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            <title type="main">Donnerstag, der 17. November 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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                  <collection>Nachlass Josef Staribacher</collection>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_01">Donnerstag, 17. November 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_02">Im Klub berichtete <rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs>, dass der Initiativantrag aller drei<lb/>
Parteien, die von dem Staatsamt für soziale Verwaltung nach dem<lb/>
ersten Weltkrieg erlassene Verordnung auf zusätzliche Abfertigung<lb/>
entlassener Arbeiter aufgehoben werden soll. Damit wird der<lb/>
Rechtsstreit in Vorarlberg, wo gegen die Fa. Kunert von der<lb/>
Arbeiterkammer Vorarlberg gegen die Entlassung der Arbeiter<lb/>
angekämpft wird, in Zukunft bereinigt sein. Die Notwendigkeit<lb/>
besteht darin, dass vorgesorgt werden muss, die weiteren Investi<lb break="no"/>tionen ausländischer Firmen in Österreich durch dieses veraltete<lb/>
Gesetz nicht zu gefährden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_03"><rs type="person" ref="#per__97444">Fischer</rs> berichtet auch, dass das Klubpräsidium und der Klub<lb break="no"/>vorstand sich mit dem Problem der Politikerbezüge beschäftigt hat.<lb/>
Nur bei den Obersten Organen, d.h. Regierung, Landeshauptleute<lb/>
und Oberste Gerichte soll die Kürzung, die <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> vorgesehen hat,<lb/>
durchgeführt werden. Bezüglich der NR-Bezüge will man derzeit<lb/>
nichts machen. Das letzte Wort, glaube ich, ist aber hier<lb/>
noch nicht gesprochen, denn es kann noch immer von irgendeiner<lb/>
Partei irgendwelche Initiative kommen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_04"><rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtete über die <rs type="person" ref="#per__139661">Palmers</rs>-Entführung neu bei seiner Aussage<lb/>
war nur, dass die Familie Palmers sich überhaupt nur auf Inter<lb break="no"/>vention eines pensionierten Interpol-Leiters, einem Freund der<lb/>
Familie, dazu entschlossen hat, mit der Polizei zu kooperieren.<lb/>
In der Diskussion meldeten sich nur zwei, u.a. <rs type="person" ref="#per__112988">Sepp Wille</rs>, der<lb/>
das Verhalten der Polizei, er sagt jetzt unter einem anderen Licht<lb/>
sieht, seitdem er die Zeitungen genau verfolgt. Er vermutet,<lb/>
genau wie wahrscheinlich die ganze Bevölkerung, entsprechende<lb/>
mangelhafte Polizeiarbeit.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_05">In der Fragestunde dauerte die Anfragebeantwortung <rs type="person" ref="#per__108328">Pahrs</rs> 3/4 Stunde,<lb/>
so dass nicht einmal <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> mit seinen Fragen zu Ende kam.<lb/>
Meine Zeitschätzungen – und darauf beginne ich schön langsam stolz<lb/>
zu werden – treffen immer mehr zu. <rs type="person" ref="#per__112147">Robert Fischer</rs> hat geglaubt,<lb/>
dass das Parlament um 7 Uhr spätestens fertig sein wird. Mein<lb/>
Tipp war 9 Uhr abends und auch hier hatte ich recht. In Summe<lb/>
klagen Opposition und Regierungspartei über diese langwierigen<lb/>
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und auch Minister nicht bereit, sich kurz zu fassen. Viel<lb break="no"/>leicht ist es aber bei den anderen Ressorts und Problemen<lb/>
