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            <title type="main">Montag, der 14. November 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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Freund <rs type="person" ref="#per__149483">Gustav Hummel</rs>, einen Steinmetz, der angeblich im Ausland<lb/>
einkaufen muss, und <rs type="person" ref="#per__115133">Haas</rs>, <choice><choice><sic>Waffelerzeuger</sic><corr>Waffenerzeuger?</corr></choice></choice>, der nach Kuba exportiert,<lb/>
auszustellen. Da es mir ganz egal, wer einen Dienstpass bekommt,<lb/>
erkläre ich die Fälle zu prüfen.<lb/>
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auf die Auszeichnung, das Staatswappen führen zu dürfen, verzichtet,<lb/>
als die Bilanz der Arbeiterkammer zu geben. Diese Gesellschaft<lb/>
ist eine Personengesellschaft, hat daher gar keine Verpflichtung,<lb/>
Bilanzen zu veröffentlichen. Da mir die Arbeiterkammer erklärt hat,<lb/>
die Gewerkschaft und sie selbst hat gar keine Bedenken, der Firma<lb/>
die Auszeichnung positiv zu bestätigen, schlage ich neuerdings<lb/>
vor, die Firma soll doch mit der Arbeiterkammer ein Gespräch führen.<lb/>
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und erledige den Akt.<lb/>
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des Wirtschaftsförderungsinstituts, Messebeteiligungen und Aussen<lb break="no"/>handelstagung vor. Ich erkläre sofort, dass der Bundeskanzler eine<lb/>
detaillierte Aufstellung will, d.h. jede einzelne Reise vom<lb/>
Computer herausgerechnet werden muss. Dies dauert angeblich zwei<lb/>
Wochen, weil von den verschiedensten Konten jetzt alle Reisen<lb/>
zusammengestellt werden müssen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_07">Steyr-Daimler-Puch hat sich bei der Handelskammer bitter beschwert,<lb/>
dass auch die Faustfeuerwaffen als Kriegsmaterial genehmigungs<lb break="no"/>pflichtig erklärt werden. Die Handelskammer steht auf dem Standpunkt,<lb/>
dass dies in keinem anderen Staat so eingestuft wird.<lb/>
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erkundigen und intervenieren, ob dies tatsächlich notwendig ist.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_09">Im Kinder- und Jugendlichenbeschäftigungsgesetz soll das Sozialmini<lb break="no"/>sterium und Unterrichtsministerium für die Lehrlinge Vorschläge<lb/>
haben, die die Handelskammer nicht akzeptiert und sogar behauptet,<lb/>
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gefährdet. Nach 5 Stunden Berufsschule soll der Lehrling nicht mehr<lb/>
in den Betrieb gehen müssen. Nach 5 Tagen Internatsschule soll<lb/>
ihm ein Urlaubsanspruch trotzdem erwachsen. Der Klassensprecher<lb/>
soll automatisch freie Tage für seine Tätigkeit bekommen usw.<lb/>
Ich erkläre sofort, dafür nicht zuständig zu sein, werde mich<lb/>
aber mit dem Sozialminister besprechen.<lb/>
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des Sozialministeriums ergründen.<lb/>
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einem Joint venture mit den Volkswagenwerken interessiert sein<lb/>
werden, die Handelskammer wird eine lange Liste dem Handelsmini<lb break="no"/>sterium überreichen. Ich erkläre sofort, dass dies nicht sehr<lb/>
zielführend ist, denn es kommen ja doch nur potente Firmen dafür<lb/>
in Frage. Die Selektion will scheinbar die Handelskammer ausschliess<lb break="no"/>lich dem Handelsministerium überlassen. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> fragt, ob ich be<lb break="no"/>reit bin, für die Fa. Denzel tatsächlich ein Telegramm welches<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs>, er und ich an die BMW-Leitung schicken soll, mit zu unter<lb break="no"/>fertigen. Ich erkläre mich im Prinzip damit einverstanden, wie<lb/>
