<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="staribacher__19771201.xml" prev="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19771130.xml" next="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at/staribacher__19771202.xml" xml:base="https://staribacher.acdh.oeaw.ac.at">
   <teiHeader>
      <fileDesc>
         <titleStmt>
            <title type="main">Donnerstag, der  1. Dezember 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
            <respStmt>
               <resp>Conversion to TEI</resp>
               <persName>Gustav Graf</persName>
            </respStmt>
            <respStmt>
               <resp>Digitisation, OCR correction and named entities tagging</resp>
               <persName>Matthias Trinkaus</persName>
            </respStmt>
         </titleStmt>
         <publicationStmt>
            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
            <availability>
               <licence>CC BY-NC 4.0</licence>
            </availability>
         </publicationStmt>
         <sourceDesc>
            <msDesc>
               <msIdentifier>
                  <institution>Kreisky Archiv</institution>
                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
                  <idno type="signature">Band39_1977-12-01</idno>
               </msIdentifier>
            </msDesc>
         </sourceDesc>
      </fileDesc>
      <profileDesc>
         <creation>
            <date when="1977-12-01">Donnerstag, 1. Dezember 1977</date>
         </creation>
      </profileDesc>
      <revisionDesc>
         <change type="creation" when="2019-06-25">exported as basic TEI from corrected tesseract output.</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">cleaned automatic tesseract-export by cleanExport.xsl script</change>
         <change type="update" when="2020-06-25" who="acdh:ds">moved first pb element out of attachment divs by cleanExport-patch2.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-11" who="acdh:ds">find and note personalAgenda as a subtype cleanExport-patch.xsl</change>
         <change type="update" when="2016-08-19" who="acdh:ds">whitespace in paragraphs, lb and pb fixes by cleanExport-patch3.xsl</change>
      </revisionDesc>
   </teiHeader>
   <text>
      <body>
         <pb n="39-1396" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1396.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="entry">
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_01">Donnerstag, 1. Dezember 1977<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_02">Die Firma <rs type="person" ref="#per__97602">Jodlbauer</rs> mit der Fa. <rs type="person" ref="#per__149462">Taus</rs>, Bruder des Parteiobmannes,<lb/>
und dem Möbelhaus Stockerau importieren aus der Schweiz die<lb/>
teuren Ledermöbel de Sede. Diese international anerkannte teuerste,<lb/>
aber auch als beste Qualität für lederne Sitzmöbel bekannte<lb/>
Produktionsfirma lässt sich mit einem Werbeaufwand mit den drei<lb/>
Firmen im Kurier eine ganze Serie kosten. Halbe Seiten bezahltes<lb/>
Inserat, halbe Seite Interview mit Leuten, die irgendetwas über<lb/>
Ledermöbel sagen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> und ich werden nun auch gefragt,<lb/>
meine Einstellung war, dass diese teuren Möbel und die Werbe<lb break="no"/>kampagne dafür dazu führen möge, dass wenn schon Leute Ledermöbel<lb/>
kaufen, dann auch die österr. Ledermöbelerzeuger Dr. <rs type="person" ref="#per__113628">Wittmann</rs> z.B.<lb/>
profitieren sollen. <rs type="person" ref="#per__149462">Taus</rs> sagte mir, wenn Leute zu ihm kommen,<lb/>
um Ledermöbel sich anzusehen und von de Sede begeistert sind,<lb/>
dann doch 8 von 10 <rs type="person" ref="#per__113628">Wittmann</rs>-Möbel kaufen. Nur zwei können sich<lb/>
den Luxus de Sede leisten. Bisher wurde die Reklame gemacht,<lb/>
1/3 der Möbel werden aus österreichischen Fellen und Häuten er<lb break="no"/>zeugt. Jetzt hat man mit der Schweizer Firma vereinbart, dass<lb/>
