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            <title type="main">Sonntag, der  6. November 1977 bis Montag, der  7. November 1977</title>
            <title type="sub">Tagebuch Josef Staribacher: Digitale Edition</title>
            <author>Josef Staribacher</author>
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            <publisher>Kreisky Archiv, Wien</publisher>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_01">Sonntag, 6. November 1977<lb/>
bis Montag, 7. November 1977<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_02">Die NÖ Landesleitung des Freien Wirtschaftsverbandes ersuchte mich,<lb/>
bei ihrer Landeskonferenz das Referat zu halten. Bei solchen Landes<lb break="no"/>konferenzen weiss ich eigentlich nie genau, ob ich so wie bei Ver<lb break="no"/>sammlung mehr auf Gags arbeiten soll oder doch mehr seriös über<lb/>
die Arbeit des Handelsministerium referieren. Da ich ausserdem unter<lb/>
einem gewissen Zeitdruck stand, weil ich noch nach Dubrovnik fliegen<lb/>
musste, referierte ich über die Tätigkeit des Handelsministeriums<lb/>
und insbesondere über die Auseinandersetzung mit <rs type="person" ref="#per__97893">Sallinger</rs> - <rs type="person" ref="#per__97769">Mussil</rs><lb/>
Marktwirtschaft, Mittelstand und was tatsächlich für den kleinen Mittel<lb break="no"/>betrieb geleistet wird, resp. wurde. 4 Diskussionsredner meldeten<lb/>
sich, einer darunter aus dem Waldviertel, dieser vertrat die Meinung,<lb/>
wir sollten für die Vorsorge der Atommüllagerung nicht wieder hunderte<lb/>
Millionen dem Ausland zukommen lassen, sondern doch versuchen, dem<lb/>
Waldviertel, wo er glaubt, dass die Mehrheit sehr wohl dafür ist,<lb/>
dass die Investitionen dort geschehen, die von <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> angedeutete<lb/>
Milliarde Schilling zukommen lassen. Unwahrscheinlich für mich, wie eine<lb/>
solche Zahl, die niemals im Detail aufgegliedert wurde, die wahrscheinlich<lb/>
auch gar nicht von der E-Wirtschaft selbst noch mit Bundeszuschüssen<lb/>
oder Unterstützung aufgebracht werden könnte, sich bei der Bevölkerung<lb/>
oder zumindestens bei einzelnen einprägt und dann natürlich immer wieder<lb/>
zur Sprache kommt. Entscheidend ist aber, ob die Gemeinden oder<lb/>
zumindestens wenigstens eine Gemeinde bereits ist, tatsächlich Bau<lb break="no"/>genehmigungen zu geben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_03">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: Wie steht es eigentlich mit den Baugenehmigungs<lb break="no"/>anträgen der KKWP in einzelnen Orten?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_04">In Dubrovnik war die Jahreshauptversammlung des Verbandes der deutschen<lb/>
Reisebüros, eine immerhin mit fast 1.000 Personen beschickte Ver<lb break="no"/>anstaltung. Dubrovnik braucht solche Kongresse und durch Zufall er<lb break="no"/>fuhr ich, dass zur selben Zeit ein Anti-Nazi-Film gedreht wird.<lb/>
Die FV-Verantwortlichen mussten bis zum Parteisekretär von Kroatien<lb/>
gehen, damit diese Filmproduktion unterbrochen wird. Es wäre wirklich<lb/>
auch mehr als komisch gewesen, hätten die deutschen Reisebürovereins<lb break="no"/>mitglieder während ihres Besuches der Altstadt womöglich Leute in<lb/>
Wehrmachtsuniformen herumstehen oder herumlaufen gesehen. Meine An<lb break="no"/>wesenheit in Dubrovnik wurde allgemein positiv vermerkt. Insbesondere<lb/>
unsere österreichischen Vertreter waren sehr positiv zu meinem Besuch<lb/>
eingestellt. Die Fremdenverkehrsverantwortlichen der Länder sind<lb/>