auch wirklich schwieriger, weil meistens kontroversielle Stand<lb break="no"/>punkte vorliegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_06">Die Aussprache mit <rs type="person" ref="#per__114709">Krebs</rs>, <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs>, <rs type="person" ref="#per__126256">Luczensky</rs>, <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs>, <rs type="person" ref="#per__97543">Heindl</rs><lb/>
und mir sowie <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> über Fremdenverkehr ergab, dass über<lb break="no"/>einstimmend festgestellt wurde, das Kuratorium für den Fremden<lb break="no"/>verkehr unter Vorsitz von Komm.Rat <rs type="person" ref="#per__109291">Scheiner</rs> sich zwar immer<lb/>
mehr zum fremdenverkehrspolitischen Instrument hinarbeiten<lb/>
möchte, doch von den nicht im Kuratorium sitzenden Teilnehmern<lb/>
abgelehnt wird. Dies trifft ganz besonders für die Länderver<lb break="no"/>treter zu. Alle neun Länder wollten Sitz und Stimme im Kurato<lb break="no"/>rium, derzeit sind nur zwei. Die Kuratoriumsmitglieder aber<lb/>
haben dies abgelehnt. Die Ländern stellen sich nun vor, es sollt<lb/>
ein Staatsvertrag § 15 a gemacht werden, wonach ein Beirat<lb/>
für Tourismus geschaffen wird. <rs type="person" ref="#per__114709">Krebs</rs> möchte dann noch das Finanz<lb break="no"/>ministerium, Handelsministerium, Unterrichtsministerium und<lb/>
Verkehrsministerium sowie den Städte- und Gemeindebund und<lb/>
die Interessenvertretungen, Gast- und Schankgewerbe, Reise<lb break="no"/>büroveranstalter, Beherbergungsverband, ÖAMTC und ARBÖ sowie<lb/>
selbstverständlich Konsumentenvertretung. Politisch glaubt<lb/>
er, würde das dann 13 : 12 für uns stehen. Da das Kuratorium<lb/>
abgelehnt wird, will <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs>, der Syndikus vom Fremdenverkehr<lb/>
mit mir darüber sprechen, bei der österr. Fremdenverkehrswer<lb break="no"/>bung, ein diesbezügliches Organ einzurichten. Wichtig wäre<lb/>
vor allem, wenn die Sekretariatsarbeiten dann von den ÖFVW<lb/>
gemacht werden könnten. Da ich auf alle Fälle als ehrlicher<lb/>
Makler, wenn es zu der Auseinandersetzung kommt, auftreten<lb/>
müsste, werde ich jetzt einmal abwarten, bis <rs type="person" ref="#per__114586">Zedek</rs> bei mir<lb/>
vorspricht und dann <rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> und <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und <rs type="person" ref="#per__108746">Haffner</rs> beauftragen,<lb/>
die diesbezüglichen Verhandlungen über den Wunsch <rs type="person" ref="#per__114586">Zedeks</rs> mit<lb/>
diesem zu beginnen. Allgemein wird vom rechts und links jetzt<lb/>
Beschwerde geführt, dass Min.Rat <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> ständig weg ist, sich<lb/>
über die grossen sogenannten politischen Probleme des Fremden<lb break="no"/>verkehrs den Kopf zerbricht und einschaltet und seine wichtige<lb/>
Arbeit als Ministerialrat nicht mehr durchführt oder sehr ver<lb break="no"/>spätet erledigt. Dazu zählen nicht nur die Förderungen sondern<lb/>
auch die Probleme wie z.B. die Charterflugzeug-Landegenehmigungen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_07"><rs type="person" ref="#per__97584">Jagoda</rs> wird mit <rs type="person" ref="#per__111367">Würzl</rs> eine ernste Aussprache darüber haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_08"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> wurde unserer Besprechung dann.zugezogen, um ihn über<lb/>
die Beschwerden des Fremdenverkehrswesens restriktiver Lande<lb break="no"/>genehmigung von Charter-Flugzeugen zu informieren. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs><lb/>
