weg. Durch<lb/>
reinen Zufall treffe ich von der BÜRGES den ÖVP-Direktor <rs type="person" ref="#per__113824">Hönlinger</rs><lb/>
der <choice><choice><sic>im</sic><corr>ihm?</corr></choice></choice> scheinbar berichten kommt. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs>, interessiert aber wieder<lb/>
nur – und er erzählt es gleich voll Interesse – dass sein Auto<lb/>
irgend etwas wieder hat. Schnelle Autos sind ihm wirklich alles.<lb/>
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Zusammenarbeit wegen der "Kauft österreichische Qualitätswaren"-<lb/>
Aktion anstreben. Ich lehne dies ganz entschieden ab und bestehe<lb/>
<pb n="39-1411" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-05_1411.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>darauf, dass, wenn schon Präsident <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> das letzte Mal<lb/>
den Verein für Konsumenteninformation abgelehnt hat, ein<lb/>
paritätischer Ausschuss nach § 64 Handelskammergesetz ähnlich<lb/>
dem Holzwirtschaftsrat gegründet werden muss. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> versucht<lb/>
darzulegen, dass da nur die Arbeiterkammer Mitglied sein könnte<lb/>
und der ÖGB, da er keine öffentlich rechtliche Körperschaft ist,<lb/>
nicht direkt vertreten sein kann. Ebenso würde dann die Industriellen<lb break="no"/>vereinigung entfallen. Dies ist, wie sich aber nachher herausstellt,<lb/>
nur ein Vorwand, denn letzten Endes stimmt <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> zu, wenn ich ihm<lb/>
in einem internen Schriftwechsel versichere, dass ich diese<lb/>
Arbeitsgemeinschaft sofort auflösen werde, wenn eine Interessens<lb break="no"/>vertretung dies verlangt. Damit erkläre ich mich einverstanden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte die Verhandlungen sofort ab<lb break="no"/>schliessen und Briefentwurf mit Handelskammer, Arbeiterkammer und<lb/>
ÖGB formulieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_10"><rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> hat grösste Bedenken gegen die Informationsstelle wegen<lb/>
öffentlicher Aufträge beim Handelsministerium. Auf mein Drängen<lb/>
zieht er dann Dr. <rs type="person" ref="#per__149444">Bauer</rs> und Fr. Dr. <rs type="person" ref="#per__140659">Dorfwirth</rs> bei. Da <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> befürchtet,<lb/>
im Handelsministerium werden wir eine Art Submissionskommission<lb/>
einrichten, die letzten Endes bestimmt wer den öffentlichen Auftrag<lb/>
bekommt, ist er im Laufe der Diskussion dann einverstanden, dass<lb/>
wenigsten nur die Formulierung des Wirtschafts- und Sozialbeirates<lb/>
von mir als unzulänglich bezeichnet, akzeptiert wird. Ich erkläre ihm<lb/>
klipp und klar, dass wenn es zu einer stärkeren Rezession kommt,<lb/>
das Handelsministerium genau so wie im 75er Jahr versuchen wird<lb/>
Aufträge österreichischen nicht ausgelasteten Betrieben zukommen<lb/>
zu lassen. Dagegen kann er kaum etwas einwenden. Wenn er auch jetzt<lb/>
grösste Bedenken dagegen hat.<lb/>
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mehr wo möglich mit der Handelskammer führen, sondern die praktische<lb/>
Arbeit beginnen, um <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> nicht neuerdings zu grundsätzlichen Ent<lb break="no"/>scheidungen Anlass zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_12">Beim Journalistenfrühstück berichtet MR <rs type="person" ref="#per__97493">Gröger</rs>, dass es gelungen ist<lb/>
seit 1970 Glas von 0 auf 1000 Tonnen, Papier von 7.000 auf 28.000<lb/>
und Textilien von einer 1/2 Tonne auf 5.000 Tonnen Altstoffsammlung<lb/>
zu erhöhen. Textilien können im Inland, wie Redakteur <rs type="person" ref="#per__115174">Swietly</rs><lb/>
<pb n="39-1412" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-05_1412.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>vom Fernsehen sofort bemerkt, nicht im Inland verwendet werden.<lb/>
Hadern werden daher zum grössten Teil nach Italien oder in die<lb/>