ich auch schon Herrn <rs type="person" ref="#per__116110">Denzel</rs> erklärt habe, verlange aber von ihm<lb/>
jetzt einen entsprechenden Entwurf.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_12">Die Handelskammer hat grosse Bedenken zur Österr. Energieagentur<lb/>
die jetzt einmal 10 Mill. S Budget hat, beizutreten. <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs> und<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> meinen, sie würden 100 %-ig hinter dem Energiesparbeirat<lb/>
des Handelsministeriums stehen, es bräuchte deshalb gar keine<lb/>
neue Agentur errichtet werden. Ich rate ihnen, auf alle Fälle<lb/>
der Agentur beizutreten, weil auch Teilorganisationen resp.<lb/>
Unternehmungen bereits mit Begeisterung erklärt haben, dass sie<lb/>
die Arbeit dieser Agentur nicht nur unterstützen sondern auch<lb/>
aktiv darin mitarbeiten werden. <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> wird bezüglich der<lb/>
Kostenbeteiligung noch mit Präs. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> reden um zu erfahren, wie<lb/>
der ÖGB sich in diesem Fall verhält.<lb/>
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von Plastik geregelt werden muss, möchte aber bei den Besprechungen<lb/>
ebenfalls zugezogen werden.<lb/>
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immer mit einladen.<lb/>
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je Kammer zu errichten. Die Handelskammer hat in Wien grosse Schwie<lb break="no"/>rigkeiten, weil es dort eine Prüfungsstelle für Meister aber auch<lb/>
für Spediteure und für Fuhrwerker gibt. Ich erkläre dezidiert,<lb/>
dass ich mich in diesem Fall erst erkundigen muss.<lb/>
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Handelskammer jetzt endgültig vor, eine Arbeitsgemeinschaft ähnlich<lb/>
dem Holzwirtschaftsrat zwischen der Handelskammer und der Arbeiter<lb break="no"/>kammer zu gründen, an der auch das Handelsministerium und der<lb/>
Verein für Konsumenteninformation als unterstützendes Mitglied<lb/>
mitwirken sollte.<lb/>
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bitte ergründen, ob diese Möglichkeit von den anderen Sozialpartnern<lb/>
akzeptiert wird.<lb/>
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Gespräche mit den Vietnamesen, nachdem anschliessend auch <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs><lb/>
von der Delegation besucht wird.<lb/>
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Gelegenheit gehabt, den Kernkraftwerksbericht für das Parlament<lb/>
zu lesen. Er sei erschüttert, wie Journalisten, namentlich nennt<lb/>
er <rs type="person" ref="#per__114541">Konecny</rs> <add>[evtl. Falschidentifikation, Anm.]</add>, ein so schlechtes Deutsch schreiben können. Er<lb/>
zitiert einige Stellen und meint, so könne man den Bericht nicht<lb/>
dem Parlament zuleiten. Ausserdem möchte er noch den deutschen<lb/>
Parteitag abwarten, der sicherlich bezüglich der Weiterverwendung<lb/>
der Kernenergie eine Entscheidung treffen muss, im Bericht soll<lb/>
auch die bisher bekannten Tatsachen über die abgebrannten Brennelemen<lb break="no"/>telagerung aufgenommen werden.<lb/>
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Formulierung machen.<lb/>
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den Ministerien geben soll. Ich erkläre ihm sofort, dass dies eine<lb/>
falsche Information ist, weil ich mit <rs type="person" ref="#per__97511">Haiden</rs> vollkommen einig bin,<lb/>
jetzt sind wir in ein sehr konkretes Stadium getreten, um Unilever und<lb/>
Olioprot zu Berechnungen und wie ich auch hoffe zu gemeinsamem<lb/>
