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            <title type="main">Mittwoch, der  9. November 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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mich, dass auch Verkaufsdirektor <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> gestern abends mit ihm<lb/>
gesprochen hat. Die Porsche-Leute in Österreich überlegen, ob sie<lb/>
nicht sich auch an einem solchen Lieferwerk beteiligen sollten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> versicherte mir neuerdings, dass diese Aktion nichts mit<lb/>
der Auseinandersetzung zwischen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> und <rs type="person" ref="#per__148993">Piech</rs> zu tun hätte.<lb/>
Die Volkswagenwerke überlegen seit längerer Zeit, wie mir auch in<lb/>
den Briefen mitgeteilt wurde, grössere Einkäufe in Österreich zu<lb/>
tätigen. Da <rs type="person" ref="#per__116104">Himmer</rs> am Samstag <rs type="person" ref="#per__111752">Münzner</rs> in Kassel trifft, möchte er<lb/>
bis zu diesem Zeitpunkt entsprechende österreichische Vorschläge.<lb/>
Ich habe sofort Sekt.Chef <rs type="person" ref="#per__98053">Wanke</rs> verständigt und um Überlegungen<lb/>
gebeten. <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> informierte ich nach der Bundesvorstandssitzung, er<lb/>
ist überzeugt, dass die ganze Aktion <rs type="person" ref="#per__148993">Piech</rs> eine Aktion der ÖVP ist.<lb/>
Selbstverständlich ist er an einer Teillieferung durch Beteiligung<lb/>
VW in Österreich trotz allen sehr interessiert. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs>, den ich<lb/>
mit <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> traf, wiederholte neuerdings den Streit, den er mit<lb/>
dem Hause Porsche hat, so dass ich kaum dazu kam zuerst die Anrufe<lb/>
ihm zu erzählen. Letzten Endes stimmte er dann aber ebenfalls meiner<lb/>
Idee zu, wir sollten alles unternehmen, um möglichst grosse Beteiligung<lb/>
vom VW-Werk in Österreich zu erreichen. Mit Dr. <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, ÖIAG,<lb/>
hatte ich abends ein längeres Gespräch und dieser meinte konkret,<lb/>
man müsse VW dafür gewinnen, mit den Wiener Metallwerken im dritten<lb/>
Bezirk ein Joint venture zu machen. Innerhalb der ÖIAG hat man<lb/>
ebenfalls schon überlegt, wenn der Austro-Porsche nicht kommt, so<lb/>
müsse man auf Zulieferungen aller Automarken, die nach Österreich<lb/>
importiert werden, bestehen. In Frage käme auch noch Möllersdorf<lb/>
oder einige steirische Betriebe der Stahlindustrie. Im ungünstigsten<lb/>
Fall könnte man ihnen eine Halle verkaufen, am liebsten wäre es<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs>, wenn am Erzberg irgendetwas errichtet wird. Ich habe<lb/>
ihm diese Illusion nehmen müssen, denn ich kann mir nicht vorstellen,<lb/>
dass wirklich in diesen Graben irgendjemand hineingeht und eine<lb/>
grössere Produktion dort aufmacht. Jetzt bewährt sich, dass wir<lb/>
im Handelsministerium schon seit Jahren und ganz intensiv<lb/>
seit etlichen Monaten versucht haben, die weltgrossen Autofirmen<lb/>
für Investitionen in Österreich zu gewinnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_04">Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> von der BEWAG erörterte mir die Untersuchungen<lb/>