<pb n="39-1260" facs="https://iiif.acdh-dev.oeaw.ac.at/iiif/images/staribacher/Band39/39_1977-11-06_1977-11-07_1260.jp2/full/pct:100/0/default.jpg"/>glaube ich sowieso bei allen solchen Veranstaltungen, man trifft<lb/>
sich meistens in rauen Mengen. Dass sie dort überhaupt kaum etwas<lb/>
konkret erreichen können, steht auf einem anderen Blatt. Auch ich<lb/>
gebe mich ja keiner Illusion hin, dass ich sehr konkretes geleistet<lb/>
habe. Richtig ist allerdings, dass Dr. <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und ich Gelegenheit<lb/>
hatten, mit den Repräsentanten der grossen Reisebüros Dr. <rs type="person" ref="#per__149414">Klatt</rs>,<lb/>
Dkfm. <rs type="person" ref="#per__149417">Rossbach</rs>, DER, resp. Dr. <rs type="person" ref="#per__123042">Lepach</rs>, <rs type="person" ref="#per__149415">Flössner</rs>, TUI, Prof. <rs type="person" ref="#per__149416">Süssenguth</rs>,<lb/>
Lufthansa, Präs. <rs type="person" ref="#per__149419">Schmidt</rs>, Deutsche Bundesbahn und Dr. <rs type="person" ref="#per__149418">Bommer</rs>, START,<lb/>
die neue datenverarbeitungsautomatische Buchung nicht nur kennen<lb/>
zu lernen sondern auch mit ihnen über die weitere Arbeit zu disku<lb break="no"/>tieren. Es hängt primär davon ab, ob die Reisebüros in stärkerem<lb/>
Ausmass Österreich-Angebote aufnehmen. Über die Reisebüros kommen<lb/>
nur ca. 12 % der deutschen Gäste nach Österreich. Untersuchungen haben<lb/>
aber ergeben, dass Informationen über Österreich fast die dreifache<lb/>
Anzahl in Reisebüros geholt wird. die Aufwendungen, die also ein<lb/>
Reisebüro machen muss, ist beträchtlich, Ein Teilnehmer meinte mir<lb/>
gegenüber, dass ist ihr Dilemma. Immer höhere Aufwendungen für den Gast<lb/>
und immer geringere Erlöse infolge der knappen Kalkulation aus den<lb/>
einzelnen Buchungen. Für das nächste Jahr erwarten die Deutschen<lb/>
für dein Sommerfremdenverkehr nach Österreich einen grossen Auf<lb break="no"/>schwung. Sie sind überzeugt, dass die Antideutsche Welle in Italien,<lb/>
Frankreich und so weiter Rückwirkungen auf den Fremdenverkehr in<lb/>
diesen Ländern durch Ausbleiben des deutschen Gastes haben wird.<lb/>
Dazu kommt allerdings als Nachteil für uns die ungeheuren langwierigen<lb/>
Grenzkontrollen deutscherseits. Dadurch leidet der Kurzurlaub jetzt<lb/>
schon beträchtlich und wird auch insbesondere im Winter für die Samstag-<lb/>
Sonnntag-Skifahrer einen grossen Einfluss haben. Die Möglichkeit<lb/>
über die kleineren Grenzstationen den Aufenthalt wesentlich zu<lb/>
verkürzen, müsste viel stärker propagiert werden. Eine Studie des<lb/>
deutschen Automobilklubs hat allerdings gezeigt, dass nur 20 %,<lb/>
ihrer Mitglieder Karten lesen können und abstrakt denken. Dies<lb/>
dürfte einer der Gründe sein, warum die deutschen Autofahrer doch<lb/>
auf der Autobahn bleiben, selbst wenn sie dort stundenlange warten<lb/>
müssen, während die auf Nebengrenzübergängen mit kürzesten Wartezeiten<lb/>
hinüberkämen. Beeindruckt hat bei den Deutschen nicht nur eine sehr<lb/>
launige Tischrede sondern vor allem auch, dass ich mich immer im<lb/>
Details gekümmert habe. Ein bedeutender Reisebürovertreter <rs type="person" ref="#per__149420">Ruoff</rs><lb/>
beschwerte sich bei mir wegen des langwierigen Abfertigens von Bussen.<lb/>
In der Schweiz gibt es ein Postkartenformular, welches einfach auszufül<lb break="no"/>len ist. Allerdings hat die Schweiz keine Beförderungssteuer wie dies in<lb/>
Österreich der Fall ist. Das österr. Finanzministerium hätte mit<lb/>