Vorschlag zusammengebracht zu haben. Der Anbau für die 50.000 ha<lb/>
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die maximal 2 Jahre beansprucht, wenn einmal ein Baubeschluss gefasst<lb/>
ist. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__112148">Schober</rs> erklärt mir nach der Ministerratssitzung<lb/>
dass im pannonischen Klima die Ölsaaten als Fruchtwechsel vor<lb/>
Weizen sehr beliebt sein werden und deshalb die 50.000 ha sehr bald<lb/>
erreicht sein werden, seiner Meinung sogar die dreifache Fläche in<lb/>
Frage kommt. Wenn dies zutrifft würden wir dann die Saat ausschliess<lb break="no"/>lich für Österreich für die Kapazität der Ölmühle beziehen können.<lb/>
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zwei Sozialversicherungsträger, Gemeinde und Städtebund sowie den<lb/>
neun Ländern zustande kommen wird und eine entsprechende zweckmässige<lb/>
noch festzulegende Arbeit Programm und Statuten haben wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
ist optimistisch, dass doch die ganze Lösung zustande kommen wird.<lb/>
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und ist sehr zurückhaltend mit seinen Informationen. Der Sohn,<lb/>
der das Geld übergeben hat, verweigert teilweise die Aussage<lb/>
und wenn er Informationen gibt, so sind sie unvollständig. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs><lb/>
erklärt, das Wiener Sicherheitsbüro muss jetzt mittags eine<lb/>
Pressekonferenz machen, weil die Mitarbeit der Bevölkerung verlangt<lb/>
wird. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> bemerkt, ohne <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> kritisieren zu wollen, wie er<lb/>
feststellt, dass der österreichische Apparat nicht maximal ist.<lb/>
Die jetzigen Schutzvorschriften gefährden nur junge Leute, die<lb/>
z.B. jetzt zu seinem persönlichen Schutz abkommandiert sind.<lb/>
Was unbedingt verhindert werden muss, ist dass wie in Deutschland<lb/>
die Schutzbedürfnisse dann einen Kontakt der Politiker mit<lb/>
der Bevölkerung verhindert wird. In der <rs type="person" ref="#per__139661">Palmers</rs>-Entführung haben<lb/>
es sich reiche Leute scheinbar gerichtet und es sei untragbar,<lb/>
dass man deshalb eine ernstliche Behinderung von Verbrechens<lb break="no"/>bekämpfung akzeptiert. Familiär gibt es länger zurückliegend eine<lb/>
Erpresser-Affäre des Neffen, der von einem übel beleumundeten<lb/>
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ist. Jetzt wird die ganze Sache wieder bestritten. Ob eine politische<lb/>
Aktion dahintersteht, muss erst geprüft werden. Ein gewisser Terro<lb break="no"/>rist <rs type="person" ref="#per__149485">Sonnenberg</rs> sei vor etlicher Zeit im Hilton abgestiegen, die<lb/>
grosse Gefahr ist, dass der Mann von der inhaftierten Terroristin<lb/>
<rs type="person" ref="#per__113052">Boock</rs>, der der übelste Terrorist sein soll, eine Befreiung versuchen<lb/>
wird. Auch in Prag werden jetzt neue Terroristen ausgebildet.<lb/>
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für Verbrechensbekämpfung und Verhinderung. Die Terroristin <rs type="person" ref="#per__113052">Boock</rs><lb/>
ist für uns ein Sicherheitsrisiko, doch hat das Zusammenspiel<lb/>
zwischen Polizei und Gericht vorzüglich geklappt. Die ganze Ange<lb break="no"/>legenheit ist mehr als aufklärungsbedürftig, sowohl hinsichtlich<lb/>
politischer Verbindung oder hinsichtlich privater Kreise der Familie<lb/>
Palmers, ich bin sehr froh, dass ich mit dieser ganzen Angelegenheit<lb/>
ressortmässig gar nichts zu tun habe. Da ich überzeugt bin, dass<lb/>
alle Verbrechensbekämpfungen zu einem Grossteil auf Zufall beruhen,<lb/>