Schweiz exportiert. Ich stelle fest, dass dadurch aber auch grosse<lb/>
Deviseneinnahmen gegeben sind. Diese Tatsache sollte aber nicht<lb/>
allzu bekannt werden, sonst würde die Abgabefreudigkeit der Bevöl<lb break="no"/>kerung darunter sicher leiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_13">Ich berichte über die zukünftige Kontrolle an der Grenze für die<lb/>
Einhaltung der österreichischen Kennzeichnungsvorschriften.<lb/>
Natürlich entspannt sich daraus eine Diskussion, ob es sich hier<lb/>
um eine Beschränkung der freizügigen Importpolitik handelt. Obwohl<lb/>
ich neuerdings darauf hinweise, dass die internationalen Verträge über<lb/>
unsere Importpolitik eingehalten werden, entsteht der berechtigte<lb/>
Eindruck, dass dadurch eben doch gegenüber den jetzigen Zustand<lb/>
eine gewisse Importeinschränkung erfolgen wird. Da dieser Ver<lb break="no"/>ordnungsentwurf jetzt in die Begutachtung geht, bin ich sehr ge<lb break="no"/>spannt, wie die einzelnen Landesregierungen, Interessensvertretungen<lb/>
usw. reagieren werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_14">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte lass Dich ständig am laufenden halten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_15">Aus Hongkong kam Mister <rs type="person" ref="#per__127075">Dunning</rs>, Repräsentant <choice><choice><sic>der Honkong Trade</sic><corr>des Hong Kong Trade Development Council</corr></choice></choice>,<lb/>
die jetzt endgültig beschlossen haben, ihren Sitz in Europa von<lb/>
Frankfurt nach Wien zu verlegen. Da sie in keinem einzigen Ost<lb break="no"/>blockstaat vertreten sind, mit diesen Staaten aber gute Geschäfte machen<lb/>
wollen und auch machen, erscheint ihnen der Sitz Österreich ideal.<lb/>
Wir können wirklich sehr froh sein dass es gelungen ist, diese Leute<lb/>
und Organisation nach Wien zu bringen. Der österreichische Aussen<lb break="no"/>handel mit Hongkong ist aber vollkommen unzulänglich. Wir importieren<lb/>
in den ersten 7 Monaten über 1 Mia. Schilling und exportieren nur für<lb/>
140 Mio. Die sechs Vertreter erklären <rs type="person" ref="#per__98075">Willenpart</rs> und mir, dass es<lb/>
ausschliesslich an der Unzulänglichkeit der österreichischen Ex<lb break="no"/>porteure liegt. Die Schweiz, die in einer ähnlichen Situation ist,<lb/>
exportiert mehr als sie importiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_16">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs> UND <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Bitte analysieren lassen, wieso<lb/>
wir hier so wesentlich schlechter abschneiden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_17">Bei der konstituierenden Generalversammlung<lb/>
über die Energiespar-Organisation, kürzer gesagt <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs>-<lb/>
Verein, stelle ich einmal mehr wieder fest, dass, wenn <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ruft, wirklich alle kommen. Niemand schliesst sich aus, der einzige<lb/>
Vorbehalt ist die von <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> vorgeschlagene Finanzierungsmethode.<lb/>
Der Bund und die Länder werden jeweils 25 Groschen pro Kopf ihrer<lb/>
Bevölkerung zahlen. Gegen diese Kopf-Mitgliedschaft wehren sich nur die<lb/>
grossen Organisationen wie Handelskammer, aber auch ÖGB. Hier<lb/>
schlägt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vor, es sollte <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> noch Gelegenheit haben mit<lb/>
allen davon Betroffenen zu verhandeln, um eine einvernehmlich<lb/>
Regelung zu erzielen. Um zu verhindern, dass nicht subalterne Beamten<lb/>
dann die Repräsentanten der einzelnen Länder und Organisationen sind,<lb/>
einigt man sich, nicht die Statuten danach aufzubauen, weil dies schwer<lb/>
möglich ist, sondern <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird selbst immer den Vorsitz führen,<lb/>
nicht allzu viele Sitzungen pro Jahr einberufen und dadurch mit<lb/>
grösster Wahrscheinlichkeit immer Spitzenvertreter bei den Sitzungen<lb/>