teilte mir mit, dass die Montana-Fluggesellschaft, welche heute<lb/>
Charterflüge aus Amerika organisiert und an denen wir sehr<lb/>
interessiert sind, nach Meinung der AUA für diese eine grosse<lb/>
Konkurrenz bedeutet. Momentan fliegt die AUA nicht nach Amerika,<lb/>
daher können auch Incoming-Flüge für die AUA keine Konkurrenz<lb/>
darstellen. Wahrscheinlich vermutet diese aber, dass in stärkerem<lb/>
Masse andere Gesellschaften sich dann bald auch um das Outgoing<lb/>
Geschäft-Charterflüge genehmigen das Verkehrsministerium bemühen<lb/>
wird. Deshalb die Bestrebung im Verkehrsministerium eine restriktive<lb/>
Politik durchzusetzen. <rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> veranlasste, dass eine kleine Ar<lb break="no"/>beitsgruppe bei ihm mit Min.Rat <rs type="person" ref="#per__126395">Halbmayer</rs>, der dafür zuständig ist,<lb/>
gebildet wird, um dieses Problem zu bereinigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_09"><rs type="person" ref="#per__108223">Lausecker</rs> gab mir einen Entwurf des Strassenverkehrsbeitrags<lb break="no"/>gesetzes 1978. In einem beigefügten flankierenden Verkehrs<lb break="no"/>massnahmen vorgelegte Exposé wird von der Bahn zugesichert, dass<lb/>
sie alle Vorkehrungen getroffen hat, um die Güterbeförderung zu<lb/>
übernehmen. Auf dem Papier sieht dies alles gut aus. In der<lb/>
Praxis habe ich grösste Bedenken, dass es funktionieren könnte.<lb/>
Ich erinnere mich noch an die seinerzeitigen Vorschläge von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>,<lb/>
man soll gegen die rollenden Bomber – Öltransportautos – etwas<lb/>
unternehmen und man müsste sie auf die Bahn zwingen. Der damalige<lb/>
Verkehrsminister <rs type="person" ref="#per__97461">Frühbauer</rs> hat grosszügig gemeint, dies sei ohne<lb/>
weiteres möglich. Zum Glück ist das Ganze dann wieder eingeschlafen<lb/>
denn ich bin fest davon überzeugt, dass die Bahn diese Möglichkeit<lb/>
des Transportes nicht gehabt hätte, In der Zwischenzeit wurden<lb/>
entsprechende Pipelines gebaut, um diese Riesenmengen von Öltranspor<lb break="no"/>ten zu bewältigen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_10">Präs. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs>, Patentamt, und sein Vizepräsident, die ich wegen<lb/>
ihrer Abwesenheit beim Handelsausschuss sehr rügte, erklärten<lb/>
mir, dass sie nicht verstehen, wieso die ÖVP eine Absetzung dieses<lb/>
Tagesordnungspunktes verlangte. Die Aufhebung, die im Gesetzentwurf<lb/>
vorgesehen war hat mit der Ratifizierung des Europäischen Patent<lb break="no"/>amtes nichts zu tun und wäre eine Schlechterstellung Österreichs<lb/>
gegenüber allen anderen Ländern, die bereits aufgehoben haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_11">Nur Dr. <rs type="person" ref="#per__111720">Kolin</rs>, ein Patentanwalt hat sich an Abg. <rs type="person" ref="#per__97437">Fiedler</rs> gewendet,<lb/>
diesen falsch informiert und deshalb eine solche Stellungnahme<lb/>
erreicht. Meine Rüge bestand insbesondere darin, ihnen zu sagen,<lb/>
wenn sie dort gewesen wären, hätten sie vielleicht die ÖVP überzeugen<lb/>
können. Ich selbst war nicht imstande und es entspricht der Tradi<lb break="no"/>tion im Parlament, dass wenn eine Partei eine Rückstellung wünscht,<lb/>
soweit es sich nicht um terminlich gebundene Gesetze handelt, dies<lb/>
auch entsprechend genehmigt wird. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> teilte mir dann auch noch<lb/>
mit, dass <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> von der Inpadoc aus Genf angerufen hat und mit<lb/>