ob ein Erfolg erzielt wird oder nicht, kann ich die Situation von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> und <rs type="person" ref="#per__97372">Broda</rs> gut verstehen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meint nur immer, man sollte<lb/>
alles verfolgen, was sicherlich sowieso geschieht, sollte strengere<lb/>
Massstäbe anlegen, einmal mehr kann ich feststellen, dass er schein<lb break="no"/>bar aus der Bevölkerung oder ihm gute Bekannte Informationen<lb/>
bekommt wie z.B. der Familienangehörigen von <rs type="person" ref="#per__139661">Palmers</rs>, die dann bei<lb/>
ihm eine gewisse Meinung festigen. In diesem Fall dort ist sicher<lb break="no"/>lich nicht alles in Ordnung und die Reichen können es sich bei unseren<lb/>
Gerichten und Polizei irgendwie richten.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_26">Im Ministerrat wird alles ohne Bemerkung beschlossen, das Bezüge<lb break="no"/>gesetz bringt für die Politiker eine Erhöhung um 2,5 bis 3 %,<lb/>
wovon noch der Klubbeitrag und die Parteisteuer abgezogen werden<lb/>
muss. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ist mit dieser Lösung sehr zufrieden, will sie auch<lb/>
im Pressefoyer dann besonders herausstreichen und hofft damit einmal<lb/>
mehr die Öffentlichkeit befriedigt zu haben. Ich halte von dieser<lb/>
Methode gar nichts, denn hier glaube ich hat der ehemalige Vize<lb break="no"/>kanzler und Parteiführer <rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> vollkommen recht gehabt, der immer<lb/>
erklärte: Man solle sich über die Bezüge der Politiker überhaupt<lb/>
nicht auf eine Diskussion oder eine Änderung einlassen. So hat<lb/>
es einmal das Parlament einstimmig beschlossen und so soll es ewige<lb/>
Zeit bleiben. Damals war schon eine Koppelung an Beamtenbezüge und<lb/>
eine Steuerfreiheit der Politikerbezüge gesetzlich geregelt worden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97904">Schärf</rs> verwies dabei insbesondere auf seine Erfahrung, die er in<lb/>
der ersten Republik gemacht hat. Damals war es noch besonders<lb/>
schwierig, wenn man bedenkt, dass es 600.000 Arbeitslose gegeben<lb/>
hat und der Neidkomplex viel stärker war als heute. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat<lb/>
einen anderen Weg beschritten und muss jetzt natürlich ständig<lb/>
korrigieren.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_27">Beim Mittagessen für die Vietnamesen war auch die Kontrollbank<lb/>
eingeladen, <rs type="person" ref="#per__111755">Castellez</rs> ist leider nicht erschienen, so dass ich<lb/>
mit ihm nicht besprechen konnte, ob über die 2,5 Mia. S hinaus<lb/>
noch eine Möglichkeit besteht, für SGP Waggonlieferungen zu<lb/>
tätigen. <rs type="person" ref="#per__110998">Eisenberg</rs> selbst meint, dass wichtiger wäre, eine<lb/>
Waggonfabrik in Vietnam zu errichten, weil auf die Dauer ge<lb break="no"/>sehen keinesfalls so weit österreichische Waggons konkurrenz<lb break="no"/>fähig angeboten werden können. Eine ähnliche Entwicklung werden<lb/>
wir auch bei den Traktoren haben. Vorerst kann Steyr-Daimler<lb/>
liefern, doch wünschen die Vietnamesen unbedingt eine eigene<lb/>
Traktorenfabrik von Österreich errichtet. Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs><lb/>
berichtet mir vorher und die Vietnamesen bestätigen es freudig<lb/>
nachher, dass Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> ihnen bezüglich Entwicklungs<lb break="no"/>hilfe grosszügige Zusagen gemacht hat. Da die Franzosen einen<lb/>
Teil ihrer Kredite nicht als Kredite sondern als Geschenkte<lb/>
geben, erwarten die Vietnamesen ebenfalls eine solche Regelung<lb/>
von Österreich. Staatssekretär <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> hat dies nicht ganz<lb/>