haben. <rs type="person" ref="#per__113069">Weiser</rs> möchte bei mir einen Antrittsbesuch, den ich ihm –<lb/>
sofort erkläre – ruhig ersparen können. In Wirklichkeit sagte er mir,<lb/>
möchte er mit mir sein Arbeitsprogramm und die Zusammenarbeit<lb/>
abstimmen. Dazu erkläre ich mich natürlich sofort bereit und werde<lb/>
zu dieser Aussprache SChef <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> und Dr. <rs type="person" ref="#per__98040">Wais</rs> zuziehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_19">Ich bespreche mit Landesamtsdirektor <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> von Tirol die Forderung<lb/>
Gemeinden auf Abgeltung ihrer immateriellen Schäden durch Er<lb break="no"/>richtung von elektrischen Leitungen. <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> meint, scheinbar<lb/>
hat die Grosszügigkeit der TIWAG und der Verbund in Osttirol,<lb/>
Gemeinde Matrei, Schule gemacht, weshalb jetzt auch anderen Gemeinden<lb/>
bei jeder sich bietenden Gelegenheit Entschädigungen wollen. <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs><lb/>
lehnt so wie ich, eine solche ganz entschieden ab. Er meint zu Recht<lb/>
in diesem Fall könnten wir uns in Hinkunft jedweder Forderungen gar<lb/>
nicht mehr wehren.<lb/>
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Brief von mir sofort zur Stellungnahme an <rs type="person" ref="#per__116100">Kathrein</rs> schicken.<lb/>
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unverzüglich nach Berlin fahre um den Vertrag mit Ostdeutschland<lb/>
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einen offiziellen Besuch, wo ich ihm eventuell begleiten sollte.<lb/>
Wie mir <rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> nachher gesteht, dürfte es zu einem Missverständnis<lb/>
zwischen Generaldirektor <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> und ihm gekommen sein, wodurch<lb/>
der Eindruck entstanden ist, <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte diesen Vertrag ab<lb break="no"/>schliessen. Da Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97518">Haschek</rs> von der Österreichischen Kontrollbank<lb/>
aus internen Gründen zunächst eine Tranche von 2.5 Mia. Schilling<lb/>
in Österreich noch bereinigen muss, ersucht dieser in den nächsten<lb/>
10 Tagen nichts zu unternehmen. Mit <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs> werde ich jetzt noch<lb/>
den Begriff Kompensationsbasis, wie Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> in den Vertrag<lb/>
verhalt, im Detail besprechen. Für den übernächsten Ministerrat<lb/>
müsste dann eine Formulierung vorliegen und endgültig beschlossen<lb/>
werden. Bei der Überreichung von Orden in Berlin an <rs type="person" ref="#per__97343">Beil</rs> hätte ich<lb/>
dann Gelegenheit den Vertrag tatsächlich zu unterzeichnen. Darauf<lb/>
legt nicht nur die ostdeutsche Regierung sondern auch die VÖEST<lb/>
Alpine den grössten Wert. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> und <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> habe ich informiert,<lb/>
die sich bemühen werden ihrerseits alles vorzukehren, dass der<lb/>
Ministerrat entsprechende Beschlüsse fassen kann.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_22">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108322">MEISL</rs>: Bitte unverzüglich die entsprechenden inter<lb break="no"/>ministeriellen Verhandlungen aber streng vertraulich durchführen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_23">In der Vorbesprechung berichtet <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dass der Energiebericht<lb/>
über die Kernkraftwerke jetzt endgültig fertig ist und morgen<lb/>
beschlossen werden sollte. Er meint allerdings es sei nicht eilig,<lb/>
denn im Parlament könnten erst nach dem Budget-Verhandlungen ent<lb break="no"/>sprechenden Parteienverhandlungen im Rahmen der Klubs, d.h. des Parla<lb break="no"/>mentes erfolgen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird auch den ORF auffordern, in einem<lb/>