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bilateralen Vereinbarung gekommen. Die Finanzbürokratie behauptet,<lb/>
wie ein Aktenvermerk von unserer Abteilung festgehalten wird, jeder<lb break="no"/>zeit bereit zu sein, ein entsprechendes Abkommen mit Aufhebung der<lb/>
Beförderungssteuer zu schliessen. Ich bin davon fest überzeugt, dass<lb/>
dies jetzt nicht mehr gilt, sondern vielleicht vor Monaten oder Jahren<lb/>
die Möglichkeit dazu bestanden hätte.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_05">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Die Abteilung soll aktmässig mit einer Verein<lb break="no"/>barung im Finanzministerium feststellen, ob tatsächlich noch eine solche<lb/>
Möglichkeit besteht.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_06">Die Mautgebühren von 1.20 DM pro km machen jetzt von dem verrechneten<lb/>
Fahrpreis 1.40 DM pro km schon einen exorbitanten hohen Betrag aus.<lb/>
Wenn es schon nicht zu einer Reduzierung der Mautgebühren kommt,<lb/>
dies konnte ich den Deutschen einigermassen erklären, so sollte<lb/>
man doch wenigstens die Variation der Hin- und Rückfahrt, wie<lb/>
ich sie vor längerer Zeit schon angeregt habe, endlich durchführen.<lb/>
Wer über den Brenner nach Italien hinunterfährt, soll ohne weiteres<lb/>
über die Tauernautobahn resp. Felbertauern-Tunnel zurückfahren können.<lb/>
Die Verrechnung, habe ich damals vorgeschlagen, könnte ja von den<lb/>
einzelnen Strassengesellschaften dann mit dem Rückfahrabschnitt er<lb break="no"/>folgen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_07">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__108746">HAFFNER</rs>: Was ist in dieser Sache weitergegangen?<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_08">Einzelne Hotelier behandeln die Busse noch immer so als wenn sie noch<lb/>
immer Schülerausflüge oder Fussballklubs wären. Mit einem Wort als<lb/>
Lückenbüsser. Hier ergibt sich aber für die Zukunft gerade für Öster<lb break="no"/>reich infolge der geringen Entfernung und der doch noch in der grossen<lb/>
Masse bestehenden Buskapazitäten, Bettenanzahl der einzelnen Pensionen<lb/>
und Hotels eine zukunftsträchtige Auslastung der Klein- und Mittel<lb break="no"/>betriebe. Ebenso beschwerte man sich bei mir, dass in den Wintersport<lb break="no"/>orten Hinterglemm und Schmittenhöhe z.B. man sich ausschliesslich<lb/>
nur für den Wintergast interessiert. Im Sommer sind die Wanderwege nicht<lb/>
in Ordnung gebracht, auf den Lifts muss man immer Einzelkarten kaufen,<lb/>
es gibt Abonnements resp. Punktekarten nur für den Winter und hier<lb/>
müsste man für den Sommergast mehr tun. Ich hoffe, dass dies bei der<lb/>
Aktion Bergerlebnis aus den Untersuchungen ebenfalls hervorgeht.<lb/>
Richtig ist, dass wir viel mehr für den Sommergast machen müssen.<lb/>
Auf die Kleinigkeiten kommt es an.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_09">Die Buchungszentrale in Frankfurt – Start – wird jetzt ca. 10 Gemeinden<lb/>
Österreichs über das Vorarlberger Rechenzentrum ebenfalls einschalten.<lb/>
Wenn dieses System funktioniert und Erfolge zeitigt, dann glaube ich<lb/>
wird früher oder später ganz Österreich sich an diese Zentrale<lb/>
anschliessen müssen. Trotzdem werden die einzelnen Hotels noch mehr<lb/>
Anstrengungen unternehmen müssen, um deutsche Gäste in Hinkunft<lb/>
für sich selbst zu akquirieren. Einige Unternehmer wie z.B. <rs type="person" ref="#per__136838">Winkler</rs><lb/>
vom Sachsengang und auch der Direktor vom Parkhotel in Pörtschach<lb/>
machten bei dieser Veranstaltungen wirklich nicht nur Honneurs<lb/>