welche sie im Sommer wegen einer gespaltenen Tarifpolitik ange<lb break="no"/>stellt haben. 60 Maturanten hatten die ganzen Stromabnehmer analy<lb break="no"/>siert und in einen Computer eingegeben. Jetzt schlägt <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs><lb/>
vor, dass z.B. für Haushaltsstrom 1.500 KWh zum alten Preis<lb/>
90,3 Groschen und über diese Menge hinaus der Strom mit 1.- S verrech<lb break="no"/>net werden sollte. Das ergäbe im Durchschnitt 4,3 % Erhöhung.<lb/>
Der Preisantrag wird von den Ländern und vom Verbund auf 6 %<lb/>
lauten. Ich verwies ihn an Min.Rat <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs>, der angeblich die<lb/>
Unterlagen genau kennt, aber auch von Salzburg einen entsprechenden<lb/>
Vorschlag bekommen hat. Wie dem auch sei, vor Monaten hat man<lb/>
mir noch erklärt, es sei ganz unmöglich, eine Staffelung vorzunehmen,<lb/>
jetzt geht es scheinbar doch. Mit <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> hatte ich telefonisch<lb/>
vor <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> noch eine harte Auseinandersetzung, weil ich bei<lb/>
einer Parteiveranstaltung erfahren habe und dies <rs type="person" ref="#per__113025">Horwath</rs> vorge<lb break="no"/>worfen hatte, dass sie noch immer Mindestabnahmen verrechnen,<lb/>
obwohl der Verbund mir schriftlich vor Monaten zusicherte, dass<lb/>
dieses System sofort abgestellt wird. <rs type="person" ref="#per__109811">Burian</rs> hat mir dann neuer<lb break="no"/>dings mitgeteilt, dass auch noch in Tirol für gewisse Sommer<lb break="no"/>zeiten und in Kärnten solche Mindestabnahmebestimmungen noch immer<lb/>
existieren. Darüber war ich sehr wütend und verlangte, dass sie<lb/>
in einem Preiserlass sofort alle diese Mindestabnnahmen aufgehoben<lb/>
werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_06">Im Bundesvorstand des ÖGB berichtete <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> über die wirtschaftliche<lb/>
Situation und <rs type="person" ref="#per__111740">Dallinger</rs> über den Vorschlag der Steuerkommission.<lb/>
Die Steuerkommission hat nur mit sozialistischen Stimmen ihre<lb/>
Vorschläge ausgearbeitet und deshalb wurde auch dieser Vorschlag<lb/>
vom Sprecher der Christlichen Gewerkschafter <rs type="person" ref="#per__113374">Gassner</rs> abgelehnt.<lb/>
Interessanterweise aber wurde diesmal die Presseverlautbarung,<lb/>
die immer ebenfalls beschlossen wird, von den Christl. Gewerkschaftern<lb/>
zugestimmt. Dies hat mich sehr überrascht. Die Kommunisten lehnten<lb/>
selbstverständlich ab, erstmalig, wie <rs type="person" ref="#per__113375">Kindl</rs>, der freiheitliche Ver<lb break="no"/>treter, BRO, der Angestellten von Semperit, erklärte, jetzt schon<lb/>
über etliche Jahre im Bundesvorstand, lehnte diesmal die Presse<lb break="no"/>erklärung ab. Er behauptete allen Ernstes, dass eine gespaltete<lb/>
Politik in dieser Aussendung zum Ausdruck kommt. Er selbst aber<lb/>
spricht in den Freiheitlichen Gremien mit einer Zunge und muss<lb/>
deshalb diesmal diese nicht mehr wertneutrale Aussage ablehnen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_07">Da ich neben ihm sass, habe ich ihm zwar erklärt, dass er eben<lb/>
dem Wunsch <rs type="person" ref="#per__97807">Peters</rs> Rechnung trägt. <rs type="person" ref="#per__113375">Kindl</rs> ist nämlich nach wie vor der<lb/>
Meinung, dass <rs type="person" ref="#per__97807">Peter</rs> ihr Obmann bleiben sollte. Von den neuen hat<lb/>
sich noch keiner entsprechend profiliert und von den alten käme<lb/>