Symposium von 4–5 Stunden, wenn notwendig auf 2 Etappen 5 Kern<lb break="no"/>kraftgegner und 5 Kernkraftbefürworter auf Wunsch der Regierung<lb/>
entsprechende Sendezeit zur Verfügung zu stellen. Die vom Linzer<lb/>
AVB-Institut für Marktforschung vorgelegte Umfrage dürfte auf aben<lb break="no"/>teuerlichen Angaben beruhen. Es wurden zwar angeblich 1.800 Personen<lb/>
befragt, doch wurde diese Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes<lb/>
Obmann <rs type="person" ref="#per__149445">Niethan</rs> ?? gegeben, der ein ausgesprochener Gegner der Atom<lb break="no"/>energie ist. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wird dafür eintreten, dass wenn eine Meinungs<lb break="no"/>umfrage veröffentlicht wird, dann eine Kommission bestehend aus dem<lb/>
Statistischen Zentralamt, den Ordinariaten für Statistik in Wien<lb/>
und Linz, zwei Soziologen, die die Meinungsumfrage zu prüfen hätten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_24">Damit nicht auf unseriöse Weise die Meinung der Bevölkerung<lb/>
manipuliert wird. Bei diesen Linzer AVB-Institut handelt es<lb/>
sich um einen Einmannbetrieb, <rs type="person" ref="#per__149450">Walter Gross</rs>, der psychologische<lb/>
Tests bis jetzt gemacht hat. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> verweist darauf, dass es eine<lb/>
Selbstkontrolle des Verbandes der Marktforscher gibt. Das Kontroll<lb break="no"/>organ resp. die dafür zuständigen Universitätsprofessoren sind<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149451">Rosenmayr</rs>, <rs type="person" ref="#per__149452">Freisitzer</rs> und andere. IMAS, AVB gehören aber dem<lb/>
Verband für Marktforscher nicht als Mitglieder an, weil sie ent<lb break="no"/>weder zu unseriös sind, oder aus Konkurrenzgründen nicht aufgenommen<lb/>
wurden. Dies konnte ich leider nicht feststellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_25">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs><add>?</add>: Bitte kläre, was wirklich der Grund für die Nicht-<lb/>
Mitgliedschaft dieser beiden ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_26"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint zu einem Schreiben von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs>, wo dieser die Furcht<lb/>
ausgesprochen hat, dass dem Nationalrat irgend etwas nicht zuge<lb break="no"/>mutet werden kann, dies geht <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> nichts an. Wahrscheinlich hat<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> irgend etwas von <rs type="person" ref="#per__107937">Frank</rs> bekommen, oder vielleicht sogar etwas<lb/>
von ihm verlangt, worauf <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr sauer reagierte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_27">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitt stelle fest, um was es sich dabei gehandelt. <lb/>
hat<add>Brief wegen Enquete</add><lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_28">Neuerdings bringt <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> die Reise-Budgets für die ersten 3 Monate<lb/>
zur Debatte. Das Bundeskanzleramt hat 100.000 Schilling überzogen,<lb/>
muss dies jetzt im III.Quartal einhalten. Das Aussenministerium<lb/>
wird zwar mit 1,3 Mio. ein Revirement machen müssen, weil die<lb/>
Belgrader Konferenz lange dauert und dies nicht geplant war. Im<lb/>
Unterrichtsministerium ist die Überschreitung darauf zurückzuführen,<lb/>
weil die Lehrer aus dem Ausland nach Österreich zurück übersiedeln.<lb/>
Ebenso ist die Überschreitung des Finanzministeriums auf Beamten<lb break="no"/>tätigkeit zurückzuführen, die in Hinkunft anders geregelt werden<lb/>
sollen. Alle anderen, auch das Handelsministerium liegen unter ihren<lb/>
Quoten, was <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sehr befriedigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_29"><rs type="person" ref="#per__97879">Rösch</rs> berichtet, dass die Personalvertretung an ihm herangetreten<lb/>
ist, zu den Ausschreibungen herangezogen zu werden, sowie dies<lb/>