sondern versuchten auch entsprechende Aufträge mit Erfolg zu be<lb break="no"/>kommen. Die Beamten der Länder vielleicht auch des Bundes sind<lb/>
bei solchen Veranstaltungen möglicherweise nützlich. Das Geschäft<lb/>
wird aber, wie ich dies auch bei meinen Exportverhandlungen immer<lb/>
wieder feststellen kann, von den Firmen getätigt. Diese muss man<lb/>
mehr unterstützen. Natürlich ist ein Minister bei einer solchen<lb/>
Veranstaltung anwesend, dann gibt dies den Vertretern des Landes<lb/>
einen ganz besonderen Status. <rs type="person" ref="#per__126235">Klement</rs> z.B. hat mir versichert,<lb/>
dass er jetzt in Frankfurt mit den grossen deutschen Veranstalters<lb/>
wesentlich leichter verhandeln wird, weil er als ein Mann gilt,<lb/>
der imstande ist, einen Minister zu einer solchen Veranstaltung<lb/>
zu bringen. Für die österr. Hoteliervertreter war dies wieder eine<lb/>
gute Unterstützung bei ihren konkreten Verhandlungen, dass sie<lb/>
darauf hinweisen konnten, ein Minister interessiert sich auch<lb/>
für ihre Geschäfte und unterstreicht die Bedeutung ihrer<lb/>
Tätigkeit. Sowohl des deutschen Reisebüroverbandes also der<lb/>
deutschen Reisebüros als der österr. Unternehmer. <rs type="person" ref="#per__136838">Winkler</rs> vom<lb/>
Sachsengang hat mir, wie mir dann Dr. <rs type="person" ref="#per__115175">Norden</rs> von Tourist-Austria<lb/>
berichtete, unter riesigen politischen Krämpfen und Gewissens<lb break="no"/>bissen dann herzlichst gedankt. <rs type="person" ref="#per__115175">Norden</rs> meinte, die ganzen Fremden<lb break="no"/>verkehrsvertreter seien unglücklich, dass ich der falschen<lb/>
Partei angehöre, denn gäbe es Namenslisten, würden sie mich alle<lb/>
wählen. Noch nie sagten diese Leute ist so viel für den Fremden<lb break="no"/>verkehr geschehen und noch nie hat ein Minister es so verstanden,<lb/>
andere Gäste und Repräsentanten zu begeistern. <rs type="person" ref="#per__115175">Norden</rs> und <rs type="person" ref="#per__136476">Voska</rs><lb/>
vom Profil sind mit der Chartermaschine mitgeflogen, um wie<lb/>
beide erklärten, eine grössere Story zu machen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_10">Eine Aussprache mit den Fremdenverkehrsminister, in Jugoslawien heisst<lb/>
er Präsident des Bundeskomitees für Tourismus, <rs type="person" ref="#per__141033">Vukasović</rs> und<lb/>
seinem Stellvertreter Dr. <rs type="person" ref="#per__146008">Mazi</rs> sowie des kroatischen Vertreters<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149456">Bukic</rs> gab mit die Gelegenheit neuerdings unseren Standpunkt zu<lb/>
präzisieren. Bei allem gemeinsamen Interessen, Überseegäste nach<lb/>
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wenn die Australier, Amerikaner, Kanadier, Japaner bei uns in<lb/>
Europa sind. <rs type="person" ref="#per__141033">Vukasović</rs> wies darauf hin, dass die Massenkontakte<lb/>
Fremdenverkehr und Gastarbeiter zwischen unseren beiden Ländern<lb/>
eine wesentliche Kommunikation darstellen. Er verwies auch auf offene<lb/>
Fragen und meinte damit wahrscheinlich die Slowenenprobleme. Da<lb/>
sie mein Ressort nicht betreffen und er selbst auch meinte, dies<lb/>
sei ja nicht das Entscheidende, was wir zu besprechen haben, ging<lb/>
ich über diese Frage nur mit der Bemerkung hinweg, wir glauben, dass<lb/>
es ein solches Problem eigentlich gar nicht geben sollte, müsste<lb/>
und vielleicht auch gar nicht in Wirklichkeit gibt. Die engere Ver<lb break="no"/>bindung auf Wirtschaftsgebiet sollte durch den Karawankentunnel<lb/>