auch eine österreichische Gerberei eingeschaltet wird.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Achte bitte, dass der Artikel auch tat<lb break="no"/>sächlich die Inlandsproduktion erwähnt.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_04">Der neue Präsident der Triester Handelskammer <rs type="person" ref="#per__149464">Modiano</rs> kam mit<lb/>
dem neuen Vizepräsident der österr.-italienischen Handelskammer<lb/>
<rs type="person" ref="#per__126401">Pelikan</rs> und <rs type="person" ref="#per__149465">Strasser</rs> zu einem Antrittsbesuch. Im speziellen inter<lb break="no"/>essierte er sich für die polnisch-österreichische Kohle-Pipeline.<lb/>
Ich erklärte ihm, sowie seinem Vorgänger <rs type="person" ref="#per__137473">Caidassi</rs>, dass wir die<lb/>
Italiener darüber auf dem Laufenden halten werden und sehr daran<lb/>
interessiert wären, wenn sie sich tatsächlich daran beteiligen<lb/>
würden. Da dieses Projekt ja sehr nebulös ist, wäre ich persön<lb break="no"/>lich sehr interessiert, wenn sie bereits in der Studiengruppe mitwir<lb break="no"/>ken würden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Die OB soll die Italiener heranziehen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_06">Prof. <rs type="person" ref="#per__149463">Reimer</rs>, der Präsident der italienisch-österr. Handelskammer<lb/>
und der ehemalige Vizepräsident <rs type="person" ref="#per__122020">Giuli</rs> kamen, um mich zu fragen,<lb/>
wie sie die Aktivität dieser Kammer im Interesse eines grösseren<lb/>
Warenaustausches vergrössern könnten. Sie beklagten sich, wenn<lb/>
<pb n="39-1397" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1397.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>auch nicht offiziell, dass die Botschaft einen Handelsdelegierten<lb/>
Dr. <rs type="person" ref="#per__149470">Fleri</rs> hat, das Aussenhandelsministerium, die ICE – <choice><choice><sic>Instituto<lb/>
Commercio Este</sic><corr>Istituto nazionale per il Commercio Estero</corr></choice></choice> – Dr. <rs type="person" ref="#per__149466">Bosio</rs>, und als dritte Institution noch die<lb/>
italienisch-österr. Handelskammer existiert. Ich empfahl ihnen,<lb/>
sich mehr dafür einzusetzen, wie dies bei der deutsch-österr.<lb/>
Handelskammer ist, grosse potentere Betriebe für ihre Tätigkeit<lb/>
zu interessieren. Dies gilt ganz besonders für die italienische<lb/>
Seite. Ausserdem sollten Geldinstitute wie bereits bei der letzten<lb/>
Tavola rotonda begonnen, für die Handelskammer gewonnen werden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Versuche über die ICE Kontakt aufzunehmen,<lb/>
ohne dich auf diese Vorsprache zu berufen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_08">Ing. <rs type="person" ref="#per__149468">Gantner</rs>, Vorstand der Fachgruppe alkoholfreie Getränke<lb/>
mit Dr. <rs type="person" ref="#per__149469">Gruber</rs>, Sekretär vom Nahrungs- und Genussmittelverband<lb/>
diskutierten mit mir das Verbot des Einweggebindes. Durch Zufall<lb/>
kam dann Dir. <rs type="person" ref="#per__118321">Walz</rs> und Dkfm. <rs type="person" ref="#per__149467">Wenckheim</rs> von der Ottakringer am Abend<lb/>
ins Parlament, um ebenfalls dieses Problem mit mir zu diskutieren.<lb/>
Derzeit beträgt die Kapazität aller schon aufgestellten Dosenapparate<lb/>
bei Ottakringer, Brau AG, Schwechater, Schartner 100 Mill. Dosen,<lb/>
wovon ca. 20 % genützt werden. Das Ganze ist aber noch ein Bruchteil<lb/>
Kapazität ca. 300.000 hl, die man damit abfüllen könnte, gegenüber<lb/>
den 7,5 Mill. hl. Bier, 3,2 Mill. hl alkoholfreie Getränke und<lb/>
2,2 Mill. hl Mineralwasser, die einen interessanten Markt für die<lb/>
Einweggebinde-Erzeuger bedeuten würde. Selbstverständlich<lb/>
erklärte ich mich bereit, wenn es eine bessere Lösung gilt<lb/>
als ein Verbot auszusprechen, immerhin wäre dies mein erstes aus<lb break="no"/>drücklich als Verbot vorgeschlagene Gesetz, eine andere Lösung eben<lb break="no"/>falls zu diskutieren. Ich erklärte, mir ist es in der Seele zuwider<lb/>
etwas zu verbieten. 1970 hat man erwartet, dass ich mit Verboten<lb/>