jetzt auch die Bundespersonalaufsichtskommission den Zentralaus<lb break="no"/>schuss bestätigt. Da der Verfassungsdienst aber eindeutig festge<lb break="no"/>stellt hat, dass es sich hier um eine vertrauliche Kommission handelt,<lb/>
<pb n="39-1416" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-05_1416.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>kann nicht die Personalvertretung nachher entsprechende In<lb break="no"/>formation oder gar Mitwirkung verlangen. Wir kommen überein,<lb/>
dass alle Minister eine solche Forderung ablehnen werden. Die<lb/>
Personalvertretung ist als Körperschaft und Organ nicht zuzu<lb break="no"/>ziehen. Sollte sie es dennoch verlangen, ist auf die einheitliche<lb/>
Stellungnahme des Verfassungsdienstes zu verweisen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_30">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Damit wurde Dein Wunsch endgültig von allen<lb/>
Ministern bestätigt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_31"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> fragt bei mir in der Ministerratsvorbesprechung an, ob ich<lb/>
nicht doch die Forderung der Elektrizitätswirtschaft schnell er<lb break="no"/>füllen könnte und neuerdings den Stromtarif entsprechend mit 1.1.<lb/>
korrigieren. Dazu erkläre ich mich ausserstande, weil ich eine ein<lb break="no"/>vernehmlich Regelung erzielen will und diese mit den Interessens<lb break="no"/>vertretungen bis anfangs Jänner nicht zu erreichen wäre. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs><lb/>
möchte nämlich in Hinkunft für die Elektrizitätswirtschaft keine<lb/>
zusätzlichen Budgetmittel zur Aufstockung des Eigenkapitals zur Ver<lb break="no"/>fügung stellen. Ihm schwebt scheinbar vor die Preiskorrektur sollte<lb/>
zu einer stärkeren Eigenkapitalbildung führen. Da ich weiss, dass<lb/>
die Elektrizitätswirtschaft mit meiner Energiepolitik kurze Abstände<lb/>
und eigentlich seit 1.1.74 bereits drei Erhöhungen, sehr zufrieden<lb/>
ist, trotzdem aber immer alle Interessensvertretungen zugestimmt<lb/>
haben, erkläre ich dezidiert an dieser Politik festzuhalten. Bei<lb/>
den Baubeschlüssen hat die Regierung jeweils immer entsprechende<lb/>
Zuschüsse vereinbart, die bis jetzt noch nicht restlos abgewickelt<lb/>
sind. Früher oder später müssen aber diese Zusagen eingehalten<lb/>
werden. Durch erhöhte Stromtarife kam eine Ergänzung des Eigen<lb break="no"/>kapitals durch Bundeszuschüsse unter gar keinen Umständen ersetzt<lb/>
werden. Da ja in der Vorbesprechung zwar viele Probleme, selbst<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, immer angeschnitten, niemals aber konkrete Beschlüsse<lb/>
gefasst werden, werden auch daher meine Erklärungen zur Kenntnis<lb/>
genommen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> beschwert sich dann nur neuerdings, dass die<lb/>
NEWAG angeblich eine Elektrogeräte-Aktion hat, wonach der Strom<lb break="no"/>verbrauch nur angeregt wird.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_32">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs><add>?</add>: Bitte kläre um was es sich dabei handelt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_33">Im einen kleineren Ministerkomitee bespricht <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> dann die 40-Jahr-<lb/>
Feier 1978. In einer verschärften innerpolitischen Situation muss<lb/>
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<rs type="person" ref="#per__116692">Steinbauer</rs> hat, wie er meint mit Recht, die Staatsoperette kritisiert,<lb/>
denn darin wurde verfälscht und ohne künstlerischen Wert das<lb/>
Problem der ersten Republik gezeigt. Mit <rs type="person" ref="#per__67191">Karl Kraus</rs> – die letzten<lb/>
Tage der Menschheit – hat dieses Machwerk überhaupt nichts zu tun.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wünscht eine Darstellung der 30er Jahre von seriösen<lb/>
Historikern. Bei der Gelegenheit kommt gleich die Nachfolge von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__123006">Jedlicka</rs>, Institut für Zeitgeschichte und Universität, zur Sprache.<lb/>