entschieden abgelehnt, sondern ihnen scheinbar gewisse Hoffnungen<lb/>
gemacht. <rs type="person" ref="#per__97468">Gatscha</rs> erklärte mir, dass er imstande wäre, Zinsenzu<lb break="no"/>schüsse für verbilligte Kredite zu geben, aber keinesfalls<lb/>
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wir wissen, was dann endgültig herauskommt.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_29">Im Wiener Vorstand hat <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> darüber berichtet und <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> dann<lb/>
die Ziffern mitgeteilt, die Austritte sehr stark sind. Derzeit<lb/>
hat Wien 246.226 Mitglieder und 5.594 weniger als im Vorjahr.<lb/>
40 hätten den Austritt motiviert wegen des Massnahmenpakets<lb/>
der Regierung. Da er sagt, mindestens die 10-fache Menge hat<lb/>
genau denselben Grund, 500 sind insgesamt ausgetreten, ohne zu<lb/>
schreiben, zeigt sich für ihn, dass das Massnahmenpaket nicht<lb/>
noch verkraftet ist. Ich selbst glaube ja, dass die wirkliche<lb/>
grosse Diskussion erst im Jänner kommen wird, wenn die Belastung,<lb/>
Abzüge usw. erst wirksam wird. Wien möchte jetzt bei <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
und der Regierung vorsprechen, um bei dem 10-jährigen Investitions<lb break="no"/>programm auch entsprechend berücksichtigt zu werden. Wenn in<lb/>
Köflach ein paar hundert Arbeiter um ihren Arbeitsplatz be<lb break="no"/>droht sind, ist die Regierung bereit, ein Kohlenbergwerk zu<lb/>
erschliessen und ein Dampfkraftwerk für 3 Mia. 850 Mio. zu<lb/>
errichten. In Wien ist der Arbeitsmarkt beweglicher, kann<lb/>
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Paket oder Projekt für Wien.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_30">Bezüglich der Verfassungsänderung von Wien wird jetzt endgültig von<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> zugegeben, dass eine Erhöhung des Gemeinderates von 100<lb/>
auf 120 Mitgliederunterbleiben soll. Dies würde vor der Wahl be<lb break="no"/>deuten, dass sofort die Propaganda der Unabhängigen Zeitungen wegen<lb/>
Verteuerung und Belastung der Wiener Bevölkerung eine antisoziali<lb break="no"/>stische Stimmung angeheizt werden könnte. Er ist auch überzeugt,<lb/>
dass die ÖVP letzten Endes dann von allen Zusagen zurücktreten<lb/>
würde und sich diesem Trend und Wahlhoffnung anschliesst. Aus<lb/>
diesem Grund sollen nur die Bezirksvertretungen gestärkt werden,<lb/>
ein zweiter Bezirksvorsteher-Stellvertreter kommen, alles andere<lb/>
aber zurückgestellt wird. Die Problematik bezüglich der grossen<lb/>
Wahlreformversprechungen liegt eben darin, dass sie auf alle Fälle<lb/>
auf Kosten der sozialistischen Partei gehen wird. Wenn man dieselbe<lb/>
Regelung macht wie bei den Nationalratswahlen, also die Berechnungs<lb break="no"/>grundlage nicht 100 + 1 Mandat sondern nur 100 Mandate, dann<lb/>
würden die SPÖ-Mandate sofort von 66 auf 62 zurückgehen, ohne<lb/>
dass auch nur eine Stimme in dem Fall verlorengehen dürfte. Anderer<lb break="no"/>seits ist das Verhältniswahlrecht im ersten Bezirk schon gefährdet<lb/>
weil früher oder später nur mehr ein Mandat auf Grund der Bevölkerungs<lb break="no"/>schlüssel für den ersten Bezirk übrigbleibt. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> sieht ein, dass<lb/>
seine Ankündigung bei der Übernahme des Bürgermeisteramtes, resp.<lb/>
dann seine Erklärung vor dem Gemeinderat Hoffnungen erweckt hat,<lb/>
die jetzt vor der nächsten Wahl keinesfalls mehr erfüllt werden<lb/>
können. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> muss jetzt einigermassen ohne Gesichtsverlust einen<lb/>