meine Regierungspolitik begründen werde. Genau das Gegenteil habe<lb/>
ich getan, statt die Werbung z.B. zu verbieten oder einzuschränken,<lb/>
habe ich einen Staatspreis für die Werbung geschaffen usw.<lb/>
Hier aber sehe ich keine andere Möglichkeit und um nicht weitere<lb/>
Fehlinvestitionen zu bekommen, muss ich klare Entscheidungen treffen.<lb/>
Dies haben alle eingesehen und erwarten sie auch von mir.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_09">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs> UND <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte nach Fertigstellung unseres<lb/>
Gesetzentwurfes auf breitester Basis mit allen diskutieren, gege<lb break="no"/>benenfalls Enquete einberufen.<lb/>
</p>
            <pb n="39-1398" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1398.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_10">Im Lebensmittelarbeiter-Vorstand habe ich dann dieses Problem<lb/>
uns sehr direkt und indirekt berührt, über diese Frage eingehend<lb/>
referiert und diskutiert. Allgemein hat man mir im Prinzip zugestimmt<lb/>
doch auch darauf verwiesen, dass wenn die Flasche wieder kommt<lb/>
oder beibehalten wird, dann die Arbeiter doch durch die schweren Gebin<lb break="no"/>de gewichtsmässig stark weiterhin belastet werden. Aus der Praxis<lb/>
berichteten mir die Kollegen, dass ein gewisser Zug zur Flasche,<lb/>
ohne dass bis jetzt eine Entscheidung über das Einweggebinde<lb/>
gefallen ist, festzustellen ist. In der Schweiz z.B. werden Spezial<lb break="no"/>milchprodukte nur mehr im 1/4-l-Glas verpackt. Als zweites wichtiges<lb/>
Thema besprachen wir die Konzentrationsbestrebungen, die gerade in<lb/>
unserer Branche sehr stark waren und sind und natürlich zur<lb/>
Freisetzung von Arbeitskräften führt. Bis jetzt waren davon meistens<lb/>
Gastarbeiter betroffen. Für österreichische Arbeiter gab es noch<lb/>
keine zu grossen Entlassungen wegen einer solchen Konzentration.<lb/>
Wir kamen überein, dass die einzige Möglichkeit besteht für die<lb/>
Betriebe Sozialpläne auszuarbeiten, damit die Arbeiter wenigstens<lb/>
auf finanziellem Gebiet entsprechend entschädigt werden. Mehr denn<lb/>
je konnte ich feststellen, dass eine Diskussion sofort zu er<lb break="no"/>reichen ist, wenn man neben einer provokanten Berichtserstattung,<lb/>
wie ich dies immer bei Wirtschaftsthemen mache, so wie diesmal<lb/>
ein Problem zur Debatte stelle, welches die Kolleginnen und Kollegen<lb/>
unmittelbar angeht. Die Lohnverhandlungen mit den Unternehmern<lb/>
stellen sich als wesentlich schwieriger dar im Vergleich zu dem Vor<lb break="no"/>jahr. Die Forderung unserer Kühl- und Lagerhausarbeiter von 9 %<lb/>
wird vom Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie dazu<lb/>
benützt, um bei der Paritätischen Kommission anzufragen, ob solch<lb/>
eine hohe Forderung im Sinne des Mässigungsappells überhaupt erhoben<lb/>
werden darf oder soll. Für mich ist es ganz klar, man will damit<lb/>
eine Verzögerungstaktik einschlagen, wie dies ja auch bei den Han<lb break="no"/>delsangestellten der Fall war. Diese haben dann mit 5,8 % Gehalts<lb break="no"/>erhöhung abgeschlossen, zuzüglich allerdings einiger wesentlicher<lb/>
sozial-, d.h. kollektivvertraglicher Verbesserungen. Ähnliche Ab<lb break="no"/>schlüsse werden auch wir tätigen müssen. Die Tabakarbeiter, die<lb/>
derzeit schon Wochen lang in Verhandlungen stehen, haben in den<lb/>
letzten Jahren durchschnittlich 15 % Erhöhung pro Jahr erreicht.<lb/>
Jetzt bekommen sie 4 % angeboten, obwohl sie 8 % verlangt haben.<lb/>
Hier wird es, wenn man nicht sehr bald zu einer Einigung kommt,<lb/>
durch eine Betriebsversammlung und letzten Endes Vollversammlungen<lb/>
in den Betrieben zu Schwierigkeiten für die Direktionen kommen.<lb/>
</p>
            <pb n="39-1399" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1399.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_11">Stansford Research Institute hat mit den Russen eine Arbeits<lb break="no"/>gemeinschaft, Präs. ist <rs type="person" ref="#per__97500">Gwischiani</rs>, einer der Vizepräsidenten<lb/>