und auch durch eine gewisse Werbung im Donauraum dokumentiert werden.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> und <rs type="person" ref="#per__126235">Klement</rs> machte ich dann unter 6 Augen darauf aufmerksam,<lb/>
dass ich keinen besonderen Wert mehr auf eine starke gemeinsame<lb/>
Propaganda mit den Staatshandelsländern lege, denn ich bin über<lb break="no"/>zeugt davon, dass früher oder später die ÖVP-Opposition hart<lb/>
angreifen wird, dass wir zuviel für die Propaganda auch für diese<lb/>
Leute ausgeben.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_11">Bei der feierlichen Eröffnung des Kongresses, wo die Dubrovniker<lb/>
Philharmoniker spielten und nur die Jugoslawen sowie der Präsident<lb/>
<rs type="person" ref="#per__149457">Vogel</rs> das Wort ergriffen, hatte ich keine Möglichkeit zu sprechen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> hatte sich zwar sehr bemüht, doch die Jugoslawen gaben uns<lb/>
nicht eine Chance. Zuerst überlegte ich ernstlich, mit <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> bei<lb/>
der Begrüssung durch den Präsidenten <rs type="person" ref="#per__149457">Vogel</rs> nach dem Applaus in den<lb/>
Saal zu rufen, ich wünsche der Reisebüroveranstaltung einen vollen<lb/>
Erfolg oder ich bin sehr froh, dass ich bei ihnen bin, doch habe<lb/>
ich diesem Tipp von <rs type="person" ref="#per__111736">Zolles</rs> dann doch nicht entsprochen. Es wäre<lb/>
wahrscheinlich zu aufdringlich gewesen und ein wenig muss ich doch<lb/>
noch auf die Würde eines Bundesministers achten. Da die ellenlange<lb/>
Liste der Begrüssung der jug. Gäste von diesen nur oststaaten<lb break="no"/>mässig zur Kenntnis genommen wird, man bleibt sitzen und applaudiert<lb/>
sich selbst, unterschied schon allein mein Aufstehen und deutlich<lb/>
sichtbares Verneigen nach allen Seiten sowie auch der langanhaltende<lb/>
Applaus, dass man von der deutschen Seite meine Reverenz gegenüber<lb/>
dem Reisebüroverband zu würdigen wisse. Bei der Ansprache dann<lb/>
beim Mittagessen habe ich alle Anwesenden ersucht, sie sollten<lb/>
doch ihren Bekannten und sonstigen Teilnehmern, die wir nicht<lb/>
alle laden konnten, die Situation erklären und meine besonderen<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_12">Während einer Besichtigung von 7 – 9 Uhr früh konnte ich fest<lb break="no"/>stellen, dass die Jugoslawen ungeheuer grosse Anstrengungen<lb/>
machen, ganze Hotelkomplexe hinzustellen. Während vor Jahren dies<lb/>
alles noch in der Planung war als ich mit <rs type="person" ref="#per__97966">Snuderl</rs> im Hotel Libertas<lb/>
den Fremdenverkehrsvertrag unterfertigte, ist jetzt die Hotelpro<lb break="no"/>jektion abgeschlossen, Dr. <rs type="person" ref="#per__146008">Mazi</rs> meinte mir gegenüber allerdings,<lb/>
jetzt müssten sie die zurückgebliebene Infrastruktur verbessern.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_13">Unsere Begleiterin hat mir freimütig auch an Hand ihres Beispiels<lb/>
die Beteiligung resp. Mitbestimmung bei Atlas geschildert. In Dubrovnik<lb/>
sind 250 Beschäftigte in Filialen weltweit 150. Alle sind nach<lb/>
einem Punktesystem eingestuft. 1.500 Punkte hat sie, 3 Dinar pro Punkt.<lb/>
Der Generaldirektor hat 2.900 Punkte. Sie bekommt für eine Vertrags<lb break="no"/>beteiligung im Form von Stimulierung, die bis 20 % gehen kann. Je<lb/>
grösser der Umsatz von Atlas, umso mehr bekommt sie sozusagen<lb/>
Prämie. Der Generaldirektor selbst bekommt dann ebenfalls eine<lb/>