seiner Meinung nach nur eventuell <rs type="person" ref="#per__112589">Zeillinger</rs> in Frage. Da bei ihrem<lb/>
Diskussionsbeitrag alle drei Fraktionen mich zitierten, musste ich mich<lb/>
dann als letzter Diskussionsredner auch noch zu Worte melden und habe<lb/>
in meiner launigen Art viele Missverständnisse aufgeklärt. <rs type="person" ref="#per__113374">Gassner</rs>,<lb/>
der sich bei <rs type="person" ref="#per__97346">Benya</rs> in seinem Diskussionsbeitrag beschwerte, weil<lb/>
dieser den ÖAAB mit dem Kommunisten-Vergleich diskriminiert, sagte<lb/>
ich bei uns Lebensmittelarbeitern gibt es das Motto von mir: in Anleh<lb break="no"/>nung an Animal Farm: two legs bad, four legs good, ÖAAB schlecht,<lb/>
christliche Gewerkschafter gut. Im Verhältnis zur <rs type="person" ref="#per__97363">Böhm</rs>-Zeit werden<lb/>
jetzt im ÖGB viele Bundesvorstandssitzungen abgehalten. Ich halte<lb/>
dies für zweckmässig, weil dadurch die Minderheitsfraktionen die<lb/>
Möglichkeit haben, ihre Meinung kundzutun, sich dann weniger be<lb break="no"/>schweren können, dass kein Meinungsbildungsprozess erfolgt, da<lb/>
die sozialistische Fraktion ja nach wie vor geschlossen und stark<lb/>
auftritt, gibt es im ÖGB in dieser Beziehung keine Probleme.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_08"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat die Direktoren der verstaatlichten Industrie einge<lb break="no"/>laden und auch <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> und <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> von der ÖIAG. Nebenbei bemerkte<lb/>
er, dass er die beiden anderen ÖIAG-Direktoren nicht einlädt, weil<lb/>
als er dies vor Jahren einmal einen anbot, hätte dieser rückgefragt,<lb/>
worum es sich handelt. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dies für ungehörig empfunden<lb/>
und lädt daher die beiden anderen gar nicht mehr ein. Da es aber<lb/>
auch Direktoren gibt, die der ÖVP angehören, Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114559">Bayer</rs>,<lb/>
wahrscheinlich auch <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, so betrachtet er dieses Forum sowieso<lb/>
als ein nicht sozialistisches. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> kündigte an, dass die ver<lb break="no"/>staatlichte Industrie in der nächsten Zeit mit grosser Unterstützung<lb/>
der Bundesregierung rechnen kann. Es wird jetzt ein grosses Wirt<lb break="no"/>schafts- und Investitionsprogramm erstellt und er möchte mit der<lb/>
Verstaatlichten jetzt ihre Sorgen besprechen und ihre Wünsche<lb/>
hören. Nach wie vor ist er wegen der Wirtschaftslage sehr beunruhigt,<lb/>
und hat seine pessimistische Prognose einmal mehr wiederholt.<lb/>
Zu meiner grössten Verwunderung ist dann bei den Berichten der General<lb break="no"/>direktoren über die Investitionen und über die Beschäftigtensituation<lb/>
ein ungeheuer optimistisches Bild entstanden. Davon war ich selbst<lb/>
überrascht. Hätte ich den Vorsitz geführt, so wäre es mir erklärlich<lb/>
gewesen, dass die Direktoren, da sie wissen, dass ich Optimist bin,<lb/>
<pb n="39-1280" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-11-09_1280.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>mir ein gutes Bild zu geben, einen solchen Bericht <choice><choice><sic>nicht</sic><corr>?</corr></choice></choice> ver<lb break="no"/>standen. Da <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> aber wirklich im wahrsten Sinne des Wortes<lb/>