<rs type="person" ref="#per__141601">Hendricks</rs> von der Warentreuhand der CA. Die Tagung sollte seit<lb/>
Jahren irgendwo einmal in Amerika stattfinden, was die Russen<lb/>
aber abgelehnt hatten und so einigte man sich letzten Endes<lb/>
auf Österreich. Ich musste diese Institution, einige österr. Gross<lb break="no"/>firmen haben daran teilgenommen wie VÖEST, Siemens, SGP begrüssen.<lb/>
Ich musste frei sprechen und Frage beantworten, was für mich über<lb break="no"/>haupt kein Problem wäre, wenn es nicht hätte in Englisch sein<lb/>
müssen. So stotterte ich und schwindelte mich durch, war sehr<lb/>
erstaunt, dass, wie <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> mir dann sagte, die Leute über einige<lb/>
witzige Bemerkungen oder besser gesagt auch in Englisch mit ein<lb/>
bisschen Wiener Schmäh scheinbar die Leute wirklich zufrieden waren.<lb/>
Aus dem Lachen konnte man es tatsächlich entnehmen. Ich kann mir sehr<lb/>
gut vorstellen, wie einige ganz gute Bemerkungen in meinem radebrechen<lb break="no"/>den furchtbaren Englisch sich für Amerikaner angehört haben müssen.<lb/>
Hier haben sie sicherlich mehr den Willen anerkannt, in ihrer Sprache<lb/>
zu sprechen, auch wenn sich dies sicherlich sehr komisch angehört<lb/>
hat. Hauptfrage war immer, was profitiert man, wenn man Österreich<lb/>
als Sitz bei Ost-West-Beziehungen benützt, wie verhält sich die<lb/>
österr. Regierung zu Multis und welche steuerliche Belastung gibt<lb/>
es. Sachlich fand ich die Antworten sehr leicht, schwierig war<lb/>
es nur für mich annähernd nicht gerate die falschesten Worte<lb/>
dafür zu finden.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_12">Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112992">Löschnak</rs> teilte mir mit, dass er dringend einen<lb/>
Personalisten sucht. Es gibt zwei Beförderungsabteilungen, eine<lb/>
davon hat Min.Rat <rs type="person" ref="#per__149471">Knogler</rs> geleitet, der jetzt gestorben ist.<lb/>
Ich empfahl ihm unseren <rs type="person" ref="#per__113627">Kieslich</rs>, mit dem er sofort Kontakt auf<lb break="no"/>nehmen will. Bei unserer Fraktionszusammenkunft im Schweizer Garten<lb/>
habe ich <rs type="person" ref="#per__113627">Kieslich</rs>, der dort war, und <rs type="person" ref="#per__97819">Plesch</rs> sofort informiert.<lb/>
Vielleicht gibt es hier eine Möglichkeit, im BKA in der Personal<lb break="no"/>abteilung endlich einen Mann von uns einzusetzen. Zur Fraktions<lb break="no"/>zusammenkunft konnte ich leider nur sehr spät erst kommen. Noch<lb/>
immer waren aber ein guter Teil beisammen. Was mich am meisten<lb/>
freute waren sehr viele junge Leute dort. Ich glaube, dass wir<lb/>
wirklich mit dieser Entwicklung zufrieden sein können. Im Parlament<lb/>
wurde beim Kapitel BKA vom ehemaligen Gewerkschaftsobmann der<lb/>
öffentlich Bediensteten <rs type="person" ref="#per__134290">Gasperschitz</rs> die Berufungspolitik des<lb/>
Handelsministers bei Bestellung von Sektionschefs hart kritisiert.<lb/>
</p>
            <pb n="39-1400" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1400.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_13">Natürlich ärgert sich die ÖVP masslos, dass die von mir berufenen<lb/>
Sektionschefs, die ich allerdings nur auf Vorschlag von<lb/>
Kommissionen durchführe, ausgezeichnete Fachleute und dabei<lb/>
noch Genossen sind. Wieviel mehr würden sie sich ärgern,<lb/>
wenn sie die immerhin sehr starke Fraktion sehen könnten.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_14">Mit Minister <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> besprach ich die Berufung von Präsidial<lb break="no"/>sektionschef <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>. <rs type="person" ref="#per__97755">Moser</rs> denkt allen Ernstes, da er angeblich<lb/>
überhaupt keine andere Möglichkeit hat, <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> in das Zimmer<lb/>
von <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> zu setzen. Ich erklärte ihm sofort, dass dies<lb/>