Stimulierung in Form des Durchschnitts aller Beteiligten, weil er<lb/>
ja unmittelbar, wie sie sich ausdrückt, keinen Einfluss auf die<lb/>
Umsatzsteigerung hat. Die wirklichen Spitzenleute werden in Jugoslawien<lb/>
verhältnismässig schlecht bezahlt, die deutschen Spitzenvertreter<lb/>
glauben nur, dass sie mit Hilfe von Sonderprivilegien, das mehr<lb/>
als ausgleichen. Dies glaube ich eigentlich nicht. Natürlich sind<lb/>
Auslandsreisen, Dienstauto, Dienstwohnung und ich weiss nicht<lb/>
was es sonst noch alles gibt, ein Teil Entschädigung für die verhält<lb break="no"/>nismässig geringen Spannung zwischen den Arbeitern und dem Generaldirektor.<lb/>
Ändern kann er es aber sowieso nicht, weshalb ihm ja gar keine andere<lb/>
Möglichkeit bleibt als dieses System ebenfalls zu akzeptieren.<lb/>
Interessanterweise konnte ich auch in Erfahrung bringen, dass<lb/>
über das Zerwürfnis zwischen <rs type="person" ref="#per__123209">Tito</rs> und seiner Frau man in Jugoslawien<lb/>
zwar munkelt aber offiziell noch immer nichts verlautbart hat. Die<lb/>
grosse Masse wird daher kaum genaueres wissen sondern nur auf Gerüchte<lb/>
angewiesen sein. Da in Jugoslawien aber fremdsprachige Zeitungen<lb/>
aufliegen, so sind sie im Prinzip doch über die Tatsache informiert.<lb/>
dass jetzt seit Monaten bereits <rs type="person" ref="#per__123209">Tito</rs> mit seiner Frau scheinbar<lb/>
in grossem Streit liegt. Beim Rückflug fragte mich <rs type="person" ref="#per__136476">Voska</rs> insbesondere,<lb/>
ob diese Reise, von der er angeblich sehr angetan war, auch für mich<lb/>
einen Erfolg darstellt. Ich erklärte sofort, dies werden die<lb/>
Ziffern im nächsten Jahr zeigen, ob ich ein klein wenig zur Verbes<lb break="no"/>serung des deutschen Tourismus nach Österreich beigetragen habe.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_14"><rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs> wollte vor der Vorbesprechung zum Ministerrat von<lb/>
mir wissen, welchen Einfluss die Zollerhöhungen, Aufhebungen<lb/>
oder Kürzung der §-6-Zollsätze auf den Lebenshaltungskosten-Index<lb/>
ausüben. Eine genaue Feststellung ist nicht möglich, ich ersuchte<lb/>
aber <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> eine approximative Rechnung anzustellen.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_15">ANMERKUNG FÜR <rs type="person" ref="#per__98040">WAIS</rs>: In Hinkunft müssten automatisch bei solchen<lb/>
grossen Massnahmen Vorschätzungen von <rs type="person" ref="#per__111737">Marsch</rs> durchgeführt werden.<lb/>
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            <p xml:space="preserve" xml:id="Band39_1977-11-06_16">Die Sendung WIR brachte neuerdings eine Abfallbeseitigungs<lb break="no"/>diskussion mit Stadtrat <rs type="person" ref="#per__97786">Nittel</rs> und Vertretern der Österr. Produk<lb break="no"/>tionsförderungsgesellschaft. Durch diesen Fernsehauftritt konnte<lb/>
ich an der Vorbesprechung zum Ministerrat, die wieder einmal<lb/>
um eine halbe Stunde verschoben wurde, nicht teilnehmen. <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs><lb/>
hat mir vorher einen Aktenvermerk von <rs type="person" ref="#per__149458">Frölichsthal</rs>, dem Bot<lb break="no"/>schafter in Ungarn gegeben, der neuerdings urgierte, wir sollten<lb/>
im Fremdenverkehr für die Ungarn mehr machen. Ich verwies <rs type="person" ref="#per__108328">Pahr</rs> ganz<lb/>
besonders auf die Gefahr, die jetzt von den Oppositionsparteien<lb/>
bezüglich gemeinsamer Propaganda zu erwarten ist. Was die Hotel<lb break="no"/>bauten betrifft, so bemüht sich sowohl Porr als auch Universale<lb/>