Entsetzen mitteilt, dass IIP beabsichtigt, den Verkauf ihrer Daten<lb/>
an die Industrie. Wenn dies eintritt, wird Inpadoc eine Defizit<lb break="no"/>organisation überhaupt keinerlei Einnahmen mehr haben. <rs type="person" ref="#per__97688">Leberl</rs> stimmte<lb/>
mir zu, dass aber niemand den Verkauf der Internationalen Organisa<lb break="no"/>tion an die Industrie wirklich verbieten kann. Ich fühle mich für<lb/>
die Errichtung dieser Inpadoc mitverantwortlich, nicht aber für die<lb/>
Organisation, die dort von <rs type="person" ref="#per__133082">Auracher</rs> incl. seines Gehaltes und sonstiger<lb/>
Privilegien aufgebaut wurde. Hier hat der Finanzminister immer<lb/>
allein ohne Rücksprache entschieden. Ich soll mich aber keine<lb/>
Illusion hingeben, wenn dieses Problem einmal, sei es durch<lb/>
Rechnungshofprüfung oder sei es aus irgendwelchen anderen Gründen<lb/>
im Parlament zur Sprache kommen wird, werde ich allein die volle<lb/>
Last zu tragen haben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_12">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte erkundige Dich, wie es dort weitergeht.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97469">Gehart</rs> habe ich bereits informiert.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_13">Die neue Arbeitsgruppe "Strukturprobleme des Handels" wurde von<lb/>
mir begrüsst und der Vorsitz an <rs type="person" ref="#per__97860">Rauter</rs> dann übergeben. Einleitend<lb/>
erklärte ich, warum ich dieser Arbeitsgruppe so grosse Bedeutung<lb/>
beimesse. Es ist der Wunsch des Parlamentes bei Beschlussfassung<lb/>
über das Nahversorgungsgesetz gewesen, eine solche Arbeitsgruppe<lb/>
zu bilden und von dieser entsprechende Vorschläge zu bekommen. Zu<lb/>
diesem Zweck hat das Wirtschaftsforschungsinstitut schon eine<lb/>
Studie ausgearbeitet und diese wurde gleich verteilt. Darüber hinaus<lb/>
wurde ich bei einem Interview für Mittagsjournal gefragt, was ich<lb/>
zu der Entwicklung im Handel, Überfremdung usw. sage. Als Aufhänger<lb/>
und Beispiel diente dem Redakteur die Eröffnung des neuen Gross<lb break="no"/>kaufhauses ABM Abkürzung für<add>[Firmenname fehlt, vmtl. Au Bon Marché, Anm.]</add>, einem Schweizer<lb/>
Konzern. Dieser hat angeblich nur 5 % österr. Waren angeboten.<lb/>
Ich ersuchte den Ausschuss sofort, er möge auch dieses Problem<lb/>
eingehend studieren und entsprechende Vorschläge unterbreiten.<lb/>
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Kontakt aufnehmen und das Sortiment erklären.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_15">Bei der Sekretärsbesprechung in der Lebensmittelarbeitergewerk<lb break="no"/>schaft <choice><choice><sic>war</sic><corr>wie?</corr></choice></choice> auch bei der anschliessenden Aussprache mit dem Prä<lb break="no"/>sidium der LUGA-Gewerkschaftsjugend wurde allgemeine geklagt,<lb/>
dass die Politik und Entscheidungen immer von dem da oben gemacht<lb/>
werden. Obwohl gerade in unserer Organisation ein weitgehendes<lb/>
Mitsprache und Entscheidungsrecht der unteren, wenn ich so sagen<lb/>
darf aufrechterhalten wird, kommt es dennoch immer mehr zu dem<lb/>
optisch Eindruck, es entscheidet <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> oben in der ÖGB-Spitze<lb/>
alles. Werden Richtsätze festgelegt, in Wirklichkeit ist es ein<lb/>
wenig anders. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> bemüht sich verzweifelt, eine einheitliche<lb/>