entsprechenden Rückzieher machen. Für mich war dies einmal mehr<lb/>
ein lehrreiches Beispiel zuerst sich genau zu überlegen, was man<lb/>
ankündigt, resp. was man machen will.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-14_31">Im Wiener Ausschuss wurde dann ohne diese Diskussion wegen der<lb/>
Wahlrechtsreform nur das Ergebnis eben nur die Bezirksrats- und Bezirks<lb break="no"/>vorsteherfrage zu lösen, angekündigt. <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> berichtet über die <rs type="person" ref="#per__139661">Palmers</rs>-<lb/>
Affäre, für mich interessanterweise ausführlicher als im der Mini<lb break="no"/>sterratsvorbesprechung. Entweder, weil er jetzt die Meinung <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs><lb/>
schon kannte, oder weil er im Ministerrat in der Vorbesprechung<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nicht eine Kollision wünschte. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> meinte, der vor<lb/>
zwei Jahren aufgestellte Sicherheitsplan sei jetzt vollkommen<lb/>
erfüllt, 1.000 Polizeischüler aufgenommen, die Rayonposten, die<lb/>
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könnten diese Tätigkeit schon aufnehmen, wenn nicht alle<lb/>
Botschaften bewacht werden müssten. Die Diskussion über<lb/>
diese Punkte ist auch tatsächlich sehr flau und kurz. <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs><lb/>
bemerkt nur bei dieser Gelegenheit, dass auch das gesetzwidrige<lb/>
Parken jetzt vom Verfassungsgerichtshof ja im Prinzip als Ab<lb break="no"/>schlepptätigkeit der Gemeinde Wien bestätigt wurde. Aufgabe ist<lb/>
es jetzt nun eine Gebühr festzulegen, worüber Parteienvereinba<lb break="no"/>rungen der drei Parteien vorliegen, weil ansonsten eine Selbstkostenbe<lb break="no"/>rechnung erfolgen müsste, die unmöglich ist. <rs type="person" ref="#per__109818">Edlinger</rs> bringt<lb/>
dann auch die Organisationstätigkeit und finanzielle Situation.<lb/>
Die durchschnittlichen Einnahmen der Wiener Organisation sind<lb/>
3,1 Mill. S pro Monat. Jetzt seien 10,7 Mill. Aussenstände.<lb/>
8 Bezirke, darunter auch der Dritte, hätten bis zu 7,5 Mill.<lb/>
Rückstand. In der Diskussion zeigt sich, dass übereinstimmend fest<lb break="no"/>gestellt wird, eine Organisationsmüdigkeit Platz greift, die be<lb break="no"/>ängstigend ist. NR <rs type="person" ref="#per__114542">Schemer</rs>, BO vom 22. Bezirk meint, dass<lb/>
eben die Massenmedien und ganz besonders das Fernsehen viel besser<lb/>
und schneller Informationen an die Mitglieder und insbesondere<lb/>
Funktionäre heranträgt. Dadurch wird das alte Organisationsprinzip<lb/>
über die Partei die Information und womöglich sogar eine spezielle<lb/>
Information zu erfahren, ausgehöhlt, die Leute sind besser, schneller<lb/>
gründlicher informiert, wenn sie Radio hören und fernsehen als<lb/>
einmal in der Woche in Sektionsversammlungen zu kommen. Dadurch<lb/>
leidet zweifelsohne die Wiener Organisation ganz besonders, weil<lb/>
sie in der Vergangenheit eine sehr starke und straffe Organisation<lb/>
gewesen ist. Bei der ÖVP wirkt sich dies sicherlich nicht so<lb/>
aus wie bei uns. <rs type="person" ref="#per__97488">Gratz</rs> hat zum Schluss einen guten Gag.<lb/>
Die ÖVP-Pro-Wien-Aktion stellt sich für ihn so dar: Die Spitals<lb break="no"/>politik macht Vorarlberg. Die Sicherheitspolitik macht Tirol – <rs type="person" ref="#per__97686">Lanner</rs>.<lb/>
Die Zeitungen werden in Oberösterreich gemacht. Die Finanzen macht<lb/>
Niederösterreich und die Autoproduktion wird vom Ausland bestimmt.<lb/>
Dies ist das Wiener Programm der ÖVP.<lb/>
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