Der beste Kandidat wäre <rs type="person" ref="#per__149446">Mommsen</rs>. Es ist aber nicht sicher, ob er eine<lb/>
Berufung annehmen würde. Die Kunschak- und Körner-Stiftung sollte<lb/>
jetzt weitere Monographien zu den schon bestehenden von SChef<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149448">Hecht</rs>, <rs type="person" ref="#per__149447">Starhemberg</rs> usw. herausgeben. In Billigstausgaben sollte diese<lb/>
dann den Lehrern zur Verfügung gestellt werden. Eine Sonderausstel<lb break="no"/>lung soll die Zeit von 1934–1938 demonstrieren. Im Kuratorium<lb/>
sollten 10 Personen sitzen, wie <rs type="person" ref="#per__97714">Maleta</rs>, <rs type="person" ref="#per__108322">Meisl</rs> usw. Die Weihestätte<lb/>
Mauthausen müsste zur 40 Jahr-Feier geweiht werden. Hier wünscht<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> überhaupt eine Konfrontation mit dem Bundesjugendring.<lb/>
In einem grossen Staatsakt soll <rs type="person" ref="#per__97632">Kirchschläger</rs> dann am 13.3. des Jahres<lb/>
1938 gedenken. Ein Historiker, wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__149449">Kaan</rs>, sollte dann<lb/>
eine entsprechende Festrede halten. Überlegt wird auch, ob man nicht<lb/>
ein Museum der Österreichischen Republik errichten sollte. Auch die<lb/>
SPÖ müsste eine grosse Veranstaltung machen. <rs type="person" ref="#per__97356">Blecha</rs> schlägt vor,<lb/>
man sollte am 11.3. die Feier im Arbeiterheim Floridsdorf durchführen.<lb/>
Damals war die grosse Zusammenkunft der freien Gewerkschaften und<lb/>
der letzte Versuch der Revolutionären Sozialisten mit den illegalen<lb/>
Gewerkschaften die Regierung zum Handeln zu zwingen. Eine lange<lb/>
Diskussion entspinnt sich, wer für diesen Anlass die Festrede halten<lb/>
soll. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> möchte nicht und alle die ihm vorgeschlagen werden,<lb/>
finden andererseits auch nicht seine Zustimmung. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> verfällt<lb/>
sogar auf mich und meint, du warst ja letzten Endes auch in der<lb/>
Illegalität tätig. Ich lehne dieses zwar mich ehrende Angebot dan<lb break="no"/>kend ab und erkläre mich dazu weder befähigt, noch wünsche ich, dass<lb/>
meine damalige Tätigkeit überschätzt wird. Ich in wie alle anderen<lb/>
auch der Meinung, dass dies in Wirklichkeit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> machen muss.<lb/>
Dieser wieder möchte allerdings eine grosse Feier haben, die ent<lb break="no"/>sprechend künstlerisch, Orchester, Ballett usw. in der Stadthalle<lb/>
veranstaltet werden sollen. Wie dies alles in 3 Monaten geregelt werden<lb/>
kann, ist mir ein Rätsel. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat recht, wenn er meint, die Jugend<lb/>
ist heute an den 30er Jahren sehr interessiert. Die Zertrümmerung der<lb/>
Sozialdemokratischen Partei war die Zertrümmerung der Demokratie.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-05_34">Das autoritäre System hat letzten Endes zum Vollfaschismus, zum<lb/>
Krieg und zum Elend geführt. Dies sollte man durch eine entsprechende<lb/>
historische Darstellung darlegen. In einem Plakat im Frühjahr soll<lb/>
auch ein Aufruf erfolgen, dass die Sozialdemokratische resp.<lb/>
Sozialistische Partei stets die Partei für die Freiheit war und<lb/>
dies wird auch in Zukunft so der Fall sein. Die Gegenpropaganda<lb/>
der ÖVP, die sich ja auf diese Zeit kaum berufen kann, war durch<lb/>
ihre Vorgänger damals die ersten, die die autoritäre Ordnung ange<lb break="no"/>strebt haben, wird dann sein, die Freiheit bewahren. Gott sei<lb/>
Dank bin ich für diese kulturellen Aufgaben nicht zuständig und<lb/>
fühle mich auch nicht verantwortlich. Dass die Geschichtsbewältigung<lb/>
Österreichs aber eine der wichtigsten Aufgabe ist die wir auch im<lb/>
Interesse unserer Jugend dringend notwendig haben, möchte ich nicht<lb/>
bestreiten.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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