Gewerkschaftspolitik zu erreichen, ohne daß er tatsächlich Richt<lb break="no"/>sätze oder Lohnleitlinien festlegt. Aus der wirtschaftlichen<lb/>
Situation ergibt sich aber, dass die Lohnabschlüsse im nächsten<lb/>
Jahr 1 maximal 2 % über den Lebenshaltungskosten liegen werden.<lb/>
Vielleicht wird vereinzelt in der Nahrungs- und Genussmittel<lb break="no"/>industrie ein besserer Abschluss möglich sein. Die immer mehr<lb/>
nach oben abgeschobene Entscheidung ist glaube ich primär auf die<lb/>
Organisationsmüdigkeit zurückzuführen. Im Grunde genommen sagt die<lb/>
grosse Masse, die oben sollen das machen, sie machen es ohnedies<lb/>
ganz gut und die einzelnen Nörgler an diesem System haben kaum<lb/>
Chance durchzudringen. Ein ähnliches Problem gibt es bei unserer<lb/>
Gewerkschaftsjugend bezüglich des Einsatzes von Atomkraftwerken.<lb/>
Dort will man die Jugend, ja wenn man so will, die ganze Bevölke<lb break="no"/>rung davon überzeugen, dass der ständige Energiemehrverbrauch<lb/>
aber auch das Wirtschaftswachstum nicht auf die Dauer wird haltbar<lb/>
sein. Die Bevölkerung, ja selbst die Jugend aber möchte alle Annehm<lb break="no"/>lichkeiten der Gegenwart und auch wenn möglich die der Zukunft<lb/>
sofort haben. Dies bedingt höheren Lebensstandard und der bedingt<lb/>
höheren Energieverbrauch. Ob die Jugendlichen wollen oder nicht,<lb/>
sie müssen diese Entwicklung zur Kenntnis nehmen. Ob unsere stunden<lb break="no"/>lange Aussprache dazu bereinigend gewirkt hat kann ich noch nicht<lb/>
beurteilen. Sie sollen aber nicht sagen, dass wir uns nicht<lb/>
stellen. <rs type="person" ref="#per__97357">Blümel</rs> und ich versuchten zumindestens sie zu verstehen,<lb/>
aber auch unseren Standpunkt klar und deutlich auszudrücken.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_16">Die Vertreter von Glanzstoff St. Pölten, Gen.D. <rs type="person" ref="#per__134985">Homan</rs> an der<lb/>
Spitze und seine zwei Direktoren für Textil-Rayon und für techni<lb break="no"/>schen Rayon waren mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97581">Igler</rs>, Industriellenvereinigung, zu<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> gekommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat seinerzeit mitgewirkt, als diese<lb/>
aus USIA-Beständen dann den Niederländern zurückgegeben wurde.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_17">Jetzt appellierte er daran, nicht die Arbeiter zu entlassen,<lb/>
und die Produktion von Textil-Rayon einzustellen. Das Management<lb/>
erklärte, auf längere Sicht sei dies unmöglich zu halten, denn<lb/>
die 4.000 t, die jetzt erzeugt werden, seien nicht nur nicht<lb/>
absetzbar sondern nicht nur wegen der hohen Preise 50.- S/kg<lb/>
sondern auch noch durch die schlechtere Qualität. Seinerzeit<lb/>
konnte diese Produktion nur aufrechterhalten werden, weil in<lb/>
den Niederlanden der Konzern Mutter, Arnheim stillgelegt wurde<lb/>
und tausend Beschäftigte dort entlassen werden mussten.<lb/>
Damit ist ein Teil der Produktion nach Österreich gebracht worden.<lb/>
Als nächster schlechter qualitätserzeugender Betrieb wurde<lb/>
St. Pölten bezüglich des Textil-Rayons beschlossen, dass er<lb/>
stillgelegt werden muss. Im Jahre 1975 hat die Firma 60 Mill. S<lb/>
Defizit, im Jahre 1976 nur 8 Mill. S Gewinn und heuer wieder<lb/>
25 Mill. S Defizit. Der AKZO-Konzern in den Niederlanden hat<lb/>
in diesen Jahren 300 Mill. Gulden Defizit 1975, 6 Mill. hfl.<lb/>
Gewinn und 1977 bei einem Umsatz von ca. 10 Mia. 50 Mill. hfl.<lb/>
Defizit. Der technische Rayon Cord für Reifen ist qualitäts<lb break="no"/>mässig einwandfrei, wird jetzt nur immer mehr vom Stahl verdrängt.<lb/>