"schwarzmalte" hätte ich angenommen, dass wenn es schlecht in den<lb/>
verstaatlichten Betrieben aussieht, auch dort ein entsprechender<lb/>
Bericht von ihnen hätte gegeben werden müssen. Die Situation besser<lb/>
schildern als sie ist, bedeutet, wenn sie in ein paar Monaten<lb/>
dann eine wirklich schlechte Situation haben, dass <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> ihnen mit<lb/>
Recht vorwerfen wird, im Vorjahr habt ihr etwas anderes erzählt.<lb/>
Was nur zum Ausdruck kam, war, dass eine Erhebung der ÖIAG, Dir.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> hat <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> eine solche gegeben und ich konnte sie mit<lb break="no"/>lesen, mit den Einzelaussagen nicht ganz wegen der Investitionen<lb/>
übereinstimmte. Die Verstaatlichte hat zwischen 1970 und 1976 für<lb/>
46 Mia. S investiert. 1977 sollen es 9,5 Mia. sein, 1978 11,3 Mia.,<lb/>
1979 9,4 und 1980 und 1981 ca. ja 6 Mia. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97337">Bauer</rs>, ÖMV, 1977<lb/>
3,7 Mia., meinte, die WAG würde 3 Mia. kosten und 800 Beschäftigten<lb/>
durch Jahre Arbeit geben. Die Finanzierung sei kein Problem, da<lb/>
Durchflussrecht bereits bestehen und daher die Finanzierung auf dem<lb/>
Kapitalmarkt grösstenteils im Ausland mit den ausländischen Gesell<lb break="no"/>schaften selbst erfolgen wird. Für die Raffinerie- und Aufschlussarbei<lb break="no"/>ten werden 400 Mill. pro Jahr vorgesehen. <rs type="person" ref="#per__97315">Apfalter</rs>, VÖEST, hat 1977<lb/>
3,3 Mia. investiert, wird in den nächsten 5 Jahren 3,5 bis 4 Mia.<lb/>
brauchen. Eine Zuführung von 4 Mia. S wird erwartet, da die normale<lb/>
AfA nur 2,5 Mia. im Cashflow bringt. Grosses Problem sind die<lb/>
Vereinigten Edelstahlwerke. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__114559">Bayer</rs> 481 Mill. 1977, braucht<lb/>
ab 1978 für die nächsten 5 Jahre 3,7 Mia. 1,6 Mia. ist für die<lb/>
Errichtung je einer Produktionsstätte in einem Standort. Derzeit hat<lb/>
jedes Edelstahlwerk eine entsprechende Produktionsstätte. 2 Mia.<lb/>
sollten dann in Finalbetrieben zum Ausbau investiert werden. Eine<lb/>
Zufuhr von 2 Mia. Eigenkapital sei notwendig, weil Eigenmittel<lb/>
derzeit nur mehr 27 % betragen. Dies ist in internationalen<lb/>
Vergleich noch immer sehr gut, doch ist die Zinsenbelastung bereits<lb/>
600 Mill. S pro Jahr. Durch die Investitionen soll ein Rationalisierungs<lb break="no"/>effekt von 500 Mill. S pro Jahr erlöst werden. der Edelstahl<lb break="no"/>industrie in Österreich geht es deshalb noch besser als den<lb/>
weltweit anderen Firmen, weil sie sehr stark im Finalgeschäft arbeitet<lb/>
und weil insbesondere sie eine ganz grosse Verkaufsorganisation<lb/>
mit 2.500 Beschäftigten weltweit haben. <rs type="person" ref="#per__112054">Buchner</rs>, Chemie-Linz,<lb/>
hat 1977 900 Mill. investiert und braucht für die nächsten 5 Jahre<lb/>
3,5 Mia. für Ersatzinvestitionen aber auch Erweiterungen. Derzeit<lb/>
ist 1 Mia. S konkret in Anlage für Investitionen vorgesehen, denn es<lb/>
sollen um 100.000 t Äthylen mehr produziert werden. Mit der Firma<lb/>
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für Plexiglas. Die <choice><choice><sic>Acryl-Nitrit-Anlage</sic><corr>Acrylnitril-Anlage?</corr></choice></choice> hat mit 1,5 Mia. nur einen<lb/>