unmöglich sei, weil ich ihm seinerzeit mit aller Deutlich<lb break="no"/>keit gesagt habe, dass wir diese Zimmer dringendst brauchen.<lb/>
Sollte ich wider Erwarten nicht beide bekommen, so würde ich<lb/>
auf alle Fälle das kleine Zimmer neben mir beanspruchen. Das<lb/>
Sektionschefzimmer, das <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs> zusteht, wäre dann das grosse<lb/>
Zimmer, wo jetzt zwei Sekretärinnen von <rs type="person" ref="#per__97915">Schipper</rs> drinnensitzen.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs>: Bitte besprich mit <rs type="person" ref="#per__112949">Kazda</rs>, ob er nicht<lb/>
doch irgendwo anders andere Zimmer bekommen kann.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_16"><rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> hatte die gute Idee, dass wir auf der Landstrasse<lb/>
Sektionen zur Berichterstattung und Diskussion zusammenziehen.<lb/>
Er bemerkte vor längerer Zeit, dass ein Informationsnotstand<lb/>
besteht und hat diese Arbeit erfolgreich begonnen. Im Fasan<lb break="no"/>viertel nun hatte ich Gelegenheit, als ich ihn wieder abholte,<lb/>
doch noch ein wenig ebenfalls dort zu referieren und vor allem<lb/>
den Wiener Schmäh rennen zu lassen. Der Vorsitzende, Sektions<lb break="no"/>leiter <rs type="person" ref="#per__144759">Reviczky</rs> meinte, seiner Meinung nach wäre es zweckmässig,<lb/>
zweimal im Halbjahr solche Veranstaltungen zu wiederholen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> und ich sagten dort gar nichts. Nachher aber waren wir<lb/>
uns vollkommen klar darüber, dass wenn man diese Informations<lb break="no"/>kampagne institutionalisiert also z.B. wirklich viermal im<lb/>
Jahre einberuft, genau das Gegenteil erreicht wird, was <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
mit der spontanen Information erreichen will. Der grösste Fehler<lb/>
wäre, sie nach irgendeinem Zeitplan automatisch abzuhalten. Der<lb/>
wirklich grosse Erfolg besteht eben darin, dass wenn man fest<lb break="no"/>stellt, dass eine solche Informationsnotwendigkeit besteht.<lb/>
man dann sofort eine solche Kampagne startet. <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs> sagte mit recht<lb/>
und ich teile diese Meinung, die Institutionalisierung in Form<lb/>
eines Zeitplanes mit festen Veranstaltungen wäre in Wirklichkeit das<lb/>
Ende dieser wirklich blendenden Idee.<lb/>
</p>
            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-12-01_17"/>
         </div>
      <div type="back"><pb n="39_1395_01" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1395-01.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>Tagesprogramm, 1.12.1977</head>
         </div>
         <pb n="39_1395_02" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-12-01_1395-02.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>
         <div type="attachment" subtype="cabinetAgenda">
            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
         </div>
      </div></body>
      <back><listPerson><person xml:id="per__97893">
               <persName type="label">Sallinger, Rudolf</persName>
               <persName><surname>Sallinger</surname><forename>Rudolf</forename></persName>
               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112992">
               <persName type="label">Löschnak, Franz</persName>
               <persName><surname>Löschnak</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Sts. BKA</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97819">
               <persName type="label">Pleschiutschnig, Gerhard</persName>
               <persName><surname>Pleschiutschnig</surname><forename>Gerhard</forename></persName>
               <occupation>Kabinett Staribacher</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97755">
               <persName type="label">Moser, Josef</persName>
               <persName><surname>Moser</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Bautenminister</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__113627">