Die technische Rayon-Produktion soll unbedingt aufrechterhalten<lb/>
werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> versprach der Firma eine Unterstützung aus den<lb/>
Arbeitsmarktförderungsmitteln und sein Bemühen, wenn er in de<lb/>
Sowjetunion fährt, mit <rs type="person" ref="#per__97652">Kosygin</rs> über entsprechende Abnahmemengen<lb/>
zu verhandeln. Derzeit wird im Osten von den 4.000 t 1.300 verkauft.<lb/>
In die SU aber nur 200 t, nach Ungarn 650 t. Der Textil-Rayon<lb/>
wird hauptsächlich durch Acetat und Polyester verdrängt. Selbst<lb/>
wenn, wie ich ankündigte, die Bekleidungsindustrie erklärt, dass<lb/>
jetzt die Sex-Welle mit Jeans und ungefütterten Kleidern und<lb/>
Anzügen vorüber ist, selbst wenn also die Bedürfnisse und der<lb/>
Bedarf nach Futterstoff steigen wird, wird dieser hauptsächlich<lb/>
aus Acetat und Polyester gedeckt werden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, man<lb/>
sollte mit der Entlassung auf alle Fälle zuwarten, bis er aus<lb/>
der SU zurückkommt, wo – wie er sich ausdrückte – mit dem Handels<lb break="no"/>minister gemeinsam versucht werden soll, <rs type="person" ref="#per__97652">Kosygin</rs> dazu zu bringen,<lb/>
das 3 Mia. Aktivum durch zusätzliche Käufe der SU abzubauen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_18">Zeitig früh war ich <rs type="person" ref="#per__107938">Leodolter</rs> im Spital besuchen und musste<lb/>
feststellen, dass sie durch die Operation wesentlich mehr herge<lb break="no"/>nommen war als bei der letzten vor etlichen Wochen. Wir sprachen<lb/>
auch über die Probleme der Brennstäbe-Einfuhr, sie teilt meine<lb/>
<pb n="39-1326" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-11-17_1326.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>Meinung, dass diese Einfuhr ein Politikum wird, deshalb auch<lb/>
wahrscheinlich <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> sich einschalten wird, aber doch in<lb/>
nächster Zeit entschieden werden müsste, damit nicht die Be<lb break="no"/>hörde wegen Verzögerung des Betriebsbeginns von Zwentendorf schul<lb break="no"/>dig wird. Jetzt liegt es ausschliesslich noch bei der KWU, dass<lb/>
die Betriebsbeginntermine nicht eingehalten werden konnten. Erst<lb break="no"/>malig ergäbe sich die Möglichkeit, die Behörde zur Verantwortung<lb/>
zu ziehen, wenn es nicht gelingt, die Brennstäbe in absehbarer<lb/>
Zeit nach Zwentendorf zu bringen. Sie wird mit ihrem Ministerial<lb break="no"/>beamten Sekt.Rat <rs type="person" ref="#per__111739">Vychytil</rs> über dieses Problem sprechen. Da ich<lb/>
aber annehmen muss, dass in absehbarer Zeit kaum in stärkerem<lb/>
Masse wird aktionsfähig sein, jetzt einmal sicher auf längere Zeit<lb/>
auf Urlaub fahren muss, besteht die dringende Notwendigkeit,<lb/>
vom Büro resp. Sektion aus, dieses Problem weiterzutreiben und<lb/>
möglichst zu lösen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-17_19">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__107937">FRANK</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Bitte endlich den Zeitplan mit<lb/>
GUsch vereinbaren.<lb/>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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               <occupation>MR, Leiter Gruppe FV u. Gewerbeförd. HM</occupation>
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               <occupation>erst Sekr. Pittermann, dann Klubsekr. [1971 im Klub Mitarb. von Heinz
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