geringen ERP-Anteil, da dort die Obergrenze sehr bald erreicht ist.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__116945">Kirchner</rs>, SGP, hat 184 Mill. 1977 investiert, wird 250 Mill. S<lb/>
bis 1981 noch brauchen und hat 1978 nur für 80 Mill. S ERP-<lb/>
Mittel bekommen. <rs type="person" ref="#per__113019">Sellner</rs><add>[hs. korrigiert, Anm.]</add>, Elin, hat 277 Mill. 1977 investiert,<lb/>
braucht 250 bis 300 Mill. in den nächsten Jahren. In Weiz bräuchte<lb/>
man 600 Mill. und Weiz ist 100 %-ig ausgelastet. Die Brünner Strasse,<lb/>
wo ebenfalls investiert werden muss, ist die Auslastung nur 75 %.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97929">Schützelhofer</rs>, BBU, hat 1977 143 Mill. investiert. Die ERP-Mittel<lb/>
machen nur 1/4 aus, 3/4 muss er zu Fremdfinanzierung zu 9,5 %<lb/>
finanzieren, deshalb möchte er in die Schweiz gehen, wo er um<lb/>
5,5 % den Kredit bekommt. Selbst bei der Investitionsbank mit einem<lb/>
Mischsatz kommt er noch auf 8,75 %. <rs type="person" ref="#per__97929">Schützelhofer</rs> schilderte dann<lb/>
den Preisverfall bei seinen Produkten, kann aber so wie alle anderen<lb/>
die Beschäftigung auch im nächsten Jahr noch aufrechterhalten.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__128911">Glaser</rs> von Alu-Ranshofen hat 337 Mill. S heuer investiert und<lb/>
braucht für die nächsten 5 Jahre 14H Mia. 600 Mill. davon könnten<lb/>
aktiviert werden, weil sie Werkzeuge und sonstigen Einrichtungen<lb/>
sind. 800 Mill. sollen Erweiterungsinvestitionen sein. Insbesondere<lb/>
soll auch in Brixlegg um 210 Mill. eine Drahtproduktions-Investition<lb/>
erfolgen. Dringend bräuchte er die Kapitalzufuhr von 450 Mill. S,<lb/>
worauf er bis jetzt 150 bekommen hat. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> nahm diese Berichte<lb/>
zur Kenntnis, meinte nur, dass die 110.000 Beschäftigten durch<lb/>
Rationalisierung der Investitionen, die oben angeführt werden, um<lb/>
10.000 Arbeitsplätze weniger werden. Da man 10.000 neue aber<lb/>
dazu schaffen müsste, wären also insgesamt für 20.000 Arbeitskräfte<lb/>
Arbeitsplätze zu investieren. Er machte dann eine Milchmädchenrechnung,<lb/>
40 Mia. S sollen in den nächsten Jahren investiert werden, 25 % davon<lb/>
ist Lohnanteil, das wären 20.000 Arbeitskräfte in den nächsten 5<lb/>
Jahren oder 4 – 5.000 Beschäftigte pro Jahr, dies sei zu wenig,<lb/>
man müsste auf 7 – 8.000 neue Beschäftigte in der Verstaatlichten<lb/>
Industrie durch Investitionstätigkeit kommen. Ich glaube hier gibt<lb/>
er sich einer glatten Illusion hin, abgesehen davon, dass sicher<lb break="no"/>lich diese Rechnung überhaupt nicht stimmt. Gen.Dir. <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs> meinte<lb/>
wieder, der Umsatz der Verstaatlichten Industrie sei 80 Mia., die<lb/>
Instandhaltung darinnen sei 6 %. Wenn man diese, ohne dass die<lb/>
Werke zusammenbrechen, auf die Hälfte, also auf 3 % reduzieren<lb/>
könnte, wenn man weiters bei den 40 Mia. Rohstoff und Material<lb break="no"/>einsatz 1 % erspart und wenn man weiss, dass ca. 10.000 Beschäftigte<lb/>
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1.000 abbauen kann, ergäbe sich also eine Einsparung von<lb/>
3 Mia., die sei genau der Betrag, den man bräuchte, um die Investi<lb break="no"/>tionen zu finanzieren. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, der 40 Mia. S Investitions<lb break="no"/>bedarf müsste anders gefunden werden, dafür würde <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> entsprechen<lb break="no"/>de Vorschläge machen. Dieser wieder verwies nur darauf, dass bei<lb/>