und ich hoffe, dass wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen.<lb/>
<rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> hat mir ebenfalls vorher gesagt, dass ich die österr.<lb/>
Firmen zu wenig bemühen, um Exportaufträge zu bekommen. Der saudi-ara<lb break="no"/>bische Botschafter war bei ihm. Hier verwies ich ganz besonders<lb/>
auf eine gewisse Rückwirkung des Bauskandals und dass es letzten<lb/>
Endes für österreichische Firmen sehr schwer ist, Aufträge zu<lb/>
bekommen. Die Saudi-Araber müssten einmal konkret Projektwünsche<lb/>
mitteilen. <rs type="person" ref="#per__97311">Androsch</rs> meint, es müsste Unternehmern möglich sein,<lb/>
so reichen Leuten wie die Saudis Projekte einzureden. <rs type="person" ref="#per__97668">Kreisky</rs><lb/>
wieder befürchtet, nachdem der bulgarische Botschafter bei ihm<lb/>
war, dass unser Aussenhandel in dieses Land nicht zuletzt durch<lb/>
die Zollerhöhung neuerdings zurückgehen wird. Überall Probleme<lb/>
überall Ezzes, womöglich dann einmal in der Zukunft noch der<lb/>
Vorwurf, dass ich zu wenig getan hätte, um den Aussenhandel zu<lb/>
fördern. Das wirkliche Problem in meinen Augen liegt darin, dass<lb/>
eine systematische Politik sehr schwierig ist, weil die Rezession<lb/>
alle Staaten jetzt zwingt, nicht nur grössere Anstrengungen im Export<lb/>
zu machen, sondern auch die Firmen veranlasst zu Konditionen<lb/>
anzubieten, die die österr. Firmen beim besten Willen nicht mit<lb break="no"/>machen können. Das typischste Beispiel für mich war, dass<lb/>
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zu spät und zu langsam reagierte und deshalb vielleicht auch<lb/>
nur als Ausrede der Bulgaren gebraucht, dieser Auftrag verloren<lb/>
ging. Selbst in der Hochkonjunktur hatten einzelne Oststaaten<lb/>
immer grosse Wünsche, viel Unterlagen und ich weiss nicht was<lb/>
noch alles verlangt und dann ist es doch nicht zu dem Geschäft ge<lb break="no"/>kommen. Bei anderen Oststaaten wie z.B. Polen hat der Finanzminister<lb/>
auf Drängen <rs type="person" ref="#per__97668">Kreiskys</rs> riesige Kredite gegeben, wodurch natürlich<lb/>
entsprechende Geschäfte getätigt werden konnten. Wie sie allerdings<lb/>
jetzt zurückgezahlt werden und wie lange das dauert und was wir<lb/>
dabei verlieren werden, steht auf einem anderen Blatt. Meine Erfah<lb break="no"/>rung in den siebeneinhalb Jahren ist, die Firmen arbeiten lassen,<lb/>
wo sie es für notwendig finden sie zu unterstützen, aber nicht<lb/>
zu glauben, man kann von oben herab mit Hinweisen oder gar<lb/>
vielleicht Aufträgen diese Firmenpolitik beeinflussen. Die Ver<lb break="no"/>antwortung trägt letzten Endes, ausser der Staat gibt den<lb/>
Kredit und deckt das Risiko, die Firma allein. Ich werde an<lb/>
dieser Politik auf alle Fälle festhalten.<lb/>
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               <occupation>Handelskammer-Präsident</occupation>
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               <occupation>KR, Taverne am Sachsengang, Bund österreichischer Gastlichkeit
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               <occupation>Direktor Tui</occupation>
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               <occupation>Staatschef Jugoslawien</occupation>
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               <occupation>Gen.Sekr. HK, ÖVP-NR-Abg., später AR-Präs. Verbund</occupation>
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