               <persName type="label">Kieslich, Ernst</persName>
               <persName><surname>Kieslich</surname><forename>Ernst</forename></persName>
               <occupation>Beamter HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__137473">
               <persName type="label">Caidassi, Romano</persName>
               <persName><surname>Caidassi</surname><forename>Romano</forename></persName>
               <occupation>Präs. Handelskammer Triest</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__98053">
               <persName type="label">Wanke, Otto</persName>
               <persName><surname>Wanke</surname><forename>Otto</forename></persName>
               <occupation>SChef HM</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/12195126X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__98040">
               <persName type="label">Wais, Anton</persName>
               <persName><surname>Wais</surname><forename>Anton</forename></persName>
               <occupation/>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/1017902909</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__113628">
               <persName type="label">Wittmann, Franz</persName>
               <persName><surname>Wittmann</surname><forename>Franz</forename></persName>
               <occupation>Möbelproduzent</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97602">
               <persName type="label">Jodlbauer, Harry</persName>
               <persName><surname>Jodlbauer</surname><forename>Harry</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__134290">
               <persName type="label">Gasperschitz, Alfred</persName>
               <persName><surname>Gasperschitz</surname><forename>Alfred</forename></persName>
               <occupation>ÖVP-NR-Abg.</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__108746">
               <persName type="label">Haffner, Konrad</persName>
               <persName><surname>Haffner</surname><forename>Konrad</forename></persName>
               <occupation>MR HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97500">
               <persName type="label">Gwischiani, Dschermen</persName>
               <persName><surname>Gwischiani</surname><forename>Dschermen</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__118321">
               <persName type="label">Walz, Fred</persName>
               <persName><surname>Walz</surname><forename>Fred</forename></persName>
               <occupation>Dir. Z, Kassier SPÖ-Landstraße</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__126401">
               <persName type="label">Pelikan, Karl</persName>
               <persName><surname>Pelikan</surname><forename>Karl</forename></persName>
               <occupation>Vizepräs. ital. HK, Vertr. Hafen Triest</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__112949">
               <persName type="label">Kazda, Josef</persName>
               <persName><surname>Kazda</surname><forename>Josef</forename></persName>
               <occupation>Beamter Bautenministerium/HM</occupation>
               </person>
            <person xml:id="per__97915">
               <persName type="label">Schipper, Hans</persName>
               <persName><surname>Schipper</surname><forename>Hans</forename></persName>
               <occupation/>
               </person>
            <person xml:id="per__97543">
               <persName type="label">Heindl, Kurt</persName>
               <persName><surname>Heindl</surname><forename>Kurt</forename></persName>
               <occupation>1970-1973 Büro Staribacher, SPÖ-NR-Abg., stv. Vors.
                  SPÖ-Landstraße</occupation>
               <idno type="GND">http://d-nb.info/gnd/102318379X</idno>
               </person>
            <person xml:id="per__122020">
               <persName type="label">Giuli, A</persName>
               <persName><surname>Giuli</surname><forename>A</forename></persName>
               <occupation>ital.-österr. HK</occupation>
               </person>
            </listPerson></back></text>
</TEI>