Zurückhaltung in der Einkommenspolitik – heisst Lohnforderungen –<lb/>
die Finanzierung möglich sei. <rs type="person" ref="#per__110169">Nussbaumer</rs> wurde gefragt, was er<lb/>
dazu sagt, doch hat dieser wohlweislich geschwiegen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_09"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> hat dann auch die Handelspolitik besonders herausgestrichen.<lb/>
Hier müsste eine Änderung erfolgen. Im mittleren und Nahen Osten<lb/>
gibt es ungeheure Möglichkeiten und ganz besonders auch in den<lb/>
Oststaaten. Die Meinung <rs type="person" ref="#per__125560">Wolff von Amerongen</rs>, der auch dann Bundes<lb break="no"/>kanzler <rs type="person" ref="#per__114106">Schmidt</rs> zustimmte, dass man den Oststaaten zuviel Kredit<lb/>
gegeben hat, ist absolut falsch. Er erwartet jetzt von der ÖIAG<lb/>
Vorschläge über realistische Lieferungen nach dem Osten. Kredite<lb/>
könne man dem Osten ohne weiteres gewähren, dieselbe Behauptung<lb/>
wie bei der letzten Regierungsvorbesprechung, die Russen werden<lb/>
den Polen niemals in Zahlungsverzug kommen lassen und dies gilt<lb/>
für alle anderen Oststaaten auch. Aus Drittländern müssten man jetzt<lb/>
gemeinsame Projekte verfolgen, um wie auch einige Direktoren be<lb break="no"/>merkten, aus den derzeitigen Kompensationsabnahmeverpflichtungen<lb/>
herauszukommen. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> erwähnte auch das algerische Eisenbahn<lb break="no"/>modernisierungsprojekt, <rs type="person" ref="#per__116945">Kirchner</rs> von der SGP meinte, die<lb/>
österr. Industrie könnte nur die entsprechenden Schienen, Waggons<lb/>
Lokomotiven, technischen Einrichtungen liefern, das Know-how und<lb/>
wie man Eisenbahnverwaltungen aufbaut, könnte nur die ÖBB machen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> meinte, hier hätte <rs type="person" ref="#per__110923">Lanc</rs> bereits entsprechende Vorschläge<lb/>
ausgearbeitet. Zusammenfassend stellte er fest, die Regierung und<lb/>
die ÖIAG wird jetzt ein Finanzierungskonzept ausarbeiten. 40 Mia.<lb/>
für Investitionen wie oben geschildert, 10 Mia. dann noch für Auswei<lb break="no"/>tung zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. In der Handelspolitik hat <rs type="person" ref="#per__97470">Geist</rs><lb/>
sogar gemeint, es soll jetzt ein Handelshaus die ÖIAG aufbauen, um die<lb/>
Kompensationen für die Firmen verkaufen zu können. Für die Projekte<lb/>
der dritten Welt wird ein blue print jetzt von der ÖIAG erwartet.<lb/>
Viertens wird die ÖIAG sich jetzt bemühen, alles zu koordinieren,<lb/>
insbesondere die Consulting-Firmen Austro-Mineral, Austro-Plan und<lb/>
Verbund-Plan usw. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> selbst möchte bei der ÖIAG einen Genfer<lb/>
Mann als Clearingstelle für all diese Investitionen und Drittländer-<lb/>
Aufträge mit Consulting-Charakter installieren. Dafür hat er einen<lb/>
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vorgesehen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_10">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__97819">PLESCH</rs> UND <rs type="person" ref="#per__98053">WANKE</rs>: Bitte mit <rs type="person" ref="#per__97498">Grünwald</rs> sofort Kontakt<lb/>
aufnehmen, damit wir auch unsere Vorschläge von der privaten Wirtschaft<lb/>
mit der ÖIAG abstimmen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_11">Die Auszeichnungsüberreichungen bei der Firma Purator und die<lb/>
Staatswappenüberreichung bei Wagner gab mir Gelegenheit, die Betriebe<lb/>
zu besichtigen und beim letzteren z.B. wieder einmal mehr zu er<lb break="no"/>kennen, wie Kleinigkeiten Österreich weit aber auch jetzt sogar im<lb/>
Export gut verkauft werden können. Das Zusammenschweissen der Schienen<lb/>
hat sich so bewährt und wird in Österreich so gut ausgeführt, dass<lb/>
jetzt sogar die Jugoslawen einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen<lb/>
haben. Bei Purator wieder wurde mit Ungarn eine Verbrennungsanlage<lb/>
in Lizenz gemeinsam errichtet. Nichts hat mir krasser gezeigt,<lb/>
welche grosser Unterschied immer bei Aussprachen in höchster Ebene<lb/>
mit grossen Projekten und grossen Ideen, die grosse Lösung ange<lb break="no"/>strebt wird, vielleicht muss man dies, wie dann aber bei Klein<lb break="no"/>arbeit und kleineren und mittleren Betrieben mit kleineren Mass<lb break="no"/>stäben und kleineren Ideen sehr grosse Erfolge erzielt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-09_12"><rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> steht auf dem Standpunkt, ich sollte von der ÖFVW, die<lb/>
gewünschte Staatsopernreise <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> nach Amerika mit finanzieren.<lb/>
Dies sei eine grosse Werbeveranstaltung für Österreich und deshalb<lb/>
könne man ohne weiteres Millionen dafür aufwenden. Ich habe dies rund<lb break="no"/>weg abgelehnt und mich nur bereiterklärt, wie ich bereits auch dem<lb/>
Direktor <rs type="person" ref="#per__149366">Seefehlner</rs> gesagt habe, als er bei mir vorsprach, dass wenn<lb/>
die Oper nach Amerika fährt, wir dann dort eine gewisse Propaganda<lb/>
verbunden mit Österreich-Propaganda machen können. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meinte,<lb/>
wenn der Werbeträger nicht nach Amerika fährt, dann kann auch keine<lb/>
Werbung für ihn veranstaltet werden. Damit hat er vollkommen recht,<lb/>
ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir<lb/>
Millionenbeträge für die Aufführungen der Staatsoper in Amerika<lb/>
aus dem Budget der ÖFVW bezahlen. Ich habe ihm bei dieser Gelegenheit<lb/>
gleich vorgehalten, dass wir auch in Linz für diese grosse Metall<lb break="no"/>ausstellung vor dem Brucknerhaus nur deshalb aufkommen weil er es<lb/>
uns ja refundiert. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> ist nach wie vor der Meinung, dass dies<lb/>
ein grosser, Hit war. Dies ist ohne weiteres möglich, ich kann es<lb/>
nicht prüfen und es interessiert mich ach gar nicht, nur eine<lb/>
Fremdenverkehrsattraktion war es sicher nicht. Ohne dass ich<lb/>
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unsere österr. Fremdenverkehrswerbungspolitik viel mehr auf<lb/>
Verkaufswerbung umgestellt werden muss, wir dort sicherlich noch<lb/>
etliche Ausgaben haben, die auch nicht sofort eine Cost-benefit-<lb/>
Rechnung positiv ergeben würde, dass es aber sicherlich nicht<lb/>
angeht, jetzt über den Fremdenverkehr zu versuchen, irgendwelche<lb/>
Aktivitäten anderer Ressorts mitzufinanzieren.<lb/>
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            <head>Tagesprogramm, 9.11.1977</head>
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            <head>hs. Notizen (Tagesprogramm Rückseite)</head>
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